Nuck Chorris

Salt

Posted in Nuck Chorris on August 20th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Ein Duell mit Sly Stallones Testosteron-Kracher “The Expendables” hat der deutsche Verleih “Salt” dann doch nicht zugemutet, der Film läuft eine Woche eher an und ist also bereits im Kino zu sehen. Irgendwie fast schade, es hätte mich interessiert, wer den Kampf um die Gunst des Publikums gewonnen hätte. Die Prämisse des Films ist sicher den meisten von den Trailern her bekannt. Ein ominöser Russe schaut beim CIA vorbei und erzählt dort seelenruhig, dass eine Doppelagentin namens Evelyn Salt ein Attentat auf den russischen Präsidenten plant.

Er erzählt das nicht etwa irgendwem, sondern einer CIA-Agentin namens Evelyn Salt (Jolie), die erst einigermaßen überrascht ist – und dann spektakulär die Flucht ergreift. Ihre Kollegen sind ihr bald auf der Spur. Unter ihnen ist Ted Winter (Liev Schreiber), ihr Vorgesetzter, der an ihre Unschuld glaubt. Weniger wohl gesonnen ist der für Gegenspionage zuständige Agent Peabody (Chiwetel Ejiofor), der sie im Zweifel auch erstmal erschießen würde, bevor Schlimmeres passieren könnte…

Nach wenigen Minuten entwickelt sich “Salt” zu einer atemlosen Hetzjagd, in der die Heldin durch allerlei wagemutige Tricks ihren Jägern entkommt und immer einen Schritt voraus scheint. Bis zum Ende gibt Regisseur Phillip Noyce (“Die Stunde der Patrioten”) Vollgas, es kracht, scheppert und ballert ohne Ende. Die Story ist ganz auf die Hauptdarstellerin zugeschnitten, Angelina Jolie füllt ihren Part dabei überzeugend aus. “Überzeugend” in dem Sinne, dass sie als weiblicher James Bond (oder auch Jason Bourne) stets zuletzt lacht – und man es ihr das abnimmt. Das sich fast etwas altmodisch entwickelnde Szenario ist nur bedingt glaubwürdig. Stören tut das aber nicht, denn Film und Story wissen um ihre Stärken und Schwächen – letztere werden meist gekonnt überspielt, nur stellenweise ist die Grenze zum Trash in Sichtweite.

Fans von Agentenfilmen (und/oder Angelina Jolie) kommen definitiv auf ihre Kosten, wenn auch wenig bis keine neuen Ideen zum Zuge kommen. Bei der Inszenierung gibt es nichts zu bemängeln (Höhepunkt ist die Beerdigung des US-Vizepräsidenten), die Story macht Spaß und ist gut durchdacht. Nicht jede Szene ist in sich gelungen, insgesamt betrachtet hat mir die erste Hälfte von “Salt” mehr Spaß gemacht als die zweite. Die Mischung aus pixelfreier Action, Spannung (bezüglich der Frage was genau Salt/Jolie denn im Schilde führt) und solide geschriebenen und gespielten Figuren stimmt – es reicht für einen Platz im oberen Mittelfeld der jüngsten Hollywood-Großproduktionen.

4/5

Das A-Team

Posted in Müllhaufen, Nuck Chorris on August 11th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Aus der Rubrik “Blockbuster, die die Welt nicht braucht” kommt nun das “A-Team” in die Kinos. Und wenn ich schreibe “die die Welt nicht braucht” ist das ja nicht zwingend etwas schlimmes. Welchen Blockbuster braucht die Welt schon, “Sherlock Holmes” oder “Fluch der Karibik 2″? Doch wohl kaum… Im Falle des “A-Teams” muss ich allerdings ein härteres Urteil fällen, was die Daseinsberechtigung angeht.

Denn – aus der Sicht von jemandem, der als Kind gerne die Serie geguckt hat – die Leinwand-Fassung enttäuscht komplett. Die neuen Darsteller sind noch das kleinste Problem, drei der vier Rollen sind treffend besetzt. Die Ausnahme ist Sharlto Copley als Murdock, denn aus dem liebenswerten Spinner ist hier ein echter Irrer geworden, ohne dass es nötig gewesen wäre.

Liam Neeson und Bradley Cooper als Hannibal und Face sind gut getroffen und entsprechen (soweit ich mich erinnern kann) etwa ihren Vorgängern, Quinton “Rampage” Jackson ist okayisch als B.A., kommt aber nicht wirklich an Mr T heran. Ein viel größeres Problem ist die Story. Es wird leider keine typische “A-Team”-Episode auf Kinolänge gestreckt und mit ein paar mehr Kniffen versehen – was ich mir gewünscht hätte, und wovon ich ehrlich gesagt auch wie selbstverständlich ausgegangen bin.

Stattdessen ist das Ganze ein “Prequel”, erzählt also die Vorgeschichte der vier Soldaten. Wie sie sich treffen (albern), wie sie zusammen Heldentaten vollbringen (noch am ehesten guckbar), wie sie reingelegt werden (laaaangweilig), und wie sie dann auf der Flucht ihre Namen reinwaschen wollen (08/15-Actionthriller auf RTL2-Niveau). Jessica Biel als Face’s Ex-Freundin und Patrick Wilson als schmieriger CIA-Agent sind die einzig nennenswerten weitere Figuren, wobei “nennenswert” schon eine wohlmeinende Beschreibung ist.

Es kommt aber noch schlimmer. Regisseur Joe Carnahan (“Smokin’ Aces”) vertraut – zurecht – seiner Story kein Stück, und inszeniert deshalb eine hektische und lärmende Hetzjagd auf der Flucht vor sich selbst. Leider gelingen ihm dabei keine sehenswerte Actionszenen. Die Effekte sind guter Durchschnitt, an Ideen mangelt es jedoch deutlich.

So stellt der Film letztlich niemanden so richtig zufrieden. Die Kids von heute, deren Kenntnis der TV-Serie überschaubar sein dürfte, haben schon bessere Actionfilme gesehen und werden sicher nicht nach einem zweiten Teil lechzen. Und die Freunde der Serie – auf deren Nostalgie-Anwandlungen die Produzenten sicher gehofft haben – bekommen einfach nicht genug serviert. Somit erleidet der Film das gleiche Schicksal wie eine Menge TV-Adaptionen vor ihm. Das Publikum riskiert mal einen Blick, will aber hinterher nicht noch mehr davon…

2/5

From Paris With Love (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Nuck Chorris on August 2nd, 2010 by edzehard – 1 Comment

James Reece (Jonathan Rhys Meyers), Angestellter bei der US-Botschaft in Paris, führt kein sehr spannendes Leben. Als Berater des Botschafters sind seine analytischen Fähigkeiten gefragt, sein Wunsch als “echter” Agent tätig zu werden, scheint sich nicht zu erfüllen. Bis er eines Abends – seine Freundin hat ihm gerade einen Heiratsantrag gemacht – den Auftrag erhält dem eingereisten Spezialagenten Charlie Wax (John Travolta) bei dessen Umtrieben in Paris als Partner zur Seite stehen. Kaum sind die ersten Worte gewechselt hat Wax den verdatterten Reece schon in eine Schießerei mit Drogen-Gangstern verwickelt. Und das ist erst der Anfang der wilden Fahrt, die “From Paris With Love” anstelle eines schlüssigen Plots zu bieten hat.

John Travolta hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als überdrehter Super-Spion, dessen Vorgehen man als “ohne Rücksicht auf Verluste” noch milde umschreibt. Mit Teint aus dem Sonnenstudio, Kinnbart und Glatze liefert er eine Energie-Leistung ab, die beinahe überspielt, dass der Figur jegliche Bodenhaftung fehlt. Wax ballert sich durch eine Masse von Bösewichtern, die Stallone und Arnie zu ihren besten Zeiten kaum abgearbeitet haben. Rhys Myers spielt Reece als irgendwie linkischen, nicht unsympathischen aber deutlich überforderten Anfänger – der die erste Hälfte des Films fast komplett eine mit Koks gefüllt Vase mit sich rumschleppt.

Die Story schlägt eine Menge Haken und gipfelt in ein wenig plausibles Szenario in der US-Botschaft – was aber herzlich wenig zur Sache tut. Denn in “From Paris With Love” geht es um Action, Bewegung und ein paar selbstironische Gags am Rande. Figuren und Handlung sind dabei nur Mittel zum Zweck. Zusammengeklaut bei Vorbildern wie “Mission: Impossible” oder “Wanted” entwirft er ein lose der Realität entlehntes Szenario, in dem man es ordentlich krachen lassen kann. Nach dem recht ruhigen Beginn nimmt der Film richtig Fahrt auf, kann aber nicht lange verheimlichen, dass ihm zündende Ideen bei der Inszenierung von Action- und Ballerszenen fehlen.

Mit gut 90 Minuten ist “From Paris With Love” ein recht kurzes Vergnügen – doch jede Minute länger wäre ohnehin zu viel gewesen. Das zuweilen etwas willenlose bunte Vergnügen kann es an Brutalität fast mit “Kick-Ass” aufnehmen, “komischer” Höhepunkt ist hier ein recht unvermittelter Kopfschuss für einen Dinner-Gast. Wer Actionfilme um der Action willen mag, der wird seinen Spaß haben. Nur hinterfragen sollte man in diesem Potpourri nichts und niemanden – das macht ebenso wenig Sinn wie der Film selbst.

3/5

Green Zone (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Nuck Chorris on Juli 28th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Nach ihrer Zusammenarbeit in den letzten beiden “Bourne”-Filmen haben sich Regisseur Paul Greengrass und Schauspieler Matt Damon in “Green Zone” erneut für einen Thriller zusammen getan. Doch diesmal ist der Hintergrund sehr viel ernster. Der Film handelt von den kniffligen Tagen nach dem Einmarsch der US-Armee in den Irak anno 2003, als alle Welt auf die Entdeckung von Saddams Massenvernichtungswaffen wartete. Waffen, die es gar nicht gab, wie wir heute alle wissen.

Matt Damon spielt Captain Miller, der mit seinem Team in Bagdad nach den ‘Weapons of Mass Destruction’(WMD) sucht. Doch die Informationen, die ihrer Suche zugrunde liegen, scheinen nicht viel zu taugen. Miller folgt bald seinen eigenen Hinweisen, zum Mißfallen seiner Vorgesetzten trifft er dabei schnell ins Schwarze und kommt einem untergetauchten General der Baathisten auf die Schliche. Militär und CIA arbeiten gegeneinander, auch eine Journalistin des ‘Wall Street Journal’ ist – stellvertretend für die “gleichgeschalteten” Mainstream-Medien der USA - irgendwie involviert.

In der Figur des Spitzels “Freddy” findet sich auch ein – interessanter – Blick aus der Perspektive eines Einheimischen. Damon spielt Miller durchaus glaubwürdig, allerdings bleibt doch recht offen, warum gerade er im Gegensatz zu seinen Kollegen die Befehle seiner Vorgesetzten zu hinterfragen beginnt. Greg Kinnear ist als ideologisch verbrämter “Falke” der bürokratische Bösewicht, den Gegenpart spielt Brendan Gleeson als hemdsärmliger CIA-Mann mit Durchblick.

“Green Zone” ist DER Film für alle, die immer gesagt haben, der Einmarsch der USA basiere auf Lügen und Propaganda. Er reiht sich nicht ein in die Riege der Irakkriegsfilme, die ohne ein einziges Statement zu den Hintergründen der Invasion auskommen. Die Handlung ähnelt zwar einem Thriller, ist aber von der Botschaft her äußerst eindeutig: WMD hat Saddam nie besessen, und die US-Regierung (oder wenigstens Teile der Regierung) haben das gewusst und also gelogen. Die Auflösung der irakischen Armee war ein schwerer Fehler, die fragile Situation mit den drei großen Volksgruppen wurde falsch eingeschätzt. So, jetzt ist es raus! Und es stimmt ja tatsächlich…

Nur ist das ja leider schon sehr viel länger klar, weshalb “Green Zone” thematisch also nicht sehr brisant daher kommt. Zwischen den Ereignissen, die hier portraitiert werden und der Gegenwart liegt eine Wiederwahl von George W. Bush, dessen zweite Amtszeit und inzwischen 18 Monate der Amtszeit seines demokratischen Nachfolgers Obama. Die Geschichte ist also streng genommen kalter Kaffee, und riecht ein wenig nach Rechthaberei. Erlaubt sein muss die Aussage trotzdem, sie gehört zur Ära Bush wie die Farce bei der Auszählung der Stimmen aus Florida.

Was bleibt, ist ein gut gemachter Thriller, der dem letzten “Bourne”-Teil in punkto Rasanz (fast) das Wasser reichen kann. Greengrass findet überzeugende und packende Bilder für den Großstadtdschungel Bagdads, die Unsicherheit der politischen Situation, den vermeintlich bereits errungenen Sieg der US-Armee sowie die bereits erkennbaren ersten Anzeichen des Terrors. Dabei setzt er weniger auf große Explosionen oder spektakuläre Stunts als auf enge Verfolgungsjagden und den Einsatz von Handkameras, die für Authenzität sorgen sollen (was in diesem Kontext besser passt als bei den “Bourne”-Filmen…). Kein schlechter Film, aber auch keiner den man – aus welchen Gründen auch immer – gesehen haben muss.

3/5

Legion (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Laaaangweilig!, Nuck Chorris on Juli 27th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Bei manchen Filmen ist mir einfach nicht klar, wie sie es jemals von der Drehbuchidee zum Kinofilm schaffen konnten. “Legion” ist so ein Fall. Der Film ist nicht sonderlich schlecht, aber auch nicht gut. Er kombiniert Horror- und Zombiefilm-Elemente mit biblischen Apokalypse-Szenarien und verfeindeten Engeln – ist aber als Ganzes nicht mehr als die Summe seiner Teile.

In einem trostlosen Diner in der Wüste bei Las Vegas kommt es zum Showdown zwischen Engel Michael (Paul Bettany) und seinem Widersacher Gabriel, der mit seinen Zombie-mäßigen Horden angereist ist. Mitten in den Schlamassel geraten Bob (Dennis Quaid), der Betreiber des Diners, mit seinem Sohn und der schwangeren Kellnerin, sowie einige (unfreiwillige) Gäste.

Es folgen Shootouts und Gemetzel, unterbrochen von obligatorischen Drama-Szenen, die bemüht sind alle Figuren ein wenig auszuleuchten. Den Aufwand hätte man sich allerdings sparen können, denn auch wenn die Schauspieler einen korrekten Job machen bringt man nur mäßig Sympathien für die Charaktere auf. Die Story wiederum ist schlichtweg beknackt. Bob protestiert an einer Stelle, er glaube gar nicht an Gott, worauf Michael nur erwidert, Gott glaube auch nicht an ihn und den Rest der Menschheit – alles klar?

Sinnfrei und willenlos ist “Legion” also geworden, aber nicht unguckbar. Für mehr als bloße Bespaßung auf mäßigem Niveau reicht es dabei nicht. Warum dieser Quatsch im Kino lief während andere Filme gleich auf DVD “verschwinden” ist jedenfalls schwer nachvollziehbar.

2/5

“Mission: Impossible 4″ geplant

Posted in Laber, Laber..., Nuck Chorris on Juli 20th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Dass Tom Cruise noch einmal als Super-Agent Ethan Hunt auf die Leinwand zurückkehren wird ist keine große Überraschung. Der dritte Teil der Reihe war einer seiner letzten Hits, und als Produzent der Filme klingelt die Kasse besonders. Interessant ist, dass Brad Bird die Regie übernehmen wird. Der hat zwar große Kino-Erfolge vorzuweisen (Pixars “Ratatouille” und “The Incredibles”), kam dabei aber nur bedingt mit Schauspielern in Berührung. Mal sehen, welche Einflüsse das auf seinen ersten großen Realfilm haben wird.

Schon im dritten Teil saß mit “Lost”-Produzent J.J. Abrams ein Neuling auf dem Regiestuhl, und der Film hat immerhin gute Unterhaltung geboten. Abrams, der inzwischen auch als Regisseur die “Star Trek”-Reihe neu gestartet hat, wird als Produzent mit im Boot sein. Das Casting läuft angeblich bereits, endgültig vom Studio abgenickt ist “M:I 4″ allerdings wohl noch nicht.

Kopfgeld – Perriers Bounty (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Nuck Chorris on Juli 20th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Es dauert nur ein paar Minuten bis man bei “Kopfgeld – Perriers Bounty” unweigerlich an die Filme von Guy Ritchie denken muss. Die schrägen Gangstertypen, die runtergekommenen Kaschemmen, die Schulden bei fiesen Bossen, sogar der bei Actionszenen explodierende Soundtrack - alle Zutaten sind dabei. Nur dass es hier nicht in London zur Sache geht, sondern in Dublin. Die Hauptrollen sind mit bekannten irischen Schauspielern besetzt, namentlich Cillian Murphy (“Batman Begins”) und Brendan Gleeson (“Gangs of New York”).

Murphy spielt Michael McCrea, der schon zu Beginn dringend Geld organisieren muss um Schulden zu begleichen. Anfangs scheint ihm das sogar zu gelingen, aber bald hat er seinen todkranken Vater (Jim Broadbent) sowie seine hübsche Nachbarin (Jodie Whitaker) im Schlepptau – und eine Leiche am Hals. Gleeson gibt den Gangsterboss Darren Perrier, dessen Schergen Michael immer auf den Fersen sind und dabei keine Gefangenen machen. Brutal und schwarzhumorig geht es bei alldem zu, Kampfhunde, Baseballschläger und Revolver stehen als Waffen hoch im Kurs.

Die Hetzjagd quer durch Dublin (und die umliegenden Wälder) ist flott inszeniert, verlässt sich dabei aber allein auf Tempo, Shootouts und zynischen Humor. Die Charaktere bleiben in dem ganzen Chaos recht blass, trotz der prominenten Besetzung und einiger gelungener Szenen. Wahrscheinlich ist “Kopfgeld – Perriers Bounty” auch einfach nicht sonderlich ernst gemeint, wobei man sich dann den Erzähler aus dem Off (im Original gesprochen von Gabriel Byrne) auch hätte sparen können. Wer Spaß an britischen Gangsterfilmen hat, der kann sicher auch dieser irischen Variante etwas abgewinnen. Alle anderen haben mit “Bube, Dame, König, grAS” genug gesehen und können sich getrost nach einem anderen Film umsehen.

3/5

Gesetz der Rache (DVD)

Posted in Nuck Chorris on Mai 28th, 2010 by edzehard – 2 Comments

Ob die Produzenten von “Death Wish” (hierzulande als “Ein Mann sieht rot” bekannt) gewusst haben, wieviele Filme das Prinzip des Charles-Bronson-Reißers kopieren würden, ist nicht bekannt. Vermutlich war “Death Wish” auch gar nicht der erste Film dieser Art. Sei es drum, Hollywood wird nicht müde, die Geschichte vom bürgerlichen Racheengel ein ums andere mal zu wiederholen. Da drehte Denzel Washington als “Man on Fire” durch, Jodie Foster endteckte “Die Fremde in dir”, und auch der erste “Punisher”-Film verfolgt das gleiche Schema. Ein oder mehrere Angehörige des (Anti-)Helden werden – möglichst grausam – ermordet, und dann geht es los mit der Selbstjustiz. Denn auf die Gerichte, auch das gehört zum Schema, ist ja kein Verlass, und die Verbrecher kommen schnell wieder frei – wenn sie überhaupt gefasst bzw. verurteilt wurden.

Genau so funktioniert auch “Law Abiding Citizen” (Originaltitel). Da muss Familienvater Clyde (Gerald Butler, “300″) mitansehen, wie seine Frau und Tochter bestialisch ermordet werden. Und dann schließt der Staatsanwalt Nick (Jamie Foxx, “Ray”) mit dem Anwalt der Verteidigung einen schäbigen Deal, um seine Verurteilungsrate und damit seine Karrierechancen nicht zu gefährden. Der Hauptschuldige bekommt schlappe 5 Jahre aufgebrummt, sein Mittäter landet in der Todeszelle. Nicht akzeptabel für den am Boden zerstörten Clyde…

10  Jahre später nimmt das Unheil seinen Lauf. Bei der Hinrichtung des einen Täters geht so einiges schief, der andere wird regelrecht in Stücke geschnitten. Sehr bald kommen die Cops zu dem Schluss, dass Clyde dahinter stecken könnte. Doch kaum sitzt der in Haft offenbart er dem verdutzten Nick, inzwischen Vize-Bezirksstaatsanwalt, dass er noch längst nicht fertig ist mit seinem Rachefeldzug. Wie sich rausstellt ist er nämlich gar nicht der harmlose Ingenieur, für den er gehalten wurde, sondern ein hochbezahlter und brillanter Tüftler, der für die US-Regierung Killer-Spielzeuge bastelt. Von genau jenen hat er einige ins Rennen geschickt, alle damals am Prozesse beteiligten Personen schweben in Lebensgefahr.

Das Geschehen ist weit hergeholt, und bei näherer Betrachtung fällt der Plot auch in sich zusammen. Nur eine von vielen Fragen wäre, warum die Mörder Clyde damals eigentlich verschont haben? Wollten sie unbedingt einen Zeugen und dementsprechend gefasst werden? Ist auch geschenkt, das Katz-und-Maus-Spiel des Films hat ein paar spannende und gar überraschende Momente zu bieten, handwerklich macht Regisseur F. Gary Gray (“The Italian Job”) nicht viel falsch.

Gerard Butler spielt die Rolle als zu allem entschlossenen Todesengel mit gebührendem Ernst, kann der Figur aber keine Tiefe verleihen. Seine zahlreichen Ausführungen zum jämmerlichen Stand der Justiz sind over-the-top und nicht wirklich ernst zu nehmen. Staatsanwalt Nick, von Jamie Foxx zunächst als aalglatter Karriere-Typ gespielt, gewinnt nicht viel mehr Tiefe. Trotzdem drehen sich die Sympathien des Publikums langsam aber sicher zu Nicks Gunsten. Das Mitgefühl für den Witwer Clyde schwindet dagegen ob dessen zunehmend eskalierender Racheakte.

“Gesetz der Rache” hat eine klare Zielgruppe, wie eigentlich fast alle Filme dieser Art. Ein junges, männliches Publikum soll hier unterhalten werden, und das funktioniert soweit auch ganz gut. Wo allerdings andere Thriller dieser Baureihe ernsthafte Charaktere oder einen wirklich fesselnden Plot bieten können, klafft ein große Lücke. Bestaunt werden soll hier die Monstrosität und Gnadenlosigkeit des jahrelang geplanten Feldzugs. Emotional scheitert er jedoch schon im Ansatz. Was bleibt ist eine weitere filmische Gewaltphantasie, und keine sonderlich einfallsreiche.

2/5

Robin Hood

Posted in Nuck Chorris on Mai 19th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Als vor einiger Zeit bekannt wurde, dass Ridley Scott eine Verfilmung von “Robin Hood” plant, hiess es zunächst Russell Crowe würde sowohl die Titelrolle als auch die des Sheriffs von Nottingham übernehmen. Die Idee wurde fallen gelassen, doch eine handelsübliche Adaption des Stoffes ist trotzdem nicht dabei heraus gekommen. Der Film versteht sich als “Prequel”, erzählt aber eine andere Vorgeschichte als die gemeinhin überlieferte.

Crowe spielt den Soldaten Robin Longstride, der an der Seite von König Richard Löwenherz (Danny Huston) im dritten Kreuzzug gekämpft hat. Nach Löwenherz’ Tod gelangt er über einige Umwege – unter anderem der Krönung des eitlen Fatzkes John zum neuen König – schließlich nach Nottingham, wo er auf die holde Marion (Cate Blanchett) trifft. Die ist allerdings keine Jungfrau, sondern Witwe des gefallenen Ritters Robert Loxley, dessen Identität Longstride nun annimmt.

Währenddessen schmiedet Godfrey (Mark Strong) mit dem König von Frankreich den Plan England zu erobern, indem man die Naivität König Johns ausnutzt. Bald steht weit mehr auf dem Spiel als das Wohlergehen der Bewohner Nottinghams, und Robin Longstride-Hood schwingt sich zum Anführer eines Heeres auf, welches das Vaterland vor den feindlichen Horden verteidigen muss.

Mit dem klassischen Robin Hood, der im Sherwood Forrest seine Umverteilungspolitik mit Pfeil und Bogen durchsetzt, hat das alles nichts zu tun. Diese Zeit, so will der Film verstanden werden, kommt nach den gezeigten Geschehnissen, und so spielen Little John oder der böse Sheriff keine wirkliche Rolle. Warum die Macher dieses “Robin Hood” sich allerdings für eine Neu-Interpretation der Legende entschieden und historische Ereignisse wie die Entstehung der Magna Charta in die Handlung integriert haben bleibt unklar.

Dass man nicht zum x-ten Mal dieselbe Geschichte erzählt finde ich durchaus eine gute Idee, doch das Ergebnis überzeugt nicht sonderlich. Vieles erinnert an “Gladiator”, wie etwa der verzogene junge König als Gegenspieler eines tapfer und ehrbar kämpfenden Russell Crowe als einfachem Soldaten. An der Inszenierung gibt es nicht viel auszusetzen, Ridley Scott hat sein Handwerk nicht verlernt. Es wird mächtig aufgefahren, die Kämpfe und Schlachten sind temporeich und haben Durchschlagskraft, nur die D-Day-mäßigen Landungboote der Franzosen wirken etwas deplatziert. Für Unterhaltung und Kurzweil ist – trotz fast völliger Abwesenheit von Humor – durchaus gesorgt. Der Soundtrack ist etwas übertrieben pompös und bedeutungsschwanger, die Soundeffekte dagegen äußerst gelungen.

Doch die Story selbst vermag nie wirklich zu fesseln. Bei den vielen Erzählsträngen – Longstrides Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Intrigen der Königshäuser – geht dem Film der Fokus verloren. Trotz vieler guter Schauspieler in den Nebenrollen (William Hurt, Max von Sydow) bleiben auch die Figuren recht blass. Nicht, dass es viele schlechte Szenen gäbe (wie etwa Marion in Kampfmontur), nur eben auch keine überzeugenden großen Momente. Die Vermischung von Räuber-Legende mit echter Historie steht im luftleeren Raum, es fehlt die Bodenhaftung eines ‘echten’ Historienschinken, und gleichzeitig die Beschwingtheit der volkstümlichen Heldenverehrung. Das Ergebnis ist ein nett anzusehender Actionfilm mit einer Menge Story, aber ohne erkennbare Daseinsberechtigung. Vielleicht gibt es irgendwann einen verlängerten Director’s Cut, der sich letztere auf DVD doch noch verdient…

3/5

PS: Aus der Reihe “The Complete History of England – In Movies” hier der Eintrag von “Robin Hood”…

Kick-Ass

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss, Nuck Chorris on April 28th, 2010 by edzehard – 2 Comments

Mit dem Erscheinen der ersten Teile von “X-Men” und “Spiderman” ging eine Superhelden-Renaissance einher, die bis heute anhält. Bevor sich im Zuge jener Renaissance demnächst “Iron Man” ein zweites Mal die Ehre gibt kommt eine Art Genre-Parodie raus, die sich des Themas auf etwas andere Art annimmt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Teenie-Loser Dave, der sich – trotz fehlender Superkräfte – als Superheld “Kick-Ass” aufschwingt, gegen das Verbrechen in New York zu kämpfen.

Ein Mädchen will er damit natürlich auch beeindrucken, Ehrensache. Eine Schlägerei mit fiesen Gang-Mitgliedern bringt Dave aka “Kick-Ass” ersten Ruhm bei der Internetgemeinde ein, doch bald darauf wächst ihm die Sache böse über den Kopf. Nur mit Hilfe zweier weiterer Feierabend-Superhelden (über deren Identität ich mich hier der Überraschung wegen mal ausschweige) kommt er mit dem Schrecken davon. Doch der Showdown mit dem Obergangster (sehr gut: Mark Brown, zuletzt auch Bösewicht in “Sherlock Holmes“) ist nur noch eine Frage der Zeit – und es wird schwerstes Geschütz aufgefahren…

Matthew Vaughns Film ist mächtig brutal geworden, wobei die übertriebenen Grausamkeiten wohl ironisch verstanden werden sollen. Eine Freigabe ab 16 hätte es hierzulande vor zehn Jahren sicher nicht gegeben. Die Story bedient sich munter bei allerhand bekannten Vorbildern, vor allem bei “Spiderman”, “Leon – Der Profi”, “Kill Bill”, “Superbad” und “Matrix” – Fans dieser Filme sind auch die Zielgruppe. Die Mixtur gelingt gar nicht schlecht und sorgt für Lacher und einen insgesamt hohen Unterhaltungswert. Mit zunehmender Spieldauer gehen dem Film dann ein wenig die – zum Teil recht grenzwertigen – Ideen aus, die Story nimmt ein allzu vorhersehbares und recht altbackenes Ende. Unter dem Strich ein sehr solides Unterhaltungspotpourri, aber kein wirklich großer Wurf.

4/5

Auftrag: Rache

Posted in KenntKeinMensch, Nuck Chorris on April 12th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Mel Gibsons erster Film als Schauspieler seit 8 Jahren ist kein sonderlich subtiler Thriller, einen weniger billigen deutschen Titel hätte “Edge of Darkness” (Originaltitel) aber schon verdient gehabt. Gibson spielt Detective Thomas Craven, der recht unvermittelt Besuch von seiner Tochter Emma bekommt. Wenig später wird Emma brutal über den Haufen geschossen. Craven glaubt zunächst, der Anschlag habe eigentlich ihm gegolten, landet bei seinen Nachforschungen dann aber bei ihrem letzten Arbeitgeber, dem semi-militärischen Forschungslabor “Northmoor”. Dort hält Chef Jack Bennett (Danny Huston) die Fäden in der Hand, lässt sich von Craven aber nicht in die Karten gucken.

“Auftrag: Rache” ist eine B-Movie-artige Mischung aus Rache- und Verschwörungsthriller. Drehbuchgerecht fallen dem trauernden Detective die Indizien in den Schoß, fangen Leute an zu plaudern, betreten zwielichtige Typen die Bühne. Unter diesen ist Geheimdienstler Jedburgh (Ray Winstone), der Craven bei dessen Ermittlungen erst einmal weitgehend gewähren lässt. Das Geschehen hat seine spannenden Momente, die Atmossphäre ist angemessen düster. Mel Gibson – sichtlich älter geworden – hat das Schauspielen nicht verlernt und probiert ein paar neue Gesichtszüge aus, seine Mimik hat mit Riggs aus “Lethal Weapon” nicht sehr viel zu tun.

Trotz der guten Ansätze und einem passenden Ende kann der Film von “Casino Royale”-Regisseur Martin Campbell sein Publikum nicht so recht fesseln. Zu schnell ist klar, was eigentlich los ist (den Zuschauern noch vor Gibsons Figur), zu nebensächlich ist es, welcher Anzugträger nun eigentlich die meiste Schuld an Emmas Tod hat. Der militärisch-industrielle Komplex gibt einmal mehr den Bösewicht, auch das ist nicht neu oder überraschend. Zumal “Edge of Darkness” keine große politische Message mitbringt, sondern offensichtlich als Spannungskino verstanden werden will. Als Zeitvertreib für Thriller-Freunde möglich, den Gang ins Kino darf man sich aber sparen.

3/5

Harry Brown (DVD Import)

Posted in Nuck Chorris on März 25th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Sir Michael Caine ist inzwischen 76 Jahre alt, hat aber offenbar nicht vor, die Schauspielerei an den Nagel zu hängen. In “Harry Brown” spielt Caine die Titelfigur, einen einsamen Rentner in einem heruntergekommenen Stadtteil  von London. Kriminalität bestimmt den Alltag, gleich zu Beginn zeigt der Film in drastischen Szenen, wozu die gelangweilten, mit allen möglichen Drogen aufgeputschten Jugendlichen so fähig sind. Sie terrorisieren die gesamte Nachbarschaft, wer sich ihnen in den Weg stellt wird schlicht überrollt.

Ald die Gang Harrys einzig verbliebenen Freund ermordet, und die Polizei scheinbar ohne Beweise dasteht, ist für Harry der Ofen aus. Als ehemaliger Soldat mit Waffen und Gewalt vertraut nimmt er den Kampf mit den Kids auf. Das ganze macht mehr als nur ein paar Anleihen bei Klassikern wie “Ein Mann sieht rot”. Leider gehört “Harry Brown” nicht zu den Rache-Filmen, die ihre Handlung und/oder die Hauptfigur auch kritisch hinterfragen.

Weil sich die Story nicht mal bemüht, die sozialen Mißstände in Harrys Stadtteil (gedreht wurde im Aylesbury Estate in Walworth) zu thematisieren ist der Film letztlich ohne erzählerische Tiefe. Die Figur von Harry ist durchaus glaubwürdig, und Caine wäre nicht Caine wenn er sie nicht überzeugend spielen würde. Doch seine Widersacher in der Story sind allesamt wandelnde Klischees.

Ein junger Krimineller mit sadistischen Neigungen und ein paar Junkies, die in ihrer Drogenhölle eine junge Frau beinahe verrecken lassen, werden schrecklich übertrieben und vereinfacht als Bösewichter benutzt, über deren Ableben sich der Zuschauer dann freuen soll. Am Ende kommt dann noch eine kleine “Überraschung” dazu, die den reaktionären Charakter des Films aber nicht mehr verändert.

Die Inszenierung ist visuell sehr gelungen, und die Story hat durchaus Qualität was die realistische Milieuzeichnung angeht. Die Entwicklung der Hauptfigur und das Abdriften eines ganzen Stadtteils in die Gewalt – das sind die Stärken des Films. Leider vernachlässigt er zugunsten seiner genretypischen Handlung die Notwendigkeit, das Geschehen in seiner ganzen sozialen Dimension zu präsentieren. Dadurch wird “Harry Brown” zum Plädoyer für Selbstjustiz und einen hart durchgreifenden Polizeistaat, das zwar zu unterhalten weiß, in seiner Aussage aber schwer bis gar nicht verdaulich ist.

2/5

Public Enemy No. 1 – Todestrieb (DVD)

Posted in Nuck Chorris on März 17th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Wie jüngst hier berichtet hat mir “Mordinstinkt“, der erste Teil der Jacques-Mesrine-Saga, eine Menge Spaß gemacht. Heute war also Teil zwei an der Reihe. In “Todestrieb” geht es – nun in den 70ern – zunächst weiter wie zuvor. Banküberfall folgt auf Banküberfall, der Festnahme folgt der Gefängnisausbruch. Mesrine hat ein paar Pfunde zugelegt, versprüht aber immer noch eine Menge kriminelle Energie und diabolischen Charme.

Eine neue junge Frau an seiner Seite (gespielt von Ludivine Sagnier) ist dabei, und auch ein neuer Partner. Bald ist Mesrine wieder auf Achse wie zu besten Zeiten. Von Paris ans Mittelmeer, nach London und zurück. Seine Attitude und auch seine Methoden sind dieselben, doch die Zeiten sind andere geworden. Die Politik bestimmt das Geschehen, die linken Terrorgruppen in Italien, Deutschland und anderswo machen große Schlagzeilen.

Der politische Ballast steht “Todestrieb” dabei nicht sehr gut zu Gesicht. Mesrine gefällt sich als Enfant Terrible, das sich nur widerwillig vor den Karren einer Ideologie spannen lässt. Eigentlich ist die Figur Tony “Scarface” Montana deutlich näher als linken Klassenkämpfern – sie will ein Leben im Luxus, liebt das Gefühl von Macht  und Gefahr. Das jedoch wurde in “Mordinstinkt” bereits mehr als deutlich. Was da noch aufregend und aus zeitgeschichtlicher Sicht interessant war wird nun ohne große Steigerung weitergeführt.

Ob die Story dabei dem realen “Vorbild” treu bleibt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Was die Spannungs- und Überraschungsmomente angeht kann man sich kaum beklagen, auch wenn die zahlreichen Ballerszenen irgendwann zur Routine werden – trotz der weiterhin gekonnten und realistischen Inszenierung. Mich jedenfalls hat “Todestrieb” nicht mehr wirklich fesseln können, was sicher auch an den gestiegenen Erwartungen lag.

Aber wenn man so eine Gangster-Saga in zwei Teile teilt, dann sollte man sich eben auch ein paar Highlights für den Schluss aufbewahren, siehe “Kill Bill”. “Todestrieb” bemüht sich gegen Ende, die Tradition des französischen Politthrillers aufleben zu lassen und auf dieser (film-)geschichtlichen Note zu enden. So richtig passen tut das aber nicht. Die runden vier Stunden, die beide Filme zusammen benötigen, ergeben kein sonderlich großes oder rundes Ganzes, haben aber genug Qualitäten, um den Zeitaufwand solide zu rechtfertigen.

3/5

Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt (DVD)

Posted in Kranker Scheiss, Nuck Chorris on März 15th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Letzten Spätsommer gingen die zwei Teile von “Public Enemy No. 1″ im Kino an mir vorbei. Unter anderem deshalb, weil mir der Trailer nicht sonderlich gefiel. Nun aber, nachdem ich den ersten Teil mit dem nicht sehr subtilen deutschen Titel “Mordinstinkt” gesehen habe, bereue ich das ein wenig. Die Filme basiert auf dem Leben des realen Gangsters Jacques Mesrine (gespielt von Vincent Cassel), nehmen sich dabei aber sicher einige künstlerische Freiheiten.

Das Tempo der Story ist flott, von Mesrines Erfahrungen im Algerienkrieg anno 1959 geht es nach Paris, wo er als Gangster unter der schützenden Hand von Guido (Gerard Depardieu) an Einfluss gewinnt. Drei Frauengeschichten, zwei Kinder, etliche Überfälle und einen Haufen Tote später erfindet sich Mesrine 1968 mit seiner neuen Liebe Jeanne (Cecile De France) im kanadischen Quebec neu, und legt sich dort sehr bald  mit den Autoritäten Nordamerikas an – vorläufige Endstation ist ein Hochsicherheitsgefängnis.

Visuell bedient sich “Mordinstinkt” bei klassischen US-Gangsterfilmen, setzt auf lange Kamerafahrten und explizite Gewaltszenen.  Anleihen beim “Paten” oder Scorseses “Goodfellas” sind nicht zu übersehen. Doch der Film findet seinen eigenen Ton, was das Szenario und die Hauptfigur angeht. Mesrine ist ein Soziopath und eiskalter Verbrecher, was sich zum Teil durch seine Vergangenheit erklärt. Er macht Karriere in der Unterwelt, weil er für einen bürgerlichen Beruf zu ungeduldig ist und ohnehin nach seinen eigenen Gesetzen lebt.

Psychologisch gesehen ist es manchmal etwas dünn, was der Film seinem Publikum verkauft.  Doch vor allem Vincent Cassel (auch in deutscher Übersetzung) spielt groß auf und verleiht Mesrine einen “Scarface”-artigen Charme. Die Handlung hält ihr hohes Tempo ohne große Glaubwürdigkeitsverluste, lediglich einige dramaturgische Sprünge fallen ins Auge. “Mordinstinkt” kommt erfrischend und unterhaltsam daher, obwohl alle Zutaten – Banküberfälle, Schießereien, Gefängnisausbrüche, Medienrummel -  hinreichend bekannt sind. Den zweiten Teil der Saga, “Todestrieb”, werde ich mir in Kürze auf jeden Fall mit deutlich gesteigerten Erwartungen zu Gemüte führen…

4/5

Armored

Posted in KenntKeinMensch, Nuck Chorris on März 12th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Tagtäglich fahren Mike (Matt Dillon) und seine Kollegen von ‘Eagle Security’ in ihren gepanzerten Transportern Millionen von Dollars durch die Stadt. Doch von ihrem Gehalt können sie gerade so ein einfaches Arbeiter-Leben führen. Oder noch nicht mal das, wie im Falle von Neuling Ty, der seinen kleinen Bruder versorgen und eine Hypothek seiner verstorbenen Eltern bedienen muss. Die Routiniers um Mike, Baines (Laurence Fishburn) und Quinn (Jean Reno) haben daher einen Plan ausgeheckt.

Sie täuschen einen Überfall vor, verstecken die Kohle für eine Weile, und fertig. Das Geld ist versichert, die angeblichen Täter werden nie gefunden. Angesichts des knappen Zeitplans, der die Fahrer zu ständigem Kontakt mit der Zentrale zwingt, kein leichtes Unterfangen, aber doch machbar. Als kurz darauf das Jugendamt Ty damit droht seinen Bruder in eine Pflegefamilie zu stecken ist auch der mit dem Plan einverstanden – unter der Vorraussetzung, dass niemand bei der Sache verletzt wird. Und das geht natürlich schief, kaum dass die Gruppe mit ihren zwei Transportern in einem verlassenen Industriegebiet ihre Beute verstecken will.

“Armored” ist ein klassisches B-Movie im besseren Sinne. Spannung, Unterhaltung und Action stehen im Vordergrund, die Figuren sind recht einfach gezeichnet. In der Tradition (wenn auch nicht mit der Klasse) von “Reservoir Dogs” oder “Killing Zoe” eskaliert ein Überfall, die Gangster liegen überquer, müssen fliehen oder werden belagert. Einige der eigentlich friedlichen Arbeiter werden hier durch die Ausnahmesituation zu berechnenden Bösewichtern. Die prominente Besetzung spielt auf anständigem Niveau, ohne größere Überraschungen oder Übertreibungen. Die Story beschränkt sich auf die Thriller-Elemente und vermeidet unnötige Nebenschauplätze, der Hip-Hop-lastige Soundtrack passt zum urbanen Setting.

Ein paar Logikfehler und arge Vereinfachungen hat “Armored” dabei auch im Gepäck. Ebenso kann die Handlung als recht vorhersehbar bezeichnet werden. Großes Drama oder ganz neue Ideen darf man von dem Film nicht verlangen. Er beschränkt sich darauf, dem Szenario zu Beginn ausreichend Glaubwürdigkeit zu verleihen, und findet dann in der Ausnahmesituation des gefälschten Überfalls zu seinem wahren Thema. Das ergibt im ganzen kein filmisches Erlebnis, das man unbedingt machen müsste, aber für einen soliden, kurzweiligen Feierabend-Thriller reicht es locker.

3/5