Kurzkritik: The Dark Tower

The Dark Tower FilmplakatFantasy, 2017

Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor

Worum gehts?

In mehreren Parallelwelten, deren Überleben von einem ominösen „Dark Tower“ garantiert wird, kämpfen das Gute (in Person des ‚Gunslingers‘ Roland) und das Böse (‚Man in Black‘ Walter) um die Vorherrschaft.

Was soll das?

„The Dark Tower“ erzählt soweit ich das verstanden habe erste Bruchstücke, vor allem das grundsätzliche Szenario, von Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Saga. Der Film soll einen Einstieg in den Stoff geben, eine Serie und weitere Filme sollten folgen.

Taugt das was?

Nein. „The Dark Tower“ wirkt eher wie die Verfilmung einer Kurzgeschichte, in den knapp 90 Minuten lässt sich nur ganz selten erahnen, worin die Faszination der Vorlage bestehen könnte. McConaugheys Bösewicht kommt besonders ansatzlos (und dabei auch nicht im Ansatz überzeugend) daher, bei Elbas ‚Gunslinger‘ ist es nur etwas besser.

Sonst noch was?

Ob aus der Serie und den weiteren Kinofilmen was wird ist wohl eher unklar, weil der Film die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Als Nicht-Fan der Reihe ist mir das relativ egal (ich hab mir den Film angesichts der miesen Kritiken eher aus mitleidigem Interesse angesehen), und ich könnte wetten dass sich die Fans der Bücher insgesamt auch eher über einen komplett neuen Anlauf in ein paar Jahren freuen würden..

2/5

Kurzkritik: King Arthur – Legend of the Sword

King Arthur Legend of the Sword FimplakatFantasy/Action, 2017

Regie: Guy Ritchie; Darsteller: Charlie Hunnam, Jude Law, Eric Bana

Worum gehts?
Um die Artussage, allerdings eher vage (ich konnte auf den ersten Blick wenig Übereinstimmungen der Handlung hiermit finden…).

Was soll das?
Guy Ritchie macht aus der britischen Sage modernes Blockbuster-Kino, ohne dabei auf seine ‚Trademarks‘ als Regisseur (u. a. Montagen, brachiale Musik & lustige Wadenbeißer-Dialoge) zu verzichten – so ist sein „Arthur“ auch ein wahres Kind der Gosse.

Taugt das was?
Nicht so richtig, wobei ich als Fantasy-Muffel hier auch nicht Zielgruppe bin. Tricks und Darsteller können sich sehen lassen, die Story besteht aus den üblichen Versatzstücken, eine runde Sache (oder gar ein interessanter Film) ist „King Arthur“ trotz einiger gelungener Szenen nicht geworden.

Sonst noch was?
Der Film soll wohl den Auftakt einer ganzen Reihe von Artus-Filmen sein, die dann hier eher nicht mehr besprochen werden dürften…

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie einen zweistündigen Trailer für einen Film, von dem man sich ziemlich sicher ist, dass man ihn nicht sehen will.

2/5

Kurzkritik: The Circle

The Circle FilmplakatDrama, 2017

Regie: James Ponsoldt; Darsteller: Emma Watson, Tom Hanks, Karen Gillan

Worum gehts?
Eine junge Frau ergattert einen Job beim Tech-Giganten ‚The Circle‘. Zunächst schwer beeindruckt vom luxuriösen Campus und den scheinbar paradiesischen Zuständen muss sie langsam erkennen, dass ihr Arbeitgeber und seine schöne neue Produktwelt auch Schattenseiten haben.

Was soll das?
Die Apples, Googles, Amazons und Facebooks dieser Welt („‚The Circle‘ vereint in sich in etwa die Marktmacht von allen zusammen), genauer gesagt ihre Gier nach Daten und deren ‚Monetarisierung‘, wird an den Pranger gestellt, wobei vermeintliche Utopien  sich in ihr absehbares Gegenteil verkehren.

Taugt das was?
Nein. Zwar versteht der Film (und also die Romanvorlage) etwas von seinem Thema und bringt berechtigte Kritik zum Ausdruck. Er ist aber zu nah dran an der Wirklichkeit, als dass es Science-Fiction wäre. Gleichzeitig ist er davon zu weit weg (im Sinne von übertrieben) und somit auch kein überzeugendes Drama. Für eine Satire wiederum ist „The Circle“ nicht bissig genug.

Sonst noch was?
Schon die Vorlage war etwas oberlehrerhaft, konnte aber mit einigen Details überzeugen. Die Filmversion hingegen ist oft schon unfreiwillig komisch und nimmt sich selbst deutlich zu ernst (oder eben nicht ernst genug).

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie einen mahnenden Leitartikel, dessen Autor recht hat – was man aber schon längst weiss.

2/5

Kurzkritik: Once Upon a Time in Venice

Once Upon a Time in Venice FilmplakatKrimi/Comedy, 2017

Regie: Mark Cullen; Darsteller: Bruce Willis, John Goodman, Jason Momoa,

Worum gehts?
Um einen abgehalfterten Privatdetektiv, bei dem es weder beruflich noch privat so richtig rund läuft. Sein Hund wird gekidnapped, er legt sich mit einem Haufen Drogendealer an – und seinen aktuellen Fall kriegt er auch nicht gelöst…

Was soll das?
„Once Upon a Time in Venice“ will den Erfolg von ähnlichen (ungleich besser gemachten) ruppigen Komödien wie „The Nice Guys“ wiederholen. Das wird wohl eher nichts.

Taugt das was?
Nein. Die Hauptrolle ist Bruce Willis zwar auf den Leib geschrieben, aber insgesamt bietet der Film zu wenige gute Ideen. Ein paar gelungene Gags reichen nicht, und die alberne Inszenierung offenbart letztlich nur die Beliebigkeit der Story.

Sonst noch was?
Nicht wirklich.

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie „The Nice Guys“ in Scheisse.

2/5

Kurzkritik: Collateral Beauty

Collateral Beauty FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: David Frankel; Darsteller: Will Smith, Kate Winslet, Edward Norton, Helen Mirren, Keira Knightley, Michael Pena, Jacob Latimore

Nach dem Tod seiner jungen Tochter fällt Howard (W. Smith), Chef einer Werbeagentur, in ein so tiefes Trauerloch, dass seine Kollegen (E. Norton, K. Winslet, M. Pena) sich was ganz besonderes einfallen lassen, um ihn wieder ins Leben zurück zu holen. Sie tun das aber nicht nur, weil sie Howard so gern haben – sie wollen auch zu ihrem eigenen „Vorteil“ die Firma retten, um die sich der Trauernde nicht mehr richtig kümmert.

Drei Theaterschauspieler (H. Mirren, K. Knightley, J. Latimore) sollen Howard als Verkörperungen von „Tod“, „Zeit“ und „Liebe“ – denen Howard in seiner Verzweiflung Briefe geschrieben hat – entgegen treten, und ihm die Kraft zum Leben wiedergeben. Während die Aktion in vollem Gange ist offenbart sich, dass auch Howards Kollegen so ihre Probleme mit sich rumschleppen und ebenfalls Hilfe gebrauchen könnten…

„Collateral Beauty“ ist so übervoll von großen Trauergesten, tiefster Verzweiflung und wütender Hoffnungslosigkeit, dass vor allem die Hauptfigur nicht sehr menschlich rüberkommt, sondern wie ein überlebensgroße tragische Fantasiefigur. Die wird dazu noch von Will Smith gespielt, der nicht eben dafür bekannt ist Durchschnittsbürger zu spielen, und hier auch keine subtile Vorstellung gibt.

Einige erzählerische Ideen und Kniffe des Films sind durchaus gelungen (wenn auch zum Teil leicht zu erahnen), doch weil das Ganze so eindeutig ein Versuchsaufbau ist und sich – trotz der vielen hochkarätigen Darsteller – aus dem selbstgebauten Korsett eines Tränen-Pornos nicht befreien kann, funktioniert „Collateral Beauty“ allenfalls als Trauer-Märchen, nicht aber als Drama.

2/5

PS: Eine Analyse der Kontraste/Unterschiede zwischen “Collateral Beauty” und “Manchester by the Sea” (beide Filme handeln von um ihr Kind trauernde Väter) ergäbe sicher einen interessanten Essay….

Kurzkritik: Bad Santa 2

Filmplakat Bad Santa 2Comedy, USA 2016

Regie: Mark Waters; Darsteller: Billy Bob Thornton, Kathy Bates, Tony Cox, Christina Hendricks

Fortsetzungen haben keinen sonderlich guten Ruf, und Filme wie „Bad Santa 2“ sind schuld daran. Der etwas überraschende Erfolg des Originals von 2003 ist der einzige Grund, warum es nun einen späten zweiten Aufguss der „Grumpy Santa Claus“-Story gibt.

Weil es an erzählerischen Ideen mangelt (ein Wort über die Story zu verlieren wäre pure Zeitverschwendung) hat man sich dafür entschieden, den Film noch deutlich vulgärer und politisch unkorrekter zu machen als den Vorgänger (in dem diese Mittel allerdings nicht wie hier als Selbstzweck eingesetzt wurden).

Also fluchen die Figuren am laufenden Band, beleidigen sich auf das Übelste und lassen generell komplett die Sau raus. Leider ist das nur selten wirklich witzig, auch wenn sich die Darsteller redlich bemühen. Es führt auch zu nichts, denn „Bad Santa 2“ kommt über eine uninspirierte Nummernrevue mit deutlich mehr Rohrkrepierern als Volltreffern nicht hinaus.

2/5

Kurzkritik: War on Everyone

War on Everyone FilmplakatKrimi/Comedy, UK 2016

Regie: John Michael McDonagh; Darsteller: Alexander Skarsgård, Michael Peña, Theo James

Der britische Regisseur John Michael McDonagh wagt sich nach zwei starken Filmen („The Guard“, „Calvary“) nun in die USA – zumindest was den Schauplatz angeht. Im traditionell recht moralinsauren Genre des Cop-Thrillers ist „War on Everyone“ eine recht willkommene Abwechslung. Da prügeln und schießen sich zwei Cops durch New Mexico, ohne sich auch nur im Ansatz für ihren Ruf oder die Vorschriften zu interessieren.

Doch der nach anarchischer Unterhaltung klingende Ansatz allein reicht nicht. „War on Everyone“ konzentriert sich auf die politisch unkorrekten Attituden seiner Hauptfiguren, vernachlässigt es aber, eine richtige Story zu erzählen, sich für seine Figuren zu interessieren, den richtigen Ton zu treffen oder wenigstens großartige Witze unterzubringen.

So vergehen gut 90 Minuten ohne echte Höhepunkte oder Hingucker, auch wenn die Darsteller mit vollem Einsatz dabei sind. Der lieblos zusammengeschusterte Plot in Verbindung mit der bemüht coolen Inszenierung sorgt zwar hier und da für unterhaltsame Sequenzen, ein funktionierendes Ganzes wird aber nie draus. Schade eigentlich.

2/5

Kurzkritik: The Girl On The Train

The Girl On The Train FilmplakatThriller, USA 2016

Regie: Tate Taylor; Darsteller: Emily Blunt, Haley Bennett, Rebecca Ferguson, Justin Thereaux, Luke Evans

Da ich den Roman gelesen habe (ideale Kost für Langstreckenflüge) war für mich klar, welche Überraschungen und Wendungen „The Girl On The Train“ zu bieten hat. Die Frage war, wie der Film die fragmentierte, in der Zeit springende Erzählung abbilden bzw. abwandeln würde. Die Antwort ist leider: mehr schlecht als recht…

Natürlich war die in der Vorlage verwendete Mischung aus unzuverlässigen Erzählern und dem Vorenthalten von entscheidenden Fakten/Geschehnissen keine große Neuheit. Aber sie hat ganz gut funktioniert – auch wenn man den Braten nach etwa der Hälfte schon ganz gut riechen konnte.

Der Film versucht, sich diese Machart weitgehend zu eigen zu machen. Die Perspektiven springen hin und her, was aber in einem Film nicht im Ansatz so funktioniert wie in einem Roman – da helfen auch die Off-Kommentare nicht. Was fehlt, ist eine bessere, eigene Idee, für Spannung und Überraschungsmomente zu sorgen.

Es entwickelt sich nurmehr ein „Guessing Game“, das für sich nicht ausreicht als Spaßfaktor. Die Schauspieler mühen sich, bekommen aber allesamt – auch wegen der nonlinearen Erzählung – zu wenig Möglichkeiten, ihre Rollen und Konflikte glaubwürdig zu entwickeln. Ein Vorbild des Films war sicher „Gone Girl“, dessen Klasse „The Girl On The train“ aber nicht im Ansatz erreicht.

2/5

Kurzkritik: Suicide Squad (2D)

Suicide Squad FilmplakatFantasy/Action, USA 2016

Regie: David Ayer; Darsteller: Will Smith, Margot Robbie, Viola Davis, Jared Leto

Im Kino habe ich mir „Suicide Squad“ geschenkt, weil ich erstens die Nase weitgehend voll von Superhelden-Gedöns habe und zweitens der Trailer ziemlich mies war. Immerhin passt der Trailer zum kompletten Film, der ist auch ziemlich mies.

Im DC-Universum nach Supermans ‚Tod‘ suchen die Behörden nach Möglichkeiten, zukünftigen Bedrohungen durch „besondere Spezies“ etwas entgegen setzen zu können. Ihre Wahl fällt auf eine Horde einander bis dahin unbekannter Super-Verbrecher (Serienkiller, Brandschätzer, Bankräuber, Verrückte, Mutanten), die bis dahin in getrennten Hochsicherheitszellen verwahrt wurde.

Unter der Führung von der US-Agentin Waller (V. Davis) und dem Vorzeige-Major Flag (Joel Kinnaman) soll der wilde und widerspenstige Haufen eine tausende Jahre alte Hexe und ihren Bruder unschädlich machen. Klingt nicht nur bescheuert, ist es auch. Selbst für das Superhelden-Genre. Und dazu wird das alles recht ungeschickt und verwirrend erzählt.

„Suicide Squad“ ist der mißratene Versuch, aus den gigantischen Erfolgen von „Guardians of the Galaxy“ (und mit Abstrichen auch „Deadpool“) Kapital zu schlagen. Finanziell scheint das sogar zu klappen. Doch für das Publikum ist es eine recht zähe Veranstaltung geworden. Weder zünden die Witze (Ausnahmen bestätigen die Regel), noch beeindrucken die Effekte oder der immerhin etwas mutige trashige Neon-Style.

Die ‚Rückkehr‘ des Jokers (J. Leto) ist auch eher enttäuschend, die Figur hätte – nach Heath Ledgers großartiger Darstellung – noch ein paar Jahre Schonzeit vertragen. Und sie ist hier auch letztlich überflüssig. Die Mitglieder des „Suicide Squad“ sind nicht alle gänzlich daneben, Hailey Quinn (Margot Robbie) etwa macht durchaus Laune, Diablo, Captain Boomerang und Slipknot könnten taugen, wenn man ihren Figuren Platz gegeben hätte. Den bekommt allerdings stattdessen Will Smiths „Deadshot“, der als konventionellste Figur wiederum wenig spannend ist. Zudem spielt Smith hier in erster Linie eine klassische Will-Smith-Figur.

Zum davonlaufen ist der Film nun auch nicht, Schauwerte und Tempo reichen aus, um die zwei Stunden Laufzeit schnell vergehen zu lassen. Unter dem Strich aber ist „Suicide Squad“ ein gutes Beispiel, in welche Richtung dieses millardenschwere Genre besser nicht gehen sollte, wenn die Studios ihre “’Cash Cow“ noch ein paar Jahre länger auszuschlachten gedenken. Und davon gab es dieses Jahr bereits mehr als genug…

2/5

Am Rande erwähnt: „Tarzan“ und „Independence Day 2“

id4_2Es gibt Filme, die würde ich mir ums verrecken nicht im Kino anschauen. Und wenn sie dann zuhause verfügbar sind, kann ich es doch nicht lassen. “Independence Day 2” ist so ein Film. Kein Mensch braucht einen zweiten Teil der Reihe, der Star der Show (Will Smith, nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere) ist ausgestiegen – und auch sonst findet sich keine Daseinsberechtigung.

Die Action – im Vorgänger wurden noch neue Maßstäbe gesetzt – ist solide, aber nicht wirklich spektakulär. Abgesehen davon, dass neue Maßstäbe im Actionbereich lange nicht gesetzt wurden (von welchem Film der letzten 5 Jahre könnte man das sagen?), krankt es in einem anderen Bereich. Das Schaulaufen der alten Helden (Jeff Glodblum, Bill Pullman) versucht mit Humor zu punkten, aber letztlich haben deren Figuren keine echte Strahlkraft. Das gilt auch für alle neuen Figuren, für die man sich kaum zu interessieren vermag. Insgesamt ist das alles sterbenslangweilig, die zwei Stunden Laufzeit wirken deutlich länger.

1/5

Legend of Tarzan PlakatBei “The Legend of Tarzan” war ich von mir selbst überrascht, dass ich irgendwie Lust hatte, mir das mal anzuschauen. Vielleicht weil es der erste “Tarzan”-Film war, den ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt habe. Ganz großer Trash natürlich, immer an der Grenze zum unfreiwilligen Humor und voller bestenfalls zweifelhaftem afrikanischem Ethno-Kitsch.

Der Film bietet ein paar schöne Bilder – Außenausnahmen wurden in Gabun gedreht, alle Szenen mit Schauspielern wohl aber im Studio, wie es aussieht. Der künstliche Look und die zum Teil schwachsinnigen Action-Szenen (200 Meter lange Lianen, die an 300 Meter hohen Bäumen hängen – welche es aber gar nicht gibt…) sind gerade so zu ertragen. Die unfreiwillige Komik macht schon wieder Spaß, auch die Besetzung (abgesehen von Tarzan selbst, aber die Figur ist auch so bekloppt, ich weiss nicht wer das glaubwürdig hätte hinbekommen sollen) mit Christoph Waltz, Samuel L. Jackson und Margot Robie macht das Beste draus. Das ist aber immer noch nichts Gutes…

2/5

Filmkritik: Point Break

Point Break FilmplakatAction, USA/DE/CHN 2015

Regie: Ericson Core; Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracy, Ray Winstone, Teresa Palmer

Dass ein Remake von „Point Break“ in die Hose gehen könnte war klar. Das Original mit Keanu Reeves und Patrick Swayze passte einfach perfekt in seine Zeit und macht – trotz zahlreicher Schwächen und beträchtlichem Trash-Faktor – bis heute Spaß.

Nun haben die Produzenten versucht, das Geschehen in die Gegenwart zu überführen, und sie machen dabei so ziemlich alles falsch. Los geht es mit der Fehlbesetzung der Hauptrolle, Luke Bracey als Johnny Utah hat genau keinen Charme und auch sonst außer einem durchtrainierten Körper nichts zu bieten. Das „Update“ der Story selbst ist noch bescheuerter und unglaubwürdiger als das Original, was gar nicht so leicht ist. Die pseudo-politische Dimension des ganzen ist einfach nur grottig.

Die Handlung ist dem neuen „Point Break“ aber auch total egal, der Film ist eine einzige Abfolge von Actionszenen in „Red Bull TV“-Optik. Es wir gesurft, Motocross und Snowboard gefahren, sogar „im-Flügelanzug-vom-Berge-hüpfen“ ist Teil des Plans. Doch weder findet eine Entwicklung der Figuren statt, noch ist das alles so spektakulär, dass es einem egal wäre. Einzig Edgar Ramirez als Bodhi kann halbwegs überzeugen, gegen das langweilige Script und seine minderbegabten Kollegen ist aber auch er machtlos.

Das Original hatte mit Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busy und Lori Petty vier in ihren Rollen überzeugende Schauspieler, der Film entwickelte trotz der bewussten Oberflächlichkeit Spannung. Die Macher dieses Remakes scheinen nicht verstanden zu haben, was an diesem Material funktioniert hat und warum. Das Resultat ist eine erbärmliche Fingerübung, von der man sich besser fernhält.

2/5

Kurzkritik: The Night Before (Die Highligen Drei Könige)

The Night Before FilmplakatComedy, USA 2015

Regie: Jonathan Levine; Darsteller: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt, Anthony Mackie

In aller Kürze: Derbe Buddy-Komödie mit allzu vorhersehbarer Story und zu wenig guten Jokes.

Worum gehts? Drei Kerle zelebrieren zum letzten Mal die Tradition am Tag vor Weihnachten gemeinsam in NYC voll einen drauf zu machen.

Die gute Nachricht: Ein paar Witze und Ideen zünden durchaus, die Schauspieler sind redlich bemüht.

Die schlechte Nachricht: Der „Plot“ ist arg bescheuert, ohne dass die Clownereien das hinreichend rechtfertigen. Der derbe Humor beisst sich mit der biederen Moral, insgesamt eine unausgegorene Fehlzündung.

3/5

 

Filmkritik: Jupiter Ascending (2D)

Jupiter Ascending FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: The Wachoswkis; Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean

Eigentlich muss man froh sein, wenn heute noch jemand den Mut aufbringt für mächtig viel Geld einen Film zu machen, der nicht zu einem der großen Franchises gehört. Bei “Jupiter Ascending” wird nicht mit altbewährten, extrem beliebten Figuren das Geld eingesammelt wie bei “Star Trek”, “Star Wars”, dem “Hobbit” oder den Zig Comicverfilmungen von Marvel und DC.

Aber froh sein fällt einem dann doch schwer, wenn man sich mit einer Mischung aus Langeweile, Ungläubigkeit und Verdruss mitten in der kruden Story wiederfindet, die sich die “Matrix”-Geschwister Wachowski ausgedacht haben. Die schillernden Außeridischen, die das Universum beherrschen, die auf der Erde gestrandete Auserwählte Weltenretterin, ein Held auf Power-Hover-Schuhen (quasi Eislaufen in der Luft) und alle möglichen weiteren Versatzstücke aus dem Baukasten des Fantasy/Science-Fiction Genres – das alles wird visuell opulent serviert.

Leider verlangt “Jupiter Ascending”, dass man sich auf Anhieb mit der Welt, in der das alles spielt, anfreundet, die Prämisse für bare Münze nimmt und sich in das flotte Geschehen fallen lässt. Das geht alles sehr schnell, weder für die äußere Handlung noch für die innere (will sagen für die Figurenentwicklung) bleibt genug Zeit. Blass und vage, angereichert mit ziemlich platten Dialogen und Motiven, nimmt die Story ihren vorhersehbaren Lauf.

Nun ist es sicher nicht leicht, eine frische, innovative Story ins Kino zu bringen, denn es müssen ja auch Finanziers gefunden werden. Und doch wundert es mich, dass “Jupiter Ascending” so komplett ohne Alleinstellungsmerkmal daherkommt. Bei “Matrix” waren Story und Effekte einigermaßen neu, und außerdem kunstvoll verbunden. Hier war die Hoffnung offenbar, dass man mit einem “Star Wars” für Arme irgendwie durchkommt. Gemessen am Einspielergebnis und dem IMDB-Rating von niedrigen 5,8 ergibt sich folgende Antwort: Nein. Fail.

2/5

Filmkritik: Mortdecai

Mortdecai FilmplakatComedy/Action, UK/USA 2015

Regie: David Koepp; Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor

Ungläubiges Kopfschütteln ist die natürliche Reaktion auf das Trashfest namens „Mortdecai“. Selten habe ich einen A-List Hollywood-Film gesehen, der auf so vielen Ebenen versagt wie dieser. Da wäre etwa Johnny Depp als englischer Kunsthändler/Betrüger Mortdecai – die Titelfigur des Films fällt gleich in den ersten Szenen in sich zusammen. Die krude Mischung aus Weinerlichkeit, Snobismus und albernem Gekasper geht nicht auf. Das ist nicht komisch, sondern daneben.

Auch die von Gwyneth Paltrow (hochnäsige Ehefrau), Paul Bettany (unterwürfiger Butler und Casanova) und Ewan McGregor (schleimiger MI5-Agent) gespielten Rollen sind nicht viel besser. Die Story ist ebenfalls ein Desaster, wobei das ganz offensichtlich eingeplant war. „Mortdecai“ setzt auf den Spaß, den Figuren & Dialoge verbreiten sollen – was so vollends scheitert, dass es kaum zum Fremdschämen reicht. Die vielen Ortswechsel und Figuren verstärken den Eindruck der Ziellosigkeit noch.

Die interessantesten Fragen sind bei dem Ganzen folgende: Wie konnte das Projekt jemals grünes Licht bekommen konnte? Und warum ist auch den Darstellern nicht aufgefallen, wie schlecht die Idee zum Film in allen Belangen ist? Ich würde was dafür geben, bei der ersten Vorführung dieses jämmerlichen Streifens vor den Geldgebern (Johnny Depp war selbst einer davon) dabei gewesen zu sein. Die haben sicher weinend ihre Buchhalter angewiesen, einen großen Batzen Kohle abzuschreiben…

1/5

Filmkritik: Transcendence

Transcendence PosterSci-Fi/Thriller, USA 2014

Regie: Wally Pfister; Darsteller: Johnny Depp, Morgan Freeman, Rebecca Hall

Technologie- und fortschrittskritische „Aktivisten“ verüben ein Attentat auf Internet-Guru Dr. Will Caster (Depp). Caster, der an einer Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz arbeitet, wird daraufhin kurz vor seinem sich anbahnenden Tod von seiner Frau Evelyn (Hall) ins Netz hochgeladen – nicht nur sein Wissen, auch sein Geist versteht sich. Dort, als leicht pixeliger Avatar und uneingeschränkter Herrscher über die digitale Welt, fühlt sich das Genie sichtlich wohl und erschafft im Handumdrehen neue Software und Technologien.

„Transcendence“ ist nach „Her“ der zweite Film des Jahres, in dem die Menschwerdung von Maschinen (oder besser Programmen) thematisiert wird. Doch während „Her“ sich mit den Auswirkungen der Technik auf den Alltag von Individuen auseinander setzte, geht es hier nun um das große Ganze. Hat die Menschheit die Kontrolle verloren? Führt uns der Fortschritt geradewegs in die Verdammnis? Ist das Machbare und Mögliche immer auch das Richtige?

Keine schlechten Fragen. Um sich aber adäquat damit beschäftigen zu können, hätte es ein schlüssiges Drehbuch, eine gute Geschichte geben müssen. Die fehlt in „Transcendence“ leider komplett. Entwicklungen und Ideen gibt es zuhauf, doch die Ausgestaltung ist ungenügend und zuweilen gar albern. Von Casters visionären Plänen, seiner Darstellung als „Ghost in the Machine“, bis zu den fadenscheinigen Leuten, die ihm auf der Spur sind und die wenig glaubwürdige Beziehung zwischen Caster und seiner Frau – nichts davon überzeugt, weder darstellerisch noch inszenatorisch, und schon gar nicht inhaltlich.

„Transcendence“ zerreisst es förmlich, weil der Spagat zwischen anspruchvollem Film-Essay und Mainstream-Entertainment misslingt. Man kann dem Film zu Gute halten, dass er es wenigstens ernst meint (ohne dabei auf plumpe Vereinfachungen von Zusammenhängen zu verzichten) und sich recht aufrichtig an seinen Themen abarbeitet. Helfen tut das aber kaum, weil die Handlung viel zu konstruiert daher kommt, als dass sie eine eigene Dynamik oder gar Spannung entwickeln könnte.

2/5

 

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