Kranker Scheiss

The Disappearance of Alice Creed (Fantasy Filmfest)

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on September 6th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Ganze drei Figuren sind in diesem Kino-Kammerspiel von J. Blakeson dabei. Das Opfer Alice Creed (Gemma Arterton), das zu Beginn des Films gekidnapped wird, und ihre beiden Kidnapper. Der ältere von beiden ist Vic (Eddie Marsan), der jüngere ist Danny (Martin Compston). Sie haben sich im Knast kennen gelernt und den Plan ausgeheckt, den schwerreichen Vater von Alice zu erpressen. Es läuft alles nach Plan zunächst, die Entführte ist in einem leerem Apartment ans Bett gefesselt, die Verhandlungen über das Lösegeld laufen. Vic und Danny scheinen alles im Griff zu haben.

Die Handlung spielt zunächst ausschließlich in der kleinen Wohnung, in der die Entführer und ihr Opfer dem Ende der ganzen Aktion entgegen fiebern. Doch die Konstellation ist nicht so einfach wie man denken könnte, zwischen den Figuren existieren andere Beziehungen als man zunächst annimmt. Der Film macht dabei keine Rolle rückwärts, gibt aber einige Informationen erst spät ans Publikum weiter. Es bleibt nicht bei einer Überraschung, mehr möchte ich hier nicht verraten.

Tatsächlich funktioniert “The Disappearance of Alice Creed” besser als die meisten anderen Kammerspiele der jüngsten Kinogeschichte, etwa “Interview” oder “1 Mord für 2“. Das liegt neben den guten Schauspielern vor allem am guten Drehbuch, das sich fast keine unglaubwürdige Szene leistet. Die Handlungen und Motive der Figuren sind weitgehend stimmig – eine Seltenheit für das Genre. Das Tempo der Inszenierung steigert sich langsam und sehr effektvoll bis zum Finale. Dabei ist der Film nicht ohne Schwächen oder Mängel, und erfindet auch nicht das Rad des Thrillers neu. Für die bescheidenen Mittel, mit denen er realisiert wurde holt er jedoch ein Maximum an Spannung und Unterhaltung raus.

4/5

Paper Man (DVD-Import)

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on August 17th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Jeff Daniels spielt den mental instabilen Schriftsteller Richard, der sich in einem abgelegenen Haus an der Küste an seinem zweiten Roman versucht. Von seiner Frau entfremdet widmet er seine Zeit dem imaginären Freund “Captain Excellent” (ein blondierter Ryan Reynolds in billigem Superman-Kostüm) und der realen Teenagerin Abby (Emma Stone). Zwischen Richard und Abby entwickelt sich eine Art Freundschaft, die beiden einsamen Seelen teilen bald ihre Geheimnisse miteinander.

Den beiden Hauptdarstellern ist es zu verdanken, dass “Paper Man” seine gelungenen Momente hat. Sie spielen ihre Figuren mit einer gewissen Leichtigkeit und Sinn für Humor, und umspielen soweit möglich die Tücken des Drehbuchs. Die liegen vor allem darin, dass die Story kein echtes Fundament besitzt. Die Charaktere scheinen nur für den Film zu existieren, ohne eine Vergangenheit und Verbindungen zur Realität. Wie etwa Richard über zwanzig Jahre mit einer Ärztin verheiratet sein und dabei seinen imaginären Freund geheimhalten konnte ist schwer vorstellbar.

Auf dem Papier klingt die Story besser, als sie wirklich ist. Richards kleine Aussetzer und seine Marotten sind nett anzusehen, aber sie ergeben kein stimmiges Bild. Abbys Vergangenheit – die langsam ans Licht kommt – erklärt ihr Verhalten auch nur bedingt. Die doppelte “Coming-of-Age”-Geschichte, in der beide Figuren sich dem Ernst des Lebens stellen müssen findet kein überzeugendes Ende, nur einen schönen Ausweg. Es macht gar weitgehend Spaß, sich das ganze anzusehen, aber überzeugen kann der Film letztlich weder als Drama noch als Komödie.

3/5

Inception

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss on August 4th, 2010 by edzehard – 2 Comments

Von Christopher Nolans neuem Film “Inception” habe ich genau genommen nichts anderes erwartet als dass er diesen Kino-Sommer rettet. Die Trailer und Teaser waren vielversprechend, die Kritiken und Ratings vom allerfeinsten, das Ganze schien fast zu schön um wahr zu sein. Und tatsächlich ist “Inception” ein absolutes Highlight geworden – ein Film, der im Gedächtnis bleibt. Und an den sich die “Oscar”-Academy sicher erinnern wird, wenn es darum geht, das beste Original-Drehbuch des Jahres auszuzeichnen.

Worum es geht lässt sich schwer zusammenfassen (ohne zu viel zu verraten), die Grundzüge der Handlung  sind in etwa diese: ein Team vom Traum-Dieben bekommt den Auftrag, einem Milliarden-Erben einen folgenschweren Gedanken ins Hirn zu pflanzen. Damit das gelingt, müssen sie tief in sein Unterbewusstsein eindringen – sprich in seine Träume. Dass es gar nicht seine Träume sind, sondern speziell für ihn entworfene Traumwelten, die vom Team kontrolliert werden, ist einer der zahlreichen Kniffe des Films.

Leonardo DiCaprio spielt Cobb, den Anführer des Teams, der in den Träumen häufiger seiner verstorbenen Frau Mal (Marion Cotillard) begegnet. Außerdem mit dabei sind Cobbs langjähriger Partner Arthur (Joseph Gordon-Levitt), die neu ins Boot geholte Ariadne (Ellen Page), der begabte Fälscher und Dieb Eames (Tom Hardy), der Chemiker Yusuf (Dileep Rao) und Saito (Ken Watanabe). Michael Caine als Cobbs Mentor und Stiefvater, Cilian Murphy als schwerreicher Erbe und Tom Berenger als dessen Vertrauter komplettieren die All-Star-Besetzung.

Nolan erfindet mit “Inception” das Rad nicht neu, und auch nicht den modernen Action-Thriller. Was er tut ist viele bekannte und einige weniger bekannte Story-Versatzstücke mit beeindruckenden, zum Teil nie da gewesenen Spezial-Effekten zu vermischen, und dabei den Überblick nicht (oder nur selten) zu verlieren. Die Story hat viele Facetten und vereint Elemente aus Filmen wie “Dark City”, “Matrix”, “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” oder “Letztes Jahr in Marienbad” (den der Regisseur nach eigener Aussage erst hinterher gesehen hat). Es geht um Träume, ihre Beziehung zur Realität und letztlich darum, woran man die Realität eigentlich genau erkennen kann.

Zu Beginn des Films ist so häufig von Träumen, Extraktion, Traum-Architekten und ähnlichem Fach-Jargon die Rede, dass man sich ein wenig an die unseligen “Matrix”-Sequels erinnert fühlt. Doch wahrscheinlich ist es einfach notwendig, dem Publikum das nicht ganz einfache Handwerk zu erklären, auf dem die Story aufbaut. Die “Inception” des Titels (engl. Anfang oder Gründung) wird ebenso angesprochen wie die verschiedenen Traum-Ebenen und der unterschiedliche Verlauf der Zeit darin. Das Thema ist dabei nicht unbedingt neu, wohl aber die Art und Weise, in der sich der Film diesem annimmt.

Das Spiel mit den diversen Handlungsebenen beherrscht der Film virtuos. Gegen Ende geht es auf vier Traumebenen zur Sache, ein echtes Highlight des Kinojahres. Als Zuschauer ist man beschäftigt, aber nicht überfordert, den Überblick zu behalten, hat dabei genug Zeit die atemberaubenden Bilder auch zu genießen. Zu den visuellen Höhepunkten gehört definitiv ein auf den Kopf gestelltes Paris, ein Hotelflur in Schwerelosigkeit und ein Van im freien Fall. Der Look von “Inception” ist dabei erstaunlich frei von CGI, die meisten Tricks und Effekte sind “altmodisch” gemacht. Was doch am Computer entstanden ist sieht nicht oder nur leicht danach aus – kein Vergleich mit dem lahmen Pixelbrei, der in so vielen Filmen zu sehen ist.

Den Hut ziehen muss man insgesamt sicher als erstes vor Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan. Sowohl die Dramaturgie als auch die Inszenierung sind absolut auf den Punkt gebracht. Action, Drama und sogar ein wenig Humor ergänzen sich prächtig. Wäre Nolan durch die immensen Einnahmen von “The Dark Knight” nicht zum Liebling von Warner Bros. geworden hätte er sein Drehbuch wohl niemals verfilmen können. Das Studio wiederum hat Mut bewiesen, einen derartig verkopften Film mit riesigem Budget (ca. $ 200 Mio.) auf den Mainstream loszulassen – und wird gerade weltweit mit klingelnden Kassen belohnt.

Das starke Schauspieler-Ensemble trägt ebenfalls zum Gelingen bei. Sie bevölkern die realen und surrealen Filmwelten, als hätten sie nie etwas anderes getan, ohne nerviges Over-Acting oder den Hang zur übertriebenen Pose. Die Figur von DiCaprio hat – wie schon zuletzt in “Shutter Island” – am meisten emotionales Gepäck dabei, und auch hier gelingt ihm eine beachtliche Darstellung. Auch wenn “Inception” nicht ohne kleinere Schwächen – nicht jeder Kniff kann überzeugen – ist: einen besseren, aufregenderen Film habe ich dieses Jahr im Kino noch nicht gesehen.

5/5

PS: Dass “Inception” weltweit richtig Kasse macht (es dürften jenseits von 500 Mio. $ werden) ist insgesamt eine gute Sache. Es wird den Fortsetzungswahn nicht stoppen, setzt ihm aber eine deutliche Duftmarke entgegen.

So Finster die Nacht (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on Juli 2nd, 2010 by edzehard – 1 Comment

Nun habe ich es sogar während der WM noch geschafft mir diesen schwedischen Film aus dem Jahr 2008 anzusehen. Und er hat sich glatt gelohnt, wenngleich ich nicht ganz so begeistert bin wie andere – vielleicht waren es einfach zu viele Vorschusslorbeeren. “So Finster die Nacht” erzählt die Geschichte von Oskar, einem einsamen 12-jährigen Jungen, und seiner gleichaltrigen neuen Nachbarin Eli.

Habe ich “gleichaltrig” geschrieben? Nun ja, Eli ist auch 12 – aber wie sie selbst sagt: “das bin ich schon sehr lange”. Eli ist nämlich eine Vampirin, und ihr Blutdurst dezimiert langsam aber sicher die Bevölkerung in dem betulichen Vorort Stockholms, in dem die Geschichte spielt. Oskar hat ganz andere Probleme, er wird von Mitschülern übel drangsaliert, schöpft aber aus der Freundschaft mit Eli die Kraft, sich zur Wehr zu setzen.

Der Film inszeniert seine Story in ruhigen, fast hypnotischen Bildern. Einige Szenen sind blutrünstig und brutal, aber es geht nicht um den schnellen Thrill oder “Twilight”-mäßigen Vampir-Kitsch. Der Ton ist ernsthaft und verleiht der ungewöhnlichen Story damit Glaubwürdigkeit, erlaubt sich aber hin und wieder eine Portion Humor. Ein bisschen übertreibt er es allerdings mit der Unaufgeregtheit, ein paar Längen sind schon drin in den knapp zwei Stunden Spielzeit. Von den ungewöhnlichen Vampirstreifen der letzten Jahre bleibt damit “Durst” mein Favorit, aber “So Finster die Nacht” ist auf jeden Fall einen Blick wert.

4/5

PS: Auf das Remake bin ich nun tatsächlich gespannt. Mit ein bisschen Glück wird “Let Me In” die Qualitäten des Films bewahren und gleichzeitig eine etwas flottere Inszenierung bieten…

Red Rock West (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on Juni 10th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Neo-Noirs aus den 80er, 90er und 00er Jahren finde ich von der Idee her schon solange gut, wie ich den Begriff überhaupt kenne. Von “Blood Simple”, dem urigen Erstling der Coen-Brüder, über den unterschätzten “Devil in a blue Dress” bis hin zu mainstreamigen Filmen wie “Basic Instinct” oder dem komödiantischen “Kiss Kiss Bang Bang” sind eine Menge sehenswerter Filme dabei. Zu den weniger bekannten Filmen des Genres gehört John Dahls “Red Rock West” von 1993. Die DVD ist hierzulande vergriffen, in guten Videotheken aber sicher noch zu finden. Grund genug, sich das gute Stück noch einmal anzusehen…

Das Setting ist von klassischer Schlichtheit. Der einsame Ex-Soldat Michael (Nic Cage) ist auf der Suche nach einem Job in den Ölfeldern Wyomings, und gerät dabei ohne eigenes Zutun in eine schwierige Lage. Der schmierige Barbesitzer Wayne (J.T. Walsh) hält ihn fälschlicherweise für den von ihm bestellten Auftragskiller, der seine Frau Suzanne (Lara Flynn Boyle, bekannt als Donna Hayward in “Twin Peaks”) umbringen soll. Ehe er sich versieht hat Michael $ 5000 in der Tasche und ist auf dem Weg zu Suzanne.

Doch statt sie wirklich zu töten warnt er sie nur davor, dass bald tatsächlich ein Killer kommen könnte – und will “Red Rock West”, so der Name des verlassenen Kaffs, danach sofort verlassen. Weil das aber den Gesetzen des (Neo-)Noir widerspräche wird daraus leider nichts. Einen Unfall und etwa fünf Filmminuten später findet sich Michael in einer beinahe ausweglosen Situation wieder. Der Sheriff hat ihm auf dem Kiecker, der  echte Killer taucht auf (gespielt von Dennis Hopper), sein Auto wird konfisziert.

Es sind in “Red Rock West” alle typischen Elemente zu finden, die das Genre ausmachen. Der einsame, von Natur aus rechtschaffene (Anti-)Held, die schöne Femme Fatale, die Intrigen, die Versuchungen und die verdrängten dunklen Geheimnisse der Vergangenheit. Was den Film dabei ausmacht ist die Lässigkeit, mit der er die bekannten Zutaten mixt. Nic Cage spielt angenehm zurückhaltend, ohne Grimassen und Posen, auch seine Kollegen lassen ihren Figuren und deren – meist überzeugenden – Motiven den Vortritt. Dennis Hopper gibt seinem Killer Charme und einen kleinen Schuss abgründigen Irrsinn.

Der Plot ist nicht sonderlich innovativ, der Film versucht das Publikum nicht zu überraschen wie “The Usual Suspects”, “Fight Club” oder “Memento”. Die Story schlägt zwar Haken, hat aber keinen – oder besser nur einen – doppelten Boden. Regisseur Dahl ist inzwischen meist im TV zuhause, dreht Episoden von “Dexter”, “Californication” oder “True Blood”. Sein letzter Kinofilm war “You Kill Me” mit Ben Kingsley von 2007, der zwar zu unterhalten wusste, mich aber irgendwie nicht so recht vom Hocker riss. Vor und nach “Red Rock West” hat Dahl allerdings zwei weitere herrliche Neo-Noirs gedreht: anno 1989 “Kill Me Again”, mit Val Kilmer und Michael Madsen(!), sowie anno 1994 “The Last Seduction” mit Linda Fiorentino und Bill Pullman. Auch die müssten in guten Videotheken noch zu finden sein…

8/10

The Road (DVD-Import)

Posted in Großes Kino!, KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on Mai 14th, 2010 by edzehard – 3 Comments

Nachdem die Coen-Brüder Cormac McCarthys “No Country for Old Men” in Oscar-gekröntes Kino verwandelt haben steht nun mit “The Road” die nächste Verfilmung eines McCarthy-Romans an. Kein leichtes Unterfangen, denn das Buch erzählt eine extrem düstere Geschichte, die von der Stimmung und den Dialogen lebt – aber auch vieles der Fantasie des Lesers überlässt.

Mit John Hillcoat wurde ein fähiger Regisseur gefunden, der mit “The Preposition” gezeigt hat, dass er von rauher Natur und düsteren Geschichten etwas versteht. Und düster ist der Stoff allemal. Ein Vater (Viggo Mortensen) wandert mit seinem Sohn (Kodi-Smit-McPhee) durch eine völlig verwüstete und verbrannte USA. Welche Katastrophe diese ewig graue, lebensfeindliche Umgebung, in der keine Sonne mehr zu sehen ist, verursacht hat, darüber ist im Buch nichts berichtet. Zum Zeitpunkt der Handlung ist sie auch schon mehrere Jahre her.

In kurzen Rückblenden zeigt “The Road”, wo die Mutter (Charlize Theron) der Familie abgeblieben ist. Für den Rest des Films sind die beiden mit sich und ihrer gefährlichen Umwelt alleine. Sie sind unterwegs nach Süden, in der Hoffnung auf eine letzte, warme Bastion der Menschheit. Außer den beiden haben nicht viele überlebt, einige davon sind zu wandernden Kannibalen geworden, vor denen sie ständig auf der Hut sein müssen.

Der emotionale Kern der Story ist die innige Beziehung zwischen Vater und Sohn, die bedingslos aufeinander angewiesen sind. Der Vater auf seinen Sohn als einzigen Grund, am Leben zu bleiben (einen Revolver mit zwei Kugeln trägt er mit sich), der Sohn auf seinen Vater als Versorger und Erzieher in einer trostlosen Wirklichkeit – der einzigen, die der Sohn je kennengelernt hat. Es gelingt dem Film durchaus, diese besondere Beziehung zu vermitteln, und in dem Szenario den richtigen Ton zu treffen. Doch fehlt im Vergleich zum Buch ein wenig von der ergreifenden Charakterisierung. Auch einige der besten Dialoge fehlen leider.

Visuell ist es Hillcoat und seinem Team sehr gut gelungen, die postapokalytische Umgebung zu präsentieren. Keine, oder zumindest nur wenige, CGI-Effekte kommen zum Einsatz, sondern echte Sets von verlassenen, heruntergekommenen Landschaften, in denen unter einer omnipräsenten Ascheschicht keine natürlichen Farben mehr durchscheinen. Auch der Ozean ist nicht mehr blau, er spült nur noch dunkelgraue Wellen an den verlassenen Strand.

“The Road” ist keine leichte Kost, das Szenario ist konsequent zu Ende gedacht und zeigt dabei einige schmerzhaft-finstere Szenen. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt der Film nah an der Vorlage, zum Glück auch, was das großartige Ende angeht. Ob man dem Ganzen etwas abgewinnen kann hängt allerdings von jedem Zuschauer selbst ab. Wer kein Faible für Gleichnis-artiges, poetisch-düsteres Kino hat sollte lieber zuhause bleiben. Da ich das Buch gelesen habe war ich mit der Story bereits vertraut, inwiefern sich ein anderer Eindruck ergibt, wenn man sie zum ersten Mal erlebt ist schwer zu sagen.

4/5

PS: Zwei Anmerkungen noch:

1. Der erste  Trailer des Films erweckt den Eindruck, “The Road” wäre eine Art Actionfilm. Nicht könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Szenen aus dem Trailer sind zwar im Film, stehen aber in einem völlig anderen Kontext und sind auch nicht mit ähnlichem Sound unterlegt. War wohl der Versuch, mehr Leute ins Kino zu bekommen – ein bescheuerte Idee, denn die Enttäuschung oder gar das Entsetzen des Publikums wäre vorprogrammiert gewesen.

2. In Deutschland kommt der Film mit einem Jahr Verspätung erst diesen Oktober (US-Start November 2010) in die Kinos. Warum das so ist kann ich auch nicht sagen, und der Heini vom Verleih Kinowelt wollte mir auf meine – zugegeben etwas überspitzte – Nachfrage auch keine Antwort geben. Die DVD und BluRay gibts inzwischen beide für 12 Pfund bei Amazon.co.uk zu bestellen.

Kick-Ass

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss, Nuck Chorris on April 28th, 2010 by edzehard – 2 Comments

Mit dem Erscheinen der ersten Teile von “X-Men” und “Spiderman” ging eine Superhelden-Renaissance einher, die bis heute anhält. Bevor sich im Zuge jener Renaissance demnächst “Iron Man” ein zweites Mal die Ehre gibt kommt eine Art Genre-Parodie raus, die sich des Themas auf etwas andere Art annimmt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Teenie-Loser Dave, der sich – trotz fehlender Superkräfte – als Superheld “Kick-Ass” aufschwingt, gegen das Verbrechen in New York zu kämpfen.

Ein Mädchen will er damit natürlich auch beeindrucken, Ehrensache. Eine Schlägerei mit fiesen Gang-Mitgliedern bringt Dave aka “Kick-Ass” ersten Ruhm bei der Internetgemeinde ein, doch bald darauf wächst ihm die Sache böse über den Kopf. Nur mit Hilfe zweier weiterer Feierabend-Superhelden (über deren Identität ich mich hier der Überraschung wegen mal ausschweige) kommt er mit dem Schrecken davon. Doch der Showdown mit dem Obergangster (sehr gut: Mark Brown, zuletzt auch Bösewicht in “Sherlock Holmes“) ist nur noch eine Frage der Zeit – und es wird schwerstes Geschütz aufgefahren…

Matthew Vaughns Film ist mächtig brutal geworden, wobei die übertriebenen Grausamkeiten wohl ironisch verstanden werden sollen. Eine Freigabe ab 16 hätte es hierzulande vor zehn Jahren sicher nicht gegeben. Die Story bedient sich munter bei allerhand bekannten Vorbildern, vor allem bei “Spiderman”, “Leon – Der Profi”, “Kill Bill”, “Superbad” und “Matrix” – Fans dieser Filme sind auch die Zielgruppe. Die Mixtur gelingt gar nicht schlecht und sorgt für Lacher und einen insgesamt hohen Unterhaltungswert. Mit zunehmender Spieldauer gehen dem Film dann ein wenig die – zum Teil recht grenzwertigen – Ideen aus, die Story nimmt ein allzu vorhersehbares und recht altbackenes Ende. Unter dem Strich ein sehr solides Unterhaltungspotpourri, aber kein wirklich großer Wurf.

4/5

Durst (DVD)

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on April 2nd, 2010 by edzehard – 4 Comments

Park Chan Wook hat vor ein paar Jahren mit “Old Boy” eine Duftmarke des koreanischen Kinos gesetzt. Ich habe den Film damals gesehen und gemocht, kann mich gerade aber nur an die Stichworte “Rache” und “krasse Gewalt” erinnern. Parks neuer Film “Durst” kreist um den katholischen Priester Sang, der nach der Teilnahme an einem medizinischen Experiment feststellen muss, dass er zum Vampir geworden ist. Daraus macht Park aber keine klassische Vampirstory, sondern ein realistisches Drama – in dem eben ein Vampir im Mittelpunkt steht.

Sang kämpft mit seinem Blutdurst, ist bemüht seine Menschlichkeit zu wahren. Doch seine neu erwachten Triebe erlauben das nicht wirklich. “Durst” ist blutig geraten, bleibt dabei aber – anders als die meisten modernen Vampirschinken – meist stimmig und nimmt seine Charaktere ernst. Klassische Vampirmotive und schonungslose, zuweilen plakative Psychologisierung gehen Hand in Hand und machen den Film zu einer echten Bereicherung des Genres. Regisseur Park findet einzigartige, verstörende Bilder. Seine blutsaugende Hauptfigur durchlebt große Qualen und Gewissensbisse (Kalauer!), findet aber in Person der hübschen Tae-Ju auch eine liebende Gefährtin.

Mit Mainstream-Vampirkino a la “Twilight” hat der Film nichts zu tun. Zwar gönnt Park sich und seinem Publikum durchaus aus mal – eher abseitigen – Humor, doch stellt er den Vampirmythos nie in den Vordergrund. Sang ist nun mal zum Vampir geworden, die zentrale Frage der Handlung ist, wie er damit umgehen kann – ohne größeren Schaden anzurichten. Auch wenn “Durst” etwas langatmig daherkommt erzählt er seine ungewöhnliche Geschichte konsequent und mit vielen Szenen und Ideen, die man so schnell nicht vergisst. Vorraussetzung für den “Genuss” des Films ist allerdings, das man sich auf gut zwei Stunden andersartiges, gewohnte Sehgewohnheiten in Frage stellendes Kino einlassen mag. Popcorn-Material ist “Durst” ( ebenso wie “Old Boy) jedenfalls ganz sicher nicht…

4/5

Capitalism – A Love Story (DVD)

Posted in Kranker Scheiss on März 24th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Michael Moore und seine Sicht der Welt ist hinreichend bekannt. Man kann ihn mögen oder hassen, sein Talent für unterhaltsame, polemische Dokumentationen ist nicht zu leugnen. Die Finanzkrise ist für Moore ein gefundenes Fressen. In seinem sarkastisch “Capitalism – A Love Story” betitelten neuen Film zeichnet Moore ein düsteres Bild der USA und gibt einmal mehr den Anwalt der kleinen Leute. Sehr viele Höhepunkte hat der Film nicht zu bieten, aber wenn Moore ins Schwarze trifft, dann auch richtig.

So ist die Nachricht, dass die Lücke zwischen Arm und Reich immer größer wird, nicht neu. Mit welcher zynischen Präzision sich aber ein Memo der Citigroup dieser Tatsache annimmt (natürlich im Bestreben für die Reichen noch mehr rauszuholen) ist dann doch beängstigend. Denn es wird überdeutlich, dass für deren Verfasser soziale Verantwortung und Gemeinwohl keine relevanten Größen in ihren Gleichungen sind. Sie haben nur ein ungutes Gefühl, dass sich bei den Massen Widerstand regen könnte – denn der wäre angesichts der Realität nur zu verständlich…

Ebenso zeichnet Moore schlüssig nach, wie seit den Tagen von Schauspieler-Präsident Ronald Reagan Konzerne und Finanzindustrie durch Lobbyismus extrem an Einfluss gewonnen haben. Den Wählern wird einfach solange vorgegaukelt, man stehe für ihre Interessen ein, bis sie das glauben. Dabei wählen die Amerikaner ja zum Glück (für die Lobbyisten) traditionell mit dem Herzen (für/gegen Waffenbesitz oder Abtreibung) und nicht mit dem Portemonaie. So verzeihen sie ihrem Präsidenten auch Milliardengeschenke an Superreiche. “Steuersenkung” klingt ja schliesslich immer gut!

Wenn Moore hingegen mit einem Geldtransporter bei den Banken vorfährt, um die Steuergelder des Rettungspakets wieder einzusammeln (“You can trust me!”) ist das zwar durchaus komisch, aber pure Unterhaltung. Auch mit den Portraits der ‘kleinen Leute’, die ihr Haus im Zuge der Krise verloren haben, kann Moore nur bedingt punkten. Sicher, sie haben Finanzprodukte genutzt, die ethisch fragwürdig sind. Aber ihr Motiv war dasselbe wie das der Anbieter. Sie waren gierig und wollten mehr.

Das wiederum ist symptomatisch für das Dilemma in Moores Filmen. Der kleine Mann ist immer der Dumme, aber er verhält sich auch selten wie ein mündiger Bürger in einer freien Welt. Wer Finanzprodukte nicht versteht muss sie auch nicht kaufen. Sparkonten gibt es auch in den USA genug, nur eben ohne die Hammer-Rendite.

Wie man es dreht und wendet, “Capitalism – A Love Story” ist eine interessante Reise durch die USA. Moores Kapitalismus- und Gesellschaftskritik ist berechtigt. Und auch der Blick in die US-Verfassung, mit der Erkenntnis, dass darin von “free enterprise” oder gar “capitalism” keine Rede ist, muss erlaubt sein. Am Ende hat man eine Menge Stimmen zum Thema gehört, eine Lösung ist dennoch nicht in Sicht. Das wäre aber auch eine allzu hohe Erwartung an eine Dokumentation.

Weil Moores Filme das Publikum polarisieren wird seine Message auch bei diesem Film letztlich nur bei denen ankommen, die ohnehin schon ähnlicher Meinung sind wie er selbst (ich meine damit auch mich). Es ist trotzdem äußerst legitim den Finger in die Wunde der Finanzkrise zu legen und eine gute alte Grundsatzdebatte über Selbstverständnis und Ziele eines Gemeinwesens/Nationalstaates anzuregen. Erst recht, wenn man einen Fürsprecher wie Präsident Franklin D. Roosevelt hat. Der hatte kurz vor seinem Tod gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine zweite ‘Bill of Rights’ im Sinn – die Moore nun wieder ins Gespräch bringen will.

4/5

[Update: Bin mal gespannt, ob Obamas Gesundheitsreform das Versprechen FDRs in Teilen einlösen kann - oder nur die Staatsverschuldung in irre Höhen treibt...]

The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans

Posted in KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on März 21st, 2010 by edzehard – 1 Comment

Die Konstellation ist schon ungewöhnlich. Der deutsche Regisseur Werner Herzog (“Fitzcarraldo”, “Grizzly Man”) dreht eine Art Remake von Abel Ferraras “Bad Lieutenant”. Ferrara war wenig begeistert und ließ ausrichten “I wish these people die in hell.”. Herzog wiederum erwiderte er habe dessen Film von 1992 nie gesehen, sein Produzent habe ihm den Titel ‘aufgedrückt’. Wie auch immer, ein paar Gemeinsamkeiten haben die Filme schon: In beiden geht es um einen bösartigen, unmoralischen Cop, dessen Leben dem endgültigen Abgrund entgegen taumelt.

Bei Ferrara war das Harvey Keitel, der in New York die Vergewaltiger von zwei Nonnen jagte, sich dabei für seine Sünden reinzuwaschen versuchte und letztlich seiner Spielsucht zum Opfer fiel. Herzog schickt in New Orleans Nic Cage als Terence  McDonagh ins Rennen. Während des Hurrikans Katrina rettet Terence einem Gefangenen das Leben und wird zum Lieutenant befördert. Chronische Rückenschmerzen, die er mit allen möglichen Drogen und Pillen bekämpft, erinnern ihn täglich an seine Heldentat.

Seinem Job geht Terence zynisch und gewissenlos nach, bei jeder Gelegenheit nimmt er harmlosen Jugendlichen ihre Party-Drogen ab, seine Spezialität ist die Nötigung vermeintlicher Krimineller – irgendwas ist immer für ihn drin. Seine freie Zeit verbringt er entweder mit Edel-Nutte Frankie (Eva Mendes) in deren Hotelzimmer oder mit seinem Buchmacher – bei dem er höhere Beträge auf College-Footballspiele setzt. Einen fünffachen Mord im Drogenmilieu soll Terence bald aufklären, und er geht dabei mit den fragwürdigsten Methoden vor, die man sich vorstellen kann.

Werner Herzogs Version des Materials geht ein paar ungewöhnliche Wege. Er baut unwirkliche Szenen von wilden Tieren in die Handlung ein, das Publikum betrachtet das Geschehen dann hin und wieder aus dem Blickwinkel eines Aligators oder zweier Echsen. Sein Blick auf das finstere Geschehen ist kühl und beobachtend, vereinzelt aufgelockert mit einem sehr eigenen Humor – oder etwas, was Humor durchaus ähnelt. Fressen oder gefressen werden sind die scheinbar einzigen Alternativen. Für das religiöse Vergebungsmotiv, das im ‘Original’ des Katholiken Abel Ferrara im Vordergrund steht, hat Herzog keine Verwendung.

Nic Cage überzeugt als drogenvernebelter Cop auf Abwegen, dessen Leben zunehmend auf reine Schadensbegrenzung auf dienstlicher und privater Ebene hinausläuft. Eine Flucht aus dem selbstverschuldeten Elend und vor den bedrohlichen Konsequenzen seiner Eskapaden wird immer unwahrscheinlicher, “Port of Call – New Orleans” dreht die dramatische Schraube an allen Fronten so fest wie möglich. Überzeugen tut dabei die scharfe Zeichnung der zahlreichen Nebenfiguren (u.a. Rapper Xzibit als Drogenboss und Tom Bower als Terence’ Vater), die nicht in die üblichen Genre-Klischees hineinpassen wollen.

In den knapp zwei Stunden dieser Odyssey durch die kriminelle Unterwelt von New Orleans sind durchaus ein paar Längen und Wiederholungen zu finden. Doch die Story findet immer neue Wege dem Publikum etwas zu bieten – auch wenn die sicher nicht jedermans Sache sind. Mit klassischem Cop-Kino hat der Film von der Machart her wenig zu tun, Herzogs Hintergrund als eigenwilliger und intellektueller Autorenfilmer scheint auch dann durch, wenn typische Szenen des Gangsterkinos (Stichwort Schießerei) zelebriert werden. Insgesamt darf diese “Bad Lieutenant”-Variante als im besten Sinne interessant bezeichnet werden. Man darf nur auf keinen Fall einen handelsüblichen Hollywoodthriller erwarten…

4/5

Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt (DVD)

Posted in Kranker Scheiss, Nuck Chorris on März 15th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Letzten Spätsommer gingen die zwei Teile von “Public Enemy No. 1″ im Kino an mir vorbei. Unter anderem deshalb, weil mir der Trailer nicht sonderlich gefiel. Nun aber, nachdem ich den ersten Teil mit dem nicht sehr subtilen deutschen Titel “Mordinstinkt” gesehen habe, bereue ich das ein wenig. Die Filme basiert auf dem Leben des realen Gangsters Jacques Mesrine (gespielt von Vincent Cassel), nehmen sich dabei aber sicher einige künstlerische Freiheiten.

Das Tempo der Story ist flott, von Mesrines Erfahrungen im Algerienkrieg anno 1959 geht es nach Paris, wo er als Gangster unter der schützenden Hand von Guido (Gerard Depardieu) an Einfluss gewinnt. Drei Frauengeschichten, zwei Kinder, etliche Überfälle und einen Haufen Tote später erfindet sich Mesrine 1968 mit seiner neuen Liebe Jeanne (Cecile De France) im kanadischen Quebec neu, und legt sich dort sehr bald  mit den Autoritäten Nordamerikas an – vorläufige Endstation ist ein Hochsicherheitsgefängnis.

Visuell bedient sich “Mordinstinkt” bei klassischen US-Gangsterfilmen, setzt auf lange Kamerafahrten und explizite Gewaltszenen.  Anleihen beim “Paten” oder Scorseses “Goodfellas” sind nicht zu übersehen. Doch der Film findet seinen eigenen Ton, was das Szenario und die Hauptfigur angeht. Mesrine ist ein Soziopath und eiskalter Verbrecher, was sich zum Teil durch seine Vergangenheit erklärt. Er macht Karriere in der Unterwelt, weil er für einen bürgerlichen Beruf zu ungeduldig ist und ohnehin nach seinen eigenen Gesetzen lebt.

Psychologisch gesehen ist es manchmal etwas dünn, was der Film seinem Publikum verkauft.  Doch vor allem Vincent Cassel (auch in deutscher Übersetzung) spielt groß auf und verleiht Mesrine einen “Scarface”-artigen Charme. Die Handlung hält ihr hohes Tempo ohne große Glaubwürdigkeitsverluste, lediglich einige dramaturgische Sprünge fallen ins Auge. “Mordinstinkt” kommt erfrischend und unterhaltsam daher, obwohl alle Zutaten – Banküberfälle, Schießereien, Gefängnisausbrüche, Medienrummel -  hinreichend bekannt sind. Den zweiten Teil der Saga, “Todestrieb”, werde ich mir in Kürze auf jeden Fall mit deutlich gesteigerten Erwartungen zu Gemüte führen…

4/5

Jennifer's Body (DVD)

Posted in Kranker Scheiss on März 11th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

“Hell is a teenage girl.”

So beginnt Needy (Amanda Seyfried, “Veronica Mars”) ihre Erzählung am Anfang von “Jennifer’s Body”. Und sie weiss, wovon sie spricht, schließlich ist sie selbst Teenager. An einer typischen Highschool irgendwo in der Provinz der USA verbringt sie ihre Zeit vor allem mit zwei Menschen. Mit ihrem Freund Chip oder mit ihrer besten Freundin Jennifer (Megan Fox). Mit letzterer besucht sie das Konzert der unbekannten Emo-Band ‘Low Shoulder’, weil Jennifer ein Auge auf den Sänger geworfen hat.

Die Sache läuft aber nicht ganz nach Plan. Der Club fängt Feuer und brennt bald lichterloh, Jennifer steigt in dem Chaos in den Wagen der Band, um sich “retten” zu lassen. Die Jungs von ‘Low Shoulder’ haben jedoch finstere Pläne mit ihr.  Nach diesem Abend ist Jennifer keine schöne, etwas verdorbene Schülerin mehr, sondern eine eiskalte Killerin, die sich als Opfer vor allem männliche Schulkameraden sucht und die dann buchstäblich zerfetzt.

Der gesamte Film ist eine heitere, äußerst trashige Mischung aus Teenie-Horror (mit abgewandelten Rollen, die Cheerleaderin ist hier ja nicht Opfer des Terrors), Drama und Satire. “Jennifer’s Body” ist nicht wirklich lustig, auch nicht beängstigend, dramatisch oder sonstwie überzeugend. Die nicht ganz ernst gemeinte Handlung geht einen ziemlich vorraussehbaren Weg, wird aber trotzdem selten langweilig.

Megan Fox, seit “Transformers” zum Superstar geworden, spielt mit ihrem Image als junge Sexbombe, ihre Figur bleibt dabei aber trotz ihrer Kurven flach und blutleer. Als Jennifers beste Freundin, die von ihr immer ein wenig wie ein Hund behandelt wird, macht Amanda Seyfried einen guten Job. Der eigentlich immer großartige JK Simmons wird in einer viel zu kleinen Nebenrolle als Lehrer leider verschenkt.

Von dem Indie-Band-Jungfrauenopfer-für-Satan-Ritual (dessen Anleitung der Sänger nach eigenen Angaben im Internet gefunden hat) über Jennifers Morde bis zum großen Finale (Es kann nur eine geben!) ergibt nichts so richtig einen Sinn, macht aber meist Spaß und ist auch schnell wieder vorbei. Drehbuchautorin Cody Diablo hat nach ihrem Riesenhit “Juno” offenbar Gefallen am gepflegten Unsinn gefunden.

3/5

Männer, die auf Ziegen starren

Posted in Kranker Scheiss on März 4th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Es gab Anzeichen dafür, dass “The Men Who Stare At Goats” (Originaltitel) ein gelungener Film sein würde. Da ist die namhafte Besetzung mit George Clooney, Jeff Bridges, Kevin Spacey und Ewan McGregor. Und der lustige Trailer, in dem einige gute Lacher drin sind. Jetzt kommt der Film auch hierzulande ins Kino, ist aber leider die erste größere Enttäuschung dieses Kinojahres.

Der Film handelt von einer geheimen Einheit des US-Militärs, die in den 80er Jahren gegründet wurde und psychologische Kriegsführung auf einen neues Niveau bringen sollte. Gründer und Leiter der Einheit ist Bill Django (Jeff Bridges), der seine Ideen aus der Hippiekultur und fernöstlich-esoterischen Weisheiten für seine Soldaten nutzen will. Mit der Kraft ihres Geistes und durch absolute innere Ruhe und Zufriedenheit (oder so) sollen die Männer zu unbesiegbaren Elite-Kämpfern gemacht werden, der “New Earth Army”.

Die Geschichte dieser Einheit wird in Rückblenden erzählt, die Rahmenhandlung ist eine andere. Journalist Bob Wilton (McGregor) wartet in Kuwait auf spannende Einsätze im Irak. Stattdessen trifft er den Geschäftsmann Lyn Cassady (Clooney), der wie sich herausstellt ein Veteran aus besagter para-psychologischer “New Earth Army” ist. Gemeinsam fahren die beiden in den Irak, doch wird ihre Reise bald unsanft unterbrochen. Dabei erfährt Bob von seinem neuen Freund die ganze Wahrheit über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Einheit.

Das wirre Geschehen hat angeblich deutliche Anleihen bei der Realität (laut Vorspann “mehr als Sie glauben”), was mich auch nicht wundern würde. Leider funktioniert “Männer, die auf Ziegen starren” trotzdem nicht so recht. Als Satire ist der Film nicht ätzend genug, für eine Komödie fehlen die Lacher. Übrig bleibt eine leidlich unterhaltsame Hippie-Soldaten-Groteske, die ohne ihre vielen Stars nie das Licht der Welt erblickt hätte (Clooney hat mit produziert und sicher auch Überzeugungsarbeit bei seinen Kollegen geleistet).

Über die gesamte Laufzeit findet der Film keinen stimmigen Ton, der die Story ins rechte Licht rücken könnte. Was als Rahmenhandlung und recht ernst beginnt (Bob plagen persönliche Sorgen, die ihn ins Krisengebiet führen) wird bald zum mit Rückblenden überfrachteten Roadmovie, welches sich dann in einer “überraschenden” Wendung mit den Rückblenden vereint. Als Zuschauer sitzt man da und denkt sich häufiger mal: “Was zur Hölle?!”. Da helfen auch die durchaus lustigen “Star Wars”-Anspielungen nicht weiter.

Ein paar gelungene Szenen sind schon dabei, allerdings sind die besten davon bereits im Trailer verwurstet worden. Wohl, weil man nicht wusste wie man den Film sonst verkaufen soll. George Clooney gibt sich alle Mühe seine Figur interessant zu machen, war allerdings als Everett in “O Brother, Where Art Thou” schon ein besserer Kauz. Jeff Bridges zuzusehen macht bekanntlich immer Spaß, so auch hier, nur leider ohne überzeugende Story. McGregor hat die undankbarste Rolle erwischt, er stellt in erster Linie (berechtigte) Fragen. Kevin Spaceys Figur hat keine rechte Verbindung zu den anderen Akteuren und bleibt deshalb blass.

Wer einfach nur für gut 90 Minuten Unterhaltung sucht, der liegt mit “Männer die auf Ziegen starren” nicht sonderlich falsch. Trotz aller Mängel – vor allem am Drehbuch – gibt es noch genug zu sehen, um sich vom Film bespaßen zu lassen. Vom Potential her hätte aber eine herrliche Komödie draus werden können, so ist das Ganze eher für einen regnerischen Sonntag geeignet denn für den Gang ins Kino.

3/5

Shutter Island

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss on Februar 26th, 2010 by admin – 1 Comment

Zwei US-Marshalls werden anno 1954 auf den Plan gerufen als auf “Shutter Island” scheinbar spurlos eine Frau verschwindet. Die einsame kleine Insel vor Boston dient nur einem Zweck – sie beherbergt eine Irrenanstalt für Kriminelle. Eine Flucht von der Insel ist so gut wie unmöglich, um so rätselhafter ist also das Verschwinden der Patientin Rachel. Marshall Teddy Daniels und sein Kollege Chuck Aule beginnen ihre Ermittlungen in dem Fall, und bekommen schnell den Eindruck, dass an der ganzen Sache etwas faul ist…

Schon die Ankunft auf der streng bewachten Insel wirft für Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und Chuck Aule (Mark Ruffalo) Fragen auf. Warum werden sie von den Wärtern und Pflegern so mißtrauisch beäugt? Wieso wundert sich keiner so recht über das unmögliche Verschwinden von Rachel? Welche Rolle spielt Chefarzt Dr. Crawley (Ben Kingsley)? Und was geschieht mit den  Patienten in der abgeschotteten Station C? Die Befragung der Patienten, Ärzte und Pfleger bringt keine Ergebnisse. Daniels wird von zunehmend heftigeren Migräneanfällen geplagt, und er hat wie sich rausstellt eine eigene Agenda, die ihn auf die Insel gebracht hat.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass “Shutter Island” ein Verwirr- und Versteckspiel ist, bei dem niemandem wirklich zu trauen ist. Rückblenden und Traumsequenzen sorgen für weitere Verstörung, jedem Dialog und jeder Szene haftet etwas Unwirkliches an. Die Inszenierung verstärkt bewusst das Unbehagen des Publikums, immer mehr wird der Film zum alptraumhaften Kammerspiel. Das Drehbuch legt falsche (sowie auch richtige) Fährten und greift generell tief in die Trickkiste. Als wäre die Situation nicht schon zerfahren genug fegt bald noch ein Hurrikan über die Insel, der alle Kommunikation mit dem Festland unmöglich macht und für einen Stromausfall sorgt, der das gesamte Sicherheitssystem der Insel lahm legt…

Regisseur Martin Scorsese philosophiert dabei mit dem cineastischen Hammer. Schon zu Beginn unterlegt er die Ankunft der beiden Marshalls mit mächtig anschwellender Musik mit deutlichen Horrofilm-Anleihen. Visuell gibt er “Shutter Island” einen expressionistischen Noir-Stil, der bestens zu den alten Gemäuern und der ambivalenten Story passt. Die Ausstattung steht dem in nichts nach, das Interieur und auch die Kleidung der Figuren machen die Zeitreise komplett. Für die Geschichte ist das immens wichtig, denn sie ist fest in der Ära von Kommunisten-Hatz und Kriegsparanoia verwurzelt.

Für die Schauspieler ist die Story aufgrund ihres komplexen Spiels mit der Realität eine echte Herausforderung. Wie echt lässt sich falsch spielen, das ist in etwa die Frage dabei. DiCaprios Part ist sicher am schwierigsten, und er meistert die Sache gut. Ben Kingsley kann sich auf seine Ausstrahlung und Präsenz verlassen, Mark Ruffalo ist wie so häufig die vielleicht sympathischste Figur im Film – und so ziemlich die einzige, die auch mal für einen Lacher sorgt.

Weil ich den Roman von Dennis Lehane (auf dem der Film basiert) gelesen habe kann ich schwer beurteilen inwiefern die große Überraschung des Films gelingt. Aufgrund der vielen komplizierten Entwicklungen, der Traumsequenzen und den manchmal seltsam Aktionen und Reaktionen der Figuren wird jedem schnell klar sein, dass da was im Busch ist. Und tatsächlich gibt es im Film viele Hinweise auf die Auflösung – die ich hier aber natürlich nicht verrate. Der Film bleibt der Romanvorlage weitestgehend treu, soviel darf gesagt werden. Die Story kann und muss man definitiv – im Buch wie im Film – als überkonstruiert bezeichnen.

Aber sie ist grandios überkonstruiert und auch als Film hervorragend in Szene gesetzt. Vielleicht sollte man “Shutter Island” als (viel) zu groß geratenes B-Movie betrachten. Regisseur Scorsese ist mit den B-Filmen der 40er und 50er-Jahre aufgewachsen (auf der sehenswerten DVD “A Personal Journey with Martin Scorsese Through American Movies” kann man sich davon überzeugen). Mit “Shutter Island” hat er “Shock Corridor” und anderen Filmen somit ein modernes Denkmal gesetzt. Der Film ist kein tiefgründiges Meisterwerk, er versprüht einfach pure Begeisterung für das Erzählen von Geschichten.

5/5

The Box (DVD-Premiere)

Posted in Kranker Scheiss on Februar 20th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Nach dem großen Erfolg von “Donnie Darko” und dem ebenso großen Mißerfolg von “Southland Tales” bringt Regisseur Richard Kelly mit “The Box” nun seinen dritten Film heraus. Die Grundidee ist relativ simpel, wie auch schon im Trailer zu sehen war: ein geheimnisvoller alter Mann (Frank Langella) macht dem jungen Ehepaar Norma und Arthur Lewis (Cameron Diaz und James Marsden) ein mysteriöses Angebot. Er gibt ihnen eine Box mit einem Knopf drauf. Drücken sie auf den Knopf, bekommen sie eine Million Dollar; aber irgendwo stirbt ein ihnen unbekannter Mensch. Drücken sie nicht, holt er die Box wieder ab und macht das Angebot jemand anderem.

Nun wäre “The Box” natürlich nicht der Mysterythriller, der er sein möchte, wenn besagter Knopf nicht auch gedrückt würde. Die Umstände sind dabei auch gleich verdächtig. Norma erfährt am selben Tag, dass die Kosten für die Schule ihres Sohnes kräftig steigen werden, Arthur bekommt eine Absage vom NASA-Astronauten-Programm. Und gerade dann bringt jemand eine Million Dollar ins Spiel?

Kaum haben die beiden die Million zuhause passieren merkwürdige Dinge. Kollegen, Nachbarn und Bekannte kriegen plötzlich Nasenbluten, in der Nachbarschaft wird ein Mord gemeldet. “The Box” baut hier eine geheimnisvolle und packende Spannung auf, die das Unbehagen der Hauptdarsteller überzeugend auf das Publikum überträgt. Zuweilen erinnert das Geschehen an David Lynchs Filme, auch klassische Hitchcock-Momente sind zu finden. Die Ereignisse überschlagen sich bald, ohne dass die verzweifelten Eltern das Rätsel der Box lüften könnten.

So weit, so gut. Die ersten 60 Minuten des Films vergehen schnell und machen Lust auf mehr. Doch wenn dann langsam ersichtlich wird, was sich Kelly (bzw. Richard Matheson, Autor der zugrunde liegenden Kurzgeschichte) da eigentlich ausgedacht hat, ist es bald vorbei mit der Herrlichkeit. Ohne zuviel zu verraten: der wirre Schabernack, mit dem “The Box” zuende geht, ist wenig ansehnlich und arm an Ideen. Egal, ob man für Sci-Fi-Mistery-Spektakel was übrig hat oder nicht, die Lösung des Films wird den wenigsten Zuschauern gefallen.

Erinnert hat mich der Film letztlich eher an die erzählerischen Nullnummern von M. Night Shyamalan (mit einem Hauch von “Saw”) als an Kellys brillanten “Donnie Darko”. Immer wieder werden wissenschaftliche Theorien oder gar Zitate von Arthur C. Clarke (“2001 – A Space Odyssey”) und Jean Paul Sartre in die Story eingebaut, und es macht auch durchaus Spaß, den abenteuerlichen Entwicklungen des Films zu folgen. Auf eigenen Füßen aber kann die Story nicht stehen, zuviele Wendungen wirken übermäßig konstruiert. Hier wird ein wichtiger Unterschied zu “Donnie Darko” deutlich. Da hatte sich das Übernatürliche langsam und glaubwürdig einen Platz in der Realität des Films erarbeitet. In “The Box” wird es der Geschichte und vor allem den Charakteren mit aller Macht ungefragt aufgedrängt. Es ist nicht in der Story, es ist die Story…

3/5