Kurzkritik: Last Flag Flying

Drama/Komödie, 2017

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Bryan Cranston, Steve Carell, Laurence Fishburne

Worum gehts?

Die drei Vietnam-Veteranen Sal (Cranston), Richard (Fishburne) und Larry (Carell), die sich 30 Jahre lang nicht gesehen haben, finden im Jahr 2003 wieder zusammen, um Larrys im Irak gefallen Sohn zu beerdigen.

Was soll das?

„Last Flag Flying“ ist ein Roadmovie, das sich ganz auf seine drei Hauptfiguren konzentriert. Obwohl er ohne eine einzige Kampfszene auskommt ist es doch ein Film über den Krieg, die Rolle und Erfahrungen der Soldaten sowie ihr Verhältnis zum Staat und den Politikern, die für ihre Einsätze verantwortlich sind.

Taugt das was?

Richard Linklaters beste Filme („Boyhood“, „Dazed and Confused“, „Everbody Wants Some!!“) zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Authentizität aus. Leider ist das bei „Last Flag Flying“ nicht der Fall. Trotz der hochkarätigen Besetzung hat man hier nie das Gefühl, echte Figuren miteinander agieren zu sehen.

Sonst noch was?

Bis zu einem gewissen Punkt ist „Last Flag Flying“ ein ‚Antikriegsfilm‘, in dem (durch die Figuren) viel Wut auf die Mächtigen zu spüren ist. Doch so einfach ist die Message des Films dann doch nicht. Auf mich hat die Story (auf die Linklater normalerweise weitgehend verzichtet) insgesamt einen unfokussierten Eindruck gemacht.

3/5

Kurzkritik: Small Town Crime

Krimi, 2017

Regie: Eshom & Ian Nelms; Darsteller: John Hawkes, Octavia Spencer, Robert Forster

Worum gehts?

Ein Ex-Cop mit Alkoholproblem startet auf eigene Faust Ermittlungen, nachdem er die Leiche einer jungen Frau gefunden hat. Bald ist klar, dass es nicht nur ein Verbrechen aufzuklären gilt…

Was soll das?

Klassisches Independent-Kino zwischen Kleinstadt-Portrait, Außenseiter-Drama und Krimi.

Taugt das was?

„Small Town Crime“ verlässt sich komplett auf seinen Hauptdarsteller John Hawkes, der hier in der Tat groß aufspielt. Auch in den übrigen Rollen gut gespielt, sowie in sehenswerten Bildern inszeniert (gedreht wurde in Utah), bietet der Film eine gut gemachte, allerdings nicht sonderlich aufregende Story.

4/5

Kurzkritik: Mudbound

Drama, 2017

Regie: Dee Rees; Darsteller: Jason Clarke, Garett Hedlund, Mary J. Blige, Carey Mulligan

Worum gehts?

Der Film erzählt die eng miteinander verbundenen Geschichten einer weissen und einer schwarzen Familie im ländlichen Mississippi zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Was soll das?

Das Familiendrama blickt auf Ungleichheit und Rassismus im Süden der USA, wobei besonders der Blick zweier aus dem Krieg zurückgekehrter Soldaten im Fokus steht.

Taugt das was?

Ja, der Film funktioniert als packendes Familiendrama ebenso wie als Gesellschaftskritik und Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte. Mit über zwei Stunden Laufzeit und angesichts der ernsten Thematik ist „Mudbound“ dabei natürlich keine leichte Kost, dafür visuell herausragend und sehr gut gespielt.

4/5

Kurzkritik: Ingrid Goes West

Ingrid Goes West FilmplakatDrama/Comedy, 2017

Regie: Matt Spicer; Darsteller: Aubrey Plaza, Elizabeth Olsen, O’Shea Jackson, Jr., Wyatt Russell

Worum gehts?

Die unsichere, komplett auf ihren Instagram-Account fixierte Ingrid (Plaza) zieht nach L.A., um dort Taylor (Olsen), einem Star des Netzwerks, auf die Pelle zu rücken. Es entwickelt sich eine ungesunde „Freundschaft“, die bald auf eine ernste Probe gestellt wird.

Was soll das?

„Ingrid Goes West“ verknüpft klassisches Indie-Drama mit dem Zeitgeist-Thema Social Media. In der Sehnsucht nach einem Leben voller perfekt inszenierter, sofort für die Nachwelt auf Handybildern festgehaltener Glücksmomente offenbart sich mehr als nur eine persönliche kleine Existenzkrise…

Taugt das was?

Ja, durchaus. Die Darsteller meistern den schwierigen Spagat zwischen Drama und Komödie, den hohen Fremdschäm-Faktor des Films muss das Publikum aushalten. Gegen Ende war mir das Geschehen dann allerdings deutlich zu Lehrstück-artig – was natürlich auch in der Natur der Sache liegt.

3/5

Kurzkritik: Good Time

Good Time FilmplakatThriller/Drama, 2017

Regie: Benny & Josh Safdie; Darsteller: Robert Pattinson, Benny Safdie, Taliah Webster

Worum gehts?

Connie (Pattinson) und sein psychisch behinderter Bruder Nick (B. Safdie) begehen einen Banküberfall, der mächtig in die Hose geht. Nick wird gefasst, Connie ist verzweifelt bemüht ihn aus dem Gewahrsam der Polizei zu befreien, bevor er in ein echtes Gefängnis überstellt wird.

Was soll das?

„Good Time“ schmeisst das Publikum ebenso wie die Figuren fast von der ersten Minute an ins kalte Wasser. Das Geschehen wird beinahe in Echtzeit gezeigt, insgesamt umspannt die Handlung nur wenige Stunden. In denen ist allerdings so einiges los – denn Connie rennt die Zeit davon, während er auf immer neue Hindernisse stösst..

Taugt das was?

Ja, „Good Time“ ist ein gekonnt inszenierter, temporeicher und spannender Thriller geworden. Die extreme Verdichtung des Geschehens geht selten auf Kosten der Glaubwürdigkeit (zum Teil liegt das ohnehin in der Thriller-Natur der Sache), schafft es aber das Publikum direkt für die Figuren und ihr Schicksal zu interessieren. Die weitgehend unbekannten Darsteller überzeugen, wie auch der Star des Films, Robert Pattinson.

4/5

Kurzkritik: Marjorie Prime

Marjorie Prime FilmplakatDrama/Sci-Fi, 2017

Regie: Michael Almereyda; Darsteller: Lois Smith, Geena Davis, Jon Hamm, Tim Robbins

Worum gehts?

Ein lebensechtes Hologramm ihres verstorbenen Mannes leistet der 86-jährigen Marjorie im Alter Gesellschaft. Während ihre Tochter Tess der künstlichen Erscheinung (die ihren Vater in einer ‚jungen Version‘ darstellt) mit Skepsis begegnet, ist ihr Ehemann Jon von der Technik äußerst angetan

Was soll das?

Die Verfilmung eines Theaterstücks ist zwar technisch gesehen eine Zukunftsvision, beschäftigt sich jedoch vor allem mit unserem Verhältnis zur Vergangenheit. Die Glaubwürdigkeit der eigenen Erinnerungen steht genau so in Frage wie der Nutzen einer lernfähigen K.I. als Kommunikations-Ersatz für echte Menschen.

Taugt das was?

Ja, der Film wird mit zunehmender Laufzeit interessanter und fesselnder. Allerdings kann man ohne Spoiler nicht wirklich erklären, warum das so ist. „Marjorie Prime“ ist ein ruhiges, glänzend gespieltes Kammerspiel, und ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein guter Science-Fiction-Film weder Aliens, Raumschiffe noch ein großes Budget braucht. Sondern vor allem gute Ideen.

4/5

Kurzkritik: Wind River

Wind River FilmplakatThriller/Drama, 2017

Regie: Taylor Sheridan; Darsteller: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille, Graham Greene

Worum gehts?

Die Ermittlungen zum Tod einer jungen Frau in einem Indianer-Reservat in Wyoming führen eine FBI-Agentin, einen lokalen Jäger und die Stammespolizei zusammen. Schlechtes Wetter und unklare Zuständigkeiten erschweren die Ermittlungen erheblich…

Taugt das was?

Jawohl. Neben den guten Darstellern und den wunderbaren (Natur-)Bildern überzeugt „Wind River“ vor allem formal. Der Film hat seine Story jederzeit souverän im Griff und löst in einer großartigen Rückblende, die den eigentlichen Showdown meisterhaft unterbricht, das zentrale Rätsel der Story auf, ohne dass es dadurch mit der Spannung vorbei wäre.

Sonst noch was?

Einziger Kritikpunkt ist die einfache, alttestamentarische Moral, in dieser Hinsicht hätte „Wind River“ ein wenig mehr Ambivalenz ganz gut gestanden.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Winter’s Bone“ meets „Thunderheart“

4/5

Kurzkritik: The Big Sick

The Big Sick FilmplakatComedy/Drama, 2017

Regie: Michael Showalter; Darsteller: Kumail Nanjiani, Zoe Kazan, Holly Hunter

Worum gehts?

Der Pakistan stammende Kumail aus der Stand-Up Comedy-Szene von Chicago verliebt sich in die „weisse“ Amerikanerin Emily. Schlimm genug, dass Kumails Familie von der Beziehung nichts wissen darf – doch das Schicksal stellt die beiden noch vor eine ganz andere Probe…

Was soll das?

Humorvoll, mit Niveau und ohne Rücksicht auf ‚political correctness‘ erzählt der Film (basierend auf einer wahren Begebenheit) vom ganz alltäglichen Zusammenprall von Kulturen und Menschen im Schmelztiegel USA.

Taugt das was?

Auf jeden Fall. „The Big Sick“ hat ein großes Herz, scharfe Zungen und ein gutes Gespür für die Balance von Drama und Komödie. Der Blick auf die Figuren ist ehrlich, aber mitfühlend.

Sonst noch was?

Stand-Up Comedy war nie so ganz mein Fall – wem das ähnlich geht sei gesagt: das muss einen hier nicht abschrecken…

4/5

Kurzkritik: Buster’s Mal Heart

Busters Mal Heart FilmplakatDrama/Mystery, 2016

Regie: Sarah Adina Smith; Darsteller: Rami Malek, Kate Lyn Sheil, DJ Qualls

Worum gehts?
Der junge Familienvater Jonah (Malek) arbeitet als Nacht-Portier in einem abgelegenen Hotel, wo er auf einen ominösen Verschwörungstheoretiker trifft. In einem anderen (oder späteren?) Handlungsstrang lebt dieselbe Figur als Outlaw in der Wildnis und sagt der Gesellschaft den Kampf an…

Was soll das?
„Buster’s Mal Heart“ spielt mit Identitäten und Realitäten – ein kniffliger Film, der die Zuschauer herausfordert.

Taugt das was?
Ja. Trotz einiger zäher Momente und Schwächen beim Timing baut der Film ordentlich Spannung auf und bietet viele sehenswerte Szenen und Ideen. Die Auflösungen und Kniffe des Films können nicht alle begeistern, doch es ist im positiven Sinne interessant dabei zuzuschauen.

Sonst noch was?
Die Besetzung der Hauptrolle mit „Mr Robot“ Rami Malek darf durchaus als Wink verstanden werden – wer die Serie mag, der ist hier grundsätzlich nicht ganz falsch.

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie zwei etwas schräge Indie-Dramen in einem Film, mit Elliot aus „Mr Robot“ als gemeinsamer Hauptdarsteller.

3/5

Kurzkritik: Vincent N Roxxy

Vincent N Roxxy FilmplakatDrama, USA 2017

Regie: Darsteller: Emile Hirsch, Zoe Kravitz, Zoe Deutch

Vincent (E. Hirsch) eilt Roxxy (Z. Kravitz) zu Hilfe, als diese von einem Gangster verfolgt und bedroht wird. Die beiden flüchten gemeinsam in die Kleinstadt in Louisiana, aus der Vincent stammt. Beide werden dabei von ihrer Vergangenheit eingeholt, während sie – gegen allerlei Widerstände – sich bemühen, eine neue Normalität aufzubauen, und sich dabei verlieben.

Das Außenseiter-Drama punktet mit gutem Gespür für Atmosphäre und Darsteller, ist aber in Sachen Story und Figurenentwicklung wenig überzeugend. Im letzten Drittel mit heftigen Gewaltausbrüchen, kommt „Vincent N Roxxy“ nicht an die souveräne Coolness von „Drive“ (zweifellos ein Vorbild des Films) heran, ohne dies durch erzählerische Qualität kompensieren zu können. Daher insgesamt leider keine Empfehlung.

2/5

 

 

Kurzkritik: Personal Shopper

Personal Shopper FilmplakatDrama/Mystery/Thriller, FR/DE 2016

Regie: Olivier Assayas; Darsteller: Kristen Stewart, Nora von Waldstätten, Lars Eidinger

„Personal Shopper“ ist mit einem Begriff schwer zu beschreiben. Der Film ist eine Geistergeschichte, ein Drama um Verlust und Tod, aber auch ein minimalistischer Thriller. Und obwohl sich die meisten Passagen eher der einen oder anderen Richtung zuschlagen lassen, ist er das doch insgesamt alles gleichzeitig.

Im Zentrum der Handlung (und in fast jeder Einstellung zu sehen) ist Maureen, eine junge Frau, die ihren vor kurzem ihren Zwillingsbruder Lewis verloren hat. Die beiden Geschwister hatten einen Hang zur Parapsychologie, und ihre Abmachung war, sich im Todesfall Botschaften aus dem Jenseits zu schicken. Maureen ist auf der Suche nach Zeichen ihres Bruders aus dem Jenseits, und tatsächlich häufen sich unerklärliche Erscheinungen.

Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verdingt sich Maureen in Paris als „Personal Shopper“ einer berühmten Schauspielerin, ist unterwegs in Edelboutiquen und bei Modeschöpfern, besorgt Kleider und Accessoires. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Filmen und Büchern aus dem Bereich des Okkulten.

In gemächlichem Tempo erzählt der Film seine vielschichtige Story, die sich in mehrere Richtungen entwickelt. Die Spannungskurve steigt stetig, oft sind es vordergründig kleinere Ereignisse oder Treffen, die das Geschehen lenken oder doch mindestens dessen Deutung beeinflussen.

Wie oben erwähnt ist „Personal Shopper“ inhaltlich und formell ein Genre-Mix. Dass er so gut funktioniert liegt an der Konzentration auf seine stimmig entwickelte Hauptfigur, an Kristen Stewart, die diese mit natürlich wirkender Glaubwürdigkeit verkörpert und an der gelungenen Kombination der unterschiedlichen Themen und Motive.

Ohne hier zu viel verraten zu wollen kann doch gesagt werden, dass die innere Reise von Maureen mindestens so wichtig für die Handlung ist wie die äußere. Nicht wenige werden mit dem Ende und einigen Szenen auf dem Weg dahin so ihre Schwierigkeiten haben, denn der Film liefert keine ‚einfachen‘ Erklärungen für seine Handlung. Was er liefert ist Suspense auf hohem Niveau – zwischen den Stühlen vieler Genres, dabei stimmig und kurzweilig inszeniert.

4/5

 

Kurzkritik: Elvis & Nixon

Elvis & Nixon FilmplakatComedy/Drama, USA 2016

Regie: Liza Johnson; Darsteller: Michael Shannon, Kevin Spacey, Johnny Knoxville, Colin Hanks

Ende 1970 gab es ein Treffen im Weissen Haus zwischen Präsident Richard Nixon und Elvis Presley, bei dem ein berühmt gewordenes Foto entstand. Worüber die beiden geredet haben, und warum Elvis das Treffen initiiert hat, darum geht es in „Elvis & Nixon“, wohl basierend auf einigen zuverlässigen Quellen – gleichzeitig aber natürlich frei erfunden. Denn „Tricky Dick“ fing erst kurz nach dem Treffen an, alle Gespräche im Weissen Haus aufnehmen zulassen…

Michael Shannon sieht Elvis nicht sonderlich ähnlich, gleiches gilt für Kevin Spacey hinsichtlich Nixon. Dass der Film trotzdem unterhalten kann liegt an der Spielkunst der beiden Schauspieler, denen das ja ebenfalls klar ist – und die sich die historischen Figuren auf ihre spezielle Art zu eigen machen.

Wie der „King“ hier, völlig in seiner eigenen Welt lebend und dabei doch weitgehend ‚funktionstüchtig‘, mit der Idee um die Ecke biegt, er könnte der Regierung als „Federal Agent at Large“ helfen, die Jugend vom Pfad der Drogen und Rebellionen abzubringen, ist schon köstlich (wenn auch etwas tragisch…). Sowohl Nixon als auch Elvis hatten Anfang der 70er ja in der Tat den Kontakt zur Welt der jungen Menschen Amerikas eher verloren.

In knapp 90 Minuten kann der Film genug starke Dialoge und witzige Szenen unterbringen, um das (pop-historisch oder allgemein geschichtlich interessierte) Publikum bei Laune zu halten. Sicher kein ‚must see‘, aber ein gelungenes Stück Kino über eine bemerkenswerte Begegnung.

3/5

Kurzkritik: The Edge of Seventeen

Filmplakat - The Edge of SeventeenDrama, USA 2016

Regie: Kelly Fremon Craig; Darsteller: Hailee Steinfeld, Blake Jenner, Kyra Sedgwick, Woody Harrelson

Teenagerin Nadine durchlebt eine turbulente Zeit, in der sie viele Weichen für ihr Leben neu stellen muss. Familie, Freunde, Liebesleben, überall kriselt es gewaltig. Rotzfrech, clever, voller Selbstzweifel und verletzlich navigiert sich Nadine durch ihren Alltag, der immer noch bestimmt wird durch den plötzlichen Tod ihres Vaters einige Jahre zuvor.

Nichts an „The Edge of Seventeen“ ist neu, doch darum geht es dem Film (und auch dem Genre selbst) gar nicht. Glaubwürdigkeit, Witz und überzeugende Figuren sind gefragt, und die liefern Autorin/Regisseurin Kelly Fremon Craig und ihre Darsteller. Der Film verpackt seine Themen und Konflikte in eine schlüssige, witzige Story, und vermeidet Plattitüden (die ein oder andere ist aber wohl unvermeidlich). Erfreulich auch, dass mal eine weibliche Perspektive im Zentrum des Highschool-Geschehens steht.

4/5

Kurzkritik – Hell Or High Water

Filmplakat: Hell or High WaterDrama/Thriller, USA 2016

Regie: Scott Mackenzie; Darsteller: Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges

Zwei Brüder (C. Pines und B. Foster) begehen eine Reihe von Banküberfällen in texanischen Kleinstädten, bei denen sie jeweils nur das „Kleingeld“ abstauben – nicht die großen Scheine, die die Banken nachverfolgen können. Ein kurz vor der Pensionierung stehender Texas Ranger (J. Bridges) nimmt sich des Falles an. So unspektakulär lässt sich das grobe Handlungsgerüst von „Hell Or High Water“ beschreiben.

Regisseur Scott Mackenzie („Perfect Sense„) gelingt es, aus dieser einfachen Konstellation einen erstaunlich guten Film zu machen. Die atmosphärisch dichte Inszenierung fesselt das Interesse des Publikums, die pointierten und doch realistischen Dialoge kommen vor allem der Glaubwürdigkeit der (großartig gespielten) Figuren zugute. Die beeindruckenden Bilder und der passende Soundtrack überzeugen ebenso wie die einfache, dabei spannende und in sich schlüssige Story.

Jeff Bridges ist die Rolle als knarziger Ranger quasi auf den Leib geschrieben, er wandelt hier aber nicht im Autopilot durch den Film, sondern hat sich seine erneute Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller redlich verdient. Chris Pine überrascht positiv, schön ihn mal in einem anspruchsvollen und gut geschriebenen Film zu sehen. Ben Foster, zuletzt noch im miesen „Inferno“ in einer Nebenrolle, ist ebenfalls überzeugend.

„Hell Or High Water“ verbindet Elemente von bekannten Filmen wie Eastwoods „Perfect World“ und „No Country For Old Men“, besteht aber als eingeständiges Werk. Es geht hier nur vordergründig um Banküberfälle und Verbrecherjagd – die Taten, Worte und Motive der Figuren bringen eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik mit. Nur wer hier einen Action-Thriller erwartet, wird unweigerlich enttäuscht werden.

4/5

 

Kurzkritik: Come And Find Me

Come and find me FilmplakatDrama/Thriller, UK 2016

Regie: Zack Whedon; Darsteller: Aaron Paul, Annabelle Wallis, Garret Dillahunt

Claire (A. Wallis) und David (A. Paul) leben in Los Angeles und führen eine – soweit der Zuschauer das in den ersten Minuten erkennen kann – glückliche Beziehung. Bis Claire eines Tages plötzlich verschwindet. Ohnmächtig und verzweifelt beginnt David, sich mit ihrer Abwesenheit zu arrangieren, bis der Besuch eines alten College-Buddys von Claire der Story eine neue Wendung gibt.

„Come and Find Me“ ist kein sonderlich plausibler Film, wer Lücken oder offene Fragen in der Story sucht, wird zahlreiche finden. Dass der Film trotzdem Spannung aufbauen kann und auch Spaß macht, liegt an der gekonnten Inszenierung und den guten Darstellern.

Davids langsame Wandlung vom braven Bürger zum furchtlosen (wenn auch im Zweikampf recht unbegabten) Privatdetektiv, der Auftritt von fadenscheinigen Charakteren aus Claires mysteriöser Vergangenheit, die (wenig einfallsreichen, aber gut getimten) Rückblenden und auch das recht explosive Finale – das alles ergibt einen erstaunlich effektiven Film.

Die Schwächen liegen vor allem in der nicht sonderlich schlüssigen Story, wobei es scheint, als wäre Regisseur und Autor Zack Whedon das bewusst und schlicht egal. Das Ende des Films zitiert filmgeschichtlich berühmte Vorgänger, ergibt sich aber nicht sehr überzeugend aus dem Handlungsverlauf. In seinen besten Momenten erinnert der Film an die Thriller von David Mamet („Spartan“, „The Spanish Prisoner). Wer die mochte darf hier getrost zugreifen.

3/5

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