Großes Kino!

Die 10 besten Science-Fiction-Filme der letzten zehn Jahre

Posted in Großes Kino!, Listen on Juli 15th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Die folgende Auswahl ist nicht nur rein subjektiv, sondern basiert auch auf meinem “Verständnis” von Science-Fiction. Daher sind großartige Filme wie “Donnie Darko” oder “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” nicht dabei, weil ich sie eher anderen Genres zuordnen würde – auch wenn sie durchaus Sci-fi-Elemente enthalten.

 

1. Inception (2010)

Schlicht und ergreifend ein großartiger Film, der sich übrigens nur deshalb für diese Liste qualifiziert, weil die Idee in anderer Leute Träume einzubrechen in der Realität (noch) nicht funktioniert. Ansonsten fehlen die üblichen Sci-Fi-Elemente komplett, es gibt keine Aliens oder Roboter, Raumschiffe oder filegende Autos. Macht aber nichts, denn die Traumwelten des Films kommen sehr gut ohne diese Dinge aus.

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2. A Scanner Darkly (2006)

Auch hier könnte man streiten, ob es sich überhaupt um einen Science-Fiction-Film handelt. Schließlich wäre das Szenario des Films (und der Vorlage von Philip K. Dick) auch in der Gegenwart möglich. Das für den Autor typische Spiel mit Realitäts- und Bewusstseinsebenen – in diesem Fall ausgelöst durch massiven Drogenkonsum – ist hervorragend wiedergegeben, die auf den ersten Blick chaotische und ziellose Handlung steuert zudem auf ein ganz großes Finale zu.

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3. Alles was wir geben mussten (2010)

Die Welt von “Never Let Me Go” (Originaltitel) ist mit der unseren fast identisch. Was der feine Unterschied ist, dass erfährt das Publikum anhand des Schicksals der drei Hauptfiguren. Dabei entfaltet die Story langsam, aber sicher eine große Sogkraft, bis man komplett ins dystopische Szenario des Films eingetaucht ist. Vom Publikum leider verschmäht und doch einer der besten Filme der letzten Jahre.

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4. District 9 (2009)

Richtig viele Aliens und Raumschiffe gibt es auf Platz 4. Der Überraschungshit “District 9″ bastelt sich aus bekannten Zutaten ein stimmiges, dystopisches Szenario. Die Verflechtung von Drama-, Horror- und Sci-Fi-Elementen ergibt einen packenden Film, der neben den Effekten auch eine interessante Story zu bieten hat.

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5. Moon (2009)

Wieder ohne Aliens – wobei der Roboter mit der Stimme von Kevin Spacey schon äußerst creepy ist und den Einsatz von Außerirdischen quasi ersetzt. “Moon” ist ein Kammerspiel, in dem ein einsamer Mann auf dem Mond sich auf seine Rückkehr zur Erde vorbereitet. Dabei hat er allerdings die Rechnung ohne das Drehbuch gemacht, denn das bringt ein paar andere Ideen ins Spiel.

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6. Children of Men (2006)

Es wird schon zur Gewohnheit in dieser Liste, denn auch “Children of Men” kommt ohne die Genre-üblichen Zutaten aus. In dem Endzeit-Spektakel geht es zwar um die Rettung der Menschheit, es sind aber keine Feinde von außen, die hier die Bedrohung darstellen. Packender Thriller, der mit einem überzeugenden Szenario und dem actionreichen, Kriegsfilm-artigen Finale überzeugt.

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7. Avatar (2009)

Aliens und Raumschiffe, wohin das Auge blickt. Als “Avatar” rauskam war ich vom Film sehr entzückt, vor allem wegen der großartigen 3D-Effekte. Mit ein wenig Abstand fällt (noch deutlicher als zuvor) die doch sehr kitschige Öko-Gutmenschen-Story ins Auge. Dennoch hat der Film einen Platz in dieser Liste verdient – bis jemand Tricks auf dem Niveau von “Avatar” UND eine weniger plumpe Story anbieten kann!

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8. Minority Report (2002)

Der zweite Film auf dieser Liste, der auf einem Stoff von Philip K. Dick basiert. Zwar ist “Minority Report” ein bisschen zu lang geraten, ansonsten aber gibt es wenig auszusetzen. Spannend, actionreich und mit starken Effekten, die sehr gut in die Story integriert sind.

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9. Vanilla Sky (2001)

Ich höre schon den Aufschrei der verehrten Leserschaft, aber ich mag diesen Film tatsächlich sehr gerne. Mit Versatzstücken aus Horror, Sci-Fi und romantischem Drama schafft “Vanilla Sky” einen erzählerischen Raum, wie er nur im Kino fuktionieren kann. Das spanische Original “Abre Los Ojos” ist mindestens genau so gut – aber zu alt für diese Liste!

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10. Sky Captain and the World of Tomorrow (2004)

Kann ein Film, der anno 1939 spielt Science-Fiction sein? Ich finde schon. “Sky Captain” verbindet seinen Retro-Look mit zeitgenössischen Spezial-Effekten und bietet ein buntes, mitunter groteskes Spektakel. Man muss (oder sollte) den Film nicht ernst nehmen, sondern einfach die Bilder genießen.

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Erstes Filmhalbjahr 2011: Filme, die man gesehen haben sollte..

Posted in Großes Kino!, Listen on Juni 28th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Die erste Hälfte von 2011 ist rum, Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Hier eine Auswahl von Filmen, die man – meiner bescheidenen Meinung nach – gesehen haben sollte, wenn man sich für zeitgenössisches Kino interessiert. “Tree of Life”, an dem sich offenbar die Geister scheiden, habe ich übrigens noch nicht gesehen.

UPDATE: Zu den Top-10 Filmen von 2011

Drama/Thriller

Nicht wegen der ganzen Oscars, sondern weil der Film Anspruch, Humor, Drama und herrliche Darsteller bietet – an “The King’s Speech” führt kein Weg vorbei, selbst man den “Hype” eigentlich schon längst satt hat. Nachholtermin auf DVD: ab dem 2. September. [Bestellen bei Amazon.de]

Alles Was Wir Geben Mussten lief im April quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, gerade mal 50 000 Besucher gingen rein. Der Film mischt eine melancholische Lovestory mit dystopischen Sci-Fi-Elementen, heraus kommt eine bewegende Geschichte, wunderbar gespielt und bei aller Traurigkeit trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes schön anzusehen. Nachholtermin auf DVD: ab dem 12. August. [Bestellen bei Amazon.de]

So ganz meinen Erwartungen an eine Verfilmung von Philip K. Dick entsprach “Der Plan (The Adjustment Bureau)” nicht, schon wegen des zu kitschigen Endes. Dennoch ist der Film eine Augenweide, und bietet neben den Schauwerten witzige Dialoge, ein paar schöne Ideen sowie ein überzeugendes Schauspieler-Ensemble – angeführt von Matt Damon und Emily Blunt. Nachholtermin auf DVD: ab dem 21. Juli. [Bestellen bei Amazon.de]

Der Überraschungshit “Black Swan” von Darren Aronofsky hat Natalie Portman dieses Jahr einen Oscar beschert. Der Regisseur beweist dabei einmal mehr, dass er ein großartiges Gespür für intensive, spannende Charakter-Dramen hat. Und selbst Menschen, die mit dem Milieu Ballett nicht viel anzufangen wissen, erliegen dem morbiden Charme des Films. Nachholtermin auf DVD: ab sofort. [Bestellen bei Amazon.de]

Comedy/Satire

In eine ganz andere Richtung als die oben genannten Filme geht “Rubber“. Die Farce um einen Killer-Autoreifen, gleichzeitig Film-im-Film und mit vielen schrägen Ideen gesegnet zieht ihre Kreise weit jenseits des Mainstreams. Doch zwischen den Stühlen sitzt es sich in diesem Fall äußerst bequem. Nachholtermin auf DVD: ab sofort. [Bestellen bei Amazon.de]

Noch ein wenig unbequemer, weil entfernt mit der Realität verwandt, ist die Terror-Satire “Four Lions“. Vier absolute Volltrottel haben sich dem islamistischen Terror verschrieben und planen ein Attentat in London. Nicht immer kann der Film dabei überzeugen, aber er enthält einige der lustigsten – und streitbarsten – Szenen dieses Kinojahres. Not be missed. Nachholtermin auf DVD: ab dem 30. September. [Bestellen bei Amazon]

A pros pos lustig: da muss auch “The Hangover 2” genannt werden, denn auch wenn der Film fast eine Art Remake seines Vorgängers ist, gibt es eine Menge zu lachen. Das eingespielte Ensemble feiert noch einmal ohne Rücksicht auf Verluste, findet sich abermals ohne Erinnerung an die durchzechte Nacht wieder und geht den eigenen Spuren nach. Das alles diesmal in Bangkok und begleitet von einem Äffchen. Noch im Kino, ansonsten ab dem 7. Oktober auf DVD. [Bestellen bei Amazon.de]

Auch gut..

Biutiful, Hereafter, Der Mandant, Paul, True Grit

Trust

Posted in Großes Kino!, KenntKeinMensch on Juni 26th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Wenn in Hollywood-Filmen Kinder zu Schaden kommen geht danach in der Regel ein erwachsener Mann auf einen blutigen Rachefeldzug. So hätte das auch in “Trust” laufen können. Die 14-jährige Schülerin Annie (Liana Liberato) lernt im Internet einen Jungen kennen, mit dem sich sich blendend versteht. Auf Chats und Nachrichten folgen Telefonate, schließlich trifft sie “Charlie” im richtigen Leben - und wird von dem tatsächlich weit über 30-jährigen in einem Motelzimmer vergewaltigt. Doch der Film nimmt nicht die einfache Ausfahrt und entwickelt sich zu einem ernsthaften und überzeugenden Drama.

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In Ihren Augen (DVD)

Posted in Großes Kino! on Juni 24th, 2011 by edzehard – 1 Comment

Manche Filme hat man früh auf dem Zettel stehen, nur um dann um so länger zu brauchen, bis man sie sich endlich ansieht. “In Ihren Augen”, Oscar-Gewinner der Kategorie “Foreign Language Movie” anno 2010, ist genau so ein Film. Im Kino habe ich ihn verpasst, auf DVD erstmal verschlafen, bis er dann jetzt tatsächlich auf dem Programm stand. Das selbstverschuldete Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt – der Film gehört rückblickend zu den besten seines Jahrgangs.

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The Hangover 2

Posted in Großes Kino!, Selten so gelacht! on Juni 9th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Vor zwei Jahren war “The Hangover” der Überraschungserfolg des Sommers. Der derbe, in keiner Weise um “political correctness” bemühte Humor des Films traf den Geschmack des Publikums, obwohl das Setting – ein Junggesellenabschied in Las Vegas – wahrlich kein sonderlich neues war. Wegen des großen Erfolges war ein Sequel nur eine Frage der Zeit, zumal alle Beteiligten offenbar nicht abgeneigt waren. Neben den Hauptdarstellern ist auch Regisseur Todd Phillips mit dabei, der nun auch am Drehbuch mitgeschrieben hat.

“Never change a winning team” hat sich Phillips wohl gedacht, denn in “The Hangover 2″ sind Stu (Ed Helms), Phil (Bradley Cooper) und Adam (Zach Galifianakis) in ganz ähnlicher Mission unterwegs wie beim letzten mal. Zahnarzt Stu hat die Buddies zu seiner Hochzeit auf eine paradiesische Insel Thailands eingeladen, ein krachender Junggesellenabschied ist nicht vorgesehen. Brav trinken die Jungs gemeinsam mit Stus thailändischem Schwager-in-spe Teddy, einem 16-jährigen Genie, am Strand ein Bier, mehr soll es nicht sein. Trotzdem wachen sie etwa 12 Stunden später in einem heruntergekommenen Hotelzimmer mitten in Bangkok auf – und erleben ein paar böse Überraschungen…

Selten hat es sich eine Fortsetzung so einfach gemacht wie “The Hangover 2″. Das bewährte Prinzip wird mit etwas Exotik aufgepeppt, die Gags und Bilder fallen noch einen Tick drastischer aus, die chaotische Handlung dagegen wird beinahe kopiert. Trotzdem (oder gerade deswegen) funktioniert der Film genau so gut wie der erste. Man bekommt, was man erwartet – und noch etwas mehr.

Die Darsteller sind inzwischen ein eingespieltes Team und beweisen im Zusammenspiel erneut großes komödiantisches Talent. Cooper gibt den lässigen Anführer, Helms den gestressten Jammerlappen, Galifianakis das neurotische und egozentrische Spielkind. Aus dieser recht simplen Konstellation holt der Film eine Menge gelungener Jokes raus. Die Story lebt von ihren guten Einfällen und dem ungewohnten Terrain in Bangkok, bietet dabei immer wieder große und nur selten mal länger als eine Minute gar keine Lacher. Das Ende ist ein wenig zu lahm und brav, doch der brüllend komische Abspann macht das sofort vergessen.

Die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet “The Hangover 2″ einige Male, steht dabei aber (gefühlt) auf höherem Niveau als viele jugendfreie Hollywood-Komödien, die in erster Linie auf Fäkalhumor setzen. Die Eskapaden des selbsternannten “Wolfpacks” sind ebenso wild wie unwahrscheinlich, in erster Linie aber sind sie lustig. Noch mehr als im ersten Teil mag mancher das Geschehen - rauchende Äffchen, nackte Transvestiten oder prügelnde Mönche – auch anstößig finden, der jungen Zielgruppe jedoch gefallen genau diese vermeintlichen Tabubrüche am besten.

Wenn eine Fortsetzung lediglich “more of the same” bietet ist das meistens keine gute Nachricht. Neue Entwicklungen und Einfälle sind fast immer unerlässlich, um dem Stoff neues Leben einzuhauchen. Im Falle von “The Hangover 2″ ist das anders. In leicht abgewandelter Form und vor exotischer Kulisse zündet der Film ein sehr ähnliches Gag-Feuerwerk wie vor zwei Jahren, und genau wie damals wird mächtig viel gelacht im Saal. Mehr kann man von einer Komödie nicht erwarten.

4/5

Paul

Posted in Großes Kino!, Selten so gelacht! on April 20th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Zwei englische Comic- und Alien-Nerds fahren mit dem Wohnmobil durch die USA und treffen auf … ein Alien! Klingt albern? Ja, allerdings, doch das ist im Falle von “Paul” tatsächlich gut so. Denn die Idee stammt von Nick Frost und Simon Pegg, den britischen Komikern, die uns mit “Shaun of the Dead” und “Hot Fuzz” schon zwei sehr lustige Streifen geschenkt haben. Mit ihrer neuen Alien-Farce ist ihnen erneut eine Komödie gelungen, bei der tatsächlich gelacht werden darf, kann und muss.

Frost und Pegg spielen die Hauptfiguren Clive und Graeme, die in den USA urlauben. Ihre erste Station ist die Comic Con, jene bunte Nerd-Attraktion, die seit Jahren Scharen von “Batman”, “Star Trek” und Sci-Fi-Fans anzieht. Danach wollen sie mit dem Wohnmobil die bekannten Pilgerstätten der UFO-Sichtungen ansteuern, angefangen natürlich bei der berüchtigten ‘Area 51′. Kaum sind die beiden unterwegs werden sie Zeuge eines Autounfalls – nur um dann verdutzt festzustellen dass der Fahrer zwar wohlauf ist, aber eben ein Alien, das sich als Paul vorstellt.

US-Komiker Seth Rogen leiht “Paul” in der Originalfassung die Stimme, was schon deshalb passt, weil Paul sich ähnlich benimmt wie Rogen in Filmen wie “Knocked Up” und “Pineapple Express” – nämlich ausgiebig daneben. Immerhin hat Paul einen Plan, er will sich von Artgenossen per UFO retten lassen, muss allerdings pünktlich am Treffpunkt sein. Nicht ganz einfach, denn der Secret Service hat die Verfolgung längst aufgenommen. Jason Bateman spielt Agent Zoil, der bei seiner Jagd von den rammdösigen Loser-Cops Haggard und O’Reilly “unterstützt” wird. Die wiederum werden von Bill Hader und Joe Lo Truglio gespielt, die schon in “Superbad” als Trottel überzeugenen konnten.

Die Grund-Konstellation der Geschichte ist gelungen, und “Paul” holt fast alles aus ihr raus. Christliche Fundamentalisten und Hillbillies bereichern die Story, der Roadmovie-Charakter sorgt für ordentlich Bewegung und die meisten Gags – etwa über Pauls Einfluss auf die Popkultur – zünden tatsächlich. Auch die Spezial-Effekte überzeugen, der komplett am Computer entworfene Paul wirkt real und greifbar, den Schauspielern ist nicht anzumerken, dass sie faktisch ständig vor dem Bluescreen Faxen machen. Pegg und Frost sind ein eingespieltes Team, das die Sympathien des Publikums nach wenigen Minuten in der Tasche hat – der Rest läuft dann wie von selbst.

Von selbst funktioniert aber natürlich keine Komödie. Es ist also Regisseur Greg Mottola (“Adventureland”) und den Drehbuchautoren zu verdanken, dass sie ihre Geschichte so lässig und unterhaltsam weiterspinnen. In Verbindung mit den guten Schauspielern ergibt das eine sehenswerte Komödie – nicht unbedingt der nächste “The Big Lebowski”, aber eine äußerst lohnenswerte Investion in ein Kinoticket.

4/5

Alles Was Wir Geben Mussten

Posted in Großes Kino!, KenntKeinMensch, Kranker Scheiss on April 8th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Auf diese Adaption des gleichnamigen Romans von Kazuo Ishiguro habe ich mich schon eine ganze Weile gefreut. Und ich kann sagen, dass ich trotz hoher Ansprüche nicht enttäuscht worden bin. Im Spannungsfeld von Melodram und Science-Fiction angesiedelt erzählt der Film vordergründig die Geschicke dreier ganz normaler Schüler im englischen Internat Hailsham.

Doch schon die ersten Szenen von “Never Let Me Go” machen deutlich, dass irgendwas mit der (einigermaßen) heilen und sehr geschlossenen Welt von Hailsham nicht stimmt. Fliegt beim Spielen ein Ball über den Zaun traut sich keines der Kinder, ihn wiederzuholen – denn draußen, so erzählt man sich, passieren nur böse Dinge.. Die Story entwickelt sich bald zu einer Dreiecksgeschichte zwischen Cathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield), deren Wege sich im Laufe der Jahre auch nach der Internatszeit noch mehrfach kreuzen.

Vom eigentlichen Inhalt darf man viel mehr nicht verraten, denn die Stärke des Films liegt genau wie im Roman darin, dem Publikum langsam die Informationen zu geben, die er braucht um die Lage einschätzen zu können. Das geschieht aber nicht durch irgendwelche dramaturgischen Kniffe, sondern fast beiläufig und ohne Effekthascherei. Wenn am Ende Cathy die Story aus ihrer Sicht zusammenfasst wird aber jedem Zuschauer klar sein, wie die Geschichte zu verstehen ist.

Eine Schwäche von “Never Let Me Go” (Originaltitel) liegt allerdings darin, dass er sein Szenario (das im Buch sehr stimmig ist) nicht bis ins Detail plausibel darstellen kann und man daher von den Figuren in einigen Situationen ein anderes Handeln erwartet. Am Zusammenspiel der drei Hauptdarsteller ist dagegen absolut nichts auszusetzen. Es wundert mich angesichts der grandiosen Romanvorlage auch nicht, dass der Stoff die drei derzeit begehrtesten jungen Schauspieler Englands für sich gewinnen konnte (Garfield, oscarnominiert für seine Rolle in “The Social Network”, ist in den USA geboren, aber in England aufgewachsen).

Bis auf die genannten Defizite ist der Film wahrlich großes Kino. Die ruhige Inszenierung von Mark Romanek gibt der Geschichte die nötige Zeit, sich zu entwickeln. Die Bilder sind von melancholischer Schönheit und zeichnen ein stimmiges Bild des englischen Hinterlands. Weil die Story in den 80er Jahren spielt hat das ganze zudem einen gewissen Retro-Charme. Inwiefern der Film spannend und mitreißend ist für diejenigen (und es dürfte die große Mehrheit sein), die das Buch nicht kennen, kann ich schwer sagen. Von der Vorlage ist er auf jeden Fall nicht weit entfernt, und auch wenn er es nicht ganz schafft dessen emotionale Kraft und seine große Vision ohne Verluste auf die Leinwand zu bringen, habe ich ihn würde die Top-10 von 2011 schon einmal vorgemerkt.

5/5

PS: Warum der Film

  • a) bei uns erst jetzt anläuft, obwohl er seit Herbst 2010 fertig ist wird nur der deutsche Verleiher selber wissen
  • b) keine einzige Oscar-Nominierung bekam ist mir absolut schleierhaft, auch wenn er finanziell nicht sonderlich erfolgreich war

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127 Hours

Posted in Großes Kino! on Februar 15th, 2011 by edzehard – Be the first to comment

Nach “Buried” kommt mit “127 Hours” erneut ein Film in die Kinos, der auf eng begrenztem Raum spielt. Doch entfaltet sich in diesem Fall keine Thriller-Handlung, sondern ein äußerst menschliches Drama. Der Film von Danny Boyle (“Trainspotting”, “Slumdog Millionaire”) beruht auf einer wahren Begebenheit und lief unter anderem letzten Herbst auf dem Filmfestival von Toronto.

Bei einem Outdoor-Trip in einem Canyon irgendwo in der weiten Wüste von Utah stürzt Aron Ralston (James Franco) in eine enge Schlucht. Unten angekommen muss er feststellen, dass ein Stück Fels mit runter gestürzt ist und den unteren Teil seines rechten Arms zerquetscht hat. Noch schlimmer ist, dass er den Arm nicht frei bekommt – Aron hat nur Verpflegung für einen Tag dabei und wenig Hoffnung zeitnah von irgendwem gefunden zu werden.

Wie der Titel schon andeutet wird Aron es eine Weile in der Schlucht aushalten müssen. Doch Regisseur Danny Boyle erlaubt seinem Film – anders als der stilistisch konsequentere “Buried” – den Ort des Geschehens auch mal zu wechseln. Man sieht Aron etwa zu Beginn erstmal dabei zu, wie er seine Sachen für den Kurztrip plant, wie er bester Laune in die Wüste fährt, und wie er zwei jungen Frauen die Freuden des Bergsteigens zeigt.

Nach dem Sturz konzentriert sich die Handlung zwar auf Arons zerfahrene Situation, aber mit den Gedanken der Hauptfigur schweift auch der Film visuell aus der Enge hinaus und erkundet die Vergangenheit, die Wünsche, Hoffnungen und Ängste des jungen Mannes. Auch der Humor bleibt nicht auf der Strecke, wenn Aron mit seinem Camcorder ein kleines Tagebuch seiner Zeit im Canyon dreht – für die Nachwelt oder für sich selbst – wenn er denn irgendwie wieder raus kommt…

James Franco, zuletzt als Allen Ginsberg in “Howl” im Kino, wurde für seine Rolle für einen Oscar nominiert, was definitiv gerechtfertigt ist. Nicht eine Sekunde hat man das Gefühl, einen Film mit einem Schauspieler (bekannt vor allem aus den “Spiderman”-Filmen) zu sehen, der etwas nachstellt – das Geschehen wirkt rundum authentisch, was auch nicht von den Regieeinfällen (Splitscreens, Zeitraffer, etc.) beeinträchtigt wird. Vom Übermut eines überzeugten Outdoor-Fans über den Schock nach dem Unfall bis zu den verzweifelten Versuchen sich aus seiner Lage zu befreien, man nimmt ihm alles ab und fühlt instinktiv mit.

“127 Hours” ist ein sehr gutes Drama, das den Zuschauer auf einen spannenden Trip einlädt. Intensiv gespielt und mit etwa 90 Minuten recht kurz holt er aus dem Stoff alles raus, was drin steckt. Man muss diese Geschichte nicht unbedingt sehen, “127 Hours” hat nicht den Anspruch irgendeine Weisheit zu verkünden. Es geht allein um den Moment, die Situation und die Emotionen, was er großartig einfängt. Ob man das sehen will oder nicht (vom Ausgang der Story schreibe ich hier bewusst nichts) muss jeder für sich entscheiden.

4/5

The King’s Speech

Posted in Großes Kino! on Februar 13th, 2011 by edzehard – 1 Comment

So kann man sich täuschen. Ich hatte “The King’s Speech” schon innerlich als konventionelles Kostüm-Kino abgeheftet, das von der Oscar-Academy traditionell so gerne mit Preisen überhäuft wird. Tatsächlich erklären sich die 12 Nominierungen des Films aber dadurch, dass er einfach großartig gemacht ist. Der Film ist sowohl ein ganz wunderbares Drama wie auch ein interessanter Historienfilm und dazu eine niveauvolle, sehr sehr witzige Komödie. Da darf und wird es dann auch gerne Preise hageln…

Wie wohl die meisten meiner Leser habe ich nie einen anderen britischen Monarchen erlebt als Königin Elizabeth II.. Die macht den Job ja nun auch schon ein paar Jahre. In “The King’s Speech” geht es um ihren Vater, George VI., der anno 1936 den Thron bestieg, weil sein älterer Bruder lieber eine geschiedene Frau heiraten wollte – einem König war das aber untersagt.

George VI. (gespielt von Colin Firth) hat seit seinen Kindertagen einen Sprachfehler. Oder vereinfacht gesagt: er stottert. Schon als er “nur” der Duke of York ist versucht er diesen für den Hochadel doch sehr lästigen Makel zu korrigieren. Doch alle Versuche schlagen fehl, zunächst auch der des mit unkonventionellen Methoden arbeitenden Australiers Lionel Logue (Geoffrey Rush). Als sich abzeichnet, dass George König werden wird und zudem ein Krieg mit Deutschland am Horizont aufzieht hat er dann keine Wahl mehr. Egal wie, das Stottern muss ein Ende haben, wenn sich die Briten in Kriegszeiten hinter ihren König stellen sollen.

Was nach ernsten, historisch aufgeladenem Drama klingt verpackt der Film in eine flüssige, heitere Erzählung, die immer wieder mit treffenden und lustigen Dialogen punktet. Das Geschehen gerät darüber keineswegs zur Farce. Die Leichtigkeit der Erzählung nimmt dem Film die Schwere und macht die Story wie auch die Figuren zugänglicher und menschlicher. Ohne die meisterlichen Darsteller (in erster Linie Firth und Rush, aber auch der Rest des Ensembles ist stark) würde das nicht funktionieren. Insbesondere die Szenen zwischen George und seinem “Sprachtherapeuten” Logue sind wahrlich großes Kino, voller Witz und Spielfreude, dabei immer überzeugend.

Regisseur Tom Hooper (mir bisher völlig unbekannt) inszeniert die Story mit viel Gefühl für das richtige Timing, von der ersten bis zur letzten Szene fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Man muss auch nicht sonderlich bewandert in der jüngeren britischen Geschichte sein, die wichtigen Informationen vermittelt “The King’s Speech” ganz nebenbei und lässt so unter anderem auch Winston Churchill auftreten. Wohl auch, weil (zumindest den Briten) das Ende der Story ohnehin bekannt ist legt der Film den Fokus eher auf die Hintergründe und Figuren. Das heisst aber nicht, dass sich die Rede am Schluss nicht auch zu den vielen großen Szenen des Films gehören würde.

5/5

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Black Swan

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss on Januar 28th, 2011 by edzehard – 1 Comment

Ein wenig Überwindung hat es mich schon gekostet, mir einen Ballett-Film anzusehen. Letztlich überwog aber deutlich die Neugier, ob der neue Film von “The Wrestler”-Regisseur Darren Aronofsky tatsächlich so gut ist, wie man hört. Und “Black Swan” ist ein sehr guter Film geworden, mit exzellenten Darstellern und einer interessanten Story. Von einem Meisterwerk würde ich nicht sprechen, aber der Gang ins Kino lohnt sich allemal.

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Tänzerin Nina (äußerst abgemagert: Natalie Portman), die nach dem ungewollten Abtritt des weiblichen Stars die Chance wittert, in der nächsten Produktion des Hauses die Hauptrolle zu spielen. Der künstlerische Leiter Thomas Leroy (Vincent Cassel) plant eine Aufführung von “Schwanensee”. Er hält Nina zwar für die beste Tänzerin, bezweifelt aber, dass sie auch als dunkler Schwan überzeugen kann – denn die Doppelrolle erfordert nicht nur technische Präzision, sondern auch Leidenschaft und Hingabe.

Völlig auf die Rolle und ihr Training fixiert verliert die allein bei ihrer Mutter lebende Nina langsam die Kontrolle. Sie wird von Halluzinationen heimgesucht, das erotisch aufgeladene Verhältnis zur neuen Kollegin Lily (Mila Kunis) nimmt sie verzerrt wahr, der Druck von Thomas wird immer größer. Ähnlich wie die Hauptfiguren in Aronofskys “Requiem for a Dream” ist Nina in einem Abwärtsstrudel gefangen, aus dem es – scheinbar – kein Entkommen gibt.

Die Stärken des Film liegen einerseits in der präzisen, großartig ausgestatteten Inszenierung, die beträchtliche Spannung erzeugt. Auch als nicht-Ballett-Fan kann man die Choreographien und den herrlichen Soundtrack von Clint Mansell genießen. Außerdem trumpfen die Darsteller hier ganz groß auf, allen voran Natalie Portman, die die Besessenheit und die innere Zerrissenheit ihrer Figur äußerst überzeugend auf die Leinwand bringt. Die kürzlich bekannt gewordene Oscar-Nominierung ist völlig gerechtfertigt.

Vincent Cassel glänzt ebenfalls in der Rolle des erfahrenen und manipulativen Choreographen, macht aus ihm eine beeindruckende Präsenz, gerade im Zusammenspiel mit den Tänzerinnen. Barbara Hershey als Ninas Mutter, Mila Kunis als Konkurrentin Lily und Winona Ryder als verbitterte Diva runden die erstklassige Besetzung ab.

Als einzige Schwäche kann man “Black Swan” vorwerfen, dass seine Story – wenn auch sehr geschickt – viele andere Filme zitiert und nicht ganz so innovativ ist, wie man vielleicht gehofft hat. Dramaturgisch und vom Timing her stimmt alles, doch wer in den letzten Jahren viele gute Dramen (auch von Aronofsky selbst) gesehen hat, der wird vom – trotzdem grandiosen – Ende nicht sonderlich überrascht sein. Das ist aber wahrlich kein Grund, den Film zu meiden, sondern nur ein kleiner und verzeihbarer Schönheitsfehler.

4/5

Die Top-10 Filme von 2010

Posted in Großes Kino!, Listen on Dezember 27th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Update: Nachdem ich inzwischen auch den Oscar-Gewinner “In Ihren Augen” gesehen habe sei angemerkt, dass der auf jeden Fall hier in die Liste gehört.

1. Inception
Mit großen Vorschusslorbeeren und ebenso großer Erwartungshaltung seitens des Publikums gestartet war “Inception” mit Abstand der beste Blockbuster des Sommers – und der einzige, der irgendwie das Gefühl von etwas neuem vermitteln konnte. Sicher, Traumwelten und verschiedene Handlungsebenen sind keine große Neuheit. Doch ist dem Film anzumerken, dass Regisseur Christopher Nolan eine stimmige Idee hatte, wie er seine Story visuell und dramaturgisch umsetzen wollte. Die  - leider extrem seltene – Mixtur aus Unterhaltung, Action und Anspruch ergibt einen sehenswerten Film, den man auch gerne ein zweites Mal sieht. [Kaufen bei amazon.de]

 

2. Ein Prophet
Die Geschichte eines jungen Arabers, der im Gefängnis zum gefährlichen Berufsverbrecher reift, überzeugt durch erzählerische Wucht, feinem Gespür für die Charaktere und eine packende Story. Der Film unterläuft dabei immer wieder die Erwartungen des Publikums, ohne sich dabei aber selbst im Weg zu stehen oder seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Ein großartiger Gefängnisfilm, der unter die Haut geht und in den Köpfen bleibt. [Kaufen bei amazon.de]

 

 

 

3. The Visitor
Die Geschichte eines einsamen Witwers und Professors auf dem Weg zurück ins Leben ist Independent-Kino vom Allerfeinsten. Die Story fesselt ebenso wie die großartigen Schauspieler, der Film ist im besten Sinne des Wortes interessant, außerdem witzig, berührend und bei allem Anspruch trotzdem unterhaltsam. [Kaufen bei amazon.de]

 

 

 

 

4. Winter’s Bone
Die Geschichte einer Teenagerin, die im vergessenen Hinterland der USA auf der Suche nach ihrem Vater ist. Um die letzte Hoffnung auf eine würdevolle Existenz ihrer Familie zu wahren durchstreift sie eine brutale Welt voller verkommener Menschen, karger Landschaften und allgegenwärtigem Verbrechen und Drogenkonsum. Grandios gespielt und mit sehr feinem Gespür erzählt ist “Winter’s Bone” eine der ganz großen Überraschungen des Jahres. Die Geschichte geht im besten Sinne unter die Haut, ein Film, den man so schnell nicht vergisst. Und ein Oscar für John Hawkes’ Performance als “Uncle Teardrop” wäre mehr als gerechtfertigt. [Kaufen bei Amazon.de]

 

5. Shutter Island
Martin Scorsese trägt etwas dicker auf als etwa sein Kollege Polanski (siehe Platz 7), doch auch er konzentriert sich in erster Linie auf das Erzählen. Die recht komplexe Story der Vorlage über Wahn und Wahrnehmung überträgt er souverän ins Kino. Einzig am Ende geht “Shutter Island” ein wenig die Luft aus. Leonardo DiCaprio ist mindestens so gut wie in “Inception”, wobei er sich damit wohl ironischerweise um alle Oscar-Chance bringt – denn zwei Nominierungen könnten die Stimmen “spalten”… [Kaufen bei Amazon.de]

 

 

6. A Serious Man
Ich schreibe es glaube ich schon zum dritten oder vierten Mal, aber was wahr ist muss wahr bleiben: Die Coens können einfach keinen langweiligen Film drehen. “A Serious Man” ist eine Besonderheit in ihrem bisherigen Werk; es fehlen die bekannten Gesichter aus dem Coen-Universum. Die Geschichte eines Mannes in der Krise seines Lebens (und was für eine Krise!) besticht durch die hervorragend gezeichneten Figuren, zahlreiche biblische Anspielungen und den sehr eigenen Humor. Ein Film, den man nicht nur einmal sehen sollte, über den es viel zu diskutieren gibt und der zum Nachdenken anregt, ohne anstrengend zu sein. [Kaufen bei Amazon.de]

 

7. The Ghost Writer
Roman Polanskis neuester Film ist Kammerspiel, Politthriller und Drama zugleich – und funktioniert auf allen drei Ebenen. Ein wunderbarer, fast altmodisch ohne CGI und andere Effekte inszenierter Film. Von mir aus könnte der Trend bei den großen Filmemachern ja gerne weggehen von Bio-Pics und großen Spektakeln, und sich wieder auf das erzählen von guten Geschichten verlegen. Ich habe allein dieses Jahr ein halbes Dutzend Bücher gelesen denen eine Adaption für die große Leinwand gut zu Gesicht stünde (und die Vorlage zu diesem Film war noch nicht mal dabei)! [Kaufen bei Amazon.de]

 

 

8. Machete
Man darf den Film gerne als sinnlose Ballerorgie abtun, tatsächlich ist er das auch. Aber “Machete ” hat noch mehr zu bieten. Einen grandiosen Hauptdarsteller in Danny Trejo zum Beispiel, noch viele weitere Schauspieler in Parada-Rollen (Michelle Rodriguez etwa, auch Jeff Fahey, Robert De Niro und Jessica Alba), und ein geradezu archaisches Drehbuch, in dem der böse weisse Mann (will sagen Anglo-Amerikaner) von den unterdrückten Latinos endlich mal richtig Prügel bezieht. Wer hier politische Satire sieht hat genau hingesehen, doch die setzt nur den Rahmen für ein fürchterlich blutiges und witziges Spektakel, in dem nicht der gute Geschmack zählt, sondern der Wille ihn zu umschiffen. Und letzteres gelingt eindrucksvoll. Von allen drei “Grindhouse”-Filmen auf jeden Fall der beste… [Kaufen bei Amazon.de]

 

9. Up in the Air
“Up in the Air” ist für das Genre der romantischen Komödie das, was “Inception” für den Sommer-Blockbuster ist: eine wohltuende Ausnahme von den vielen Produktionen von der Stange, den Sequels, Rip-Offs und Jennifer-Aniston-Filmen dieser Welt. Der Film haucht dem Genre nicht neues Leben ein, er erinnert aber daran, dass es mal welches gab. Er kommt in seinem etwas überzogenen Szenario (die hired-to-fire-Sache und die unzähligen Meilen) mit witzigen Dialogen und gut geschriebenen Figuren daher, verbindet nachdenkliche Zwischentöne mit erzählerischer Leichtigkeit und gelungenen Pointen. Von dieser Sorte (gerne auch einen Tick bissiger) darf es ruhig mehr Filme geben. [Kaufen bei Amazon.de]

 

10. The Road
Eine Geschichte zu erzählen, die wortwörtlich nach dem Weltuntergang spielt, ist wohl zwangsläufig eine düstere Angelegenheit. Diese Adaption von Cormac McCarthys post-apokalyptischem Roman folgt einem Vater und seinem Sohn auf ihrer Reise durch ein restlos zerstörtes Amerika. Die Zivilisation ist einer ungenannten Katasstrophe zum Opfer gefallen, die wenigen letzten Menschen rotten sich zusammen und leben in Furcht vor umher ziehenden Kannibalen. In dem kargen Szenario entwickelt sich kein gewöhnlicher Plot, sondern eher eine Meditation über das Band der Menschlichkeit, das Vater und Sohn verbindet. Hervorragend gespielt und gefühlvoll inszeniert lässt “The Road” lediglich ein paar feine Dialoge der Vorlage vermissen. [Kaufen bei Amazon.de]

Knapp dahinter:
Crazy Heart, Ich Sehe den Mann Deiner Träume, Solitary Man, The Social NetworkThe Town

Zu den schlechtesten Filmen des Jahres 2010

Zu den besten Filmen des Jahres 2009

Ich sehe den Mann Deiner Träume

Posted in Großes Kino!, Selten so gelacht! on Dezember 15th, 2010 by edzehard – 1 Comment

Alle Jahre wieder gibt es einen neuen film von Woody Allen, in diesem Jahr ist es “You Will Meet a Tall Dark Stranger” (Originaltitel), des Meisters vierter in London spielender Film. Im Zentrum des Geschehens stehen vier Figuren, die wie bei Allen üblich mit ihrer Existenz hadern. Sally (Naomi Watts) etwa arbeitet in einer Kunstgalerie und ist heimlich in ihren Chef (Antonio Banderas) verschossen. Zuhause wartet dann Ehemann Roy (Josh Brolin), der verzweifelt an seinem neuen Roman schreibt und langsam den Glauben an die eigene Berufung verliert.

Sallys Vater Alfie (Anthony Hopkins) ist auf seine alten Tage zum Fitness-Geek geworden, bemüht das Leben eines unbekümmerten Junggesellen zu führen – und reicht die Scheidung von seiner Frau Helena (Gemma Jones) ein. Die nimmt daraufhin erst eine Extraportion Schlaftabletten und anschließend ausgiebige Sitzungen bei einer Wahrsagerin. Die wiederum verrät ihr nicht nur ihre eigene (sehr rosige) Zukunft, sondern auch die von Sally und Roy – was dem Hausfrieden der beiden nicht eben förderlich ist.

Unterlegt von einem Off-Kommentar verfolgt der Film Leben und Leiden seiner Figuren für einige Monate, in der alle eine Menge Veränderungen durchmachen. Wie nicht anders zu erwarten bei Woody Allen dreht sich das Beziehungskarussell, allerdings nicht unbedingt in die Richtung, die man vielleicht erwartet hat. Die gelungenen Nebenfiguren (u. a. eine schöne Nachbarin von Sally und Roy sowie eine junge Teilzeit-Prostituierte) runden das groß aufspielende Ensemble ab, die Schauspieler spielen beschwingt und wie es scheint sehr befreit auf.

Das Drehbuch sieht recht offensichtlich für jede Figur eine unterschiedliche Entwicklung vor, schafft es jedoch, diese glaubwürdig und plausibel erscheinen zu lassen. Nicht der erhobene Zeigefinder diktiert hier den Gang der Dinge, sondern die mit viel Humor vorgetragene Überzeugung, dass das Leben sich nur bedingt in die Karten sehen lässt. Man könnte hier kritisch anmerken, dass “You Will Meet a Tall Dark Stranger” keinen großen Erkenntnisgewinn mit sich bringt. Aber darum geht es Allen auch gar nicht, er beschäftigt sich einmal mehr mit seinen Lieblingthemen, dem Leben in der Großstadt, der Kunst, der Angst vor dem Alter/Tod und den Tücken zwischenmenschlicher Beziehungen.

Der Film gehört wohl nicht zu Allens ganz großen Werken, enthält aber alles, was man von einem guten Film des Regisseurs erwartet. Er unterhält auf hohem Niveau, bietet herrliche Dialoge und süffisant vorgetragene kleine Lebensweisheiten. Für Fans also unbedingt empfehlenswert, alle anderen werden ohnehin die Finger davon lassen und sind wie üblich selbst schuld.

4/5

Die besten Fernsehserien der ‘Neuzeit’

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss, Listen, Selten so gelacht! on Dezember 2nd, 2010 by edzehard – 3 Comments

TV-Serien habe ich in meinem Leben schon eine Menge gesehen, aber hier gilt – anders als bei Filmen – eine ganz wichtige Unterscheidung: es gibt die Serien “von früher”, die man als Kind gesehen hat. Und es gibt die Serien “von heute”, die weit mehr Qualität aufweisen, einfach weil sich die Dinge in der Film- und Fernsehwelt so entwickelt haben.

Serienstars wie früher David Hasselhoff (“Knight Rider”) oder Richard Dean Anderson (“MacGyver”) konnten sich eine Kinokarriere abschminken (bei den beiden kann sich noch drüber freuen….). Man musste sich damals entscheiden – TV oder Kino, es war lediglich der “Abstieg” vom Kino- zum Filmstar möglich. Serien waren entweder endlos-Seifenopern wie “Dallas” oder recht alberner Quatsch für Teenager oder Kids. Ein paar Ausnahmen bestätigen die Regel (“M.A.S.H.”, “Magnum PI”).

Seit den 90ern ist das anders, David Lynchs “Twin Peaks” kommt da eine wichtige Rolle zu. Das Niveau der Fernsehserien ist gestiegen, sie folgen nicht mehr zwingend dem alten Gesetz, dass jede Folge in sich geschlossen sein muss. Stars schaffen seitdem häufiger den Sprung ins Kino. Jennifer Aniston (“Friends”) und George Clooney (“Emergeny Room”) sind dafür gute Beispiele, inzwischen wechseln viele Schauspieler zwischen den ‘Welten’ hin und her, ohne dass es noch jemanden interessiert.

Hier sind also meine Favoriten aus der ‘Neuzeit’ der Fernsehserien, in chronologischer Reihenfolge, was den US-Start der jeweils ersten Staffel angeht:

1. Twin Peaks (1990)

Angefangen hat alles mit “Twin Peaks”, David Lynchs absurd-surrealer Mystery-Krimiserie von 1990. Die erste Ausstrahlung von RTL habe ich (mit damals 11 Jahren) verpasst, aber ein paar Jahre später wurden alle Folgen bei ‘Tele5′ wiederholt. Die Mördersuche in einer Kleinstadt in Nordwesten der USA ist weit mehr als nur ein Krimi, sie seziert das Innenleben der Bewohner, genüßlich und mit viel Humor.

Das beste an der Serie sind die einzigartigen Charaktere, allen voran FBI-Agent Cooper – Kyle MacLachlan in der Rolle seines Lebens. Im Zusammenspiel mit den lokalen Cops, den Eltern der Toten, ihren Freunden und Neidern dringt er immer tiefer in die wirren Hintergründe des Verbrechens ein, stösst immer wieder auf neue Abgründe. Zudem ist es vielleicht die erste Serie überhaupt, die Teenager als ernst zu nehmende Menschen mit realen Problemen (und was für welche…) zeigt, und nicht die immer gleichen Klischees aneinander reiht.

Als der eigentliche Fall gelöst ist war das Zuschauerinteresse (zumindest in den USA) immer noch so groß, das noch eine “neue” Handlung oben drauf gesetzt wurde. Das Finale um Coopers Nemesis Wyndom Earle ist ein Leckerbissen für alle Lynch-Fans, so wie die ganze Serie. Trotz diverser Konflikte beim Dreh und der Entwicklung des Story ist “Twin Peaks” ein echter Meilenstein des Qualitätsfernsehens.

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2. The Sopranos (1999)

Nach “Twin Peaks” kam lange nichts mehr. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht sonderlich gezielt gesucht habe, “Akte X”, “Friends”, “Ally McBeal” und Konsorten habe ich wohl mal gesehen, aber wirklich interessiert hat mich keine der Serien. Bis Ende der 90er die Sopranos kamen. Sie wurden – genau wie im Kino ein paar Jahre zuvor “Pulp Fiction” – vom Spiegel angekündigt und dann vom ZDF ins Nachtprogramm verbannt; gut, dass es Videorekorder gibt (oder eher gab – hat noch jemand einen?).

Das Portrait eines Mafia-Clans aus New Jersey – ob der Name “Soprano” wohl ein Zufall ist? – beleuchtet pointiert die Abgründe des Alltags. Allein die erste Folge, in der Mafia-Boss Tony einer Therapeutin sein Herz ausschüttet, dabei aber nicht die ganze Wahrheit erzählen darf, ist Sinnbild für die Qualität des Stoffes. Die Leistung des Schauspieler-Ensembles ist bemerkenswert, die Charaktere wachsen einem im Verlauf der 6 Staffeln richtig ans Herz.

Eine kleine Schwächephase sind – nach meiner Erinnerung – die beiden mittleren Staffeln, aber vielleicht würde ich das heute auch anders sehen. Die “Sopranos” beginnen auf relativ kleiner Flamme (mit internen Schwierigkeiten), bevor die Spannungen zwischen den rivalisierenden Gangster-Clans von New York und New Jersey zunehmen. Ein weiterer Volltreffer der Serie: sie läuft nicht einfach aus, sie hört bewusst auf. Das klingt banal, doch Fakt ist, dass die meisten Serien wegen ausbleibendem Erfolg einfach nicht verlängert werden – und dann ist das Ende einer Staffel auch das Ende einer Serie, selbst wenn die Autoren einen anderen Schluss im Sinn hatten.

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3. 24 (2001)

Inzwischen ist in den USA die achte Staffel gelaufen, ich selber habe nur die ersten drei gesehen. Und trotzdem steht die Serie in dieser Liste, denn sie hat es geschafft, innovativ, mutig und erfolgreich zu sein. Das fiktive Zeit und echte Zeit mal deckungsgleich sind in Filmen oder Serien hat es schon immer gegeben, aber daraus eine komplette Dramaturgie zu machen war neu – und nicht ohne Risiko.

Doch den Machern von “24″ ist es gelungen, dieses Prinzip zu etablieren, das Publikum zu begeistern und dabei eine gute Geschichte abzuliefern. Sicher, ein paar Löcher und Fehler sind schon drin im Plot – die gewollte Atemlosigkeit des Geschehens fordert ihren Tribut. Doch die Schauspieler, allen voran Kiefer Sutherland als Agent Jack Bauer, und der spannende Terrorplot (der ersten beiden Staffeln) können dennoch überzeugen.

Wie ich höre ist der gute Jack Bauer in den späteren Staffeln – er war schon zu Beginn kein Kind von Traurigkeit – zu Amerikas TV-Folterknecht Nummer 1 geworden, was natürlich keine schöne Entwicklung wäre. Ich habe von dem Format nach 72 Folgen einfach mal genug gehabt, und werde die fehlenden Staffeln eher nicht mehr nachholen. Doch den Platz in dieser Liste hat “24″ sich verdient…

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4. Weeds (2005)

Die moderne Idylle wohlhabender US-Vorstädte hat schon anno 1999 “American Beauty” satirisch auseinander genommen. In “Weeds” ist diese Idylle von Anfang an dahin, nach dem Tod ihres Mannes muss sich eine Hausfrau alleine durchschlagen. Doch den Lebensstandard zu halten ist gar nicht so einfach, wie Nancy Botwin (Mary-Louise Parker) feststellen muss, weshalb sie es mit dem Verkauf von Gras versucht.

Ersten Erfolgen stehen zunehmend größere Probleme im Wege, mit Rivalen, den Gesetzeshütern und den eigenen Kids – vor denen sie ihren neuen Brötchenbezahl-Plan nicht lange geheim halten kann. “Weeds” wechselt zwischen Satire und reiner Comedy hin und her, ist auch mal sozialkritisch oder politisch unkorrekt, dabei aber in erster Linie immer eines: unterhaltsam. In den besten Folgen sind die Dialoge (im Original) so witzig dass man hin und wieder Pause drücken sollte, damit einem nichts entgeht.

Wohin die Reise der Botwins noch gehen wird ist am Ende der ersten Staffeln keinesfalls abzulesen, die Drehbuchautoren treiben es in jeder neuen Staffel (scheinbar) wieder von neuem auf die Spitze. Inzwischen ist die sechste Staffel gelaufen, wie man hört wird nach der siebten Schluss sein. Ich bin mal gespannt und hoffe darauf, dass die Autoren einen ECHTEN Schluss schreiben, keinen Kompromiss, der irgendwann doch noch fortgesetzt werden könnte…

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5. Dexter (2006)

Fast jede Serie in dieser Liste ist nicht unbedingt sehr fest in der Realität verwurzelt – im dem Sinne, dass die gezeigte Handlung besonders realistisch wäre. “Dexter” schießt aber eindeutig den Vogel ab, denn es geht um einen Kriminal-Mediziner, der gleichzeitig Serienkiller ist. Aber ein guter Serienkiller. Der es in Miami in jeder Staffel mit einem neuen, bösen Serienkiller zu tun bekommt, der jedes mal HAARSCHARF davor steht, mit einem Riesenknall aufzufliegen, dann aber doch davon kommt.

Doch dazu zweierlei: Erstens ist die “Bedrohung” durchaus real, es erscheint nicht unmöglich, dass Dexter Morgan (Michael C. Hall) irgendwann doch noch in Handschellen abgeführt wird. “Dexter” ist schließlich nicht das “A-Team” auf der Flucht vor Colonel Decker. Zweitens ist es den Stärken von Drehbuch, Schauspielern und Inszenierung zu verdanken, dass einem nur selten bewusst wird, wie UNGLAUBLICH die Handlung eigentlich ist.

Tatsächlich ist die Serie kontinuierlich mit (fast) jeder Staffel besser geworden, noch spannender, noch zynischer, noch grenzwertiger. Die extrem blutige Angelegenheit (FSK 18) ist sicher nicht jedermanns Feierabende-Vergnügen, ich freue mich trotzdem schon auf Staffel Nummer sechs im nächsten Jahr!

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6. Californication (2007)

Wer bisher geglaubt hatte, Dave Duchovny hätte mit Agent Fox Mulder schon die Rolle seines Lebens gespielt muss seit 2007 umdenken. Denn der ist als turbo-hedonistischer, zynischer Schriftsteller Hank Moody in “Californication” zu gut um wahr zu sein. Mit charmantem Blick im Porsche-Cabrio durch Los Angeles fahrend fängt er dutzendweise Frauengeschichten an, was seine schöne Ehefrau Karen (Natasha McElhone) ihm irgendwann nicht mehr verzeihen kann.

Doch das Ende ist im Hause Moody immer wieder ein neuer Anfang, als (relativ) konstante Stütze bleibt ihm dabei seine Tochter Becca treu. Die durchlebt ihrerseits Höhen und Tiefen des Teenagerdaseins und hat mit ihrem Dad jemanden im Gepäck, der als Vorbild nur bedingt tauglich ist. Ein echtes Highlight der Serie sind zudem Hanks Agent, der Glatzkopf Charlie Runkle samt koksnasiger Gattin Marcy. Nicht zu vergessen Kathleen Turner (jawoll, die aus den 80ern), mit Mut zum Übergewicht und einer Stimme, die auch Joe Cocker gehören könnte.

“Californication” ist in erster Linie Comedy, und vielleicht die lustigste Show die ich je gesehen habe. Bei allem Slapstick und aller Übertreibung lassen die Figuren aber hin und wieder durchscheinen, dass sie der Realität noch nicht endgültig entfleucht sind. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie nur alle zu egoistisch, triebgesteuert und unreif um sich wie erwachsene Menschen aufzuführen.

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7. John from Cincinnati (2007)

Die “Sopranos” verließen im Herbst 2007 die Fernseher dieser Welt, und halb Amerika schaute zu. Sender HBO wollte das Publikum gleich mit der nächste Serie ködern und startete “John From Cincinnati” auf dem “Sopranos”-Sendeplatz am Sonntagabend. Doch die Mystery-Surfer-Sage erwies sich als nicht massentauglich, und wurde nach der ersten Staffel wieder eingestellt. Schade, schade.

Aber diese eine Staffel immerhin ist großes Fernsehen geworden. Der Titelheld erscheint aus dem Nichts auf der Bildfläche in Südkalifornien und lernt eine Reihe von mehr oder minder merkwürdigen Gestalten kennen. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie Yost, aus deren Reihen schon in der dritten Generation Ausnahmekönner des Surfsports kommen.

Den Plot wiedergeben zu wollen wäre sinnlos und unmöglich, die Serie verweigert sich einer konventionellen Erzählweise und gibt sich verschroben und geheimnisvoll – genau wie ihre Charaktere. Etwas ist faul bei den Yosts und den meisten ihrer Freunde und Bekannten. Ein abgewrackter Rocker, ein Ex-Bulle (gespielt von Ed O’Neill ala Al Bundy), und ein abtrünniger Mediziner bevölkern die Szenerie, Themen wie Drogensucht, Wunderheilung und eiskalte Geschäftspraktiken unter Surfsport-Größen ergeben ein wirres, von großartigen Momenten und hintergründigem Witz geprägtes Gesamtbild. Die Nähe zwischen Genie und Wahnsinn war nie besser auf der Leinwand zu beobachten als in “John From Cincinnati” – und natürlich “Twin Peaks”.

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8. Bored to Death (2009)

Diese kleine Comedyserie von HBO ist sicher nicht jedermanns Sache, trifft aber sehr genau meinen Geschmack. Drei mit dem Leben hadernde Männer kämpfen sich in Manhattan durch den Alltag. Schriftsteller Jonathan (Jason Schwartzman) wird am Anfang von seiner Freundin verlassen (weil er zuviel Weißwein trinkt und zuviel kifft) und versucht sich auf der Suche nach Ablenkung daraufhin als Hobby-Privatdetektiv.

Comic-Zeichner Ray (Zach Galifianakis) kommt ebenfalls nicht recht voran, während Publizist George (Ted Danson) das Leben geniesst als wäre er keine 60, sondern 25 Jahre alt. Die Mischung aus Neo-Noir (u. a. ein lakonischer Off-Kommentar), Großstadthumor mit Anleihen bei Woody Allen und niveauvollem Kiffer-Slapstick (ja, sowas gibt es hier!) ist feinste Unterhaltung. Es gibt in dem bunten Treiben auch mal Tiefgang, doch die Hauptfiguren sind äußerst geschickt darin diesen mit viel Humor zu übersehen…

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9. Boardwalk Empire (2010)

Diese Serie ist noch nicht mal am Ende der ersten Staffel – wenn auch knapp, es fehlt nur eine Folge – und darf hier trotzdem nicht fehlen. Die Erwartungen an “Boardwalk Empire” waren hoch, schließlich inszenierte Martin Scorsese den Pilotfilm (und ist Produzent der Serie), zudem ist die Besetzung recht prominent (Steve Buscemi, Kelly MacDonald, Michael Shannon) und der Sendeplatz ist der oben bereits erwähnte “Sopranos”-Sonntagabend.

Buscemi spielt Nucky Thompson, der Anfang der 1920er Jahre in Atlantic City die Fäden zieht. Die Prohibition guckt um die Ecke, ebenso das Wahlrecht für Frauen – die Zeit ist eine andere als die moderner Gangster. Doch die Methoden sind die gleichen. Nucky und seine Männer haben die Stadt fest im Griff, verdienen überall mit und lassen fröhlich die Puppen tanzen. Doch aus New York kommt Konkurrenz, ein paar lokale Gauner machen Stunk und überhaupt artet das Strippenziehen auf politischem, gesellschaftlichem und geschäftlichem Parkett zunehmend in harte Arbeit aus.

Die Figuren entwickeln sich langsam, aber stetig, man hat offenbar damit gerechnet eine zweite Staffel drehen zu dürfen, die den Pfaden weiterspinnt. Die ist tatsächlich gleich nach dem Start der Serie genehmigt worden, man kann sich schon drauf freuen. In Deutschland soll “Boardwalk Empire” beim Pay-TV-Sender ‘TNT Serie’ laufen, laut WELT Online. Allerdings habe ich von dem Sender nie gehört, wohl weil ich noch nie Pay-TV-Kunde war..

Knapp nicht dabei:

Zwei Serien sind noch zu nennen, die es beinahe, aber eben nicht ganz in diese Liste geschafft haben. Zum einen “Mad Men”, weil ich zwar von Witz, Dialogen und vielem mehr begeistert war, aber Ende der zweiten Staffel trotzdem aufgehört habe zu gucken. Ein bisschen viel Show, ein bisschen zu wenig Story. Kann aber gut sein, dass ich die übrigen Folgen noch nachhole und mein Urteil revidiere…

“Lost” ist auch draußen geblieben, schon weil ich noch in der vierten Staffel stecke und also noch gar nicht weiss was zur Hölle denn nun eigentlich los ist auf der Insel. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht (mehr) die Hoffnung, dass es da noch eine überzeugende Erklärung jenseits von “Ist alles Traum/Sind alle tot/etc.” geben wird. Die Serie zelebriert das Erzählen von Geschichten und macht eine Menge Spaß – sollte am Ende doch noch alles wirklich zusammenpassen werde ich sie gerne hier ergänzen…

Somewhere

Posted in Großes Kino! on November 17th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Wer bei Sofia Coppolas neuem Film “Somewhere” nicht hin und wieder an ihren Arthouse-Hit “Lost in Translation” denken muss, hat letzteren wohl nicht gesehen. Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich, sowohl stilistisch als auch thematisch – was bei der Regisseurin Hand in Hand geht. Das heisst aber nicht, dass sich ihr neues Werk nicht lohnen würde, denn erstens gibt es auch Unterschiede und zweitens war “Lost in Translation” ja ein großartiger Film.

In “Somewhere” spielt Stephen Dorff den fiktiven Hollywood-Star Johnny Marco, der trotz (oder gerade wegen) seines Jet-Set-Lebens immer mehr vereinsamt. Schon die Besetzung ist interessant, denn Dorff ist nicht unbedingt ein “echter” internationaler Filmstar. Bekannt ist er dem Mainstream-Publikum vor allem als Bösewicht in “Blade”, ansonsten spielt er eher Nebenrollen in größeren Filmen (“Public Enemies”) oder Hauptrollen in Straight-to-DVD-Filmen von mäßiger (“Felon”) bis hoher (“Shadowboxer”) Qualität. Ein Charakterdarsteller in klassischem Sinn ist er keinesfalls, aber das passt sehr gut, denn Johnny Marco ist auch eher der rustikale Actionfilm-Star.

Als solcher verdient er eine Menge Geld und lebt standesgemäß in einem Hotelzimmer in Los Angeles. In den ersten Einstellungen des Films dreht er sinnlos in seinem Ferrari ein paar Runden in der Ödnis, bevor er sich bei einer Party besoffen die Hand bricht. Damit wäre die Figur fast vollständig etabliert, es fehlen nur noch zahlreiche eher wahllose Frauengeschichten (oder besser One-Night-Stands) und die Tatsache, dass er eine elfjährige Tochter namens Cleo hat, die hin und wieder einen Tag in seiner Obhut verbringt. Weil Cleos Mutter sich unerwartet eine Auszeit nimmt, hat Johnny plötzlich für eine gute Woche das ungewollte Sorgerecht.

Das zentrale Thema von “Somewhere” ist die Einsamkeit des (Anti-)Helden, die Sofia Coppola in langen, präzise beobachteten und sich oft wiederholenden Einstellungen einfängt. Die Welt eines Filmstars zeigt sie wenig glamourös, auch wenn Sex, Drugs & Rock’n'Roll durchaus vorkommen. Langweilig-sinnlose Pressetermine, endlose Schmink-Sessions und die ständige Angst von Paparazzi verfolgt zu werden bestimmen die Szenerie. Hin und wieder treten in Gestalt schöner Frauen auch die Sonnenseiten des Star-Daseins in den Vordergrund, die aber nie von Dauer sind.

Diese glaubwürdig entwickelte Stimmung und der immer wieder aufblitzende Humor ob der Absurdität des Geschehens sind die Stärke von “Somewhere”. Selten hat jemand, der in seinem eigenen Ferrari unterwegs ist, auf der Leinwand trauriger und verzweifelter ausgesehen. Wie bereits erwähnt finden sich einige Ähnlichkeiten mit “Lost in Translation”. Einsame Seelen wandern durch oberflächliche Welten, bemüht sich selbst zu finden – aber ohne eine Idee, wo sie suchen sollen. Wo sich in dem vorigen Film aber noch zwei Gestrandete trafen, die von ihrer gewohnten Umgebung getrennt waren und einander Trost spenden konnten, liegen die Dinge in “Somewhere” etwas anders.

Die Präsenz von Cleo, ihre Rolle als stille Beobachterin von Johnnys Leben als ‘movie star without a cause’ sorgt bei ihm endgültig zu der Erkenntnis, dass er seine Leben geradezu verschenkt. Trotzdem ist er lange unfähig den Tatsachen ins Auge zu schauen. Diese dabei entstehende Beziehung zwischen Vater und Tochter bleibt leider etwas blass und blutleer, hinter den schönen Bildern und Momenten ist wenig Substanz auszumachen.

Es ist eine weitere Stärke des Films, dass man für die Hauptfigur Sympathien aufbringen kann. Coppolas Blick auf Johnny Marco ist zuweilen gnadenlos, aber immer auch mitfühlend. Bei aller Coolness und Ironie der Inszenierung schimmert im Hintergrund eine reale, menschliche Komponente durch. Viele Einstellungen sind dabei so gewählt, dass die Figuren (im Kino) in lebensechter Größe zu sehen sind, was eine dokumentarfilmhafte Echtheit vermittelt. Diese steht als Stilmittel in gelungenem Kontrast zu den kühlen Bilder und dem entrückten Pop-Soundtrack, der das Geschehen süffisant kommentiert.

4/5

PS: Über das Ende von “Somewhere” gehen die Meinungen sicher auseinander. Ich fand es weniger gelungen, wenngleich es sicher nicht unpassend ist.

Machete

Posted in Großes Kino!, Kranker Scheiss, Nuck Chorris, Selten so gelacht! on November 8th, 2010 by edzehard – Be the first to comment

Der kommerzielle Erfolg des “Grindhouse”-Projekts von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez war anno 2007 recht bescheiden. Hierzulande wollten immerhin 600 000 Besucher Tarantinos “Death Proof” sehen, Rodriguez’ “Planet Terror” hingegen nur 150 000. Doch offenbar hat der Regisseur aus Texas noch Spaß am B-Movie-Genre, denn “Machete” ist feinstes Trash-Kino geworden. Der gewöhnlich eher als Bösewicht besetzte Danny Trejo (“From Dusk Till Dawn”) spielt den Titelhelden, einen mexikanischen Bundespolizisten im Kampf gegen die Drogenkartelle.

Gleich zu Beginn wird Machete von Drogenboss Torrez (Steven Seagal!) übel zugerichtet, bevor er dann auch noch mitansehen muss, wie seine Frau einen Kopf kürzer gemacht wird. Womit auch schon die Tatsache etabliert wäre, dass “Machete” nichts für Menschen ist, denen graphische Gewalt im Kino unangenehm ist. Es wird verdammt blutig gemetzelt in dem Streifen, Kopfschüsse, Hinrichtungen, abbgetrennte Gliedmaßen und sogar eine Kreuzigung sind Teil des Programms.

Der Plot, der sich nach der Exposition entfaltet, kreist um die Thematik illegale Einwanderer an der grenze von Texas. Ein korrupter Senator (Robert De Niro) und seine fiesen Schergen wollen einen Zaun errichten, mit dem sie die Grenze kontrollieren wollen. Mitmischen tun in dem gewalttätigen Treiben außerdem Michelle Rodriguez als Käpferin für die Rechte der Illegalen, Jessica Alba vertritt die US-Einwanderungsbehörde im Außendienst, Cheech Marin ist als Priester dabei, Don Johnston als Anführer einer schießwütigen Bürgerwehr und Lindsay Lohan gibt die aufmüpfige Tochter von Torrez’ rechter Hand Booth.

Mit viel schwarzem Humor, sehr gutem Timing und ganz den ungeschriebenen Regeln des Genres folgend ist “Machete” ein äußerst vergnüglicher, temporeicher Trash-Film geworden. Die prominente Besetzung spielt durch die Bank groß auf, wobei ironischerweise hier der ewige Nebendarsteller Trejo endlich mal die erste Geige spielen darf. Inzwischen 66 Jahre alt und mit einem Gesicht, das man getrost als “vom Leben gezeichnet” umschreiben darf, spielt Trejo als “Machete” groß auf. Er ist ein Mann der Tat, nicht der großen Worte, oder wie er selbst sagt: “Machete don’t text.”

Natürlich nimmt der Film sich nicht sonderlich ernst, die Neigung zur Übertreibungen zieht sich durch den die gesamte Handlung. Die politischen “Untertöne” sind ebenfalls überspitzt, auch wenn Robert Rodriguez keine Zweifel aufkommen lässt, auf wessen Seite seine Sympathien liegen. Wie schon bei “Planet Terror” hat er seinem Film einen gebrauchten Look gegeben, es findet sich Schmutz auf der Leinwand als wäre er mindestens 30 Jahre alt, und auch der Sound ist zuweilen gewollt mies abgemischt. Als Gesamtpaket funktioniert “Machete” sehr gut, es gibt einiges zu lachen und großes Actionkino der ganz alten Schule. Man muss nur ein Faible für B-Movie-Reißer haben, um das auch genießen zu können.

4/5

PS: Das B-Movie-Duell mit Stallones “Expendables” gewinnt “Machete” deutlich, schon weil es kaum langweilige oder unnötige Szenen gibt.