Kurzkritik: Colossal

Filmplakat ColossalDrama/Sci-Fi, USA 2016

Regie: Nacho Vigalondo; Darsteller: Anne Hathaway, Jason Sudeikis, Tim Blake Nelson

Nachdem ihr versnobbter Freund sie aus seinem New Yorker Apartment geworfen hat, macht sich Gloria (A. Hathaway) auf den Weg in die heimische Provinz. Es ist für das dauertrinkende Partygirl Zeit für eine schmerzliche Neubewertung der Gesamtsituation.

Es dauert nicht lange, bis Gloria ein paar alte Schulfreunde wieder trifft und – ausgerechnet – einen Job in einer Bar annimmt. Vom anderen Ende der Welt, aus Südkorea, kommen derweil finstere News. Dort treibt ein Godzilla-ähnliches Riesenmonster sein Unwesen. Der Witz bei der Sache ist, dass zwischen Glorias nächtlichen Sauf-Eskapaden und dem Auftreten des Monsters eine Verbindung besteht…

Man muss, um den Film genießen zu können, Gefallen an der wahrlich ausgefallenen Prämisse des Films finden (über die man definitiv nicht mehr als das oben stehende wissen sollte). Zum Glück macht „Colossal“ einem das sehr leicht, denn trotz des fantastischen Elements funktioniert die Story auch als klassisches Drama.

Nacho Vigalondo, der hier für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, hat mit bescheidenen Mitteln, viel Einfallsreichtum und einem beeindruckenden Gespür für die Qualitäten (und Grenzen) seiner Geschichte einen absolut ungewöhnlichen, dabei aber in keiner Weise sperrigen Film geschaffen. Sicherlich der kreativste Monster-Film des Jahres – aber für ein ganz anderes Publikum gemacht.

4/5

 

 

 

Kurzkritik: Live By Night

Live By Night FilmplakatGangsterdrama, USA 2016

Regie: Ben Affleck; Darsteller: Ben Affleck, Zoe Saldana, Sienna Miller, Chris Cooper

Desillusionierter Veteran des Ersten Weltkriegs, Sohn eines einflussreichen Polizisten mit irischen Wurzeln, und selbst ernannter „Outlaw“ – das ist Joe Coughlin, die Hauptfigur von „Live By Night“. Der Film folgt Joe auf seinem Weg durch die Unterwelt von Boston, ins Gefängnis und schließlich in den Süden Floridas. Die Prohibition ist anno 1926 ein Riesengeschäft für das organisierte Verbrechen, ihr Ende aber jedoch schon abzusehen. Es braucht also neue Verdienstquellen.

Ben Affleck hat als Schauspieler definitiv schon bessere Leistungen abgeliefert, doch dem Film wird hier eher seine Leistung hinter der Kamera bzw. bei der Adaption des Drehbuchs (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane) zum Verhängnis. Denn obwohl „Live By Night“ eigentlich alles hat, was ein stimmungsvolles, spannendes Gangsterdrama braucht (eine hochkarätige Besetzung, ein interessantes Setting, gelungene Bilder) kommt der Film nie richtig in Gang.

An kaum einer Szene ist per se etwas größeres auszusetzen, es fehlt jedoch ein roter Faden, das Gefühl, dass sich eine Geschichte entfaltet. Der ziemlich uninspirierte Off-Kommentar ist keine Hilfe, aber auch nicht Schuld daran. Weder die Handlung selbst noch die Darsteller sind schwach, es fehlt dem Film schlicht eine schlüssige Dramaturgie. So vergehen die zwei Stunden Laufzeit eher zäh und ohne echte Höhepunkte. Schade.

3/5

Kurzkritik: Passengers

Passengers FilmplakatSci-Fi/Drama, USA 2016

Regie: Morton Tyldum; Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence

Ein riesiges Raumschiff ist auf Autopilot unterwegs zu einer neuen Kolonie der Menschheit. 120 Jahre soll die Reise dauern, die Passagiere und Crew bis zur vor der Ankunft in künstlichem Schlaf verbringen. Alle Passagiere? Nicht ganz. Denn Jim (C. Pratt) läuft alleine durch die Gänge des kolossalen Gefährts, und auch Aurora (J. Lawrence) gesellt sich bald dazu. Die Reise wird aber noch 90 Jahre dauern – was genau ist schief gegangen, und wie sollen die beiden „Passengers“ mit ihrer Situation umgehen?

Ich denke es hat am Trailer gelegen, dass ich hier einen ganz anderen Film erwartet habe. Es sah da nach Action aus, nach Aliens irgendwie, jedenfalls nach Spektakel. Was „Passengers“ jedoch nur in recht geringen Dosen liefert. Stattdessen ist der Film eher die Hollywood-Variante von „Moon“, angereichert mit einer Prise „Gravity“ und mit deutlichen Anleihen bei der TV-Show „The Last Man on Earth“.

Visuell ist das Unterfangen äußerst gelungen, die Tricks und Set Designs sind überzeugend. Auch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt, wenngleich hier der oben beschriebene Hollywood-Faktor in der Figurenzeichnung deutlich sichtbar ist. Über den Verlauf der Story kann man nicht viel sagen, ohne Spoiler unters Lesevolk zu bringen. Wer der Prämisse grundsätzlich etwas abgewinnen kann, darf hier auf jeden Fall zugreifen. Wer SciFi-Action und Aliens erwartet sollte lieber auf „Life“ warten (der dem Trailer nach tatsächlich sehr stumpf „Alien“ mit „Gravity“ mixt).

3/5

 

Kurzkritik: Allied – Vertraute Fremde

Allied - FilmplakatDrama/Action/Romanze, UK/USA 2016

Regie: Robert Zemeckis; Darsteller: Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, August Diehl

Der kanadische Fallschirmspringer Max (B. Pitt) und die französische Widerstandskämpferin Marianne (M. Cotillard) lernen sich bei einer gemeinsamen Sabotage-Mission 1942 in Casablanca kennen und lieben. Sie beginnen ein gemeinsames Leben und gründen eine Familie – und können doch weder dem Krieg noch der Vergangenheit entkommen…

Ich habe hier mal bewusst die eigentliche Handlung weitgehend weggelassen, je weniger man darüber weiss desto besser, weil spannender ist „Allied“. Richtig gut ist der Film leider auch so nicht. Zwar ist er souverän inszeniert, gut gespielt und verneigt sich geschickt vor einigen Klassikern der Filmgeschichte.

Doch er erreicht eben selbst nicht deren Klasse, will gleichzeitig Agentenfilm und Kriegsromanze sein, scheitert aber – auf hohem Niveau – an genau diesem Anspruch. Hinter all dem hochwertigen Handwerk fehlt irgendwie ein Herz. Es bleibt gut gemachte, durchaus anspruchsvolle Unterhaltung, die jedoch nicht zu fesseln vermag.

3/5

Kurzkritik: Inferno

Inferno FilmplakatThriller, USA 2016

Regie: Ron Howard; Darsteller: Tom Hanks, Felicity Jones, Omar Sy

Tom Hanks spielt zum dritten Mal Prof. Robert Langdon, der diesmal mit leichtem Gedächtnisverlust in einem Krankenhaus in Florenz erwacht. An der Seite der Ärztin Sienna (F. Jones) befindet er sich bald auf der Flucht vor dunklen Mächten. Und stellt fest, dass er den Ausbruch eines tödlichen Virus verhindern muss, den ein bekloppter Milliardär auf die Menschheit loslassen will.

Die erste Stunde von „Inferno“ ist pures Bewegungskino, in Verbindung mit den für Brown typischen (Kunst-)Geschichtsstunden und einigen gelungenen apokalyptischen Bildern, die Langdon – anstelle der Erinnerung an die letzten zwei Tage – im Kopf hat. Die Story ist nicht unbedingt plausibel (nach den Wendungen am Ende eher noch weniger als vorher), weiss aber zu unterhalten.

Nach gut der Hälfte der Laufzeit geht „Inferno“ etwas vom Gas, um sowohl seiner Story als auch einigen Figuren mehr Raum zu geben. Das geht leider nach hinten los, denn eine zentrale Romanze ist dabei wenig überzeugend, die großen „Überraschungen“ der Story bringen die Handlung nicht wirklich voran – das hat in der parallelen Erzählung der Romanvorlage besser funktioniert.

Wie immer bei Stoffen von Dan Brown ist der Weg das Ziel – und das Finale eher enttäuschend. Auf dem Weg dahin gibt es schöne Bilder von Florenz und anderen schönen Städten zu sehen, außerdem die Brown-typischen, wenig elegant integrierten, trotzdem interessanten „Lehrstunden“, in diesem Fall über den Dichter Dante Alighieri. Das ist insgesamt nichts neues (und wurde vor allem im „Da Vinci Code“ schon besser für die Leinwand aufbereitet) und aufregendes, kann aber bei akuter Langeweile – ich denke da vor allem an Langstreckenflüge – durchaus in Erwägung gezogen werden.

2/5

Kurzkritik: Sully

Sully FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Tom Hanks, Aaron Eckhart

Die berühmte „Bruchlandung“ auf dem Hudson River in NYC im Jahre 2009 – in den USA ‚Miracle on the Hudson‘ genannt – hat Clint Eastwood hier zum Kinostoff gemacht. Die Eckdaten sind ja weitgehend bekannt: kurz nach dem Start fallen beide Triebwerke eines Passagierfliegers aus, weil Gänse hineingeflogen sind. Kurz danach landet Pilot Chesley „Sully“ Sullenberger die Kiste im Hudson, Passagiere und Crew können weitgehend unverletzt gerettet werden.

Das zentrale Drama des Films ist die Frage, ob der Pilot richtig gehandelt hat und als Held gefeiert werden sollte, oder ob er waghalsig handelte und eine normale Notlandung an einem nahe gelegenen Flughafen die bessere Option gewesen wäre. „Sully“ erinnert zuweilen an „United 93“, stellt detailliert und dokumentarisch die Szenerie nach (vom Start bis zur Rettung vergehen nur wenige Minuten). Die Rahmenhandlung zeigt wie Sullenberger und sein Co-Pilot versuchen mit dem Medienrummel zurecht zu kommen und der kritischen Kommission der Verkehrsbehörde Rede und Antwort stehen müssen.

Die Rolle des routinierten, bescheidenen Piloten ist Tom Hanks quasi auf den Leib geschrieben, was dem Film ein solides emotionales Fundament gibt. Doch trotz der soliden und unaufgeregten Inszenierung ist „Sully“ letztlich nicht mehr als eine Nacherzählung, die ihren Stoff zwar wunderbar aufzubereiten versteht, aber ohne echten Stimmungsbogen auskommen muss. Man kann sich das gut ansehen, es führt aber letztlich zu nichts. Womöglich wollte Eastwood einfach einen unterhaltsamen Anti-Katastrophenfilm drehen – das ist ihm sehr gut gelungen.

3/5

Kurzkritik: Money Monster

Money Monster FilmplakatDrama, USA 2016

Regie: Jodie Foster; Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West

Geiselnahme im Live-TV – Lee, Moderator einer krawalligen Finanz-Show, gerät in die Gewalt des frustrierten Zuschauers Kyle, der wegen eines Anlagetipps seine Ersparnisse verloren hat.

Während Lee mit seiner Produzentin (Roberts) einen Ausweg sucht, stellt Kyle in Frage, dass der Kurssturz der Investmentfirma wirklich an einem „fehlerhaften Algorithmus“ lag. Auch außerhalb des Studios ist man um Aufklärung bemüht…

Gut gespielt und flott inszeniert bemüht sich „Money Monster“ um einen treffenden Kommentar zur Schieflage und Undurchschaubarkeit des internationalen Finanzwesens. Doch trotz ein paar guter Ideen nimmt das Geschehen einen so unglaubwürdigen Verlauf, dass man zwar noch folgen mag, sich dabei aber zusehends verwundert am Kopf kratzt.

3/5

 

Coming up – Kurze Kino-Vorschau

Es wird wieder ein Jahr mit wenigen Gängen ins Kino, soviel ist klar. Das liegt sicher auch an meiner zunehmenden Faulheit, entscheidender sind aber andere Faktoren, die mich mehr denn je stören. Erstens dauert der Gang ins Kino wegen der Werbung sehr lange, das nervt, schliesslich bezahlt man ja Eintritt. Zweitens passen die Vorführungszeiten oft nicht in meinen Alltag. 18:00 Uhr ist zu früh, 20:30 Uhr fast zu spät (weil: siehe erstens).

Das wäre aber alles irgendwie machbar, wenn es denn nur Filme gäbe, die mich ins Kino locken würden. Neben den Filmen der wenigen Regisseuren, deren Werke ich fast immer im Kino sehe (Coens, Tarantino, Wes Anderson, Scorsese, usw…), kommt da wenig bis nichts Aufregendes. Remakes, Reboots und ohne Ende Sequels von bekannten Franchises. Laaaaaaaangweilig!

Ich habe etwa an den Comic-Verfilmungen hin und wieder durchaus Spaß, aber ins Kino gehen, um den immer gleichen Mummenschanz noch mal zu gucken? Nö. Da hilft es auch nicht, dass die 3D-Technik zwar grundsätzlich faszinierend ist, de facto aber einen mittelmäßigen Film nicht wirklich besser macht – die Tickets aber deutlich teurer.

So, genug geschimpft. Hier eine kurze Auswahl von Filmen, die in den nächsten Monaten anlaufen. Es ist genau einer dabei, den ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kino sehen werde…

Star Trek – Beyond
Auf den mittlerweile dritten Teil des Reboots verspüre ich wenig Vorfreude. Man wird sich das schon ansehen können, und Idris Elba ist immer gut – aber ins Kino…nee, lass mal.

Wiener Dog
Der neue Film von Todd Solondz, dessen „Happiness“ (und mit Abstrichen auch „Storytelling“) ich vor 15 Jahren faszinierend und verstörend fand. Realistisch betrachtet sicher eher Kost für zuhause…

Ghostbusters
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das (über ein paar gelungene Jokes hinaus) Spaß machen könnte . „Ghostbusters“ ist eine schöne Erinnerung an die Kindheit, für ein Remake – egal mit welcher Besetzung – habe ich keinen Bedarf.

Julieta
Neuer Film von Pedro Almodovar, den ich eigentlich sehr schätze. Ich werde mal den Trailer checken…

Jason Bourne
Erste Kritiken waren nicht sonderlich positiv, trotzdem denke ich dass „Jason Bourne“ mein offizieller Bond-Ersatz des Jahres wird – und also auch im Kino geguckt wird.

Suicide Squad
Der Trailer zum Start einer weiteren Comic-Reihe (die die Welt ja dringend braucht) sieht fürchterlich aus, ich denke ich werde hier abwarten und gegebenenfalls später zuhause „zuschlagen“…

Now You See Me 2
Hurra, eine Fortsetzung! Im Ernst, Teil eins hat Spaß gemacht, aber noch mal muss das jetzt auch nicht sein. Und der Trailer liefert auch keine schlagenden Argumente.

Ben Hur
Hurra, ein Remake! Jetzt mal ehrlich, wer kam denn auf diese bescheuerte Idee?

Die glorreichen Sieben
Hurra, noch ein Remake! Wait…what!? Neugierig bin ich schon…

Inferno
Neue Dan-Brown-Verfilmung, wie immer mit Tom Hanks als Klugscheisser Robert Langdon. Das Buch ist – ebenfalls wie immer – großer Trash. Ich glaube, dem Film gebe ich trotzdem eine Chance.

Kurzkritik: Green Room

Green Room FilmplakatHorror/Drama, USA 2015

Regie: Jeremy Saulnier; Darsteller: Anton Yelchin, Imogen Poots, Joe Cole

Die Mitglieder einer Punkband werden im Backstage-Bereich eines abgelegenen Clubs Zeugen eines Gewalt-Verbrechens. Schnell wird klar, dass die Betreiber des Etablissements kein Interesse daran haben, die Sache von der Polizei aufklären zu lassen. Die Lage eskaliert in einem brutalen, kammerspiel-artigen Überlebenskampf der Musiker und einer Zeugin im Kampf mit finsteren, massiv bewaffneten Skinheads.

Bei den allermeisten Filmen, die sich vom Schauplatz her so arg beschränken wie „Green Room“, und mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren auskommen, bleibt irgendwann die innere Logik der Story auf der Strecke. In diese Falle tappt der Film hier nicht, wobei ich gestehen muss, dass ich die Logik in den Aktionen der durch den Club-Boss (gespielt von Patrick Stewart) angeleiteten Schergen nie so ganz verstanden habe. Immerhin kam nicht der Moment in dem ganz offensichtlich das Drehbuch die Logik bestimmt…

Die Gewalt im Film ist drastisch, neben diesen Schockmomenten lebt „Green Room“ von der intensiven, beklemmenden Atomsphäre und den starken Darstellern. Mir hat das über die 90 Minuten Laufzeit durchaus gefallen, wobei ich nicht behaupten könnte, dass mich der Film sprichwörtlich an den Sitz gefesselt hätte. Für Genre-Fans sicher eine Empfehlung, alle anderen können auch die Finger davon lassen.

3/5

Was ist hier eigentlich los?

Da ich festgestellt habe, dass mir für ausführliche Kritiken immer häufiger die Zeit fehlt (oder ich sie mir nicht nehmen will, das Ergebnis ist dasselbe), werde ich nun häufiger formlose Kommentare zum Film- und Fernsehgeschehen abgeben.

Komplett mitlesen kann man auch bei Facebook, wo alle Einträge erscheinen werden, und natürlich über RSS. Ob ich auch bei Twitter aktiv werden will habe ich noch nicht entschieden, werde das aber gegebenenfalls hier kundtun.

Rückmeldungen und Anregungen sind weiterhin über alle Kanäle jederzeit genehm.

Mein erster (und potentiell auch schon wieder letzter) deutscher Film des Jahres

Filmplakat - Der Staat gegen Fritz BauerNachdem „Der Staat gegen Fritz Bauer“ neulich diverse Filmpreise abgeräumt hat, habe ich das mal zum Anlass genommen mir den Film anzusehen. Und ich kann vermelden, das er mir gut gefallen hat. Eine überzeugend gespielte, solide inszenierte Geschichtsstunde (bewusst nicht als Geschichts-Thriller angelegt), die interessant ist und dabei auch Spaß macht. Lediglich der arg moralische Tonfall und die etwas platte Einteilung der handelnden Personen in gute und böse Figuren haben mich etwas gestört. Unter dem Strich aber definitiv empfehlenswert.

PS: Dass die Argentinien-Szenen wohl kaum in Argentinien gedreht wurden und auch nicht wirklich so aussehen, ist mir auch (negativ) aufgefallen. Aber wo sollte auch das Budget für sowas herkommen?

Lebenszeichen – „Deadpool“ und „Zoolander 2“

Ich habe lange nichts geschrieben hier, was mehrere Gründe hat. Um genau zu sein zwei. Erstens habe ich wenig Zeit und Lust, längere Beiträge zu schreiben, zweitens war das Filmangebot zuletzt wieder äußerst mau.

Einfach mehr über Serien zu schreiben war eine Idee, die mir in dieser Zeit kam. Aber das ist zeitlich ein Fass ohne Boden und daher unrealistisch. Ich überlege, ob ich nicht etwa bei Twitter aktiv werden sollte, um ein paar mehr kurze Einschätzungen und Kommentare absondern zu können. Streng genommen ginge das natürlich auch hier auf dem Blog….mal sehen.

Deadpool
„Deadpool“ spielt geschickt mit Genre-Konventionen, unterläuft Erwartungen und inszeniert sowohl die Figur wie den Film an sich als liebenswerten, politisch unkorrekten Underdog. Das macht Spaß, bleibt aber auch wegen der beliebigen Story (kann ich nix außergewöhnliches dran finden) kaum im Gedächtnis hängen. Als Komödie geht das insgesamt in Ordnung, ein großer Wurf oder besonders originell ist es leider nicht. Don’t believe the hype. (3/5)

Zoolander 2
Lange ist es her, aber die Erinnerung ist einigermaßen frisch – was habe ich über Teil eins gelacht. Die Fortsetzung ist – wie man bereits befürchten musste – leider ein totaler Rohrkrepierer. Es gelingt schlicht nicht, das Szenario und die Figuren noch einmal zu neuem Leben zu erwecken. Es reicht nur für eine uninspirierte, lahme Nummernrevue, die selten komisch ist und keine neuen Ideen hat. Schade, aber nicht überraschend. (2/5)

Kurzkritik: Bridge of Spies

Bridge of Spies FilmplakatDrama, USA 2015

Regie: Steven Spielberg; Darsteller: Tom Hanks, Mark Rylance, Sebastian Koch

In aller Kürze: Spielberg erteilt eine weitere Geschichtsstunde – ohne Überraschungen, aber auch ohne Makel.

Worum gehts? Ein Versicherungsanwalt (Hanks) verteidigt anno 1961 einen russischen Spion und muss anschließend bei einem heiklen Gefangenenaustausch in Ost-Berlin als Unterhändler agieren.

Die gute Nachricht: Schauspielerisch erstklassig (insbesondere Mark Rylance), visuell gelungen, mit großartigen Sets und einem spektakulären Flugzeugabsturz.

Die schlechte Nachricht: Insgesamt einen Tick zu lang und (auch wenn man die Fakten der Story nicht kennt) nicht wirklich spannend.

4/5

Kurzkritik: Victoria

Victoria FilmplakatDrama, Deutschland 2015

Regie: Sebastian Schipper; Darsteller: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski

In aller Kürze: Intensiv gespieltes, in einem Take gedrehtes Indie-Kino – insgesamt einen Tick zu lang geraten.

Worum gehts? Eine Spanierin trifft vier Berliner und geht mit ihnen auf eine aufregende und extrem gefährliche nächtliche Tour…

Die gute Nachricht: Die Art des Drehs und die weitgehend improvisierten Dialoge lassen „Victoria“ authentisch wirken, auch die Schauspieler überzeugen.

Die schlechte Nachricht: Einige Entwicklungen sind nicht sehr glaubwürdig, was zum Glück nur selten auffällt.

4/5

Filmkritik: Youth (Ewige Jugend)

Youth FilmplakatDrama, I/F/SUI/UK 2015

Regie: Paolo Sorrentino; Darsteller: Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano

Da ich von Sorrentinos vorigem Film „La Grande Bellezza“ absolut begeistert war habe ich an „Youth“ natürlich sehr hohe Erwartungen gehabt. In seinen besten Momenten erfüllt der Film diese sogar – als Ganzes jedoch gelingt ihm das nicht.

„Youth“ spielt in einer Luxusherberge in den Schweizer Alpen. Der Komponist und Dirigent Fred (M. Caine) erholt sich hier, sein langjähriger Freund Mick (H. Keitel) arbeitet am Drehbuch für seinen letzten großen Film. Der junge Schauspieler Jimmy (Paul Dano) bereitet sich auf seine nächste Rolle vor, Freds Tochter Lena (R. Weisz) durchlebt eine Beziehungskrise. Zum Kreis der Anwesenden gehört neben dem Personal noch ein aufgeschwemmter ehemaliger Weltfußballer (wer das wohl sein soll?), und auch die frisch gekürte „Miss Universe“ macht hier Station.

In opulenten Bildern filmt Sorrentino ein entrücktes Panorama, in dessen Zentrum mit Fred und Mick zwei (ehemals) erfolgreiche alte Männer stehen. Zwischen Tagträumen, gesundheitlichen Problemen und ganz realen Konflikten verbringen sie ihre Tage in dem paradiesischen Ressort, das für den Film mehr als nur ein Schauplatz ist. Fred lehnt eine Einladung der Queen ab, seine größten Erfolge auf die Bühne zu bringen, Mick findet kein Ende für seinen Film, der sein künstlerisches Testament sein soll.

Der großartige Score und die wunderbaren Bilder sind eine große Stärke des Films (mit Ausnahme einiger weniger Traumsequenzen, in denen die – absichtlich – billigen Effekte dem Film unnötig seinen Fluss rauben). Auch die Darsteller haben mir gefallen, allen voran Michael Caine, der mit 82 Jahren zwar einerseits nur noch ’sich selbst‘ spielen muss, es dabei aber schafft interessant und glaubwürdig zu erscheinen.

„Youth“ ist zweifellos ein mächtig ambitioniertes Werk, das große Themen sowohl leidenschaftlich gefühlvoll als auch ironisch distanziert verhandelt. Es fällt angesichts der mäandernden Erzählweise schwer, einen roten Faden in der Geschichte zu entdecken, es bleibt bei Ansatzpunkten für einen Schlüssel zum Verständnis der in so vielen sorgfältig komponierten Bildern und Szenen transportierten Botschaften. Leider erlaubt sich der Film auch Fehltritte, einige Szenen überschreiten die Grenze zur Plattitüde.

Wie „La Grande Bellezza“ ist auch „Youth“ ein Fest für die Sinne, wenn auch – mindestens im ersten Anlauf – kein so überzeugender und mitreißender Film. Ich bin gespannt, ob sich beim zweiten Durchgang (den es bis Weihnachten unweigerlich geben wird) neue Perspektiven eröffnen, ob die Stärken des Films deutlicher hervortreten oder doch die Schwächen. Bis dahin gibt es:

4/5

 

1 2 3 21