Kurzkritik: Tully

Drama/Comedy, 2018

Regie: Jason Reitman; Darsteller: Charlize Theron, Mackenzie Davis, Mark Duplass

Worum gehts?

Die dreifache Mutter Marlo (C. Theron) ist in ihrem Alltag heillos überfordert, ihr Mann keine große Hilfe. Da kommt das Angebot ihres Bruders, eine „Night-Nanny“ zu ihrer Entlastung zu sponsern, eigentlich gerade recht – auch wenn Marlo erstmal äußerst skeptisch ist…

Was soll das?

„Tully“ zeigt schonungslos offen und humorvoll, wie anstrengend die Erziehung von kleinen Kindern (in diesem Falle zweier Grundschüler und eines Neugeborenen) für die Mutter ist. Und präsentiert mit der hilfreichen, geduldigen und stets gut gelaunten Nanny Tully (M. Davis) eine Lösung, die fast zu schön ist um wahr zu sein.

Taugt das was?

Ja, der Film kann sowohl in seinen dramatischen als auch in seinen humorvollen Szenen (die nicht selten zusammen fallen) überzeugen. Ob er als weiterführende Beschäftigung mit einem wichtigen Thema unserer Zeit („Wie kann und soll eine moderne Familie aussehen?“) gelten kann, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden. Meine Meinung dazu kann ich ohne Spoiler hier nicht kundtun.

4/5

 

Kurzkritik: A Quiet Place

Horror/Drama, 2018

Regie: John Krasinski ; Darsteller: Emily Blunt, John Krasinski

Worum gehts?

Eine außerirdische Spezies hat die Erde heimgesucht. Eine Familie mit drei Kindern kämpft ums überleben, indem sie in der Einsamkeit und Stille ihr Heil sucht – denn die Aliens finden ihre Opfer über Geräusche…

Was soll das?

Post-apokalyptische Horrorstory, in der Schweigen Gold ist, und jedes lautere Geräusch das sichere Ende bedeuten kann. Mit so überschaubaren wie überzeugenden Special-Effects umgesetzt.

Taugt das was?

Ja, wenn man dem Genre und der Formel dahinter etwas abgewinnen kann. „A Quiet Place“ ist atmosphärisch, stark gespielt und spannend. Die „Auflösung“ allerdings scheint mir eher eine Logik-Lücke zu sein (… da geht die Welt erst vor die Hunde bis da einer drauf kommt!?), was das Vergnügen etwas schmälert – an anderen Stellen ist der Film da deutlich cleverer. Trotzdem waren es an einem Sonntagabend 90 gern gesehene und unterhaltsamen Minuten.

3/5 (für Horror-Fans sicher locker eine 4/5)

Kurzkritik: Fahrenheit 451

Science-Fiction, 2018

Regie: Ramin Bahrani; Darsteller: Michael B. Jordan, Michael Shannon, Sofia Boutella

Worum gehts?

Die HBO-Verfilmung des berühmten Romans von Ray Bradbury aus dem Jahr 1953 spielt in einer aus heutiger Sicht nicht allzu fernen Zukunft. Da ich das Buch nicht gelesen habe kann ich nicht beurteilen, ob sich der Film darüber hinaus weit von der Vorlage entfernt…

Was soll das?

Die großen Themen des Romans sind aktuell schwer angesagt, die Idee war hier sicher, das ganze in eine zeitgemäße Form zu bringen.

Taugt das was?

Leider nein. Das Szenario erscheint zwar immerhin einigermaßen stimmig. Doch die Handlung und die Figuren in „Fahrenheit 451“ können nicht überzeugen. Vor allem die Wandlung der Hauptfigur vom bücherverbrennenden „Feuerwehrmann“ zum Widerstandskämpfer ist absolut unglaubwürdig. Es bleibt ein gut gemeintes Lehrstück, das weitgehend spannungsfrei und mit holprigen Dialogen seinen Gang geht.

2/5

 

Kurzkritik: Game Night

Comedy/Thriller, 2018

Regie: John Francis Daley, Jonathan Goldstein; Darsteller: Jason Bateman, Rachel McAdams, Kyle Chandler

Worum gehts?

Das Ehepaar Max und Annie zelebriert mit ihren Freunden regelmäßige ausschweifende Spieleabende. Als eines Tages Max‘ großer Bruder mit einsteigt und ein „Gesellschaftsspiel“ der besonderen Art organisiert, laufen die Dinge zunehmend aus dem Ruder – was ist noch Spiel, und was ist tödlicher Ernst?

Was soll das?

„Game Night“ schickt seine dem gediegenen Vorstadtleben entstammenden Figuren auf einen Höllenritt durch innerliche und äußerliche Abgründe. Das Publikum ist eingeladen mitzuraten, welche Entwicklungen zum ‚Spiel‘ gehören und welche nicht…

Taugt das was?

Ja, das ganze ist kurzweilig und nicht unwitzig, allerdings auch recht vorhersehbar und formelhaft, insbesondere bezüglich der Figurenzeichnung und -entwicklung. Mehr als Zerstreuung sollte man hier nicht erwarten, echte Spiele-Freunde tun sich vielleicht eher einen Gefallen, wenn sie ihrem Hobby treu bleiben, statt sich die Hollywood-Version davon anzuschauen.

3/5

 

Kurzkritik: Ataris Reise (Isle of Dogs)

Animation/Abenteuer/Comedy, 2018

Regie: Wes Anderson ; Darsteller (Stimmen): Bryan Cranston, Edward Norton, Scarlett Johannson, Bill Murray

Worum gehts?

Japan in naher Zukunft. Der Bürgermeister der Großstadt ‚Megasaki‘ hat alle Hunde wegen grassierender Tierkrankheiten auf eine Insel verbannt, wo sie ein trost- und herrenloses Dasein fristen. Bis ausgerechnet der kleine Neffe des Bürgermeisters verzweifelt versucht seinen geliebten Vierbeiner zu finden – und einige bisher unbekannte Fakten über das ganze Szenario ans Tageslicht kommen.

Was soll das?

Wes Anderson arbeitet hier zum zweiten Mal (nach „The Fantastic Mister Fox“) mit sprechenden Tieren im Stop-Motion-Format. „Ataris Reise“ setzt liebevoll animierte und brüllend komische Tiere in einem dystopischen Setting mit klarer Gesellschaftskritik in Szene. Wie ernst die nun wiederum gemeint ist kann sicher lang und breit debattiert werden.

Taugt das was?

Ja. In hohem Tempo liefert Andersons Film Comedy mit vielen Facetten. Das hohe Tempo mit den vielen Zeitsprüngen wird nicht jedem gefallen, passt jedoch inhaltlich und stilistisch wunderbar. Auf dem Weg zum großen Finale haben sich beim Autor dieser Zeilen durchaus kleinere Ermüdungserscheinungen eingestellt, die das Vergnügen aber nur sehr leicht geschmälert haben.

4/5

 

Kurzkritik: Red Sparrow

Agentendrama, 2018

Regie: Francis Lawrence; Darsteller: Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts

Worum gehts?

Ein Unfall beendet die Ballerina-Karriere der jungen Dominika (J. Lawrence). Auf Betreiben ihres einflussreichen, für den Geheimdienst arbeitenden Onkels Vanya (M. Schoenearts) landet sie im knallharten Agenten-Ausbildungscamp des „Sparrow“-Programms. Ihr erster Auftrag ist die Enttarnung eines hochrangigen russischen Maulwurfs, der von dem US-Agenten Nash (J. Edgerton) geführt wird.

Was soll das?

„Red Sparrow“ ist in weiten Teilen ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel in der Welt der Spionage, der Plot führt von Moskau nach Budapest und London. Im Zentrum des Films steht die Frage nach den wahren Motiven und Loyalitäten der Hauptfiguren. Doch auch die Themen (Geschlechter-)Freiheit und Kontrolle spielen eine entscheidende Rolle – schließlich ist Dominika nicht freiwillig zum „Sparrow“ geworden…

Taugt das was?

Durchaus, vor allem für Freunde des gepflegten Agentenfilms. „Red Sparrow“ ist spannend, meist auf niveauvolle Art unterhaltsam (etwa die starke Parallelmontage gleich zu Beginn), dabei allerdings etwas zu lang geraten. Die Story greift oft auf klassische „Küchenpsychologie“ zurück (insbesondere in den Boot Camp-Szenen), was zuweilen schon in Richtung unfreiwillige Komik geht. Dass in der englischen Originalfassung des Films alle russischen Figuren untereinander Englisch sprechen (mit russischem Akzent) ist eine schlechte Entscheidung der Produzenten, man kommt aber drüber hinweg. Für zarte Gemüter ist das Ganze sicher nichts, neben viel nackter Haut gibt es auch jede Menge brutaler Folterszenen zu sehen.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Hunger Games“ meets „Mission: Impossible“ meets „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“

4/5

Kurzkritik: Anon

Sci-Fi/Krimi, 2018

Regie: Andrew Niccol; Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried, Colm Feore

Worum gehts?

In der Welt von „Anon“ findet die Überwachung der Menschen nicht mehr von außen statt, sondern von innen. Jede Sekunde audiovisueller Wahrnehmung (sowohl „live“ als auch Erinnerungen) wird digital aufgezeichnet und steht den Behörden zur Verfügung. Verbrechen sind so gut wie ausgerottet – die Chance, ungestraft davon zu kommen ist zu gering. Doch jemand schafft es, das System zu hacken, ein Mordfall bleibt unaufgeklärt. So muss Polizist Sal (Owen) neue Wege betreten, um das Rätsel zu lösen…

Was soll das?

„Anon“ ist ein Sci-Fi-Drama mit einer sehr eindeutigen Botschaft. Das Szenario ist ganz auf diese abgestimmt, visuell trägt trägt der Film eindeutig die Handschrift von Regisseur Andrew Niccol („Gattaca“, „In Time“).

Taugt das was?

Ja und nein. Weil „Anon“ so eindeutig eine Message verbreiten will und alles darauf ausrichtet, fühlen sich Szenario und Plot eben wie Mittel zum Zweck an – nicht wie eine Geschichte mit innerer Logik. Weil das Ganze aber gut gespielt, optisch sehenswert und kurzweilig inszeniert ist, hat es mir aber trotzdem ausreichend Spaß gemacht, um nicht als Fehlgriff gelten zu müssen.

3/5

Kurzkritik: Molly’s Game

Drama/Thriller, 2018

Regie: Aaron Sorkin; Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Sera

[Trailer (EN) bei IMDB.com]

Worum gehts?

Als ihre Sportler-Karriere wegen einer schweren Verletzung ein jähes Ende findet, geniesst Molly Bloom (J. Chastain) erstmal das Leben in Los Angeles. Dort arbeitet sie bald für den Veranstalter einer hochkarätigen Pokerrunde mit berühmten Schauspielern – ihr Einstieg in eine Welt, in der sie entschieden ihren Aufstieg zum Reichtum beginnt.

Was soll das?

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Gleich zu Beginn sucht Molly einen Anwalt (I. Elba) auf, weil das FBI ihre Verbindungen zu Figuren der Unterwelt untersucht. So erzählt „Molly’s Game“ dann in großen Teilen per Rückblenden Mollys Werdegang, während in der Gegenwart der Prozess in vollem Gange ist.

Taugt das was?

Erfreulicherweise ja. Der Film ist unterhaltsam, witzig, spannend und hervorragend gespielt. Neben Hauptdarstellerin Jessica Chastain kann vor allem das Drehbuch mit dem richtigen Gespür für die Figuren und starken Dialogen punkten. Eine nicht unerhebliche Portion Hollywood-Pathos ist vorhanden, aber wohl dosiert. Und auch dass „Molly’s Game“ einen Tick zu lang geraten ist lässt sich locker verschmerzen.

4/5

Kurzkritik: Roman J. Israel, Esq

Drama, 2017

Regie: Dan Gilroy; Darsteller: Denzel Washington, Colin Ferrell, Carmen Ejogo

Worum gehts?

Der eigenwillige, idealistische Anwalt Roman J. Israel (Washington) muss sich beruflich neu aufstellen. Ein neuer Arbeitgeber ist bald gefunden, doch Israel tut sich schwer im neuen Umfeld einer Großkanzlei – und begeht einen schweren Fehler…

Was soll das?

„Roman J. Israel, Esq“ ist ein klassische Außenseiter-Story, jedoch mit einigen Brüchen und Besonderheiten. Neben dem persönlichen Drama der Hauptfigur nimmt der Film die im Justizapparat der USA zur Plage gewordenen „Plea Deals“ ins Visier.

Taugt das was?

Gute Frage. Denzel Washington ist großartig, auch Colin Ferrell überzeugt, und der Film hat einige starke Szenen zu bieten. Doch die einzelnen Teile und Motive des Films wollen nicht so recht zueinander passen. Es bleibt ein im positiven Sinne interessanter Film, dem man ein fokussierteres Drehbuch gewünscht hätte.

3/5

 

Kurzkritik: Suburbicon

Drama/Komödie, 2017

Regie: George Clooney; Darsteller: Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac

Worum gehts?

In der fiktiven 50er-Jahre Kleinstadt „Suburbicon“ erschüttern zwei Ereignisse die heile Welt der Bewohner. Während das erste die Gemeinschaft als Ganzes auf die Probe stellt, sucht das zweite eine (vermeintlich) harmonische Familie

Was soll das?

„Suburbicon“ erzählt eine recht klassische schwarze Komödie der Coen-Brüder (die das Drehbuch geschrieben haben), in der sich ’normale Bürger‘ in der Welt des Verbrechens wiederfinden, vor dem Hintergrund einer sozialkritischen Satire.

Taugt das was?

Leider nur bedingt. Der eine Handlungsstrang erinnert an „Fargo“, jedoch ohne dessen liebevolle Figurenzeichnung. Der andere ist eher ein Szenario als eine Story, kann jedoch weder für sich stehen, noch dem anderen Teil mehr Tiefe oder Witz verleihen. „Suburbicon“ landet einige Treffer in Sachen Gesellschaftskritik, aber so richtig rund ist das Ganze nur im ersten Drittel.

3/5

Kurzkritik: The Meyerowitz Stories (New & Selected)

Meyerowitz Stories FilmplakatDrama/Comedy, 2017

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Adam Sandler, Dustin Hoffman, Ben Stiller, Elizabeth Marvel

Worum gehts?

Ein grantiger, alternder Künstler (Hoffman) mit erwachsenen Kindern (Sandler, Stiller, Marvel) aus verschiedenen Ehen möchte sein Werk gewürdigt wissen und seinen Nachlass klären. Bei einem Zusammentreffen kommen Jahrzehnte alte Spannungen und Konflikte zutage, und schließlich auch noch ein paar neue dazu…

Was soll das?

Das Ensemble-Drama über eine Familie von völlig unterschiedlichen, aber durch die Bank spleenigen Charakteren macht keinerlei Anstalten, dass Rad des Genres neu zu erfinden. „The Meyerowitz Stories“ konzentriert sich ganz auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, bei einem Minimum (wenig überraschender) Story-Entwicklung.

Taugt das was?

Durchaus. Der Film verlässt sich weitgehend auf seine Dialoge und Darsteller, gibt den Figuren genug Raum, sich zu entfalten und bietet viele starke Szenen. Zum ersten Mal seit langem ist Adam Sandler in einer ernsthaften Rolle zu sehen, der hier erneut zeigt dass er diese kann – wenn er will. So richtig übergesprungen ist der Funke bei mir dennoch nicht, „The Meyerowitz Stories“ ist ein guter und niveauvoller Film, an dem eigentlich nichts verkehrt ist. Ich meine es nicht böse, aber ich werde ihn trotzdem wohl bald vergessen haben.

3/5

Kurzkritik: The Beguiled

The Beguiled FilmplakatDrama, 2017

Regie: Sofia Coppola; Darsteller: Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Colin Farrell, Elle Fanning

Worum gehts?

Während des US-Bürgerkriegs pflegen Lehrerinnen und Schülerinnen einer kleinen Mädchenschule in Virginia einen verwundeten Soldaten der Union gesund. Als der wieder zu Kräften kommt entstehen Spannungen und Konflikte.

Was soll das?

„The Beguiled“ ist eine offensichtliche Versuchsanordnung, ein ambivalentes Kammerspiel um Geschlechterrollen, sexuelle Anziehung, Verrat und Vertrauen.

Taugt das was?

Es ist zumindest nichts verkehrt an „The Beguiled“, die Figuren sind gut entwickelt, die Handlung ist plausibel, und wie immer bei Sofia Coppola sind Atmosphäre und Stimmung ein große Stärke des Films. In dem eng gesteckten Korsett der Handlung fehlt mir jedoch ein überraschendes Moment, ebenso wie die erzählerische Leichtigkeit von Coppolas besten Filmen.

3/5

Kurzkritik: Colossal

Filmplakat ColossalDrama/Sci-Fi, USA 2016

Regie: Nacho Vigalondo; Darsteller: Anne Hathaway, Jason Sudeikis, Tim Blake Nelson

Nachdem ihr versnobbter Freund sie aus seinem New Yorker Apartment geworfen hat, macht sich Gloria (A. Hathaway) auf den Weg in die heimische Provinz. Es ist für das dauertrinkende Partygirl Zeit für eine schmerzliche Neubewertung der Gesamtsituation.

Es dauert nicht lange, bis Gloria ein paar alte Schulfreunde wieder trifft und – ausgerechnet – einen Job in einer Bar annimmt. Vom anderen Ende der Welt, aus Südkorea, kommen derweil finstere News. Dort treibt ein Godzilla-ähnliches Riesenmonster sein Unwesen. Der Witz bei der Sache ist, dass zwischen Glorias nächtlichen Sauf-Eskapaden und dem Auftreten des Monsters eine Verbindung besteht…

Man muss, um den Film genießen zu können, Gefallen an der wahrlich ausgefallenen Prämisse des Films finden (über die man definitiv nicht mehr als das oben stehende wissen sollte). Zum Glück macht „Colossal“ einem das sehr leicht, denn trotz des fantastischen Elements funktioniert die Story auch als klassisches Drama.

Nacho Vigalondo, der hier für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, hat mit bescheidenen Mitteln, viel Einfallsreichtum und einem beeindruckenden Gespür für die Qualitäten (und Grenzen) seiner Geschichte einen absolut ungewöhnlichen, dabei aber in keiner Weise sperrigen Film geschaffen. Sicherlich der kreativste Monster-Film des Jahres – aber für ein ganz anderes Publikum gemacht.

4/5

 

 

 

Kurzkritik: Live By Night

Live By Night FilmplakatGangsterdrama, USA 2016

Regie: Ben Affleck; Darsteller: Ben Affleck, Zoe Saldana, Sienna Miller, Chris Cooper

Desillusionierter Veteran des Ersten Weltkriegs, Sohn eines einflussreichen Polizisten mit irischen Wurzeln, und selbst ernannter „Outlaw“ – das ist Joe Coughlin, die Hauptfigur von „Live By Night“. Der Film folgt Joe auf seinem Weg durch die Unterwelt von Boston, ins Gefängnis und schließlich in den Süden Floridas. Die Prohibition ist anno 1926 ein Riesengeschäft für das organisierte Verbrechen, ihr Ende aber jedoch schon abzusehen. Es braucht also neue Verdienstquellen.

Ben Affleck hat als Schauspieler definitiv schon bessere Leistungen abgeliefert, doch dem Film wird hier eher seine Leistung hinter der Kamera bzw. bei der Adaption des Drehbuchs (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane) zum Verhängnis. Denn obwohl „Live By Night“ eigentlich alles hat, was ein stimmungsvolles, spannendes Gangsterdrama braucht (eine hochkarätige Besetzung, ein interessantes Setting, gelungene Bilder) kommt der Film nie richtig in Gang.

An kaum einer Szene ist per se etwas größeres auszusetzen, es fehlt jedoch ein roter Faden, das Gefühl, dass sich eine Geschichte entfaltet. Der ziemlich uninspirierte Off-Kommentar ist keine Hilfe, aber auch nicht Schuld daran. Weder die Handlung selbst noch die Darsteller sind schwach, es fehlt dem Film schlicht eine schlüssige Dramaturgie. So vergehen die zwei Stunden Laufzeit eher zäh und ohne echte Höhepunkte. Schade.

3/5

Kurzkritik: Passengers

Passengers FilmplakatSci-Fi/Drama, USA 2016

Regie: Morton Tyldum; Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence

Ein riesiges Raumschiff ist auf Autopilot unterwegs zu einer neuen Kolonie der Menschheit. 120 Jahre soll die Reise dauern, die Passagiere und Crew bis zur vor der Ankunft in künstlichem Schlaf verbringen. Alle Passagiere? Nicht ganz. Denn Jim (C. Pratt) läuft alleine durch die Gänge des kolossalen Gefährts, und auch Aurora (J. Lawrence) gesellt sich bald dazu. Die Reise wird aber noch 90 Jahre dauern – was genau ist schief gegangen, und wie sollen die beiden „Passengers“ mit ihrer Situation umgehen?

Ich denke es hat am Trailer gelegen, dass ich hier einen ganz anderen Film erwartet habe. Es sah da nach Action aus, nach Aliens irgendwie, jedenfalls nach Spektakel. Was „Passengers“ jedoch nur in recht geringen Dosen liefert. Stattdessen ist der Film eher die Hollywood-Variante von „Moon“, angereichert mit einer Prise „Gravity“ und mit deutlichen Anleihen bei der TV-Show „The Last Man on Earth“.

Visuell ist das Unterfangen äußerst gelungen, die Tricks und Set Designs sind überzeugend. Auch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt, wenngleich hier der oben beschriebene Hollywood-Faktor in der Figurenzeichnung deutlich sichtbar ist. Über den Verlauf der Story kann man nicht viel sagen, ohne Spoiler unters Lesevolk zu bringen. Wer der Prämisse grundsätzlich etwas abgewinnen kann, darf hier auf jeden Fall zugreifen. Wer SciFi-Action und Aliens erwartet sollte lieber auf „Life“ warten (der dem Trailer nach tatsächlich sehr stumpf „Alien“ mit „Gravity“ mixt).

3/5

 

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