Kurzkritik: Thor – Ragnarok

Fantasy/Action, 2017

Regie: Taika Waititi; Darsteller: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett

Worum gehts?

Die „Avengers“ und kein Ende – der dritter „Alleingang“ von Thor tritt an, um an den Kinokassen abzuräumen. Die Story: böse Mächte wollen Asgard (und die ganze Welt) vernichten, Thor und Loki nehmen den Kampf auf.

Was soll das?

„Thor – Ragnarok“ ist ein Superhelden-Spektakel mit starkem Road Movie-Feeling. Aber noch viel mehr ist es eine Komödie. Das ist durchaus logisch, der Spaß-Faktor des Ganzen lässt sich am ehesten hoch halten, zu erzählen hat der Film ohnehin nichts. Und mit Taika Waititi („What We Do in the Shadows„) wurde auch sicher nicht zufällig ein Regisseur verpflichtet, der aus dem Comedy-Genre stammt.

Taugt das was?

Im Rahmen dessen, was man erwarten kann, ist „Thor – Ragnarok“ durchaus ein gelungener Film. Für viele wird aber die Tatsache, dass man außer Blödsinn und Effekten nichts zu erwarten hat, deutlich schwerer wiegen. Aber eine Neuigkeit ist das ja nun auch schon lange nicht mehr.

3/5

Kurzkritik: Bright (Netflix)

Fantasy/Action, 2017

Regie: David Ayer; Darsteller: Will Smith, Joel Edgerton, Noomi Rapace

Worum gehts?

In der Welt von „Bright“ leben Menschen, Orks und Elfen mehr oder minder friedlich zusammen. Cop Ward (W. Smith) bekommt in einem Pilotprojekt Ork Jacoby (J. Edgerton) als Partner zugeteilt. Während sich die beiden noch aneinander gewöhnen müssen, geraten sie in einen finsteren Plot – und ihre Gegner scheinen dabei auch aus den eigenen Reihen zu kommen…

Was soll das?

„Bright“ ist ein „Cop Movie“ und eine „Buddy Comedy“, angereichert mit Anteilen von Fantasy & Science-Fiction und jeder Menge Action. Das Ganze scheint Will Smith einigermaßen auf den Leib geschrieben, der hier ordentlich ballern und Sprüche klopfen darf.

Taugt das was?

Unterhaltsam und kurzweilig ist „Bright“ geworden, visuell gelungen und gut inszeniert. Die Story ist allerdings wenig originell, das Fantasy-Setting inklusive Sozialkritik zudem aus recht grobem Holz geschnitzt. Für den Neujahrsabend war „Bright“ keine so schlechte Wahl…

3/5

Kurzkritik: Star Wars – Die letzten Jedi

Sci-Fi/Fantasy, 2017

Regie: Rian Johnson; Darsteller: Mark Hamill, Daisy Ridley, Adam Driver, Carrie Fisher

Worum gehts?

Die neue Garde der Rebellen (Rey, Finn, Poe) will gemeinsam mit Leia die totale Machtergreifung des „Supreme Leaders“ und seinen Truppen verhindern. Dabei soll Luke Skywalker weiterhelfen, der in seinem Exil von der Wiederaufnahme des Kampfes allerdings schwer zu überzeugen ist. Für die Crew im Kommandoschiff wird es derweil mächtig eng, einzige Hoffnung ist ein ominöser neuer Verbündeter, der jedoch erst auf einem dekadenten Kasino-Planeten rekrutiert werden muss…

Was soll das?

Nach „Das Erwachen der Macht“ der zweite Teil der Trilogie, die die Original-Saga fortschreibt. Nicht zu verwechseln also mit der anderen neuen Reihe, die mit „Rogue One – A Star Wars Story“ letztes Jahr anlief.

Taugt das was?

Als notorischer „Star Wars“-Nörgler muss ich sagen: ja. Der Film ist kein Quasi-Remake wie „Das Erwachen der Macht“, hat eine grundsolide Story (im Rahmen dessen was man erwarten kann), viel Humor, Tempo, fähige Darsteller (die hier mehr zeigen können und müssen als im Vorgänger) sowie gewohnt brillante Effekte. Die meisten neu eingeführten Kreaturen sind solide eingebaut – dass sie in erster Linie den Verkauf von Merchandise ankurbeln sollen ist bei „Star Wars“ (und anderen Reihen) ja nichts neues…

Der inzwischen schon fast traditionelle vorweihnachtliche Gang in einen neuen „Star Wars“ hat mir dieses Jahr deutlich mehr Spaß gemacht als in den beiden Vorjahren.

4/5

Kurzkritik: Atomic Blonde

Atomic Blonde FilmplakatThriller/Action, 2017

Regie: David Leitch; Darsteller: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Sofia Boutella

Worum gehts?

Einige Tage vor dem Mauerfall spitzt sich in Berlin der Kampf der Geheimdienste um eine Liste mit den Namen von Agenten (ganz was neues) zu. Unklare Loyalitäten und Identitäten sowie der immer näher rückender Mauerfall bestimmen das Geschehen, Hauptfigur ist die toughe britische Agentin Lorraine (Theron).

Was soll das?

Der Film steht in der Tradition moderner Verwirrspiele wie „Lucky Number Slevin“ oder auch „The Usual Suspects“, allerdings im Gewand eines Agentenfilms, mit Anleihen bei den späteren „Bourne“-Filmen (allerdings weniger bierernst). Der offensive (NDW-lastige) 80’s-Soundtrack unterstreicht die gewollt übertriebene Inszenierung.

Taugt das was?

Na ja. Visuell, in Sachen Tempo und Action, sowie bei den Darstellern, kann „Atomic Blonde“ punkten. Die verschachtelte Erzählweise (von Anfang an wird viel mit Rückblenden gearbeitet) ist als Stilmittel passend, verschleiert aber zuweilen auch nur mangelnde Substanz. Eine Figurenentwicklung findet nicht statt, bzw. wird komplett vom (an Logik-Löchern nicht armen) Plot bestimmt. Insgesamt noch eine souveräne Variation des Genres, aber kein großer Wurf.

3/5

Kurzkritik: The Dark Tower

The Dark Tower FilmplakatFantasy, 2017

Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor

Worum gehts?

In mehreren Parallelwelten, deren Überleben von einem ominösen „Dark Tower“ garantiert wird, kämpfen das Gute (in Person des ‚Gunslingers‘ Roland) und das Böse (‚Man in Black‘ Walter) um die Vorherrschaft.

Was soll das?

„The Dark Tower“ erzählt soweit ich das verstanden habe erste Bruchstücke, vor allem das grundsätzliche Szenario, von Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Saga. Der Film soll einen Einstieg in den Stoff geben, eine Serie und weitere Filme sollten folgen.

Taugt das was?

Nein. „The Dark Tower“ wirkt eher wie die Verfilmung einer Kurzgeschichte, in den knapp 90 Minuten lässt sich nur ganz selten erahnen, worin die Faszination der Vorlage bestehen könnte. McConaugheys Bösewicht kommt besonders ansatzlos (und dabei auch nicht im Ansatz überzeugend) daher, bei Elbas ‚Gunslinger‘ ist es nur etwas besser.

Sonst noch was?

Ob aus der Serie und den weiteren Kinofilmen was wird ist wohl eher unklar, weil der Film die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Als Nicht-Fan der Reihe ist mir das relativ egal (ich hab mir den Film angesichts der miesen Kritiken eher aus mitleidigem Interesse angesehen), und ich könnte wetten dass sich die Fans der Bücher insgesamt auch eher über einen komplett neuen Anlauf in ein paar Jahren freuen würden..

2/5

Kurzkritik: Baby Driver

Baby Driver FilmplakatThriller, 2017

Regie: Edgar Wright; Darsteller: Ansel Elgort, Jon Hamm, Kevin Spacey

Worum gehts?

Ein ungewöhnlicher junger Mann mit mysteriöser Vergangenheit verdingt sich als genialer Fluchtauto-Fahrer bei einem Boss der Unterwelt. Wie es sich für so ein Gangster-Setting gehört, gehen dann zunehmend viele Dinge fürchterlich schief…

Was soll das?

„Baby Driver“ ist ein postmodernes Verbrecher-Märchen mit unzähligen Schießereien und Verfolgungsfahrten sowie (quasi als Alleinstellungsmerkmal) vielen Anleihen beim Musical-Genre.

Taugt das was?

Ja, „Baby Driver“ ist unterhaltsam, witzig und sogar ein bißchen spannend. Seine vielen Vorbildern verhehlt der Film nicht, ist mir persönlich jedoch insgesamt einen Tick zu selbstverliebt geraten.

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Drive“ meets „Reservoir Dogs“ meets „The Italian Job“

3/5

Kurzkritik: Guardians of the Galaxy Vol. 2

Guardians of the Galaxy Vol. 2 – FilmplakatFantasy/Action, 2017

Regie: James Gunn; Darsteller: Christ Pratt, Zoe Saldana, Kurt Russell

Worum gehts?

Die bunte Chaos-Truppe der „Guardians“ muss die Welt erneut vor der ultimativen Zerstörung bewahren, der extrem klamaukige Abenteuer-Spaß aus dem Marvel-Universum geht weiter. Eine Handlung gibt es auch, hier sollte man allerdings nicht zu viel erwarten…

Was soll das?

Siehe „Worum gehts?

Taugt das was?

Für Fans des ersten Teils, die „more of the same“ sehen wollen und die Figuren ins Herz geschlossen haben – ja. Für alle anderen gibt es abgesehen von ein paar gelungenen Effekten und Jokes nichts zu sehen.

Sonst noch was?

Ich werde wohl keine weiteren „Guardians of the Galaxy“-Filme mehr ansehen, weil ich von dieser Art Film schlicht genug gesehen habe. Das heisst aber nicht, dass die Reihe das, was sie macht, nicht gut macht.

Wie muss ich mir das vorstellen?

Wie den ersten Teil, nur dass man alle witzigen Charaktere bereits kennt.

3/5

Kurzkritik: Alien – Covenant

Filmplakat - Alien CovenantSci-Fi, 2017

Regie: Ridley Scott; Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup

Worum gehts?

Ein Raumschiff auf Kolonial-Mission landet außerplanmäßig auf einem vielversprechenden, weil lebensfreundlichen Planeten. Doch die Crew muss schnell feststellen, dass sie nicht allein ist…

Was soll das?

Der Nachfolger von „Prometheus“ soll soweit ich weiss die Brücke zur klassischen „Alien“-Reihe schlagen (oder doch zumindest den Brückenschlag beginnen).

Taugt das was?

Nur für Fans der Reihe bzw. des Genres. Ridley Scott verfolgt zwar einige interessante (pseudo-)wissenschaftliche und philosophische Ansätze weiter, kann aber nichts wirklich Neues anbieten. Handwerklich und visuell taugt „Covenant“ auf jeden Fall, am Ende jedoch steht wie bei so ziemlich jeder anderen Filmreihe nur wieder ein recht vorhersehbarer Cliffhanger.

Sonst noch was?

Ich frage mich, ob es eine echte Chance gibt, dass Scott die Reihe zu einem irgendwie schlüssigen, zufriedenstellenden Ende bringt (oder überhaupt bringen will). Geld würde ich aktuell nicht darauf setzen…

Wie muss ich mir das vorstellen?

„Alien“ meets „Prometheus“, mit Michael Fassbender in der einzig interessanten  (Doppel-)Rolle.

3/5

Kurzkritik: King Arthur – Legend of the Sword

King Arthur Legend of the Sword FimplakatFantasy/Action, 2017

Regie: Guy Ritchie; Darsteller: Charlie Hunnam, Jude Law, Eric Bana

Worum gehts?
Um die Artussage, allerdings eher vage (ich konnte auf den ersten Blick wenig Übereinstimmungen der Handlung hiermit finden…).

Was soll das?
Guy Ritchie macht aus der britischen Sage modernes Blockbuster-Kino, ohne dabei auf seine ‚Trademarks‘ als Regisseur (u. a. Montagen, brachiale Musik & lustige Wadenbeißer-Dialoge) zu verzichten – so ist sein „Arthur“ auch ein wahres Kind der Gosse.

Taugt das was?
Nicht so richtig, wobei ich als Fantasy-Muffel hier auch nicht Zielgruppe bin. Tricks und Darsteller können sich sehen lassen, die Story besteht aus den üblichen Versatzstücken, eine runde Sache (oder gar ein interessanter Film) ist „King Arthur“ trotz einiger gelungener Szenen nicht geworden.

Sonst noch was?
Der Film soll wohl den Auftakt einer ganzen Reihe von Artus-Filmen sein, die dann hier eher nicht mehr besprochen werden dürften…

Wie muss ich mir das vorstellen?
Wie einen zweistündigen Trailer für einen Film, von dem man sich ziemlich sicher ist, dass man ihn nicht sehen will.

2/5

Kurzkritik: Kong – Skull Island

Filmplakat: Kong Skull IslandFantasy/Action, 2017

Regie: Jordan Vogt-Roberts; Darsteller: Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, Brie Larson, John Goodman

Worum gehts?
Ein Team von Wissenschaftlern und Soldaten (plus eine schicke Fotografin) erforscht anno 1973 eine abgelegene Insel im Süd-Pazifik. Es tritt dann auf und trommelt sich auf die Brust: King Kong.

Was soll das?
Nach der 2014er-Neuauflage von „Godzilla“ ist nun der Riesenaffe dran, die beiden teilen sich ja bekanntlich ein ‚Universum‘. Fortsetzungen sind zwingend zu erwarten…

Taugt das was?
Ja, sofern man nicht mehr erwartet als eine solide Abenteuer-Story und unterhaltsame Schauwerte. Es gibt einige schöne Bildkompositionen, die Tricks sind nicht so der Wahnsinn, aber solide.

Sonst noch was?
Die Idee, die Handlung in den 70ern spielen zu lassen, war keine schlechte. Es macht „Kong: Skull Island“ aber auch nicht gleich zu einem gehaltvollen Drama, dass der Vietnam-Krieg ‚thematisiert‘ wird….

Wie muss ich mir das vorstellen?
„KingKong“ meets „Jurassic Park“ meets „Apocalypse Now“

3/5

Kurzkritik: The Fate of the Furious

The Fate of the Furious FilmplakatAction, USA 2017

Regie: F. Gary Gray; Darsteller: Vin Diesel, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Charlize Theron, Jason Statham

Es verwundert nicht wirklich, dass es mit dieser höchst erfolgreichen Reihe auch nach dem Tod von Hauptdarsteller Paul Walker weitergeht. Dessen Figur Brian wurde schließlich in dem (vor seinem Ableben erst halb fertig gedrehten) siebten Teil sehr gelungenen verabschiedet, und nun muss die Show weitergehen.

Mit Vin Diesel, Dwayne Johnson, Jason Statham, Ludacris und Michelle Rodriguez sind große Teile der bekannten Crew wieder an Bord, neu hinzu kommt unter anderem Charlize Theron. Obwohl sich der inzwischen achte Teil wenig von seinen letzten drei Vorgängern unterscheidet fällt doch auf, dass Paul Walker fehlt. Und dass Scott Eastwood (ebenfalls neu dabei) kein Ersatz ist, wobei der sicher auch nicht als solcher eingeplant war.

Insgesamt kann „The Fate of the Furious“ die Fans der Reihe – wer sonst zieht sich den 8. Teil der einer Action-Filmreihe rein – sicher gut bei Laune halten. Die Story ist ausreichend, die Action kracht höchst ordentlich, alles wird fürchterlich übertrieben, ist aber auch nicht ganz ernst gemeint, und der bunte Figuren-Mix funktioniert weiterhin.

Doch ihren Zenit hat die Reihe, die 2009 mit dem vierten Teil quasi neu gestartet wurde, nun doch merklich überschritten (ich würde rückblickend die Teile 5 und 6 zum Zenit erklären). Den Produzenten und auch den Stars dürfte das herzlich egal sein, solange der Rubel rollt. Und wer Lust auf blödsinnige, laute, auf Hochglanz gebürstete Action-Unterhaltung hat, der wird nicht enttäuscht werden. Nur auf das bisschen echten ‚Spirit‘, den die „Fast & Furious“ mal hatten, muss man mittlerweile getrost verzichten können. Oder eben gleich auf den ganzen Film.

3/5

 

Kurzkritik: John Wick – Chapter 2

Filmplakat: John Wick Chapter 2Action/Thriller, USA/HK/IT/CN 2017

Regie: Chad Stahelski; Darsteller: Keanu Reeves, Common, Ricardo Scarmacio, Ruby Rose, Ian McShane

Selten hat sich eine Fortsetzung so wenig vom Original unterschieden wie „John Wick: Chapter 2“ – und dabei so viel Spaß gemacht.

Das liegt vor allem daran, dass die Reihe in erster Linie von den Schauwerten, der Atmosphäre und ihrem Hauptdarsteller lebt. Story oder Figurenentwicklung sind bestenfalls nebensächlich. Und so geht es in „Chapter 2“ storytechnisch ziemlich genau wieder von vorne los, ohne dass das störend auffallen würde.

John Wick (K. Reeves) holt sich in den ersten Minuten des Films spektakulär sein geliebtes Auto zurück. Seine Rückkehr in die Unterwelt ist beendet, seine Waffen verbuddelt er im Keller, um seine friedliche, trauernde Existenz als Herrchen eines namenlosen Pitbulls weiter zu führen.

Doch dann klingelt der Mafia-Boss Santino D’Antonio an seiner Tür, dem John aus alten Zeiten einen Gefallen schuldet. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, was es mit dem „Gefallen“ auf sich hat. Die Fäden des Geschehens laufen im aus dem ersten Teil bekannten Hotel der besonderen Art zusammen, der Plot ist dabei so simpel wie das Szenario schwachsinnig.

„Chapter 2“ ist mindestens genau so stylish wie der Vorgänger geraten, die ultra-brutalen Prügeleien und Kopfschuss-Orgien sind erneut großartig inszeniert. Keanu Reeves spielt John Wick in mitten dieser vollkommen grotesken Dauer-Action erneut als stoischen, in sich ruhenden Antihelden.

Die ein oder andere neue Idee (kugelsichere Maßanzüge), ein temporärer Wechsel des Schauplatzes (nach Rom) sowie einige gute neue Darsteller (z. B. Lawrence Fishburne) sind alles, was es dann noch braucht, um „John Wick: Chapter 2“ zu einem nahezu perfekten Genrefilm zu machen. Einziges kleines Manko ist die Laufzeit, die mit genau zwei Stunden für meinen Geschmack einen Tick zu großzügig bemessen wurde. Einen dritten Teil wird es sicher auch bald geben, dafür spricht schon das – trotzdem sehr gelungene – Ende dieses zweiten Kapitels…

4/5

Kurzkritik: Ghost in the Shell (3D)

Ghost in the Shell FilmplakatSci-Fi, USA 2017

Regie: Rupert Sanders; Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbaek, Takeshi Kitano, Juliette Binoche

Vor lauter Aufregung um die Tatsache, dass die Hauptrolle dieser ersten Realfilm-Adaption von „Ghost in the Shell“ nicht von einer Asiatin gespielt wird, sondern von Scarlett Johansson, ging der Film selbst in der Diskussion fast ein wenig unter.

Über weite Strecken ist das Ganze eine Verneigung vor der bekannten animierten Verfilmung von 1995. Viele Szenen sind recht komplett übernommen, was angesichts der visuellen Kraft des Originals auch Sinn ergibt. Mit den heutigen Mitteln ist es problemlos möglich, die Effekte und Tricks in makelloser Qualität ‚fotorealistisch‘ auf die Leinwand zu bringen. Und so ist die Optik auch die größte Stärke von „Ghost in the Shell“ – wenngleich man sich das 3D wie so oft hätte sparen können.

Die Diskussion um die Besetzung der Hauptrolle will ich hier nicht weiterführen, dazu ist eigentlich alles gesagt worden. Johansson hat mehrfach bewiesen, dass sie sich auf das Action-Genre versteht, an ihrer Leistung hier als „Mensch-Maschine“ Major ist nichts auszusetzen. Dasselbe gilt für die restlichen Darsteller.

Ein paar Abweichungen zum Vorgänger leistet sich der neue Film, die meisten hängen mit Majors innerer Entwicklung zusammen. Für Puristen sind diese neuen Elemente sicher nichts (wobei ich auch keine Ahnung habe, was genau in der Manga-Vorlage steht…), insgesamt verleihen sie dem Film eine etwas leichter zu verstehende Story. Die kreist wie gehabt um einen Hacker/Virus namens Kuze, dunkle Machenschaften einer großen Technologie-Firma und einen Konflikt zwischen zwei Abteilungen der Regierung.

„Ghost in the Shell“ ist kein schlechter Film geworden. Allerdings ist viel passiert, seit das zugrunde liegende Material zur Inspiration für viele bekannte Filme wurde. So kommt der Film gefühlt irgendwie zu spät, weil seine Ideen und Motive in der Popkultur zuletzt so oft verwendet und weiter entwickelt wurden, dass sie hier fast etwas angestaubt daherkommen – trotz der famosen Optik. Ein Gang ins Kino lohnt sich für Genre-Fans trotzdem auf jeden Fall.

3/5

Kurzkritik: Logan

Logan FilmplakatFantasy/Action, USA 2017

Regie: James Mangold; Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Steward, Boyd Holbrook, Dafne Keen

Ich habe in diesem Blog gefühlt in den letzten Jahren nichts häufiger getan, als mich über die Beliebigkeit der Fortsetzungen von Comic-Verfilmungen zu beschweren. Die „X-Men“-Reihe war da genau so schuldig im Sinne der Anklage wie die anderen Marvel-Filme, schlug sich allerdings insgesamt etwas besser. Nun ist es diese Filmreihe, die mit „Logan“ die ausgetretenen Pfade der austauschbaren Sequels verlässt.

Man muss „Logan“ nicht mögen (ich war insgesamt mehr als zufrieden, aber auch nicht begeistert) um anzuerkennen, dass es höchste Zeit dafür war. Die immer gleichen großen Spektakel mit immer mehr Figuren, die nur wieder mit dem größtmöglichen Cliffhanger enden, damit das ganze entweder weiter oder einfach von vorne losgehen kann, führen das Genre in eine Sackgasse.

Wolverine aka Logan (H. Jackman) lebt hier irgendwann in der nahen Zukunft im Süden der USA ein recht erbärmliches Leben. Er verdingt sich als Chauffeur einer Stretch-Limousine, trinkt zu viel und kümmert sich um Professor X (P. Steward), dessen Zustand ähnlich jämmerlich ist. Die Story ist dann recht simpel. Gegen seinen Willen muss sich Logan um eine junge Mutantin kümmern, die aus einem Labor geflohen ist. Ein Heer von Söldnern ist bald im Auftrag des fiesen Bio-Tech-Unternehmens hinter den beiden (die auch den Professor noch im Gepäck haben) her.

„Logan“ ist deutlich brutaler als die meisten Comic-Verfilmungen, die Macher des Films setzen dies als Stilmittel ein, um ihn als ‚Kost für Erwachsene“ zu platzieren. Inhaltlich hätte man darauf durchaus verzichten können. Sci-Fi-Elemente wie Zeitreisen (zuletzt ja sehr angesagt im „X-Men“-Universum) sind hier nicht zu finden, auch die Auftritte von Mutanten mit fantastischen Superkräften sind sehr begrenzt, was zum „down to earth“-Feeling des Geschehens beiträgt (es gibt auch keinen Endkampf mit ins All gerichteten Energiestrählen).

Ich war wie oben bereits erwähnt nicht durchweg begeistert von „Logan“. Der Film ist aus einem Guss und mit den (aus meiner Sicht) richtigen Absichten inszeniert, bietet dazu eine Menge Action. Für sich stehen kann er aber natürlich auch nicht wirklich – ein Makel in der DNA jeder Fortsetzung, die nicht das Ende einer Filmreihe bedeutet.

Man könnte hier, um die Stärken und Schwächen des Films genauer auszuloten, noch eine Menge Szenen und Entwicklungen diskutieren. Das aber würde einige Spoiler mit sich bringen, die ich wie üblich lieber vermeiden will. Absolut positiv ist die unübersehbare Erkenntnis zu bewerten, dass die inhaltliche Langeweile von Comic-Blockbustern mit dem heraufbeschwören immer neuer Mega-Showdowns um die Zukunft der Menschheit nicht wirkungsvoll bekämpft werden kann. Ich bin gespannt, dabei aber äußerst skeptisch, ob und wie sich dies in den -zig anderen Filmen des Genres der nächsten Jahre auswirken wird.

4/5

Kurzkritik: Hacksaw Ridge

Hacksaw Ridge FilmplakatKriegsdrama, USA/Australien 2016

Regie: Mel Gibson; Darsteller: Andrew Garfield, Sam Worthington, Vince Vaughn, Teresa Palmer

Mel Gibson ist als Regisseur nicht eben bekannt für vornehme Kost. Sei es in „Braveheart“, „The Passion of the Christ“ oder „Apocalypto“, es wird meist eine blutige Angelegenheit. Nun hat Gibson einen Kriegsfilm gedreht, und weil hier also ein ‚blutrünstiger‘ Regisseur in einem äußerst blutigen Genre arbeitet, ist „Hacksaw Ridge“ ein in dieser Hinsicht extremer Film geworden.

Der Film erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Desmond Doss (A. Garfield), einem jungen Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der in der Schlacht um Okinawa zum überraschenden Helden wird. Aus religiösen Gründen lehnt Doss Gewalt ab – wodurch er im ‚Boot Camp‘ zum Außenseiter wird, der sich von seinen Kameraden viel Spott anhören muss. Als Sanitäter begleitet er seine Einheit in eine der entscheidenden Schlachten des Kriegs im Pafizik.

„Hacksaw Ridge“ nimmt sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Hauptfigur. Szenen aus Kindheit und Jugend, der Konflikt mit dem Vater, das Finden seiner großen Liebe, schließlich die freiwillige Meldung zum Militär – als Desmond im Ausbildungslager ankommt, hat das Publikum ihn schon recht gut kennengelernt.

Weil das so, ist funktioniert der Film in der Folge – trotz der vollkommen vorhersehbaren Story – erstaunlich gut. Andrew Garfields große Leistung ist es, seine Figur innerhalb des mit mächtig Pathos aufgeblasenen, in der zweiten Hälfte unfassbar brutalen Spektakels mit großer Glaubwürdigkeit zu spielen. Seine bescheidene Entschlossenheit, mit der er Unglaubliches vollbringt (er rettet auf eigene Faust mehrere Dutzend Kameraden aus einem aufgegebenen Schlachtfeld), wirkt authentisch – aller offensichtlichen Formelhaftigkeit des Geschehens zum Trotz.

Gibson geht es in „Hacksaw Ridge“ nicht um eine differenzierte Darstellung der Schlacht selbst. Die Japaner sind in seinem Film zwar keine Monster, aber reine Statisten, deren Geschichte nicht erzählt wird. Sein wundersames Heldenepos über Desmond Doss feiert dessen christlich motivierte Gewaltlosigkeit, vor allem aber seine mutigen Taten inmitten eines ultrabrutalen Gemetzels – dessen militärische Notwendigkeit nicht in Frage gestellt wird. Als Aufruf zum Gewaltverzicht lässt sich der Film daher nicht verstehen.

Insgesamt ist der Film vor allem für Fans des Regisseurs oder des Genres interessant.

3/5

PS: „Hacksaw Ridge“ wurde für mehrere Oscars nominiert (u.a. „Bester Film, „Beste Regie“ und „Bester Hauptdarsteller“), was von vielen als Beweis gewertet wird, dass das Hollywood-Establishment den in Ungnade gefallenen Mel Gibson wieder gern hat.

 

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