Kurzkritik: Doctor Strange (3D)

Filmplakat Doctor StrangeAction/Fantasy, USA 2016

Regie: Scott Derrickson; Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Tilda Swinton, Rachel McAdams, Mads Mikkelsen

Am Beispiel von „Doctor Strange“, dem neuesten Film aus dem Hause Marvel, kann man sehr gut ablesen, was die Faszination des Superhero-Genres ausmacht. Und auch – ich wette sobald der gute Dr. seinen nächsten Auftritt hat – wo dessen Probleme liegen.

Benedict „Sherlock“ Cumberbatch ist die Rolle des arroganten Chirurgen Stephen Strange geradezu auf den Leib geschrieben, die Besetzung ist eindeutig ein Glücksfall. Nach einem Unfall, der ihn die Feinmotorik seiner Finger kostet, macht sich Strange auf die Suche nach Hilfe – jenseits der von ihm vertretenen Schulmedizin. Die Reise führt ihn nach Kathmandu, wo er bald am eigenen Leib sagenhafte Kräfte und Mächte erlebt.

Die Story ist – trotz der starken metaphysischen Note – im Grunde eine bekannte Heldenreise. Initiierung, Lernphase, Läuterung und schließlich die Geburt des Helden. „Doctor Strange“ macht einiges richtig. Die insgesamt hervorragende Besetzung macht Laune, die Konzentration auf wenige Figuren, welche weitgehend glaubhaft miteinander interagieren, hilft bei der ‚Glaubwürdigkeit‘. Und auch beim Humor trifft der Film den richtigen Ton (die besten Szenen gehen hier auf das Konto des Umhangs sowie der Kollegin am OP-Tisch…).

Die gekonnte Inszenierung des mysteriösen „Geheimbunds“ kokettiert mit dem Image der fernöstlichen Binsenweisheiten. Und nicht zuletzt schafft es der Film, Spezial-Effekte zu produzieren, die wirklich sehenswert sind. Dass sie wie eine Mischung aus „Inception“ und „Transformers“ daherkommen stört dabei nicht. Sie bieten großartige Schauwerte und sind sauber in die Story integriert. Die Story des Films hat dabei sicher genau so viele Lücken wie andere Comic-Verfilmungen auch, aber nach denen schaut ja niemand, wenn man so gut unterhalten wird. Die 3D-Effekte sind ebenfalls gut, wichtiger ist allerdings der Gang ins Kino im Vergleich zum – für diese Bilder so oder so zu kleinen – Heimkino.

Wie üblich bei Marvel gibt es nach dem gelungenen, wenn auch nicht großartigen Finale und dem Abspann einen Ausblick wohin die Reise weitergeht. Und damit sind wir beim Problem des Marvel-Universums: nur die ersten Filme der einzelnen Helden besitzen die Fähigkeit, das Publikum für die neue Figur wirklich zu begeistern. Es braucht einen ungestörten Alleinunterhalter (mit Sidekick, ok, aber nicht mit echter Konkurrenz) dafür.

Nun wird Dr. Strange – kaum ein echter Spoiler – also Teil der kommenden „Avengers“-Dauerberieselung. In dieser aber tummeln sich sowieso schon arg viele Helden.  Und der darin mehr oder weniger fortlaufend erzählte Plot ist mittlerweile nur noch für Hardcore-Fans im Ansatz ernst zu nehmen. So ergänzt Marvel hier das Universum um eine weitere wirklich gut gemachte Figur, von der wir den spannendsten Teil bereits gesehen haben – wie sie entstanden ist.

4/5

Kurzkritik: Jason Bourne

Jason Bourne FilmplakatAction/Thriller, USA/UK/CHN 2016

Regie: Paul Greengrass; Darsteller: Matt Damon, Tommy Lee Jones, Vincent Cassel, Alicia Vikander

Die „Bourne“-Trilogie gehört zum Besten, was das Agententhriller-Genre in den letzten Jahren zu bieten hatte. Wie ich finde hat auch das „offene“ Ende ganz gut gepasst – weniger weil es Raum für Fortsetzungen ließ, als weil es inhaltlich gepasst hat.

Quasi unweigerlich kommt nun – nach dem anständigen Spin-off „The Bourne Legacy“ – doch noch ein vierter Teil der Reihe in die Kinos. Da fragt man sich natürlich, ob es neben den finanziellen Anreizen für alle Beteiligten, auch einen guten erzählerischen Grund gibt, die das „Reboot“ rechtfertigt. Grob gesagt würde ich das verneinen.

Der Plot kreist um die bekannten Motive. Bourne ist abgetaucht, will aber weiterhin seine Vergangenheit aufklären. Die CIA-Bosse haben da weiterhin etwas gegen. Ein neuer Erzählfaden um den fiktiven jungen CEO eines ebenso fiktiven Facebook-ähnlichen Social-Media-Giganten soll offenkundig die Nähe zum Zeitgeist „erneuern“, was allerdings etwas bemüht wirkt.

Rein handwerklich kann sich „Jason Bourne“ sehen lassen. Das Tempo ist hoch, die Schauplätze sind zahlreich und die Actionszenen machen Laune. Mit Tommy Lee Jones, Alicia Vikander und Vincent Cassel sind starke Schauspieler hinzugekommen.

Es ist letztlich nicht so, dass die Story es nicht wert wäre, erzählt zu werden. Der Eindruck, dass man das alles so ähnlich schon mal gesehen hat (und auch ein Ende der Geschichte), ist allerdings einen Tick zu stark, als man man sich dem Geschehen freudig und ohne diese Hintergedanken hingeben könnte.

3/5

Neue Serie: „Goliath“

Goliath PlakatDie neue Krimi- und Anwaltsserie „Goliath“ (8 Folgen, Amazon Prime) beginnt vielversprechend. Ein mysteriöser Todesfall landet bei einem abgehalfterten Ex-Staranwalt Billy McBride (Billy Bob Thornton), der darin eine Chance wittert, einen großen Rüstungskonzern zu verklagen. Dieser wiederum wird vertreten von seiner mächtigen Ex-Kanzlei, bei der Billys ehemaliger Partner – inzwischen sein Erzfeind – Donald Cooperman (William Hurt) die Fäden in der Hand hält. „Goliath“ ist damit im Kern ein Psychoduell dieser beiden Figuren.

Es entwickelt sich ein spannendes und gut gespieltes Drama, in dem sich viele gute Figuren und einige sehenswerte Handlungsbögen finden. Leider geht der Serie nach etwa der Hälfte ein wenig die Luft aus. Das Niveau der äußerst gelungenen Exposition kann nicht gehalten werden, „Goliath“ schleppt sich eher über die Ziellinie, zum Glück ohne dabei allzu viel Schaden anzurichten. Für Fans des gepflegten Gerichtsdramas aber durchaus eine – wenn auch eingeschränkte – Empfehlung.