Coming up – Kurze Kino-Vorschau

Es wird wieder ein Jahr mit wenigen Gängen ins Kino, soviel ist klar. Das liegt sicher auch an meiner zunehmenden Faulheit, entscheidender sind aber andere Faktoren, die mich mehr denn je stören. Erstens dauert der Gang ins Kino wegen der Werbung sehr lange, das nervt, schliesslich bezahlt man ja Eintritt. Zweitens passen die Vorführungszeiten oft nicht in meinen Alltag. 18:00 Uhr ist zu früh, 20:30 Uhr fast zu spät (weil: siehe erstens).

Das wäre aber alles irgendwie machbar, wenn es denn nur Filme gäbe, die mich ins Kino locken würden. Neben den Filmen der wenigen Regisseuren, deren Werke ich fast immer im Kino sehe (Coens, Tarantino, Wes Anderson, Scorsese, usw…), kommt da wenig bis nichts Aufregendes. Remakes, Reboots und ohne Ende Sequels von bekannten Franchises. Laaaaaaaangweilig!

Ich habe etwa an den Comic-Verfilmungen hin und wieder durchaus Spaß, aber ins Kino gehen, um den immer gleichen Mummenschanz noch mal zu gucken? Nö. Da hilft es auch nicht, dass die 3D-Technik zwar grundsätzlich faszinierend ist, de facto aber einen mittelmäßigen Film nicht wirklich besser macht – die Tickets aber deutlich teurer.

So, genug geschimpft. Hier eine kurze Auswahl von Filmen, die in den nächsten Monaten anlaufen. Es ist genau einer dabei, den ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kino sehen werde…

Star Trek – Beyond
Auf den mittlerweile dritten Teil des Reboots verspüre ich wenig Vorfreude. Man wird sich das schon ansehen können, und Idris Elba ist immer gut – aber ins Kino…nee, lass mal.

Wiener Dog
Der neue Film von Todd Solondz, dessen „Happiness“ (und mit Abstrichen auch „Storytelling“) ich vor 15 Jahren faszinierend und verstörend fand. Realistisch betrachtet sicher eher Kost für zuhause…

Ghostbusters
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das (über ein paar gelungene Jokes hinaus) Spaß machen könnte . „Ghostbusters“ ist eine schöne Erinnerung an die Kindheit, für ein Remake – egal mit welcher Besetzung – habe ich keinen Bedarf.

Julieta
Neuer Film von Pedro Almodovar, den ich eigentlich sehr schätze. Ich werde mal den Trailer checken…

Jason Bourne
Erste Kritiken waren nicht sonderlich positiv, trotzdem denke ich dass „Jason Bourne“ mein offizieller Bond-Ersatz des Jahres wird – und also auch im Kino geguckt wird.

Suicide Squad
Der Trailer zum Start einer weiteren Comic-Reihe (die die Welt ja dringend braucht) sieht fürchterlich aus, ich denke ich werde hier abwarten und gegebenenfalls später zuhause „zuschlagen“…

Now You See Me 2
Hurra, eine Fortsetzung! Im Ernst, Teil eins hat Spaß gemacht, aber noch mal muss das jetzt auch nicht sein. Und der Trailer liefert auch keine schlagenden Argumente.

Ben Hur
Hurra, ein Remake! Jetzt mal ehrlich, wer kam denn auf diese bescheuerte Idee?

Die glorreichen Sieben
Hurra, noch ein Remake! Wait…what!? Neugierig bin ich schon…

Inferno
Neue Dan-Brown-Verfilmung, wie immer mit Tom Hanks als Klugscheisser Robert Langdon. Das Buch ist – ebenfalls wie immer – großer Trash. Ich glaube, dem Film gebe ich trotzdem eine Chance.

Serien-Tipp – Stranger Things

Stranger Things PlakatEine ziemlich gelungene Mischung aus Stephen King (Kleinstadt- und Horrormotive), Twin Peaks, Donnie Darko, E.T. und Highschool-Drama serviert Netflix in der neuen Eigenproduktion „Stranger Things“. Atmosphärisch, mit guten Darstellern und einer im positiven Sinne angemessenen Story (ich bin bei Folge sechs von insgesamt acht) kann die Serie überzeugen, wenn sie mich (allein thematisch) auch nicht richtig begeistern kann. Trotzdem sammelt Netflix weiter gute Argumente für die 10 Euro, die ein Abo kostet.

Kurzkritik: Everybody Wants Some!!

Everybody Wants Some FilmplakatComedy/Drama, USA 2016

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Blake Jenner, Tyler Hoechlin, Ryan Guzman

Richard Linklater hat mit „Everybody Wants Some!!“ eine Art inoffizielle Fortsetzung von „Dazed & Confused“ gedreht. Und ich bin froh berichten zu können, dass er es dabei tatsächlich schafft, die Fans nicht zu enttäuschen. Die Mittel sind dieselben wie vor über 20 Jahren: eine Handlung ohne Plot, ein großartiger Soundtrack, dazu eine unbekümmerte Darstellerriege, wunderbare Charaktere und brilliante Dialoge.

Zu Beginn des Films kommt Jake (B. Jenner) als Erstsemester in einer kleinen Universitätsstadt an, wo er ein Baseball-Stipendium bekommen hat. Gemeinsam mit seinen neuen Teamkameraden geniesst er die freien Tage vor Beginn des Semesters. Die Jungs hüpfen von Party zu Party, messen sich in allen erdenklichen großen und kleinen Spielen miteinander, rennen Mädels hinterher, reden Blödsinn und geben im Training mehr oder weniger viel Gas.

Man darf das alles unspektakulär und sogar langweilig finden, denn an einer klassischen Figurenentwicklung ist der Film ebenso wenig interessiert wie an einer Story. Es sind die Details und die Zwischentöne, die „Everybody Wants Some“ auszeichnen, das geniale Gespür des Regisseurs für die Details und sensible Innenleben der Figuren.

Bei allem – bisweilen auch derben – Humor wirft Linklater einen mitfühlenden bis liebevollen Blick auf seine Charaktere, gibt selbst die spleenigsten nie der Lächerlichkeit Preis und nimmt das Publikum für seine bunte Truppe mit spielerischer Leichtigkeit ein. „Everybody Wants Some!!“ kommt zeitlos und als authentisches Portrait einer Generation daher, die zwei Stunden Laufzeit vergehen schon wegen des vielen Gelächters wie im Flug.

5/5

 

Kurzkritik: Criminal

Criminal FilmplakatThriller/Action, USA/UK 2016

Regie: Ariel Vromen; Darsteller: Ryan Reynolds, Kevin Costner, Gal Gadot, Gary Oldman, Tommy Lee Jones

Der deutsche Titel „Das Jericho-Projekt – Im Kopf des Killers“ passt tatsächlich besser zu diesem trashigen Thriller als der minimalistische Originaltitel. Der Plot ist selten bekloppt: CIA-Agent Bill (R. Reynolds) ist in London einem Mega-Bösewicht auf der Spur, der per Hackerangriff die Welt zerstören will (oder zumindest einen Teil davon). Bevor Bill wertvolles Wissen, wie die Katastrophe zu verhindern ist, weitergeben kann, wird er ermordet.

Deshalb werden seine Erinnerungen operativ dem Soziopathen und Gewaltverbrecher Tom Jericho (Kevin Costner) eingepflanzt, der – extra aus den USA eingeflogen – den Karren aus dem Dreck ziehen soll. Natürlich spielt der das Spiel der CIA-Bosse nicht lang mit und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach einem Batzen Geld, den Bill für irgendeine Art von Übergabe vor seinem Tod versteckt hat.

Vollkommen ‚over the top‘ und (trotz der hochkarätigen Besetzung) zu keiner Zeit ernst zu nehmen ist „Criminal“ ein gutes Beispiel für einen schlechten Film, der trotzdem Spaß machen kann (mir fällt zum Vergleich am ehesten „Face/Off“ ein, wobei der noch einen Tick beknackter ist). Zugegeben, die Erwartungen muss man entsprechend runterschrauben, damit das funktionieren kann. Das Publikum wird von Anfang an dazu animiert mit dem Brutalinski Jericho zu sympathisieren, dessen Verkörperung Kevin Costner sichtlich Spass macht (ohne dass er Jerichos „Wandlung“ wirklich überzeugend spielen könnte, dafür ist die Story aber auch viel zu dämlich).

Es fliegen schnell die Fetzen, das Erzähltempo ist hoch genug, um die vielen Ungereimtheiten des Plots in den Hintergrund zu drängen. „Criminal“ nimmt sich selbst nicht ganz ernst, was der Handlung zwar irgendwie in den Rücken fällt, wegen deren offenkundiger Rammdösigkeit jedoch auch nicht stört. Die Stars holen sich hier weitgehend auf Autopilot ihre Gagen ab, was man ihnen kaum verübeln kann (Tommy Lee Jones und Gary Oldman etwa sind aber auch auf Autopilot noch großartige Schauspieler).

Insgesamt ein Film, den die Welt nicht braucht. Und gleichzeitig einer, der sich zur niveauarmen Berieselung zum Ende eines anstrengenden Arbeitstages ziemlich gut eignet – sofern man eine kleine Schwäche für trashige Thriller mitbringt…

3/5

Kurzkritik: A Bigger Splash

A Bigger Splash FilmplakatDrama, ITA/FRA 2015

Rockstar Marianne (Tilda Swinton) erholt sich mit ihrem Lebensgefährten Paul (Matthias Schoenaerts) auf der abgelegenen Mittelmeer-Insel Pantelleria. Weil sie ihre Stimme schonen muss kommuniziert sie fast ausschliesslich mit Händen und Füßen. Als ihr Ex-Lover Harry (Ralph Fiennes) urplötzlich mit seiner attraktiven jungen Tochter Penelope (Dakota Johnson) auftaucht entwickelt sich langsam, aber unaufhaltsam ein Drama, bei dem sich das Verhältnis der Figuren zueinander mehrfach verschiebt.

„A Bigger Splash“ ist in allen Hauptrollen hervorragend gespielt, setzt geschickt die malerischen Landschaften in Szene und bleibt bis zum Finale glaubwürdig und spannend. Das etwas schleppende Tempo ist Teil des Plans, ebenso wie die nur bruchstückhaft servierten Infos über die Vergangenheit der Charaktere (was als Kunstgriff in Ordnung geht, der Story aber einen Teil ihrer Wirkung nimmt). Insgesamt auf jeden Fall eine Empfehlung für Freunde des gepflegten Dramas.

4/5

Serien-Tipp: Hap & Leonard

Mir was das was – auch, aber nicht nur, weil Michael Kenneth „Omar“ Williams von „The Wire“ dabei ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Ex-Soldaten und Lebenskünstler, die in Texas allerlei „Abenteuer“ durchleben. Die Serie braucht einige ihrer sechs Folgen, um in die Gänge zu kommen, aber das hat Methode. Der produzierende Sundance Channel hat offenbar vor, die Figuren langsam weiter zu entwickeln. Das ganze basiert auf der Roman-Reihe von Joe R. Lansdale, die kurze erste Staffel (6 Folgen) macht Lust auf mehr – und eine zweite Staffel ist auch schon beauftragt.

(Läuft in Deutschland bei Amazon Prime)

Kurzkritik: Green Room

Green Room FilmplakatHorror/Drama, USA 2015

Regie: Jeremy Saulnier; Darsteller: Anton Yelchin, Imogen Poots, Joe Cole

Die Mitglieder einer Punkband werden im Backstage-Bereich eines abgelegenen Clubs Zeugen eines Gewalt-Verbrechens. Schnell wird klar, dass die Betreiber des Etablissements kein Interesse daran haben, die Sache von der Polizei aufklären zu lassen. Die Lage eskaliert in einem brutalen, kammerspiel-artigen Überlebenskampf der Musiker und einer Zeugin im Kampf mit finsteren, massiv bewaffneten Skinheads.

Bei den allermeisten Filmen, die sich vom Schauplatz her so arg beschränken wie „Green Room“, und mit einer überschaubaren Anzahl von Figuren auskommen, bleibt irgendwann die innere Logik der Story auf der Strecke. In diese Falle tappt der Film hier nicht, wobei ich gestehen muss, dass ich die Logik in den Aktionen der durch den Club-Boss (gespielt von Patrick Stewart) angeleiteten Schergen nie so ganz verstanden habe. Immerhin kam nicht der Moment in dem ganz offensichtlich das Drehbuch die Logik bestimmt…

Die Gewalt im Film ist drastisch, neben diesen Schockmomenten lebt „Green Room“ von der intensiven, beklemmenden Atomsphäre und den starken Darstellern. Mir hat das über die 90 Minuten Laufzeit durchaus gefallen, wobei ich nicht behaupten könnte, dass mich der Film sprichwörtlich an den Sitz gefesselt hätte. Für Genre-Fans sicher eine Empfehlung, alle anderen können auch die Finger davon lassen.

3/5