Nebenbei gesehen – „Demolition“

Demolition_FilmplakatFinanzjongleur Davis (Jake Gyllenhaal) findet durch einen Trauerfall zu sich selbst, beendet schrittweise sein luxuriöses, aber lethargisches und fremdbestimmtes Leben und beginnt noch einmal ganz von vorn. Gut gespielt kann der Film als Drama nur bedingt überzeugen, da er trotz einiger starker Nebenfiguren keine echte Durchschlagskraft entwickelt und seine Botschaft wenig subtil verpackt.

Die Story scheint um die Idee von Davis‘ Drang, Dinge auseinander zu nehmen um ihren „wahren Kern“ zu entdecken, herum geschrieben worden zu sein – doch die darin enthaltene Gesellschaftskritik erscheint wenig glaubwürdig. Trotz dieser Schwächen ein durchaus gelungener Versuch, einen Blick hinter die Fassade der modernen westlichen Wohlstandsgesellschaft zu werfen.

3/5

Kurzkritik: Midnight Special

 

Midnight Special FilmplakatDrama/Sci-Fi/Thriller, USA 2016

Regie: Jeff Nichols; Darsteller: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Adam Driver

Zwei Männer und ein Kind flüchten mit dem Auto durch den Südwesten der USA. Die Polizei und sogar das Militär ist ihnen auf den Spuren, die Nachrichten berichten landesweit. Aber nur langsam lässt „Midnight Special“ sein Publikum wissen, was eigentlich gespielt wird.

Das Szenario hat man so ähnlich durchaus schon mal im Kino gesehen. Das besondere liegt hier darin, dass der Film einen Spagat zwischen ernstem Drama und klassischem Unterhaltungskino versucht – und dieser fast durchweg gelingt.

Mit Elementen aus Fantasy bzw. Science-Fiction, Road Movie, Thriller und Familiendrama geht „Midnight Special“ einen eigenen Weg. Gut dosiert setzt er visuelle Effekte ein, die das Geschehen bereichern, ohne den dramatischen (und mysteriösen) Szenen die Show zu stehlen.

Für ein Mainstream-Publikum ist der Film sicher nichts, dafür erwartet er vom Publikum zu viel Geduld, liefert zu wenige Erklärungen oder Schock-Effekte. Wer sich auf den Film einlässt, ohne diese Dinge zu erwarten, wird ziemlich sicher seine Freude an „Midnight Special“ haben.

4/5

Kurzkritik: Eye in the Sky

Eye in the Sky FilmplakatThriller/Drama, UK 2015

Regie: Gavin Hood; Darsteller: Helen Mirren, Alan Rickman, Aaron Paul

In aller Kürze: Cleverer und spannender Blick auf den aktuellen Kampf gegen Terrorismus und die Rolle moderner Kriegstechnik.

Worum gehts? In einer gemeinsamen Aktion wollen britische, amerikanische und kenianische Soldaten eine Terrorzelle bei Nairobi hochnehmen. Dabei kommt es zu Komplikationen – sowohl beim Einsatz selbst als auch hinter den Kulissen bei den militärischen und politischen Entscheidungsträgern.

Die gute Nachricht: „Eye in the Sky“ arbeitet mit einem glaubwürdigen Szenario (leichte Abstriche muss man hin und wieder machen), in dem starke Darsteller agieren. Dabei wird eine Menge ‚Suspense‘ geboten, aber auch die Themen der zwiespältigen Legitimität und Notwendigkeit vom Antiterror-Kampf ausgewogen behandelt.

Die schlechte Nachricht: An einigen wenigen Stellen scheint die Logik der Handlung unterbrochen – was zum Glück nie den Erzählfluss als ganzes unterläuft.

4/5

Kurzkritik: The Nice Guys

The Nice Guys FilmplakatRegisseur Shane Black wiederholt in der Krimi-Komödie „The Nice Guys“ weitgehend die Erfolgsformel von „Kiss Kiss Bang Bang“. Ein verworrener Plot, der wenig Sinn, dafür eine Menge Spaß macht, ein ungewöhnliches Detektiv-Duo, viele gute Sprüche, slapstickhafte Gewaltausbrüche, vorgetragen von gut gelaunten Darstellern. Angesiedelt ist die Handlung diesmal Ende der 70er Jahre.

Russell Crowe spielt Healey, einen kantigen Brutalinski, der als inoffizieller Privatdetektiv sein Geld mit der Einschüchterung von vermeintlichen Bösewichtern verdient. Sein Weg kreuzt sich mit dem von March (Ryan Gosling), einem tölpelhaften „echten“ Privatdetektiv und alleinerziehenden Vater. In was für einen Plot die beiden geraten ist müßig zusammenzufassen – es geht um eine oder zwei verschwundene junge Frauen, die Pornoszene und Politik. Das ist aber auch egal, der Weg ist das Ziel.

Was den Film trägt sind die beiden Hauptdarsteller, die weitgehend gelungenen – oftmals reichlich albernen – Dialoge, das stimmungsvolle Setting und das hohe Tempo. Glaubwürdigkeit und Kohärenz sind nicht die Stärke von „The Nice Guys“, als Comedy funktioniert der Film ausgezeichnet. Vorausgesetzt, man kann über derbe Sprüche und „witzig“ inszenierte, drastische Gewaltszenen lachen.

Wie schon in „Kiss Kiss Bang Bang“ wird Los Angeles zum heimlichen Hauptdarsteller, kreuz und quer fahren die Protagonisten in schicken „Vintage“-Kisten durch den hügeligen Teil der Stadt, ohne je wirklich ein Ziel zu erreichen. Ihnen dabei zuzusehen ist äußerst unterhaltsam – sofern man nur nicht das Niveau des großartigen (und nicht unähnlichen) „Inherent Vice“ erwartet.

4/5

 

Heimkino – Michael Moores „Where To Invade Next“

Where To Invade Next FilmplakatJa, es gibt Michael Moore noch. Tatsächlich ist ihm mit „Where To Invade Next“ ein richtig guter Film gelungen, wenn auch vielleicht keiner, auf den die Filmwelt gewartet hat. Immerhin beschäftigt sich der Filmemacher hier nicht mit einer Katastrophe der jüngsten Vergangenheit. Oder besser gesagt mit keiner konkreten Katastrophe. Moore fährt – nach einer provokanten, witzig vorgetragenen Einleitung – in die alte Welt, um dort politische Ideen zu finden, die die USA voranbringen können.

Der Hintergedanke ist denkbar einfach. Die „City Upon A Hill“ ist längst in vielerlei Hinsicht kein leuchtendes Vorbild von Demokratie, Freiheit und Wohlstand mehr. Moore nimmt diesen Faden auf. Seine „Entdeckungsreise“ changiert zwischen gespielter Ungläubigkeit seinerseits und ernsthafter Fassungslosigkeit seitens der Polizisten, Politiker, Arbeiter und weiteren Personen, die Moore vor die Kamera bringt.

Dabei hat er wenig von seiner Kompromisslosigkeit verloren, schlägt aber einen insgesamt doch etwas versöhnlicheren Ton an. Zur Sprache kommen das Schulessen Frankreichs, die Gefängnisse Norwegens, die deutsche Erinnerungskultur und viele ähnliche Themen. Moore macht keinen Hehl daraus, dass er besonders positive Eigenheiten von anders tickenden Nationen präsentiert, keine simplen Lösungsansätze.

Natürlich ist diese Herangehensweise nicht wissenschaftlich, sondern politisch aufgeladen und pointiert. Doch es gibt viele Momente im Film (oft sind es die ruhigen, sorgfältig vorbereiteten) die im besten Sinne vor Augen führen, wie man anno 2016 noch einen relevanten politischen Dokumentarfilm drehen kann.

Moore gibt hier weniger den linken Demagogen als in früheren Filmen. Stattdessen verweigert er sich der negativen politischen Debatte der USA komplett, und führt positive Beispiele dafür an, was kluge Politik für seine Bürger leisten kann. Dass es überhaupt in einer Demokratie genau darum gehen sollte, gerät angesichts der alltäglichen Grabenkämpfe oft genug in Vergessenheit. „Where To Invade Next“ ist eine willkommene Erinnerung daran.

4/5

TV-Serien – Mehr oder weniger aktuelle Empfehlungen…

Mein persönliches Serienprogramm habe ich zuletzt deutlich heruntergefahren. Wegen zuletzt mieser Staffeln habe ich „Homeland“ und „House of Cards“ abgeschenkt, „The Walking Dead“ wegen allgemeiner Ziellosigkeit und den endlos wiederkehrenden, fürchterlich ermüdenden Zombiegemetzeln, „Halt and Catch Fire“ weil es mir zu öde wurde (auch wenn die Serie durchaus Klasse hat), „Daredevil“, weil mich Look und Story nicht überzeugt haben, mit „Jessica Jones“ habe ich nicht mal mehr angefangen.

Mir scheint, dass ich auch mit den zweiten Staffeln von „Bloodline“ und „Narcos“ eher nicht warm werde, aber das bleibt abzuwarten.

Damit verbleiben die folgenden Kandidaten:

Rectify“ – Die vielleicht beste Drama-Serie zur Zeit geht in diesem Sommer in die vierte Staffel.

Fargo“ – Nach zwei sehr guten Staffeln ist dieses Jahr Pause, bevor es 2017 (wie üblich) komplett von vorne losgeht. Wenn das Niveau gehalten wird wäre das ein große Leistung.

Game of Thrones“ – Die Saga um Westeros und die sieben Königreiche ist als Fantasy-Spektakel eigentlich weit von meinem Geschmack entfernt. Aber es ist eben „Game of Thrones“ und ich ziehe den Hut vor der Leistung aller Beteiligten.

The Knick“ – Ich kann oft genug nicht hinsehen, wenn Clive Owen und seine Kollegen auf dem OP-Tisch losmetzeln, aber die Serie hat Klasse.

The Leftovers“ – Die 180°-Wende der zweiten Staffel war im positiven Sinne interessant, trotz einer gewissen Skepsis, was das eigentlich noch werden soll, bleibe ich erstmal am Ball.

The Fall“ – Die stimmungsvolle Krimiserie aus Nordirland überzeugt durch Spannung und gute Darsteller.

Vinyl“ – Die erste Staffel war tatsächlich eher enttäuschend, ich werde der zweiten aber definitiv eine Chance geben. [UPDATE 15.6.16 – Es wird keine 2. Staffel geben, HBO hat den Stecker gezogen.]

Ray Donovan“ – Obwohl die Serie nicht das ganz große Niveau besitzt stimmt für mich bisher die Mischung aus Spannung, Humor und Entertainment.

Billions“ – Das Duell zwischen Finanz-Milliardär und Staatsanwalt (gespielt von Damian „Homeland“ Lewis und Paul „Sideways“ Giamatti) hat Höhen und tiefen. Ob ich mir das weiter ansehe ist bestenfalls unsicher.

PS: Mit „Masters of Sex“ habe ich angefangen, und bin froher Hoffnung damit weiterzumachen.

PPS: „Making of A Murderer“ und „Show Me A Hero“ hatte ich bereits in älteren Beiträgen empfohlen, die taugen natürlich immer noch…

Serientipp – The Night Manager (Amazon Video)

The Night Manager - MiniserieBasierend auf einem Roman von John le Carré aus dem Jahr 1993 erzählt „The Night Manager“ von einem Ex-Soldaten, der einem internationalen Waffenhändler aus eher persönlichen Gründen das Handwerk legen will. Schauplätze sind u. a. Kairo, Mallorca, London und die Türkei.

In der Hauptrolle glänzt Tom Hiddleston, der hier ein offenkundiges Bewerbungsschreiben als nächster Bond-Darsteller abgibt. Mir wäre es genehm, der neue 007 wäre ’suave‘ und smart – das könnte sehr gut passen.

Hugh Laurie überzeugt als Bösewicht, der – wie in einer eindrucksvollen Szene gegen Ende der Serie deutlich wird – nach bester Joker-Manier „die Welt einfach nur brennen sehen“ will.

Insgesamt erfindet die Serie das Krimi-Genre nicht neu, sorgt aber für niveauvolle Spannung und muss sich bezüglich der Inszenierung nicht vor ähnlichen Kinofilmen verstecken. Ich schreibe das übrigens alles, ohne die letzte Folge gesehen zu haben – das werde ich genau jetzt tun und meine positive Meinung zu „The Night Manager“ hoffentlich danach nicht revidieren oder einschränken müssen….

Was ist hier eigentlich los?

Da ich festgestellt habe, dass mir für ausführliche Kritiken immer häufiger die Zeit fehlt (oder ich sie mir nicht nehmen will, das Ergebnis ist dasselbe), werde ich nun häufiger formlose Kommentare zum Film- und Fernsehgeschehen abgeben.

Komplett mitlesen kann man auch bei Facebook, wo alle Einträge erscheinen werden, und natürlich über RSS. Ob ich auch bei Twitter aktiv werden will habe ich noch nicht entschieden, werde das aber gegebenenfalls hier kundtun.

Rückmeldungen und Anregungen sind weiterhin über alle Kanäle jederzeit genehm.

Mein erster (und potentiell auch schon wieder letzter) deutscher Film des Jahres

Filmplakat - Der Staat gegen Fritz BauerNachdem „Der Staat gegen Fritz Bauer“ neulich diverse Filmpreise abgeräumt hat, habe ich das mal zum Anlass genommen mir den Film anzusehen. Und ich kann vermelden, das er mir gut gefallen hat. Eine überzeugend gespielte, solide inszenierte Geschichtsstunde (bewusst nicht als Geschichts-Thriller angelegt), die interessant ist und dabei auch Spaß macht. Lediglich der arg moralische Tonfall und die etwas platte Einteilung der handelnden Personen in gute und böse Figuren haben mich etwas gestört. Unter dem Strich aber definitiv empfehlenswert.

PS: Dass die Argentinien-Szenen wohl kaum in Argentinien gedreht wurden und auch nicht wirklich so aussehen, ist mir auch (negativ) aufgefallen. Aber wo sollte auch das Budget für sowas herkommen?