Filmkritik: Point Break

Point Break FilmplakatAction, USA/DE/CHN 2015

Regie: Ericson Core; Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracy, Ray Winstone, Teresa Palmer

Dass ein Remake von „Point Break“ in die Hose gehen könnte war klar. Das Original mit Keanu Reeves und Patrick Swayze passte einfach perfekt in seine Zeit und macht – trotz zahlreicher Schwächen und beträchtlichem Trash-Faktor – bis heute Spaß.

Nun haben die Produzenten versucht, das Geschehen in die Gegenwart zu überführen, und sie machen dabei so ziemlich alles falsch. Los geht es mit der Fehlbesetzung der Hauptrolle, Luke Bracey als Johnny Utah hat genau keinen Charme und auch sonst außer einem durchtrainierten Körper nichts zu bieten. Das „Update“ der Story selbst ist noch bescheuerter und unglaubwürdiger als das Original, was gar nicht so leicht ist. Die pseudo-politische Dimension des ganzen ist einfach nur grottig.

Die Handlung ist dem neuen „Point Break“ aber auch total egal, der Film ist eine einzige Abfolge von Actionszenen in „Red Bull TV“-Optik. Es wir gesurft, Motocross und Snowboard gefahren, sogar „im-Flügelanzug-vom-Berge-hüpfen“ ist Teil des Plans. Doch weder findet eine Entwicklung der Figuren statt, noch ist das alles so spektakulär, dass es einem egal wäre. Einzig Edgar Ramirez als Bodhi kann halbwegs überzeugen, gegen das langweilige Script und seine minderbegabten Kollegen ist aber auch er machtlos.

Das Original hatte mit Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busy und Lori Petty vier in ihren Rollen überzeugende Schauspieler, der Film entwickelte trotz der bewussten Oberflächlichkeit Spannung. Die Macher dieses Remakes scheinen nicht verstanden zu haben, was an diesem Material funktioniert hat und warum. Das Resultat ist eine erbärmliche Fingerübung, von der man sich besser fernhält.

2/5

Filmkritik: The Big Short

The Big Short FilmplakatDrama/Comedy, USA 2015

Regie: Adam McKay; Darsteller: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling

Zur Finanzkrise wurden einige sehenswerte Filme gemacht, „Margin Call“ etwa, oder zuletzt „99 Homes“. Hier reiht sich auch „The Big Short“ ein, der basierend auf dem gleichnamigen Buch die Geschichte mehrerer Finanz-Akteure kurz vor der Subprime-Krise in den USA erzählt. Dabei wagt der Film den Spagat zwischen gesellschaftskritischem Drama und beschwingten Comedy-Elementen – was überraschend gut gelingt.

Der exzentrische Hedgefond-Manager Michael Burry (Bale) kommt zwei Jahre vor dem Ausbruch der Krise auf die Idee, sich die im Bündel gehandelten Hauskredit-Pakete mal ganz genau anzuschauen. Was er dabei entdeckt führt ihn direkt in die Management-Etagen der großen Bankhäuser. Durch Zufall bekommen weitere Finanz-Player Wind von Burrys These, dass da mit den Zahlen was nicht stimmt – sind aber erstmal skeptisch, ob diese der Realität standhält.

Mit Leichtigkeit und erzählerischem Witz geht „The Big Short“ den Dingen auf den Grund. Der Film gibt sich redlich Mühe, die komplizierteren Produkte und Mechanismen der Finanzmärkte spielerisch auf den Punkt zu bringen. Dazu werden auch mal Prominente bemüht, die sich – wie der Erzähler des Films – direkt ans Publikum wenden.

Dass die Story des Films funktioniert hat mit den stark gespielten Underdogs zu tun, die hier gegen die globale Banking-Industrie inkl. Rating-Agenturen (wenig überraschend die Bösewichter des Films) antreten. Das sind keine „kleinen Leute“ mit Hass auf den Kapitalismus. Sondern kluge Köpfe, die die Märkte kennen und fassungslos mit dem Kopf schütteln, als sie das wahre Ausmaß der Fehlleistungen und Täuschungen erkennen, die maßgeblich für die Krise verantwortlich waren.

Dass die Hauptfiguren von der sich anbahnenden Megakrise finanziell profitieren wollen macht sie nicht sympathischer. Doch genau damit gewinnt „The Big Short“ etwas ganz essenzielles – Glaubwürdigkeit. Es werden nicht einfach alle Menschen, die im Kapitalismus Geld verdienen wollen, an den Pranger gestellt. Die Sache ist deutlich komplizierter.

Sicher ist es leicht nach ein paar Jahren mit dem Finger auf die Schuldigen zu zeigen und „Skandal“ zu schreien. Doch der Film findet die richtigen Bilder, erweckt das Zahlenspiel in vielen starken Szenen zum Leben. Es geht nicht um sensationelle neue Erkenntnisse, sondern um die systemimmanenten Mechanismen des Versagens von Märkten und allzu menschlichen Marktteilnehmern.

5/5