Kurzkritik: She’s Funny That Way

She's funny that way FimplakatComedy, USA 2014

Regie: Peter Bogdanovich; Darsteller: Imogen Poots, Owen Wilson, Jennifer Aniston, Rhys Ifans

In aller Kürze:
Lustspiel-artige, im Theatermilieu spielende Beziehungskomödie.

Worum geht’s? Bei den Proben für ein Theaterstück am Broadway kommt es zu zwischenmenschlichen Turbulenzen, ausgelöst (aber nicht verschuldet) von Ex-Callgirl Izzy, die beim Casting als Callgirl überzeugt.

Die gute Nachricht: Flott und witzig, von den Hauptdarstellern gut gelaunt vorgetragen, ist „She’s Funny That Way“ flockiges Unterhaltungskino.

Die schlechte Nachricht: „Seicht“ ist ein zu hartes Wort, aber den (nicht wirklich böse gemeinten) Vorwurf der Gefälligkeit muss sich der Film schon gefallen lassen – tut er sicherlich auch ohne zu murren.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
Woody-Allen-Filme, „Frances Ha“, „Begin Again“

4/5

Kurzkritik: Als Wir Träumten

Als-wir-Träumten-PosterDrama, Deutschland 2015

Regie: Andreas Dresen; Darsteller: Merlin Rose, Julius Mitschkoff, Joel Basman

In aller Kürze: Überzeugende ‚Coming of Age‘-Geschichte um eine Gruppe von Teenagern im Leipzig der frühen Neunziger.

Worum gehts? Zwischen DDR-Erziehung und neuer ‚Freiheit‘ nach der Wiedervereinigung kämpfen sich 5 Jungs den Weg ins Leben frei – für viele ist die Zeit des Aufbruchs schnell wieder vorbei.

Die gute Nachricht: Der Film wirkt durch seine jungen, unbekannten Darsteller, die gut gewählten Schauplätze und einige filmische Mittel authentisch, auch die sich scheinbar frei entfaltende Story überzeugt

Die schlechte Nachricht: Die Story macht sich die Orientierungslosigkeit der Protagonisten so weit zu eigen, dass hin und wieder der erzählerische Schwung verloren geht.

Wer sich für diese Filme interessiert sollte einen Blick riskieren:
Dramen zur Nachwendezeit, Filme von Andreas Dresen

4/5

Aktuelle Serien im Schnelldurchlauf

Der geile Scheiss

Game of Thrones Staffel 5
Nicht dass in Westeros bisher wenig los gewesen wäre. Aber das Gefühl, dass sich hier eine große Story auf ihr Finale zu bewegt ist in der fünften Staffel in jeder Folge zu spüren – nicht erst, wenn am Ende eine Menge lieb gewonnener Figuren das Zeitliche segnen.

Mad Men Staffel 7, Teil 2
Aus und vorbei. Don Drapers Zeit im Rampenlicht ist abgelaufen. Bis auf wenige Ausnahmen hat Showrunner Matthew Weiner alle Figuren und gleichzeitig die Serie als ganzes zu einem großartigen Ende geführt. Ich habe das zum Anlass genommen, die ersten vier Staffeln noch einmal zu schauen, und was soll ich sagen – sie sind quasi noch besser geworden. Vor allem die ersten beiden fand ich ursprünglich beinahe langweilig, eine Einschätzung die ich ca. 7 Jahre später überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann…

Show Me a Hero (Miniserie)
Lokalpolitik in der mittelgroßen Stadt Yonkers, New York. Ein ambitionierter junger Politiker wird zur Schlüsselfigur in einem Machtkampf zwischen der Regierung in Washington und der Lokalpolitik um die Frage ob und wo sozialer Wohnungsbau entstehen soll. “Show me a Hero” erzählt dabei (fast) immer glaubwürdig nicht nur von den politischen Akteuren, sondern auch von den Bürgern und Wählern, die von dem zentralen Konflik konkret betroffen sind.

Better Call Saul Staffel 1
Eine ganze Staffel ohne nennenswerten Plot – „Better Call Saul“ traut sich was. In den 10 Episoden ging es vornehmlich darum, den Werdegang der Hauptfigur glaubwürdig darzustellen. Das ist gelungen, nun bin ich einerseits gespannt auf die weitere Entwicklung von Saul und andererseits auf eine ‚richtige‘ Story in Season 2.

Rectify Staffel 3
Obwohl gewohnt unaufgeregt inszeniert und weiterhin großartig gespielt kommt in der dritten Staffel von „Rectify“ richtig Bewegung in die Story. In sechs starken Episoden erfahren wir schließlich ziemlich genau, was wirklich geschah in jener schicksalhaften Nacht, die Daniel für 20 Jahre hinter Gitter brachte. Und bei vielen Figuren deuten sich größere Veränderungen an.

The Newsroom Staffel 1 (ja, ich bin spät dran, ich weiss..)
Weil Quentin Tarantino diese Serie in einem Interview als persönlichen Favoriten bezeichnet hat (und der Mann in der Regel gute Tipps parat hat) habe ich angefangen „The Newsroom“ zu schauen. Bisher lohnt es sich, die erste Folge der ersten Staffel ist ganz sicher eine Sternstunde des Fernsehens – und auch danach geht es auf hohem Niveau weiter, insbesondere die Dialoge sind ein Fest. Realistisch ist “The Newsroom” eher nicht, aber großes Entertainment.

Ray Donovan Staffel 3
Die dritte Staffel läuft noch, ist aber definitiv gelungen – die Serie entwickelt sich zu einem sehenswerten Gangster- und Familiendrama.

Der okay-ische Scheiss

House of Cards Staffel 3
Die erste Folge beginnt mit einer großartigen Szene, doch dann entwickelt sich House of Cards aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Die Storyline mit Russlands rüpelhaften Präsidenten, dem Frieden im Nahen Osten und Mrs. Underwoods UN-Ambitionen ist bestenfalls unglaubwürdig und teilweise einfach totaler Quatsch. Ähnliches gilt für die „America Works“-Idee. Sicher, Realismus ist hier nie die einzige oder wichtigste Zutat gewesen, aber es gibt eben doch einen wichtigen Unterschied zwischen Verdichtung/Übertreibung und völligem Schwachsinn. Schade eigentlich, vielleicht besinnt sich die Show ja noch mal, wenn es in Season 4 in die heiße Phase des Wahlkampfs geht…

True Detective Staffel 2
Großartige Bilder, starke Darsteller, eine betörend-schreckliche Stimmung – die zweite Staffel hat was zu bieten. Leider ist die Story ziemlich dünne. Und, was viel schlimmer ist, sie wird auf eine verwirrende und enttäuschende Art und Weise erzählt. Gegen falsche Fährten habe ich ja nichts, aber wenn locker zwei Drittel aller Handlungsfäden und Informationen (sowie eine Hauptfigur) für die zentrale Story eigentlich keine Bedeutung haben, dann entsteht eine Schieflage – und aus der kommt „True Detective“ nicht mehr raus. Trotzdem macht die Staffel durchaus Spaß (zumindest mehr als “House of Cards”).

Der lahme Scheiss (alles erste Staffeln)

Gotham
Knallbunter Trash für die “Generation ADS” unter den Fernsehzuschauern – nach einer Folge hatte ich von diesem Mummenschanz trotz der prominenten Besetzung bereits genug. Ist aber bestimmt super, wenn man nebenbei bügelt oder so…

Daredevil
Hier fehlte es offensichtlich an Budget und Ideen, zumindest wirkt „Daredevil“ wie ein Serie-gewordenes B-Movie. Nicht ohne Reiz, aber gerade in der Figurenzeichnung fahrig und unfokussiert.

Mr Robot
Großartige erste Folge, dann ein herber Absturz. Viel zu viel lahmes Gesülze im Off-Kommentar, eine ziellose bis blödsinnige Story – vielleicht bin ich zu früh ausgestiegen, aber mir war das nix…

Filmkritik: Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach - PosterKomödie, Schweden 2014

Regie: Roy Andersson; Darsteller: Holger Andersson, Nils Westblom

Ohne zu wissen was mich erwartet habe ich mir „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ angesehen. Dass ein schwedischer Low-Budget-Film eher nicht Mainstream sein würde war mir immerhin klar – nicht aber das Ausmaß der Schrägheit dieser zwischen allen Genre-Stühlen angesiedelten Produktion.

Erzählt werden viele (zum Teil lose miteinander verbundene) Episoden, in denen manchmal sehr wenig passiert (eine Tanzlehrerin begrapscht ihren Vortänzer) und manchmal sehr viel (in einer Kneipe rauscht plötzlich König Karl XII. herein, um ein Mineralwasser zu bestellen, während seine Armee im Hintergrund durch die Straße zieht). Zwei dickliche und eher schwermütige Herren mittleren Alters, die Scherzartikel verkaufen („Wir sind in der Unterhaltungsbranche.“, „Wir wollen die Leute zum Lachen bringen.“) treten in mehreren Episoden auf.

Der Humor ist durch die Bank so abseitig, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Zwar ist „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ offensichtlich nicht im klassischen Sinne ernst gemeint (dazu sind die meisten Szenen auch viel zu abwegig), aber es lässt sich eben auch nicht so leicht sagen, was genau denn an ihnen komisch sein soll.

Zeit und Raum sind seltsam entrückt, kein Schauplatz wirkt authentisch und doch ist es weniger das Kulissenhafte der Ausstattung als die außergewöhnlich triste Stimmung und die Verschrobenheit der Figuren, die den Betrachter faszinieren.

„Faszinieren“ ist hier eher neutral gemeint. Mir hat der Film durchaus gefallen, gar Spaß gemacht, ich war auch in der richtigen Laune dazu. Angesichts seiner Sperrigkeit und der Abwesenheit einer Story sowie jeglichen Erklärungen werden viele Zuschauer eher wenig bis nichts mit dem Treiben auf der Leinwand zu tun anfangen können – und sich in der Folge sehr krass langweilen. Interessant wird es auf jeden Fall, wenn man darüber nachdenkt, was Regisseur Roy Andersson (der für solch besondere Kost unter Cineasten bekannt ist) seinem Publikum eigentlich sagen will.

4/5*

*[Eigentlich „Außer Konkurrenz“, aber er muss ja auch im Archiv auftauchen…]