Filmkritik: Mad Max – Fury Road (2D)

Mad Max - Fury Road FilmplakatAction, Australien/USA 2015

Regie: George Miller; Darsteller: Charlize Theron, Tom Hardy, Nicolas Hoult, Zoe Kravitz

Das Reboot von „Mad Max“ hat eine ganze Weile gebraucht, bis es auf den Leinwänden der Welt gelandet ist. Gedreht wurde schon 2012 (in Namibia), ein Jahr später wurden Reshoots angesetzt – meist ein Zeichen, dass die Produzenten kein Vertrauen ins Ergebnis hatten. Was wiederum selten gute Voraussetzungen für den finalen Film sind. Im Falle von „Fury Road“ ist aber zumindest nicht offensichtlich, welche Szenen erst im Nachhinein in den Film gefunden haben: Das Ganze ist im Wesentlichen eine zweistündige Dauer-Actionszene.

Das Szenario ähnelt (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht) in groben Zügen der ursprünglichen Trilogie. „Who Killed the World?“ fragt vielsagend ein Grafitti in ‚Valhalla‘, einer steinzeitlich anmutenden Felsen-Siedlung. Wasser ist knapp, Treibstoff ebenso, die Welt ist eine einzige lebensfeindliche, von Sandstürmen geplagte Wüste.

Auftritt Max Rockatansky, einem von fiesen Erinnerungen heimgesuchten Einzelkämpfer, der von den ‚War Boys“ in deren Festung verschleppt wird. Dort flüchtet kurz darauf Imperator Furiosa (C. Theron) mit den fünf Ehefrauen des ‚War Boys‘-Anführers Immortan Joe. Mit einem archaisch-monströsen, gepanzerten Lastwagen versucht Furiosa der Meute von Verfolgern zu entkommen.

Es folgt wie eingangs erwähnt rasante und überwiegend unterhaltsame Dauer-Action (Hauptsächlich Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen), inszeniert mit erfreulich wenig CGI-Effekten. Unterbrochen wird die wilde Fahrt nur durch einige ruhigere Momente, in denen die Motive der Figuren in den Focus rücken. Insgesamt ist die Story ziemlich dünne – sie gibt lediglich das Gerüst und die Richtung vor. Das ist hin und wieder frustrierend, da viele Fragen (bezüglich des Szenarios als Gesamtheit) offen bleiben. Und doch ist es offensichtlich Teil des Plans von Regisseur George Miller, der schon die originalen „Mad Max“-Filme gedreht hat.

Der Plan geht weitgehend auf. „Mad Max – Fury Road“ hat wenig gemeinsam mit den übrigen Blockbustern dieser Zeit. Er ist humor- und kompromisslos, richtet sich zudem mit seinem „R“-Rating mutig nicht an die lukrativste Zielgruppe der unter 16-jährigen. Wie man hört soll es mit der Reihe weitergehen, es scheint also (hoffentlich) eine größere Story zu geben, die noch erzählt werden will. Vielleicht wird dieser Film schon bald eher als vielversprechender ‚Vorspann‘ zu verstehen sein…

4/5

Filmkritik: The Gunman

The Gunman FilmplakatDrama/Thriller, USA/UK/SP/FR 2015

Regie: Pierre Morel; Darsteller: Sean Penn, Jasmine Trinca, Javier Bardem, Ray Winstone, Idris Elba

Der „lonesome hitman“ ist spätestens seit Alain Delon in „Der Eiskalte Engel“ eine Ikone des modernen Genre-Kinos. Zuletzt haben sich u.a. Denzel Washington („The Equalizer“) und Keanu Reeves („John Wick“) in der Rolle ausgetobt, 2011 war in „Colombiana“ mal eine Frau (Zoe Saldana) zu sehen. Mit „The Gunman“ verewigen sich nun Sean Penn und Regisseur Pierre Morel („Taken“) in einem recht fahrigen Beitrag zum Kanon.

Die Story beginnt im Kongo anno 2006 und springt dann in die heutige Zeit, mit Schauplätzen in London, Barcelona und Gibraltar. Penn spielt den als Entwicklungshelfer getarnten Killer/Söldner Terrier, der über einen heiklen Auftrag seine große Liebe Annie aufgeben muss. Als seine Vergangenheit Terrier schließlich einholt gerät auch Annie in die Schusslinie.

„The Gunman“ läuft weitgehend vorhersehbar nach Schema F ab. Es ist zwar viel Bewegung drin, doch die recht lieblos geschriebenen Figuren (Annie ist reine Ausstattung, die meisten anderen sind Stereotype) machen es dem Publikum schwer, dem Geschehen echte Bedeutung beizumessen. Das aber wäre angesichts fehlender sonstiger Alleinstellungsmerkmale dringend nötig gewesen.

Sean Penns Visage ist wie gemacht für die Rolle als melancholischer Ex-Killer, der wider Willen alte und neue Feinde bekämpfen muss. Mit Javier Bardem, Ray Winstone und Idris Elba hat er zudem hochkarätige Unterstützung. Doch das ändert nichts an dem insgesamt zu lauen Plot, der echte Spannung weitgehend vermissen lässt. Kein ganz schlechter Film, aber einer, den man sofort wieder vergessen kann und sollte.

2/5

Filmkritik: While We’re Young (Dt. Titel „Gefühlt Mitte Zwanzig“)

While We're Young FilmplakatComedy/Drama, USA 2014

Regie: Noah Baumbach; Darsteller: Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried, Adam Driver

Clash der Generationen: Das kinderlose Ehepaar Cornelia & Josh (Stiller & Watts), beide Anfang/Mitte 40, trifft auf seine knapp zwanzig Jahre jüngere Hipster-Version Darby & Jamie (Seyfried & Driver). Man freundet sich an, die Älteren sind von Elan und Lebenslust der Jüngeren begeistert und inspiriert.

Dieses Szenario hätte witzig werden können, wird es aber leider nicht. “Gefühlt Mitte Zwanzig” (einmal mehr ein völlig unpassender deutscher ’Verleihtitel’) bürdet sich zu viele Themen und Konflikte auf, versucht es damit allen Zielgruppen (oder zumindest den meisten) Recht zu machen. Darüber verliert er jeden Biss und jeden Anspruch auf spontane Wahrhaftigkeit – eigentlich das Steckenpferd von Regisseur Noah Baumbach („Frances Ha“, „The Squid and the Whale“).

Die Hauptfiguren des natürlich in NYC spielenden Films haben in bester Woody-Allen-Manier zwar alle Jobs, aber trotzdem jede Menge Zeit. Die vorherrschenden Motive sind die die Kinderlosigkeit von Josh & Cornelia und ihre damit verbundene Suche nach einem “Sinn” in ihrem Leben sowie die – vermeintlichen – Unterschiede zwischen Ihnen und der von Jamie und Darby verkörperten jungen Generation. Eine weiteres Thema sind Dokumentarfilme und ihr Anspruch auf Wahrheit/Objektivität – denn sowohl Josh als auch Jamie und Cornelias Vater gehen dieser Profession nach…

Kein sonderlich glaubwürdiger Zufall, aber damit wird das Drehbuch noch auf recht geschickte Weise fertig. Mit vielen anderen Problemen eher weniger. Vor allem das Verhältnis zwischen John/Cornelia und einem befreundeten Paar mit frisch geborenem Kind ist vollkommen unglaubwürdig bis ärgerlich.

„While We’re Young“ ist nicht platt und plakativ genug für den Mainstream-Geschmack; für das Arthouse-Publikum wiederum ist das Setting zu gekünstelt, zudem stören die penetranten Versuche, irgendwelche Erklärungen und „die Moral“ der Geschichte heraus zu arbeiten. Der Versuch, einen Film zu machen, der das gesellschaftliche Befinden und die Eigenheiten der heutigen Zeit treffend veranschaulicht, ist aller Ehren wert. Geklappt hat es aber insgesamt nicht. Daher knapp:

3/5

Filmkritik: It Follows

It Follows FilmplakatHorror, USA 2014

Regie: David Robert Mitchell; Darsteller: Maika Monroe, Keir Gilchrist, Olivia Luccardi

Es kommt selten vor, dass ich mir mal einen Horrorfilm ansehe. Im Falle von „It Follows“ habe ich eine Ausnahme gemacht, weil der Film einige extrem positive Reaktionen und Kritiken bekommen hat – völlig zu Recht, wie ich finde.

Von der ersten Minute an bestimmt eine beklemmende Atmosphäre das Geschehen. Eine Teenagerin rennt kreischen und verstört aus ihrem Haus in der Vorstadt, offenbar ziellos im Kreis, ihr Vater kann nur verständnislos den Kopf schütteln. Schließlich fährt sie im Auto davon. Allein am Strand sitzend ruft sie ihre Familie an. Kurze Zeit später ist sie grausam zugerichtet. Schnitt.

„It Follows“ beginnt nun mit der jungen Jay, die im Swimmingpool badet, mit Freunden scherzt und abends auf ein Date geht. Eine scheinbare Idylle, mit leicht morbider Anmutung. Schauplatz sind vor allem die Suburbs von Detroit, das Jahr der Handlung bleibt vage. Smartphones etwa gibt es nicht, aber die Klamotten lassen sich auch nicht genau den 80ern oder 90ern zuordnen. Es dauert nicht lange – in bester Genre-Tradition spielt Sex eine wichtige Rolle – bis Jay von einem namenlosen Grauen heimgesucht wird.

Wie genau das Element des Bösen in „It Follows“ dargestellt wird und welcher Logik es folgt, will ich hier nicht weiter präzisieren. Es ist ein große Stärke des Films, wie er diesen erlebbar und glaubwürdig macht, ohne mit Taschenspieler-Tricks zu arbeiten. Story und Inszenierung passen hervorragend zusammen. Statt auf visuelle Effekte setzt der Film auf stark komponierte Bilder, in denen die Bedrohung so banal wie omnipräsent ist. Blut fliesst verhältnismäßig wenig, doch für zarte Gemüter sind einige sehr drastische Szenen sicher nicht geeignet. Ein gelungener, von massiven Klangteppichen bestimmter Score, verstärkt das Gefühl der Beklemmung.

Die unbekannten Darsteller wirken natürlich, die Figuren sind weitgehend klischeefrei geschrieben. Auch in Sachen Timing und Plot macht Regisseur und Autor David Robert Mitchell alles richtig. Die Elemente, die „It Follows“ zu einem unterhaltsamen und effektiven Filmerlebnis machen, sind alle nicht neu. Es ist vielmehr der äußerst stimmige Mix, der den Erfolg diese Low-Budget-Films ausmacht.

4/5