Filmkritik: Jupiter Ascending (2D)

Jupiter Ascending FilmplakatFantasy/Action, USA 2015

Regie: The Wachoswkis; Darsteller: Mila Kunis, Channing Tatum, Eddie Redmayne, Sean Bean

Eigentlich muss man froh sein, wenn heute noch jemand den Mut aufbringt für mächtig viel Geld einen Film zu machen, der nicht zu einem der großen Franchises gehört. Bei “Jupiter Ascending” wird nicht mit altbewährten, extrem beliebten Figuren das Geld eingesammelt wie bei “Star Trek”, “Star Wars”, dem “Hobbit” oder den Zig Comicverfilmungen von Marvel und DC.

Aber froh sein fällt einem dann doch schwer, wenn man sich mit einer Mischung aus Langeweile, Ungläubigkeit und Verdruss mitten in der kruden Story wiederfindet, die sich die “Matrix”-Geschwister Wachowski ausgedacht haben. Die schillernden Außeridischen, die das Universum beherrschen, die auf der Erde gestrandete Auserwählte Weltenretterin, ein Held auf Power-Hover-Schuhen (quasi Eislaufen in der Luft) und alle möglichen weiteren Versatzstücke aus dem Baukasten des Fantasy/Science-Fiction Genres – das alles wird visuell opulent serviert.

Leider verlangt “Jupiter Ascending”, dass man sich auf Anhieb mit der Welt, in der das alles spielt, anfreundet, die Prämisse für bare Münze nimmt und sich in das flotte Geschehen fallen lässt. Das geht alles sehr schnell, weder für die äußere Handlung noch für die innere (will sagen für die Figurenentwicklung) bleibt genug Zeit. Blass und vage, angereichert mit ziemlich platten Dialogen und Motiven, nimmt die Story ihren vorhersehbaren Lauf.

Nun ist es sicher nicht leicht, eine frische, innovative Story ins Kino zu bringen, denn es müssen ja auch Finanziers gefunden werden. Und doch wundert es mich, dass “Jupiter Ascending” so komplett ohne Alleinstellungsmerkmal daherkommt. Bei “Matrix” waren Story und Effekte einigermaßen neu, und außerdem kunstvoll verbunden. Hier war die Hoffnung offenbar, dass man mit einem “Star Wars” für Arme irgendwie durchkommt. Gemessen am Einspielergebnis und dem IMDB-Rating von niedrigen 5,8 ergibt sich folgende Antwort: Nein. Fail.

2/5

Filmkritik: Avengers – Age of Ultron (3D)

Age of Ultron - FilmplakatAction/Comedy, USA 2015

Regie: Joss Whedon; Darsteller: Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen

Meine Erwartungen an DEN Marvel-Blockbuster des Jahres waren recht hoch, nicht zuletzt weil ich mir –  nachdem zuletzt im zweiten „Captain America“ die Geschichte von SHIELD quasi zu ende erzählt wurde – ein spannendes neues Kapitel von „Age of Ultron“ versprochen habe. Nicht spannend a la Hitchcock, sondern spannend im Rahmen eines riesigen Superhelden-Universums: neue Welten, neue Bösewichter, und natürlich spektakuläre 3D- Action.

Leider ist die Story die größte (und einzige) wirkliche Enttäuschung des Films. Tony Starks Idee, eine künstliche Intelligenz zur Verteidigung der Erde zu installieren, geht mächtig schief. Die „Avengers“ müssen alle ihre Kräfte aufbieten, um „Ultron“ an der Vernichtung des Planeten zu hindern. Der arg dünne Plot sorgt dafür, dass Bruce Banner und Kollegen ordentlich zu tun haben, und am Ende die Weichen für die kommenden Filme („Captain America: Civil War“ in 2016 und „Thor: Ragnarok“ in 2017) gestellt werden. Einfallsreich oder aufregend ist das alles aber nicht.

Was nicht bedeutet, dass „Avengers – Age of Ultron“ nicht eine Menge guter Actionszenen bieten würde. Ganz im Gegenteil, die Truppe ist fast pausenlos im Einsatz. Die 3D-Effekte sind gut, die Actionszenen setzen aber insgesamt anders als in Teil eins keine neuen Standards. Am besten funktioniert der Film als Buddy-Komödie mit sehr guten One-Linern, dem bekannt feinen Gespür für seine Figuren und deren Eigenheiten. Zwischen zwei Helden beginnt es gar romantisch zu werden, was für heikel-witzige Momente sorgt. Es deuten sich zudem Abschiede an, während gleichzeitig ein wenig frisches Blut hinzukommt.

Ein wenig schade ist es, dass „Age of Ultron“ kein echtes Highlight in der Reihe ist, sondern eher wie eine spaßige Klassenfahrt ohne echtes Ziel daherkommt. Es bleibt zu hoffen, dass in den schon erwähnten nächsten Filmen storytechnisch ein starke Vorlage für die angekündigten „Avengers – Infinity Wars“ (2018 und 2019 im Kino) geliefert wird. In völliger Unkenntnis der Comics ist es mir dabei ziemlich egal, in welche Richtung es geht – so lange es mich wenigstens oberflächlich zu fesseln vermag.

(knapp) 4/5

 

Filmkritik: Mortdecai

Mortdecai FilmplakatComedy/Action, UK/USA 2015

Regie: David Koepp; Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor

Ungläubiges Kopfschütteln ist die natürliche Reaktion auf das Trashfest namens „Mortdecai“. Selten habe ich einen A-List Hollywood-Film gesehen, der auf so vielen Ebenen versagt wie dieser. Da wäre etwa Johnny Depp als englischer Kunsthändler/Betrüger Mortdecai – die Titelfigur des Films fällt gleich in den ersten Szenen in sich zusammen. Die krude Mischung aus Weinerlichkeit, Snobismus und albernem Gekasper geht nicht auf. Das ist nicht komisch, sondern daneben.

Auch die von Gwyneth Paltrow (hochnäsige Ehefrau), Paul Bettany (unterwürfiger Butler und Casanova) und Ewan McGregor (schleimiger MI5-Agent) gespielten Rollen sind nicht viel besser. Die Story ist ebenfalls ein Desaster, wobei das ganz offensichtlich eingeplant war. „Mortdecai“ setzt auf den Spaß, den Figuren & Dialoge verbreiten sollen – was so vollends scheitert, dass es kaum zum Fremdschämen reicht. Die vielen Ortswechsel und Figuren verstärken den Eindruck der Ziellosigkeit noch.

Die interessantesten Fragen sind bei dem Ganzen folgende: Wie konnte das Projekt jemals grünes Licht bekommen konnte? Und warum ist auch den Darstellern nicht aufgefallen, wie schlecht die Idee zum Film in allen Belangen ist? Ich würde was dafür geben, bei der ersten Vorführung dieses jämmerlichen Streifens vor den Geldgebern (Johnny Depp war selbst einer davon) dabei gewesen zu sein. Die haben sicher weinend ihre Buchhalter angewiesen, einen großen Batzen Kohle abzuschreiben…

1/5

Filmkritik: American Sniper

American Sniper FilmplakatKriegsdrama, USA 2014

Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Kyle Gellner

„American Sniper“ erzählt ‚based on true events‘ die Geschichte des Navy Seals-Scharfschützen Chris Kyle, der in seinen vier Touren im Irak über 160 „confirmed kills“ verbucht hat. Für viele US-Amerikaner ist Kyle einer der wenigen Helden, die der Krieg im Irak hervorgebracht. Clint Eastwoods Film war in den USA nicht nur unfassbar erfolgreich (bestes Einspielergebnis eines Kriegsfilms seit Anbeginn der Zeit), sondern auch ein echtes Politikum.

Die Handlung ist schnell erzählt. Kyle steigt im Irak unter den Soldaten schnell zur Legende auf. Seine Treffsicherheit erledigt reihenweise Gegner und rettet gleichzeitig vielen Kameraden der Bodentruppen das Leben. Zuhause bei Frau und Kind(ern) läuft es weniger rund. Zu anders ist das zivile Leben, zu groß der Druck, im Irak auch seinen ärgsten Widersacher „The Butcher“ zu erwischen.

„American Sniper“ ist nicht ganz die ultrapatriotische Heldengeschichte, die ich befürchtet hatte. Weder ist in jeder zweiten Einstellung die US-Flagge zu sehen noch werden die US-Soldaten besonders heroisch dargestellt. Die Gefechtsszenen sind denen aus „The Hurt Locker“ nicht unähnlich und spannend inszeniert. Auch Chris Kyle selbst wird nicht zum übermächtigen Rambo stilisiert, sondern als überaus begabter Scharfschütze mit „exzellenten Arbeitsergebnissen“ dargestellt. Ein Soldat, der glaubt, dass seine Taten die Mitbürger in San Diego oder New York sicherer machen.

Das Problem bei der Sache ist somit weniger, was der Film über die US-Truppen und die Heimatfront erzählt, sondern was er über die Gegenseite und den Krieg an sich nicht erzählt. Die politische „Lage“ wird bequem mit den Bildern vom 11. September abgekürzt, die „Aufständischen“ im Irak sind weitgehend namen- und gesichtslose Bösewichter, die alle irgendwie zu al-Qaida gehören und ihren Kindern Granaten in die Hand drücken.

Die gezeigten Gefechte mögen realistisch dargestellt sein, trotzdem verstellt diese Einseitigkeit den Blick auf den Konflikt als ganzes. Der Film setzt den Hollywood-Trend fort, über die Soldaten nur gutes und über den Krieg als ganzes lieber nichts zu erzählen. Das aggressive Auftreten der US-Truppen als Besatzer (in der Wahrnehmung der Iraker), der fehlende Plan für die Zukunft des Landes, Skandale wie Abu Ghraib, oder die nicht vorhandene, von der Politik ersponnene Verbindung zwischen 9/11 und Saddam Hussein sowie dessen ebenso wenig vorhandenen Massenvernichtungswaffen – das alles findet im Film nicht statt. Kein Wunder, denn das würde Kyle und seine Kameraden zu traurigen Figuren in einem fragwürdigen Konflikt machen, zu Kollegen von Folterknechten und marionettenhaften Handlangern unfähiger bis überforderter Politiker und Generäle.

Regisseur Eastwood sieht eine extrem starke Antikriegsbotschaft seines Films darin, dass er zeigt wie die Familien der Soldaten leiden, und wie schwer es ist aus dem Krieg ins zivile Leben zurückzukehren (siehe hier). Damit liegt er sicher nicht falsch. Die Darstellung seiner Figuren als aufrechte Kämpfer für die ‚Freiheit der westlichen Welt‘ und ihrer Verbündeten wirkt angesichts der bekannten Hintergründe trotzdem mächtig hohl.

Handwerklich und schauspielerisch ist an „American Sniper“ wenig auszusetzen. Der immense Erfolg des Film sagt dennoch mehr über die Befindsamkeiten der amerikanischen Volksseele aus als über die Klasse des Films, der außerhalb der USA zurecht schnell in Vergessenheit geraten wird.

3/5

Kurzkritik: The Gambler

The Gambler FilmplakatDrama, USA 2014

Regie: Rupert Wyatt; Darsteller: Mark Wahlberg, John Goodman, Brie Larson, Michael Kenneth Williams

In aller Kürze: Das Zocker-Drama ohne Höhepunkte leidet an einem lauen Script und der Fehlbesetzung der Hauptrolle.

Worum gehts? Ein Literaturprofessor bekommt seine Spielsucht nicht in den Griff und schuldet bald mehreren Unterwelt-Bossen ein Vermögen.

Die gute Nachricht: Die Nebendarsteller, allen voran Michael Kenneth Williams (Omar aus „The Wire“) und John Goodman als Kredithaie. Die Prämisse hat Potential, das aber weitgehend verschenkt wird.

Die schlechte Nachricht: Wahlberg ist ein guter Schauspieler, aber hier findet er nicht den richtigen Dreh – weder als Spieler noch als Dozent kann er überzeugen, was dem Film letztlich das Genick bricht.

Wer diese Filme mocht kann einen Blick riskieren:
„21“, „The Gambler“ (Orginal von 1974 mit James Caan)

2/5