Kurzkritik: Kill Me Three Times

Kill Me Three Times FilmplakatComedy/Crime, USA/Australien 2014

Regie: Kriv Stenders; Darsteller: Simon Pegg, Teresa Palmer, Alice Braga, Luke Hemsworth, Sullivan Stapleton

In aller Kürze: Belangloser Möchtergern-Tarantino ohne zündende Ideen, der nie wirklich Fahrt aufnimmt.

Worum geht’s? Ein halbes Dutzend Provinz-Australier in einer Posse um Geld, Gier, Verrat und Sex.

Die gute Nachricht: Nicht schlecht gespielt, schöne Locations.

Die schlechte Nachricht: Weder wirklich witzig noch spannend, weil die Figurenzeichnung zu oberflächlich ist. In zwei, drei Szenen zudem mit unnötig grottigen CGI-Effekten (die einem besseren Film aber nichts angetan hätten).

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„2 Days in the Valley“, „Thursday“

2/5

Filmkritik: Das Ewige Leben

Das Ewige Leben FilmplakatDrama/Komödie, Österreich 2015

Regie: Wolfgang Murnberger; Darsteller: Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten

Ich gebe es gerne zu, ich bin großer Fan von Wolf Haas’ Brenner-­Romanen und den bisherigen Leinwandadaptionen von Wolfgang Murnberger. Nach “Komm Süsser Tod”, “Silentium” und “Der Knochenmann” ist “Das Ewige Leben” der vierte Krimi, der mit Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt wird. Und der Film braucht sich vor den starken Vorgängern nicht verstecken.

Simon Brenner ist in dieser Geschichte nicht gerade in Topform. Ohne Job, Geld und Aussichten auf Besserung kehrt er in seine alte Heimat zurück. In dem verkommenen Einfamilienhaus seiner verstorbenen Eltern und Großeltern im Grazer Stadtteil Puntigam fristet Brenner eine extrem trostlose, schon penner-artige Existenz. Kenner der Reihe ahnen es schon – es dauert nicht lange und “jetzt ist schon wieder was passiert”.

Die Reise in die Vergangenheit ist für Brenner eine in mehrfacher Hinsicht schmerzliche Angelegenheit. Ehemalige Freunde und Kollegen sind ihm entweder wenig freundlich gesinnt oder bald ein Fall für die Mordkommission. Der Ton des Films ist düster und melancholisch, nicht nur die Figuren sind von Krankheit und Zerfall gezeichnet, auch die Stadt selbst ist etwa so charmant eingefangen wie Mühlheim an der Ruhr im letzten Film von Helge Schneider.

Josef Hader zeigt eine weitere Glanzleistung in der Rolle seines Lebens. Er verkörpert Brenner nicht überzeugend, er ist Brenner. Ein rauhbeiniger, aber nicht herzloser, unverschämter, schlagfertiger, von Migräne geplagter Individualist und Skeptiker, mit einem Faible für Dosenbier. Ein sympathischer Antiheld, nach bester Tradition ein Einzelgänger mit seinem ureigenen moralischen Kompass.

Ihm zur Seite stehen mir unbekannte Schauspieler, die ebenfalls Großes leisten. Tobias Moretti spielt den Polizeichef Aschenbrenner als Machtmensch mit allzu menschlichen Makeln, Nora von Waldstätten seine junge Ehefrau, Johannes Silberschneider Brenners gutmütigen Nachbarn.

Großartige Dialoge und tiefschwarzer Humor waren immer das Fundament dieser Reihe, und dabei bleibt es natürlich. Von Brennes betrunkenener Ausfahrt auf dem Moped (ohne Helm und Nummernschild, fährt Schlangenlinien, erwidert den Polizisten trotzig “oan Warnkreuz hob i oa keins dabei”), den herrlichen Off-­Kommentaren, der humorvollen Milieuzeichnung bis zur Frittenbude “Endstation” in der letzten Einstellung – durch alles weht der lakonische und auch bissige Geist des Brenner-­Universums.

5/5

Kurzkritik: The Imitation Game

The Imitation Game FilmplakatDrama, USA/UK 2014

Regie: Morten Tyldum ; Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode

In aller Kürze: Grundsolide Mischung aus History, Bio-Pic-Drama und Thriller. Clever und flott erzählt – wenngleich ohne große Überraschungen – für Freunde des gepflegten Geschichtsdramas genau das richtige.

Worum gehts? „The Imitiation Game“ erzählt die Geschichte des (schwulen und eigenwilligen) Mathe-Genies Alan Turing, der im 2. Weltkrieg die ‚Enigma‘-Maschine der Nazis knackte.

Die gute Nachricht: Eine starke Besetzung und eine gelungene Inszenierung, die einen guten Mittelweg zwischen Anspruch und Unterhaltung  findet.

Die schlechte Nachricht: Man hat nach dem Trailer das Gefühl, schon den ganzen Film zu kennen – und das trifft auch ziemlich genau zu. Es fehlt an besonderen Momenten, die man nicht schon sehr ähnlich woanders gesehen hat.

Wer diese Film mochte könnte einen Blick riskieren:
„Enigma“, „Argo“, „The Reader“

4/5

Kurzkritik: A Most Violent Year

A Most Violent Year FilmplakatDrama, USA 2014

Regie: J.C. Chandor; Darsteller: Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oleyowo

In aller Kürze: Stilvolles & ambitioniertes Drama vom Regisseur von „Margin Call„, das leider nie in Fahrt kommt und insgesamt (auch wegen hoher Erwartungen) enttäuscht.

Worum gehts? Anno 1981 versucht in NYC ein Ölhändler mit ‚Migrationshintergrund‘ sich gegen zahlreiche Feinde zu behaupten.

Die gute Nachricht: Gut gespielt und handwerklich top feiert und zitiert der Film das Kino der 70er Jahre.

Die schlechte Nachricht: „A Most Violent Year“ kann das Publikum nicht ernsthaft für die Figuren interessieren, die Story zieht vorbei, während man emotional distanziert zusieht.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„The Yards“, „The Drop“

2/5

Filmkritik: Exodus – Götter & Könige

Exodus - Gods & Kings FilmplakatDrama/Abenteuer, USA/UK/SP 2014

Regie: Ridley Scott; Darsteller: Christian Bale, Joel Edgerton, Ben Kingsley, Sigourney Weaver

Es ist nicht so, dass ich sehnsüchtig auf Ridley Scotts Moses-Film gewartet hätte. Aber auch nicht so, dass ich nicht grundsätzlich interessiert gewesen wäre. Nach eher mauen Kritiken habe ich den Gang ins Kino sein gelassen und mir „Exodus – Gods & Kings“ nun zuhause angesehen. Zum Glück, wie ich leider sagen muss. Denn der Film macht irgendwie alles falsch, was man falsch machen kann.

Das geht mit der Besetzung los. John Turturro ist ein genialer Schauspieler, aber einen Pharao im alten Ägypten nehme ich ihm nicht ab – ich verbinde ihn viel zu sehr mit Stoffen der Gegenwart. Zudem meist mit komischen Stoffen (dieser Film hingegen ist so bierernst, dass man es fast wieder komisch finden muss). Ähnliches gilt für Sigourney Weaver und Aaron „Jesse Pinkman“ Paul (als Joshua), Ben Kingsley (als Nun) und Ewen Bremner, dessen 15 Minuten Ruhm aus „Trainspotting“ stammen und sich in keiner Weise mit seiner Rolle als Berater im Palast vertragen. Joel Edgerton als leicht transiger Ramses gefällt mir da noch am besten, überzeugt aber auch nicht.

Christian Bale als Moses wiederum macht langsam ernsthaft Daniel Day-Lewis Konkurrenz in Sachen erzwungener Intensität und maximalem Körpereinsatz. Solche „larger than life“-Rollen verlangen schon fast nach dieser „Over-acting“-Methode, trotzdem scheitert seine Darstellung in meinen Augen. Für einen altmodischen Mose im Stil alter Bibelschinken ist das zu modern, doch eine glaubwürdige „echte“ Figur wird hier auch nicht draus. Dafür sieht das alles (anders als etwa Aronofskys „Noah“) zu sehr nach Hollywood-Sandalenfilm-Spektakel aus.

Man kann sich auch fragen, warum Ridley Scott den Film überhaupt gedreht hat. Zumindest ist mir nicht klar, welchen Dreh oder welche persönliche Note/Interpretation er der Geschichte hier geben wollte. Das ganze ist im Hochglanz-Look gedreht und bemüht sich nicht wirklich um Authentizität (nicht das dies unbedingt ein Gewinn gewesen wäre). Die Spezial-Effekte sind überzeugend, in 3D vielleicht sogar überwältigend.

Wenn man sich das alles als interessierter Ungläubiger ansieht, kommt „Exodus – Gods & Kings“ recht blutleer daher. Ich nehme an, dass alle wesentlichen Elemente der zugrunde liegenden Geschichte zu finden sind, kann das aber im Detail nicht beurteilen. Der Erzählung fehlt Dynamik, die meisten Szenen laufen recht episodenhaft nacheinander ab, die Übergänge sowie die Dramaturgie ingesamt können nicht überzeugen. Man kann sich das alles schon gut angucken, nur eben überwiegend teilnahmslos.

Es bleibt die Erkenntnis, dass mir ein mit (wenngleich zweifelhafter) Leidenschaft gemachter Film wie „Die Passion Christi“ – gedreht vom erzkonservativen Katholiken Mel Gibson – sehr viel besser gefallen hat. Den haben die Zuschauer entweder geliebt oder gehasst. Dieser Film wird dagegen fast allen ganz einfach egal sein.

2/5