Kurzkritik: The Loft

The Loft FilmplakatThriller, USA/Belgien 2014

Regie: Erik Van Looy; Darsteller: Karl Urban, James Marsden, Isabel Lucas, Rachael Taylor

In aller Kürze: Recht plakativer Thriller, der ein Mindestmaß an Spannung bietet – nicht aber an Glaubwürdigkeit.

Worum geht’s? Fünf Freunde mieten ein Loft für ihre Seitensprünge – und finden darin recht bald eine tote Blondine vor. Wer von Ihnen ist der Mörder?

Die gute Nachricht: An Tempo mangelt es nicht, auch das Produktions- und Setdesign (hauptsächlich gut aussehende Menschen in glänzenden Luxus-Settings) ist in Ordnung. Wahrscheinlich ist das belgische Original sehenswerter.

Die schlechte Nachricht: Die Figuren sind zunächst platt gezeichnet und gewinnen erst nach zu vielen Twists und wenig überzeugend etwas „Tiefe“. Geschlechtsspezifische Rollenklischees gibt es dafür zuhauf.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„Perfect Stranger“, „Very Bad Things“

2/5

Kurzkritik: The Theory of Everything

The Theory of Everthing FilmplakatDrama, UK 2014

Regie: James Marsh; Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox

In aller Kürze: Gefühlsbetontes bis sentimentales, dabei grandios gespieltes Bio-Pic.

Worum geht’s? Kaum hat der angehende Physiker Stephen Hawking seine Traumfrau getroffen befällt ihn eine seltene Nervenkrankheit.

Die gute Nachricht: Die Hauptdarsteller. Redmayne geht physikalisch bis an die Grenzen (man könnte sagen darüber hinaus, das ist letztlich Geschmackssache), Jones glänzt als charakterstarke, sympathische Ehefrau.

Die schlechte Nachricht: Von Hawkings Werk ist eher am Rande die Rede, alles ordnet sich der Liebes- und Leidensgeschichte unter. Und der Subtext „Gebt Eddie Redmayne einen Oscar!“ ist so deutlich, dass er manchmal fast stört.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„Hector and the Search for Happiness“, „Becoming Jane“, „50/50“

4/5

Filmkritik: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Inherent Vice FilmplakatDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Paul Thomas Anderson; Darsteller: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Owen Wilson

Auf kaum einen Film habe ich mich in den letzten Jahren so sehr gefreut wie auf diese Adaption von Thomas Pynchons gleichnamigem Roman. Man kann auch sagen, dass ich den Film mögen wollte, ganz egal wie er werden würde. Ich schreibe das hier vorweg, weil „Inherent Vice“ recht spezielle Kost ist. Wer ’nur‘ den Trailer gesehen hat könnte eine Art 70er-Jahre „Lebowski“ erwarten – doch obwohl es Gemeinsamkeiten gibt ist das eine arg grobe Annäherung.

Die Handlung spielt 1970 in Los Angeles und Umgebung. Doc Sportello (J. Phoenix) ist ein lizensierter, dauerbekiffter Privatdetektiv; warum dieser gemütliche Hippie seine Brötchen ausgerechnet als Private Eye verdient bleibt – wie so vieles im Film – eher rätselhaft. Er bekommt zu Beginn Besuch von seiner Ex-Freundin Shasta, die von einer Verschwörung gegen den Immobilien-Tycoon Mickey Wolfman (E. Roberts) erzählt. Wenig später taucht ein Ex-Knacki bei Doc auf, der Beef mit Wolfmans Leibwächter hat.

Nach einer Stunde ist die Anzahl der Nebenfiguren auf ein gutes Dutzend angewachsen. Eine Auswahl daraus: der Hippie-hassende Bulle ‚Bigfoot‘ (J. Brolin), der untergetauchte heroinabhängige Saxophonist Coy (O. Wilson) und dessen Frau Hope (J. Malone), Docs neue Freundin, die Staatsanwältin Penny (R. Witherspoon), sein ‚Anwalt‘ Sauncho (B. Del Toro), ein chinesisches  Callgirl, ein koksender Zahnarzt, ein mächtiger ehemaliger Klient von Doc sowie dessen fidele Tochter und zwei FBI-Beamte. Eine Spur führt zu dem mysteriösen Schiff „The Golden Fang“, von Drogenhandel ist die Rede, aber auch von fiesen Immobiliendeals und subversiven anti-amerikanischen Gruppen.

Doc Sportello taumelt durch den labyrinthischen Plot (hierin liegt die größte Gemeinsamkeit mit „The Big Lebowsi“), der wie schon im Roman eher der Weg als das Ziel ist. Joaquin Phoenix leistet großartige Arbeit indem er es schafft, die vielen (aber-)witzigen, in Richtung Slapstick tendierenden Szenen mit soviel Würde zu spielen, dass Doc eine ernst zu nehmende Figur bleibt. Dem zwischen melancholischer Gesellschaftskritik, bitterbösem Sittenportrait und Hommage an die großen Kriminalromane von Chandler („The Big Sleep“) oder Ellroy (Autor vom L.A. Quartet) angesiedelten Geist der Vorlage bleibt „Inherent Vice“ weitgehend treu, auch wenn er sich bei der Ausgestaltung der Story seine Freiheiten nimmt (die Szenen im Nightclub in Las Vegas habe ich durchaus vermisst).

Der Film ist voll von Kuriositäten und einzigartigen Szenen mit großartigen Dialogen und perfektem Timing. Dabei ist der Erzähl-Ton immer ein bißchen neben der Spur, wegen der geistigen (zuweilen sogar sichtbaren) Dauerbenebelung vieler Figuren, aber auch weil es niemanden gibt (auch nicht Docs Freundin Sortilege, die das Geschehen herzlich-süffisant aus dem Off kommentiert), der durchblickt, was eigentlich gespielt wird. Der bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätigen Besetzung gelingt es, dass die viel Freak-artigen, bunten Charaktere nicht zu Karikaturen geraten.

Mit zweieinhalb Stunden Laufzeit nimmt sich „Inherent Vice“ viel Zeit. Dabei geht es dem Film spürbar mehr um ein Gefühl für die geradezu sehnsüchtig portraitierte Ära (Regisseur Anderson ist Wiederholungstäter, der sich schon in „Boogie Nights“ in dieser Dekade umsah) und ihren Spannungen sowie die Befindlichkeiten der Hauptfigur, als um die Auflösung der diffusen Krimi-Story. Obwohl das mit viel Witz und auch unterhaltsam inszeniert ist, wird das nicht alle Zuschauer begeistern. Mir hat es mächtig gut gefallen – mit Ansage, aber auch von ganzem Herzen.

5/5

Kurzkritik: St. Vincent

St. Vincent FilmplakatDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Theodore Melfi; Darsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts

In aller Kürze: Gut gemachtes und gespieltes Comedy-Drama; mit Charme, aber auch einer Überportion ‚Hollywood Ending‘.

Worum geht’s? Ein älterer Kauz spielt unfreiwillig Babysitter und Vaterersatz für den Sohn seiner neuen, frisch geschiedenen Nachbarin.

Die gute Nachricht: Bill Murray ist seine Rolle auf den Leib geschrieben, und er enttäuscht sein Publikum nicht.

Die schlechte Nachricht: Vorhersehbar geht alles einem allzu versöhnlichen Ende entgegen; darunter leidet schon auf dem Weg dorthin die Glaubwürdigkeit des Films.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Silver Linings Playbook„, „Get Low“

3/5

Kurzkritik: Wild Card

Wild Card FilmplakatThriller/Drama, USA 2014

Regie: Simon West; Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Dominik Garcia-Lorido

In aller Kürze: Solides Drama mit gekonnten Prügel-Einlagen und den üblichen Zutaten von Las Vegas-Filmen: Gangster, Callgirls, Glücksspiel. Remake von „Heat“ aus dem Jahr 1986 (mit Burt Reynolds in der Hauptrolle).

Worum geht’s? Ein Ex-Soldat und Bodyguard setzt alles auf eine Karte, um der Spieler-Metropole endgültig den Rücken kehren zu können. Das Schicksal einer Freundin und ein junger Klient hängen auch irgendwie mit drin.

Die gute Nachricht: Stilvolle Bilder und ein Hauptdarsteller, der hier mehr redet als draufhaut, aber trotzdem überzeugt. Solide Genre-Variation, gute Nebendarsteller – die Zielgruppe dürfte zufrieden sein.

Die schlechte Nachricht: Ohne jeden ‚unique selling point‘ oder tieferen Sinn – man könnte „Wild Card“ (auch in Unkenntnis des Originals) wohl als unnötig bezeichnen.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
21„, „Parker„, „Casino“

3/5