Kurzkritik: The Judge (Der Richter – Recht oder Ehre)

The Judge PosterDrama, USA 2014

Regie: David Dobkin; Darsteller: Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Fermiga, Billy Bob Thornton

In aller Kürze: Gerichts- und Familiendrama, das sich ausschließlich auf seine Hauptdarsteller verlässt und letztlich zur Moralpredigt wird.

Worum gehts? Ein Staranwalt kehrt in seine Kleinstadt-Heimat zurück, wo er seinen störrischen Vater (selbst Richter von Beruf) verteidigt, der mutwillig einen Ex-Häftling totgefahren haben soll.

Die gute Nachricht: Die Darsteller sind gut, die Inszenierung ist solide, inklusive schöner Bilder aus dem „corn belt“ der USA.

Die schlechte Nachricht: Der Film ist zu lang, die Story zu oft vorhersehbar – es fehlt an echter Spannung.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Letztlich alle John Grisham-Verfilmungen oder auch einfach „Matlock“

2/5

Kurzkritik: The Interview

The Interview FilmposterComedy, USA 2014

Regie: Seth Rogen & Evan Goldberg; Darsteller: James Franco, Seth Rogen, Lizzy Caplan

In aller Kürze: Der Hacker-Angriff auf Sony Pictures kam angeblich aus Nordkorea – weil Diktator Kim sich in dieser Klamotte (völlig zu Recht) übelst veräppelt sieht.

Worum gehts? Ein dümmlicher Showmaster und sein Produzent wollen durch ein Interview mit Kim Jong Un Geschichte schreiben; die CIA will die beiden zu Killern umfunktionieren.

Die gute Nachricht: „The Interview“ ist politisch vollkommen unkorrekt und bietet einige wirklich witzige Momente (obwohl Kim Jong Un natürlich schwer zu persiflieren ist).

Die schlechte Nachricht: Der Film erreicht nie die Klasse von „Zoolander“ und ist auch keine sonderlich treffende Medien-Satire (weil zu platt).

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„Zoolander“, „Das ist das Ende“

3/5

Meine Top-10 Filme 2014

Copyright: Indigo Films

Copyright: Indigo Films

Alle Jahre wieder ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit hier meine Top-10 für 2014. Wenn ich mir die Liste so ansehe sieht es nach einem großartigen Kinojahr aus – kam mir allerdings überhaupt nicht so vor. Liegt aber sicher auch daran, dass ich mehr denn je auf Serien ausgewichen bin.

  1. La Grande Bellezza – Die große Schönheit
  2. Gone Girl
  3. The Wolf of Wall Street
  4. The Grand Budapest Hotel
  5. Her
  6. Interstellar
  7. Boyhood
  8. Edge of Tomorrow
  9. Under the Skin
  10. Calvary

Auch gut: Predestination, The Two Faces of January, Nymphomaniac

 

Kurzkritik: I Origins

I Origins - Im Auge der Wahrheit PosterDrama/Fantasy, USA 2014

Regie: Mike Cahill; Darsteller: Michael Pitt, Brit Marling, Astrid Berges-Frisbey

In aller Kürze: Der ewige Kampf zwischen Wissenschaft und Spiritualität/Religion am ‚Beispiel‘ von tragisch-mysteriösen Erfahrungen eines jungen Naturwissenschaftlers.

Worum gehts? (Beziehungs-)Drama, in dessen Zentrum ein junger mit der Erforschung des menschlichen Auges befasster „Homo Faber“ steht, der auf ein wissenschaftlich unerklärliches Phänomen stößt.

Die gute Nachricht: Solide inszeniert und gut gespielt schafft es „I Origins – Im Auge des Ursprungs“ die recht konstruierte Handlung zu echtem Leben zu erwecken.

Die schlechte Nachricht: Die großen AHA-Momente bleiben aus, dem bekannten Thema wird keine wirklich neue Seite abgewonnen. Die unten genannten Filme sind interessantere Abhandlungen sehr ähnlicher Motive.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
Perfect Sense„, „Hereafter

3/5

Kurzkritik: The Equalizer

The Equalizer Movie PosterThriller, USA 2014

Regie: Antoine Fuqua; Darsteller: Denzel Washington, Marton Czokas, Chloe Grace Moretz

In aller Kürze: Brutaler Thriller mit Denzel Washington als gnadenlosem Racheengel.

Worum geht’s? Als eine junge Prostituierte (Moretz) von ihren Zuhältern übel zusammengeschlagen wird sinnt ihr platonischer Freund (Washington als Ex-CIA oder Special Forces oder so) auf Rache. Damit beginnt eine Spirale der Gewalt zwischen russischen Gangster, dreckigen Cops und dem allmächtigen Antihelden.

Die gute Nachricht: Das Ganze ist schick inszeniert, Denzel Washington ist wie gemacht für die Hauptrolle (die er so ähnlich schon häufiger gespielt hat), und der große Showdown im Baumarkt fetzt ziemlich.

Die schlechte Nachricht: „The Equalizer“ läuft ziemlich spannungsarm nach Schema F ab, Überraschungen sind Mangelware.

Wer diese Filme mochte kann einen Blick riskieren:
„Man on Fire“, „Colombiana„, „The November Man

3/5

Kurzkritik: A Walk Among The Tombstones

A Walk Among The Tombstones PosterThriller/Drama, USA 2014

Regie: Scott Frank; Darsteller: Liam Neeson, Dan Stevens, David Harbour

In aller Kürze: Solider, recht finsterer Thriller – kein „Liam-Neeson-haut-Terroristen-tot“-Film

Worum gehts? Ein Ex-Cop und trockener Alkoholiker (Neeson) ist im Auftrag eines Drogendealers auf der Suche nach Erpressern. Die Spuren führen ihn in eine beklemmende Halbwelt, in der auch ehemalige Kollegen eine Rolle zu spielen scheinen.

Die gute Nachricht: Gut gespielt und spannend inszeniert vermeidet „A Walk Among The Tombstones“ reißerische Töne. Liam Neeson spielt eine ernsthafte Rolle, nicht den Krawall-Opa aus den „Taken“-Filmen.

Die schlechte Nachricht: Wirklich Neues hat der Film nicht zu bieten. Und wer kein Faible für düstere Krimis hat braucht es gar nicht erst zu probieren.

Wer diesen Film mochte sollte einen Blick riskieren:
“Gone, Baby, Gone“

4/5

Filmkritik: Magic in the Moonlight

Magic in the Moonlight PosterComedy/Drama, USA/UK 2014

Regie: Woody Allen; Darsteller: Colin Firth, Emma Stone, Marcia Gay Harden

Woody Allen lässt sich auch 2014 nicht lumpen und hat einen neuen Film gedreht. „Magic in the Moonlight“ gehört zu den leichteren, man könnte sagen gefälligeren Filmen des Regisseurs. Die Handlung spielt in den 20er Jahren, in der Hauptrolle (die früher Woody höchstselbst gespielt hätte) gibt Colin Firth den Engländer Stanley, der als chinesischer Magier ‚Wei Ling Soo‘ das Publikum begeistert.

Nach einem Auftritt in Berlin bittet der befreundete Kollege Howard (Simon McBurney) Stanley um seine Hilfe. Die charmante junge Sophie (Emma Stone) gibt sich reichen amerikanischen Freunden in Südfrankreich gegenüber als „Medium“ aus, das mit dem Reich der toten in Kontakt treten kann. Weil Howard es nicht schafft, Sophie als Scharlatan zu überführen, soll der von sich selbst und den Gesetzen der Logik völlig überzeugte Stanley ran.

Es entwickelt sich ein weitgehend verbal geführtes Scharmützel zwischen den beiden, wobei es an den guten Hauptdarstellern liegt, dass „Magic in the Moonlight“ nicht allzu flach daherkommt. Das Gegenüberstellen von Stanleys bierernster Rationalität (zum Glück gewürzt mit außergewöhnlicher Eloquenz) und Sophies ‚Spiritualität‘ ist das zentrale Motiv des Films, neben der sich anbahnenden eigentlich unmöglichen Romanze zwischen den beiden.

Für gut 90 Minuten flockige Unterhaltung taugt das Paket, dass Woody Allen hier geschnürt hat, sehr gut. Durch den offensichtlich konstruierten Charakter des Geschehens (seitens des Drehbuchs und innerhalb der Handlung) lässt der Film allerdings echte Dramatik vermissen und begnügt sich mit beschwingt vorgetragenem Dialogwitz sowie ein paar nur bedingt ernst gemeinten Äußerungen zu den großen Fragen des Lebens. Insgesamt kein Fehlgriff, aber auch kein Highlight im umfassenden (Spät-)Werk Woody Allens. Für Fans dennoch eine Empfehlung.

4/5