Filmkritik: Predestination

Predestination PosterSci-Fi/Drama, 2014

Regie: Michael & Peter Spierig; Darsteller: Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor

In aller Kürze: Clevere Zeitreisen-Story im Retro-Look

Worum gehts? Ein Geheimdienst nutzt Zeitreisen, um Verbrechen vor Ihrer Entstehung zu verhindern. Ein Agent gerät bei der Jagd auf einen Bombenleger in eine komplizierte Story um Identität, Loyalität und die Paradoxa des Phänomens Zeitreisen.

Die gute Nachricht: In einem ungewöhnlichen, stimmigen Mix aus Science-Fiction und klassischem Drama entwickelt der Film einen großen erzählerischen Sog. Hervorragend gespielt von Ethan Hawke und der australischen Newcomerin Sarah Snook

Die schlechte Nachricht: Ich kann nicht garantieren, dass die Story bei (zu) genauem Hinsehen keine erheblichen Logik-Fehler aufweist.

Wer diese Filme mochte sollte einen Blick riskieren:
„Dark City“, „Donnie Darko“, „Gattaca“

4/5

[PS: Diese „neue“ Kritik-Kurzform wollte ich mal ausprobieren. Gern in den Kommentaren Feedback geben!]

Filmkritik: Boyhood

Boyhood PosterDrama, USA 2014

Regie: Richard Linklater; Darsteller: Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke, Lorelei Linklater

Man ist es bei Filmen gewohnt, dass Figuren bei Bedarf von verschiedenen Darstellern gespielt werden oder durch massig Make-up bzw. CGI jünger bzw. älter gemacht werden. In Richard Linklaters neuem Film überrascht es daher, dass alle Figuren im Laufe der elf Jahre, welche die Handlung umfasst, tatsächlich ganz natürlich altern. Der ‚Trick‘ dahinter ist keiner – der Film entstand in Etappen von 2002 bis 2013, die Schauspieler altern also ganz natürlich.

Aus dieser interessanten Herangehensweise ist ein gelungener Film entstanden, der erstaunlich natürlich daher kommt. Fast zwangsläufig hat „Boyhood“ einen dokumentarischen Charakter, doch macht er nie einen Hehl daraus, dass die Story aus einem Drehbuch stammt (auch wenn sicherlich einige Szenen und Entwicklungen eher spontan entstanden).

Linklaters Werk ist häufig geprägt von der Abwesenheit klassischer Plots („Dazed & „Confused“), auch hat er in der „Before Sunrise“-Reihe schon einmal den Faktor Zeit einfließen lassen. In „Boyhood“ erzählt er nun im positiven Sinne authentisch und unaufgeregt eine Allerweltsgeschichte von Auf- und Heranwachsen eines Jungen und seiner Familie.

Großartig gespielt – von den Laien-Darstellern wie von den Profis – ist dem Film seine lange Entstehungsgeschichte durch die entspannte Erzählweise anzumerken, die unterschiedlich lange Zeiträume in nicht näher definierten Abständen behandelt. Was nicht bedeutet, dass es keinen Spannungsbogen gäbe oder im Leben von Mason, Samantha und ihren getrennt lebenden Eltern (gespielt von P. Arquette und E. Hawke) nichts aufregendes passieren würde.

Böse Zungen können dies das längste Homevideo aller Zeiten nennen, ein nicht mal verkehrter Eindruck, den „Boyhood“ durchaus erweckt. Andere sehen (so wie ich) einen ungewöhnlichen, spannenden, nachdenklichen und recht einzigartigen Film.

5/5

Filmkritik: Interstellar [Keine Spoiler]

Interstellar PosterScience-Fiction, USA 2014

Regie: Christopher Nolan; Darsteller: Matthew McConaughey, Michael Caine, Anne Hathaway, Wes Bentley, Jessica Chastain, John Lithgow

Wenn „Gone Girl“ und „Interstellar“ einen neuen Trend verkörpern, dann bin ich absolut dafür. Denn wie zuletzt für David Finchers Film gilt auch bei „Interstellar“: je weniger man über den Plot vorher weiss, desto besser. Es kann echte Spannung aufkommen, weil die Trailer wenig bis keinen Aufschluss darüber geben. Daher werde ich hier auch nichts verraten und zwangsläufig wenig zur Handlung schreiben. Die Macher des Films haben alles richtig gemacht, denn die größte Freude bereitet bei „Interstellar“ die Neugier, wohin die Story wohl noch führen könnte – die Möglichkeiten scheinen endlos.

Die Erde steht in „Interstellar“ in einer nicht sehr fernen Zukunft am Abgrund, der Planet wird von gigantischen Sandstürmen heimgesucht. Die Nahrungsmittel werden knapp, die Regierungen sind machtlos. Der Familienvater und Witwer Cooper (McConaughey), ein ehemaliger Ingenieur und Pilot, bewirtschaftet eine Farm im ‚corn belt‘ der USA. Eine Reihe kleinerer mysteriöser Vorkommnisse führt ihn zur ‚top secret‘-Location eines Geheimprojekts, das einen Ausweg aus der Misere sucht. Mehr sollte man zur Story nicht wissen, ich kann jedoch versprechen, dass der Film seinem Namen in der Folge alle Ehre machen wird.

Elemente aus bekannten Werken des Genres (von „Armageddon“ über „2001“ bis zu „Gravity“, „Apollo 11“ und vielen anderen) werden dabei von Christopher Nolan, der gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan auch das Drehbuch schrieb, geschickt zu einer epischen Story vermischt, die freilich auch eigene gute Ideen mitbringt. Den Film als ambitioniert zu beschreiben wäre drastisch untertrieben, verhandelt werden die größtmöglichen Themen, die das Szenario (und Science-Fiction allgemein) hergeben.

Visuell beeindruckend, ohne dass die Schauwerte die Geschichte übertrumpfen würden, mit einer starken Star-Besetzung, einem wuchtigen Score (die Tonspur allein rechtfertigt fast den Gang ins Kino) und vielen überraschenden Wendungen kommt „Interstellar“ in den knapp drei Stunden Laufzeit ohne nennenswerte Längen aus. Nicht jedes Detail oder jede Erklärung mag dabei für sich stehend überzeugen. Als ganzes jedoch ist der Film ein brillantes Beispiel dafür, dass es möglich ist, große Blockbuster für ein großes Publikum zu drehen, ohne die ewig gleichen Erzähl-Schablonen zu benutzen.

5/5

PS: Ob das ganze im IMAX-Kino noch deutlich mehr Freude macht kann ich nicht beurteilen, schaden wird es aber ganz sicher nicht…

Kurzkritik: Begin Again (Can A Song Save Your Life)

Begin Again PosterDrama/Comedy, USA 2013

Regie: John Carney; Darsteller: Mark Ruffalo, Keira Knightley, Adam Levine, Hailee Steinfeld

Eine gute Story mit glaubwürdigen Figuren, einer einfallsreichen Inszenierung, guten Dialogen und bestens aufgelegten Darstellern braucht das Rad nicht neu erfinden, um zu überzeugen. Das führt „Begin Again“ vor Augen. In dem Film trifft der privat und beruflich mächtig kriselnde Musiklabel-Scout Dan (Ruffalo) auf die frisch von ihrem Rockstar-Ehemann (gespielt von Maroon 5-Sänger Adam Levine) getrennte Gretta (Knightley), die zaghafte Ambitionen und nennenswertes Talent als Songschreiberin hat. Schon der Beginn des Films, der kurz die Backstories von Beiden schildert und in ihrem ersten Treffen gipfelt, zeigt, dass der Film mit Herz und Ideen angetreten ist.

Dieses Niveau kann er dann weitgehend halten und dabei die Gefahr, in Klischees abzugleiten, fast immer umschiffen. Auch musikalisch kann „Begin Again“ überzeugen, sowohl mit gutem Songwriting als auch mit einer exzellenten Auswahl für den restlichen Soundtrack.  Letztlich ist der Film eine ‚feelgood relationship dramedy‘ wie zuletzt auch „Chef“ – anstelle der kulinarischen Köstlichkeiten hier im nicht minder spannenden Milieu der Musikszene. Da ist auch die etwas zu simpel gestrickte Darstellung der ’neuen Selbstvermarktung‘ in Zeiten des Internet am Ende locker zu verschmerzen.

4/5

Kurzkritik: The November Man

The November Man (Poster)Thriller, USA 2014

Regie: Roger Donaldson; Darsteller: Pierce Brosnan, Luke Bracey, Olga Kurylenko

Aus der Reihe „Filme, die die Welt nicht braucht“ kommt dieser Agententhriller mit Ex-Bond Pierce Brosnan in der männlichen und Ex-Bondgirl Olga Kurylenko in der weiblichen Hauptrolle. Peter Deveraux (Brosnan) ist ein Ex-Agent, der von seinem ehemaligen Chef für einen einmaligen Auftrag reaktiviert wird. Doch der Auftrag in Moskau geht mächtig schief – am Ende steht Deveraux verdutzt und mit gezogener Waffe seinem ehemaligen Junior-Partner gegenüber.

Es entwickelt sich ein solider Agentenfilm-Plot, in dem Alice Fournier (Kurylenko) eine entscheidende Rolle zukommt. Ein russischer Ex-General mit Dreck am Stecken, der in die Politik gewechselt ist, beseitig unangenehme Spuren aus seiner Vergangenheit. Alice ist der entscheidende Link zu einem besonders düsteren Kapitel darin – und westliche Geheimdienste sind daran ebenso interessiert wie der General selbst.

„The November Man“ hat alles, was zu einem soliden Film dieses Genres gehört. Er macht nichts verkehrt, aber auch nichts besonders gut. Weil einem manches doch verdammt bekannt vorkommt schwingt hin und wieder ein B-Movie-Touch mit, was dem (überschaubaren) Vergnügen jedoch keinen Abbruch tut. Brosnan hat sichtlich Freude an seiner „neuen“ Agentenrolle, die übrige Besetzung erreicht nur Mittelmaß. Insgesamt ist der Streifen nur für Fans zu empfehlen.

3/5

Filmkritik: Dawn of the Planet of the Apes

Dawn of the Planet of the Apes PosterSci-Fi/Action, USA 2014

Regie: Matt Reeves; Darsteller: Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell

Ich bin ein großer Fan des ersten Teils dieses Neustarts der „Planet der Affen“-Serie. Die Erwartungen an die Fortsetzung waren natürlich entsprechend hoch. Erfüllt wurden sie leider nicht bzw. nur bedingt. Die Reihe bleibt sich immerhin treu und setzt auf Drama und Charaktere, wo man Raumschiffe und Spektakel erwarten könnte. Doch letztlich fühlt sich der Film nicht glaubwürdig an – vielleicht kann er das auch gar nicht sein.

10 Jahre nachdem Ceasar mit seinen ‚Kollegen‘ aus dem Labor geflohen ist, hat ein Virus die Menschheit derbe dezimiert. Die Affen – offensichtlich immun gegen die todbringende Krankheit – haben sich im Wald bei San Francisco ihr eigenes Reich errichtet. Den letzten menschlichen Bewohnern der Stadt geht derweil in ihrer Festung langsam der Strom aus. Bei der Suche nach alternativen Energiequellen stoßen sie auf ein abgelegenes Wasserkraftwerk und kommen damit den Affen in die Quere…

Als Laie kann ich nicht sagen, ob die Entwicklung der Affen (sie „sprechen“ miteinander, beherrschen die englische Sprache auf dem Level von 3-jährigen und verstehen intuitiv wie Schusswaffen funktionieren) tendenziell realistisch – was immer das heißen könnte –dargestellt wird oder völliger Quatsch ist. Überzeugen konnte sie mich nicht, obwohl mir bewusst war, dass hier ein „Leap of Faith“ seitens des Publikums Grundvoraussetzung ist.

Gelungener ist da schon das Portrait der Menschen, die in ihrer Panik von „Schwarmintelligenz“ weit entfernt sind und weitgehend als blinder und verängstigter Mob dargestellt werden. Das ist zumindest im Sinne des Szenarios so schlüssig. Die Tricks erreichen durchaus das Niveau des Vorgängers, auch die menschlichen Charaktere (allesamt neu, die alte Crew hatte wohl keinen Vertrag für ein Sequel) können sich durchaus sehen lassen.

Der Plot kreist um die mühsamen Annährungsversuche zwischen den beiden Spezies, die auf beiden Seiten durch massive Störfeuer aus den eigenen Reihen torpediert werden. Im Finale kommt es dann zum absehbaren Kampf um die Vorherrschaft unter den verbliebenen Erdbewohnern (allerdings hier noch nicht auf globaler Ebene), die Inszenierung ist dabei gut gelungen. Als mittlerem Teil (mindestens ein weiterer Film ist geplant) kommt dem Film hier eine etwas undankbare Rolle zu. Die Prämisse wird fast komplett im Vorspann erklärt, das Finale ist kein wirklicher Schluss, und das zentrale Drama kann als eigene „Haupt-Attraktion“ nicht so recht überzeugen. Kein Grund, der Reihe den Rücken zu kehren, aber eben doch eine Enttäuschung.

3/5