Kurzkritik: The One I Love

The One I Love FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Charlie McDowell; Darsteller: Elisabeth Moss, Mark Duplass, Ted Danson

Obwohl ansonsten überhaupt nicht  vergleichbar mit David Finchers „Gone Girl“ gibt es eine große Gemeinsamkeit – man sollte möglichst nichts über den Plot des Films (über die ersten 15 Minuten hinaus) wissen. Ethan und Sophie (Duplass und Moss) haben Eheprobleme, die sie beim Paartherapeuten zu lösen versuchen. Dieser rät Ihnen zu einem Wochenend-Ausflug in ein idyllisches Ferienhaus, wohin sich die beiden prompt aufmachen.

Es entwickelt sich nun ein Beziehungsdrama, allerdings eines, in dem die Rollen nicht so richtig klar verteilt sind. „The One I Love“, so viel darf ich verraten, geht in Richtung Charlie-Kaufman-Territorium, will sagen „Vergiss Mein Nicht“, „Adaption“ oder auch „Being John Malkovich“ lassen grüßen. Stark gespielt und geschickt inszeniert ist der Film kein reines Kopfkino und keine bloße Stilübung, sondern eine im besten Sinne interessante Variation der filmgewordenen Beziehungskrise.

4/5

Kurzkritik: Wish I Was Here

Wish I Was Here FilmposterDrama/Comedy, USA 2014

Regie: Zach Braff; Darsteller: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin

„Scrubs“-Star Zach Braff hat vor zehn Jahren mit „Garden State“ einen bittersüssen ‚Coming of Age‘-Film gedreht, der mir großen Spaß gemacht hat. Nun meldet er sich mit dem per crowd funding finanzierten „Wish I Was Here“ zurück, der von ganz ähnlicher Machart ist, aber weniger überzeugen kann. Er spielt darin den erfolglosen Schauspieler Noah Blooms, der sich mit Mitte 30 der traurigen Gewissheit stellen muss, dass sein Leben so nicht weitergehen kann.

Während der Indie-lastige Soundtrack und die Dialoge überzeugen fehlt es dem Drehbuch und auch den Figuren an innerer Logik. Es ist zwar unterhaltsam, dem Treiben zuzusehen, aber nimmt es nie so richtig ernst. Braffs zentrale, von ihm selbst gespielte Figur ist – trotz einiger sympathischer Züge – nicht glaubwürdig. Das ganze Anfangsszenario scheint mir unplausibel.

Das bedeutet keinesfalls, dass „Wish I Was Here“ nicht ein paar starke Momente hätte oder insgesamt schlecht gemacht wäre. Mitfühlend und mit nachdenklichen Untertönen blickt er auf ein kompliziertes (gibt es unkomplizierte?) Familienleben. Vielleicht ist die Planlosigkeit wie schon bei „Garden State“ einfach Teil des Plans – passt aus meiner Sicht aber weniger gut ins Bild.

3/5

Die 10 besten Fernsehserien der letzten 25 Jahre

Falls es nicht offensichtlich (genug) sein sollte – es handelt sich hier um meine persönlichen Serien-Favoriten, aus Spaß an der Freude zusammengestellt. Die erste Fassung dieser Liste von 2010 (findet sich hier) ist damit also offiziell abgelöst.

1. Twin Peaks
Immer noch die Mutter aller modernen, anspruchsvollen Fernsehserien. War seiner Zeit weit voraus und wird passenderweise 2016 sogar fortgesetzt.

2. The Sopranos
Herrliche Prämisse, nahezu perfekte Umsetzung und Entwicklung. David Chase entzaubert den Hollywood-Glamour von US-Mafiosi mit Humor und großartigen Figuren.

3. The Wire
Scharfe Gesellschaftskritik und extrem vielschichtig. Von einer ‘Krimiserie’ zu sprechen wäre blanker Hohn. “The Wire” deckt mit schonungslosem Blick die sozialen Probleme von US-Großstädten auf.

4. 24
Ich habe zwar nur die ersten drei Staffeln gesehen, aber darin hat “24” gezeigt, dass mutige Fernsehserien Erfolg haben können (und Ex-Kinostars im Fernsehen neu anfangen können).

5. Mad Men
Am Anfang fast zu elegant und bedächtig erzählt fasziniert “Mad Men” seit Jahren durch die vielen starken Charaktere und den entlarvenden Blick auf die USA in den 60ern.

6. Breaking Bad
Aus dem bizarren “Chemielehrer-wird-zum-Drogengangster”-Setting entwickelt sich eine ungemein spannende, finster eskalierende Thriller-Serie mit ganz großem Finale.

7. Game of Thrones
Als Fantasy-Freund kann ich mich nicht bezeichnen, aber die große erzählerische Wucht, die unzähligen, zum Teil großartig geschriebenen Figuren und nicht zuletzt die herrlichen Dialoge haben mich zum Fan gemacht.

8. Bored to Death
Die einzige Comedy-Serie, die in der Neufassung dieser Liste überlebt hat. Aus welchem Grund? Sie ist und bleibt die witzigste!

9. Dexter
Trotz miesem Finale eine große Show, die in stärkerem Maße als je zuvor ein Monster zum Helden macht – und damit durchkam. Eigentlich beängstigend, aber eben auch verdammt witzig.

10. Sherlock
Die BBC hat die alte Spürnase Holmes samt kongenialem Watson in die Gegenwart verfrachtet. Modern, witzig, spannend und reich an erzählerischen Ideen.

Auch gut: True Detective, Homeland, Justified, John from Cincinatti, Flight of the Concords, House of Cards, Treme, Californication, Veronica Mars, Arrested Development, Ray Donovan, Boardwalk Empire

Bevor jemand sie in den Kommentaren vermissen kann, diese Serien habe ich (noch) nicht gesehen: Six Feet Under, Masters of Sex, Deadwood, Downton Abbey (und viele andere)

Kurzkritik: Automata

Automata PosterSci-Fi, Spanien/Bulgarien 2014

Regie: Gabe Ibanez; Darsteller: Antonio Banderas, Robert Forster, Dylan McDermott

So gut ich es finde, dass man sich auch in Europa mal an das Sci-Fi-Genre herantraut, kann ich doch über „Automata“ nicht viel positives vermelden. Der Film bedient sich kräftig bei bekannten Stoffen (vor allem bei „Blade Runner“) und hat durchaus eigene Ideen – aber trotz einiger ganz ordentlicher Teile ist das entstandene Ganze äußerst unrund geraten.

Dass die Effekte kein Blockbuster-Niveau erreichen ist dabei noch das kleinste Problem. Vor allem mangelt es an einer guten Story, die man sich innerhalb der nicht uninteressanten Welt von „Automata“ durchaus hätte vorstellen können. Düster und trostlos geht es lange daher, aber ohne überzeugenden roten Faden. Der erzählerische Funke springt einfach nie über. Dass es dann am Ende gar noch etwas kitschig wird ist geradezu ärgerlich.

2/5

Filmkritik: Gone Girl

Gone GirlDrama/Thriller, USA 2014

Regie: David Fincher; Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Kim Dickens, Carrie Coon, Tyler Perry, Patrick Fugit

Es ist nicht ganz einfach, über „Gone Girl“ zu schreiben, ohne dem werten Leser zuviel zu verraten. Ganz einfach dagegen ist die Frage zu beantworten, ob ich den auf dem gleichnamigen Roman von Gillian Flynn basierenden Film empfehlen kann – ja. Sehr sogar.

„Gone Girl“ eröffnet mit dem Verschwinden von Amy Dunne (Pike) aus einer Kleinstadt in Missouri. Am fünften Hochzeitstag mit Ehemann Nick (Affleck) deutet im Hause der Dunnes vieles auf eine Entführung hin. Nick kooperiert mit den ermittelnden Cops, während Amys Eltern aus New York anreisen und einen großen „Findet Amy“-Zirkus veranstalten, inklusive Fernsehberichterstattung und groß angelegten Such-Aktionen.

In Rückblenden erzählt der Film parallel die Geschichte von Amys und Nicks Ehe. Hier lässt „Gone Girl“ das Publikum wissen, dass etwas im Argen liegt, gibt aber nicht genug Informationen preis, als das man sich einen kompletten Reim draus machen könnte. In der Gegenwart schreitet die Story indes mit zahlreichen Wendungen und Wechseln der Erzählperspektive voran.

Welche dramaturgischen Haken der Film schlägt kann hier natürlich nicht verhandelt werden. Je weniger man über die Story weiss, desto mehr Vergnügen dürfte „Gone Girl“ bereiten. Regisseur David Fincher und seinen Autoren gelingt es, eine spannende Atmosphäre innerhalb eines realistischen Szenarios zu schaffen. Was aber wiederum nur der Ausgangspunkt ist für ein ambitioniertes Drama, das sowohl über zwischenmenschliche wie auch gesellschaftliche Themen einige zugespitzte Beobachtungen anstellt und diese kräftig mit Elementen aus dem Horror- und Satire-Genre würzt. Die Vielschichtigkeit der Erzählung rechtfertigt dabei jederzeit die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit.

Finchers souveräne, dynamische Inszenierung ist punktgenau auf die Darsteller abgestimmt. Affleck spielt glaubhaft den bodenständig-charmanten Normalo, während Pike ihre ungleich komplexere Rolle der Ex-Society-Schönheit „Amazing Amy“ nuanciert ausfüllt. Eine große Stärke des Films ist auch die Besetzung der Nebenrollen, hier glänzen vor allem Kim Dickens und Patrick Fugit als Ermittler, Carrie Coon als Nicks Schwester, Neil Patrick Harris als Amys steinreicher Verflossener, Tyler Perry als Star-Anwalt und Scoot McNairy in einer so kurzen wie großartigen Schlüsselszene.

5/5

Filmkritik: Sin City – A Dame To Kill For (2D)

Sin City A Dame To Kill ForFantasy/Action, USA 2014

Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller; Darsteller: Josh Brolin, Eva Green, Mickey Rourke, Jessica Alba, Joseph Gordon-Levitt

Die gute Nachricht ist diese: Wer „Sin City“ wegen der Stimmung, der Effekte und den finsteren Gestalten mochte, der wird auch diese Fortsetzung mögen. Die weniger gute Nachricht: „A Dame To Kill For“ erreicht erzählerisch nicht das Niveau des ‚Originals‘ und bringt keine sonstigen Ideen neu ins Spiel. Die gnadenlose, düstere Welt von „Sin City“ ist dieselbe geblieben, auch viele Figuren treten erneut wieder auf.

Brutalinski Marv (M. Rourke) eröffnet den Film, der auf bekannte Weise vier Geschichten miteinander verwebt. Die längste und beste davon erzählt von Dwight (im ersten Teil von Clive Owen gespielt, hier in der Timeline DAVOR angesiedelt und mit Josh Brolin besetzt) und seiner schönen Ex-Freundin Ava (Eva Green), die „Dame To Kill For“ des Titels. Neu dabei ist der Glücksspieler Johnny (J. Gordon-Levitt), der sich mit dem übermächtigen Senator Roarke anlegt, zudem nimmt der Film den Faden von Stripperin Nancy (J. Alba) wieder auf, die eine lange offene Rechnung begleichen will.

Der Ton wird wie gewohnt bestimmt durch lakonische Off-Kommentare, von kräftigen Blutspritzern (teilweise eher Blutfontänen) durchbrochenen Schwarz-Weiss-Bildern, viel Reizwäsche und nackter Haut (Eva Green stellt einen persönlichen Nackigkeits-Rekord auf, was etwas heissen will), die krass stilisierten Actionszenen und äußerst brutale Gewalt-Orgien.

Dass dies alles nicht mehr neu ist, bedeutet nicht, dass es nicht noch einmal funktionieren würde. Rodriguez gelingen einige virtuose Szenen, die sich hinter dem Vorgänger nicht verstecken müssen. Die Stories ergeben allerdings kein so gelungenes Gesamtbild, was jedoch das Vergnügen (zumal für Fans des Stoffes) nur leicht schmälert.

4/5