In aller Kürze: „God’s Pocket“ und „Maps to the Stars“

Um es kurz zu machen habe ich mich auf beide Filme ziemlich gefreut. „God’s Pocket“ ist ein Drama mit dem großartigen Philip Seymour Hoffmann in einer seiner letzten Rollen, „Maps to the Stars“ ist der neue Film von David Cronenberg, dessen „Cosmopolis“ zuletzt eine ziemliche Enttäuschung war.

God’s Pocket“ beginnt mit einem Todesfall, der das Leben einer Reihe von Personen in einer kleinen Arbeiter-Nachbarschaft in Philadelphia durcheinander wirbelt. Das Regiedebut von „Mad Men“-Star John Slattery ist hochkarätig besetzt (neben Hoffmann sind Christina Hendricks, John Turturro und Richard Jenkins dabei), bietet aber in seiner düsteren Story wenige bemerkenswerte Szenen und hinterlässt keinen wirklich bleibenden Eindruck. Kein schlechter Film, hat man aber alles schon mal sehr ähnlich gesehen.
3/5

Mit „Maps to the Stars“ wagt sich Cronenberg ans Genre der „Hollywood-über-Hollywood“-Filme, eher von der dramatischen als von der satirischen Seite. Wobei die Grenzen da fließend sind und ohnehin eine Frage der Interpretation. Die Familie eines Kinderstars (John Cusack, Olivia Williams) wird von ihrer finsteren Vergangenheit eingeholt, eine alternde Schauspielerin (Julianne Moore) sucht verzweifelt nach der richtigen Rolle für das große Comeback, die Ankunft einer jungen Unbekannten in der Stadt ist mit allem rätselhaft verbunden. Der Blick auf die Charaktere in dem betont schmucklos inszenierten Film ist scharf und gnadenlos. „Maps to the Stars“ mag insgesamt ein realistisches Gesellschaftsportrait sein – sich das anzusehen ist allerdings ein recht zähes Vergnügen.
3/5

Filmkritik: Edge of Tomorrow (2D)

Edge of Tomorrow PosterAction/Sci-Fi, USA/Australien 2014

Regie: Doug Liman; Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson

Gute Actionfilme sind verdammt selten, weil es schwierig ist, Spektakel und Story in Einklang zu bringen. Die größten Explosionen und Schießereien langweilen schnell, wenn Plot und Figuren unzureichend entwickelt werden. Genau diese Balance gelingt “Edge of Tomorrow” von Regisseur Doug Liman (“Swingers”, “The Bourne Identity”) ganz hervorragend.

“Saving Private Ryan” trifft “Groundhog Day” trifft modernes “Alien Invasion”-Spektakel – so lässt sich der Film zusammenfassen. Allerdings hätte genau diese Mixtur auch krass daneben gehen können, wenn die Idee(n) dahinter und die Ausführung weniger gut gewesen wären. Die Prämisse des Films ist folgende: Aliens haben die Erde angegriffen und Europa benahe komplett erobert. Nach überwundenem Schock über den Angriff haben ‘Vereinigte Streitkräfte’ der restlichen Nationen den Kampf angegenommen.

Tom Cruise spielt den US-amerikanischen Major Cage, der unvermittelt an die Front geschickt wird, obwohl er eigentlich als medienwirksamer Charmeur für die Außendarstellung und Rekrutierung zuständig ist. Cage gerät in eine Zeitschleife und erlebt den Angriff (quasi eine Neuauflage der Landung an der Normandie, mit Aliens statt Nazis als Gegner) immer wieder neu. Sobald er stirbt geht es von am Tag vor dem Angriff von vorne los. Bald gewinnt er die toughe Soldatin Rita (Emily Blunt) als Gefährtin, gemeinsam suchen sie nach einem Weg, den Krieg gegen die Aliens (extrem schnelle, Oktopus-aus-Metall-artige Viecher) im Sinne der Menschheit zu entscheiden.

“Edge of Tomorrow” beginnt wie ein Ego-Shooter, bei dem man ständig abnippelt und denselben Level neu anfängt – doch dann zeigen die Macher, dass sie die Stärken des Szenarios auch hinsichtlich der Story erkannt haben. So entwickelt sich ein actionreiches, ausreichend plausibles und äußerst unterhaltsames Action-Spektakel, welches dazu – im Rahmen des für Mainstream-Hollywood möglichen – echte Spannung und Eigendynamik entwickelt.

Tom Cruise ist hier genau richtig besetzt, als charismatischer (anfangs recht unsympathischer) Held wider Willen kommen seine Stärken zur Geltung. Emily Blunt nutzt die Gunst der Stunde, das Potential einer gut geschriebenen weiblichen Actionheldin zu entfalten. Die Spezialeffekte sind gut, müssen aber – wegen des guten Drehbuchs – nicht alleine den Tag retten. “Edge of Tomorrow” zeigt, wie man einen Haufen bekannter Motive und Ideen moderner Action- und Sci-Fi-Filme so miteinander in Einklang bringt, dass am Ende ein sehenswerter Actionfilm herauskommt, der nicht die Intelligenz des Publikum beleidigt. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach viel, ist aber im besten Sinne genug.

4/5

In aller Kürze: „Life of Crime“, „The Leftovers“

Als Fan von Kultkrimi-Autor Elmore Leonard („Get Shorty“, „Out of Sight“) kann ich sagen, dass „Life of Crime“ ein gelungener Film geworden ist. Der Plot kreist um Gelegenheits-Gangster, die bei ihrem ersten Kidnapping schnell an ihre Grenzen stoßen. John Hawkes und Mos Def geben die Entführer, Jennifer Aniston das Opfer, Tim Robbins den Ehemann – der nicht im Traum daran denkt, das Lösegeld zu bezahlen. Dazu kommen einige witzige Nebenfiguren, vorgetragen wird die Story in für eine Leonard-Adaption passendem, lakonischen Ton. Kein großer Wurf, aber für Freunde charmanter Krimi-Komödien locker einen Blick wert.
3/5

Serientechnisch kann ich „The Leftovers“ empfehlen, wobei hier nur jene zugreifen sollten, die mit offenen Enden und großem Interpretationsspielraum keine Probleme haben. Die betont emotionale Story kreist um das mysteriöse Verschwinden von 2 Prozent der gesamten Weltbevölkerung (in der Serie als „sudden departure“ bezeichnet). Genauer von denen, die dabei Angehörige und Freunde verloren haben und von dem unerklärlichen Verlust in schwere Trauer bis Verzweiflung gestürzt wurden.

Am Beispiel einer Kleinstadt im Bundesstaat New York entwickelt sich die Geschichte gemächlich und nimmt sich Zeit für die Charaktere. Angesichts der oft rätselhaften bis ziellosen und unheimlichen Episoden kam Kritik an der Serie auf. Es gäbe keine plausible Story, man bediene sich des ins Nichts führenden „immer-wilder-immer-weiter“-Effekts von „Lost“ (dessen Autor hier als Produzent agiert). Doch ich finde, dass „The Leftovers“ ein starkes Szenario bietet, dass im positiven Sinne interessant und mit einigen cleveren Ideen und Anspielungen daherkommt. Hier gibt es keinen mehrheitsfähigen Mystery-Stoff, sondern einen ruhigen, zum Teil auch verstörenden Blick auf eine ungewöhnliche (Ausgangs-)Situation. Das Finale der ersten Staffel hat mir gefallen – ich freue mich auf die nächste Runde…

Filmkritik: X-Men – Days of Future Past

X-Men - Days of Future Past PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: Bryan Singer; Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Jennifer Lawrence, Michael Fassbender, James McAvoy, …

Im „X-Men“-Universum war zuletzt einiges los. Während die beiden „Wolverine“-Filme eher blass blieben gelang mit „First Class“ ein gelungenes Prequel. Nun setzt Bryan Singer, Regisseur der starken ersten beiden Filme, mit „Days of Future Past“ zum Versuch an, die alte mit der neuen Crew zusammenzuführen.

Im Kino, erst recht im Fantasy/SciFi-Genre hat es nie einen schöneren Weg gegeben, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden, als die Zeitreise. Eine solche steht im Zentrum des Plots, denn die „X-Men“ stehen anno 2023 ebenso wie die Menschheit kurz vor der Vernichtung. Maschinen, die einst die Menschen vor den Mutanten beschützen sollten, sind kurz davor, Magneto, Professor X, Storm und Co endgültig das Lebenslicht auszuknipsen.

So macht sich also Wolverine (trotz der mittelmäßigen Filme besteht offenbar Einigkeit, dass er die ‚beste‘ Figur ist) auf ins Jahr 1973, um dort entscheidende Ereignisse im Sinne der X-Men zu beeinflussen. Erstmal muss er dazu allerdings den jungen Prof. X aus einer tiefen Sinnkrise und Magneto aus einem Höchstsicherheitsgefängnis befreien, während seine Kollegen in der Zukunft ein letztes Aufbegehren zustande bringen.

Weil „Days of Future Past“ beim Casting der jungen Garde ebenso wie weitgehend beim Casting der Original-Crew gute Arbeit geleistet hat, kann sich der Film auf seine starken Schauspieler verlassen. Das Drehbuch ist ebenfalls gut, auch wenn der Plot letztlich nichts besonderes ist und um sich selbst kreist. Insgesamt bleibt es (zum Glück) auch dabei, dass die X-Men trotz einiger Spritzer Humor eher zu den „ernsten“ Superhelden“ gehören.

Dynamik, Effekte, Spannung und dramatische Szenen verbindet Regisseur Singer zu einem ausgeglichenen Ganzen, das über die komplette Laufzeit hervorragend zu unterhalten vermag. Ein bißchen schade ist es dennoch, dass bei der Reihe mit dem dritten Teil und den planlosen „Wolverine“-Filmen ein Stück weit der Faden gerissen ist, aber in dieser Formation gelingt ihnen vielleicht auch storytechnisch noch ein großes Comeback – zu sehen gibt es das dann angeblich um 2016 herum in „X-Men: Apocalypse“.

4/5

Filmkritik: Guardians of the Galaxy (3D)

Guardians of the Galaxy PosterAction/Fantasy, USA 2014

Regie: James Gunn; Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Lee Pace

[Kritik wie immer bei Comicverfilmungen ohne jede Kenntnis der Vorlage geschrieben.]

Meine grundsätzliche Superhelden-Verdrossenheit dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Es sind Filme wie „Guardians of the Galaxy“ die verhindern, dass nicht ein echter „Superhelden-Sperrvertrag“ draus wird. Nicht, dass der Film dem Genre neues Leben einhauchen würde, neue CGI-Maßstäbe setzte oder gar ernsthaft etwas zu erzählen hätte (im Gegenteil – die Story ist total geschenkt). Aber charmant ist der Film geworden, außerdem witzig und kurzweilig.

Der Ton des Films ist von Anfang an humorvoll, auch wenn es mit einem Trauerfall losgeht. Der kleine Peter Quill verliert seine Mutter und wird danach direkt mal von Aliens entführt. Gut 20 Jahre später turnt Peter als „Starlord“ durch die Galaxie, ein Abenteurer a la Han Solo, den aber niemand so recht ernst nehmen will (und den auch niemand „Starlord“ nennen mag). Das ändert sich langsam, als er auf einem einsamen Planeten den MacGuffin, äh ich meine die mysteriöse Metallkugel „Orb“, findet. Zurück auf seinem Heimatplaneten ist plötzlich die schöne Kriegerin Gamora hinter der Kugel her, und auch das galaktische Außenseiter-Duo Groot und Rocket (eine Baum-ähnliche Kreatur und ein sprechender Waschbär) steigen in den Kampf mit ein.

Am Ende haben sie alle Pech und landen gemeinsam im Hochsicherheitsgefängnis, aus dem sie natürlich schnurstracks wieder ausbrechen wollen. Der Plot kreist dann im wesentlichen darum, besagte Zauberkugel zurück zu erobern und nicht in die Hände eines Bösewichts fallen zu lassen der (gähn!) mit Hilfe der Kugel die ganze Welt unterjochen will, weil…, ja weil Bösewichter, die aussehen wie Darth Vaders Halbbruder, halt so ticken. Ist auch egal.

Denn zum Glück gelingt es, mit viel Humor und Ideen, hohem Tempo, den liebevoll geschriebenen und gut gespielten (bzw. animierten) Figuren und reichlich Schauwerten ein überzeugendes, buntes Spektakel abzufackeln, das letztlich über die kaum vorhandene Story hinwegtröstet – sofern man eine erwartet hatte. Ein bisschen kommen die „Guardians of the Galaxy“ wie eine Mischung aus „Star Wars“ und „Watchmen“ daher, eine Weltraum-Seifenoper in weniger cleanem Look als sonst üblich. Aber doch locker für die große Masse und (fast) jede Altersklasse geeignet. Dass hierzu Kompromisse nötig waren ist klar. So ist der Film dann auch kein Meisterwerk, aber starkes Entertainment.

4/5

PS: Habe den Film in 3D gesehen und war recht angetan von den Effekten. Eher weniger von der Action (die kommt oft ziemlich Computerspiel-mäßig daher), aber doch von der Gesamtanmutung. Und zu dunkel schien es mir auch nicht zu sein. Wichtiger für das Vergnügen sind aber Charakter und Dialoge, daher kann man sicher auch in 2D Spaß haben…

Filmkritik: The Two Faces of January

The Two Face of January PosterDrama/Thriller, USA/UK/FR 2014

Regie: Hossein Amini; Darsteller: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac

„The Two Faces of January“ erinnert nicht zufällig an „The Talented Mr. Ripley“ – beide basieren auf Romanen von Patricia Highsmith, beide handeln von US-Amerikanern in Europa, die Story beginnt hier anno 1962 in Athen. Rydal (Oscar Isaac aus „Inside Llewyn Davis), Yale-Absolvent und Sohn eines kürzlich verstorbenen Harvard-Professors, arbeitet dort als Reiseführer, der sich wo er kann ein paar Scheine dazu verdient. Gerne durch den zu seinen Gunsten gezinkten Wechsel von Dollars in Drachmen.

Rydal trifft auf das glamourös auftretende Ehepaar Chester und Colette MacFarland (Mortensen/Dunst), die es sich in Europa gut gehen lassen. Bald stecken die drei ‚Expatriots‘ gemeinsam in der Klemme, weil die MacFarlands unverhofft von Chesters zwielichtigen Investmentgeschäften eingeholt werden. Hier wird „The Two Faces of January“ zum Roadmovie, dessen erste Etappe die Fähre nach Kreta ist, wo es bald mit dem Bus weiter geht.

Die Spannung in der Story rührt in erster Linie von den Charakteren her. Rydal und Colette sind offensichtlich voneinander angezogen, doch wer in dem Beziehungsdreieck wem – wenn überhaupt – vertrauen kann ist bestenfalls unklar. Den Blick auf die wahren Motive und Loyalitäten gibt der Film nur langsam frei. Die äußere Spannung entwickelt sich ebenfalls gemächlich. Anfangs scheint die Dreierbande ihren Verfolgern bequem zu entkommen, doch ihr Verhalten – nicht zuletzt aufgrund der inneren Spannungen – legt ihnen langsam aber sicher eine Schlinge um den Hals.

Im Vergleich mit „The Talented Dr. Ripley“ fällt der Film von Hossein Amini etwas ab, schon weil er weniger Kniffe, Überraschungen oder interessante Nebenfiguren enthält. Doch die starken Darsteller, das absolut intakte Gefühl der Inszenierung für die Figuren und die sehenswerten, sonnendurchtränkten Bilder (ein schöner Kontrast zur zunehmend düsteren Story, die einem Kammerspiel gleicht) reichen für spannende und überzeugende Unterhaltung, wie es sie im Kino heutzutage viel zu selten gibt. „The Two Faces of January“ ist ein gutes Beispiel für eine Story, die in gut 90 Minuten erschöpfend zu Ende erzählt werden kann, ohne dass sie deshalb seicht oder gehetzt daher käme.

4/5