Kurzkritik: Calvary (Am Sonntag bist Du tot)

Calvary FilmposterDrama, Irland/UK 2014

Regie: John Michael McDonagh; Darsteller: Brendan Gleeson, Kelly Reilly, Aidan Gillen

Düsteres Drama mit komödiantischen Zwischentönen und großartigen Darstellern, allen voran Brendan Gleeson. Ein Priester einer kleinen irischen Gemeinde am Meer, der von einem Unbekannten mit dem Tode bedroht wird, steht im Zentrum eines als Mikrokosmos angelegten Gesellschaftsportraits. Glaube, Trauer, Vergebung, Rache, Hoffnung – die Handlung und ihre Figuren kreisen um große Themen, der Film ergeht sich in zahllosen Anspielungen an die Bibel (der Originaltitel ist nur eine davon). Dass er trotz des unübersehbaren Gleichnis-Charakters auch emotional überzeugen kann und nicht (nur) als verkopftes Lehrstück daher kommt, ist die große, positive Überraschung von „Calvary“.

4/5

Filmkritik: The Zero Theorem

The Zero Theorem PosterSci-Fi/Drama, USA/Rumänien/Frankreich/UK 2013

Regie: Terry Gilliam; Darsteller: Christoph Waltz, Melanie Thierry, David Thewlis, Matt Damon, Tilda Swinton

In der nicht allzu fernen Zukunft oder Parallelwelt von „The Zero Theorem“ sieht es aus, wie es nur bei Terry Gilliam aussehen kann. Der technische Fortschritt ist dem aktuellen Stand einerseits weit voraus (Virtual Reality, interaktive Werbebanden in der ganzen Stadt); andererseits ist vieles in bizarrer Retro-Optik gehalten, wie etwa ein gigantisches Rechenzentrum, Hamsterrad-ähnliche Arbeitsplätze oder die herrlich schrillen Klamotten.

In dieser Welt fristet Computer-Experte Qohen Leth (C. Waltz) sein einsames Dasein. Als Angestellter bei der allmächtigen „ManCom“ ist er von seiner Arbeit genervt, zuhause – Qohen wohnt in einer alten Kirche – wartet er wie besessen auf einen obskuren Anruf, der ihm die Bedeutung seiner Existenz erklärt. Auf sein wiederholtes Drängen erklärt sich Management (verkörpert von Matt Damon) bereit, Qohen ins Home Office zu entlassen – wenn er dort am Projekt „Zero Theorem“, einer ziemlich endlosen Gleichung, arbeitet.

Parallel tritt die schöne Bainsley (M. Thierry) in Qohens Leben, die er bei einer Party kennenlernt und irgendwie nicht wieder los zu werden scheint. Weitere handelnde Personen sind Managements hochbegabter Sohn Bob, Qohens Vorgesetzter Joby (D. Thewlis) und Tilda Swinton als ‚Dr. Shrink-Rom‘, einer Psychiater-Software, mit der Qohens Depressionen und Ängste behandelt werden sollen.

Terry Gilliam hat „The Zero Theorem“ im britischen ‚Guardian‘ als Abschluss einer dystopischen Satire-Trilogie bezeichnet (deren erste Teile „Brazil“ und „12 Monkeys“ waren). Hier geht es ihm eindeutig um Kritik an der fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags und des damit einhergehenden Verlusts von echter zwischenmenschlicher Nähe und wahren, analogen Erlebnissen.

Zum Glück für all jene, denen Gilliams Filme nicht ohnehin immer zu wild und irre waren, gibt es in „The Zero Theorem“ unzählige skurrile Ideen und Einfälle, in denen Gilliam seine Ansichten verpackt. Handlung, Set-Design, Spezialeffekte und Schauspieler greifen wunderbar ineinander in einem Film, der weder Komödie noch Drama noch Science Fiction ist, sondern eine ganz eigene, verschrobene Symbiose dieser Genres.

4/5

Filmkritik: Noah

Noah FilmposterAbenteuer/Fantasy/Drama, USA 2014

Regie: Darren Aronofsky; Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Emma Watson, Ray Winstone

Als die ersten News die Runde machten, dass „Requiem for a Dream“-Regisseur Aronofsky einen Film über die Arche des biblischen Noah dreht, fand ich das im positiven Sinn interessant. Ins Kino bin ich für den Film dann aber nicht gegangen, so groß war die Neugier nicht – nun habe ich mir das ganze also mit Verspätung zuhause angesehen.

Da ich weder gläubig noch aus anderen Gründen sonderlich bibelfest bin kann ich nur mutmaßen, dass „Noah“ keine sehr wortgetreue Nacherzählung geworden ist. Zumindest waren für mich folgende Elemente eher überraschend: a) versteinerte, an Noahs Seite kämpfende Riesen-Engel b) eine epische Schlacht um Zugang zur Arche und c) ein auf der Arche stattfindender dritter Akt.

Bildgewaltig ist Arofonskys allemal geworden, sowohl die Tricks (alle Tiere sind komplett durch CGI entstanden) als auch die Kostüme (eher „Braveheart“ als „Ben Hur“) haben mich überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist einmal mehr Russell Crowe, dessen Figur im Film keine einfache Heldenfigur geworden ist.

Die Menschen haben die Erde durch Raubbau und Gier an den Rand der Zerstörung gebracht; nur der Clan von Noah verweigert sich. Der sieht eine Katastrophe kommen und wähnt sich auserwählt, Gottes Schöpfung (mit Ausnahme der menschlichen Rasse) vor der kommenden Sintflut zu retten. Den ersten Teil davon kann und soll man sicherlich (auch) als kritisches Gleichnis zur heutigen Zeit verstehen – doch der Rest der Story eignet sich absolut nicht für derartige Interpretationen. Zumindest haben sich meinem atheistischen Geist keine aufgedrängt.

Als Ganzes ist „Noah“ ein recht zähes Unterfangen. Die Mischung aus großem Fantasy-Spektakel und der (aus meiner Laien-Sicht) düsteren und langgezogenen Interpretation der Arche will nicht so recht aufgehen. Der Versuch, auf der Leinwand alttestamentarische Wucht zu entfalten und gleichzeitig einen modernen Kinofilm für ein großes Publikum zu machen, scheitert. Was aber nicht bedeutet, dass sich der Film nicht durchaus lohnen würde – er bietet durchaus beeindruckende Schauwerte und gute Darsteller.

Spannender als „Noah“ habe ich letztlich die Wikipedia-Einträge zu den Eigenheiten und Interpretationen der Geschichte in Christen-, Judentum und Islam gefunden. Aber ohne den Film hätte ich die sicher nicht gelesen.

3/5

Filmkritik: Transcendence

Transcendence PosterSci-Fi/Thriller, USA 2014

Regie: Wally Pfister; Darsteller: Johnny Depp, Morgan Freeman, Rebecca Hall

Technologie- und fortschrittskritische „Aktivisten“ verüben ein Attentat auf Internet-Guru Dr. Will Caster (Depp). Caster, der an einer Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz arbeitet, wird daraufhin kurz vor seinem sich anbahnenden Tod von seiner Frau Evelyn (Hall) ins Netz hochgeladen – nicht nur sein Wissen, auch sein Geist versteht sich. Dort, als leicht pixeliger Avatar und uneingeschränkter Herrscher über die digitale Welt, fühlt sich das Genie sichtlich wohl und erschafft im Handumdrehen neue Software und Technologien.

„Transcendence“ ist nach „Her“ der zweite Film des Jahres, in dem die Menschwerdung von Maschinen (oder besser Programmen) thematisiert wird. Doch während „Her“ sich mit den Auswirkungen der Technik auf den Alltag von Individuen auseinander setzte, geht es hier nun um das große Ganze. Hat die Menschheit die Kontrolle verloren? Führt uns der Fortschritt geradewegs in die Verdammnis? Ist das Machbare und Mögliche immer auch das Richtige?

Keine schlechten Fragen. Um sich aber adäquat damit beschäftigen zu können, hätte es ein schlüssiges Drehbuch, eine gute Geschichte geben müssen. Die fehlt in „Transcendence“ leider komplett. Entwicklungen und Ideen gibt es zuhauf, doch die Ausgestaltung ist ungenügend und zuweilen gar albern. Von Casters visionären Plänen, seiner Darstellung als „Ghost in the Machine“, bis zu den fadenscheinigen Leuten, die ihm auf der Spur sind und die wenig glaubwürdige Beziehung zwischen Caster und seiner Frau – nichts davon überzeugt, weder darstellerisch noch inszenatorisch, und schon gar nicht inhaltlich.

„Transcendence“ zerreisst es förmlich, weil der Spagat zwischen anspruchvollem Film-Essay und Mainstream-Entertainment misslingt. Man kann dem Film zu Gute halten, dass er es wenigstens ernst meint (ohne dabei auf plumpe Vereinfachungen von Zusammenhängen zu verzichten) und sich recht aufrichtig an seinen Themen abarbeitet. Helfen tut das aber kaum, weil die Handlung viel zu konstruiert daher kommt, als dass sie eine eigene Dynamik oder gar Spannung entwickeln könnte.

2/5