Filmkritik: Her

Her PosterSci-Fi/Drama/Komödie, USA 2013

Regie: Spike Jonze; Darsteller: Joaquin Phoenix, Amy Adams, Olivia Wilde

Los Angeles im Jahre 2025. Theodore (J. Phoenix) verdient sein Geld als Ghostwriter von persönlichen Briefen, verbringt seine Freizeiz mit Videospielen oder Telefonsex in seinem Apartment, und trauert seiner in die Brüche gegangenen Ehe hinterher. Melancholisch gestimmt kauft er ein neues Feature für seine Kombination aus Headset und Mini-Display. Das Extra-Betriebssystem „OS1“ soll in seiner digitalen Welt für Ordnung sorgen und den Alltag erleichtern. Nicht nur das – die Entwickler der Software werben damit, dass es ein eigenes Bewusstsein entwickelt und sich dem Benutzer voll und ganz anpasst.

In einer wunderbaren Szene erweckt „Her“ seine Grundidee zum Leben. Theodore installiert „OS1“, entscheidet sich für eine weibliche Stimme (im Original gesprochen von Scarlett Johansson) und beginnt ein Gespräch mit „Samantha“, wie sich seine digitale Gefährtin gut gelaunt selbst tauft. Großartig gespielt und mit so geistreichen wie witzigen Dialogen beginnt die schräge Liebesgeschichte von Theodore und der körperlosen Frau in seinem Ohr, die ihm erst einmal dabei hilft, seine vollgemüllte Email-Inbox aufzuräumen.

Zwischen Drama, Komödie und Sci-Fi im Minimalismus/Retro-Modus entfaltet sich eine mitreißende und abseitige Story, mal traurig, mal witzig, oft beides zugleich. Das stimmig entwickelte Szenario und der liebevolle Ton des Films bilden das Fundament von „Her“, gemeinsam mit Joaquin Phoenix‘ brillianter Darstellung der Hauptfigur. Er spielt Theodore als intelligenten, einsamen und einfühlsamen Mann, in dessen Welt das Publikum neugierig bis ungläubig (aber nie teilnahmslos) eintauchen kann.

Drehbuchschreiber und Regisseur Spike Jonze (“Being John Malkovich”) zeichnet für den Einfallsreichtum von Story und Inszenierung verantwortlich. Er bewegt sich dabei abseits des Mainstreams, hat aber keineswegs reines Kopfkino geschaffen – auch wenn es wortwörtlich hier beinahe zutrifft. Vom Set-Design über die Besetzung bis zu den Kostümen (diese Hosen!) und der wundersamen Stimmung im L.A. der Zukunft (gefilmt wurde in L.A. und Shanghai) kann der Film überzeugen.

Erzählerisch kann der Film sein Niveau bei näherem Hinsehen nicht bis ganz zum Ende halten. Trotzdem hat “Her” alles, um anno 2014 einen Gang ins Kino zu rechtfertigen. Weil er faszinierende neue Wege geht, die man am allerbesten in einem dunklen Kinosaal entdeckt.

5/5

Filmkritik: Snowpiercer

Snowpiercer PosterDrama/Sci-Fi, Südkorea/USA/Frankreich/Tschechien

Regie: Joon-Ho Bong; Darsteller: Chris Evans, Tilda Swinton, Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris

In der Welt von „Snowpiercer“ hat die Menschheit den Kampf gegen die globale Erwärmung verloren. Anno 2031 fahren die letzten Überlebenden (seit 17 Jahren!) mit einem Zug auf der in klirrender Kälte erstarrten Erde umher. Erbauer und Führer des durch einen „Perpetuum Mobile“-Motor angetriebenen Zuges ist der ominöse Mr. Wilford. An Bord herrscht eine Klassengesellschaft, in der die Proletarier auf den billigen Plätzen hinten im Zug beginnen, gegen die herrschende Klasse aufzubegehren.

Ungefähr so viel wusste ich über den ersten englischsprachigen Film des koreanischen Regisseurs Joon-Ho Bong. Und mein erster Gedanke war: „Was für ein bescheuertes Szenario.“. Weil die Bewertungen bei der IMDB gut und einige Kritiken wohlwollend waren, habe ich mir „Snowpiercer“ nun angesehen. Das Bauchgefühl lag hinsichtlich der ziemlich weit hergeholten Story schon sehr richtig, doch der Film kämpft mit einigen guten Ideen gegen die eigenen Schwächen an.

Zentrale Figur der Handlung ist Curtis (Chris Evans), der hinten im Zug einen Aufstand anzettelt. Erste Erfolge bringen ihn und seine Mitstreiter Wagen um Wagen näher an die vorne fahrende Zentrale heran – doch die Hindernisse und Gegner scheinen bald übermächtig. Die Abseitigkeit des Szenarios erinnert in manchem an Terry Gilliams „Brazil“. Die für die Einhaltung der Ordnung zuständige Mason (T. Swinton) kommt daher wie eine Internatslehrerin aus „Harry Potter“, eine Art Schlüsselmeister berauscht sich mit einer merkwürdigen Droge. Mit jedem Wagen, den Curtis und seine Truppe erobern, bekommt der Zuschauer eine neue – oftmals skurille – Szenerie geboten.

Zu den Schauwerten zählen neben der überzeugenden Kulissen äußerst blutige, mit vielerlei verschiedenen Waffen geführte Kämpfe sowie mit überschaubarem Aufwand realisierte CGI-Effekte, die ins Gesamtbild passen, aber niemanden vom Hocker reissen werden.

„Snowpiercer“ kann in seinen besten Momenten durchaus faszinieren, aber als Ganzes nicht recht überzeugen. Zu vage bleibt die Geschichte des Zuges, zudem mangelt es an innerer Logik. Es finden sich viele Anspielungen und Kommentare auf die heutige Gesellschaft, der Film hat auch eine politische Botschaft (zumindest meine ich, eine vernommen zu haben). An Ambitionen mangelt es wahrlich nicht.

Doch war es mir trotz guten Willens nicht möglich, dass Geschehen ernst zu nehmen – wohlwollend und oft erstaunt habe ich die gut zwei Stunden Laufzeit abgesessen. Wer viel Spaß am Genre hat und genug Neugier für den Stoff mitbringt kann hier zugreifen; allen anderen sei eher abgeraten.

2/5

Filmkritik: The Secret Life of Walter Mitty

The Secret Life of Walter Mitty PosterComedy/Drama, USA 2013

Regie: Ben Stiller; Darsteller: Ben Stiller, Kristen Wiig, Adam Scott

Ich glaube, es ist ziemlich einfach mit „The Secret Life of Walter Mitty“. Entweder der Funke springt über, oder eben nicht. Bei mir ist er nicht übergesprungen. Der Film erzählt die Story eines tagträumenden Schüchterlings, der sich wider Erwarten auf wundersame Weise zum Abenteurer entwickelt. Walter Mitty (Stiller) fristet sein Dasein als Foto-Techniker beim „Life“-Magazin. Hier bereiten die neuen Besitzer gerade die letzte Ausgabe vor, man will „nur“ als Website weitermachen.

Walter ist geschockt, genau wie seine Kollegen. Zumal auch noch das geniale Foto Nr. 25 des Starfotografen Sean O’Connell, das auf das letzte Cover soll, verschwunden ist – was in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Das große Abenteuer bricht früh in den Film herein, in aberwitzigen und aufwändig gedrehten Tagträumen, in denen Walter superheldenartige Dinge vollbringt oder sich grandios mit seinen Vorgesetzten prügelt.

Es braucht Walters ganze Verzweiflung sowie ein paar ermutigende Worte von seiner heimlichen Liebe und Kollegin Cheryl (Wiig), um das wahre Abenteuer beginnen zu lassen. Visuell ist das durchaus sehenswert, der Trailer hat nicht zuviel versprochen. Doch um die wundersame Heldenreise genießen zu können, muss man kräftig mit Walter mitfühlen können. Ich vermochte das nicht zu tun, zu oberflächlich oder auch zu hypothetisch kam mir dieses große Abenteuer daher.

Dass die Krisen und Katastrophen der Welt als blosser Hintergrund für die Heldenreise herhalten, hat mich nicht so sehr gestört, zumal vor allem großes Naturspektakel geboten wird. „The Secret Life of Walter Mitty“ ist zu sehr „Carpe Diem – Der Film“ und zu wenig eine Geschichte über die Welt in der wir leben. Weil Stiller (als Regisseur und Darsteller) sein Heil in der Überspitzung sucht und sich vor allem auf sein komödiantisches Talent verlässt, bleibt das Potential des Stoffes blass. Das ist deshalb fatal, weil auch die Comedy nicht so richtig funktioniert. Es bleibt zwar ein bildgewaltiges Märchen übrig, aber eines, das nicht fesselt oder verzückt, sondern wie ein überlanger Werbeclip daherkommt.

2/5

Filmkritik: The Grand Budapest Hotel

Grand Budapest Hotel PosterDrama/Komödie, USA 2014

Regie: Wes Anderson; Darsteller: Ralph Fiennes, Adrien Brody, Edward Norton

Wes Anderson gehört zu den Regisseuren, die polarisieren. Entweder man mag seine Filme, oder man kann nicht viel mit ihnen anfangen. Das ändert sich auch mit „The Grand Budapest Hotel“ ganz sicher nicht – der Film ist noch verspielter, überdrehter und märchenhafter als sein übriges Schaffen.

Angesiedelt in einer Art Paralleluniversum (in dem ein kleiner osteuropäischer Staat namens Zubrowka in einen großen Krieg gerät) erzählt er auf drei (Zeit-)Ebenen die Geschichte des „Grand Budapest Hotels“ bzw. seiner Besitzer und Bediensteten. Im Zentrum steht dabei Concierge Monsieur Gustave (Fiennes), der Anfang der 30er Jahre für den besonderen Glanz des Etablissements sorgt. Gustave, der sich vor allem der besonderen Fürsorge wohlhabender älterer Damen widmet, hat nebenbei den jungen Bellboy Zero unter seine Fittiche genommen, der ihn fast die gesamte Zeit begleitet.

Das Tempo ist oft ziemlich halsbrecherisch, wenn der Film seine Helden durch die von Todesfällen, Krieg, Verschwörungen und ironisch-liebevoller Nostalgie geprägte Story jagt. Road Movie, Abenteuerfilm, Märchen, Gesellschaftskomödie, Historienfilm, Drama, es ist von allem etwas zu finden. Zusammen gehalten wird das aberwitzige Konstrukt von der durchweg grandiosen Ausstattung, dem für Anderson typischen abseitig-albernen Humor, dem großartigen Ensemble und Hauptdarsteller Ralph Fiennes, dessen Performance ein echtes Highlight des noch jungen Kinojahres ist.

Das Schaffen eigener Mikrokosmen war immer zentraler Bestandteil von Wes Andersons Kino, mit „The Grand Budapest Hotel“ hat er in dieser Disziplin vorübergehend seinen Zenit erreicht. Die hier gezeigte, äußerst schräge Variation der europäischen Geschichte glänzt nicht unbedingt mit tiefen Einsichten, aber sie unterhält ganz zauberhaft und mit mit einzigartigem Humor.

5/5

Filmkritik: La Grande Bellezza – Die große Schönheit

La Grande Bellezza PosterDrama/Komödie, Italien 2013

Regie: Paolo Sorrentino; Darsteller: Toni Servillo, Sabrina Ferilli, Carlo Verdone

„La Grande Bellezza“ wurde jüngst mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Was mir Anlass genug war, mal zu schauen, wem die Academy da attestierte, einen besseren Film als Thomas Vinterbergs „Die Jagd“ gemacht zu haben. Und siehe da, die Damen und Herren haben absolut richtig gelegen – der Film von Paolo Sorrentino ist wirklich fantastisch. Eine grandiose Mixtur, mir fielen vor allem Woody Allen, Robert Altman und Federico Fellini ein, dessen „La Dolce Vita“ hier häufig anklingt, aber keinesfalls kopiert wird.

Der alternde Schriftsteller Jep Gambardella (T. Servillo) hat nach seinem erfolgreichen ersten Roman keinen zweiten mehr zu Papier gebracht. Er arbeitet in Rom als Journalist für ein renommiertes Magazin und umgibt sich mit gebildeten, reichen Menschen. Sein Blick auf die Welt, das Leben und die Menschen ist wehmütig, kritisch, aber immer humorvoll.

In stylischen Bildern folgt ihm der Film auf rauschende Feste, extravagante Kunst-Events, in unfassbar luxuriöse Apartments (sein eigenes hat eine riesige Terrasse mit Blick aufs Kolosseum). Kunst, Literatur, Film, Architektur; all die schönen Dinge des Lebens werden in messerscharfen Dialogen opulent und bittersüss serviert. Jep treibt dabei die Frage um, was er mit seinem Leben noch anfangen möchte – und ob er in seiner Karriere die richtigen Entscheidungen getroffen hat.

Wunderbar komponierte Bilder, dabei schwelgerisch, ohne der gezeigten Dekadenz zu verfallen, mit einer Prise feiner Selbstironie und einem herrlichem Hauptdarsteller (auch die Nebenrollen sind eine Freude) gelingt Sorrentino ein großes Kinoerlebnis. Mit viel Pathos und großen Ambitionen, dabei aber immer zutiefst menschlich und mit einer nur scheinbar ziellosen Geschichte, die bis zum Schluss begeistert.

5/5

Filmkritik: August in Osage Country

August: Osage Country

Drama, USA 2013

Regie: John Wells; Darsteller: Meryl Streep, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch, Ewan McGregor, Chris Cooper, Juliette Lewis

„August: Osage County ist ein klassisches Familiendrama, die Story spielt im ländlichen Oklahoma. Weil Patriarch und Schriftsteller Beverly Weston verschwunden ist ruft seine krebskranke Frau Violet (M. Streep) die Familie zusammen. Ihre Schwester Mattie Fae mit Ehemann Charlie (C. Cooper), deren Sohn Little Charles (Benedict Cumberbatch) und ihre eigenen Töchter Barbara (J. Roberts), Ivy (L. Lewis) und Karen.

An Konflikten innerhalb der Familie mangelt es nicht. Geheimnisse, Krisen, Lebenslügen und unerfüllte Träume – jede Figur kann zur allgemeinen Anspannung und Verstimmung etwas beitragen. Im Mittelpunkt stehen dabei Violet und Barbara, die mit Ehemann Bill (E. McGregor), Tochter Jean und ihren eigenen Problemen angereist ist. Das Schauspiel-Duell zwischen Streep und Roberts ist hier eindeutig als Schauwert geplant gewesen, die beiden können zum Glück überzeugen und übertreiben es nur selten mit ihrer Kunst.

Wirklich neu ist nichts von dem, was „August: Osage Country“ zu erzählen hat. Die Themen und Motive sind frei und zahlreich aus Literatur- und Filmgeschichte entliehen. Der auf einem Theaterstück basierende Film schafft es immerhin, ein stimmiges Ganzes zu schaffen, einige große Szenen einzubauen und den Figuren genügend Raum zu geben – den die vielen guten Darsteller zu nutzen wissen. Nicht spektakulär und selten aufregend, aber solides und im besten Sinne altmodisches Kino.

3/5

Filmkritik: 300 – Rise of an Empire (3D)

300 – Rise of an Empire (Poster)Action, USA 2014

Regie: Noam Murro; Darsteller: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey

Die Fortsetzung von Zack Snyders Erfolgsfilm „300“ ist Prequel und Sequel zugleich. Sie erzählt die Vorgeschichte der Kämpfe bei den Thermopylen und schildert die ziemlich zeitgleich stattfindenden Seeschlachten zwischen Xerxes Flotte und den Griechen. Visuell haut der Film mindestens genau so derbe auf die Kacke wie der Vorgänger. Die Produzenten wissen schließlich, dass die Fans das Original nicht für seine genaue Geschichtsbetrachtung verehren, sondern wegen der extrem stilisierten, brutalen Bilder, der Zeitlupen und digitalen Spielereien.

Hauptdarsteller Sullivan Stapleton besitzt als General Themistokles leider bestenfalls das Charisma einer Fußmatte. Damit ist er seiner weiblichen Gegenspielerin, Flottenkommandantin Artemisia (hemmungslos trashig gespielt von Eva Green) hoffnungslos unterlegen. Und anders als seinem Kollegen Gerard Butler als Leonidas nimmt man ihm auch keine Sekunde ab, dass er eine Armee führen oder gar Völker vereinigen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dialoge noch dümmlicher geworden sind – und auch die Story ist einen Tick ZU willenlos geraten.

Die Schlachten von „300 – Rise of an Empire“ finden zur Abwechslung auf See statt, und ganz zeitgemäß natürlich in (gelungenem, aber nicht überragendem) 3D. Dabei nimmt sich der Film viele digitale Freiheiten, die Ägäis türmt etwa wahre Wellengebirge auf, und der Mond ist vom Geschehen nur wenige Gehminuten entfernt – so scheint es zumindest. Die Übertreibungen sind Teil des konsequent verfolgten Plans, ein bedingungsloses Bewegungskino zu schaffen, in dem alles erlaubt ist.

Vor allem zu Beginn des Films – bevor die Schwächen von Story, Dialogen und der lahmen Figuren zu nerven beginnen – geht dieser Plan sehr gut auf. Es sind ein paar atemberaubende (3D-)Einstellungen und aberwitzig montierte Kampfszenen zu sehen. Mit zunehmender Laufzeit setzt dann eine gewissen Ermüdung ein, wobei noch einiges geboten wird (etwa eine over-the-top Sex- und Prügelszene und ein extrem vorhersehbares Finale). Bis zu den Credits gibt es auch einiges zu lachen, nicht selten dürften es unfreiwillige Lacher sein.

Ob man an diesem gewalttätigen Trashfest Spaß hat oder nicht hängt vor allem von der Erwartungshaltung ab. In den Kategorien „Figurenzeichnung“, „Story“ und „Allgemeiner Anspruch“ tritt „300 – Rise of an Empire“ gar nicht erst an. Das Ergebnis des absoluten Willens der Macher zum überwältigenden Spektakel ist durchaus sehenswert – aber eben auch redundant und limitiert.

3/5

Filmkritik: American Hustle

American Hustle PosterDrama/Comedy, USA 2013

Regie: David O. Russell; Darsteller: Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner

Ein Gauner-Pärchen, das vom FBI überführt wird, muss andere Betrüger entlarven, um selbst straffrei zu bleiben. Das ist die stark gekürzte Version der Story von „American Hustle“, dem neuen Film von David O. Russell („Silver Linings Playbook“, „The Fighter“). Und viel mehr muss und sollte man – wie so oft – auch gar nicht wissen. Was für Wege der Plot und seine Figuren gehen, das entdeckt man besser ‚live‘ in den knapp zweieinhalb Stunden, die der Film durchaus zurecht für seine Geschichte braucht.

In den Hauptrollen glänzen Christian Bale als schmieriger und doch liebenswerter ‚Con Artist‚ Irving, Amy Adams als dessen smarte Geliebte Sydney, Jennifer Lawrence spielt seine hysterisch-grenzdebile Ehefrau Roselyn, Bradley Cooper gibt den ambitionierten FBI-Agenten Richie und Jeremy Renner einen Bürgermeister, der auch als Elvis-Imitator arbeiten könnte.

Zum Teil basierend auf wahren Begebenheiten aus den späten 70ern (ich habe keine Ahnung welche das sind und wie hoch der ‚Wahrheitsgehalt‘ ist) schwelgt „American Hustle“ hemmungslos im Look seiner Zeit. Drama und Spannung werden immer wieder von komödiantischen Untertönen umspielt, wobei der Film für einen Gangsterfilm zu witzig (und unblutig) ist, für eine Komödie aber zu viel Wert auf Plot und Charaktere setzt. Insgesamt ergibt das eine äußerst unterhaltsame Mischung, in der vor allem die guten Darsteller überzeugen können.

4/5

Filmkritik: Out of the Furnace (Auge um Auge)

Out of the Furnace PosterDrama, USA 2013

Regie: Scott Cooper; Darsteller: Christian Bale, Woody Harrelson, Casey Affleck, Zoe Saldana, Willem Defoe, Forrest Whitaker

Düster und tragisch geht es im neuen Film von „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper zu. Russell Baze (C. Bale) arbeitet in einem Stahlwerk in Pennsylvania, sein Bruder Rodney ist als Soldat mal zuhause, mal im Irak-Einsatz, während ihr Vater im Sterben liegt. Und es wird nicht besser…

Gleich die ersten Szenen geben den Ton des Films vor. Woody Harrelson spielt einen Brutalinski, der im Autokino ziemlich grundlos ausrastet und mächtig austeilt. Ihn wird Rodney, der nach dem Armeedienst bei illegalen Boxkämpfen sein Geld verdient, noch kennenlernen.

„Out of the Furnace“ funktioniert gut als Milieustudie, zeigt glaubwürdige Figuren aus einer Arbeiterklasse, die ums Überleben kämpft. In gemächlichem Tempo dauert es eine Weile, bis es zur finalen Konfrontation kommt, zu einem altmodischen Showdown – der von der ersten Minute an (auch wegen der besetzten Schauspieler) in der Luft liegt.

Bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt kann der Film inszenatorisch ebenfalls überzeugen. Doch im Gegensatz zu vergleichbaren Filmen (ich denke da an „A History of Violence“ oder „Winter’s Bone“) fehlt mir hier irgendwie ein besonderes, herausragendes Element. Man kann „Out of the Furnace“ als fundamentale Kritik an der modernen westlichen Welt verstehen – die hätte ich mir dann aber etwas konkreter und zielgenauer gewünscht. Es bleibt unter dem Strich ein überzeugendes, wenn auch zuweilen etwas zähes, Drama.

4/5