Filmkritik: 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse

Filmposter: 00 Schneider – Im Wendekreis der EidechseKomödie/Krimi, Deutschland 2013

Regie: Helge Schneider; Darsteller: Helge Schneider, Peter Thoms, Rocko Schamoni

Für die längere Sendepause hier muss ich mich entschuldigen – ich hatte zuletzt bei wenigen Filmen das Bedürfnis, etwas darüber zu schreiben. Und dann fehlte einfach die Zeit. Bei „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ ist das nun anders. Denn Helge Schneider hat sich mit der Fortsetzung von „Jagd auf Nihil Baxter“ beinahe selbst übertroffen und liefert einen unfassbar witzigen, charmanten Anarcho-Klamauk.

Der Film macht die Andeutung einer Kriminalhandlung, bzw. schafft einen erzählerischen Rahmen, in dem eine stattfinden könnte. Dass eine echte Handlung dann in bester Helge-Manier ausbleibt stört da nur die Kostverächter, die mit Schneiders Filmen sowieso nie etwas anfangen konnten. Kommissar Schneider (der nicht mehr „00“ genannt werden mag) ermittelt in Mühlheim an der Ruhr in einigen Kriminalfällen, gemeinsam mit einem Haufen schräger, kettenrauchender Kollegen. Ein Verbrecher mit dem Decknamen Eidechse (Schamoni) ist in Frankreich aus dem Knast geflohen und wird in der Stadt gesichtet – doch das ist längst nicht alles, was Schneider zu überstehen hat.

Eine Waschmaschine will gekauft und heimgebracht werden, die plötzlich zu Besuch gekommene Tante aus den USA muss umsorgt werden (nicht des Kommissars ganz große Stärke), ein Sittenstrolch treibt sein Unwesen und dann geht auch noch der geliebte Spitz Zorro verloren. Skurril wie eh und je, gespickt mit vielen guten Ideen – die Nachrichten im Radio, die an den absurdesten Stellen aufgestellten Briefkästen, die reibungslose Einbindung des Schauplatzes Almeria als „spanischer Teil der Stadt“ – schießt Helge Schneider aus allen Rohren.

Nur ganz wenige Szenen sind nicht witzig, viele Running Gags zünden tatsächlich mehrfach und die Darsteller bilden ein überzeugendes Ensemble, das nicht ohne Grund weitgehend aus (Halb-)Laien zusammengesetzt ist. Die Innenausstattung erinnert durchaus an den Vorgänger, nicht nur weil der „Le Corbusier-Sessel“ wieder dabei ist, der Ledermantel des Kommissars ist ein Wink an die 70er, ebenso wie das allgegenwärtige Zigarettenrauchen.

Es war wirklich nicht einfach für Schneider, die Fans des ersten Films hier nicht zu enttäuschen; und ich bin ehrlich überrascht wie scheinbar mühelos, souverän und geistreich (wenn man es denn so nennen kann/darf) das im „Wendekreis Eidechse“ gelingt. Hut ab, Herr Kommissar!

5/5

PS: [Spoiler] Meine momentane Lieblingsszene ist die, in der der von Helge gespielte Psychiater Dr. Henry anhand eines in Gips gegossenen Fußabdrucks feststellt, dieser stamme von einem „starken Raucher“. Ich fang schon wieder an zu schallern, wenn ich dran denke….

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