Filmkritik: R.I.P.D.

R.I.P.D. PosterFantasy/Comedy, USA 2013

Regie: Robert Schwentke; Darsteller: Jeff Bridges, Ryan Reynolds, Kevin Bacon, Mary-Louise Parker

Die Idee ist auf den ersten Blick durchaus witzig: im Dienst gestorbene Polizisten müssen auf der Erde weiter Dienst schieben. Das aus der Unterwelt gesteuerte „Rest in Peace Department“ braucht man sie, um auf der Erde lebende Tote (oder eher Untote) ausfindig zu machen. Doch damit aus einem witzigen Einfall ein sehenswerter Film wird braucht es schon noch ein paar mehr Zutaten. Ein stimmig entwickeltes Szenario etwa, interessante Figuren und am besten eine Story, die das Publikum irgendwie in das recht weit hergeholte Geschehen involviert.

„R.I.P.D.“ vom deutschen Regisseur Robert Schwentke („R.E.D.“) und seine fünf(!) Autoren scheitern leider in fast jeder Hinsicht bei dem Versuch, aus der spaßigen Abkürzung einen unterhaltsamen Film zu machen. Das ohnehin nicht ernst gemeinte Szenario ist arg albern geraten, dabei aber nur selten komisch. Die Figuren sind schon etwas besser gelungen, die Story ist absoluter Quatsch. Letzteres war zu erwarten, ist aber dennoch fatal – man bringt nach 20 Minuten kaum noch genug Interesse auf, um sich den Film zuende anzusehen.

Zu den wenigen guten Ideen gehört, dass die beiden Hauptfiguren Nick (Ryan Reynolds) und Roy (Jeff Bridges) von der Außenwelt als chinesischer Rentner (Nick) und sexy Blondine (Roy) gesehen werden. Die Chemie zwischen dem alten Haudegen und dem jungen Cop bleibt hingegen blass, die Spezial-Effekte sind gerade so als ausreichend zu bezeichnen. Ein paar unterhaltsame Szenen und gelungene Gags retten „R.I.P.D.“ vor dem Label „Totalausfall“. Aber mein lieber Scholli, dit war knapp jewesen…

2/5

Filmkritik: Now You See Me (Die Unfassbaren)

Now You See Me PosterDrama/Comedy, USA 2013

Regie: Louis Leterrier; Darsteller: Jesse Eisenberg, Michael Caine, Morgan Freeman, Woody Harrelson, Mark Ruffalo, Isla Fisher, Melaine Laurent

Der Trailer von „Now You See Me“ sah nach einer Mischung aus „Ocean’s Eleven“ und „The Prestige“ aus. Und dieser Eindruck täuscht auch nicht sonderlich: der Unterhaltungswert ist hoch, der Plot hat Tempo, und die versammelte Schauspiel-Prominenz gibt auch keinen Grund zur Klage. Doch die Sache hat leider einen (kleinen) Haken.

Der Film erzählt die Geschichte von vier Illusionskünstlern, Mentalisten und Taschenspielern, die von einem geheimnisvollen Unbekannten zu einem glamourösen Team aufgebaut werden, das in Las Vegas die ganz große Show abzieht. Als  Daniel (Eisenberg), Henley (Isla Fisher), McKinney (Harrelson) und Jack (Dave Franco) es dann fertig bringen, im Rahmen eines Live-Auftritts in Las Vegas eine Bank in Paris zu überfallen, bekommen sie es mit dem FBI-Agent Rhodes (M. Ruffalo) und der Interpol-Ermittlerin Alma Dray (M. Laurent) zu tun.

Michael Caine ist als millionenschwerer Entertainment-Guru und Finanzhai mit von der Partie, Kollege Morgan Freeman spielt Thaddeus Bradley, einen Ex-Magier, der sein Geld mit dem Entzaubern der kniffligsten Tricks verdient. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den involvierten Parteien enthält einige (mehr oder weniger) unerwartete Richtungswechsel, insgesamt erreichen aber nur einzelne Szenen das Niveau der oben genannten Filme.

„Now You See Me“ schafft es gerade so, dem Publikum einen oder zwei Schritte voraus zu sein, und hat auch eine gelungene Finte parat. Doch wenn dann die finale Auflösung kommt macht sich eher Enttäuschung als Überraschung breit. Ein Film, der so viel Wert darauf legt, clever und doppelbödig zu sein, muss sich deshalb auch Kritik an dem wirren und wenig überzeugenden Ende gefallen lassen. Es ist gar nicht mal schlimm, dass die Auflösung das Geschehen quasi komplett ad absurdum führt – es müsste nur mehr Spaß machen. Als kurzweilig-solides Entertainment in klassischer Hollywood-Manier geht „Now You See Me“ locker durch, für mehr reicht es trotz einiger sehr guter Ansätze letztlich leider nicht.

3/5

 

Filmkritik: Pain & Gain

Pain & Gain PosterDrama/Action/Comedy, USA 2013

Regie: Michael Bay; Darsteller: Mark Wahlberg, The Rock, Anthony Mackie

Ich muss gestehen, es hat schon seinen Reiz, Mark Wahlberg und Dwayne „The Rock“ Johnson als geistig minderbemittelte Bodybuilder zu besetzen. So geschehen in Michael Bays („Bad Boys“, „Transformers“) neuestem Film, dem für seine Verhältnisse mit bescheidenem Budget und wenigen Spezial-Effekten gedrehten „Pain & Gain“. Basierend auf einer unglaublich klingenden „wahren Geschichte“ erzählt er von drei Muskelmännern in Florida, die anno 1995 ans große Geld kommen wollen – und sich dabei mit dem Falschen anlegen.

Daniel (Wahlberg) ist Fitnesstrainer und Anführer der Gang. Paul (Johnson) ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und hat – vorübergehend – zu Gott gefunden, Adrian (Mackie) ist wegen zu vieler Steroide impotent, worunter sein Selbstbewusstsein empfindlich leidet. Die drei fassen den Plan, den zwielichtigen reichen Geschäftsmann Kershaw zu kidnappen und ihm all sein Geld abzunehmen. Dabei stellen sie sich extrem dämlich an, kommen aber immerhin an Teile von Kershaws Vermögen. Dann folgen jedoch unerwartete Komplikationen, die das Trio zunehmend überfordern…

„Pain & Gain“ ist ein ganz und gar voyeuristischer Film, der sich gemeinsam mit dem Publikum über seine Antihelden amüsieren will. Die wiederum bekommen per Voice-Over hin und wieder Gelegenheit, ihre eigene Sicht auf die Dinge zu äußern. Dieser Ansatz wird allerdings bei vielen extrem brutalen Szenen zum Problem – weil man die einfach nicht mehr lustig finden kann. Einige Zuschauer wird das naturgemäß weniger verstören und verbuchen es als „Guilty Pleasure“, für andere könnte es ein Grund sein, sich den Film lieber komplett zu sparen.

Insgesamt gelingt die Mischung aus Comedy und Thriller ziemlich gut, was auch an den gut aufgelegten Darstellern liegt. Vor allem Mark Wahlberg gelingt es, Daniel als glaubwürdigen Charakter zu spielen. Einen etwas einfältigen, aber gar nicht unsympathischen Kerl, der ein größeres Stück vom Kuchen abhaben will und dafür auch vor dem Verbrechen nicht halt macht. The Rock kommt mit seiner Rolle der Selbstparodie oft nahe, was – sicher nicht zufällig – der Unterhaltung zuträglich ist.

In den Händen eines Regisseurs mit einer anderen Herangehensweise hätte „Pain & Gain“ zu einer interessanten Studie werden können, wie scheinbar normale Menschen durch einfache Gier zu Schwerverbrechern werden. Bei Michael Bay steht wenig überraschend ein (überlanges) Spektakel im Vordergrund.

3/5

 

 

Filmkritik: Iron Man 3 (2D)

Iron Man 3 PosterSci-Fi/Action, USA 2013

Regie: Shane Black; Darsteller: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Ben Kingsley, Rebecca Hall, Guy Pearce

Ich habe aktuell keine große Lust, für Filme wie „Iron Man 3“ ins Kino zu gehen. Die Flut an Comic-Adaptionen, die letztes Jahr mit den sehenswerten „The Avengers“ und „The Dark Knight Rises“ ihren vorläufigen Gipfel erreichte, hat für mich ihren Reiz verloren. Was nicht bedeutet, dass „Iron Man 3“ ein schlechter Film ist. Downey Jr. ist weiterhin eine perfekte Besetzung für Tony Starks, der Film hat ordentlich Humor im Gepäck und auch eine passable Story.

Die Handlung setzt ein Jahr nach den Ereignissen aus „The Avengers“ ein, Starks leidet unter Angstattacken. Ein mysteriöser Super-Terrorist namens Slattery (Kingsley) erklärt den USA mit Bomben-Anschlägen (bei denen aber nie Sprengstoff gefunden wird) den Krieg und wendet sich per Fernsehansprachen direkt ans Volk.  Parallel wird Stark in den Personen zwei Wissenschaftler (Pearce und Hall) von seiner Vergangenheit als arroganter Lebemann heimgesucht. Daraus entwickelt sich eine ansehnliche Geschichte, die sogar einen gelungenen kleinen Twist im Gepäck hat.

Action, markige Sprüche und klassisches Superhelden-Drama, „Iron Man 3“ hat alles im Gepäck. Doch trotz des angesprochen Twists gibt eine keine echten Überraschungen, Abweichungen oder Ideen. Sondern einfach „more of the same“, was für zwei sehr unterhaltsame Stunden locker ausreicht, mich aber nach gut 10 Jahren Comic-Helden aus Hollywood einfach nicht mehr flasht. Das ist solides Handwerk, das ist gekonnt gespielt und nicht selten auch witzig. Aber das Gefühl der Übersättigung ist insgesamt zu groß, um dieses Spektakel ernsthaft empfehlen zu können.

3/5

Filmkritik: The Great Gatsby (2D)

The Great Gatsby PosterDrama, USA/Australien 2013

Regie: Baz Luhrman; Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carey Mulligan, Joel Edgerton

Dass „The Great Gatsby“ ein knallbuntes Spektakel werden würde, das war klar, seit es die ersten Trailer zu sehen gab. Eigentlich war es schon vorher klar, denn Baz Luhrmann dreht gern bunte Spektakel, siehe etwa „Romeo & Juliet“, „Moulin Rouge“ oder „Australia“. Nun hat der Australier sich mit riesigem Budget und großen Stars einen der berühmtesten Romane der US-Literatur vorgeknöpft.

Der ganze Pomp scheint auf den ersten Blick nicht schlecht zu der in den Roaring Twenties spielenden Story um den mysteriösen, unermesslich reichen Gatsby (DiCaprio) und seine unerfüllte Liebe für Daisy (Mulligan) zu passen. Doch ganz so einfach ist das nicht, denn der Roman ist voll von Zwischentönen und subtilen Botschaften, die hier weitgehend dem cineastischem Hammer zum Opfer fallen.

Die Schauspieler können dabei zwar überzeugen (auch wenn ich Carey Mulligan eher als Fehlbesetzung sehe, macht sie keinen schlechten Job), und die Kamerafahrten, Sets und Effekte sind oft mächtig beeindruckend. Doch spätestens in der zweiten Hälfte des Films fällt auf, dass „The Great Gatsby“ anno 2013 keine zündende Idee hat, wie er aus der schwer verfilmbaren (u. a. weil von einem sehr passiven Erzähler geschilderten) Story ein packendes Drama machen könnte.

Die Schlüsselsätze und -szenen sind fast komplett enthalten, doch sie bleiben seltsam blass und scheinen mit dem gezeigten Geschehen nur am Rande in Verbindung zu stehen. Auch probieren Luhrman beziehungsweise seine Autoren gar nicht erst, aus den vielen enthaltenen Motiven und Subtexten der Vorlage eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen. Dabei bietet sich die prototypische Zweiklassengesellschaft des Romans oder die Verschwendungssucht der Eliten  (um nur zwei offensichtliche Möglichkeiten zu nennen) dafür prächtig an.

Unterhalten wird man vom Film trotz der genannten Mängel sehr gut. Der Stoff hat seine Faszination nicht verloren, und zuweilen macht die überdrehte Inszenierung in der Ästhetik von Musikvideos der späten Neunziger (unterlegt mit aktueller R’n’B-Musik von Beyoncé und Lana Del Rey) auch einfach Spaß. Die 3D-Effekte sind mir am heimischen Fernseher verwehrt geblieben; sie werden den Schauwert sicher noch erhöhen. Ein ambitionierter Film, der sich mutig an eine Säule der US-Literatur (in den USA muss JEDER Schüler dieses Buch lesen) heranwagt. Er scheitert daran, aber immerhin scheitert er mit Pauken und Trompeten.

3/5

Filmkritik: Byzantium

Byzantium PosterVampirdrama, USA/UK 2012
Regie: Neil Jordan; Darsteller: Gemma Arterton, Saoirse Ronan, Sam Riley

Einen starken Beitrag zum Genre des Vampirfilms liefert Regisseur Neil Jordan (kein Unbekannter in diesem Fach, siehe „Interview with the Vampire“) mit „Byzantium“. Der Film erzählt von zwei Frauen, Mutter und Tochter, die im England der Gegenwart ihr Dasein als unsterbliche Blutsauger führen. Clara (Gemma Arterton) verdient als Stripperin das Geld für sich und ihre 16-jährige Tochter Eleanor (Saoirse Ronan). Das Zusammenleben der zwei Frauen, deren Herkunft und Vergangenheit der Film in Rückblenden erzählt, ist nicht frei von Spannungen. Eleanor ist des ständigen Umziehens (wenn Mama mal wieder gemordet hat) überdrüssig, Clara ist vor allem um die Sicherheit der beiden besorgt – nicht ohne Grund, wie das Publikum bald erfährt.

Die beiden landen nach dem gelungenen und stimmungsvollen Auftakt in einem herunter gekommenen Kurort an der Küste, wo Clara umgehend den etwas hilflosen Noel um den Finger wickelt und mit ihrer Tochter bei ihm Quartier bezieht. Nicht nur das, sie bringt in Noels Räumen gleich ein florierendes Bordell zum Laufen.

„Byzantium“ enthält fast alle bekannten und beliebten Motive aus der Welt der Vampire. Dazu gehört natürlich auch die Geschichte der Vampir-Werdung, die sich hier mit fortlaufender Spielzeit mit den Ereignissen der Gegenwart vermischt. Überzeugen tun dabei sowohl die Haupt- als auch die Nebendarsteller, sowie die sehr gut entwickelten und geschriebenen Figuren.

Der Ton des Films ist ernst, angemessen morbide und melancholisch, aber dabei immer unterhaltsam. Sicher erfindet „Byzantium“ dabei das Rad der Vampir-Story nicht neu, aber wer an guten Geschichten aus dem Reich der Blutsauger nichts auszusetzen hat, darf hier bedenkenlos zugreifen.

4/5

Filmkritik: The Canyons

The Canyons PosterDrama/Thriller/Erotik, USA 2013

Regie: Paul Schrader; Darsteller: Lindsay Lohan, James Deen, Nolan Gerard Funk

Über „The Canyons“ wurde vor dem Start ein ziemlicher Wirbel gemacht, was gleich mehrere Gründe hat. Etwa dass „Taxi Driver“-Autor und „American Gigolo“-Regisseur Paul Schrader Regie geführt hat. Oder dass Skandal-Autor Bret Easton Ellis („American Psycho“) für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Damit nicht genug spielt mit James Deen noch ein Pornostar eine Hauptrolle, an der Seite der notorischen Skandalnudel Lindsay Lohan. Und schließlich wurde der Film zum Teil über Crowdfunding finanziert und mit einem Mini-Budget von kolportierten $ 250 000 gedreht.

Die Handlung des Films kreist um ein halbes Dutzend junger und attraktiver Menschen, die in Los Angeles leben und irgendwie mit der Filmbranche zu tun haben. Da ist der arrogante Christian (J. Deen), Spross einer wohlhabenden Familie und Produzent von (Horror-)Filmen. Seine Freundin ist die schöne, desillusionierte Tara (Lohan), die sich von ihm (freiwillig?) beim Sex mit fremden Partnern beider Geschlechter filmen lässt.. Zu Beginn des Films sitzen die beiden mit dem Schauspieler Ryan und dessen Freundin Amanda, gleichzeitig Christians Assistentin, im Restaurant. Die merkwürdige Stimmung, die dort am Tisch herrscht, wird bald erklärt – zwei der Figuren haben eine gemeinsame Vergangenheit, von der die jeweiligen Partner nichts wissen.

Wer die Romane von Bret Easton Ellis kennt (oder deren Verfilmungen wie etwa „The Rules of Attraction“) ahnt bereits, dass die handelnden Personen wenig sympathisch daher kommen. Zum Teil in gleißender Sonne gefilmt bewegt sich die Handlung durch viele schicke Ecken von Los Angeles, wobei man „The Canyons“ das niedrige Budget so gut wie nie ansieht. Einige starke Momente erinnern an David Lynchs „Mulholland Drive“, was neben den Bildern auch am ähnlichen (und gelungenen) Soundtrack liegt.

Ich gebe mich gern als Fan von Easton Ellis‘ Werk zu erkennen, das oft von vordergründig oberflächlichen und ziellosen Figuren bestimmt wird, die meist aus hochgradig dysfunktionalen Familien kommen. In seinen besten Romanen schafft Ellis daraus eine Mischung aus zynischem Sittenportrait und fundamentaler Zeitgeist-Kritik. „The Canyons“ trägt eindeutig seine Handschrift, kann aber erzählerisch nicht vollends überzeugen.

Es geht von den Figuren und der für Ellis typischen, absolut materialistischen und unterkühlten Welt, in der sie leben, durchaus eine Faszination aus. Lohan spielt Tara (die als ‚gefallener Engel‘ in Hollywood natürlich nah an der Person von Lindsay Lohan angelegt ist) mit einer Mixtur aus Offenheit (zum Teil auch Nacktheit) und stetig schwelender Rätselhaftigkeit. Deen wiederum, der in den USA Berühmtheit als eine neue Art des Pornostars erlangt hat (jungenhaft und aus gutem Hause), besitzt als Christian eine spürbare Präsenz, erstarrt aber oft in immergleichen Posen – die dabei jedoch zur Rolle passen.

Ellis und Schrader haben ihren Film wiederholt als „post-cineastisch“ bezeichnet, als einen Film nach dem Ende der großen Kino-Ära (schon der Vorspann zeigt viele Ruinen alter Kinos). Damit treffen sie durchaus einen Nerv. Die Stärken von „The Canyons“ (die überzeugende Stimmung, die vielen Anspielungen und Zweideutigkeiten bezogen auf den westlichen Lifestyle) rechtfertigen locker, sich den Film anzusehen. Weil er sich aber konsequent keine Mühe gibt, seine Figuren und deren Handlungen richtig zu erklären und entwickeln, hat man als Zuschauer immer eine große Distanz zum Geschehen. Die mag gewollt sein, löst aber keinen (positiven) Reiz beim Betrachter aus. Für mich dennoch knapp

4/5

 

Kurzkritik: Scenic Route

Scenic Route PosterDrama, USA 2013

Regie: Kevin & Michael Goetz; Darsteller: Josh Duhamel, Dan Fogler

Zwei Freunde Anfang 30 unternehmen einen Roadtrip und fahren dabei durch die Wüste Kaliforniens. Mitchell (Duhamel) ist beruflich erfolgreicher Familienvater, Carter (Fogler) schreibt erfolglos Romane. Als ihr Wagen in der Wüste stehen bleibt und die beiden merken, dass sie in der abgelegenen Ecke jenseits der Highways wenig Aussicht auf eine baldige Rettung haben geraten sie mächtig aneinander.

„Scenic Route“ ist ein psychologisches Kammerspiel (wobei die „Kammer“ hier recht weitläufig ist), das ganz von den Dialogen und Schauspielern lebt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen stimmt dabei die Glaubwürdigkeit der (reichlich dramatischen) Ereignisse, auch die schwierige Beziehung der beiden alten College-Freunde ist stimmig entwickelt. Trotz einiger kleiner Ungereimtheiten beschäftigt sich der Film so überzeugend mit den Träumen, Lebensentwürfen und Realitäten seiner Figuren. Das Ende wird einige Zuschauer verwirrt oder enttäuscht zurück lassen – ich halte es mindestens für passend.

4/5