Filmkritik: Holy Motors

Holy Motors PosterDrama, Frankreich/Deutschland 2012

Regie: Leos Carax; Darsteller: Denis Lavant, Edith Scob

Holy Motors“ beginnt ganz ähnlich wie „Cosmopolis“ mit einem Mann im Anzug, der in eine Stretch-Limousine einsteigt und seinen Arbeitstag beginnt. Was folgt ist eine groteske, visuell überragende und geistig stimulierende Odyssee durch Paris, in der Hauptfigur Monsieur Oscar eine Reihe reichlich obskurer Aufgaben erledigt. Wer genau ihm diese vermittelt oder was sie genau bedeuten sollen bleibt weitgehend offen.

Tatsächlich braucht man als Zuschauer ein Faible für die Filme von Regisseuren wie Lynch und Cronenberg, um nicht entnervt das Weite zu suchen. „Holy Motors“ hat viel zu bieten und lässt sich in Teilen auch entschlüsseln. Es gibt viele äußerst sehenswerte Sequenzen im Film – und auch die weniger starken sind nie langweilig. Am besten hat mir dabei die (von Regie und Drehbuch zwischen den Zeilen ausgesprochene) Einladung gefallen, sich selbst einen Reim auf das absurde Geschehen zu machen. Ich habe sie nur zu gerne angenommen. Ich kann zwar nicht sagen, ich hätte „verstanden“. aber ich kann sagen, dass ich es mit großem Vergnügen probiert habe.

5/5 

IMDB.com / Trailer

Eilmeldung: Filmriss ändert AGBs

Ich will hier bezüglich der Zukunft dieser Seite mal kurz ein paar Worte an die werte Leserschaft richten. Wie einigen schon aufgefallen sein könnte habe ich zuletzt weniger geschrieben als noch im letzten Jahr. Zwei Gründe sind hierfür zu nennen. Erstens habe ich nicht viele Filme gefunden, die ich sehen wollte. Ich hoffe, dass sich das wieder ändern wird. Und zweitens finde ich zunehmend weniger Zeit, ausführlich über die Filme zu schreiben. Das wird sich eher nicht ändern.

Nun habe ich mir folgendes überlegt: statt relativ ausführlicher Beiträge werde ich künftig kurz und hoffentlich prägnant meine Meinung kundtun. Wer eine Inhaltsangabe vermisst, dem wird ein Link zur IMDB sowie zum Trailer helfen. Genre, Regisseur und Darsteller stehen weiter oben drüber. Und ein (gutes) Poster vermittelt ja meist auch viele Informationen. Ich probiere das jetzt gleich mal mit „Holy Motors“ aus…

Filmkritik: Immer Äger mit 40 (This is 40)

Immer Äger mit 40 (This is 40)Comedy/Drama, USA 2012

Regie: Judd Apatow; Darsteller: Paul Rudd, Leslie Mann, Albert Brooks, Megan Fox

Zwei Kinder, Haus mit Garten und Pool, schicke Autos, eigene Firma – Pete (P. Rudd) und Debbie (L. Mann) geht es kurz bevor sie beide 40 werden eigentlich blendend. „Immer Ärger mit 40“, die neue Komödie von Judd Apatow, beschäftigt sich mit den Tücken der Existenz von Eltern um die vierzig, die zwischen beruflichen Sorgen sowie den Launen und Nöten ihrer Kinder aufgerieben werden. Und dabei auch gern noch glücklich verheiratet wären, wenn sie denn mal Zeit hätten, an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Zwar mit ein paar guten Ansätzen und witzigen Szenen gesegnet scheitert der Film dramaturgisch früh und vollständig. Der Versuch, wirklich alle Aspekte des Familienlebens und den individuellen Ängsten und Träumen von Pete und Debbie unter die Lupe zu nehmen, gerät zu einer überlangen, mäßig unterhaltsamen Nummernrevue. Dabei hilft es natürlich auch nicht, dass die wenigen Konflikte, die für etwas Spannung hätten sorgen können, absolut voraussehbar auflösen.

Vielleicht funktioniert der Film für Menschen/Paare, die in derselben Situation stecken wie die Hautdarsteller von „Immer Ärger mit 40“. Immerhin gibt sich der Film zumindest Mühe, ihre Sorgen heraus zu arbeiten. Regisseur und Drehbuchautor Apatow, dessen Frau Leslie Mann und die zwei gemeinsamen Kinder drei Viertel der Film-Familie spielen, erzählt hier ganz offensichtlich auch aus dem eigenen Leben.

Tiefpunkt des ganzen ist übrigens – wie eigentlich immer bei Hollywood-Komödien – das große Finale. Tränenrührig, zuckersüß und heillos übertrieben findet der Film für alles eine Lösung, wie unwahrscheinlich und bekloppt sie auch sein mag. Und genau diese je nach Sichtweise entweder verlogene oder mindestens platte Botschaft macht jede scharfe und treffende Beobachtung, die „Immer Ärger mit 40“ in seinen weit über zwei Stunden macht, gleich wieder hinfällig.

2/5

 

Filmkritik: Gambit – Der Masterplan

Gambit - Der MasterplanComedy, USA 2012

Regie: Michael Hoffman; Darsteller: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Stanely Tucci

Wenn ein Film auf einem Drehbuch der Coen-Brüder basiert und mit einigen starken Darstellern besetzt ist, dann schürt das natürlich gewissen Erwartungen. Etwa, dass der Film witzig ist und einzigartige Charaktere auffährt. „Gambit“ ist leider nicht sehr witzig, und die Charaktere sind nicht sonderlich faszinierend. Der Film ist eine leichte Komödie ohne große Höhepunkte – keine totale Katastrophe, aber auch keine Empfehlung. Weder für Fans der Coens noch für Freunde leichter Komödien.

Colin Firth spielt Harry Dean, einen Kunst-Kenner, der die Sammlung des schwerreichen, misanthropischen Lionel Shahbandar (Alan Rickman) betreut. Harry ist pleite und hat von Shahbandar die Schnauze voll. Er schmiedet mit seinem ‚The Major‘ genannten Kumpel, einem mäßig talentierten Fälscher, einen Plan der die beiden reich machen soll. Dabei geht es um ein verschollenes Gemälde von Monet, das angeblich in Texas aufgetaucht ist – im Trailer von Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz).

„Gambit“ hat jede Menge Schwächen. Das Timing der Story ist bescheiden, die Chemie zwischen den Darstellern ziemlich mau, die Dialoge haben nur wenige Highlights zu bieten und die Story plätschert so vor sich hin, ohne je für echte Spannung oder Überraschungsmomente zu sorgen. Die Figuren sind alle nicht ganz schlecht geschrieben, bleiben aber Handlanger des Plots. Der ist gar nicht so verkehrt, aber eben nur eine (in seinen besten Momente immerhin inspirierte) Variation hinlänglich bekannter Motive.

Die einzige Szene, bei der ich richtig gelacht habe, ist die, in der eine für die Handlung absolut unwichtige Person in einem völlig unwichtigen Moment plötzlich furzt. Der Rest taugt wohl mal zum Schmunzeln und Kichern, aber echte Brüller sind nicht dabei. Auf letztere könnte man in einer leichten Caper-Comedy wie „Gambit“ natürlich verzichten, wenn der Film (so wie etwa „The Maiden Heist„) einfach über die gesamte Laufzeit Spaß machen würde. So aber sind die 90 Minuten Spielzeit nicht mehr als passable Unterhaltung, die man sich gut sparen kann.

3/5

 

Filmkritik: Hitchcock

Hitchcock FilmposterBiographie/Comedy, USA 2012

Regie: Sacha Gervasi; Darsteller: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Michael Stuhlbarg, Jessica Biel, Toni Collette, James D’Arcy

Das Offensichtliche zuerst. Nein, Anthony Hopkins sieht nicht aus wie Sir Alfred Hitchcock. Auch unter einer dicken Schicht Makeup und mit künstlicher Plautze nicht, wobei er ihm so schon ähnlicher wird. Das macht aber im Falle von „Hitchcock“ nichts, es ist trotzdem eine ziemliche Freude, Hopkins zuzusehen. Und er spielt ja nicht die einzige interessante Figur in diesem Film, der den britischen Meisterregisseur auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1959/60 zeigt.

Der Film von Newcomer Sacha Gervasi erzählt von der schwierigen Entstehungsgeschichte von „Psycho“. Die perfide Horrorstory gefällt den Studiobossen nicht, und dann soll auch noch die berühmte Hauptdarstellerin nach einem Drittel der Laufzeit sterben – kommerzieller Selbstmord, so das Urteil der Branche. Hitch überzeugt trotzdem Janet Leigh (S. Johanson) zum Mitmachen, in Anthony Perkins (J. D’Arcy) findet er einen begabten Schauspieler für die Rolle des Norman Bates. Die Finanzierung stemmt er dann unbeirrbar einfach selbst.

Neben Produktion und Dreh von „Psycho“ behandelt der Film zudem die Beziehung zwischen Hitchcock und seiner Frau und kongenialen Partnerin Alma Reville. Von Spannungen in ihrer Ehe zu sprechen wäre schon wegen der zahlreichen Spleens des Perfektionisten Hitchcock eine Untertreibung. Mirren und Hopkins spielen diese sonderbare Beziehung glanz- und humorvoll nach.

Der Film bürdet sich nicht das ganze Leben und Schaffen seiner Titelfigur auf, sondern erzählt in vergnüglichem Ton einen kurzen, ereignisreichen Abschnitt daraus. Diese Taktik geht in „Hitchcock“ überraschend gut auf, die Figuren wirken lebendig und überzeugend, selbst wenn sie den Originalen nicht sonderlich ähnlich sehen. Das gilt besonders für Hopkins‘ Spiel: er sieht vielleicht nicht aus wie Hitchcock, aber den Schauspieler Hopkins oder seine berühmten Rollen sucht man in seiner Figur absolut vergebens.

Es schadet sicher nicht, ein bißchen was über des Meisters Filme und seine vermeintliche Obsession mit schönen Schauspielerinnen zu wissen. Aber von seiner ganzen Art her richtet sich der Film – ähnlich wie „My Week With Marilyn“ – an ein breites Publikum. Das erfährt innerhalb der gut 90 Minuten Laufzeit genug über die Figuren und ihre historischen Vorbilder. Das Drehbuch verbindet geschickt Anekdoten der Filmgeschichte (etwa die Entstehung der berühmten Duschvorhang-Szene) mit glaubwürdigen Figurenzeichnungen und starken Dialogen. Wer ein genaues und/oder kontroverses Portrait des Regisseurs sucht, der wird hier nicht fündig. Geboten wird niveauvolle Unterhaltung mit filmgeschichtlichem Hintergrund.

4/5