Filmkritik: The Man With The Iron Fists

The Man With The Iron FistsMartial Arts/Comedy, USA 2012

Regie: RZA; Darsteller: Rick Yube, RZA, Russell Crowe, Lucy Liu

Dass RZA vom Wu-Tang Clan eine Vorliebe für asiatische Kampfkunst, Shaolin-Stories und Prügelfilme hat dürfte jedem bekannt sein, der mit seiner Musik vertraut ist. Nun hat RZA erstmals selbst einen Film gedreht, und die Titelrolle ganz unbescheiden mit sich selbst besetzt. „The Man With The Iron Fists“ erzählt von einer kleinen Stadt im alten China, in der sich die Wege konkurrierender Gangsterbanden und schillernder Kampfkünstler kreuzen – unter ihnen Russell Crowe als Rauhbein Jack Knife, Lucy Liu als Bordellbesitzerin und RZA als friedlicher Waffenschmied zwischen allen Fronten. Sie sind (fast) alle hinter einem großen Goldvorrat her, der auf seinem Weg von A nach B im Ort Station macht.

Der Anfang des Films ist eine äußerst chaotische und wenig befriedigende Angelegenheit. Die Story kommt nur umständlich in Gang, die vielen Prügeleien namenloser (Anti-)Helden sind zwar ganz nett choreographiert, aber als Selbstzweck trotz witziger und blutiger Einfälle ziemlich ermüdend. Nach einer knappen Stunde bekommt RZA, der auch das Drehbuch geschrieben hat, seine Story in den Griff und die Dramaturgie verdient sich ihren Namen als solche. Der Showdown macht sogar richtig Spaß – gesetzt den Fall, man hat den nicht ganz ernst gemeinten Quatsch überhaupt so lange ausgehalten.

Die Story-Elemente sind altbekannt, einsame Krieger, mysteriöse Kampfkünste, Intrigen, Verkleidungen und immer wieder durch die Gegend springende und fliegende Männer und Frauen, die kräftig austeilen. Russell Crowe und Lucy Liu in dem Treiben zuzusehen bringt Laune, eine weniger glückliche Figur macht RZA selbst in der (heimlichen) Hauptrolle. Sein immer gleicher, trauriger Gesichtsausdruck reicht nicht, um seiner Figur wenigstens im Ansatz ein Profil zu geben, dass mit den anderen Figuren (und Schauspielern) mithalten könnte. Und das obwohl diese die Latte nicht eben besonders hoch legen.

So richtig stören tut das aber auch nicht, denn „The Man With The Iron Fists“ ist ohnehin ganz klar ein „Fanboy“-Projekt. RZA schwelgt in seiner Faszination für trashige Eastern, die so tun, als würden in ihren Geschichten bedeutsame Weisheiten erzählt werden. Tatsächlich sind es eher ziemlich alberne Mythen und Kuriositäten – die aber zumindest in der zweiten Hälfte des Films all jenen Spaß machen könnten, die solcher Kost generell nicht abgeneigt sind.

3/5

 

Filmkritik: Upside Down

Upside DownFantasy/Drama, Kanada 2012

Regie: Juan Solanas; Darsteller: Jim Sturgess, Kirsten Dunst

Bei Fantasy- und Science-Fiction-Filmen, so rief mir neulich eine Buchrezension zu William Gibsons „Pattern Recognition“ ins Gedächtnis, ist das Szenario immer auch ein wichtiger Teil der Story. Was im Falle von „Upside Down“ keine gute Nachricht ist. Dessen Szenario um zwei sehr eng benachbarte Planeten, deren Einwohner jeweils nur von der Schwerkraft des Heimatplaneten angezogen werden, ist zwar irgendwie kreativ und spannend. Doch es ist auch überkompliziert, unstimmig und scheinbar vor allem dazu da, die zentrale Lovestory sowie deren Komplikationen zu ermöglichen.

Der Film erzählt von der unmöglichen Liebe zwischen Adam (Jim Sturgess) und Eden (Kirsten Dunst). Adam stammt vom armen der beiden Planeten, Eden vom reichen; als Teenager trotzen sie dem Schicksal an einem wundersamen Ort zwischen ihren Welten trotzdem ein paar romantische Treffen ab, bevor die Sache von den Sicherheitsbehörden abrupt beendet wird. Jahre später geht dann die eigentliche Story los, als Adam einen Job in dem beide Welten verbindenden Wolkenkratzer annimmt, in dem auch Eden arbeitet.

Es folgen eine Menge visuell interessanter Szenen, in denen viel mit Spiegelungen und 180°-Drehungen gearbeitet wird. Nur kommt die Story nie so richtig in Fahrt, „Upside Down“ erschöpft sich in den immergleichen Bildern vom schmachtenden Adam und der (wegen einer Amnesie) ahnungslosen, engelsgleichen Eden. Die beiden Hauptfiguren sind absolut eindimensional, von einer Chemie zwischen ihnen kann auch keine Rede sein. Die Effekte und ein paar gute Ideen können nicht verhehlen, dass der Film sich in Oberflächlichkeiten erschöpft, die zumindest ein erwachsenes Publikum nicht wirklich bei der Stange halten.

Ein großer Fehler des Films ist, dass er seine beiden Hauptfiguren quasi ausschließlich mit der Schwerkraft und anderen, vom Szenario vorgegebenen, Kräften ringen lässt. Es gibt keine (erst recht keine überzeugenden) Bösewichter, und auch sonst keine Nebenfiguren, die das Geschehen bereichern. Jim Sturgess, der in fast allen Szenen des Films ist, langweilt bald mit seinen immer gleichen frech-überraschten Blicken, Kirsten Dunst schlafwandelt mit makellosem Teint durch den Plot. Nach gut 90 Minuten ist der Spuk vorbei, bis dahin hat man sich an den schönen Effekten längst satt gesehen. Als modernes Märchen mag der Film Fantasy-Fans vielleicht sogar zusagen, wer aber auf Science-Fiction und/oder eine originelle Story gewartet hat ist hier so richtig fehl am Platz.

2/5

Filmkritik: Argo

ArgoDrama, USA 2012

Regie: Ben Affleck; Darsteller: John Goodman, Alan Arkin, Ben Affleck, Bryan Cranston

Die Geschichte hinter „Argo“ ist so gut, dass sie einfach verfilmt werden musste. In den Grundzügen geht sie so: Bei der Geiselnahme von Teheran 1979/80 spielen sich am Rande schier unglaubliche Geschehnisse ab, die lange vom US-Geheimdienst unter Verschluss gehalten wurden. Sechs Diplomaten sind bei der Stürmung der Botschaft geflohen und haben im Haus des kanadischen Botschafters Unterschlupf gefunden.

Eine offizielle Möglichkeit, sie außer Landes zu fliegen gibt es nicht. Also sucht man in Washington nach einer geeigneten Tarnung, um die wahre Identität der fünf Beamten zu verschleiern. CIA-Mann Tony Mendez (gespielt von B. Affleck) lässt seine Kontakte nach Hollywood spielen und entwickelt mit Makeup-Artist John Chambers (J. Goodman) und Produzent Lester Siegel (Alan Arkin) die Idee, die Diplomaten gegenüber den iranischen Behörden als Filmteam eines fiktiven Sci-Fi-Streifens namens „Argo“ zu verkaufen, die sich zur Drehort-Erkundung im Land aufhalten. Die Politik in Washington ist ob dieses haarsträubenden Plans wenig begeistert, doch die Zeit ist knapp – und so fliegt Mendez nach Teheran, um die Operation durchzuführen.

„Argo“ erzählt seine irrwitizge Geschichte ruhig und besonnen, mit spannenden und witzigen Momenten, aber im Kern immer mit ernstem Ton. Die politischen und historischen Dimensionen werden soweit es nötig ist erwähnt, doch ist der Film bemüht, keine politischen Statements abzugeben. Er zielt auf eine unterhaltsame und realistische Nachstellung der Story, die wegen des guten Drehbuchs, der souveränen Inszenierung (Afflecks zweite Karriere als Regisseur nimmt nach „Gone, Baby, Gone“ und „The Town“ weiter einen vielversprechenden Verlauf) und der durch die Bank großartigen Darsteller auch sehr gut gelingt.

Natürlich nimmt sich „Argo“ bei der dramatischen Ausgestaltung einige Freiheiten, unter anderem – so ist zu lesen – bauscht er die Rolle der CIA zu Ungunsten der kanadischen Behörden auf. Man braucht auch keine großen Geschichtskenntnisse um zu ahnen, dass der Showdown sicherlich etwas weniger actionreich ablief als hier gezeigt. Den gewöhnlichen Kinogänger sollte das aber alles nicht stören, er bekommt ein im besten Sinne interessantes und doch mainstream-taugliches Stück Kino zu sehen.

4/5