Filmkritik: Django Unchained

Django Unchained PosterWestern/Comedy/Abenteuer, USA 2012

Regie: Quentin Tarantino; Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, Samuel L. Jackson

In „Django Unchained“ mischt Quentin Tarantino (in fast schon altbekannter Manier) Zutaten aus verschiedenen Filmen, Genres und Geschichten zu einem eigentlich völlig unpassenden, aber erstaunlich gut funktionierenden Cocktail. Die Zutaten sind Spaghetti-Western der 60er und 70er Jahre, namentlich natürlich Sergio Corbuccis „Django“, das Blaxploitation-Kino der 70er, die Sage von Siegfried und Brunhilde aus dem Nibelungenlied, dazu die für Tarantino typischen Dialoge und Gewaltexzesse, sowie mit der Sklaverei ein historisch heikles Thema.

Christoph Waltz spielt Dr. King Schultz, einen deutschen Zahnarzt, der sich anno 1858 in den USA als Kopfgeldjäger verdingt. Schultz befreit den Sklaven Django (Jamie Foxx), weil der eine gesuchte Verbrechertruppe identifizieren kann, deren Kopfgelder der eloquente Ex-Dentist einsacken will. Nach ziemlich furiosem Beginn entwickelt sich dann die eigentliche Handlung – Django sucht nach seiner Frau, die auf die Plantage eines exzentrischen Sklavenhalters Candie (Leonardo DiCaprio) verkauft wurde. Ebenfalls im Rennen sind an Gladiatoren erinnernde Kampfsklaven, die Candie zum Vergnügen und als Wett-Geschäft gegeneinander antreten lässt. Im Film werden sie „Mandingo“ genannt, ob es sie zu Zeiten der Sklaverei tatsächlich gegeben hat ist bestenfalls unklar.

Wie gewohnt hat Regisseur und Drehbuchautor Tarantino eine Menge Ideen gehabt, die er genüsslich auf die Leinwand zaubert. Ebenso gewohnt ist man schon (zumindest geht das mir so), dass seine Euphorie geradezu ansteckend ist und er für seine Schauspieler großartige Rollen findet, an die man sich noch eine Weile erinnern wird. So spielt C. Waltz eine art gutartigen Hans Landa, immer bemüht, sein (weniger finsteres, dennoch sehr blutiges) Tun und Machen ausführlich, in gewählten Worten und stets lächelnd zu erklären. Etwa wenn er gerade vor den Augen eines ganzen Dorfes den Sheriff hingerichtet hat.

DiCaprio, in seinem ersten Auftritt bei Tarantino, spielt mit sichtlich Freude einen absoluten Widerling, den man dem auf Heldenrollen abonnierten Star tatsächlich sofort abnimmt. Bemerkenswert ist vor allem Samuel L. Jackson als Stephen, Candies scheinbar unterwürfigem, aber privilegierten Haussklaven mit Personalverantwortung, sicher eine seiner stärksten Rollen überhaupt.

Jamie Foxx als Titelheld beweist hohe Leidensfähigkeit, wie überhaupt die schwarzen Darsteller immer wieder (oft nackt oder halbnackt) brutal gequält werden. Für diese expliziten Darstellungen wie auch für die Rolle von Stephen hat Tarantino viel Kritik einstecken müssen, ebenso für den ständigen Gebrauch des Wortes „Nigger“, das in den USA immer noch hochbrisant ist – wenn es von Weißen ausgesprochen oder geschrieben wird.

Die Dramaturgie von „Django Unchained“ ist simpel, bisweilen gar etwas plump, was aber nur selten störend auffällt. Die Story ist mit 165 Minuten einen Tick zu lang geraten, doch Langeweile kommt bei der hohen Schlagfrequenz eher selten auf. Und gegen Ende kann der Film das Publikum für einen Moment richtig überraschen, bevor das Geschehen Kurs auf den unvermeidlichen Showdown nimmt.

„Django Unchained“ ist ein für Tarantino typischer Film, mit Stärken wie Wortwitz, Explosivität, dem Bruch von Konventionen, Lust am Subversiven und starken Darstellern. Er hat auch die üblichen Schwächen, wenn man sie so nennen will – er ist unrealistisch, übertrieben, äußerst brutal, hat das Potential Leute vor den Kopf zu stoßen, ist nur bedingt ernst zu nehmen und bedient sich hemmungslos bei cineastischen Vorbildern. Sich selbst hat QT hier vielleicht nicht übertroffen, seinen Ruf als Enfant Terrible des (post)modernen Kinos jedoch zementiert er souverän und sehr, sehr unterhaltsam.

4/5

PS: Wie so oft empfiehlt sich die englische Originalfassung; in diesem Fall u.a. weil hin und wieder Deutsch gesprochen wird, was in der Übersetzung ja wohl eher die Regel sein wird…

Filmkritik: Celeste & Jesse Forever

Celeste & Jesse Forever

Drama/Comedy, USA 2012

Regie: Lee Toland Krieger; Darsteller: Rashida Jones, Andy Samberg, Emma Roberts, Ari Graynor

Unabhängig produzierte Beziehungsdramen und -komödien sind meist um Längen besser als die von den Studios. Das trifft auch auf „Celeste & Jesse Forever„, der in Deutschland bald mit dem etwas plumpen, immerhin nicht ganz unpassenden Untertitel „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert“ in die Kinos kommen wird.

Jesse (A. Samberg) und Celeste (Rashida Jones) sind ein Ehepaar, beide Anfang dreißig, und sind gerade dabei sich scheiden zu lassen – was sie nicht daran hindert, als beste Freunde viel Zeit miteinander zu verbringen. Das wiederum finden einige ihrer gemeinsamen Freunde befremdlich, und so lassen sich beide zaghaft auf eine Rückkehr ins ‚Dating Game‘ ein.

Die beiden Hauptdarsteller spielen erfrischend reale und greifbare Figuren. Die müssen  zwar wie so oft in Filmen irgendwie nie (Jesse) oder nur selten (Celeste) arbeiten und können trotzdem gut leben, sind aber ansonsten aus Fleisch und Blut. Ihre komplexe Beziehung und die spritzige Art, in der sie in „Celeste & Jesse Forever“ präsentiert wird sind die große Stärke des Films. Dafür sind neben dem guten Drehbuch (an dem Rashida Jones mitgeschrieben hat) und der beschwingten Inszenierung die Darsteller verantwortlich, die bis in die Nebenrollen gut besetzt sind.

Leider kommt er Film nicht ohne die – in den USA scheinbar wirklich absolut unvermeidbare – Hochzeitsszene aus, bei der die ganz große tränenrührige Rede gehalten werden muss. Der Film übersteht diese Zerreissprobe gerade so, einen Gefallen tut er sich damit aber nicht. Zumal er diese Szene a) nicht nötig gehabt hätte und b) ansonsten seine Motive und Thema nicht nach Schema F entwickelt. Unter dem Strich immer noch ein guter Film, der – mit wenigen Ausnahmen – unprätentiös, witzig und ehrlich von den Schwierigkeiten des modernen Großstadtlebens zwischen Selbstverwirklichung, Zukunftsängsten und natürlich dem Auf und Ab des Beziehungslebens erzählt.

4/5

 

Filmkritik: Killing Them Softly

Killing Them SoftlyGangster/Drama, USA 2012

Regie: Andrew Dominik; Darsteller: Brad Pitt, Richard Jenkins, Ray Liotta, James Gandolfini

Wenn man sich nur das Poster von „Killing Them Softly“ ansieht kann man leicht einen falschen Eindruck bekommen, was der Film so bieten wird. Denn obwohl Brad Pitt tatsächlich einen Gangster in Lederjacke spielt und Menschen erschießt ist der Film keineswegs ein herkömmliches Rache-Drama, sondern eine – so merkwürdig das klingt – Art Meditation über den Zustand der USA im Allgemeinen und des organisierten Verbrechens in News Orleans im Speziellen.

Die Handlung spielt zum Zeitpunkt des Wahlkampfs zwischen Obama und McCain im Spätsommer oder Herbst 2008. Zwei Kleinkriminelle überfallen eine illegale Pokerrunde, deren Schutz die Mafia garantiert. Um die Sache zu klären wird Jackie (Pitt) in die Stadt gerufen, der mit einem namenlosen Mob-Bürokraten (gespielt von Richard Jenkins) die Lage bespricht. Offenbar zaudern die Gangsterbosse der Stadt, das zu tun, was Jackie für das einzig richtige hält: den verantwortlichen Chef der Pokerrunde kalt zu machen, die Räuber zu finden und sie dann ebenfalls zu erschießen.

Düster und schwermütig gehen die Dinge in „Killing Them Softly“ langsam ihren Lauf. Der Film präsentiert parallel die zwei Täter und ihre Angst vor der unausweichlichen Strafe, und Jackies Erkundigungen, um sie ausfindig zu machen. Ein zwischenzeitlich eingeflogener zweiter Killer (James Gandolfini) kommt und geht, Jackie trifft sich einige weitere Male mit dem namenlosen Mafia-Vermittler, bis es schließlich zur zentralen Konfrontation kommt. Die immer wieder mitschwingende Gesellschaftskritik bleibt lange ziemlich nebulös – bis der Film sie in einem plakativen, aber sehr passenden Dialog kurz vor dem Abspann doch noch in ganz konkrete Worte packt.

Wie man „Killing Them Softly“ zu verstehen hat ist damit  übrigens trotzdem nicht ganz klar. Es muss zumindest bezweifelt werden, dass der Film seinen Hauptfiguren Recht geben will, ihre Taten und Ansichten sind vielleicht eher Teil des Problems. Ob mir das ganze unter dem Strich wirklich gefallen hat vermag ich abschließend noch nicht zu sagen. Immerhin war es interessant, ungewöhnlich und stark gespielt – genug, um dieser Frage in einem zweiten Durchgang in Kürze noch einmal nachzugehen…

[Vorläufig:] 4/5

 

Filmkritik: Silver Linings Playbook

Silver Linings PlaybookComedy/Drama, USA 2012

Regie: David O. Russel; Darsteller: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro

Als Pat (B. Cooper) seine Frau Nikki mit einem Kollegen beim Sex unter der Dusche erwischt schlägt er den Mann halb tot.  „Silver Linings Playbook“ erzählt davon, wie Pat nach einigen Monaten aus der Psychatrie entlassen wird (bei ihm wurde eine bipolare Störung diagnostiziert). Er ist entschlossen, Nikki zurück erobern, auch wenn es ihm per einstweiliger Verfügung untersagt ist, sich ihr auch nur zu nähern. So zieht er bei seinen Eltern Pat Senior (R. De Niro) und Doleres (J. Weaver) ein, wo er als erstes seine Medikamente absetzt – und schnell wieder ziemlich verhaltensauffällig wird.

In Pats mühsame Gehversuche zurück in der gewohnten Umgebung bricht die hübsche Tiffany (J. Lawrence) ein, die nach dem Tod ihres Mannes neben der Spur steht und trotz Medikamenten eine Menge verrückte Anwandlungen hat. Der Film beginnt in erster Linie als Drama, mischt dabei langsam eine Portion Humor dazu um dann am Ende leider allzu deutlich in Richtung Mainstream abzubiegen. Funktionieren tut er trotzdem erstaunlich gut, was an den starken Haupt- und Nebendarstellern liegt.

Neben Bradley Cooper, hier mal etwas außerhalb seiner üblichen Rollen, spielt überzeugend auf, Jennifer Lawrence ist ebenfalls sehr gut – auch wenn sie für die Figur eigentlich ein paar Jahre zu jung ist. Robert De Niro ist ein Highlight als extrem abergläubischer und fanatischer Fan des Football-Teams Philadelphia Eagles. Fast alle Nebenfiguren sind mehr als nur blasse Sidekicks, auch wenn die große Show eindeutig Pat, Nikki und Tiffany gilt.

Wie schon erwähnt übertreibt der Film gegen Ende ein wenig und setzt auf ein – immerhin großartig choreographiertes – Finale mit Pauken und Trompeten. Und doch erzählt er eine gelungene und durchaus rührende Geschichte um neue Hoffnungen und zweite Chancen im Leben, die in ihren starken Momenten echte Größe hat. Letzten Endes ist „Silver Linings Playbook“ überzeugtes Gefühlskino, keine verkopfte Independent-Produktion. Manche werden dem Film das übelnehmen, weil es zu Beginn nicht unbedingt abzusehen ist, andere werden begeistert sein. Ich selbst war angesichts der guten Kritiken zumindest nicht negativ überrascht.

4/5

Filmvorschau 2013, Teil 1: „Machete Kills“

Machete Kills - Lady Gaga PosterIn „Machete Kills“ erzählt Robert Rodriguez die Story um den von Danny Trejo gespielten mexikanischen Drogen-Cop weiter. Muss man vielleicht nicht im Kino sehen, doch da mir Teil eins sehr viel Spaß gemacht hat werde ich mir den Film so oder definitiv ansehen. Mit dabei sind unter anderem Mel Gibson, Lady Gaga (!), Amber Heard und Jessica Alba, erwarten darf man brutales, nicht ganz ernst gemeintes Action- und Baller-Spektakel und einen Haufen markiger Sprüche.

Voraussichtlicher Kinostart: 21.11.

Filmkritik: John Dies at the End

John Dies at the End PosterComedy/Horror, USA 2012

Regie: John Coscarelli; Darsteller: Chase Williamson, Rob Mayes, Paul Giamatti

Basierend auf dem gleichnamigen Kult-Schundroman von David Wong erzählt „John Dies at he End“ eine äußert abgefahrene Story. Die beiden Studienabbrecher David (C. Williamson) und John (R. Mayes) geraten mit einer wundersamen Droge namens ‚Soy Sauce‘ in Kontakt und finden sich bald in einem Szenario wieder, in der sie allein die Welt vor bösen außerirdischen Mächten retten können.

Erzählt wird in Rückblenden, während David dem Journalisten Archie (P. Giamatti) von den Geschehnissen erzählt – und diesem seine durch die Droge gewonnenen widernatürlichen Kräfte vorführt. Die Geschichte entwickelt sich von dem zunächst nur recht abstrusen Versteckspiel mit der Polizei zu einer immer groteskeren Farce, in der die beiden Freunde in fremde Dimensionen reisen, deren Eingang sich in einer stillgelegten Shopping Mall befindet.

Irgendwo zwischen David Lynch, „Naked Lunch“, Splatter-Filmen und „Fear & Loathing in Las Vegas“ kommt „John Dies at the End“ als wilder Trip daher, in dem sich die irrsten Entwicklungen rasant abwechseln. Die Inszenierung ist bei aller Verspieltheit dabei stimmig und homogen genug um sich nicht an der wirren Story voller Drogen, Aliens und merkwürdiger Charaktere zu verheben. Das Tempo ist recht hoch, die absurde Komik vieler Szenen (wenn etwa David mit einem Hotdog telefoniert oder John aus einem Hund heraus mit ihm spricht) wird Freunden derartigen Humors viel Freude machen.

Mit bescheidenem Budget von Regisseur John Coscarelli („Bubba Ho-Tep“) realisiert kann „John Dies at the End“ sowohl vom Produktionsdesign, den Effekten und den weitgehend unbekannten Darstellern her überzeugen. Der Film ist vielleicht kein Meisterwerk, aber ein anarchisch-witziger Horrorfilm, der richtig Laune macht und bei seiner Zielgruppe sicher zurecht sehr gut ankommen wird. In Deutschland wird er auf DVD/BluRay und On Demand im April bei Pandastorm Pictures erscheinen.

4/5

 

Filmkritik: Seven Psychopaths

Seven PychopathsComedy, UK 2012

Regie: Martin McDonagh; Darsteller: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson

Der Beginn von „Seven Psychopaths„, dem neuen Film von „In Bruges“-Regisseur Martin McDonagh, ist wahrlich großartig. Zwei Killer quatschen auf einer Brücke in L.A. über ihren neuen Auftrag (eine Frau), und während sie noch cool da stehen und Sprüche reißen kommt aus dem Hintergrund ganz gemütlich ein maskierter Mann herbeispaziert und verpasst beiden satte Kopfschüsse. Das Blut fliegt direkt in Richtung Kamera, die übertriebene Erzählweise ist etabliert. Und der erste Psychopath des Titels hatte gleich seinen Auftritt.

In recht flottem Tempo erzählt der Film in den ersten 45 Minuten von Drehbuchautor Marty (C. Farrell), der an einem Script namens – genau! – „Seven Psychopaths“ arbeitet, und seinem etwas durchgeknallten Kumpel Billy (S. Rockwell), der ihm dabei gern helfen will. Hauptberuflich jedoch entführt Billy mit seinem Freund Hans (C. Walken) die Hunde wohlhabender Leute, um dann bei Abgabe einen Finderlohn zu kassieren. Nebenbei kommt die Sprache auf die übrigen Psychopathen, bis nach einer knappen Stunde die Karten neu gemischt werden.

Dann nämlich eskaliert ein Streit zwischen Billy und dem Besitzer seines zuletzt entführten Köters – Gangster Charlie (W. Harrelson) nimmt eiskalt Rache. Nach kurzem Chaos verabredet man sich bald darauf zum Showdown in der Wüste. „Seven Psychopaths“ beginnt als eine Mischung aus Komödie um einen saufenden Autor, seine schrägen Freunde und Tarantino-artigen Rückblenden zu wilden Killer-Legenden (ein fieser Quäker, ein Pärchen, dass den „Zodiac“-Killer umlegt). In vielen kleinen Rollen sind bekannte Schauspieler zu sehen, so kommen etwa Tom Waits, Michael Pitt, Michael Stuhlbarg und Olga Kurylenko zu Kurzauftritten.

Das Ganze macht durchaus Spaß, es sind ein paar stark inszenierte Ideen dabei, gute Dialoge und die Figuren sind äußerst unterhaltsam. Doch am Ende kippt der Film ein wenig in Richtung Belanglosigkeit, da wird das Spiel mit Zitaten und Anspielungen ein wenig ermüdend, es mangelt an einem erzählerischem Fundament. McDonagh hat einen witzigen Film über das Thema Schreibblockade geschaffen, der auch offensiv mit seinen eigenen Schwächen umgeht. So ganz überzeugen konnte mich „Seven Psychopaths“ dennoch nicht, vielleicht weil die so simple wie geniale Story von „In Bruges“ noch in meinem Hinterkopf herumschwirrte.

[knapp] 4/5

 

 

Filmkritik: The Paperboy

The PaperboyDrama, USA 2012

Regie: Lee Daniels; Darsteller: Zac Efron, Matthew McConaughey, Nicole Kidman, John Cusack, Macy Gray

In Rückblenden erzählt „The Paperboy“ die Geschichte zweier Reporter, die anno 1969 einen Mordfall in einem verschlafenen Nest in Florida neu aufrollen wollen. Der Hauptaugenmerk des Films liegt aber nicht auf dem Kriminalfall und dessen mysteriösen Umstände, sondern auf den Figuren. Ward Jansen (M. McConaughey) kommt mit seinem schwarzen Reporterkollegen Acheman aus Miami zurück in die alte Heimat. Sein jüngerer Bruder, College-Abbrecher Jack (Z. Efron), verdingt sich als Zeitungsausträger und verliebt sich in die laszive Trash-Queen Charlotte (N. Kidman), die mit dem verurteilten Mörder Van Wetter (J. Cusack) anbandelt. Macy Gray spielt Anita, die Haushälterin der Jansens, die ein besonderes Verhältnis zu Jack hat und als Erzählerin der Story fungiert.

Hinter allen Figuren lauern Abgründe, die „The Paperboy“ allmählich heraus arbeitet. Stark gespielt von allen Beteiligten entwickelt der Film eine intensive erzählerische Kraft, die bis zum Ende fesselt. Während Kidman und Cusack schillernde Charaktere spielen, glänzen die übrigen Schauspieler eher mit zurückhaltenden Darstellungen. Sexuelle und politische Zwischentöne geben „The Paperboy“ Bedeutung über die eigentliche Handlung hinaus. Im Vorfeld des Film war viel über die Szene zu lesen, in der Nicole Kidman einem ihrer Kollegen ins Gesicht pinkelt. Von einem Skandalfilm, wie ihn vielleicht einige von „Precious“-Regisseur Lee Daniels erwartet haben, kann man trotzdem nicht sprechen. Von einem starken, fesselnden Drama schon. Mehr davon, bitte.

4/5

Filmkritik: Taken 2

Taken 2Action/Thriller, Frankreich 2012

Regie: Olivier Megaton; Darsteller: Liam Neeson, Famke Janssen, Maggie Grace

Ich gebe zu, mir war ziemlich langweilig, sonst hätte ich mir „Taken 2“ nicht angesehen. Zwar halte ich den ersten Teil nach wie vor für ein unterhaltsames Stück geradliniger Action, aber noch eine Entführung, damit Liam Neeson als Ex-Agent Bryan nochmal markige Sprüche raushauen und dutzendweise Leute umbringen darf? Lieber nicht.

Genau das bietet nun aber bietet der Film, zur Abwechslung diesmal in Istanbul. Dort will Bryan mit Töchterchen Kim (M. Grace) und Ex-Frau Lenore (F. Janssen) ein wenig abspannen, als die Schergen von einem der Obergangster aus dem Vorgänger-Film auftauchen und auf Rache sinnen. Trotz aller Gegenwehr finden sich Bryan und Lenore bald in der Gewalt der Bösewichter wieder, während Kim ihren Häschern knapp entkommen kann.

Interessanterweise hat „Taken 2“ streng genommen keinen Plot (selbst im Vergleich zum ersten Teil), weil die Gangster irgendwie nicht in die Gänge kommen und ihn einfach mal abmurksen. Sie warten, bis er wieder frei ist und lassen sich dann weitgehend ohne größere Gegenwehr abmetzeln, bis die Familie zum Abspann fröhlich wieder in Los Angeles am Ozean diniert. Auf dem Weg dahin knallt es zwar ordentlich, aber wenig spektakulär. Bryans Ansagen an seine Tochter („Listen! I need you to focus.“) sind schon wieder komisch, so abgestanden klingen sie.

Neeson und seine Schauspiel-Kollegen sind im Autopilot unterwegs, zuweilen scheinen sie genau zu wissen, in was für einen Murks sie da involviert sind. Bryans Kampf-Moves erinnern oft an den Steven Seagal der frühen Neunziger, falls das jemanden interessiert. Maggie Grace gibt mit inzwischen 29 Jahren immer noch die keusche Teenagerin – als wäre sie dafür nicht schon im ersten Teil viel zu alt gewesen. Für ein Publikum ohne jeden Anspruch (ein Publikum etwa, das auch an „The Cold Light of Day“ Freude gehabt hat) mag das Gebotene ausreichen, alle anderen können sich diese Fortsetzung wenig überraschend sehr gut sparen.

2/5

Filmkritik: Deadfall

Deadfall FilmposterThriller, USA 2012

Regie: Stefan Ruzowitzki; Darsteller: Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnem

Die Geschwister Addison (E. Bana) und Liza (O. Wilde) sind nach dem Überfall auf ein Kasino im Nordwesten der USA auf der Flucht nach Kanada. Dumm nur, dass sie auf dem Weg dorthin einen Unfall haben und sich plötzlich zu Fuß durch die verschneiten Wälder bewegen müssen. Ihre Wege trennen sich vorerst, und Liza trifft bald auf den Ex-Knacki und Ex-Boxer Jay (C. Hunnem), der mit seinem Pickup auf dem Weg zum grenznahen Anwesen seiner Eltern ist.  Wenig überraschend ist Jay von seiner neuen Bekannten äußerst angetan, was der in die Karten spielt. Addison schlägt sich derweil allen durch den Wald, kann aber bald immerhin einen Schlitten benutzen – den er allerdings teuer bezahlen muss.

Deadfall“ bedient sich vieler bekannter Genre-Muster, aus denen er seine simple, aber recht effektive Story zusammenbaut. Nicht immer wirken die Entwicklungen der Figuren sonderlich stimmig, aber im Großen und Ganzen passt das Szenario. Zumal der Film ein Gespür für das richtige Timing und einige richtig spannende, altmodisch abenteuerliche Szenen bietet. Insgesamt nicht mehr als eine gelungene Variation vielfach bekannter Motive, aber eine gut gemachte und fast durchweg überzeugende solche. Für Thriller-Fans ein zum Winter passendes Häppchen, schauspielerisch solide – auch weil sich am Ende Sissy Spacek und Kris Kristofferson die Ehre geben.

3/5

Die 10 besten Filme von 2012

Meine Top 10 des Jahres 2012, wie üblich habe ich sicher nicht alle guten Filme gesehen. Die Highlights des Kinojahres waren für mich eher die großen Filme als die kleinen, zumindest sind vier richtig teure Produktionen darunter. Das liegt vielleicht auch daran, dass da auf dem Regiestuhl Menschen saßen, deren Filme vor ein paar Jahren noch zu den kleineren zählten. Wie etwa Sam Mendes („American Beauty“) mit „Skyfall“ oder Christopher Nolan („Memento“) mit dem Abschluss der „Batman“-Trilogie. Verpasst habe ich auch eine Menge Filme, von denen ich hoffentlich alle bald nachholen kann.

  1. Dame, König, As, Spion
  2. Young Adult
  3. The Avengers
  4. Killer Joe
  5. Moonrise Kingdom
  6. Martha Marcy May Marlene
  7. Hugo Cabret
  8. Skyfall
  9. The Dark Knight Rises
  10. The Artist

Knapp dahinter: „Arbitrage“, „We Need To Talk About Kevin“, „Perfect Sense“