Filmkritik: Die Qual der Wahl (The Campaign)

Die Qual der Wahl - The CampaignComedy, USA 2012

Regie: Jay Roach; Darsteller: Zach Galifianakis, Will Ferrell, Jason Sudeikis

In dieser Politik-Klamotte von „Austin Powers“-Regisseur Jay Roach kämpfen zwei ungleiche Männer in einem Bezirk von North Carolina um einen Sitz im US-Kongress. Amtsinhaber Cam Brady (Ferrell) ist ein schmieriger Profi der Provinzpolitik, ein Weiberheld und Opportunist. Zum ersten Mal seit Jahren muss er einen echten Wahlkampf führen, denn zwei schwerreiche Industrielle mit finsteren Plänen für den Bezirk stellen einen Gegenkandidaten auf – den harmlosen Gutmenschen Marty Huggins (Galifianakis), Spross einer Polit-Dynastie, aber ohne jedes politische Talent.

Die Qual der Wahl“ ist sehr klamaukig geraten, die Story hat mit dem realen Politikbetrieb wenig am Hut, weswegen auch die satirischen Elemente unglaubwürdig wirken und ins Leere laufen. Die wenigen guten Momente sind den Darstellern und einigen guten Dialogen geschuldet. Doch ein paar Lacher können nicht davon ablenken, dass der Film harmlos und oft dämlich daher kommt. Das Drehbuch hat die – wenig sympathischen – Figuren zu lieb und präsentiert am Ende gar noch eine scheele Moral mit albernem Happy-End. Das durchaus vorhandene Potential des dreckigen Wahlkampfes wird fast vollständig verschenkt, weil der Film lieber seinen Hauptdarstellern eine Bühne für ihr Comedy-Talent bietet. Übrig bleibt eine unspektakuläre Nummernrevue mit wenigen Höhepunkten.

2/5

Filmkritik: The Amazing Spider-Man (2D)

The Amazing Spider-ManAction/Fantasy, USA 2012

Regie: Marc Webb; Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Martin Sheen

Der wichtigste Grund, warum die zu Sony gehörenden Columbia Studios nur 10 Jahre nach dem Beginn der ersten Trilogie das Franchise mit „The Amazing Spider-Man“ neu starten, ist ohne Zweifel finanzieller Natur. Der Spinnen-Mann zieht an der Kinokasse, die nächste Generation von Teenagern soll der neuen Reihe (natürlich in 3D gedreht) zu großem, weltweiten Erfolg verhelfen. Wer die drei bisherigen Filme (von denen die ersten beiden sehr gut waren) gesehen hat, stellt sich hingegen die Frage, warum man sich die Geschichte vom schüchternen Waisenjungen mit plötzlichen Superkräften noch einmal ansehen soll. Einen wirklich guten Grund dafür habe ich nicht gefunden.

Dabei ist der Film keineswegs schlecht inszeniert. Die Spezial-Effekte sind fast durchweg sehr gut gemacht, die Besetzung ist ebenfalls gelungen und trotz der über zwei Stunden Laufzeit sind nur wenige Längen drin. Und doch hat man fast alles schon zu oft gesehen – den irren Wissenschaftler, den lieben Onkel Ben, die schöne Mitschülerin (hier NICHT Mary Jane), die unfairen Schlagzeilen in den Zeitungen und schließlich die Rettung der Stadt vor dem totalen Chaos.

Daran ändern auch der etwas andere Tonfall, der leicht düsterere Look oder die durchaus vorhandenen, aber keineswegs gravierenden Unterschiede bei Plot und Figuren nichts. Solide, flotte und gut gespielte Unterhaltung kann „The Amazing Spider-Man“ bieten. Wirklich interessant wäre die neue Reihe aber nur, wenn man versuchen würde, der Figur „Spider-Man“ ein paar neue Facetten abzugewinnen – das gilt allerdings auch für 80% aller anderen Superhelden-Filme. Mal sehen, ob die Produzenten dazu in den geplanten Fortsetzungen den Mut finden…

3/5

Filmkritik: The Angel’s Share

The Angel's ShareDrama/Comedy, UK 2012

Regie: Ken Loach; Darsteller: Paul Brannigan, John Henshaw, Gary Maitland

Eine Gruppe kleinkrimineller und arbeitsloser Männer (und eine Frau) aus Edinburgh leistet unter der Leitung des hemdsärmligen Sozialarbeiters Harry ‚Community Service‘ ab. Im Mittelpunkt von „The Angel’s Share“ steht Robbie, der mit Anfang Zwanzig schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Seine letzte Prügelei hätte ihn in den Bau gebracht, würde seine Freundin Leonie nicht ein Kind von ihm erwarten und der Richter der jungen Familie wenigstens eine Chance geben wollen. An Robbies Seite präsentiert der Film von Ken Loach, dem berühmten Altmeister der Sozialkritik, ähnliche Außenseiter und Verlierer aus der Arbeiterschicht.

Während Robbie um eine Zukunft kämpft, die ihm sein Umfeld und die früheren Freunde partout nicht gönnen, entdeckt er mit Harrys Hilfe, dass er eine feine Nase für edle Whiskeys hat. Daraus, das ist ihm klar, müsste sich Kapital schlagen lassen – nur wie? „The Angel’s Share“ kombiniert souverän klassisches Sozial-Drama mit einer spritzigen Komödien- und Krimihandlung, die für ungeahnte Heiterkeit sorgt. Zum Teil mit Laiendarstellern besetzt überzeugt die Geschichte über die komplette Laufzeit, auch wenn die Tonart zum Ende spürbar milder und positiver wird. Man könnte dem Film sicher vorwerfen, er vernachlässige die Gesellschaftskritik zugunsten der Unterhaltsamkeit, aber das trifft es nur bedingt. Vielmehr traut „The Angel’s Share“ seinen unterprivilegierten Figuren einfach mehr zu als der Rest der Gesellschaft. Daran leidet sicher die Glaubwürdigkeit des Plots (der eher ein Gleichnis ist), nicht aber die des Szenarios an sich. Denn Loach lässt zu keinem Zeitpunkt Zweifel aufkommen, wo seine Sympathien liegen – und welches die wahren Probleme seiner ungewöhnlichen Helden sind.

4/5

Filmkritik: Killer Joe

Killer JoeDrama/Thriller, USA 2012

Regie: William Friedkin; Darsteller: Matthew McConaughey, Emile Hirsch, Thomas Haden Church, Gina Gershon, Juno Temple

Chris Smith (E. Hirsch) ist ein kleiner Drogendealer, der Geld braucht. Seine Idee ist simpel: er will seine Mutter umbringen lassen und gemeinsam mit seinem Vater Ansel (T. Haden Church) und dessen zweiter Frau Sharla (G. Gershon) die Lebensversicherung abkassieren. Die beiden sind einverstanden, seine Schwester Dotti (J. Temple) ebenfalls – obwohl sie eigentlich gar nicht gefragt werden sollte Doch der einfache Plan läuft schnell aus dem Ruder. Der ominöse „Killer Joe“ Cooper (M. McConaughey) verlangt einen Vorschuss, den die Familie nicht aufbringen kann. Stattdessen lässt sie sich mit Joe, im Hauptberuf Polizist in Dallas, auf eine andere Lösung ein, was vor allem Chris bald bereut…

„Killer Joe“ ist eine rabenschwarze Trash-Oper, die sich mit einigen wohldosierten Überraschungen ihrem brutalen Finale nähert. Der Film entwickelt Figuren und Geschichte in gemächlichem Tempo, wird dabei aber nie langweilig, weil er die Intensität des Geschehens immer weiter steigert. Während Chris und seine Familie kleinkriminelle und ungebildete arme Schlucker sind, die sich ihren Stück vom Kuchen mit Gewalt nehmen wollen, steht Joe Cooper Ihnen als übergroße Bedrohung gegenüber – obwohl er eigentlich auf ihrer Seite ist.

Ein bißchen erinnert der Film in seinem Fatalismus an frühe Filme der Coen-Brüder wie „Blood Simple“ oder auch „Fargo“. Auftragsmord, Gier, Dummheit und (nicht vorhandene) Loyalität, das sind die großen Themen von „Killer Joe“. In der Hauptrolle kann McConaughey mit eindringlichem, körperbetonten Spiel als faszinierende ‚larger-than-life‘-Figur überzeugen, doch auch die restlichen Darsteller spielen groß auf und liefern den allzumenschlichen Gegenentwurf dazu. Keine leichte Kost, doch ein bei aller Künstlichkeit der Titelfigur äußerst fesselnder und handwerklich meisterhaft inszenierter Film von Regie-Veteran William Friedkin („French Connection“, „The Exorcist“).

4/5

Filmkritik: Abraham Lincoln – Vampirjäger

Abraham Lincoln – VampirjägerAction/Fantasy, USA 2012

Regie: Timur Bekmambetov; Darsteller: Benjamin Walker, Dominic Cooper, Rufus Sewell

Abraham Lincoln – Vampirjäger“ ist die Verfilmung eines Romans von Seth Grahame-Smith, der gerne Geschichte oder Literatur-Klassiker mit Zombie-Stories anreichert („Pride & Prejudice and Zombies“). So erzählt der Film von US-Präsident Lincoln, dessen Mutter durch einen Vampir ermordet wird, als er noch ein Kind ist. Jahre später, inzwischen erwachsen, trifft Lincoln auf seinen Mentor Henry (D. Cooper), der ihn zum Vampirjäger ausbildet. Ausgestattet mit einem mächtigen Beil sowie übermenschlichen Kräften und Reflexen bietet er den überall in der Gesellschaft lauernden Vampiren die Stirn. Quasi nebenbei wird der junge Mann zum Anwalt, Politiker und schließlich zum Präsidenten – der mit (und in) einem Bürgerkrieg zu kämpfen hat.

Viel gutes lässt sich über den Film von „Wanted“-Regisseur Timur Bekmambetov leider nicht sagen. In der Hauptrolle krass fehlbesetzt kommt „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ von Anfang an wie ein schlechter Scherz daher, und das trifft es ganz gut. Man darf ja gerne mit Ex-Präsidenten der USA Schabernack treiben und auch die Geschichte umschreiben (siehe Tarantino in „Inglourious Basterds“), aber man sollte das bitte auf unterhaltsame, originelle Art und Weise tun. Hier wird eine eher beliebige Vampir/Horror-Geschichte auf durchschnittlichem  B-Movie-Niveau geboten, und eine der Figuren soll eben ein berühmter Präsident sein. Leider nimmt man Benjamin Walker den großen Staatsmann nie ab, schlimmer noch, auch seine Anfänge als zorniger Jungspund sind schlicht peinlich.

Vor allem erzählerisch ist das „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ sehr schmale Kost, was man mit guten Ideen und Witz hätte auffangen müssen. Die vielen schnellen, aber oft sinnlosen und chaotisch bis lächerlich choreographierten Action-Szenen hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Von Figurenzeichnung kann ohnehin keine Rede sein, die darf man auch nicht ernsthaft erwarten. Aber so platt und willenlos wie hier hat man das schon lange nicht mehr gesehen (oder doch: in den „Twilight“-Filmen! Und ähnlich mau auch in „Jonah Hex“.) Das wirkt alles einfach nur uninspiriert, ist ziemlich niveaulos und kann nicht einmal visuell überzeugen. Die Effekte sind günstig produziert (oder sehen so aus), die Ästhetik gleicht oft billigen Fernsehserien der 80er. Fehlerhaft in allen Teilen.

1/5

Filmkritik: To Rome With Love

To Rome With LoveEine normale Rezension zu Woody Allens neuem Film kann ich guten Gewissens leider nicht schreiben. Es gab da ein Problem mit den Untertiteln (es gab nämlich für die italienischen Parts keine), und so habe ich von zwei der vier Episoden, aus denen „To Rome With Love“ besteht nur die Hälfte – nämlich die grobe Handlung und ein paar leichte Brocken italienisch – verstanden. Der Vollständigkeit halber will ich hier trotzdem erwähnen, dass ich den Film für Allens schwächsten seit Jahren halte, vielleicht noch schwächer als „Scoop“ und „Cassandra’s Dream“.

Das Problem ist ganz einfach. Trotz der malerischen Bilder (die sicher ein geschöntes Bild der Stadt zeigen) und dem gewohnt namhaften Ensemble kommt der Film in keiner der vier Episoden so richtig in Fahrt. Ob die von einem Architektur-Professor kommentierte Dreiecksgeschichte unter jungen Auslandsstudenten, die vom Himmel gefallene Berühmtheit eines Normalbürgers, die Hochzeitsreise eines jungen Paares aus der italienischen Provinz oder der Opern-Regisseur im Ruhestand, der bei der neuen Verwandtschaft einen kommenden Star-Tenor entdeckt – all diese Stories sind bestenfalls gefällig und hin und wieder mal witzig.

In seinen besten Spätwerken der letzten Jahre hat Allen es immer wieder geschafft, seine urtypischen Themen und Figuren in neue Städte, Zeiten und Erzählformen zu verpflanzen. In „To Rome With Love“ versucht er das nur halbherzig und gibt dafür einer körperbetonteren Komik den Vorzug. Die sorgt wohl für Erheiterung, und seine Stars wie etwa Penelope Cruz, Alec Baldwin, Ellen Page, Jesse Eisenberg und Roberto Benigni geben sich auch alle Mühe. Doch mehr als einen harmlosen Spaß, der so dahin plätschert, ergibt das in der Summe nicht. Von Woody Allen erwartet man da nach „Midnight in Paris“, „Vicky Christina Barcelona“ oder „Match Point“ einfach mehr. Sein Sommer in Rom scheint den Altmeister nicht sonderlich inspiriert zu haben…

Filmkritik: Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der WeltComedy/Drama, USA 2012

Regie: Lorene Scafaria; Darsteller: Steve Carell, Keira Knightley

Das Ende der Welt ist ein gern gesehenes Thema im Kino, meist bei Actionfilmen (von Roland Emmerich) oder in düsteren Dramen wie „The Road“ und „Melancholia“. Nun gibt es mit „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ eine Komödie zum Thema. Zu Beginn des Films sind es noch drei Wochen bis zur Kollision eines riesigen Asteroiden mit der Erde. Die Menschen bereiten sich an der Seite ihrer Liebsten aufs Ende vor, nehmen Drogen, haben Sex mit Fremden oder auch Bekannten, alle Hemmungen fallen langsam ab.

Doch die zwei Hauptfiguren des Films machen da nicht mit. Dodge (S. Carell) wurde just von seiner Frau verlassen und gibt sich der Melancholie hin. Seine flippige Nachbarin Penny (K. Knightley) kann nicht zu ihrer Familie nach England und ist dabei ihren irren Freund zu verlassen. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Paar auf einen Roadtrip mit dem Ziel, Dodges Jugendliebe zu finden und Penny doch noch in einen Flieger nach Hause zu setzen. Und wer jetzt glaubt, dass die beiden ihre Ziele erreichen, hat von romantischen Endzeit-Komödien keine Ahnung…

Der Film funktioniert als Drama gar nicht schlecht, weil die Figuren stimmig und sympathisch gezeichnet sind, und Carell und Knightley beide entspannt aufspielen. So fürchterlich ernst kann man das Geschehen natürlich nicht nehmen, aber der Rahmen stimmt. Die Comedy-Elemente steuern zu Beginn ein paar gute Szenen und Gags bei, treten mit zunehmender Laufzeit dann aber in den Hinterrund und zünden auch nicht mehr so richtig. Die Mischung ist insgesamt gelungen, die Inszenierung von Regie-Debütantin Lorene Scafaria ist flockig und kurzweilig. Für einen großen Wurf fehlen ein wenig die Überraschungen, geboten wird  aber äußerst solide Unterhaltung in einem gekonnt entwickelten Szenario.

3/5

Filmkritik: Looper

LooperSci-Fi/Drama/Thriller, USA 2012

Regie: Rian Johnson; Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Jeff Daniels

Das Szenario von „Looper“ ist ziemlich kompliziert, ich versuche es trotzdem mal kurz zu skizzieren. Im Jahre 2074 werden Zeitreisen möglich sein, aber die sind streng verboten. Genutzt werden sie nur von mächtigen Verbrechern, die ihre Mordopfer am liebsten komplett spurlos in der Vergangenheit loswerden. Dafür schicken sie sie lebend (aber gefesselt) zu genau festgelegten Treffpunkten ins Kansas City des Jahres 2044. Dort warten dann pünktlich sogenannte ‚Looper‘ wie Joe (Gordon-Levitt), mit der Flinte im Anschlag – und drücken ab. Anschließend verbrennen Sie die Leichen, der perfekte Mord wiederholt sich so wieder und wieder.

Die Sache ist aber noch komplexer, denn die ‚Looper‘ werden zwar gut bezahlt, haben dafür aber eine begrenzte Lebenserwartung. Wenn sie 30 Jahre alt werden wird das „Loop“ (also die Zeitschleife) geschlossen, indem ihre 60 Jahre alte ‚Version‘ aus der Zukunft nach 2044 geschickt und dort erschossen wird. Dann haben sie noch weitere 30 Jahre vor sich, in denen sie das Geld für all ihre Morde verprassen können. Joe will dies in Frankreich tun, doch daraus wird nichts – denn, na ja, er wird quasi von der Zukunft eingeholt.

Ich muss zugeben, dass ich hohe Erwartungen mit in den Film genommen habe. Die meisten Kritiken waren positiv, wenn nicht gar euphorisch. Das User-Rating der IMDB liegt bei 8,2/10 – ein sehr hoher Wert, der selten vorkommt und in der Regel mindestens für einen außerordentlich gut gemachten Film steht. Doch so richtig wollte der Funke bei mir nicht überspringen, auch wenn „Looper“ definitiv seine Qualitäten hat und sichtbar bemüht ist, das Science-Fiction/Zeitreisen-Genre um einige Ideen zu bereichern.

Doch – auch wenn das ohne Spoiler zu produzieren schwierig zu erklären ist – letztlich leidet der Plot unter seiner aufwendigen Konstruktion. Weil er immer wieder Lücken schließen, füllen und erklären muss, wird die mangelnde Logik, auf der das alles fußen soll, überdeutlich. Unterhaltsam, zum Teil auch sehr spannend, manchmal witzig und auch überraschend ist „Looper“ dabei trotzdem geworden. Mit dem vergleichsweise bescheidenen Budget wurde eine (auf den ersten Blick) überzeugende Zukunftsvision geschaffen, eine sozialdarwinistische High-Tech-Gesellschaft im Retro-Look, die an „In Time“ erinnert (der seine Story ebenfalls nicht im Griff hatte).

Die Schauspieler sind ein Lichtblick des Films. Bruce Willis (der Joe in der älteren Version spielt) ist gut gelaunt im John-McClane-Modus unterwegs, eine Knarre in der Hand, charmant und mit Wut im Bauch. Joseph Gordon-Levitt hat eine ungleich schwierigere Rolle, weil seine Figur in einer unerhörten Zwickmühle steckt, und er bringt dies überzeugend und nuancenreich rüber. Ob nun mit Makeup oder digital erreicht, gebührt auch den Bemühungen Lob, seine Gesichtszüge denen von Willis anzugleichen. Das gelingt so gut, dass man schon fast zu oft hinsieht und sich fragt, wie das gemacht wurde. Jeff Daniels gibt den bärtigen Mob-Boss aus der Zukunft, der nicht viel zu tun hat, Emily Blunt spielt eine mysteriöse allein erziehende Mutter(?), deren Wege sich mit Joe kreuzen.

Ambitioniert zu scheitern ist keine Schande, zumal „Looper“ handwerklich überzeugen kann. Rian Johnson, der mit „Brick“ einen Jugend-Krimi im Gewand eines waschechten Film-Noirs gedreht hat, wird seine Talente hoffentlich noch an vielen Geschichten und in vielen Genres ausprobieren dürfen. Hier hat er sich ein wenig verzettelt und rettet sich am Ende mit einer recht altbackenen Lösung. Dabei liefert er aber immer noch einen ansehnlichen Film ab, der sich wohltuend von hirntoten 08/15-Actionfilmen absetzt und sich mindestens für Sci-Fi-Fans lohnen wird.

3/5

Unfreiwillige Sendepause

Der Grund, warum ich hier zuletzt nur wenig geschrieben habe, ist so einfach wie traurig. Es kommen einfach keine Filme raus, die ich – im Kino oder zuhause – wirklich sehen will. Ich habe schon zu Notmaßnahmen gegriffen und mir die aktuelle Adam-Sandler-Klamotte „Der Chaos-Dad“ angesehen. Völlig überraschend taugt der Film absolut nichts, er war mir auch keine 10 Zeilen Schimpftirade wert.

Die Alternative heisst also erst einmal Fernsehen, mit „Homeland“ (2. Staffel), „Dexter“ (7. Staffel) und „Boardwalk Empire“ (3. Staffel) sind gleich drei meiner liebsten US-Serien dieser Tage wieder angelaufen. Und mit „The Walking Dead“ (3. Staffel) geht bald gar die vierte wieder auf Sendung.

Die nächste hier zu erwartende Filmkritik wird wohl von „Looper“ handeln, einem Sci-Fi-Film mit Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis von „Brick“-Regisseur Rian Johnson. In den USA wurde er von einigen Kritikern bereits als einer der besten Filme zum Thema Zeitreisen überhaupt bezeichnet, nächste Woche werde ich wissen, ob ich diese Einschätzung teile oder nicht…

Ansonsten sieht es nicht so sonderlich prickelnd aus die nächsten Wochen. Ausnahmen sind Oliver Stones „Savages“ und Martin McDonaghs „Seven Psychopaths“, die ich vielleicht im Kino sehen will, und der neue Bond „Skyfall“, den ich AUF JEDEN FALL im Kino sehen will. Aber wer weiss, was in der Zwischenzeit noch für den Herbst terminiert wird.