Filmkritik: Goats

GoatsDrama/Comedy, USA 2012

Regie: Christopher Neil; Darsteller: David Duchovny, Vera Vermiga, Graham Phillips

Der 15-jährige Ellis lebt bei seiner psychisch instabilen Mutter Wendy (V. Fermiga) und ihrem kiffenden Ziegen-Guru und Gärtner ‚Goat Man‘ (D. Duchovny) in der Prärie von Arizona. Als er sich entscheidet, auf eine noble noble Privatschule an der Ostküste zu gehen – noch dazu auf eben jene, die sein Vater früher besucht hat – löst sich die scheinbare Idylle in der alten Heimat in Wohlgefallen auf. Während Ellis nach Startschwierigkeiten in der Ferne eine neue Heimat findet und seinen entfremdeten Vater noch einmal kennenlernt gibt sich seine Mutter einem Schwerenöter hin und droht, den friedlichen Hänger ‚Goat Man‘ rauszuschmeißen.

Goats“ funktioniert nach demselben Muster wie so ziemlich alle Coming-of-Age Dramen, die das US-Independent-Kino in den letzten Jahren produziert hat. Die verschrobenen Charaktere machen durchaus Spaß und werden recht konsequent entwickelt, doch letztlich fehlt dem Geschehen eine Portion Intensität, Witz und Originalität, um in seinem Genre herauszuragen. Für unterhaltsame und kurzweilige Unterhaltung am Abend kann „Goats“ durchaus sorgen, ist aber insgesamt ein bißchen zu gefällig geraten, um überzeugen zu können.

3/5 

PS: Das Gemecker der beiden Ziegen bekommt ein Sonderlob, rechtfertigt aber (knapp) keine bessere Wertung… Einen Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht.

Filmkritik: The Cold Light of Day

The Cold Light Of DayThriller, USA 2012

Regie: Mabrouk El Mechri; Darsteller: Henry Cavill, Sigourney Weaver, Bruce Willis

Beim gemeinsamen Segel-Urlaub in Spanien wird Will Shaws (Cavill) Familie urplötzlich entführt. Wie es scheint ist sein Vater (Willis) all die Jahre nicht im „diplomatischen Dienst“ gewesen, sondern bei der CIA. Nun muss Will tun, was die Geiselnehmer verlangen, um seine Familie zu retten. Der Plot beginnt an der Mittelmeerküste und spielt anschließend in Madrid, wo Will mit einer Gefährtin alles daran setzt, einen von den Kidnappern verlangten Koffer in seine Gewalt zu bringen. Dabei kommt ihm immer wieder die Agentin Jean (S. Weaver) in die Quere.

The Cold Light of Day“ bedient sich bei allerlei Vorbildern der letzten Jahre, nicht zuletzt bei Liam Neesons Überraschungshit „Taken“. Doch die vor europäischer Kulisse abgefilmte 0815-Thrillerstory nimmt nie Fahrt auf. Schlicht zu unspektakulär ist der Plot, zu unscharf und banal die Figurenzeichnung, zu hölzern die Schauspieler (mit Ausnahme von Willis und mit Abstrichen Sigourney Weaver, deren Rolle einfach schlecht ist) und zu ideenlos  Inszenierung und Dialoge. Ein paar schöne und sehenswerte Einstellungen und Actionsequenzen gelingen Regisseur Mabrouk El Mechri in den 90 Minuten Laufzeit, aber das ist einfach nicht genug, um das Publikum ernsthaft für diese schmale Kost zu interessieren.

2/5

Filmkritik: Safe

SafeThriller/Action, USA 2012

Regie: Boaz Yakin; Darsteller: Jason Statham, Robert John Burke

Ein typisches Szenario für einen Film mit Jason Statham. Der spielt hier Luke Wright, einen Preisboxer mit unklarer Vergangenheit. Weil er einen Gegner versehentlich ausknockt, anstatt selber auf die Bretter zu fallen, ermorden die Strippenzieher von der russischen Mafia seine Frau. Wright verliert den Boden unter den Füßen und lebt wie ein Obdachloser auf den Straßen New York Citys. Parallel erzählt „Safe“ die Story des chinesischen Mädchens Mei. Als Zahlengenie mit photographischem Gedächtnis wird sie gegen ihren Willen von China nach New York gebracht um der chinesischen Mafia zu dienen. Dort gerät sie bald zwischen die Fronten in einem Bandenkrieg, in dem auch korrupte Cops mitwirken. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Wright, der ihr schlagfertig zur Seite springt.

„Safe“ bietet eine Masse an ziemlich brutalen, aber auch ziemlich gut gemachten Prügel- und Ballerorgien. Die Story hat ein bis zwei kleinere Überraschungen im Gepäck und ist ansonsten ein einigermaßen plausibles Gerüst für die gebotenen Schauwerte. Visuell erinnert der Film an harte Thriller der Siebziger und Achtziger, in denen sich Stars wie Charles Bronson oder später Sly Stallone mit  Inbrunst durch mehrere Dutzend Gegner metzelten. Hauptdarsteller Statham spielt dieselbe Rolle wie (fast) immer, eine kampfstarke Kante mit mäßiger Laune und eigenem moralischen Kompass. Seinen Fans wird „Safe“ sicher gefallen, allgemeinen Freunden von explosiven B-Movies ebenfalls. Was fehlt ist allerdings ein Alleinstellungsmerkmal, irgendeine Facette, die „Safe“ aus dem Meer ähnlich gestrickter Filme herausragen ließe.

3/5

Filmkritik: The Dictator

The DictatorComedy, USA 2012

Regie: Larry Charles; Darsteller: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley

Mit „The Dictator“ verlässt Comedy-Star Sacha Baron Cohen den Pfad von „Borat“ und „Brüno“, in denen er seine Kunstfiguren auf eine weitestgehend unwissende Öffentlichkeit losließ. Sein neuer Film ist eher eine klassische Satire, wobei die Figur von Admiral General Aladeen, dem Diktator des fiktiven Nahost-Staates Wadiya, durchaus in die Tradition von Figuren wie Borat oder Ali G. passt. Aladeen (Cohen) herrscht in absolutistischer Weise über sein Volk und plant den Bau der Atombombe – natürlich, um Israel zu zerstören, Ehrensache.

Weil die Weltgemeinschaft dem Diktator eine Frist setzt reist Aladeen nach New York, um vor der UNO eine Rede zu halten. Kaum angekommen wird er von seinem Onkel Tamir (Kingsley) verraten, der ihn durch ein Double ersetzt und Aladeen umbringen lässt. Weil sich der zuständige Folterknecht aber zu blöd anstellt entkommt Aladeen – allerdings ohne sein Markenzeichen, den mächtigen Rauschebart. Und so muss er sich erst einmal auf eigene Faust durchschlagen, nicht leicht für ihn, der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde.

„The Dictator“ ist in seinen besten Momenten eine brüllend komische Satire, die der Weltpolitik und ihren Akteuren gnadenlos den Spiegel vorhält. In den immer noch guten Momenten kaspert sich Cohen mit seinem großen Talent für Timing und Sprache durch den ziemlich bekloppten Plot (Aladeen verliebt sich in eine vegane Politaktivistin und trifft einen Landsmann, der ihm wieder an die Macht verhelfen will). In den schlechten Momenten wähnt man sich in einer typischen Adam-Sandler-Komödie, in der ein wahres Feuerwerk von Fäkal- und Sex-Witzchen abgefackelt wird. Insgesamt überwiegen zum Glück die lustigen Momente, es darf viel gelacht werden, und genau das (und nicht viel mehr) soll eine Komödie ja schließlich bieten.

4/5

Filmkritik: Bernie

Bernie FilmposterComedy/Drama, USA 2012

Regie: Richard Linklater („Dazed & Confused“); Darsteller: Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey

Was für ein merkwürdiger Film. „Bernie“ erzählt eine auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte, das ist nichts sonderlich neues. Doch der Film wählt eine ungewöhnliche Herangehensweise. Er lässt ein beeindruckendes Ensemble von Hollywood-Darstellern die wichtigsten Szenen der Story nachspielen, während echte Zeitzeugen parallel ihre Meinung zu den Geschehnissen kund tun – und die hat es ziemlich in sich. Titelfigur Bernie Tiede (J. Black) arbeitet im örtlichen Bestattungsunternehmen des osttexanischen Kaffs Carthage. Immer freundlich, nett und zuvorkommend macht er die Toten zurecht und führt singend und mit vollem Herzen durch die Trauerfeiern.

[Spoilers]

Der ganze Ort, aber besonders die älteren Damen liegen ihm zu Füßen. Auch die extrem grantige und reiche Witwe Marjorie (S. MacLaine), deren ständiger Begleiter Bernie bald ist – bis er sie nach einigen Jahren ermordet. Jack Black brilliert als Bernie, einem etwas schmierigen, dabei aber auch extrem charmanten Mann von Ende 30, der mit vielen Talenten gesegnet ist. Man ist sich nie so recht sicher, ob hinter der fröhlichen, akkuraten und herzlichen Fassade nicht vielleicht doch ein Abgrund lauert, und genau das lässt „Bernie“ funktionieren.

Die Schuldfrage ist hier absolut geklärt, aber die Bewohner von Carthage halten weiter zu ihm. Sooo nett sei er schließlich immer zu Ihnen gewesen, und sooo grausam die Verstorbene. Auf Bernie lassen sie nichts kommen. Sogar der Prozess wird auf Bitten des Staatanwaltes (M. McConaughey) verlegt, weil sonst – trotz Bernies Geständnis – ein Freispruch zu befürchten steht. Bei einer Anklage wegen Morder eingentlich undenkbar. Aber in Texas urteilt eben kein Richter, sondern eine Jury von Zivilisten.

Linklaters Film erzählt in ungefähr einer Stunde sehr überzeugend die Geschichte eines guten(?) Menschen, der zum Mörder wird. Weil sein Hauptdarsteller die Rolle des selbstlosen Gutmenschen (der Marjories Geld im Ort ausgibt) so überzeugend ausfüllt ist man als Zuschauer geneigt, sich auf seine Seite zu stellen. Verstärkt und dabei ironisch kommentiert wird das durch die eingespielten Kommentare der damaligen Bekannten und am Rande Beteiligten. Sie verteufeln Marjorie, die zurückgezogen lebte und ansonsten nicht durch Feingefühl auffiel, sie lieben und unterstützen Bernie.

„Bernie“ ist ein faszinierender Film geworden, der eine äußerst verschrobene Story auf eine clevere Art und Weise erzählt. Auf das Geschehen kann sich jeder selbst einen Reim machen – oder auch nicht. Dabei sollte auf jeden Fall der Abspann bis zum Ende geguckt werden, wenn auf Fotos der wahre Bernie Tiede (der bis heute im Gefängnis sitzt) zu sehen ist. Denn dann überkommt einen das seltsame Gefühl der Gewißheit, das sich dieser Fall wirklich so (oder so ähnlich) abgespielt hat.

4/5

Einen deutsche Kino- oder DVD-Start gibt es bisher nicht.

Filmkritik: „Die Tribute von Panem“ (The Hunger Games)

Die Tribute von Panem - The Hunger GamesScience-Fiction/Abenteuer, USA 2012

Regie: Gary Russ; Darsteller: Jennifer Lawrence, Stanley Tucci, Woody Harrelson, Wes Bentley, Donald Sutherland, Josh Hutcherson, Elizabeth Banks

Die Tribute von Panem“ spielt im fiktiven, in 12 Distrikte unterteilten Staat Panem, der nach diversen Katastrophen und Kriegen auf dem nordamerikanischen Kontinent gegründet wurde. Jedes Jahr finden dort die „Hunger Games“ statt, in der je ein Bewohner und eine Bewohnerin aus jedem Distrikt in einem für das Fernsehen produzierten Gladiatoren-Spektakel bis zum Tod kämpfen müssen. Nur ein Teilnehmer kann überleben – und die Spiele gewinnen. Aus dem armen 12. Distrikt von Panem meldet sich Katniss Everdeen (J. Lawrence) freiwillig für die Spiele, um ihrer in der Lotterie ausgewählten jüngeren Schwester den sicheren Tod zu ersparen. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Peeta (J. Hutcherson) wird sie in die Hauptstadt gebracht, wo die jungen Leute für den tödlichen Showdown trainiert werden.

Der erste Teil der Verfilmung von Suzanne Collins gleichnamiger Roman-Trilogie erinnert inhaltlich sehr stark an „Running Man“ und „Battle Royale“. Die Bevölkerung von Panem wird von den zynischen Eliten mit modernen Gladiatorenkämpfen bei Laune gehalten. Natürlich bestimmen die Herrscher auch den Ausgang der Spiele – sie greifen immer dann ins Spiel ein, wenn die Dinge nicht so laufen wie erhofft.

Der Film nimmt sich zunächst viel Zeit, die Figuren einzuführen und seine dystopische Welt vorzustellen, bevor die Spiele in einem  von Wäldern und Hügeln geprägten Gelände beginnen. Die fürs Fernsehen inszenierte Romanze zwischen Katniss und Peeta dürfte vor allem die Zielgruppe der Teeanger in ihren Bann ziehen und ist das dramaturgische Rückrat der Story. Für ältere Semester bietet „Die Tribute von Panem“ solides Abenteuerkino mit einem ordentlichen Schauspieler-Ensemble, die Darstellung der Dystopie hingegen ist nur bedingt überzeugend und interessant. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Geschichte in diesem ersten Film ja erst losgeht.

Die Effekte sind vor allem in den Totalen für meinen Geschmack oft zu künstlich geraten, was die Story aber nicht weiter beschädigt. Die Inszenierung der Spiele selbst setzt dann zum Glück ganz auf altmodische, mit Fäusten, Messern sowie Pfeil-und-Bogen ausgetragene Gefechte zwischen den jungen, unfreiwilligen Kämpfern. Es bleibt festzuhalten, das „Die Tribute von Panem“ mit den Peinlichkeiten der „Twilight“-Filme nicht viel gemein und die Story durchaus Potential hat. Den Hype um den ersten Teil verstehe ich nicht so ganz, aber das liegt sicher (auch) an der Unkenntnis der Vorlage. Ich warte einfach mal ab, wohin die Reise dieser Trilogie noch geht, im November nächsten Jahres wird der zweite Teil folgen.

3/5