Dinge, die sich hier ändern werden…

… oder sich eigentlich schon geändert haben, wie einige fleißige Leser sicher schon gemerkt haben.

Ich werde zukünftig kürzere Filmkritiken schreiben, aus diversen Gründen. Zum einen verdiene ich mein Geld als Online-Redakteur, und es fällt zunehmend schwer, dieselbe Arbeit wie tagsüber (Texte schreiben, Links setzen, Fakten checken, etc.) am Abend oder am Wochenende noch einmal zu machen. Ich mag meinen Computer, aber es gibt Grenzen. Zum anderen habe ich schlicht keine Lust mehr, längere Absätze zu Handlung, Produktionsgeschichte oder den Karrieren von Schauspieler und Regisseuren zu schreiben. Nicht, dass das keinen Spaß machen würde, aber man kann sich bei der IMDB oder bei Wikipedia in der Regel problemlos ein Bild von all diesen Dingen machen. Oder für eine erste Einschätzung auch einfach mal den Trailer gucken, weshalb ich zukünftig immer einen Link dahin anbieten werde.

Für normale Filme bedeutet das in der Regel eine Kritik in zwei Absätzen, plus Angaben zum Genre, Regisseur und den Darstellern. Die Bewertung nach dem Punktesystem bleibt natürlich auch, sollte aber weiter im Kontext mit der Kritik verstanden werden. Ein wenig Tiefe wird dabei vielleicht verloren gehen, meine Hoffnung und Absicht ist aber, dass die Kritiken schlicht konzentrierter zusammenfassen ob und wenn ja wieso ein Film gut ist (oder eben nicht) und wem er gefallen könnte. So habe ich es bereits bei „Wild Bill“, „Friends with Kids“ und „Easy Money“ gemacht, und bin mit dem Ergebnis auch soweit zufrieden. Auch wenn da natürlich noch Luft nach oben ist.

Wie ich dann aber bei „The Dark Knight Rises“ feststellen musste ist diese Form der Rezension bei einigen Filmen zwar möglich, aber irgendwie unpassend. Wenn ein Popkultur-Phänomen wie Nolans Batman-Trilogie endet, dann habe ich dazu einfach mehr zu sagen, und ich bin mir recht sicher, dass auch bei den Lesern mehr Interesse an Details da ist. Deshalb habe ich zu diesem Film gleich zwei sehr ausführliche Beiträge geschrieben, einen mit und einen ohne Spoiler. So oder ähnlich werde ich das zukünftig also bei Filmen machen, die mein Sendungsbewusstsein über die Maße stimulieren. Allzu oft wird das nicht passieren, ganz sicher aber spätestens bei neuen Bondfilm „Skyfall“ im Herbst.

„The Dark Knight Rises“ – Erwartungen, Enttäuschungen, Ausblicke [SPOILERS]

The Dark Knight RisesDie Saga ist vorbei, und Batman ist nicht tot

Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis von „The Dark Knight Rises“. Christopher Nolan hat die Geschichte von Batman beendet, aber er hat Bruce Waynes Leben geschont. Ein eigentlich gelungenes Ende der Reihe, wie ich finde, doch die Sache hat einen kleinen Haken. Denn die Art und Weise, in der Nolan das inszeniert hat, ist in den finalen Szenen ziemlich gewöhnlich geraten. Batman fliegt mit einer Atombombe auf Meer hinaus, die letzte Einstellung vor der Explosion zeigt sein Fluggefährt „The Bat“, bevor es explodiert. Aber man sieht nicht, ob Batman noch drin gesessen hat. Der alte Witz…

Hat er natürlich nicht, und nachdem Butler Alfred an Bruce Waynes Grab bittere Tränen vergossen hat, taucht Wayne in bester Laune und an der Seite von Selina Kyle/Catwoman in einem Cafe in Florenz auf. Wayne lebt noch, doch seine Tage als Fledermausmann sind unweigerlich vorbei. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber der „überraschende“ Auftritt ganz am Ende ist aus unzähligen Filmen bekannt. Ich zumindest hatte tatsächlich gehofft, das Nolan einen anderen Ausweg finden würde als einen solch altbekannten. Ich hätte ihm zugetraut, dass Batman für Gotham City seine sterbliche Hülle hätte opfern müssen. Aber es gibt auch gute Gründe, die dagegen sprechen. Immerhin ist Batman ein Superheld, und im Vergleich mit den vielen Comic-Helden sicher nicht der schlechteste. Der kann doch nicht sterben, oder?

Von mir aus hätte er das tun können, aber er musste es nicht. Ein furioses Ende war es dennoch nicht ganz, aber im nicht-schulischen Sinne ausreichend war es allemal. Was ich von dieser und anderen Entwicklungen der Story halte, habe ich in der spoilerfreien Kritik nicht schreiben können – die sollen ja auch Leute lesen können, die den Film noch nicht gesehen haben. Deshalb hier mal nachgereicht meine Gedanken zum Film.

Bane und Miranda Tate

Fangen wir mal mit dem großem Kniff des Films an. Miranda Tate, so stellt sich bei Batmans finalem Kampf mit Bane heraus, ist Ra’s al Ghuls Tochter. Sie will dessen Tod rächen und sein Werk, die Zerstörung Gothams, vollenden. Keine schlechte Überraschung, wie ich finde, aber diese Wendung degradiert die Figur von Bane auf das Niveau eines monströsen Handlangers. Angesichts des großen Tamtams, das um diese Figur vor dem Film gemacht wurde ist das irgendwie enttäuschend. Es würde mich aber nicht wundern, wenn Nolan das genauso beabsichtigt hat. Denn der Hype um die Figur von Bane hat andere Spekulationen bezüglich der Storyline quasi im Keim erstickt.

Anders als der Joker (der das pure Chaos liebte) steht Bane nicht für ein Prinzip, er handelt aus Wut auf die Welt und aus Liebe zu Miranda. Keine schlechte Motivation, aber in Bezug auf Batman auch irgendwie recht unpersönlich. Ich finde trotzdem, dass Bane (bis zu dieser Offenbarung) als Bösewicht gut funktioniert. Tom Hardys Muskelberge in Verbindung mit der Maske und der verzerrten Stimme ergeben eine bedrohliche, physikalisch einschüchternde Figur. Seine Aufrufe an die Bürger Gothams, ihre Stadt zurück zu erobern sind durchaus als politischer Kommentar zu verstehen, auch wenn das ja ein falsches Spiel ist – die Bombe soll ja dann doch hochgehen.

Catwoman und Blake

Anne Hathaway und die von ihr gespielte Selina Kyle aka Catwoman sind positive Überraschungen des Films. „TDKR“ verzichtet darauf, ihre Backstory zu erzählen, sie findet über einen kleinen Umweg in Story und ist keinesfalls nur ein nett anzusehender Sidekick. Hathaway überzeugt dabei nicht nur im sexy Kostüm, sie gibt der Figur auch etwas Geheimnisvolles und sogar Linkisches. Bis zum Ende des Films habe ich mich gefragt, ob die Produzenten mit ihr Pläne für einen eigenen „Catwoman“-Film haben, aber nachdem sie am Ende mit Bruce Wayne zu sehen ist darf man diesen Gedanken wohl getrost verwerfen…

Die Figur des Cops John Blake (Joseph Gordon-Levitt), so habe ich gelesen, ist Lesern der Comics bekannt. Dass die Figur am Ende als neuer Robin vorgestellt wird habe ich mir aber auch als nicht-Leser sehr bald denken können. Für die Story ist die Figur gut, denn Blake stammt aus dem normalen Volk und sorgt zwischen all den lebenden Legenden und Superhelden für irdische Bodenhaftung. Gordon-Levitt spielt überzeugend unspektakulär, wobei mich die Frage, ob er seinen eigenen „Robin“-Film bekommen wird, trotz seiner guten Leistung irgendwie nicht umtreibt.

Bane, Batman und die Flucht aus dem Gefängnis

Die Sache mit dem finstersten Gefängnis der Welt und der einen Person (angeblich Bane, in Wahrheit Miranda), die daraus flüchten konnte gehört in meinen Augen zu den weniger gelungenen Aspekten des Films. Das Gefängnis passt schon optisch nicht so richtig gut ins Batman-Universum der Trilogie (okay, zu den Locations am Anfang des ersten Teils schon, aber die passten ihrerseits schon nur bedingt). Das größere Problem ist aber, dass zum einen die Genesung und „Auferstehung“ von Bruce Wayne zu sehr nach Schema F vor sich geht und zum anderen sofort klar ist, worin der Trick bei der Flucht besteht. Schon beim ersten gezeigten Versuch ist deutlich sichtbar, dass das Sicherheitsseil zu kurz ist, um den finalen Sprung an die Kante zu erlauben. Dass Wayne dies über den Hinweis eines Insassen lernt, er müsse „frei von Furcht sein“, ist ziemlicher Quatsch angesichts der drei oder vier Versuche, die er bis dahin unternommen hat.

Auffällig ist, dass die beiden Kämpfe zwischen Bane und Batman ganz simpel und ohne jegliche Gimmicks per Faustkampf stattfinden. Das passt zu Banes Physis, ein wenig rätselhaft ist es dennoch, dass Batman nicht auf die Idee kommt, ein paar mehr Tricks aus dem Hut (oder besser seinem Umhang) zu zaubern. Immerhin kann man es durchaus logisch erklären: beim ersten Kampf kennte er Banes Stärke nicht und unterschätzt ihn daher, beim zweiten Mal ist es eine Sache der Ehre ihm ohne Gerät und nur mit purer Willenskraft entgegen zu treten.

Action und  Inszenierung

Die ganz großen Actionszenen haben mir persönlich ein wenig gefehlt. Natürlich sind die vielen Explosionen sehenswert, und auch die beiden großen Verfolgungsjagden haben schon ihre Klasse. Aber so richtig vom Hocker reißen sie eben nicht. Da hatte etwa „The Avengers“  – wenn auch mit einem völlig anderen Stil und in 3D – mehr zu bieten. Die Explosion im Football-Stadion ist da sicher der Höhepunkt, aber hier war die Exposition und die Ausführung deutlich besser als der Rahmen, in dem sie stattfindet. Da fehlten mir Bilder, die die Wucht und den Schrecken dieser Bilder auf die Einwohner Gothams verdeutlichen. Nicht, dass der Film nicht insgesamt ziemlich bildgewaltig ist…

Nicht zu 100 Prozent überzeugt hat mich der Beginn des Films, da wurde einiges Potential verschenkt wie ich finde. Selina Kyles etwa spricht zu Bruce Wayne diese bemerkenswerten Worte: „There’s a storm coming, Mr. Wayne. You and your friends better batten down the hatches, because when it hits, you’re all gonna wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us.“ Aber der Zeitpunkt stimmt nicht, diese schönen Sätze stehen für etwa 20 weitere Minuten ziemlich leer im Raum, bevor sie sich bewahrheiten. Und wieso sagt sie ihm das überhaupt, wenn sie ihn anschließend Bane zum Fraß vorwirft? Da fehlt die innere Logik.

Ähnliches gilt für Waynes achtjähriges Exil im eigenen Hause. Man gesteht ihm ja sicher eine Trauerphase zu, aber acht Jahre!? Und nach acht Jahren reichen die kleinen Sticheleien von Blake und Catwoman aus, dass er selbiges Exil von heute auf morgen verlässt? Auch dass Alfred sich das Elend acht Jahre anschaut, statt Bruce die Wahrheit zu erzählen – dass Rachel sich gegen ihn und für Harvey Dent entscheiden hat – ist nicht wirklich nachvollziehbar. Oder die Szene, in der vermeintlich die Bombe entschärft wird, dann aber nur genau 11 Minuten Zeit gewonnen werden. 11 Minuten, weil der Film noch 15 Minuten gehen soll, oder woher kommt diese Zahl? Man weiss es nicht.

Ausblick

Insgesamt bin ich dennoch sehr zufrieden mit dem Film, und werde ihn mir im Herbst/Winter auch sicher noch einmal zuhause ansehen. Vielleicht entpuppen sich dann auch einige gefühlt unsaubere Übergänge als auf ihre Weise schlüssig. Auch ansonsten ist das hier zum größten Teil Gejammer auf hohem Niveau gewesen. „TDKR“ beendet eine großartige Filmreihe und die bisher beste Comic-Reihe überzeugend, aber nicht überragend. Angesichts der riesigen Erwartungen war letzteres vielleicht auch unmöglich.

Ich könnte wetten, dass es in fünf Jahren von vorne losgeht mit einer neuen „Batman“-Reihe. Und ich bin gespannt, welche Richtung das Studio und der Regisseur dann einschlagen werden. Viel düsterer als Nolans Filme kann es kaum werden, ohne dass man das Massenpublikum vergrault. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass es in absehbarer Zeit einen neuen Joker geben wird, aber an Bösewichter und Sidekicks mangelt es ja ohnehin nicht. Schöne wäre es in jedem Fall, wenn man sich ein Beispiel an Nolans Ansatz nimmt und einen ganz klaren Plan hat, wann und wie die Geschichte enden soll. Und nicht in alte Muster verfällt, jeden Film einen neuen Batman-Darsteller präsentiert und irgendwelchen Superstars Millionen hinterschmeisst, damit sie uns als Riddler oder Mr. Freeze auf den Geist gehen. Aber das ist unwahrscheinlich. Meinetwegen könnte auch für 50 Jahre Schluss mit Batman sein, aber angesichts des gewaltigen Box-Office-Potentials darf diese Option wohl ausgeschlossen werden.

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PS: Zur „Vorbereitung“ auf diesen Film habe ich mir die beiden vorigen noch einmal angesehen. Und ich finde immer noch, dass die letzten 30 Minuten (VOR dem Ende) von „The Dark Knight“ zu den schwächsten Szenen der Reihe gehören. Das Ende des Jokers, die Sache mit der Fähre (die einfach abgeschenkt wird) und das viel zu schnelle Verheizen des Bösewichts Two-Face verhindern den perfekten Comic-Film.

 

Filmkritik: The Dark Knight Rises [keine Spoiler]

The Dark Knight RisesComic-Abenteuer, USA 2012

Regie: Christopher Nolan; Darsteller: Christian Bale, Michael Caine, Tom Hardy, Gary Oldman, Anne Hathaway, Joseph Gordon-Levitt, Morgan Freeman, Marion Cotillard

Es gibt wohl keinen Film in den letzten fünf Jahren, an den ein Massenpublikum ähnlich hohe Erwartungen hatte wie an „The Dark Knight Rises„. Würde Regisseur Christopher Nolan einen noch besseren Bösewicht als den Joker aus dem Hut zaubern können? Wird Batman/Bruce Wayne die finale Schlacht überleben? Dass man es überhaupt für möglich hält, dass am Ende vielleicht kein Happy-End steht, zeigt, wie sehr sich Nolan mit seinen Filmen von den altbekannten Formeln des Superhelden-Kinos entfernt hat. Nach seinem letzten Sieg gegen die Bösewichte Joker und Two-Face verließ Batman im Vorgängerfilm die Bühne nicht etwa als gefeierter Held, sondern als Sündenbock.

Die Story von „The Dark Knight Rises“ setzt acht Jahre nach diesem Showdown ein. Bruce Wayne hat das Kostüm an den Nagel gehängt, lebt das Leben eines Einsiedlers und trauert um seine geliebte Rachel. Gotham City verehrt Harvey Dent (aka Two-Face) als den Mann, der das Verbrechen in der Stadt erfolgreich bekämpfte. Einzig Jim Gordon kennt die Wahrheit, doch er traut sich nicht, das Denkmal Harvey Dent zu zerstören und damit die Erfolge der vergangenen Jahre zu gefährden. Dann betreten mit dem monströsen Schurken Bane (Tom Hardy), der eleganten Diebin Selina (Anne Hathaway) und dem jungen Cop Blake (Joseph Gordon-Levitt) neue Figuren die Szenerie, während Wayne Enterprises kurz vor der Pleite steht.

Etwas überraschend hat Batman selbst nicht sonderlich viele Auftritte in „TDKR“, im Focus steht Bruce Waynes Ringen mit der eigenen Legende – und dem möglichen Ende seiner Zeit als Batman. Christian Bale ist als Charakterdarsteller stark genug, um Waynes innere und äußere Qualen auf der Leinwand sichtbar zu machen, leider gehören die entsprechenden Szenen in der Mehrheit nicht zu den besten des Films. Seine Auftritte als Batman bleiben dem bisherigen Stil der Reihe treu, wobei hier mehr Figuren als zuvor von der wahren Identität des Superhelden wissen. Der große Showdown mit Bane ist dabei – ohne zuviel zu verraten – sehr bodenständig ausgefallen und endet mit einer wie ich finde gelungenen Überraschung.

Mit Bane dominiert ein völlig anderer Bösewicht die Handlung als in den vorigen Filmen. Mit einer Atemmaske vor dem kahlrasierten Schädel und bepackt mit grotesken Muskelbergen spielt Tom Hardy ihn als eine unkontrollierbare Naturgewalt mit bedrohlich-verzerrter Stimme. Während der Joker Batman mit perfiden Psychospielchen zu Fall bringen wollte ist Bane entschlossen, ihn mit brachialer Gewalt platt zu machen. Sein eigentliches Ziel ist aber gar nicht Batman selbst, sondern dessen Heimatstadt: das vom Joker angerichtete Chaos ist fast harmlos im Vergleich zu seinen Plänen mit der gepeinigten Metropole.

Anne Hathaway macht einen sehr guten Job, und dass nicht nur, weil sie im hautengen Latexanzug verdammt gut aussieht. Ihre Figur Selina/Catwoman bekommt im Film keine typische Einführung, ihre Backstory bleibt weitgehend ungeklärt. Sie betritt früh als meisterhafte Diebin und Einzelkämpferin die Handlung, deren Motive aber lange im Argen bleiben. Das bewahrt die Figur unter anderem davor, nur als langweiliger Sidekick den Helden zu begleiten. Dass Selina einige der besten one-liner des Drehbuchs zum Besten geben darf ist natürlich auch kein Nachteil. Hier zeigt der Film tatsächlich (leichten) Humor, wo vorher nur die fiesen Scherze des Jokers waren.

Die üblichen Verdächtigen in Person von Commissioner Gordon (Gary Oldman), Lucius Fox (Morgan Freeman) , Lucius Fox (Morgan Freeman) und Butler Alfred (Michael Caine) sind natürlich auch wieder dabei. Wirklich bemerkenswerte Momente haben allerdings nur Alfred und Gordon. Neu eingeführt werden neben Catwoman auch der junge Cop Blake (Leser der Comics wissen, wohin dessen Reise führt) und Miranda Tate (Marion Cotillard), eine reiche Investorin, die – kleiner Spoiler – doch tatsächlich mit Bruce Wayne im Bett landet.

Die größte Schwierigkeit, mit der „TDKR“ zu kämpfen hat, ist die sprichwörtliche Quadratur des Kreises: wie kann eine Superhelden-Saga enden? Es gibt keinen Präzedenzfall im Kino, noch nie hat jemand eine Comic-Reihe wirklich beendet, nach dem letzten Film ist immer vor dem nächsten Film gewesen – siehe etwa das Reboot von „Spider-Man“ nach dem missratenen dritten Teil. Das Problem ist dabei vor allem, dass das Universum eines Comic-Helden vor allem eine ewige Prämisse ist, in der immer neue Figuren auftauchen können und müssen. Ein Ende ist dabei nicht vorgesehen. Nicht jedem wird Nolans „Lösung“ dieses Problems gefallen (mir zum Beispiel nur bedingt), denn er bedient sich am Ende eines durchaus bekannten Kniffs der Filmgeschichte.

Anders als „The Dark Knight“ in den ersten 100 Minuten ist die erste Hälfte des 164 Minuten langen „TDKR“ nicht so flüssig und durchgehend unterhaltsam geraten. Der Film hat locker ein halbes Dutzend Erzählstränge am Wickel, ein richtiger Erzählfluss kommt aber zunächst nicht auf. Erst wenn zur Halbzeit die Fronten einigermaßen geklärt sind kommt richtig Bewegung in die Sache. Bei den Actionszenen bleibt Nolan seiner Linie treu und verlässt sich weitgehend auf CGI-freie Verfolgungsjagden, Explosionen und Schießereien. Die Ausnahme bildet dabei ein Gefährt namens „The Bat“, eine extrem wendige Mischung aus Flugzeug und Helikopter, die auch im großen Finale dabei ist, wenn Gotham City halb in Trümmer liegt und das sprichwörtliche Ende naht. Funktionieren tun die meisten Actionsequenzen vor allem, weil sie mit so immenser Bedeutung aufgeladen sind (was der Soundtrack mächtig dröhnend untermauert).

Die gewaltigen Erwartungen, die an „The Dark Knight Rises“ gestellt wurden, kann der Film nur zum Teil erfüllen. Das Duell zwischen dem Joker und Batman bleibt das beste der Trilogie. Bane funktioniert als Bösewicht keineswegs schlecht, doch seine Backstory ist leider nicht sonderlich überzeugend – das sage ich wohl gemerkt als jemand, der von den Comics keine Ahnung hat. Was der Film allerdings mit wenigen Ausnahmen schafft, ist der Reihe ein würdiges Finale zu geben und sie tatsächlich ziemlich konsequent zu beenden. Dabei funktioniert er in der zweiten Hälfte auch für sich genommen (mit wenigen Ausnahmen) als recht brachialer Actionfilm von sehr hoher Intensität. Mit Catwoman kommt zudem ein wenig Humor und ein Anflug von Erotik in das ansonsten bierernste Spektakel, was „TDKR“ gut steht. Das große, dunkle Epos hat also ein Ende gefunden. Man darf gespannt sein, ob mit diesem Film und zuletzt „The Avengers“ wirklich ein neues Kapitel des Superheldenkinos beginnt – oder ob die beiden Filme nicht auf ihre ganz eigene Weise einen (vorübergehenden) Schlussstrich unter dieses Kapitel gezogen haben.

4/5

PS: Ein paar abschließende Gedanken von mir zu „TDKR“ (mit Spoilern) gibt es in diesem Beitrag. Eine sehr gute abschließende Analyse der Trilogie hat US-Filmkritiker Roger Ebert geschrieben, nachzulesen hier.

Filmkritik: Friends with Kids

Friends with KidsDrama/Comedy, USA 2011

Regie: Jennifer Westfeldt; Darsteller: Adam Scott, Megan Fox, Jon Hamm, Jennifer Westfeldt

Der Titel dieser Beziehungskomödie ist doppeldeutig zu verstehen. Erst sind die „Friends with Kids“ die befreundeten Paare von Jason (Scott) und Julie (Westfeldt), zwei kinderlosen besten Freunden in Manhattan. Dann kommen die zwei auf die Idee, selbst ein Kind zu zeugen – ohne Liebe, Hochzeit und dergleichen, sondern als verantwortungsvolle, eigenständige Partner. Während ihre in herkömmlichen Beziehungen lebenden Freunde skeptisch sind scheint das Projekt sehr gut zu laufen. Natürlich nur, bis einer der beiden eine ernsthafte Beziehung eingeht.

So vorhersehbar und blutleer gehen die Dinge in „Friends with Kids“ ihren Weg, dass man schon nach kurzer Zeit genug vom Film hat. Trotz der durchaus namhaften Besetzung kommt nie echtes Leben in den Film, alles ist dem zentralen Versuchsaufbau der Story untergeordnet. Doch der wird weder für gute Gags genutzt noch wirklich ernst genommen, das Drehbuch hält sich durchweg an die konservativen Konventionen von romantischen Komödien. Dabei überzeugen weder die vermeintlich witzigen Szenen und Dialoge noch die dramatischeren Momente. Fazit: für ein Drama viel zu seicht, für eine Komödie zu wenig komisch.

1/5

Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest, vermutlich wird der Film im Herbst auf DVD erscheinen.

Filmkritik: Wild Bill

Wild BillGangster-Drama, UK 2011

Regie: Dexter Fletcher; Darsteller: Charlie Creed-Miles, Will Poulter, Liz White

Das Regiedebut des englischen Schauspielers Dexter Fletcher („Bube, Dame, König, GrAS“) sieht auf den ersten Blick nach typisch britischem Gangster-Kino aus. Doch „Wild Bill“ ist weniger an Adrenalin, Testosteron, coolen Sprüchen und exzessiver Gewalt interessiert als es etwa das Poster vermuten lässt. Der Film erzählt seine Story ohne Ironie oder gar Zynismus, sondern mitfühlend und ernst. Der Ex-Koksdealer Bill kommt nach acht Jahren aus dem Knast. Seine beide Söhne Dean (15) und Jimmy (11) leben im Osten Londons in einem Sozialbau – allein, wie sich herausstellt, denn Wills Ex-Frau hat sich mit einem neuen Lover nach Spanien abgesetzt. Will, der eigentlich nicht vorhatte, lange bei seiner Familie zu bleiben, bekommt bald Ärger mit den Behörden und seinen ehemaligen „Kollegen“ – und schließt mit seinem älteren Sohn einen Pakt.

„Wild Bill“ wurde vor Ort im Osten Londons gedreht, was schon daran zu sehen ist, dass in vielen Außeneinstellungen das neue Olympiastadion zu sehen ist. Das Leben der kleinen und großen Gangster ist hier aber weniger glamourös, großspurig und verrückt als in Filmen wie „Layer Cake“ oder „Rock’nRolla“, es werden Kinder zu Drogendealern geschult und Frauen mißhandelt. Im Zentrum des Films stehen aber die Charaktere, die am Rande dieses Milieus ihr Auskommen suchen. So meint es Bill ernst damit, dem Verbrechen abzuschwören, er lässt sich auch nicht in „einen letzten großen Coup“ einspannen. Die Figurenzeichnung ist äußerst gelungen, alle zentralen Charaktere entsprechen keinen üblichen Klischees. In einem deutschen Film wäre das ganze sicher ein sehr schweres Melodram geworden, in den Händen von Dexter Fletcher aber gerät der Stoff zu einem überzeugenden, spannend inszeniertem Drama über einen Ex-Knacki auf der Suche nach Wiedergutmachung.

4/5

Einen (DVD-)Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht, der Film kann bei amazon.co.uk bestellt werden.

Filmkritik: Easy Money

Easy MoneyGangster-Drama, Schweden 2010

Regie: Daniel Espinosa; Darsteller: Joel Kinnaman, Matias Varela, Dragomir Mrsic

Easy Money“ erzählt nach bekannten Mustern die Story von drei aufstrebenden Gangstern in Stockholm. Der ehrgeizige, mittellose Wirtschafts-Student Johan (Kinnaman) gerät über seinen Nebenjob als Taxifahrer auf die schiefe Bahn, weil er dem großen Geld nicht widerstehen kann und er bei seinen reichen Freunden Eindruck schinden will. Jorge (Varela) ist ein Drogendealer, der nach seiner Flucht aus dem Gefängnis den Anschluss an seine alte Gang sucht, Mrado ist Partner der serbischen Mafia, die sich ein großes Stück vom Kokainmarkt unter den Nagel reißen will. Ihre Wege kreuzen sich auf dem Weg zum finalen Drogendeal immer wieder – klar ist, dass nur einer das Spiel gewinnen kann.

Der Film behandelt bekannte Themen des Genres wie Loyalität, Verrat, Gier und das Gesetz der Straße. „Easy Money“ hat da nichts neues zu erzählen, überzeugt aber durch die gute Figurenzeichnung. Was Johan, Jorge und Mrado tun bleibt immer nachvollziehbar und ist Teil einer logischen Entwicklung von Handlung und Charakteren. Auch die Inszenierung überzeugt, der Film kommt ohne große Kunstgriffe wie schnelle Schnitte oder Zooms daher, nimmt sich für jede Figur ausreichend Zeit und ist mit zwei Stunden Laufzeit dennoch nicht zu lang. Die unterschwelligen Kommentare zur Finanzkrise und zum Zustand des Kapitalismus sind nur zum Teil überzeugend, die Milieuzeichnung dagegen umso mehr.

4/5

DVD und BluRay sind in Deutschland bei Universum erschienen.

Filmkritik: Generation Mutation

Generation MutationZombie-Horror, Deutschland 2012

Regie: Alex Lotz; Darsteller: Alex Lotz, Mario Kirschning

Viele Fans von Zombiefilmen haben schon mal dran gedacht, selbst einen Zombiefilm zu drehen. Alex Lotz hat es mit „Generation Mutation“ einfach mal gemacht. Ohne nennenswertes Budget, mit einem knappen Dutzend Mitstreiter, einer Videokamera(!) und selbst gemachten Zombiekostümen und Spezialeffkten. Die „Story“ spielt Ende der 90er in den USA (es gibt noch Riesenhandys und VHS-Kassetten), gedreht wurde aber offensichtlich in Deutschland. Zwei Freunde – einer von Ihnen großer Horrorfan – müssen sich einer Zombie-Invasion erwehren, in knapp 20 Minuten sieht man sie dabei in vielen Genre-typischen Situationen.

Große Sprünge waren ohne Budget natürlich nicht drin, doch die Crew hat viel Herz- und Kunstblut in den Film gesteckt – und das sieht man auch. Ein paar Szenen wirken arg gehetzt, aber die Takes mussten wohl meist auch schnell sitzen. Warum die Story im Wald endet habe ich nicht verstanden, aber auf dem Weg dahin divers schmunzeln müssen. Beim Finale wendet der Film dann einen recht modernen Plot-Kniff an, öffnet vielleicht auch einfach einer Fortsetzung/Weiterführung die Tür…

3/5

Der Film kann auf dieser Website umsonst heruntergeladen werden.

Filmkritik: Casa de mi Padre

Casa de mi PadreComedy, USA 2012

Regie: Matt Piedmont; Darsteller: Will Ferrell, Gael Garcia Bernal, Diego Luna, Genesis Rodriguez

Irgendwo in Mexiko. Armando (Ferrell) und Raul (Luna) sind ungleiche Söhne eines reichen Farmers. Als Raul die schöne Sonia heiraten will kommt es zur Katastrophe – denn er hat sich den mächtigen Drogenboss Onza (Bernal) zum Feind gemacht. Raul und Armando, der sich in Sonia verliebt hat, bieten dem Gangster die Stirn. Die Story hat in etwa das Niveau einer drittklassigen Seifenoper, und das ist volle Absicht. „Casa de mi Padre“ ist zudem komplett in spanischer Sprache gedreht, der alberne Spaß wird in den USA mit der Tagline „The best movie you’ll ever read.“ beworben.

Will Ferrell und Regisseur Matt Piedmont kennen sich aus gemeinsamen Tagen bei der erfolgreichen TV-Comedyshow „Saturday Night Live“ und lassen bei dieser Farce von einem Film keine Albernheit aus. So sind schäbig geklebte Fototapeten im Hintergrund zu sehen, es werden (neben echten Tieren) auch mal offensichtliche Pferde-Attrappen eingesetzt oder (in einer herrlichen Traumsequenz) ein billiger Plüschtier-Löwe. Der Look des Films ist ansonsten dem von „Machete“ nicht unähnlich, mit satten, grellen Farben. Die Dialoge sind fürchterlich hölzern, die Figuren fallen auch gerne mal in sinnloses Gelächter – wenn nicht gerade grimassieren angesagt ist. Tatsächlich ist der ganze Quatsch ziemlich lustig, die grenzdebile Handlung hat ihren eigenen Charme und die Schauspieler sichtlich Spaß am groben Unfug.

4/5

Ob der Film in Deutschland erscheinen wird konnte ich nicht herausfinden. Wahrscheinlich (leider) nicht.

Filmkritik: The Raven

The RavenGothic-Thriller, USA 2012

Regie: James McTeigue („V for Vendatta“); Darsteller: John Cusack, Alice Eve, Brendan Gleeson, Luke Evans

„The Raven“ erzählt die fiktive Geschichte der letzten Tage im Leben von Gothic-Autor Edgar Allen Poe in Baltimore im Jahre 1849. Ein Serienkiller, der seine Morde auf Poes Geschichten basiert, treibt sein Unwesen. Der ermittelnde Polizist Fields (Evans) ersucht Poe (Cusack), chronisch pleite und dem Alkohol verfallen, um Hilfe bei der Aufklärung der Taten. Bald ist auch Poes Geliebte Emily (Eve) in den Fängen des Killers, seinen Jägern rennt die Zeit davon.

Lose auf Poes rätselhaftem Tod basierend ist „The Raven“ ein stimmungsvoller Krimi, der vor allem durch düstere, gekonnt komponierte Bilder überzeugt. Der Plot ist dabei ein wenig wirr geraten, die vielen Morde und ihre Verweise auf das Werk Poes sind zwar souverän inszeniert, doch der Film entwickelt leider nie einen erzählerischen Sog wie etwa „From Hell“. Schauspieler und Ausstattung sind Pluspunkte in dem unterhaltsamen, zuweilen äußerst brutalen Treiben.

3/5

„The Raven“ wird in Deutschland nicht im Kino laufen und voraussichtlich im Laufe des Jahres auf DVD und BluRay erscheinen.

Filmkritik: Cosmopolis

CosmopolisDon DeLillos Roman „Cosmopolis“ aus dem Jahr 2003 zu verfilmen ist keine einfache Sache. Das Buch handelt von dem jungen Finanzgenie Eric Packer, der auf der Fahrt quer durch Manhattan in seiner luxuriösen Stretchlimousine unterwegs ist, und an diesem Tag quasi nebenbei sein Milliarden-Vermögen bei Spekulationen gegen eine asiatische Währung verzockt. Einen Plot im üblichen Sinne gibt es nicht, stattdessen ein traumartige Stimmung in einem bizarr überzeichneten New York. Die Beerdigung eines Rap-Superstars findet statt, der Präsident der USA ist in der Stadt und ein Kapitalismuskritiker überziehen die Stadt mit Demonstrationen.

Packer selbst, im Film dargestellt von „Twilight“-Star Robert Pattinson, lebt in seiner ganz eigenen Welt. In seinem mobilen Büro empfängt er seinen IT-Sicherheitschef, seinen Arzt zum täglichen Check-up, seine Kunsthändlerin und seine Haus-Philosophin. Er trifft auch mehrmals auf seine schöne Ehefrau Elise (die einzige, die nicht zu ihm in den Wagen steigt), doch die beiden reden bestenfalls aneinander vorbei. Überhaupt wird man aus den Dialogen nicht sonderlich schlau.

Regisseur David Cronenberg hat DeLillos eigenwillige Sprache übernommen, Packer selbst redet meist in Fragen und Rätseln, auf die die anderen Figuren selten eine verständliche Antwort parat haben. Vom fehlenden praktischen Wert des Geldes ist da die Rede, und davon, dass „Geld seine narrative Qualität verloren“ hätte. Parallel gibt Packers Leibwächter Torval (Kevin Durand) diesem immer wieder zu verstehen, dass sein Leben konkret bedroht sei – was den aber nicht von seinem Plan abhält, am anderen Ende Manhattans zum Frisör zu gehen.

Die Gespräche in der Limousine, vorgetragen in absoluter Stille (die Limousine ist schalldicht), werden die meisten Zuschauer ermüdend finden. Anders als im Roman, wo man einzelne Passage wiederholen und nach versteckten Bedeutungen suchen kann, serviert der Film alles in einem monotonen Guss. Pattinson gibt sich als entrückter Sonderling alle Mühe, doch er kann der Figur keine Faszination und keine verborgene Menschlichkeit verleihen.

„Cosmopolis“ hält sich recht genau an die Vorlage, unterlässt es dabei (leider) komplett, sich auf einzelne Themen und Figuren zu konzentrieren. Einige wichtige Details fehlen oder wurden geändert. Die einleitenden Sätze zu Packer Sinnkrise wurden weggelassen (keine gute Idee, wie ich finde), und seine Obsession, sein Vermögen mutwillig loszuwerden, geht in den vielen Episoden fast unter. Seine aus reichem Hause stammende Frau, die er im Buch gleich mit ruiniert, bietet ihm im Film noch finanzielle Hilfe an.

Etwas überraschend hat Cronenberg darauf verzichtet, die Weltwirtschaftskrise in die Handlung einzubauen, oder wenigstens eine Verbindung herzustellen. DeLillos Roman beschreibt Jahre vor dem großen Kollaps ja einige sehr aktuelle Themen, die Unsummen zwielichtiger Geschäfte, die Abhängigkeit der Menschen und der Politik von Finanzinvestoren, die jede Schwachstelle des Systems zu ihrem eigenen Vorteil nutzen, die Ohnmacht der Menschen gegenüber den Kräften des Marktes.

Ein Grund, warum der Film nicht die Kraft und Faszination der Vorlage erreicht, ist ironischerweise das vergleichsweise schmale Budget. Weder die Demonstrationen am Time Square noch die Trauerfeier des Rap-Stars sind besonders bildgewaltig geraten, Bilder von Packers absurd großem Luxusapartment, einem Abbild seines ganz persönlichen Wahnsinns, fehlen komplett. Totalen und weite Einstellungen sind ebenfalls Mangelware, die philosophisch-bizarren Dialoge und Ideen werden fast komplett auf engstem Raum vorgetragen. Ein Blick aus der Vogelperspektive wäre hier sicher nützlich gewesen, und sei es nur für den Kontrast.

„Cosmopolis“ ist als im weniger positiven Sinne interessantes, absurdes Theater geworden. Die Narrative leidet am fehlenden Focus und findet keinen rechten Flow, die Dialoge wabern durch luftleeren Raum. Sicher einer der ungewöhnlichsten Filme des Jahres, aber auch einer der anstrengendsten und definitiv keiner der besten.

2/5

Filmkritik: Get the Gringo

Get the GringoMel Gibsons Karriere als A-List Filmstar in Hollywood ist seit etwa zehn Jahren vorbei, doch gänzlich aufs Altenteil hat er sich noch nicht zurückgezogen. Neben den Regiearbeiten „The Passion of the Christ“ und „Apocalypto“ spielte er in kleineren Produktionen mit, eine solche ist auch „Get the Gringo“. Der Film ist Gibson quasi auf den Leib geschrieben, was nicht verwundert – er schrieb auch am Drehbuch mit und fungierte als Produzent. Zu Beginn des Films flüchtet er als namenloser driver mit zwei Reisetaschen voller Cash vor mexikanischen und US-amerikanischen Bundespolizisten. Die Flucht scheitert, zwei korrupte Polizisten schnappen sich das Geld und werfen ihn ins berüchtigte mexikanische Gefängnis „El Pueblito“.

Dort gibt es keine Zellen, keinen Hof und auch keine klassischen Wärter, der Knast gleicht einer eigenständigen Stadt – die Insassen organisieren sich weitgehend selbst, es gilt das Recht des Stärkeren. Gibsons Figur hat genau zwei Ziele: aus dem Knast rauskommen und sich sein Geld zurück holen. Hilfreich scheint dabei die Freundschaft zu einem 9-jährigen Jungen zu sein, dem im Bezug zu Javi (Daniel Gimenez Cacho), dem Herrscher über den Knast, eine ganz spezielle Rolle zufällt. Der größte Teil von „Get the Gringo“ spielt innerhalb der Gefängnismauern, bevor sich das Geschehen gegen Ende noch einmal in eine andere Richtung entwickelt.

Der Film vertraut vor allem auf Gibsons Charme und Präsenz als Hauptdarsteller, der in fast jeder Szene des Films zu sehen ist. Mit markigen Sprüchen und schlitzohrigen Aktionen schlägt er sich in „El Pueblito“ durchs Leben, gibt mit großer Freude den alten Gangster-Haudegen. Nicht jeder Kniff der Story ist überzeugend, aber die guten Dialoge und das so simple wie effektive Setting des Films funktionieren auch dann noch sehr gut, wenn der Plot längst völlig over-the-top gegangen ist. Auch die Nebendarsteller machen ihre Sache gut, die meisten Rollen sind zwar ziemlich simpel angelegt, werden aber überzeugend ausgefüllt.

„Get the Gringo“ ist ein kleiner, dreckiger (weil äußerst brutaler) Thriller, der sich selbst nicht ganz für voll nimmt (das geht schon in den ersten Sekunden aus dem von Gibson gesprochenen Off-Kommentar hervor). Man kann den Film zurecht ziemlich überflüssig finden, einen Mehrwert außerhalb des Genres bietet er höchstens bei der Beschreibung von „El Pueblito“, denn einen solchen „offenen“ Knast hat es in Tijuana tatsächlich bis vor zehn Jahren gegeben. Doch wie der Titel schon vermuten lässt versteht sich der Film nicht als authentisches Gefängnis-Drama, sondern als Actionthriller mit hohem Unterhaltungsfaktor. Und als solcher macht er seine Sache gut. Wer Filme wie „Last Man Standing“ oder „Payback“ mochte, wird an „Get the Gringo“ seinen Spaß haben. Einen Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht, es ist aber damit zu rechnen, dass er in den nächsten Monaten mit einer Freigabe ab 18 in den (Online-)Videotheken oder im Pay-TV auftauchen wird.

4/5

Filmkritik: Iron Sky

Iron SkyDie Idee klingt trashig, aber nicht uninteressant. „Iron Sky“ erzählt die Geschichte einer Enklave von Nazis, die sich 1945 auf der dunklen Seite des Mondes niedergelassen haben und ihre kriegerische Rückkehr auf die Erde vorbereiten. In einem riesigen Hauptquartier, stilecht gebaut in Form eines Hakenkreuzes, haben sie unter dem Oberbefehl des Mondführers Kortzfleisch (Udo Kier) ein gigantisches Raumschiff namens „Götterdämmerung“ gebaut. Nur fliegen will das gute Stück noch nicht so recht. Da kommt der Besuch zweier US-Astronauten gerade recht, denn in deren Ausrüstung befinden sich extrem leistungsfähige kleine Computer (uns als Smartphones bekannt), die in der Lage sind die „Götterdämmerung“ startklar zu machen.

Allerdings brauchen sie mehr als nur eines dieser wertvollen Geräte, und so macht sich eine Delegation zur Erde auf, um mehr davon zu erbeuten. „Iron Sky“ kann am Anfang mit einigen guten Jokes punkten, wenn die Nazi-Gesellschaft kräftig durch den Kakao gezogen wird. Weniger gelungen sind leider die zahlreichen Szenen auf der Erde, wo in den USA eine Sarah Palin nachempfundene Präsidentin verzweifelt um ihre Wiederwahl kämpft und dabei unerwartete Unterstützung der naiven Nazi-Lehrerin Renate (Julia Dietze) erhält. Was als bizarr-fantastische Idee beginnt entwickelt sich schnell zu willenlosem Trash, bei dem weder die Schauspieler, die Dialoge oder der irrwitzige Plot überzeugen können.

Für das schmale Budget von € 7,5 Mio. (zum Teilen durch Crowdfunding finanziert) fährt „Iron Sky“ gelungene Effekte auf, wenngleich die Actionszenen am Ende schnell langweilig werden, wenn man sich am Design der Riesenzeppeline erstmal satt gesehen hat. Die Satire um die US-Präsidentin und ihre Beraterin Vivian Wagner (Peta Sergeant in der schlechtesten Rolle des Films, knapp hinter dem gebleichten Astronauten Washington) ist zu klamaukig geraten. Vor allem die Szenen am Schluss, in denen in einem war room der Vereinten Nationen per Zuruf über die Kriegsstrategie entschieden wird sind albern und unpassend – vor allem aber nicht sonderlich witzig. Die anderen Figuren erfüllen soweit ihren Zweck, neben Udo Kier gibt Götz Otto den überzeugten Nazi-Anführer Claus Richter.

Sicher sollte „Iron Sky“ nicht mehr sein als ein grenzwertiger Scherz, ein lustiges, politisch nicht ganz korrektes Spektakel in bester B- oder C-Film-Tradition. Für die erste halbe Stunde erfüllt er diesen Anspruch auch, doch danach wird es leider (bis auf ein paar wenige Ausnahmen) schlichtweg langweilig. Schwarzer Humor und Satire verblassen bald, übrig bleibt eine Science-Fiction-Farce, die gerade so gut unterhält, dass man nicht vorzeitig den Stecker zieht.

2/5

Filmkritik: Twixt

TwixtFrancis Ford Coppola hat sich schon lange aus dem klassischen Filmgeschäft Hollywoods verabschiedet. Vor 15 Jahren drehte er seinen letzten Studiofilm, die John Grisham-Verfilmung „Der Regenmacher“, angeblich weil er die üppige Gage in sein Weingut stecken wollte. Sein Winzergeschäft läuft, wie man so hört, ziemlich gut. Nebenbei dreht Coppola nun kleinere, selbstproduzierte Filme, wie etwa „Twixt“, einen literarisch und autobiographisch angehauchten Horrorfilm. Darin spielt Val Kilmer den Hexenthriller-Autor Hall Baltimore, dessen Karriere zuletzt stagniert ist. Auf seiner Promo-Tour kommt er in ein kleines Kaff im Norden Kaliforniens, wo er unerwartet die Inspiration für ein neues Buch findet…

„Twixt“ mischt die Sequenzen der realen Welt immer wieder mit Traumsequenzen, in denen Hall den Spuren eines lange zurück liegenden Mehrfach-Mordes an einer Gruppe Kindern nachgeht. Dabei begegnet er der 12-jährigen V (Ellen Fanning) und den berühmten Edgar Allen Poe, der einmal im örtlichen Hotel abgestiegen war und Hall wertvolle Tipps für seinen Roman zu geben scheint. Der Film spielt mit den Themen Verlust, Kreativität, Gewalt und Todessehnsucht auf unterschiedlichen Ebenen, und macht es dem Zuschauer nicht leicht, den Überblick zu behalten. Doch an einer linearen Erzählung ist Coppola (der  aus einem Traum heraus entwickelt hat) ohnehin nicht wirklich interessiert. Der etwas wirre Plot voller Anspielungen und Doppelungen wird einige Zuschauer sicher eher nerven als fesseln.

Mit bescheidenem Budget realisiert, kennzeichnet „Twixt“ seine Traumsequenzen deutlich. In sehr künstlichen, aber stimmungsvollen Schwarzweiß-Bildern erlaubt er sich zwei farbige Akzente – eine gelblich leuchtende Lampe, rote Teppiche und eine Menge Kunstblut. Im Kontrast dazu sind die in der Gegenwart spielenden Szenen bewusst nüchtern in retro-Farben inszeniert, die einzige Extravaganz ist ein skurriler Kirchturm mit sieben Uhren, der von jedem Flecken des Ortes aus sichtbar ist. Zwei Sequenzen hat Coppola in 3D gedreht, wozu ich leider nichts sagen kann. Insgesamt ein interessantes Vergnügen, vor allem für Freunde von Experimenten und Fans des Regisseurs.

3/5