Filmkritik: Lockout

LockoutAus Luc Bessons schier unerschöpflicher Schmiede europäisch Produzierter Actionfilme (siehe auch „The Transporter“, „Taken“ oder „From Paris With Love“) stammt dieser Sci-Fi-Thriller mit Guy Pearce in der Hauptrolle. Pearce spielt den Secret Service-Agenten Snow, einen harten Hund, den im Jahre 2079 jemand aus den eigenen Reihen in eine Falle lockt. Snow wird beschuldigt, einen General erschossen zu haben und zu 30 Jahren Knast verurteilt. Allerdings nicht in irgendeinem Gefängnis, sondern im Weltraum-Knast ‚Maximum Security 1‘. Dort werden die Häftlinge in ein künstliches Koma versetzt.

Emilie (Maggie Grace), Tochter des US-Präsidenten Warnock hat den Verdacht, dass dieses Koma schwere psychische und physische Schäden hervorrufen kann. Sie ist auf ‚MS1‘ zu Besuch, als eine Reihe von Häftlingen es schafft, die Einrichtung in ihre Gewalt zu bringen. Auf der Erde will man sich nicht ausmalen was passiert, wenn die Ausbrecher im Weltall bemerken, dass eine ihrer Geiseln die Tochter des Präsidenten ist. So macht Secret Service-Chef Langral (Peter Stormare) Snow ein Angebot – wenn er es schafft, Emilie heil von der Station nach Hause zu bringen, wird ihm seine Strafe erlassen…

Nach dem etwas sehr gehetzten und von ganz miesen Computer-Animationen verhunzten Beginn findet „Lockout“ nach etwa 20 Minuten zu seinen Stärken. Die Figur von Snow ist schamlos bei einem halben Dutzend tough guys der Filmgeschichte abgekupfert (John McClane, Martin Riggs, etc.), aber ein sprücheklopfender, zynischer und dabei reihenweise Bösewichter erledigender Held funktioniert meist nun mal gut. Die Story ist simpel und nicht sonderlich logisch, aber die Inszenierung überzeugt durchaus. Ein Großteil der Handlung ist allerdings absoluter Quatsch, und die Bösewichter sind hoffnungslos überzeichnet.

Die Produzenten des Films waren sich offenbar darüber im Klaren, dass das Material bestenfalls ein unterhaltsames B–Movie hergibt, selbiges gilt für die Hauptdarsteller. Die Science-Fiction-Elemente beschränken sich komplett auf ein paar neuartige Polizei-Raumschiffe auf der Erde und den Hightech-Knast im Weltall. Viele Außenaufnahmen leiden an den bescheidenen Effekten, hier wäre weniger mehr gewesen. Das Set-Design im Inneren von ‚MS1‘ ist hingegen gut gelungen. Als temporeicher Actionfilm mit ein paar kernigen Sprüchen kann „Lockout“ durchaus überzeugen, trotz des wenig glaubwürdigen Szenarios und der recht platten Story.

3/5

Filmkritik: Zorn der Titanen

Zorn der TitanenIch gestehe gerne, dass mir der Vorgänger „Clash of the Titans“ bei niedriger Erwartungshalt durchaus Spaß gemacht hat. Warum es von dem Spektakel allerdings eine Fortsetzung geben sollte, das hat sich mir schon bei der Ankündigung nicht so recht erschlossen. Sicher, die griechische Mythologie ist voll von kinotauglichen Geschichten, aber „Wrath of the Titans“ hat letztlich denselbten Plot wie „Taken“ – nur das Liam Neeson hier nicht als Retter auftritt, sondern gerettet werden muss. Neeson spielt Zeus, der einem finsteren Plot von Hades (Ralph Fiennes), Cronos (Pixelmonster) und Ares (Edgar Ramirez) zum Opfer fällt und in der Unterwelt festgehalten wird.

So macht sich Perseus (Sam Worthington) mit Andromeda (Rosamund Pike) und Poseidons Sohn Agenor auf, seinen Vater zu befreien und die neuerliches Machtergreifung der Titanen zu verhindern. Das ganze läuft ohne größere Höhepunkte und Überraschungen ab, mal steigt der Held auf seinen fliegenden Gaul Pegasus, mal kämpft er gegen Zyklonen oder irrt durch ein Labyrinth. Die Story reiht eine Episode an die nächste, bei den Übergängen hat man sich überhaupt keine Mühe gegeben – irgendwer sagt Perseus, wo er weitermachen muss, und der fährt dann mit seinen Mitstreitern dahin.

Ein bisschen Familien-Zwist zwischen Göttern, Halbgöttern und Königinnen wurde auch noch beigemengt, aber man hat nie das Gefühl, die Charaktere würden durch ihre Taten die Story voran treiben. Das ganze ähnelt eher einem Computerspiel, bei dem es mehrere Missionen zu erfüllen sind, die Dialoge sind den dabei üblichen Zwischensequenzen nicht unähnlich – ein Kompliment ist das natürlich nicht. Nachdem Wolfgang Petersen aus „Troja“ eine ziemliche Lachnummer gemacht hat und diese Filmreihe mit den Göttern der griechischen Mythologie auch nichts gescheites anzufangen weiss kann man nur hoffen, dass Hollywood langsam die Finger von der griechischen Mythologie lässt. Mit Ralph Fiennes, Liam Neeson und Bill Nighy in den Hauptrollen wäre sicher auch großes Kino möglich gewesen, „Wrath of the Titans“ ist trotz einzelner gelungener Actionszenen leider nur einfallslose Dutzendware.

2/5

Filmkritik: The Woman in the Fifth

The Woman in the FifthDer seit längerem erfolglose Schriftsteller und Professor Tom (Ethan Hawke) fährt nach Paris, um sich mit seiner dort lebenden Frau zu versöhnen. Doch daraus wird nichts, auch die Kontaktaufnahme mit seiner Tochter gestaltet sich schwierig. Stattdessen landet Tom in einem abgewrackten Café am Rande der Stadt, in dem man ihm ein Zimmer anbietet. Bald schiebt er für den ominösen Besitzer Sezer Nachtschichten in einem einsamen Raum unter der Erde, um sich über Wasser zu halten.

Kurz darauf trifft er bei einer Kulturveranstaltung die attraktive Witwe Margit (Kristin Scott Thomas), mit der er eine Affäre beginnt. Margit wird seine Muse, während Tom auch mit der jungen Bedienung im Café anbandelt – die pikanterweise Sezers Freundin ist. Bald darauf gerät Toms Welt durch eine Entführung völlig aus den Fugen…

„The Woman in the Fifth“ lässt viele zentrale Fragen der Story unbeantwortet und wird schon deshalb vielen nicht gefallen. Warum Toms Frau im Streit zurück nach Paris ging etwa, oder warum Tom ihr mit Jahren Verspätung nun gefolgt ist. Auch der Rest der Geschichte ist absichtlich nebulös geraten. Sehr zurückgenommen und karg erzählt der Film eine Geschichte, bei der man früh ahnt, dass sie mit doppelten Böden und Fallstricken arbeitet.

Weil die Schauspieler überzeugen schafft es der Film, sein Publikum weitgehend bei Laune zu halten. Zum Ende hin verspielt er allerdings eine Menge Kredit. Nicht deshalb, weil er viele Fragen offen lässt, sondern weil es so scheint, als seien die Antworten auch irgendwie egal. Zumindest in einigen zentralen Punkten müsste der Film Stellung beziehen, um der Geschichte die nötige Schwerkraft zu verleihen. Eine handwerklich gelungene Fingerübung zu Literatur, Fiktion, Wahnsinn und Realität, mehr leider nicht.

3/5

Filmkritik: The Samaritan

The SamaritanEs gibt eine goldene Film-Regel, die besagt, dass Ex-Knackis es nie schaffen ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein neues Leben außerhalb der Kriminalität zu beginnen. In „The Samaritan“ ist es der in die Jahre gekommene Betrüger Foley (Samuel L. Jackson), der 25 Jahre für den Mord an seinem Partner im Gefängnis gesessen hat und nun die ersten Tage in Freiheit verlebt. Er sucht sich einen Job und eine Bleibe, geht brav zum Bewährungshelfer – und doch holt ihn sehr bald die Vergangenheit ein. Ethan (Luke Kirby), Sohn von Foleys Ex-Partner, steht plötzlich vor der Tür, keine halbe Stunde später wird Foley Zeuge eines Mordes im Nachtclub-Milieu.

Doch Foley will sich nicht von Ethan wieder in die Unterwelt einführen lassen, mit den Gaunereien soll Schluss sein. Er bleibt bei legalen Jobs und rettet die junge, heroinabhängige Iris (Ruth Negga) in einer Bar vor ihrem gewalttätigen Begleiter und beginnt mit ihr eine Beziehung. Doch die traute Zweisamkeit ist nicht von Dauer, in einem von vielen Story-Twists zieht „The Samaritan“ seiner Hauptfigur den Boden unter den Füßen weg. Um seine eigene und Iris‘ Haut zu retten muss er mit Ethan einen großen Coup durchziehen, bei dem es um mehrere Millionen Dollar geht.

Die Stärken von „The Samaritan“ liegen in der stimmungsvollen Inszenierung und dem überzeugenden Spiel seines Hauptdarstellers. Samuel L. Jackson schafft es, aus dem Klischee des alternden Ex-Häftling eine überzeugende Figur zu machen, für die sich das Publikum tatsächlich interessiert. Der Plot allerdings ist arg konstruiert und übertreibt es ein wenig mit den überraschenden Wendungen, worunter die Glaubwürdigkeit deutlich leidet. Vom Selbstverständnis her ist „The Samaritan“ aber ohnehin eher eine Stilübung als ein Drama, weshalb der Gesamteindruck trotzdem passt. Als Genre-Film mit dem „Straight-to-DVD“-Prädikat kann er mit leichten Abstrichen überzeugen.

3/5

Kino-Vorschau Herbst 2012

Was uns in diesem Sommer noch erwartet habe ich im letzten Beitrag umrissen, hier geht es nun um den Kinofahrplan für den Herbst. Es stehen natürlich noch nicht alle Termine fest (und einige werden noch geändert werden), aber ein ungefähres Bild ist ja besser als keins…

September

Das Bourne VermächtnisDas Bourne Vermächtnis“ ist der Versuch, die Bourne-Reihe ohne Jason Bourne weiter zu führen. Mit Jeremy Renner und Edward Norton sind fähige Schauspieler engagiert worden. Der Trailer sieht allerdings so aus als ginge es einfach wieder darum, die Vergangenheit eines Elite-Agenten aus einem geheimen CIA-Programm ans Licht zu bringen. Kommt mir erschreckend bekannt vor, mal sehen ob die Story noch eine Dimension darüber hinaus aufbaut.

In „The Raven“ spielt John Cusack einen gewissen Edgar Allen Poe. Der Film behandelt fiktive Geschehnisse in Baltimore anno 1849. Ein Mörder offenbar von Poes Werken inspirierter Mörder treibt sein Unwesen, die Polizei bitten den Autor um Mithilfe. Neben Cusack sind Brendan Gleeson, Luke Evans und Alice Eve dabei, in den USA lief der Film bereits und wurde eher lauwarm angenommen. Spannend und interessant klingt die Prämisse allemal, mal sehen wie das umgesetzt wurde.

 

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Die Prämisse von „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ ist der von „Melancholia“ nicht unähnlich, mit dem feinen Unterschied, dass es sich hierbei um eine Komödie handelt. Die Erde wird in drei Wochen mit einem Asteroiden kollidieren, die Menschen müssen sich irgendwie auf das nahende Ende vorbereiten. Steve Carell spielt einen Mann, der die letzten Tage nutzen will um seine erste Liebe noch einmal wiederzusehen, begleitet wird er bei dem Trip von seiner Nachbarin (Keira Knightley). Der Trailer sieht okay aus, die Frage ist, ob der Film genug gelungene Gags bietet und am Ende nicht allzu seifig wird.

Hartnäckig zeigt sich die Computerspiel-Reihe „Resident Evil„, die im September in die fünfte Runde geht. Wie schon bei den ersten vier Filmen wird mich Milla Jovovich nicht ins Kino locken, dazu sind die Filme zu stumpf, und zu wenig originell. Doch für einen vergnügten Videoabend haben bisher alle Teile getaugt, und so werde ich mich dann im Winter noch einmal mit der „Umbrella Corporation“ beschäftigen.

 

Oktober

On the RoadOn The Road“ ist Walter Salles Verfilmung von Jack Kerouacs Kultroman der Beat-Literatur. Bin ich gespannt drauf und hoffe, vorher die Zeit zu finden, die Vorlage zulesen. Wie der Name schon sagt wird das ganze ein Roadmovie, bin gespannt ob dieser Verfilmung mit Klassikern des Genres mithalten kann.

In „The Words“ spielt Bradley Cooper einen Schriftsteller, der das Werk eines anderen unter seinem Namen rausbringt und große Erfolge feiert – bis die Sache aufzufliegen droht und er sich mit den Konsequenzen seines Schwindels auseinander setzen muss. Neben Cooper sind Olivia Wilde, Dennis Quaid und Zoe Saldana dabei, ob die Mischung aus Drama und Thriller aufgeht und ein paar frische Ideen mitbringt bleibt vorläufig unklar.

Eine recht aberwitzige Prämisse hat, wie der Titel schon sagt, „Abraham Lincoln: Vampirjäger„. Darin entdeckt der 16. Präsident der USA, dass Vampire heimlich die Herrschaft über die USA an sich reißen wollen. Aus diesem Szenario könnte ein witziger Film werden, besser beurteilen können das all jene, die Seth Grahame-Smiths gleichnamige Romanvorlage gelesen haben. Regie führt Timur Bekmambetov, der mit „Wanted“ bereits einen unterhaltsamen und völlig bescheuerten Actionfilm abgeliefert hat.

 

Savages

Schon richtig, mit „96 Hours“ (aka „Taken“) etablierte sich Liam Neeson auf seine alten Tage als Action-Star. Aber die Story des Films gab eigentlich kein Sequel her. Den Produzenten war das offenbar egal, sie schicken Neeson noch einmal als Ex-Agent „with a very particular set of skills“ in den Kampf. Die Handlung von „96 Hours 2 – The Payback“ dürfte in die gleiche Kerbe hauen, Neeson wird irgendwen aus der Gewalt böser Männer befreien, er wird dabei Genicke brechen, Menschen von Häusern schmeißen und am Ende Erfolg haben. Für einen Kinobesuch ist mir das persönlich zu wenig.

Zu „Looper„, einem Sci-Fi-Streifen mit Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis, und Oliver Stones „Savages“ habe ich mich hier schon geäußert und habe dem vorerst nichts hinzuzufügen.

„Zombieland“-Regisseur Ruben Fleischer hat mit „Gangster Squad“ einen Gangsterfilm gedreht, der im Los Angeles der 40er und 50er Jahre spielt. Sean Penn spielt den einflußreichen Gangster Mickey Cohen, Josh Brolin und Ryan Gosling sind als Cops dabei, das Ganze ist „based on true events“. Könnte großes Kino werden, wobei die Erwartungen im Gangster-Genre ja recht hoch gesteckt sind.

Ich gehöre ja zu den Kulturbanausen, die Tolstois Roman nie gelesen haben, daher kenne ich von „Anna Karenina“ nur die Grundzüge der Handlung. Regie führt Joe Wright („Atonement“), die Hauptrollen spielen Keira Knightley, Jude Law, Aaron Johnson, Kelly Macdonald und Matthew Macfayden. Ansehen werde ich mir den Film auf jeden Fall, schon um die Bildungslücke wenigstens einigermaßen zu schließen. Ob das im Kino sein muss ist eine andere Frage…

November

SkyfallJa, der letzte Bondfilm war ein Reinfall, das stimmt leider. Ich fand ihn damals im Kino gar nicht sooo schlimm, aber rückblickend war „Quantum of Solace“ ein trockener Actionfilm mit einem bescheuerten Bösewicht, einem blutleeren (wenngleich natürlich attraktivem) Bondgirl, ohne innere Logik und – viel schlimmer – ohne dieses spezielle Bond-Feeling. Die Erwartungen an „Skyfall“ sin dementsprechend hoch, aber ich denke Regisseur Sam Mendes („American Beauty“) und seine Drehbuchautoren werden den Karren aus dem Dreck ziehen und einen großen Film abliefern. Danach sieht zumindest der Teaser durchaus aus, wie ich finde.

Ben Afflecks jüngster Film als Regisseur und Schauspieler wird „Argo“ heissen und kommt mit der Tagline „Based on a classified true story“ daher. Der Film behandelt die wahre Geschichte von sechs US-Diplomaten in der Iran Hostage Crisis von 1979 bis 1981. Um sie aus dem Land zu bekommen erfand der US-Geheimdienst ein Filmprojekt namens „Argo“, für den die Diplomaten angeblich als Location-Scouts tätig waren. Der Trailer sieht ganz interessant aus, allerdings auch nicht spektakulär – ob der Film Spannung aufbauen kann bleibt fraglich.


Ein paar Jahre bevor Comicverfilmungen mit „X-Men“ und „Spider-Man“ zum großen Ding des Jahrtausends wurden macht Sylvester Stallone einen Film namens „Judge Dredd“. Der war weder gut noch sonderlich erfolgreich, ob er der Vorlage gerecht wurde wage ich auch mal zu bezweifeln. Nun wird der Stoff unter dem kurzen Titel „Dredd“ neu verfilmt. Die Hauptrolle spielt der recht unbekannte Karl Urban, einen Trailer gibt es noch nicht. Da der Film mit einem geschätzten Budget von $ 45 Mio. recht günstig war dürfte er eher auf seine Story als auf große Action/Effekte setzen, was durchaus spannend werden könnte.

Killing Them SoftlyKurz vor der Premiere in Cannes wurde der Titel von Andrew Dominiks neuem Film von „Cogan’s Trade“ in „Killing Them Softly“ geändert. Brad Pitt spielt darin einen Gangster und ‚Problemlöser‘, der in der Unterwelt von New Orleans aufräumen soll. Zu erwarten ist eine düstere Gangsterballade, sofern der Film sich auch nur annähernd an die Romanvorlage hält. Die Reaktionen in Cannes waren positiv, ich bin gespannt auf den Film.


Kino-Flaute zur Fußball-Europameisterschaft

Es dürfte vielen schon aufgefallen sein, dass während der EM nicht so sonderlich viele Filme anlaufen. Vor allem die potentiellen Blockbuster meiden diese Zeit, weil ein Großteil der Zielgruppe vor dem Fernseher sitzt. Während also in den USA und England (wo man der Nationalmannschaft ohnehin nicht viel zutraut) gerade Ridley Scotts „Prometheus“ angelaufen ist, müssen wir uns noch bis zum 9. August gedulden. Lediglich „The Amazing Spider-Man“ legt sich mit König Fußball an, wobei zum Starttermin am 28.6. nur noch ein Halbfinale und das Finale ausstehen – und keines dieser Spiele am Freitag- oder Samstagabend läuft. Nur „Rock of Ages“ startet jetzt am Donnerstag und damit mitten im Turnier. Doch das 80’s-Glamrock-Musical mit Tom Cruise richtet sich auch eher an eine weibliche Zielgruppe, die sich über die Abwechslung (so das Kalkül) freuen wird.

So werde auch ich das Kino in den nächsten Wochen eher meiden, denn ich verfolge die Europameisterschaft UND bekomme im Kino nichts geboten. Bis am 5. Juli Cronenbergs „Cosmopolis“ rauskommt ist kein Neustart dabei, der mich ins Kino locken könnte. Zu rechnen ist diesen Sommer, zeitnah zum jeweiligen Starttermin, mit Kritiken zum neuen „Batman“-Film, „Prometheus“, „Magic Mike“ von Steven Soderbergh, „Total Recall“ und Woody Allens jüngstes Werk „To Rome With Love. Bei „The Expendables 2“ werde ich spontan entscheiden, da ich vom ersten Teil nur bedingt überzeugt war. Das Reboot des „Spider-Man“-Franchise interessiert mich irgendwie nicht so sonderlich, trotz ganz guter Trailer und einer starken Besetzung. „Ice Age 4“ werde ich ebenfalls ignorieren, „Rock of Ages“ probiere ich vielleicht im Herbst mal auf DVD, meine Quote im „Musical-bis-zu-Ende-gucken“ ist allerdings ziemlich mies.

Ebenfalls in diesem Sommer anlaufen werden „The Rum Diary„, „We Need to Talk About Kevin“ und „Wanderlust„, die ich bereits gesehen habe.

Filmkritik: 21 Jump Street

21 Jump StreetIch kann mich an die Fernsehserie „21 Jump Street“ nur noch sehr dunkel erinnern, aber wenn mich nicht alles täuscht hat dieser Film damit so wenig zu tun wie vor ein paar Jahren die Kinoversion von „Miami Vice“ mit deren Vorlage. Fans der Serie mit Johnny Depp und Richard Grieco wird das möglicherweise nicht gefallen, denn geboten wird eine durchaus gelungene Buddy-Komödie im Highschool-Milieu – die längst nichts so jugendfrei ist wie einst die Serie.

Im Zentrum stehen die ungleichen Freunde Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill). Die beiden kennen sich von der gemeinsamen Highschoolzeit, die sie jedoch nicht wirklich zusammen verbracht haben. Jenko war ein cooler Football-Spieler und Mädchenschwarm, Schmidt ein untersetzter Eminem-Fan mit Zahnspange und blondierten Haaren.

Erst als sie sich einige Jahr später bei der Polizei-Akademie treffen stellen sie fest, dass sie sich hervorragend ergänzen. Schmidt besteht jeden Test mit einer Eins und kann Jenko eine Menge Theorie beibringen, Jenko wiederum treibt Schmidt im sportlich-kämpferischen Teil der Ausbildung zu ungeahnten Höchstleistungen. Ein besonders originelles Team sind die beiden nicht, aber die Chemie zwischen Hill und Tatum stimmt – eine Grundvoraussetzung für den Erfolg des Films. Erfolg heisst hier allerdings sicher nicht, dass eine der besten Komödien der letzten Jahre dabei rausgekommen wäre. „21 Jump Street“ ist witzig, temporeich und solide inszeniert, doch nicht jeder Gag zündet, auch ist die Story (wie man erwarten konnte) ziemlich dünn.

Der Film macht sich mehrfach darüber lustig, dass Channing Tatum definitiv zu alt ist, um als Teenager durchzugehen, und nimmt seinen Plot (Jenko und Schmidt sind auf der Suche nach den ominösen Herstellern einer neuen Designerdroge) auch sonst eher als Vorwand, um aus dem Setting der zwei zu großen Jungs, die wieder in die Schule müssen (oder dürfen?), möglichst viele lustige Szenen rauszuholen. Etwas ernster meint es „21 Jump Street“ nur, wenn es um die Freundschaft seiner Hauptfiguren geht, die natürlich die ein oder andere Zerreissprobe überstehen muss.

Jonah Hill spielt den smarten, aber mit überschaubaren social skills ausgestatteten Schmidt als liebenswerten Loser. Tatum macht aus Jenko ein irgendwie unbeholfenes und gefährliches Riesenbaby. Gemein haben sie den Ehrgeiz sich zu beweisen, dass sie gute Cops sind. Nebenbei wirft der Film einen ironischen Blick auf die heutige Pop- und Jugendkultur, bleibt da aber (gewollt) an der Oberfläche.

Die Highschool-Umgebung der Story gibt die Schauplätze vor (eine Hausparty, den Schulparkplatz, eine Theateraufführung), mit den übrigen Schülern beschäftigt sich „21 Jump Street“ allerdings nicht wirklich. Auch das Thema Drogen wird eher stiefmütterlich behandelt. Ex-Rapper Ice Cube spielt den Leiter der Undercover-Aktion, dessen ständigen Flüche allein dem Film in den USA ein „R“-Rating eingebracht hätten. Als beschwingter, gut gespielter Zeitvertreib taugt der harmlose Spaß durchaus, verpassen tut aber auch niemand etwas, dem das nicht genug ist.

3/5

 

Filmkritik: Wanderlust – Der Trip ihres Lebens

WanderlustDas Ehepaar George und Linda (Paul Rudd und Jennifer Aniston) hat sich gerade in einem schicken Viertel Manhattans eine kleine Wohnung gekauft als George seinen Job verliert. Lindas Einkommen ist bescheiden, sie versucht sich jedes Jahr an neuen Unternehmungen, aber wie bei ihrem aktuellen Projekt (ein Dokumentarfilm über an Hodenkrebs erkrankte Pinguine) ohne finanziellen Erfolg. Die beiden machen sich auf den Weg zu Georges großem Bruder Rick in Atlanta, der George einen bescheidenen Job anbietet. Auf dem Weg dorthin stranden sie für eine Nacht in einer alternativen Wohngemeinschaft, die auf einer Farm in den Wäldern Hippie-artig vor sich hin lebt und den beiden Eheleuten sowohl Angst als auch Freude macht. Die beiden Großstädter atmen in der ungewohnten Gesellschaft bald so richtig durch.

„Wanderlust“ ist im Kern eine romantische Komödie, die sich allerdings als irgendwie rebellisch und alternativ verkaufen will. Ein paar nackte Menschen hier, ein paar Szenen auf dem Klo da, außerdem eine Ausdrucksweise, die in den USA unweigerlich ein „R“-Rating mit sich brachte (bei uns ist der harmlose Spaß ab 6 freigegeben, was Bände spricht). Man zielt hier ganz bewusst eher auf ein erwachsenes Publikum als auf junge Mädchen. Doch wie so oft in Hollywoodfilmen bleibt das zugrunde liegende konservative (und materialistische) Weltbild davon unberührt, weshalb dem Geschehen jegliche Spannung von vornherein abgeht. Ein paar Lacher hat der Film schon zu bieten, sowohl Rudd (zuletzt großartig in „My Idiot Brother“) als auch Aniston besitzen und zeigen komödiantisches Talent. So richtig abnehmen will man ihnen ihre Rollen trotzdem nicht, von den überwiegend ziemlich dümmlichen Nebenfiguren ganz zu schweigen.

Natürlich kommt es im Laufe der gut 90 Minuten Spielzeit zum Streit zwischen George und Linda, und natürlich steht irgendwann die Existenz der Hippie-Kommune auf der Kippe. Zwischendrin finden sich ein paar witzige Dialoge und gute Szenen, aber auch ganz fürchterliche Momente – z.B. alle in denen Ken Marino ganz fürchterlich over-the-top Georges Arschloch von einem Bruder spielt. Das zündet nicht, das tut einfach nur weh. Die Hippie-Kommune soll dem Film einen besonderen Dreh geben, doch „Wanderlust“ nimmt die Idee einer alternativen Lebensweise nie wirklich ernst. Man will ja dem urbanen Publikum nicht zu nahe treten und das Leben in einer Konsumgesellschaft wirklich kritisieren.

Ein paar esoterische Selbsterfahrungs-Spielchen und Drogen-Trips dürfen es also sein, um dem Leben einen neuen Dreh zu geben, letzten Endes aber geht es für George und Linda weiter wie bisher – nur mit mehr Geld. Man muss kein großer Zyniker sein um das verlogen zu finden. Man konnte von „Wanderlust“ sicher keine großartige Dramedy erwarten, aber mehr als eine weitgehend ereignislose Kalauer-Revue hätte der Stoff schon hergegeben können –wenn sich jemand die Mühe gemacht hätte, glaubwürdigere Charaktere zu erschaffen.

2/5

Filmkritik: Safe House

Safe HouseMatt Weston (Ryan Reynolds) hat einen recht öden Job bei der CIA. Für den US-Auslandsgeheimdienst ist er abgestellt, ein „Safe House“ in Kapstadt zu betreiben – falls in der Stadt mal ein ruhiger und sicherer Ort zur Planung oder Durchführung einer Operation gebraucht wird. So verbringt Weston Tage, Wochen und Monate damit, in einer mit neustem Equipment ausgestatteten Wohnung genau nichts zu tun. In Gestalt der Ex-CIA-Legende Tobin Frost (Denzel Washington) beschert ihm das Schicksal die herbeigesehnte Bewährungsprobe.

Frost, der vor knapp 10 Jahren untergetaucht ist und als Verräter gilt, taucht unvermittelt im amerikanischen Konsulat von Kapstadt auf. Weil das Konsulat für ein angemessen ‚hartes‘ Verhör  kein guter Ort ist, bringt ihn das Einsatz-Team in Westons ’safe house‘. Doch das stellt sich bald als überhaupt nicht sicher raus, kaum hat das Verhör begonnen stürmt ein Trupp schwer bewaffneter Schergen die Wohnung. Einzig Weston und Frost überleben den Angriff und können durch den Hinterausgang fliehen. Während Weston von seinem Vorgesetzten Barlow (Brendan Gleeson) aus dem Hauptquartier in Langley neue Anweisungen erhält beginnt Frost Psycho-Spielchen mit ihm, versucht ihn zu manipulieren – um auf eigene Faust flüchten zu können.

Es entwickelt sich eine wilde Flucht quer durch Kapstadt und andere Teile Südafrikas. Spannung entwickelt „Safe House“ dabei nicht nur aus den äußerlichen Konflikten, sondern auch über die Figuren. Welchen Plan verfolgt Frost? Gibt es wirklich einen Maulwurf, der die geheime Wohnung verraten hat? Und wenn ja, an wen, was wollen die Verfolger von Frost? In Verbindung mit der rasanten Inszenierung, die nur selten inne hält,  und den guten Schauspielern – insbesondere Washington ist in ambivalenten Rollen wie dieser eine Klasse für sich – ergibt das einen überzeugenden Thriller.

Die Ideen und Motive des Films sind allesamt nicht neu, auch die Figuren sind weitgehend Prototypen des Genre-Kinos. Neben Gleeson spielen auch Vera Fermiga und Sam Shepard hohe Tiere beim CIA, deren Diskussionen der Film parallel immer wieder einblendet. Interessant ist auch, dass „Safe House“ tatsächlich auch ein politischer Film ist, der am Ende zu einer Aussage kommt, die man von einem Mainstream-Film so vielleicht nicht erwartet hätte. Ein paar Längen und auch einige wenig überzeugende Story-Kniffe sind nicht zu leugnen, tun dem Vergnügen aber keinen wirklichen Abbruch. Wer Spannungs- und Bewegungskino mag, wird voll auf seine Kosten kommen, ähnliches gilt für Freunde gepflegter Agentenfilme. Kein großer Wurf, aber eine runde Sache.

4/5

 

Filmkritik: God Bless America

God Bless AmericaDass die (westliche) Welt in der wir leben mindestens so ihre Tücken hat, vielleicht gar komplett verrückt geworden ist, würden sicher viele Menschen unterschreiben. US-Comedian und Regisseur Bobcat Goldthwait hat einen Film drüber gedreht, und zwar einen, den man nicht so schnell vergisst. Er zeigt in „God Bless America“, einer Mischung aus Satire, schwarzer Komödie und Sozialkritik, ein ungleiches Paar, das seinen Frust und Ärger mit geladener Pistole bewältigt.

Frank (Joel Murray) ist ein in Scheidung lebender, netter Angestellter, der nicht viel Freude hat am Leben. Seine Nachbarn und deren Neugeborenes tanzen ihm akustisch auf der Nase rum, schlaflos verbringt er die Nächte vorm Fernseher. Die Reality- und Casting-Shows und die zynischen Politik-Kommentatoren zerstören Franks letzte Hoffnung an die US-amerikanische Gesellschaft.

Als er dann auch noch unter fadenscheinigen Umständen entlassen wird, seine verzogene Tochter ihn nicht sehen will (weil er ihr nicht bei jedem Treffen etwas schenkt) und ein gelangweilter Arzt ihm die Diagnose „Hirntumor“ mitteilt, brennen bei ihm die Sicherungen durch. Er schnappt sich seine Knarre, klaut den fürchterlich prolligen Wagen seines Nachbarn und kennt nur noch ein Ziel: Er will einen Menschen umbringen, der alles schlechte in der Welt verkörpert, die Gier, den Egoismus, fehlenden Anstand. Seine Wahl fällt auf die Hauptdarstellerin einer Reality-Show, ein verzogenes, biestiges Teenie-Püppchen, das böse ausrastet weil die Eltern ihr statt eines SUV eine schicke Limousine zum Geburtstag schenken.

Bei diesem ersten Mord trifft Frank auf die Teenagerin Roxy (Tara Lynn Barr), die seine Tat sofort gutheisst („She was a class A cunt..“) und seine Aversionen gegen die vermeintliche Mehrheit der lethargischen, selbstsüchtigen und verblödeten Bevölkerung teilt. Gemeinsam fahren sie durchs Land, ihre Opfer suchen sie sich meist aus dem Fernsehen (christliche Fanatiker, die gegen Juden hetzen), hin und wieder fällen sie aber auch mal eine Entscheidung recht spontan (im Kino telefonieren, wo gibts denn sowas?!). Wer den beiden unhöflich oder gar bösartig kommt hat schnell eine Kugel im Schädel.

In den ersten zwanzig Minuten baut der Film sein Szenario sorgfältig auf, gibt den Zuschauern die Gelegenheit, Frank als netten Menschen kennenzulernen. Die Wut, die er im Bauch hat, kann man sofort nachfühlen, wer hat sich nicht schon – mindestens innerlich – tierisch über bescheuerte Fernsehshows und deren Publikum aufgeregt? Auch die Chemie zwischen den Hauptfiguren passt und ergibt innerhalb des überzogenen Szenarios Sinn.

Doch mit zunehmender Spielzeit ermüdet der killing spree der beiden etwas, auch weil schnell klar ist, wie das Ganze enden wird. Den berühmten Vorbildern wie „Bonnie & Clyde“ oder „Natural Born Killers“ kann „God Bless America“ nicht das Wasser reichen, die Gesellschaftskritik erschöpft sich schnell, wirklich neue Ideen gibt es nicht. Lediglich die Massen an Kunstblut dürften ähnlich hoch sein.

Auch die Zeichnung der Figuren, so gut sie auch gespielt sind, bekommt beinäherer Betrachtung Risse. So fällt auf, dass Frank zwar ein lieber Kerl ist, aber auch ein Verlierer, dessen eigene Kommunikationsfähigkeiten bestenfalls unbeholfen sind. Er ist ein Kind seiner Zeit, das es nicht schafft, eine alternative Lebensweise zu entwerfen und deshalb mit aller Macht den Mainstream anprangert. Und warum guckt ein intelligenter, mitfühlsamer Mensch die ganze Nacht Unterschichtsfernsehen, wenn er hochklassige Serien auf HBO oder sonstwo sehen könnte?

Aber nun gut, es soll ja eben Satire sein, da ist Schwarz-Weiß-Malerei nun auch mal notwendig. Trotzdem nimmt diese mangelnde Differenzierung dem Film eine Menge seiner potentiellen Kraft, auch wenn seine Kernaussage (zuviele anstandslose Menschen auf der Welt, Politik und Medien sind gierig und korrupt) sicher nicht falsch ist. Nicht falsch, aber auch nicht sehr originell. Dass Frank am Ende einsehen muss, dass selbst vermeintliche Opfer des Systems absolut freiwillig mitspielen ist zwar eine passende Spitze, aber kein Ersatz für ein stringenteres Drehbuch.

3/5