Filmkritik: Moonrise Kingdom

Moonrise KingdomDie Filme von Regisseur Wes Anderson spalten meist das Publikum. Die einen lieben seine spleenigen Figuren, die Entrücktheit des Geschehens, die pittoresken Sets und die stets irgendwie die Handlung kommentierenden Soundtracks. Die anderen können an den immer etwas künstlichen, von Klugscheißern, sonstigen Außenseitern und Neurotikern bevölkerten Filmen nichts finden. Letztlich wird das auch bei „Moonrise Kingdom“, Andersons erstem Realfilm seit „The Darjeeling Unlimited“ (2007), so sein. Doch der Film ergänzt die bekannte Mischung um eine neue Dimension – die unschuldige erste Liebe zweier unverstandener, 12-jähriger Einzelgänger. Die sind allerdings echte Anderson-Figuren und haben sich die Verschrobenheit der Erwachsenen bereits angeeignet.

„Moonrise Kingdom“ spielt auf einer kleinen Insel vor der Küste Neuenglands, man schreibt das Jahr 1965. Die scheinbare Idylle wird durch das Verschwinden von Sam, einem Waisenjungen und Sonderling, aus einem Pfadfinder-Ferienlager gestört. Der lokale Ober-Pfadfinder Ward (Edward Norton) schlägt beim lokalen Polizeichef Sharp (Bruce Willis) Alarm. Kaum geht die Suche richtig los verdichten sich die Anzeichen, dass Sam nicht alleine das Weite gesucht hat. Denn auch Suzy, Tochter des Anwalt-Ehepaars Walt und Laura Bishop (Bill Murray und Frances McDormand) hat sich aus dem Staub gemacht. Bevor die Erwachsenen das erfahren hat der Film dem Publikum die Zusammenkunft der beiden Ausreißer und ihre gemeinsamen ersten Schritte schon gezeigt.

Schon die ersten Einstellungen machen deutlich, wer da auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Die Kamera fährt durch ein malerisches Haus an der Atlantik-Küste, in dem Suzy mit ihren drei kleinen Brüdern lebt, unter der Obhut ihrer Eltern, die keine sehr harmonische Beziehung führen. Begleitet wird das von einer Schallplatte, die Kindern das Zusammenspiel eines klassischen Orchesters näher bringt. Wie alle anderen Schauplätze des Films ist auch dieser ein Symbol, ein Chiffre für damit verbundenen Bedeutungen und Geheimnisse. Während Sam und Suzy ihre neue Freiheit genießen erzählt „Moonrise Kingdom“ von den recht unbeholfenen Versuchen der älteren Semester (und Sams ehemaliger Pfadfinder-Kollegen, die sich da cleverer anstellen), die beiden Ausbüchser zu finden. Anderson setzt  dazu bei Telefonaten gerne Splitscreens ein und liefert einen Off-Erzähler (Bob Balaban), der nicht wirklich aus dem Off erzählt.

Ob die Jungschauspieler Kara Hayward und Jared Gilman ihren berühmten Kollegen die Schau stehlen oder umgekehrt ist so einfach nicht zu sagen. Die beiden unterhalten sich – ganz Anderson-typisch – nicht wie normale Teenager, und doch nimmt man ihnen ihre Gefühle und Motive sofort ab, was für die Story von essentieller  Bedeutung ist. Aber auch Willis (gerade weil er mit seinen prototypischen Rollen und seinem Image spielen darf), Murray, Norton, McDormand und später Tilda Swinton und Harvey Keitel schaffen es, ihre Figuren trotz knapp bemessener Spielzeit auf dem schmalen Grad zwischen Komik und tragischem Ernst zum Leben zu erwecken. Die Dialoge sind oft sehr witzig und gerne mal altklug, aber dabei auch mitfühlend und aufrichtig.

In vielerlei Hinsicht ist „Moonrise Kingdom“ klassisches Anderson-Kino. Die bereits erwähnten Markenzeichen sind fast alle präsent, mit Murray und (in einer Nebenrolle) Jason Schwartzman sind zudem zwei alte Bekannte aus früheren Filmen des Regisseurs dabei. Der Film wird Fans viel Spaß machen,  ist jedoch anders als „The Darjeeling Limited“ nicht nur more of the same. Man muss – ganz ähnlich wie bei Woody Allen – den speziellen Menschenschlag und die wiederkehrenden Motive und filmischen Mittel, besonders die oft künstlich-entrückten Sets bei Andersons Filmen mindestens gutheißen, um die Erfahrung genießen zu können.  Anderson outet sich mit „Moonrise Kingdom“ tatsächlich als Menschenfreund und blickt mit weniger Distanz und Ironie auf die meisten seiner Figuren. Die sind zwar keine Helden (auch von den jüngeren längst nicht alle), aber sie geben sich – wenn es drauf ankommt – immerhin wirklich Mühe.

4/5

Filmkritik: Ghost Rider – Spirit of Vengeance

Ghost Rider – Spirit of VenganceDie Frage, ob die Welt eine Fortsetzung von „Ghost Rider“ gebraucht hat, ist schnell beantwortet. Nein. Schon der erste Teil konnte nicht überzeugen und ging gerade noch als blödsinnige Unterhaltung durch. „Ghost Rider – Spirit of Vengeance“ hat mit denselben Problemen zu kämpfen (einer wenig überzeugenden Grundidee), kann aber nicht mehr auf die ‚Geburt des Helden‘ als Story-Element bauen und nervt dasPublikum stattdessen mit einer lahmen Story um den 11-jährigen Danny, böse Priester und ein Gang bescheuerter Schergen, die Danny im Auftrag des Teufels (in menschlicher Form gespielt von Ciaran Hinds) verfolgen.

Das ganze spielt in Osteuropa (gedreht wurde günstig in Rumänen), Regie führte das „Crank“-Duo Neveldine/Taylor. Das Geschehen ist von Anfang an vollkommen over-the-top, los geht es mit dem Überfall auf ein Kloster, bei dem Danny und seine Mutter durch die Hilfe des Motorrad fahrenden Priester Moreau (Idris Elba) gerade noch entkommen können. Moreau schlägt dann unvermittelt bei Johnny Blaze aka Ghost Rider (Nic Cage) auf, um dem zu eröffnen, dass er ihn von seinem Fluch befreien kann – wenn Blaze den Jungen vor seinen teuflischen Verfolgern rettet.

Nicht eine Minute des Films baut der Film dabei echte Spannung auf, im Vergleich mit Filmen wie „The Dark Knight“ oder „Iron Man“ ist „Ghost Rider – Spirit of Vengeance“ reinster Comic-Trash. Cage lebt seine Vorliebe für Übertreibungen aus, schwer atmend wird jede Zeile entweder geflüstert, gebrüllt, mühsam hervor gestoßen oder – das ist neu – schrill heraus gekiekst. Die Actionszenen sind visuell in Ordnung, dramaturgisch allerdings äußerst mau. Die Regisseure leben ihren Hang zur Reizüberflutung aus, aber ohne den anarchisch-ironischen Unterton der „Crank“-Filme macht das mit wenig Ausnahmen keinen echten Spaß.

Comics können große Filme hervorbringen, aber dafür braucht es eine gute zugrunde liegende Idee. Der düstere Ernst von Nolans „Batman“-Filmen oder die gekonnt-witzige Mischung der „Avengers“ geben da Anschauungsunterricht. Dieser Reihe fehlte schon beim ersten Film ein Rezept, und auch hier ist keines ersichtlich. Letztlich ist „Ghost Rider – Spirit of Vengeance“ ein billig – Entschuldigung, günstig – produziertes Action-B-Movie, dass außer scheelem Gerede und mittelprächtigen Tricks einfach nichts zu bieten hat. Hollywood wird so schnell nicht aufhören, willenlos Comic-Stoffe auf die Leinwand zu bringen, dieser Film wäre ein guter Grund, es doch endlich zu tun. Schon um den Generalverdacht, unter dem neue Comic-Adaptionen inzwischen stehen, nicht weiter zu bestätigen.

2/5

PS: Wie so häufig kann ich zur Version in 3D nichts sagen. Außer vielleicht, dass auch die besten Effekte aus diesem Trash-Fest keinen anständigen Film machen würden…

Filmkritik: Ein riskanter Plan (Man on a Ledge)

Ein riskanter Plan (Man on a ledge)„Ein riskanter Plan“ verbindet zwei bekannte Plot-Motive klassischer Hollywood-Thriller. Zum einen das Heist Movie, in dem ein komplizierter Einbruch zelebriert wird, zum anderen den potentiellen Selbstmörder, der damit droht, vom Dach eines Hochhauses zu sprengen. Die Idee ist nicht schlecht, und der Film macht über weite Strecken auch Spaß. Bei genauerem Hinsehen zerbröselt die Story allerdings komplett, weshalb man dem logisch-analytischen Teil seines Gehirns am besten den Abend freigeben sollte.

Sam Worthington („Avatar“) spielt den Ex-Cop Nick Cassidy, der im Gefängnis sitzt, weil er einen Diamanten im Wert von $ 40 Mio. gestohlen haben soll. Bei einem kurzen Hafturlaub gelingt ihm die Flucht, einen Monat später checkt er seelenruhig in einem Hotel in Midtown New York ein, nimmt eine Mahlzeit zu sich – und klettert in luftiger Höhe auf den Fenstervorsprung. Es dauert nicht lange bis die Polizei herbeigerufen wird. Die Aufgabe, ihn vom Selbstmord abzubringen fällt der Polizeipsychologin Lydia (Elizabeth Banks) zu, der Nick bald zumindest die halbe Wahrheit gesteht: dass er dort oben steht, um seine Unschuld zu beweisen.

Parallel hierzu bricht Nicks jüngerer Bruder Joey mit seiner Freundin Angie ganz in der Nähe in ein Bürogebäude ein. Was genau die beiden vor haben und wie das mit Nick zusammenhängt erschließt sich dem Publikum ganz allmählich, wobei die grobe Richtung schnell deutlich wird, und man auch einige Finten der Story viele Meilen gegen den Wind riechen kann. Visuell zelebriert der Film mit Kamerafahrten und Schwenks die Großstadt-Szenerie und den buchstäblichen Abgrund, vor dem Nick fast die gesamte Spielzeit über steht.

Überzeugen kann „Ein riskanter Plan“ lediglich als solide Unterhaltung, die durchaus spannende Momente hat. Die Klasse von ähnlichen Filmen wie „Inside Man“ von Spike Lee erreicht vor allem das Drehbuch nicht, das allzu konstruiert auf die vorhersehbare Auflösung zuläuft. Ein paar Überraschungen werden dabei zwar geboten, rauben dem Geschehen dabei aber vollends die Glaubwürdigkeit. Wenn man den Weg als das Ziel betrachtet – und sich auf die Story bereitwillig einlässt – bekommt man solide gespieltes Unterhaltungskino geboten, kurzweilig und ohne größere Längen.

3/5

Filmkritik: John Carter (2-D)

John CarterDass „John Carter“ als einer der größten Flops überhaupt in die Filmgeschichte eingehen wird, das steht längst fest. Der erste Real-Spielfilm von Andrew Stanton („Wall-E“, „Finding Nemo“) hat laut imdb.com schlappe $ 250 Mio. gekostet, eine Riesensumme, erst recht für einen Film, der keine Fortsetzung und keine Comic-Verfilmung ist. Für diesen Mut müsste man den Produzenten von Disney eigentlich dankbar sein, so ein Risiko geht Hollywood schließlich sehr selten ein. Die Story basiert auf der hierzulande ziemlich unbekannten Roman-Reihe „Barzoom“ von „Tarzan“-Autor Edgar Rice Burroughs.

Eine kurze Zusammenfassung der Story ist keine leichte Sache, ich versuche es mal so: John Carter (Taylor Kitsch), ein Veteran des US-Bürgerkriegs, landet anno 1868 durch ein außerirdisches Portal (oder so) auf dem Mars. Dort gerät er in die erbitterte Schlacht zwischen den Tharks (etwa drei Meter große, grüne, vierarmige Aliens) und einem menschenähnlichen Volk. Mittendrin stecken auch die holde Prinzessin Dejah sowie ein paar gestaltwechselnde Priester mit ominösen Superkräften. Alles klar?

Natürlich nicht. Ich denke mal, dass die Story in Romanform durchaus Sinn ergibt, vielleicht ist sie sogar im Film in sich stimmig – nur bekäme man das gar nicht mit. Mit hohem Tempo stürzt sich „John Carter“ in den Plot, und er vergisst dabei, das Publikum mitzunehmen. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich den Überblick verloren und habe hin und wieder bei Wikipedia die Zusammenfassung der Handlung nachgelesen. Letzten Endes lohnt sich das aber kaum. Rein optisch kann man kann sich das ganze einfach als krude Mischung aus „Star Wars“, „Conan“ und „Wild Wild West“ vorstellen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie der Film aussieht.

Immerhin, die Tricks und sonstigen Schauwerte sind sehenswert, wenn auch nicht in eine Handlung eingebunden, die einen interessieren würde. Das Grundproblem des Films ist das hohe Erzähltempo in Verbindung mit lahmen Dialogen und lustlosen bis unfähigen Schauspielern. Die Disposition der Handlung ist viel zu kurz, kaum ist man auf dem Mars angekommen geht es in diverse Schlachten, dazu muss Carter noch einige weitere Prüfungen bestehen. Wer die ganzen Charaktere und Völker sind, was sie vorhaben und was auf dem Spiel steht, das wird zwar alles mal gesagt, aber der Film findet keine guten Szenen dafür. Die ganze Dramaturgie versagt komplett bei dem Versuch, das bunte Treiben mit Bedeutung aufzuladen und für Spannung zu sorgen. Entgeistert und belustigt kann man sich das über die gut zwei Stunden Laufzeit gerade so angucken.

Eine der größten Fehlbesetzungen der jüngeren Kinogeschichte macht die Sache natürlich nicht besser. Lynn Collins spielt die zentrale Rolle der Prinzessin ungefähr auf dem Niveau einer „Xena“-Nebendarstellerin, woran sie natürlich nicht allein Schuld hat, das Drehbuch meint es nicht gut mit ihr. Wenn der Held eines Abenteuerfilms eine Prinzessin an seiner Seite hat, die dem Publikum schnurzpiepegal ist, dann läuft etwas schief. Ich weiss nicht wer hier einen besseren Job gemacht hätte, wahrscheinlich die allermeisten jungen Hollywood-Damen zwischen 20 und 30. Vielleicht wollten die Produzenten auch Gage sparen, so oder so ist die Besetzung ein Fehlgriff.

In der Hauptrolle schlägt sich Taylor Kitsch zwar etwas besser, aber Emotionen weckt auch seine Darstellung des Draufgängers Carter nicht. In Nebenrollen sind u.a. Ciaran Hinds und Dominic West zu sehen, die auf ihr Mitwirken aber sicher ungern angesprochen werden wollen. Wer Lust auf Effekte und schöne Sci-Fi-Bilder hat, der wird sie in „John Carter“ finden – die Qualität muss man dem Film lassen. Zu den 3D-Effekten kann ich nichts sagen, an den grundsätzlichen Mängeln des Films werden sie ohnehin nichts ändern.

Wie das Projekt mit diesem Drehbuch jemals grünes Licht und ein extrem hohes Budget bekommen konnte wissen nur die Verantwortlichen von Disney selbst. Das Desaster kündigte sich übrigens schon beim Marketing an, als man bunte Trailer auf das Publikum los lies, die sich nicht mal die Mühe machten dem Publikum minimal zu erklären, worum es eigentlich geht. Am Ende interessierte genau das niemanden mehr, und zwar völlig zu recht.

2/5

Filmkritik: Gone

GoneIch kenne Schauspielerin Amanda Seyfried seit ihrem ersten Auftritt in der Serie „Veronica Mars“, was schon eine ganze Weile her ist. Seitdem hat sie in vielen Kinofilmen mitgewirkt, aber so richtig glücklich war ihre Rollenwahl dabei eher nicht. Sie war Megan Fox‘ Sidekick in dem schrägen Teenie-Quatsch „Jennifer’s Body„, spielte die Hauptrolle in dem langweiligen Horror-Märchen „Red Riding Hood“ und war bei „In Time“ an der Seite von Justin Timberlake einem unstimmigen Drehbuch ausgesetzt. Die große Ausnahme war der Welterfolg des Abba-Musicals „Mamma Mia“ und das gelungene Remake „Chloe„. „Gone“ gehört leider nicht zu den Ausnahmen, der Film ist ein blödsinniger Thriller auf B-Movie-Niveau.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die junge Jill (Seyfried), die vor zwei Jahren Opfer einer Entführung wurde. Am Ende konnte sie vor ihrem Peiniger fliehen, doch die Sache hat einen Haken. Weil sie der Polizei nur vage Angaben zu ihrem Entführer und dem Versteck irgendwo im Wald machen konnte kann die Sache nie aufgeklärt werden. Nicht wenige Menschen glauben, dass Jill sich alles nur ausgedacht hat – immerhin war sie früher mal in psychiatrischer Behandlung. Eines Tages kommt Jill nach Hause und ihre Schwester ist verschwunden. Sofort sieht sie das Werk ihres damaligen Entführers in dem Verschwinden, doch die Polizei ist nicht überzeugt und Jill macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihrer Schwester.

Während die Polizei ihrerseits hinter Jill her ist geht die Hinweisen nach, das zum Zeitpunkt der vermeintlichen Entführung ein Transporter vor ihrem Haus stand. Das ganze wird immer wirrer und gipfelt in einem selten dämlichen Finale, bei dem ein Großteil der Schauspieler (zu Recht) ziemlich bedröppelt dreinblickt. Seyfried, die in fast jeder Einstellung zu sehen ist, gibt sich redlich Mühe, ihrer Figur Glaubwürdigkeit zu verleihen. Doch Rehäugigkeit und Körpereinsatz nützen nichts, wenn der Plot so plump und bekloppt ist. In Rückblenden ist manchmal Jills eigene Entführung zu sehen, wohl um ihren unbedingten Willen zu erklären, ihre Schwester zu retten – als müsse das erklärt werden.

Spannung ist bei „Gone“ Mangelware, weil der Film die Chance auslässt, die psychische Verfassung seiner Hauptfigur ernsthaft in Frage zu stellen. Wes Bentley und Daniel Sunjata spielen Polizeibeamte, deren Rollen so belanglos sind, dass man sie auch direkt streichen könnte. Jennifer Carpenter („Dexter“) ist als Jills Kollegin Sharon zu sehen, auch sie bekommt nicht eine bemerkenswerte Szene. Von der wenig plausiblen Ausgangssituation bis zum Schluss kommt der Film auf eine Handvoll unterhaltsamer Szenen und baut ebenso oft mal einen echten Spannungsmoment ein. Unter dem Strich ist das definitiv zu wenig um wenigstens kurzweilig zu unterhalten. Man muss Amanda Seyfried schon sehr, sehr gern haben, um an diesem Murks Spaß zu haben.

2/5

Filmkritik: Das gibt Ärger (This Means War)

Das gibt Ärger (This Means War)Der Regisseur, der sich McG nennt, ist nicht gerade bekannt für anspruchsvolles Kino. Seine beiden „Charlie’s Angels“-Filme waren laute, bunte Spektakel ohne Substanz (die dem Stoff natürlich ohnehin abgeht), sein „Terminator: Salvation“ war nett anzusehen, doch es mangelte an Stimmung und vor allem einer guten Story. Man sollte also nicht zu viel erwarten, wenn man sich „Das gibt Ärger“ ansieht, zumal die Handlung des Films schlichtweg bescheuert ist.

Zwei CIA-Agenten, die einen Außeneinsatz in Hongkong vermasselt haben, bekommen von ihrer Vorgesetzten eine Denkpause im Büro in Los Angeles verordnet. FDR (Chris Pine, „Star Trek“) ist ein Playboy aus reichem Hause, sein Kollege und bester Freund Tuck (Tom Hardy, „Inception“) ist Brite und von seiner Frau Katie geschieden, die immer noch glaubt er arbeite als Reisekaufmann. Zufällig und unabhängig voneinander treffen die beiden auf die schicke Lauren (Reese Witherspoon ,“Walk the Line“) und sind sofort verknallt. Als sie herausfinden, dass sie hinter derselben Frau her sind, verabreden sie einen fairen Kampf um Laurens Herz, die sich ihrerseits zwischen den beiden charmanten Kerlen nicht so recht entscheiden kann…

Aus dem fairen Kampf wird schnell eine bittere, mit allen Mitteln der Spionage-Kunst geführte Schlacht, in der sich FDR und Tuck nichts schenken – die Dates des jeweils anderen werden konsequent sabotiert. Gemeinsam sind die beiden sich nicht zu schade, Laurens Wohnung mit Wanzen und Kameras auszustatten, um zu erfahren, wer gerade in ihrer Gunst vorne liegt und was sie für Vorlieben hat. Mal abgesehen von den vielen Ungereimtheiten des Szenarios ist an „Das gibt Ärger“ vor allem ärgerlich, wie wenig sich der Film mit seinen Figuren beschäftigt. Pine, Hardy und Witherspoon sind hier reine – zugegeben attraktive – Oberflächen, die der kruden Logik der Story folgen und lahme Klischees bedienen. Warum die drei Schauspieler bei dem Mist zugesagt haben bleibt ein Rätsel.

Eine Rahmenhandlung gibt es auch noch, Til Schweiger spielt einen nicht näher definierten Bösewicht, der Tuck und FDR ans Leder will. Auch hier gibt sich der Film keine Mühe, sowas wie Spannung aufzubauen, Schweiger guckt ein paar mal böse und wird am Ende platt gemacht, fertig. Weil die zentrale Dreiecksgeschichte nur in wenigen Szenen überzeugen kann schleppt sich „Das gibt Ärger“ die meiste Zeit mehr schlecht als recht dahin. Für einen Actionfilm ist er zu albern, für eine romantische Komödie zu platt. Das Ergebnis ist ein B-Movie auf RTL2-Niveau, wo er sicher in ein, zwei Jahren auch häufiger mal laufen wird.

2/5

 

Filmkritik: Underworld – Awakening (gesehen in 2D)

Underworld – AwakeningNachdem Kate Beckinsale in Teil drei der Reihe („Rise of the Lycans“) ausgesetzt hat, ist sie nun als Selene im vierten Teil wieder dabei. Wohlwissend, dass sich kaum jemand an die Handlung (wenn man sie so nennen will) der ersten beiden Filme erinnern würde, fasst „Awakening“ sie zu Beginn noch einmal kurz zusammen. Aber ganz ehrlich: wen hat schon jemals die Story für die Vampire-gegen-Werwölfe-Saga begeistert? Ebenso beliebig wie bei den Vorgängern ist sie auch hier wieder. Selene wird von ihrem geliebten Michael getrennt als die Menschheit von der Existenz von Werwölfen und Vampiren erfährt – und ein Blutbad anzettelt. Sie verbringt offenbar 12 Jahre im Vampir-Eisfach eines geheimen Labors der Regierung. Als sie daraus flüchten kann hat die Menschheit den Kampf gegen die Lykaner und Vampire offenbar gewonnen.

Bald trifft Selene auf den Vampir David (Theo James), gemeinsam finden die beiden ein Mädchen namens Eve. Und wie kann es anders sein, irgendwas ist besonders an Eve, vielleicht ist sie gar der Schlüssel um das Blatt zu wenden. Letztlich war mir die Handlung von vorn herein egal, aber „Awakening“ bietet wirklich so wenig an, dass ich dem Film fast nur bei Actionszenen meine volle Aufmerksamkeit geschenkt habe. Wer die Stimmung der „Underworld“-Filme immer mochte und Kate Beckinsale gerne im hautengen Kostüm Menschen und Werwölfe niedermetzeln sieht, der wird dem Film noch irgendwas abgewinnen können. Für alle anderen ist die Akte wahrscheinlich ohnehin längst geschlossen, und das völlig zurecht. Handwerklich ist das alles solide, die Tricks sind gut, aber das ewige Geballer in irgendwelchen Katakomben hat schon was nervtötendes und mit den Figuren weiss die Reihe ohnehin nichts anzufangen.

2/5

Filmkritik: Chronicle – Wozu bist du fähig?

Chronicle – Wozu bist Du fähig?Als ich die Zusamenfassung der Handlung von „Chronicle“ gelesen habe, war ich mir fast sicher, den Film nicht sehen zu wollen. Die las sich in etwa so: Drei Highschool-Freunde kommen unverhofft zu Superkräften, haben eine Weile ihren Spaß damit – bis einer der drei quasi ‚die dunkle Seite der Macht‘ entdeckt und es zum Zerwürfnis und zum Kampf gegeneinander kommt. Befürchtet hatte ich einen Film, der nur auf Teenies zielt und irgendwie albern wird. Doch mir hat das kurze Spektakel wirklich Spaß gemacht, und dass obwohl es fast komplett mit der Handkamera gefilmt wurde.

Andrew ist ein etwas verlorener Teenager, in der Schule ein Außenseiter, der ständig mit einer Kamera alles filmt. Er liefert damit also den Großteil des Materials. Sein Kumpel Matt ist ein entspannter Kiffer, Steve hingegen ein ambitionierter Kerl, der bei der Wahl des Präsidenten der Schülervertretung kandidiert. Gemeinsam entdecken sie in einem Wald ein Loch im Boden, worin eine Art leuchtendes Gestein zu finden ist. Kaum sind die drei da raus stellen sie fest, dass sie plötzlich Dinge bewegen können, ohne sie anzufassen. Mit diesen Fähigkeiten albern sie erstmal nur herum, aber auf eine Art und Weise, dass es eine Freude ist ihnen dabei zuzusehen.

Langsam aber sicher steigern sie ihre Kräfte, und damit fangen auch die Probleme an. Denn, wie etwa aus den „Spider-Man“-Filmen bekannt, solche Kräfte bringen Verantwortung mit sich, der einer der drei offenbar nicht gerecht werden kann. „Chronicle“ erzählt in seinen 83 Minuten Laufzeit geradlinig eine ziemlich fantastische (im Sinne vom weit hergeholte) Story, aber wegen der guten Darsteller und der überzeugenden Effekte – bei einem Budget von nur $ 12 Mio. – kommen kritische Hintergedanken kaum auf. Die Mischung aus Teenie-Drama, Superhelden und einer ordentlichen Portion Humor geht erstaunlich gut auf, der Film liefert beste Unterhaltung.

Ich bin kein großer Fan von Filmen, die besonders realistisch rüberkommen wollen indem sie so tun, als wären sie von den handelnden Personen selbst gefilmt worden. Auch „Chronicle“ weist an dieser Stelle ein paar Schwächen auf, die aber insgesamt nicht weiter ins Gewicht fallen. Die Grundidee ist gut genug, die Umsetzung ebenfalls. Sicher kein Film, über den man noch in Jahren sprechen wird, aber einer der Spaß macht – wenn man sich auf die etwas naive Prämisse des Films einlassen mag.

4/5

Filmkritik: The Grey – Unter Wölfen

The Grey – Unter WölfenEr spielte schon in „Star Wars“ und „Batman Begins“, aber erst mit „Taken“ von 2008 hat Liam Neeson eine etwas wunderliche Wandlung zum Actionhelden begonnen – im zarten Alter von damals 56 Jahren. Jüngstes Ergebnis dieser Tatsache ist „The Grey“, ein Abenteuer-Thriller, der komplett in Alaska spielt. Neeson spielt den Witwer und Jäger Ottway, der auf einer entlegenen Ölfördereinrichtung Wölfe erlegt, die das Team dort bedrohen könnten. Auf dem Flug zum Heimatbesuch stürzt die Maschine ab, Ottway und eine Handvoll Kollegen überleben den Sturz. Mitten in der Wildnis Alaskas finden sie sich umgeben von einem Rudel aggressiver Wölfe, die den ‚Eindringlingen‘ sofort auf die Pelle rücken.

Wie gut, dass mit Ottway ein Expert dabei ist, der sich mit der wilden Spezies auskennt. Doch die Schutzmaßnahmen am Flugzeug erweisen sich bald als nicht ausreichend, und die Männer sind gezwungen mit ihren letzten Habseligkeiten in die eisigen Wälder zu flüchten. „The Grey“ erzählt vom Kampf der Gruppe ums Überleben in der feindlichen Umgebung, die einzige ‚Nebenhandlung‘ besteht aus Rückblenden, in denen Ottway von seiner Frau träumt. Weil auf abgelegenen Ölfördereinrichtungen nun mal nur harte Kerle arbeiten ergibt sich ein recht rauer Umgangston, der aber bald einer überlebenswichtigen Gruppendynamik weicht.

Im Grunde ist es mit „The Grey“ ganz simpel, what you see is what you get. Wer Spaß dran hat, einer versprengten Gruppe von Männern auf der Flucht vor einem Rudel Wölfe zuzusehen, der bekommt genau das geboten. Der Film ist blutig und brutal, bietet einige spannende Sequenzen, atemberaubende Landschaftsaufnahmen und gute Schauspieler. Der Sound des Films hat mich persönlich etwas fertig gemacht, mir waren die Effekte – gerade im Vergleich zu den Stimmen – viel zu laut. Andere Leute freuen sich aber sicher darüber, in ihrem heimischen Wohnzimmer (oder im Kino) echtes Alaska-Feeling auf die Ohren zu bekommen. Ein handwerklicher solider Überlebenskampf, doch gerade im Vergleich mit dem ähnlichen, aber vielschichtigeren „Essential Killing“ einfach sehr eintönig.

2/5

Filmkritik: Shame

ShameMichael Fassbender ist der Schauspieler der Stunde, er war zuletzt in „X-Men: First Class„, „A Dangerous Method„, „Jane Eyre“ und „Haywire“ zu sehen. Alles Filme, die bei der Kritik gut ankamen, und zumindest im Falle von „X-Men“ auch beim Publikum. „Shame“ zielt auf eine kleinere Zielgruppe, Fassbenders zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Steve McQueen („Hunger“) erzählt schonungslos die Geschichte eines Sexsüchtigen, der zunehmend an seinem Alltag verzweifelt. Brandon Sullivan (Fassbender) ist ein gutaussehender, beruflich erfolgreicher Single in New York City, der zwanghaft Befriedigung braucht – egal ob mit wahllosen Fremden, Prostituierten, bei Pornos oder mit hübschen Eroberungen. Emotionen vermag er kaum zu verspüren, ausgenommen jener, die dem Film seinen Titel gab.

McQueen inszeniert den Film konsequent als Fallstudie, in der neben Brandon nur die Figur seiner Schwester Sissy (Carey Mulligan) so etwas wie Tiefe gewinnt. Die ist zu Brandons Mißfallen bei ihm zu Besuch, was zu einigem Streit und pikanten Situationen führt. Gespielt ist das von Fassbender mutig und mit vollem Körpereinsatz, selbiges gilt für Carey Mulligan. „Shame“ lädt ein, sich mit der Hauptfigur irgendwie zu identifizieren, weil der Film komplett aus seiner Sicht geschildert ist. Niemand urteilt über Brandon, kaum jemand weiß von seinen inneren Dämonen, die er nach außen hin meist gut verbergen kann.

Weil „Shame“ kaum Hoffnungsschimmer aufzeigt und sich Brandon fast gleichförmig in einer Abwärtsspirale befindet ist der Film recht schwer verdaulich. In sich ist er schlüssig gemacht, widmet er sich seinem Thema rein als Beobachter. Das bringt eine gewisse Faszination mit sich, aber es fehlt eine eigene Position. Die würde sich von selbst ergeben, wenn der Film Brandons Vergangenheit behandeln und damit eine mögliche Erklärung für seine Sucht liefern würde. Das aber findet nicht statt, seine Krankheit und sein Leiden wird lediglich auf klinische Art begleitet. Filmisch eine interessante Erfahrung, darstellerisch grandios gespielt, doch am Ende ist der Film so emotionslos wie seine Hauptfigur. Zu empfehlen ist er daher nur Menschen, die im Kino auch gerne mal mitleiden.

3/5

 

 

Filmkritik: The Avengers

The AvengersDer All-Star-Film des Marvel-Universums ist mit Spannung erwartet worden, immerhin tummelt sich darin eine bisher nicht da gewesene Menge an Superhelden. Das hätte locker daneben gehen können, doch „The Avengers“ überzeugt als witziges und aufregendes Action-Spektakel, das von der ersten Minute an Spaß macht. Verantwortlich dafür zeichnet vor allem Joss Whedon (Erfinder der TV-Serien „Buffy“ & „Firefly“), der das Drehbuch schrieb und Regie führte – und dabei fast alles richtig gemacht hat.

Der Bösewicht der Story ist Thors Bruder Loki (Tom Hiddleston), der die Erde mit einer außerirdischen Armee erobern will, um Rache an Thor zu nehmen. Der Schlüssel zum Plan ist ein Tesserakt, das Energie produziert und den Angreifern als Portal zum Planeten Erde dienen soll. Gleich zu Beginn des Films fällt es Loki und seinen Schergen in die Hände, woraufhin Captain Fury (Samuel L. Jackson) die Helden-Truppe aus Captain America (Chris Evans), Iron Man (Robert Downey, Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Hulk (Mark Ruffalo) und Black Widow (Scarlett Johansson) zusammentrommelt. Kaum befinden die sich jedoch in einem Raum, wird klar, dass die „Avengers“ als Team auf anhieb nicht sehr gut funktionieren („We’re not a team. We’re a time-bomb!“), sondern sich auch gerne gegenseitig an die Gurgel gehen.

Der Plot schweisst sie natürlich letztlich doch noch zusammen, soviel darf verraten werden. Die große Stärke des Films ist insgesamt weniger die Story als Ganzes, sondern die sehr guten Teile, aus denen sie zusammengesetzt ist. Fast jede Action-Sequenz macht richtig Laune, die Spezialeffekte sind äußerst gelungen. Dazu kommen Dialoge, die vom Wortwitz her auch aus der Feder von Quentin Tarantino stammen können, was ausdrücklich als Lob gemeint ist. Auch die Schauspieler sind in bester Spiel-Laune, allen voran Robert Downey, Jr.. Der einzige Neuling im Ensemble ist Mark Ruffalo als Hulk, zwei frühere Hulk-Filme mit Edward Norton und Eric Bana konnten nicht recht überzeugen. Ruffalo erfindet die Rolle ganz nebenbei ein wenig neu und sorgt so für den bisher überzeugendsten Leinwand-Hulk.

Die 3D-Effekte sind ebenfalls gut gelungen, zumal der bekannte Effekt des etwas verdunkelten Bildes nicht so stark ist wie bei anderen Filmen. Die knapp fünf Euro Aufpreis sind trotzdem happig, denn in 2D macht der Film sicher fast genaus so viel Spaß. Mit 142 Minuten ist „The Avengers“ lang geraten, ohne dabei aber störende Längen aufzuweisen. Ein paar Szenenübergänge sind nicht ganz sauber, was aber auch fast der einzige Makel ist. Der Plot beinhaltet ständige Bewegung: kein Wunder, schließlich ist die Zentrale der Superhelden ein fliegender Flugzeugträger. Die Chemie zwischen den Figuren und Schauspielern stimmt, der Comedy-Faktor ist hoch (in etwa auf „Iron Man“-Niveau), ohne dass der Film im Klamauk versinken würde. Insgesamt eine absolut runde Sache, ein großartiges, mitreißend-unterhaltsames Stück Popcorn-Kino.

5/5

PS: Dass es am Ende eine Atomwaffe ist , die den Angriff der fiesen Aliens abwehrt, wird einigen Zuschauern sauer aufstoßen, darf aber als Schönheitsfehler bezeichnet werden, weil der Ton ansonsten nicht kriegs- und militärverherrlichend ist.