Filmkritik: Happy New Year (New Year’s Eve)

Happy New Year (New Year's Eve)Nach derselben kommerziellen Logik, die zum Valentinstag eine romantische Komödie namens „Valentine’s Day“ in die Kinos brachte gab es zu Sylvester letzten Jahres „Happy New Year“. Das Konzept sieht vor, zwei Dutzend Top-Stars zu verpflichten, die dann als Ensemble in vielen kleinen Love-Stories irgendwie zusammen finden. In dem Kessel Buntes, so das Kalkül, findet schon jeder was, das gefällt. Tatsächlich klingt die Besetzung recht eindrucksvoll, aber was helfen große Namen, wenn das Drehbuch nur blutleere, langweilige Rollen vorsieht?

Um mal ein paar Beispiele zu geben, was in „Happy New Year“ so passiert: Die Rahmenhandlung ist das traditionelle „Ball Drop“-Fest am Times Square, bei dem um Mitternacht ein leuchtender Ball vom Dach gelassen wird. Einige Figuren haben direkt damit zu tun, etwa Hilary Swank, die den ganzen Zirkus drumherum erstmalig leitet. Oder auch Katherine Heigl als Küchenchefin, deren Ex-Freund ein von Jon Bon Jovi gespielter Schmuserocker ist, der seine Ex unbedingt wiedergewinnen will und dessen Auftritt zum Jahreswechsel das Highlight der Veranstaltung sein soll.

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Filmkritik: Haywire

HaywireNach dem Seuchenthriller „Contagion“ hat Regisseur Steven Soderbergh mit „Haywire“ einen Thriller gedreht, der ganz auf seine Hauptdarstellerin Gina Carano zugeschnitten ist. Die ist hauptberuflich Mixed-Martial-Arts-Kämpferin und daher in der Lage, äußerst überzeugend kräftige Typen umzuhauen. Gleich zu Beginn des Films bekommt sie es mit Channing Tatum zu tun, auch handfeste Prügeleien mit Michael Fassbender, Ewan McGregor, Antonio Banderas und einigen namenlosen Schergen sind Teil des Programms.

„Haywire“ beginnt mit Mallory Kane (Carano), die sich in einem Diner in Upstate New York mit ihrem Kollegen Aaron (Tatum) trifft. Schon bald fliegen zwischen den zwei Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsunternehmens die Fetzen, Mallory flüchtet mit dem verängstigten Zivilisten Scott in dessen Auto. Auf der Fahrt mit unbekanntem Ziel erzählt sie dem jungen Mann, was sie in den letzten 10 Tagen erlebten hat. In Rückblenden erfährt der Zuschauer so, dass Mallory im Auftrag eines US-Geheimdienstes einen Auftrag in Barcelona erledigt hat, die angebliche Rettung eines Chinesen. Doch schon bei ihrem nächsten Job in Dublin wenig später wird klar, dass ihr Chef (und Ex-Freund) Kenneth (McGregor) nicht mit offenen Karten gespielt hat. Mallory steht mit dem Rücken zur Wand, ihr einziger Verbündeter scheint Coblenz (Michael Douglas), ein Agent der Regierung zu sein.

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Filmkritik: Juan of the Dead

Juan of the Dead

Juan of the Dead (Poster: Pandastorm Pictures)

Irgendwie muss ich bei „Juan of the Dead“ immer an das Wort ‚Alleingstellungsmerkmal‘ denken. Denn mal im Ernst – wer hat schon mal einen kubanischen Zombie-Film gesehen? Eben. Der Film feierte in den letzten Monaten Erfolge auf den Film-Festivals Toronto, Sitges, Rio, Miami und Havanna und ist nun auch bei uns im Kino zu bewundern. Hauptfigur Juan (Alexis Diaz de Villegas) ist ein entspannter Lebenskünstler, dessen friedliches Leben auf dem sozialistischen Eiland von einer Zombie-Epidemie empfindlich gestört wird. Im Staatsfernsehen werden die Untoten als „von den USA bezahlte Dissidenten“ bezeichnet, doch Juan und seinem Kumpel Lazaro ist schnell klar, dass das großer Quatsch ist.

„Juan of the Dead“ mischt Klamauk, Drama, witzige und blutrünstige Metzeleien mit einer ordentlichen Portion Systemkritik, die allerdings auch hin und wieder von nostalgischem Patriotismus unterwandert wird. Das wird dem Film geholfen haben, nicht der Zensur zum Opfer zu fallen. Während in Havanna zunehmend die Zombies das Straßenbild bestimmen machen sich Juan und seine Gang in bester „Ghostbusters“-Manier als Zombie-Jäger selbstständig. Erst als die Übermacht der Untoten zu groß wird denken die unfreiwilligen Filmhelden an die Flucht – natürlich mit einem Floß in Richtung Miami.

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Filmkritik: Contraband

ContrabandEinfache Thriller-Konzepte können erstaunlich gut aufgehen, das bewiesen zuletzt etwa „Blitz“ und „Red Hill„. Auch „Contraband“ hat ein ziemlich simples Konzept. Weil sein Schwager Andy großen Mist gebaut hat muss Ex-Schmuggler Chris (Mark Wahlberg) noch einmal aktiv werden. Er macht sich mit seiner Crew an Bord eines Containerschiffes auf nach Panama, wo er eine große Menge Falschgeld abholen und in die USA schmuggeln will. Mit dem Gewinn der Aktion sollen Andys Schulden beim fiesen Gangster Briggs (Giovanni Ribisi) beglichen werden – denn der droht Chris, dass dessen eigene Familie sonst in der Schusslinie steht.

„Contraband“ wurde an Originalschauplätzen in New Orleans und Panama City gedreht, was den Film ein Stück sehenswerter macht als man vielleicht erwartet hätte. Die Story geht einen vorhersehbaren Weg, die Schauspieler liefern solide Leistungen ab, wobei die Figuren allesamt nicht sonderlich interessant oder gar arg stereotyp geraten sind. Die Actionszenen sind routiniert gemacht, wobei „Contraband“ eher auf Spannung denn auf Explosionen setzt. Das gelingt ganz gut, das Timing und auch die Atmosphäre stimmt. Nur fehlt irgendeine Besonderheit, die den Film aus der großen Masse solider Thriller herausheben könnte.

3/5

Aktuell im Kino

Nachdem hier zuletzt umzugsbedingt eher Sendepause war werde ich demnächst wieder mehr Filme sehen und auch rezensieren. Drei Kritiken zu Filmen, die in diesen Tagen anlaufen (oder schon angelaufen sind) habe ich bereits vor einiger Zeit gepostet, und zwar: „Martha Macy May Marlene„, ein sehr gutes Indie-Drama, „Einmal ist Keinmal„, eine saumäßig schlechte Rom-Com, und „My Week With Marilyn„, ein niveauvoll-unterhaltsames Geschichtsstündchen.

Auf dem Zettel für die nächste Woche habe ich „Shame“ und „Contraband“, außerdem „Juan of the Dead“ und dann Ende des Monats die „Avengers“. Es sollte sich also wieder mehr tun hier in nächster Zeit…

Filmkritik: The Darkest Hour

The Darkest HourEin Angriff von Außerirdischen auf den Planeten Erde ist im Kino schon x-mal inszeniert worden, in diese Reihe von Alien Invasion-Filmen wie „Independence Day“ oder zuletzt auch „Battle: Los Angeles“ gehört auch „The Darkest Hour“. Die Besonderheiten des Films sind schnell benannt – die Handlung spielt nicht in den USA, sondern in Moskau, und die Aliens sind so gut wie unsichtbar, was praktischerweise das Budget schont. Emlie Hirsch („Into the Wild“) und Olivia Thirlby („The Wackness“) spielen die Hauptrollen, keine teuren Stars also, sondern Jungschauspieler mit Perspektive. Neben der hier rezensierten 2D-Variante ist der Film auch in 3D erschienen.

Besondere Merkmale sind bei „The Darkest Hour“ kaum zu finden, er mixt recht gekonnt bekannte Szenarien, das Timing ist flott, die Dialoge zuweilen etwas käsig, aber oberhalb vom „Transformers“-Niveau. Den Großteil des Films laufen vier bis acht Charaktere durch ein menschenleeres Moskau, getrieben von fiesen Aliens, die sich nur durch die Elektrizität verraten – weshalb bald alle Figuren Ketten mit Glühbirnen tragen. Man kann das albern finden, immerhin ist die Handlung in sich schlüssig genug, um das Publikum (vor allem die junge Kernzielgruppe) bei Laune zu halten.

Visuell durchaus überzeugend liegt die Schwäche des Films weniger in der Inszenierung (handwerklich solide bis einfallsreiche und weniger gelungene Szenen halten sich in etwa die Waage) als in der Vorhersehbarkeit des Drehbuchs. Es ist fast zu jedem Zeitpunkt keine Kunst zu wissen, welche Figur den Aliens als nächstes zum Opfer fällt. Und natürlich auch, welche zwei hübschen Jungschauspieler sich am Ende in den Armen liegen werden. „The Darkest Hour“ liefert unspektakuläre Popcorn-Unterhaltung für Teenager, Fans von Science-Fiction oder „echtem“ Horror werden wenig Freude damit haben.

3/5