Filmkritik: Wir kaufen einen Zoo

Wir kaufen einen ZooCameron Crowe, Regisseur von „Singles“ und „Almost Famous“, hat mit „Wir kaufen einen Zoo“ ein nettes, handwerklich überzeugendes, aber absolut überraschungsarmes Familiendrama gedreht. Matt Damon spielt darin Benjamin May, einen Witwer mit zwei Kindern, der eine Veränderung im Leben sucht – und einen heruntergekommenen kleinen Zoo im Süden von Kalifornien kauft. „We Bought A Zoo“ ruft seine 7-jährige Tochter freudestrahlend aus, während Teenager Dylan weniger begeistert von der Idee ist.

Kaum auf dem Gelände angekommen stellt sich die übersichtliche Belegschaft bei den Mays vor. Darunter ist auch die hübsche Kelly, und weil die von Scarlett Johansson gespielt wird ist auch gleich klar wie es mittelfristig mit Benjamins Liebesleben weitergehen wird. Erstmal steht aber auf dem Programm, den Zoo wieder auf Vordermann zu bringen, schließlich soll der neu eröffnet werden. Doch die Hindernisse sind zahlreich und zuweilen teuer, Benjamin droht das Geld auszugehen. Sein älterer Bruder Duncan (Thomas Haden Church), ein Buchhalter, rät ihm dann auch, das Kapitel Zoo schnell wieder zu beenden…

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Filmkritik: The Sitter

The SitterDer US-Schauspieler Jonah Hill hat sich in Filmen wie „Superbad“ einen Namen als lustiger dicker Jüngling gemacht. Zuletzt hat er sich in „Moneyball“ und „Funny People“ mit einigem Erfolg auch im dramatischen Fach gezeigt. „The Sitter“ ist eine Rückkehr zu Hills Anfängen, er spielt den arbeits- und generell perspektivlosen Noah, der zufällig für eine Nacht als Babysitter arbeitet. Kaum sind die Eltern der drei recht speziellen Kids aus dem Haus beginnt eine wilde Fahrt durch die nächtlichen Straßen von New York City. Das Geschehen ist phasenweise sehr witzig, wenn auch völlig übertrieben und ziemlich vorhersehbar.

Während Noah sich von seiner „Freundin“ einspannen lässt, ihr ein wenig Koks auf eine Party zu liefern (der Grund für die nächtliche Ausfahrt) kommt er auch den Kindern näher – und erweist sich natürlich als der einzige Erwachsene, der sie tatsächlich versteht. Das ist nicht sonderlich originell, aber immerhin ordentlich umgesetzt. Der Humor des Films ist angenehm frei von Fäkal-Jokes, es geht hier nicht um den Ekel- oder Schock-Faktor, sondern um lustige Dialoge und absurde Situationen. Hill überzeugt als Noah, der Film ist ihm offensichtlich auf den Leib geschrieben (andere Möglichkeit: er wurde Seth Rogen auf den Leib geschrieben, und der hat abgesagt).

In knapp 80 Minuten hetzt der Film durch seine Handlung und macht dabei zumeist auch Spaß. Sam Rockwell hat sichtlich Freude, einen exaltierten Cokehead zu spielen, umgeben übrigens von einer Gang schwuler Bodybuilder. Dass Noah am Ende sowohl seine ätzende Freundin (Ari Graynor) abserviert als auch eine wunderschöne neue Freundin kennenlernt ist eher unnötig und unglaubwürdig – aber in erster Linie soll das Ganze ja Spaß machen. Die Kids selbst nerven auch nicht, ihre Marotten passen genau ins Drehbuch. So steht „The Sitter“ in einer Reihe mit sinnlos-unterhaltsamen Filmen wie „30 Minutes or Less“ oder „Get Him to the Greek“.

3/5

Filmkritik: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn

Tim und StruppiGleich vorweg sei gesagt, dass ich die Comics von Hergé nie gelesen habe und daher keine bestimmten Erwartungen hatte, wie der Stoff als Film aussehen sollte. Steven Spielberg hat „Tim und Struppi“ im Motion Capture-Verfahren gedreht, unter anderem standen da Daniel Craig, Simon Pegg und Nick Frost vor der Kamera. Im Original sind natürlich auch ihre Stimmen zu hören. Ich muss sagen, dass kein Film in voller HD-Auflösung auf meinem Fernseher je besser ausgesehen hat. Verloren ging im Heimkino dabei das 3D-Material, das soweit ich gehört und gelesen habe sehr gut sein soll. Die Story um einen jungen Reporter und seinen cleveren Hund ist klassisches Abenteuer-Material und führt seine Helden um die halbe Welt.

Rein visuell ist der Film auch ohne die dritte Dimension eine Wucht. Das liebevoll gestaltete Szenario und auch die Figuren erstrahlen förmlich, ein Händchen für großes Abenteuer-Kino hat Spielberg ohnehin immer gehabt. Die erste Stunde des Films war auch für einen Kinderfilm-Banausen wie mich ein echtes Vergnügen. Es macht viel Spaß der flotten Story zu folgen, die Dialoge sind witzig, die Figuren liebevoll gezeichnet und die Actionszenen rasant und elegant umgesetzt. Vieles davon ist sicher (auch) der Vorlage zu verdanken. Später geht dem Film wie ich finde ein wenig die Luft aus – was aber auch damit zu tun hatte, dass mir die Story letztendlich völlig egal war. Kurz dem Ende gibt es noch mal eine großartige Szene, die an Spielbergs größte Leistungen bei „Indiana Jones“ erinnert.

Fazit: Selbst bei völliger Unkenntnis der Vorlage und einem nicht vorhandenen Faible für Kinder- und Familienfilme macht „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ eine Menge Spaß, ist charmant, witzig und ideenreich. Ich lechze nicht gerade nach einer Fortsetzung, würde mir eine solche aber sicher ansehen – gerne auch in 3D.

4/5

Filmkritik: Dark Tide

Dark TideMan muss Halle Berry nicht mögen um sich die Frage  zu stellen, warum sie bei einem grottigen B-Movie wie „Dark Tide“ mitspielt. Der mit bescheidenem Budget gedreht Thriller um eine Crew von Hai-Freaks in Kapstadt scheint ihr eine willkommene Möglichkeit zu sein um der Welt zu zeigen, dass sie mit 46 noch im Bikini vor der Kamera rumspringen kann. Und dabei gut aussieht, versteht sich. Das Poster zum Film scheint (nur) auf diese Tatsache als Verkaufsargument zu setzen.

„Dark Tide“ hat nicht viel mehr als seine prominente Hauptdarstellerin zu bieten. Die Story läuft vorhersehbar nach Schema F ab, die Figuren sind bestenfalls langweilig (Berry als Chefin einer Taucher-Crew) und schlimmstenfalls reine Erfindungen des Drehbuchs (der reiche und unsympathische Engländer, der die gewagte Ausfahrt initiiert). Die Unterwasser-Aufnahmen sehen gut aus, aber erzählerisch fehlt jede Substanz; der Film hat einfach keine Idee, was aus dem bekannten Szenario noch herauszuholen wäre. Schauspielerisch machen Berry und ihr Co-Star und Verlobter Olivier Martinez nichts verkehrt, echtes Leben können sie der lahmen Story aber nicht einhauchen – schon wegen einigen einfältigen Dialogen.

2/5

 

Filmkritik: Perfect Sense

Perfect Sense„Perfect Sense“ gehört mit Sicherheit zu den Filmen, die das Publikum spalten. Die einen sehen eine mutige, bildgewaltige Mischung aus Endzeit-Drama und Romanze, die anderen eine verkorkste Love-Story mit gequält biblischen Untertönen. Ich zähle mich eher zur ersten Gruppe, auch wenn ich für die andere durchaus Verständnis habe. Immerhin erzählt Regisseur David Mackenzie vom Ausbruch einer Seuche, die der Menschheit den Geruchssinn raubt, und von einem Paar, das sich während dieser Seuche in Glasgow kennen und lieben lernt. Wer die Idee interessant findet, sollte sich den Film besser ansehen und hier nicht weiterlesen, auch wenn hier (hoffentlich) nicht zuviel verraten wird. Ich selber hatte so gut wie keine Ahnung, was mich erwartet, bei diesem Film vielleicht keine schlechte Idee.

Die Stars des Films sind – wie auf dem unpassenden, weil beliebigen, Poster zu erkennen ist – Eva Green und Ewan McGregor. Green spielt die Epidemiologin Susan, die sich bei ausgiebigen Spaziergängen mit ihrer Schwester von einer zerbrochenen Beziehung erholt. McGregor spielt den Koch Michael, dessen Liebesleben von seiner Unfähigkeit geprägt ist, gemeinsam mit einer Partnerin im Bett Schlaf zu finden. Dass diese beiden zusammenfinden (sollen) wird schnell klar, doch da wäre ja noch die Sache mit der Seuche, und deshalb fällt die erste intimere Begegnung der beiden äußerst ungewöhnlich aus.

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Filmkritik: Martha Marcy May Marlene

Martha Marcy May MarleneSean Durkins Kinodebut „Martha Marcy May Marlene“ lief letztes Jahr mit einigem Erfolg auf drei großen Filmfestivals, in Sundance, Cannes und Toronto. Durkin hat dabei nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Der Film handelt von einer jungen Frau namens Martha (Elizabeth Olsen), die irgendwo im Nordosten der USA auf einer Farm lebt. Sie lebt dort allerdings nicht alleine oder mit ihrer Familie, sondern mit einer Sekte. Deren Anführer ist der  charismatische Patrick (John Hawkes). Gleich zu Beginn des Films flieht Martha von der Farm und kommt bei ihrer Schwester Lucy (Sarah Paulson) und ihrem Mann Ted (Hugh Dancy) unter.

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Filmkritik: Kill List [Spoilers]

Kill ListRichtig schwere Kost serviert der britische Regisseur Ben Wheatley in seinem zweiten Kinofilm „Kill List“. Die Mischung aus Drama, Thriller und Horror erzählt eine ohnehin schon düstere Geschichte, in der sich immer weitere Abgründe auftun. Dabei beginnt der Film relativ harmlos, als Drama einer Kleinfamilie. Ex-Soldat Jay (Neil Maskell) hat wie man erfährt seit acht Monaten nicht gearbeitet, seine Frau Shel (MyAnna Buring) ist besorgt. Es wird viel gestritten, auch als  Gal (Michael Smiley), ein Freund und Ex-Kollege von Jay, mit seiner neuen Freundin zu Besuch ist. Doch im Vergleich zu dem, was „Kill List“ noch so im Gepäck hat, sind diese Szenen ganz klar die friedlichsten – auch wenn ein wenig Geschirr zu Bruch geht…

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Filmkritik: „Young Adult“

Young AdultJason Reitman hat sich mit seinen letzten zwei Filmen „Juno“ und „Up in the Air“ als einen Namen als fähiger Regisseur zeitgenössischer Stoffe gemacht. Besonders die Balance zwischen niveauvoller Comedy und überzeugendem Drama scheint seine Stärke zu sein, und die zeichnet auch seinen neuen Film „Young Adult“ aus, für den wie schon bei „Juno“ Diablo Cody das Drehbuch geschrieben hat. Die Handlung kreist um Mavis Gary (Charlize Theron), eine Schriftstellerin von Kinder- bzw. Jugendbüchern, die sich auf einer etwas befremdlichen Mission befindet: Sie will ihren Ex-Freund Buddy aus der Highschool zurückerobern –  auch wenn der (gespielt von Patrick Wilson) längst verheiratet und zudem gerade Vater geworden ist.

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Filmkritik: Detachment

DetachmentHenry Barthes ist Aushilfslehrer. Seine Gastspiele an verschiedenen Highschools in New York gehen nie länger als ein paar Wochen, und das ist kein Zufall. Denn Barthes, gespielt von Adrien Brody, ist innerlich rastlos, zweifelnd, und ohne ein klares Ziel vor Augen. Es geht ihm also ähnlich wie den meisten seiner Schüler in einem einkommensschwachen Bezirk in Long Island. Sie sind frustriert, ohne große Hoffnung und haben wenig Interesse an gewöhnlicher Bildung. „Detachment“ hätte ein Film sein können, wie wir ihn schon oft gesehen haben, in dem ein ideologischer Lehrer benachteiligte und vernachlässigte Kids mitreisst und ihnen Hoffnung und Mut für die Zukunft macht.

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Filmkritik: Sleeping Beauty

Sleeping BeautyDie australische Schauspielerin Emily Browning war letztes Jahr als Kampf-Püppchen „Baby Doll“ in Zack Snyders Trash-Fest „Sucker Punch“ zu sehen. Auch ihre neueste Hauptrolle ist wieder ein gewagtes Stück Kino. Browning spielt in „Sleeping Beauty“ die Studentin Lucy, die über eine Anzeige an eine ominöse Escort-Agentur gerät. Für die arbeitet sie nicht etwa als gewöhnliches Callgirl; es sind andere, sehr sonderbare erotische Dienstleistungen, die sie verrichtet. Das Regiedebut von Julia Leigh bewegt sich mit seiner Story weit abseits des Mainstreams, trotz viel nackter Haut ist „Sleeping Beauty“ kein konventionelles Erotikdrama geworden.

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Filmkritik: Einmal ist Keinmal (One For the Money)

Einmal ist Keinmal – One For the MoneyWie ich bei Wikipedia gelesen habe ist Janet Evanovichs Romanreihe um die Kopfgeldjägerin Stephanie Plum in den USA mächtig erfolgreich. Eine Filmversion war also nur eine Frage der Zeit, und die ist nun gekommen. Die Hauptrolle hat Katherine Heigl übernommen, die durch die Fernsehserie „Grey’s Anatonmy“ bekannt wurde und seitdem häufiger in romantischen Komödien im Kino zu sehen war. Auch „One For the Money“ ist in diesem Genre anzusiedeln, auch wenn der Film versucht, sich als Krimikomödie zu verkaufen.

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Filmkritik: What’s Your Number?

What's Your NumberZeitgleich mit dem Überraschungshit „Bridesmaids“ produziert zielt „What’s Your Number“ auf die gleiche Zielgruppe. Eine nicht jugendfreie (Beziehungs-)Komödie, erzählt aus einer weiblichen Perspektive. Die Grundidee der Story ist auch gar nicht schlecht. Ally (Anna Faris), eine Frau Anfang 30, liest in einer Zeitschrift, dass eine durchschnittliche Frau im Laufe ihres Lebens 10 Sex-Partner hat. Erschrocken stellt Ally fest, dass sie schon bei 19 ist – und ihre letzte Beziehung ist gerade erst in die Brüche gegangen. Unglücklicherweise steht in dem Artikel auch, dass Frauen, die mehr als 20 verschiedene Partner hatten mit über 95 % Wahrscheinlichkeit keinen fürs Leben mehr finden werden.

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