Filmkritik: The Ledge – Am Abgrund (DVD Premiere)

The Ledge – Am AbgrundKurz gefasst ist „The Ledge – Am Abgrund“ ein überkonstruiertes, aber gut gespieltes Psychodrama. Zu Beginn des Films kletter ein junger Mann auf das Dach eines Hochhauses, offensichtlich mit der Absicht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Für solche Fälle ist Polizist Hollis Lucetti (Terrence Howard) zuständig, der an diesem Tag aber selbst eine ziemlich bittere Pille schlucken muss: eine Ärztin teilt ihm mit, dass er keine Kinder zeugen kann. Doch Hollis hat schon zwei Kinder…

Rückblende: Der sympathische und lockere Gavin (Charlie Hunnam) arbeitet im Management eines Hotels. Eines Tages sitzt er dort seiner schicken Nachbarin Shana (Liv Tyler) gegenüber – und gibt ihr prompt den Job als Zimmermädchen. Das Unglück, man ahnt es schon, nimmt hier seinen Lauf. Shanas Ehemann Joe (Patrick Wilson) lädt Gavin und seinen schwulen Mitbewohner Chris zum Abendessen ein. Dort entpuppt sich Joe als christlicher Fundamendalist, der am Tisch für die Genesung von Chris von seiner „Krankheit“ betet und seiner Frau haargenau vorschreibt, wie sie zu leben hat.

Der überzeugte Atheist Gavin geht auf Konfrontationskurs mit Joe, kann seine Gefühle für Shana dabei aber nicht unterdrücken. Aus dem schwierigen Verhältnis entwickelt sich ein Spiel um Macht und Willensstärke, in dem einer der beiden Männer den Kürzeren ziehen muss. Worauf das genau hinausläuft kann man wohl schon erahnen, trotzdem ist der Film wegen der guten Schauspieler überzeugend genug, um Interesse und sogar Spannung zu wecken/erzeugen. Wer in Sachen Religion und Kritik an fundamentalen Positionen empfindlich ist sollte allerdings die finger von „The Ledge – Am Abgrund“ lassen.

Terrence Howard, einer der unterschätztesten Schauspieler Hollywoods, glänzt als Cop, der sich an einem Tag mit zwei großen menschlichen Dramen herumschlagen muss – wovon eines sein eigenes Leben ist. Liv Tyler spielt Shana mit der notwendigen Zurückhaltung, denn ihre Rolle ist zwar zentral, aber letztlich recht passiv. Hunnam überzeugt als charismatischer Kerl mit den besten Absichten, und Patrick Wilson verleiht Joe etwas ernsthaft Bedrohliches. Trotzdem ist die Figur von Joe die am wenigsten überzeugendste, weil sie allzu grob und einseitig gezeichnet ist.

Das Drehbuch entwickelt die Geschichte durchaus clever, doch die Erzählweise in Rückblenden ist sicherlich auch deshalb gewählt, weil man ohne das Wissen um das „dramatische“ Finale vielleicht schon früher die Lust an der Story verlieren könnte. Der Film braucht sich hinter vielen anderen Produktionen nicht zu verstecken, aber man verpasst auch nichts, wenn man ihn links liegen lässt. Solide Unterhaltung auf anständigem Niveau, nicht mehr und nicht weniger.

3/5

 

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