„The Conspirator“ – Trailer online

Dass Robert Redford einen Film über die Ermordung von Abraham Lincoln und den folgenden Gerichtsprozess drehen wird habe ich hier schon mal berichtet. Nun gibt es auch einen ersten Trailer zum Film. Sieht gut aus, wie ich finde, wobei man schon Interesse (und Vorwissen) zum Thema mitbringen sollte. Einen Starttermin hat der Film hierzulande wohl noch nicht, in den USA wird er ab April zu sehen sein.

Thomas Pynchons „Inherent Vice“ als Film?!

Irgendwie werden zur Zeit eine Menge Romane verfilmt, die ich auch tatsächlich gelesen habe. Da kommt Mitte April etwa „Alles, was wir geben mussten“ (Roman von Kazuo Ishiguro), außerdem hoffentlich sehr bald „The Rum Diary“ (von Hunter S. Thompson) und auch eine Adaption von Don DeLillos „Cosmopolis“ ist unterwegs, wie ich hier schon berichtet habe. Nicht zu vergessen Philip K. Dicks „Ubik“, das offenbar unter der Regie von Michel Gondry verfilmt wird.

Und nun lese ich bei Deadline.com, dass Paul Thomas Anderson („Boogie Nights“) tatsächlich vor hat „Inherent Vice“ (deutscher Titel „Natürliche Mängel) ins Kino zu bringen. Robert Downey Jr. soll an der Hauptrolle Interesse haben, was ganz gut passen würde. Der Roman ist eine ziemlich wirre Drogen- und Entführungsgeschichte, die anno 1969 in Los Angeles spielt.

Hauptfigur ist Doc Sportello, ein kiffender Detektiv, der in alle möglichen Fälle verwickelt wird, die irgendwie miteinander zusammen hängen. Ein sehr gutes Buch, für die Verhältnisse von Thomas Pynchon sehr einfach zu lesen und definitiv auch für eine Verfilmung geeignet. Bleibt nur zu hoffen, dass der Plot nicht zu sehr eingedampft wird. Ich bin ja sonst eher für kurze Filme, aber dieser darf sich (wie jeder wirklich gute Film) gerne viel Zeit nehmen.

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Neue Philip K. Dick-Verfilmung in Sicht: UBIK

Wie die Kollegen bei Empire schreiben wird sich Michel Gondry mit „Ubik“ eines der bekanntesten Bücher Dicks annehmen. Der Regisseur hat bereits mit „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ und „Science of Sleep“ bewiesen, dass er großartige Bilder schaffen kann. Vielleicht ist er der Richtige, um die komplizierte, auf mehreren Zeit- und Realitäts-Ebenen spielende Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und froh, dass nach der Dick-Adaption „The Adjustment Bureau“ (in Deutschland als „Der Plan“ ab dem 10. März) schon Nachschub in Sicht ist…Hooray!

Edzard hat Fernsehen geguckt…

.. und zwar aus Heimatverbundenheit den jüngsten „Tatort“, der in Bremen-Nord spielt. Immerhin, die Story ist gar nicht so schlecht. Drogenschmuggel am Hafen, ein totes Ehepaar, ein Kind als Zeuge, das kann man so anbieten. Doch da wären ja noch die Darsteller und vor allem die Dialoge, die mich sehr unsanft daran erinnert haben, warum ich kein Fan des deutschen Fernsehfilms bin.

Bevor ich hier zur Generalkritik aushole nur soviel: mit der internationalen Konkurrenz – und damit sind nicht nur die US-Produktionen gemeint – kann man nicht mithalten. Ob es am bescheidenen Budget liegt oder an der Zielgruppe, die sich an die gebotene Kost gewöhnt hat, ist auch egal. Soviel käsiges Gerede und Getue halte ich nicht aus. Da hilft auch der bekannte und lieb gewonnene Vorspann nichts. Wird wohl für ca. 20 Jahre mein letzter „Tatort“ gewesen sein. Akte geschlossen.

127 Hours

Nach „Buried“ kommt mit „127 Hours“ erneut ein Film in die Kinos, der auf eng begrenztem Raum spielt. Doch entfaltet sich in diesem Fall keine Thriller-Handlung, sondern ein äußerst menschliches Drama. Der Film von Danny Boyle („Trainspotting“, „Slumdog Millionaire“) beruht auf einer wahren Begebenheit und lief unter anderem letzten Herbst auf dem Filmfestival von Toronto.

Bei einem Outdoor-Trip in einem Canyon irgendwo in der weiten Wüste von Utah stürzt Aron Ralston (James Franco) in eine enge Schlucht. Unten angekommen muss er feststellen, dass ein Stück Fels mit runter gestürzt ist und den unteren Teil seines rechten Arms zerquetscht hat. Noch schlimmer ist, dass er den Arm nicht frei bekommt – Aron hat nur Verpflegung für einen Tag dabei und wenig Hoffnung zeitnah von irgendwem gefunden zu werden.

Wie der Titel schon andeutet wird Aron es eine Weile in der Schlucht aushalten müssen. Doch Regisseur Danny Boyle erlaubt seinem Film – anders als der stilistisch konsequentere „Buried“ – den Ort des Geschehens auch mal zu wechseln. Man sieht Aron etwa zu Beginn erstmal dabei zu, wie er seine Sachen für den Kurztrip plant, wie er bester Laune in die Wüste fährt, und wie er zwei jungen Frauen die Freuden des Bergsteigens zeigt.

Nach dem Sturz konzentriert sich die Handlung zwar auf Arons zerfahrene Situation, aber mit den Gedanken der Hauptfigur schweift auch der Film visuell aus der Enge hinaus und erkundet die Vergangenheit, die Wünsche, Hoffnungen und Ängste des jungen Mannes. Auch der Humor bleibt nicht auf der Strecke, wenn Aron mit seinem Camcorder ein kleines Tagebuch seiner Zeit im Canyon dreht – für die Nachwelt oder für sich selbst – wenn er denn irgendwie wieder raus kommt…

James Franco, zuletzt als Allen Ginsberg in „Howl“ im Kino, wurde für seine Rolle für einen Oscar nominiert, was definitiv gerechtfertigt ist. Nicht eine Sekunde hat man das Gefühl, einen Film mit einem Schauspieler (bekannt vor allem aus den „Spiderman“-Filmen) zu sehen, der etwas nachstellt – das Geschehen wirkt rundum authentisch, was auch nicht von den Regieeinfällen (Splitscreens, Zeitraffer, etc.) beeinträchtigt wird. Vom Übermut eines überzeugten Outdoor-Fans über den Schock nach dem Unfall bis zu den verzweifelten Versuchen sich aus seiner Lage zu befreien, man nimmt ihm alles ab und fühlt instinktiv mit.

„127 Hours“ ist ein sehr gutes Drama, das den Zuschauer auf einen spannenden Trip einlädt. Intensiv gespielt und mit etwa 90 Minuten recht kurz holt er aus dem Stoff alles raus, was drin steckt. Man muss diese Geschichte nicht unbedingt sehen, „127 Hours“ hat nicht den Anspruch irgendeine Weisheit zu verkünden. Es geht allein um den Moment, die Situation und die Emotionen, was er großartig einfängt. Ob man das sehen will oder nicht (vom Ausgang der Story schreibe ich hier bewusst nichts) muss jeder für sich entscheiden.

4/5

Outguess Edzehard: Meine Oscar-Tipps 2011

[UPDATE: Ich hatte die Kategorie „Editing“ vergessen und nun ergänzt.]

Die Oscars rücken immer näher, am 27.2. wird die endlose Zeremonie stattfinden. Und weil das ganze ohne Tippspiel langweilig ist biete ich hier mal ein solches an. Mitmachen darf jeder, bitte einfach die eigenen Tipps hier als Kommentar hinterlassen. Jeder, der mehr richtig tippt als ich, bekommt (Trommelwirbel….) ein EIS! Drei Kugeln! HAMMER!

Ich bin – wie man unschwer an den Tipps erkennen kann – der Meinung, das „The King’s Speech“ mächtig abräumen wird. Nicht nur, weil er zuletzt viele andere wichtige Filmpreise gewonnen hat und historische Dramen immer gern gesehen sind bei der Academy. Sondern auch, weil der Film absolut großartig ist und einen Oscar verdient hat. Der vorher als Favorit gehandelte „The Social Network“ ist ein gut gemachter Film, aber die mega-erfolgreichen Nerds werden dem König am Rande des Weltkriegs nicht das Wasser reichen können.

Die Liste aller Nominierungen zur Info.

Hier also meine Tipps, basierend auf ein paar Artikeln zum Thema und eigenen Ideen. Ich tippe hier nicht, wer meiner Meinung nach gewinnen sollte, sondern wer gewinnen wird. Nur, damit keine Mißverständnisse aufkommen…

  • Motion Picture of the Year: The King’s Speech
  • Directing: David Fincher
  • Actor in a leading role: Colin Firth
  • Actress in a leading role: Natalie Portman
  • Actor in a supporting role: Geoffrey Rush
  • Actress in a supporting role: Hailee Steinfeld
  • Original screenplay: The King’s Speech
  • Adapted screenplay: The Social Network
  • Cinematography: True Grit
  • Editing: The Social Network
  • Animated feature film: Toy Story 3
  • Foreign language film: Incendies
  • Visual effects: Inception
  • Art direction: Alice in Wonderland
  • Costume design: The King’s Speech
  • Makeup: Alice in Wonderland
  • Sound editing: Inception
  • Sound mixing: The Social Network
  • Music (Song): Toy Story 3
  • Music (Score): The King’s Speech
  • Documentary feature: Inside Job

Stirb Langsam 5 ist in Arbeit…

Wie Deadline.com berichtet steht die Produktion des Films in den Startlöchern. Bruce Willis hat Interesse noch einmal im Unterhemd den Helden zu spielen, ein Script ist auch am Start. Mit Noam Murro steht auch schon der Regisseur fest. Der hat zwar bisher erst einen Spielfilm gedreht („Smart People“) und kommt aus der Werbebranche, aber das galt auch mal für einen gewissen David Fincher – und der hat sich ja auch als fähig erwiesen. Ich schätze das Studio peilt einen Release im Frühjahr 2012 an, es könnte aber auch (ein Jahr) länger dauern…

The King’s Speech

So kann man sich täuschen. Ich hatte „The King’s Speech“ schon innerlich als konventionelles Kostüm-Kino abgeheftet, das von der Oscar-Academy traditionell so gerne mit Preisen überhäuft wird. Tatsächlich erklären sich die 12 Nominierungen des Films aber dadurch, dass er einfach großartig gemacht ist. Der Film ist sowohl ein ganz wunderbares Drama wie auch ein interessanter Historienfilm und dazu eine niveauvolle, sehr sehr witzige Komödie. Da darf und wird es dann auch gerne Preise hageln…

Wie wohl die meisten meiner Leser habe ich nie einen anderen britischen Monarchen erlebt als Königin Elizabeth II.. Die macht den Job ja nun auch schon ein paar Jahre. In „The King’s Speech“ geht es um ihren Vater, George VI., der anno 1936 den Thron bestieg, weil sein älterer Bruder lieber eine geschiedene Frau heiraten wollte – einem König war das aber untersagt.

George VI. (gespielt von Colin Firth) hat seit seinen Kindertagen einen Sprachfehler. Oder vereinfacht gesagt: er stottert. Schon als er „nur“ der Duke of York ist versucht er diesen für den Hochadel doch sehr lästigen Makel zu korrigieren. Doch alle Versuche schlagen fehl, zunächst auch der des mit unkonventionellen Methoden arbeitenden Australiers Lionel Logue (Geoffrey Rush). Als sich abzeichnet, dass George König werden wird und zudem ein Krieg mit Deutschland am Horizont aufzieht hat er dann keine Wahl mehr. Egal wie, das Stottern muss ein Ende haben, wenn sich die Briten in Kriegszeiten hinter ihren König stellen sollen.

Was nach ernsten, historisch aufgeladenem Drama klingt verpackt der Film in eine flüssige, heitere Erzählung, die immer wieder mit treffenden und lustigen Dialogen punktet. Das Geschehen gerät darüber keineswegs zur Farce. Die Leichtigkeit der Erzählung nimmt dem Film die Schwere und macht die Story wie auch die Figuren zugänglicher und menschlicher. Ohne die meisterlichen Darsteller (in erster Linie Firth und Rush, aber auch der Rest des Ensembles ist stark) würde das nicht funktionieren. Insbesondere die Szenen zwischen George und seinem „Sprachtherapeuten“ Logue sind wahrlich großes Kino, voller Witz und Spielfreude, dabei immer überzeugend.

Regisseur Tom Hooper (mir bisher völlig unbekannt) inszeniert die Story mit viel Gefühl für das richtige Timing, von der ersten bis zur letzten Szene fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Man muss auch nicht sonderlich bewandert in der jüngeren britischen Geschichte sein, die wichtigen Informationen vermittelt „The King’s Speech“ ganz nebenbei und lässt so unter anderem auch Winston Churchill auftreten. Wohl auch, weil (zumindest den Briten) das Ende der Story ohnehin bekannt ist legt der Film den Fokus eher auf die Hintergründe und Figuren. Das heisst aber nicht, dass sich die Rede am Schluss nicht auch zu den vielen großen Szenen des Films gehören würde.

5/5

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Meine Frau, unsere Kinder und Ich

Schon der zweite Teil der „Meet the Parents“-Reihe hat vor ein paar Jahren wenig Spaß gemacht. Mit Dustin Hoffman und Barbra Streisand gab es zwei neue Stars dazu, die konnten aber nicht verhindern, dass das Niveau gegenüber dem Original deutlich gesunken ist. Und so geht es leider auch weiter. Wieder gibt es zwei neue Gesichter, Jessica Alba ist als verführerische Marketing-Lady aus der Pharmaindustrie dabei, Harvey Keitel hat einen völlig sinnfreien Auftritt als Bauleiter.

Greg und Dina Focker (Ben Stiller und Blythe Danner) haben inzwischen Zwillinge bekommen und sich als Familie gut eingelebt. Natürlich brechen mit aller Gewalt bald die Schwiegereltern wieder in den Alltag ein und Ex-CIA-Agent Jack (Robert de Niro) sorgt für einigen Trubel. Dinas Ex-Schwarm und Gregs Dauer-Rivale Kevin (bekannt aus Teil eins, wieder gespielt von Owen Wilson) steht auch plötzlich vor der Tür.

Einziger Lichtblick für Greg ist die hübsche Andi (Alba), mit er beruflich zu tun bekommt – Mißverständnisse mit Jack sind vorprogrammiert. Den Rest der Handlung schenke ich hier mal ab, es geht noch um eine geeignete Schule für die Kids, ein Thanksgiving mit allen bekannten Gesichtern und eine große Party im Garten des neuen Hauses. Letztlich aber geht es eben nicht um diese Dinge, sondern darum recht simple, zuweilen niveaulose und weitestgehend bekannte Lacher anzubieten.

Keine fünf Minuten dauert es, bis der erste Fäkal-Joke dargeboten wird. Jack möchte seinen immer noch ungeliebten Schwiegersohn zum „Godfocker“ machen, zum neuen Chef des Clans (für den Fall seines Ablebens) und testet daher – ganz was neues – seine Führungsstärke und Loyalität. Irgendwie plätschert das Geschehen so vor sich hin, man ahnt schnell was so alles passieren wird und wo das hinführt. Das wäre weniger schlimm wenn die Reise wenigstens Spaß machen würde, aber die meisten Witze sind einfach zu lahm.

An den Figuren hat sich nichts geändert, alle leben mit den gleichen Marotten vor sich hin. Das war in einigen Fällen schon vorher nicht komisch und in anderen ist es in Teil 3 nicht komischer geworden. Es sollte niemanden verwundern, aber „Little Fockers“ (Originaltitel) ist eindeutig nicht entstanden, weil es eine gute Idee gab, wie die Geschichte weitergehen soll, sondern weil sich sehr bequem und ohne Risiko eine Art Weihnachtsfilm aus der Reihe gewinnen ließ. Den haben sich die Produzenten nicht entgehen lassen – das Publikum sollte diese Möglichkeit dringend in Betracht ziehen.

2/5

Hereafter – Das Leben danach

Ähnlich wie bei „Black Swan“ hatte ich auch bei „Hereafter“ grundsätzliche Bedenken, was das Thema des Films angeht. Denn das Leben nach dem Tod ist meist Stoff für bestenfalls mäßige Streifen, in denen tote Eltern mit ihren Kindern in Kontakt treten oder dergleichen. Doch wie schon bei dem Oscar-nominierten Ballettfilm hat auch hier die Neugier gewonnen, denn immerhin ist der Film von Clint Eastwood, von dem man mehr als einen lauen Thriller mit übernatürlichen Untertönen erwarten darf.

Einen solchen hat der alte Haudegen auch nicht gedreht, wenngleich die Parapsychologie eine wichtige Rolle spielt. „Hereafter“ folgt drei Figuren, die eigene Erfahrungen mit dem (Nah-)Tod machen, und deren Wege sich am Ende kreuzen. Fernsehjournalistin Marie aus Paris (Cecile de France) kommt bei dem Tsunami von 2004 beinahe ums Leben, den Eastwood in beeindruckenden Bildern – die Effekte sind für den Oscar nominiert – auf die Leinwand bringt. Dabei hat sie eine near death experience, die sie nicht mehr loslässt. Ihre Rückkehr in den gewohnten Beruf gestaltet sich schwierig.

In London verliert Schuljunge Marcus seinen Zwillingsbruder bei einem Unfall, und ist fortan besessen davon noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten. In San Francisco hat George (Matt Damon) sein Dasein als Medium, das mit Toten in Kontakt tritt, ad acta gelegt. Sein ‚Talent‘ empfindet er nur noch als Fluch, seine Brötchen verdient er sich lieber als Staplerfahrer.

Eastwood konzentriert sich zunächst auf seine Figuren und die Veränderungen, die ihre Erfahrungen in ihnen auslösen. Marcus, inzwischen bei Pflegeeltern untergebracht, zieht sich in sein Schneckenhaus zurück, ohne die Suche aufzugeben. Marie beginnt ein Buch zu schreiben, hat aber bald etwas anderes im Sinn als die ursprünglich geplante Biographie von Francois Mitterand. George, der bei einem Kochkurs eine nette Frau kennenlernt, wird immer wieder von seinen Fähigkeiten eingeholt.

Das „Hereafter“ des Titels verbindet die drei Stränge, zunächst nur thematisch, gegen Ende auch dramaturgisch. Der Film wirft einen durchaus kritischen Blick auf die Welt der selbsternannten Jenseitsforscher und Scharlatane, stellt dem aber eine – in einer Szene gar wissenschaftlich untermauerte – Theorie entgegen, nach der es tatsächlich ein Jenseits gibt. Lehnt man diese Vorstellung kategorisch ab wird man dem Geschehen nichts abgewinnen können.

Getragen wird die Story von den sehr guten Hauptdarstellern, die zurückhaltend aber eindringlich das Innenleben der Figuren erlebbar machen. Ohne klassischen Hollywood-Glanz und schmeichelnde Beleuchtung kommt auch die Inszenierung aus, die Schauplätze in London und San Francisco sind rustikal bis heruntergekommen, lediglich von Paris sind auch schöne und moderne Ecken zu sehen.

Über die Story kann nicht viel mehr gesagt werden, ohne zuviel zu verraten, selbst wenn es keinen „großen Kniff“ gibt, der am Ende alles in neuem Licht erscheinen lässt. Wer sich für das Thema – oder wie der Autor dieser Zeilen eher für die filmische Umsetzung – interessiert, der wird sicher nicht enttäuscht werden. Wobei man keine ausgefallen Visualisierungen des Jenseits erwarten sollte: „Hereafter“ findet zwar stimmige Bilder, überlässt die Details aber der Phantasie des Publikums. Wie gewohnt hat Regisseur Eastwood dabei seine Geschichte fest im Griff. Lediglich ganz kurz vor dem Abspann gehen die Pferde (oder besser die Geigen) mit ihm durch, was den Film als ganzes aber nur leicht ‚beschädigt‘.

4/5

It’s Kind of a Funny Story (DVD-Import)

Das US-amerikanische Independent-Kino erzählt mit Vorliebe Coming-of-Age-Geschichten. In den letzten Jahren waren mit „Thumbsucker“, „Charlie Bartlett“, „Adventureland“, „The Mysteries of Pittsburgh“ und „Glück in Kleinen Dosen“ eine Menge Filme dabei, von denen die allermeisten mindestens gut gemacht waren. Hier reiht sich nun – etwa im Mittelfeld – auch „It’s Kind of a Funny Story“ ein. Die Story entfaltet sich per Off-Kommentar aus der Sicht von Teenager Craig (Keir Gilchrist), der sich mit Selbstmordgedanken rumschlägt. Kurzerhand weist er sich selber in die geschlossene psychiatrische Anstalt eines Krankenhauses ein.

Wie er dort schnell feststellt geht es den meisten Patienten eher schlechter als ihm selbst. Im Verlaufe seines Aufenthalts lernt er aber auch interessante „Weirdos“ kennen, etwa den so  leb- wie rätselhaften Bobby (Paraderolle für Zach Galifianakis) oder die hübsche Noelle (Emma Roberts). Craigs Probleme sind keineswegs außergewöhnlich (unerwiderte Liebe, Zukunftsangst, Stress), der Film findet dafür überzeugende Bilder. Doch ein paar Konflikte muss er erstmal überstehen, bevor er mit neuem Lebensmut in sein altes (oder neues?) Leben zurückzukehren.

Mitfühlend, humorvoll und mit ein paar witzigen Einfällen erzählt das Regie-Duo Anna Boden und Ryan Fleck die Geschichte. Übergroße Momente und Effekthascherei bleiben weitestgehend draußen, von der ungewöhnlchen Exposition abgesehen ist alles plausibel und nachvollziehbar. Von den vielen „Vorgängern“ in seinem Genre kann sich „It’s Kind of a Funny Story“ allerdings nicht so recht absetzen. Oder um es mit dem Empire-Magazin (es ging da aber um einen anderen Film) zu sagen: „People who like this sort of movie will find that this is the sort of movie they like.“ Ich zähle mich da durchaus zu.

3/5

PS: Der Film lief auf dem Film Festival in Toronto, ob und wann er in Deutschland erscheinen wird konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Stichtag (DVD)

Gute Komödien zu drehen ist bekanntlich gar nicht so einfach. Regisseur Todd Philips hat es mit „The Hangover“ geschafft und versucht das Kunststück nun mit „Stichtag“ zu wiederholen. Gelingen tut ihm das leider nicht. Der Film hat zwar ein paar Lacher zu bieten, aber weder die Story noch die Figuren funktionieren so richtig. Mit Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis sind zwei Könner des Fachs in den Hauptrollen zu sehen, doch auch sie können das Drehbuch nicht retten.

Downey Jr. spielt einen Architekten namens Peter, der von Atlanta nach Los Angeles fliegen will, wo seine Frau Sarah kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes steht. Am Flughafen trifft er auf den angehenden Schauspieler Ethan (gewohnt zauselig: Galifianakis), der das Talent besitzt seinen Mitmenschen ganz fürchterlich auf den Sack zu gehen. Das stellt er gleich im Flieger unter Beweis, und bevor er sich versieht findet sich Peter in der Obhut der Flughafenpolizei wieder – inklusive Flugverbot.

Ohne Brieftasche und Ausweis ist guter Rat teuer. Ausgerechnet Ethan ist Peters letzter Ausweg, denn der läd ihn ein gemeinsam im Mietwagen gen Westen aufzubrechen. Natürlich geht auf dem Weg noch einiges schief, Besuche bei einer Drogendealerin, eine versehentliche Einreise nach Mexiko und akuter Geldmangel machen dem unfreiwilligen Duo zu schaffen. Immer wieder schafft es Ethan, seinen Begleiter mit seiner trotteligen, unbekümmerten Art in Rage zu versetzen. Und der geplante Geburtstermin rückt immer näher…

Für sich genommen sind einige Szenen recht witzig, ein paar echte Lacher sind in den Dialogen und im Slapstick des Films schon drin. Das ganze Szenario, das Rückrat der Story, wirkt allerdings unglaubwürdig und schwankt zwischen chaotischen Übertreibungen, ein paar ernsten Zwischentönen und klassischer Komödie. Die Chemie zwischen den Figuren stimmt zwar, aber es finden sich zuviele Ungereimtheiten in ihrer Entwicklung, die auf ein äußerst vorhersehbares Ende zusteuert.

Das erhoffte Gag-Feuerwerk ist „Due Date“ (Originaltitel) nicht geworden. Immer wieder sucht das Drehbuch neue Ausfahrten, weil dem Geschehen die Luft auszugehen droht. Insgesamt kommt der Film auf ein halbes Dutzend bis Dutzend gelungener Szenen. Das reicht knapp aus, um das Publikum notdürftig mit Unterhaltung zu versorgen. Im Vergleich zu „The Hangover“ schmiert er deutlich ab.

2/5

Auch das noch: „Men in Black 3“ kommt…

Fortsetzungen erfolgreicher Hollywoodfilme sind seit den 80ern an der Tagesordnung, eine Überraschung ist es also nicht, dass Will Smith gerade zum dritten Mal als ‚Agent J‘ vor der Kamera steht. Angesichts der Tatsache, dass Filme mit Will Smith meist was taugen und „MiB 3“ sein erster Film seit „Sieben Leben“ und also drei Jahren ist, finde ich die Nachricht trotzdem traurig.

Zwar sind mit Josh Brolin, Nicole Scherzinger und Sharlto Copley neue Darsteller dabei (keine Angst, Tommy Lee Jones wurde nicht aussortiert), und natürlich wird das ganze ein 3D-Spektakel, aber Freude kommt bei dem Gedanken an den Streifen trotzdem nicht auf. Vielleicht markiert er aber auch das Ende von Smiths Schaffenspause und es folgen auch wieder neue Projekte.

Middle Men (DVD-Import)

Dass sich Sex bzw. Pornographie im Internet als Riesengeschäft entpuppt hat überrascht aus heutiger Sicht niemanden. Doch der Start der Branche, so erfährt man gleich zu Beginn von „Middle Men“, war eher holprig – bevor es steil nach oben ging. Der Film erzählt seine Story aus der Sicht von Jack Harris (Luke Wilson), der über Umwege zum wichtigen Player im Geschäft wurde. In einer unterhaltsamen Mischung aus Drama, Thriller und Komödie entfaltet sich das turbulente Geschehen und hegt er erkennbare Ambitionen den handelnden Personen ein ähnliches Denkmal zu setzen wie „The Social Network“ den Gründern von Facebook.

Harris übernimmt eine Start-Up-Firma der chaotischen Koksnasen Wayne und Buck (Giovanni Ribisi und Gabriel Macht). Die beiden haben eine Software entwickelt, die diskrete Zahlungen per Kreditkarte im Internet ermöglicht, und verkaufen so den Zugang zu ihrem selbstbetriebenen Porno-Portal. Als sie neues Material brauchen wenden sie sich an einen russischen Mafiosi und Nachtclub-Besitzer. Das bringt zwar kurzfristigen Erfolg, aber auch eine Menge Ärger. So landet Allround-Talent Harris bei den beiden, der sofort erkennt das die ganz große Kohle nicht mit den „dirty pictures“ gemacht wird, sondern mit der Bereitstellung der – damals einzigartigen – Technik zur Bezahlung.

Während die Firma immer reicher wird steigen die Spannungen zwischen den Figuren. Harris kann sein Dasein als treuer Familienvater schlecht mit dem des erfolgreichen Porno-Finanz-Mogul unter einen Hut bringen, Wayne und Buck schieben ihrerseits Frust und es gibt noch zahlreiche weitere Baustellen. Tatsächlich zerreisst das Überangebot von Konflikten und Themen förmlich die Narrative von „Middle Men“. Die einzelnen Teile sind zwar gut anzusehen, aber als ganzes fehlt ihm eine stringente dramatische Form. Schon die Perspektive des Films mit Harris als Erzähler ist ein Fehlgriff, aber wohl der Tatsache geschuldet, dass der Stoff eine Serie werden sollte und wie man hört nachträglich auf Spielfilmlänge gebracht wurde.

Regisseur George Gallo inszeniert vorwiegend nach Art von Martin Scorsese im Mafia-Modus, will sagen mit viel Energie, langen Kamerafahrten und Stones-Songs im Soundtrack. Und weil er das gar nicht mal schlecht macht und einige gute Szenen im Drehbuch stehen weiss „Middle Men“ sein Publikum durchaus zu unterhalten. Auch die Besetzung überzeugt, wobei ich mir bei Luke Wilson nicht sicher bin ob er überhaupt was anderes spielen kann als normale, etwas langweilige Typen. Harris‘ Gelassenheit ist immerhin ein guter Gegenpol zu seiner wilden Umgebung.

Der Film lässt es sich nicht nehmen auch eine Menge nackter Haut zu zeigen, was angesichts des Sujets auch verständlich ist. Seine Darstellung der Branche scheint mir aber ein wenig naiv und unkritisch zu sein. Von den vielen Püppchen bekommt ohnehin nur eine (Laura Ramsey als Harris Geliebte) ernsthaft was zu tun, wenn auch in einem der weniger gelungenen Stränge des Films. James Caan ist ebenfalls mit dabei, in einer interessanten, aber nicht zu Ende gedachten Rolle als zwielichtigem Vermittler. Letztlich scheitert „Middle Men“ daran, eine stimmige Mischung aus „Boogie Nights“ und „Social Network“ zu finden, doch für Kurzweil, Spaß und Spannung ist trotz der chaotischen Form auf jeden Fall gesorgt.

3/5

Kerouacs „On the Road“ wird (neu) verfilmt

Walter Salles, Regisseur von „The Motorcycle Diaries“ hat Jack Kerouacs Beatnik-Kultroman „On the Road“ neu verfilmt. Der ausgedehnte Roadtrip eines jungen New Yorkers quer durch die USA wird wohl noch in diesem Jahr in die Kinos kommen. Die Besetzung ist recht hochkarätig, unter anderem sind Kirsten Dunst, Kristen Stewart, Viggo Mortensen, Amy Adams und Steve Buscemi dabei.

Die Hauptrolle wird Sam Riley („Control“) spielen – was mich etwas besorgt ist, dass auch Garrett Hedlund eine wichtige Rolle spielt – den fand ich jüngst in „Tron Legacy“ ähnlich blutleer und langweilig wie einst Hayden Christensen als jungen Darth Vader. Vielleicht ist ja aber das dramatische Fach eher seine Sache als 3D-Sci-Fi-Action, und angesichts der vielen großen Namen ist so oder so mit einem beeindruckenden Ensemble zu rechnen. Einen Trailer reiche ich nach, sobald ich einen finde!

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