Die besten Filme für den gepflegten Sonntagabend

Es gibt eine da eine Art inoffizielles Genre von Filmen, wie ich finde. Und zwar jene Streifen, die bevorzugt mehrmals pro Jahr um 20:15 Uhr am Sonntagabend bei Pro7 oder RTL laufen – man kennt sie schon, bleibt aber trotzdem gerne noch mal hängen. Es sind nicht gerade die besten Filme aller Zeiten (deshalb sind auch keine Filme aus meinen Top-100 dabei), aber unterhaltsame Evergreens der letzten 20 Jahre, die einfach bestens geeignet sind, einem die Zeit zu vertreiben. Hier meine persönliche Top-10:

1. Enemy of the State
Will Smith gerät in diesem Thriller von Tony Scott in den Besitz eines lupenreinen McGuffins, und los geht die heitere Hetzjagd. Trotz ein paar eklantanter Lücken im Plot – und von den Zooms durch die Wolken durch auch mal abgesehen – geht es in „Enemy of the State“ Schlag auf Schlag, das Drehbuch macht eine Menge Dinge richtig, die mittelmäßige Thriller falsch machen. Die Story kreist um den um die Ecke guckenden Überwachungsstaat (hätte gut in die George W. Bush-Ära gepasst) , mittendrin Will Smith als Anwalt, der in die Sache hineingerät und bald sein Leben nicht mehr wieder erkennt. Das macht Spaß, findet ein gutes Ende und ist durchgehend gut gespielt. Die Besetzung ist 1 A, neben Smith sind Barry Pepper, Jon Voight, Lisa Bonet, Jack Black und weitere bekannte und gute Leute dabei. Wenn ich so drüber nachdenke habe ich den Film bisher glaube ich NUR an Sonntagabenden gesehen..

 

 

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2. Ocean’s Eleven
Das Original von 1960 – inklusive der als „Rat Pack“ bekannten Besetzung mit Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis, Jr – war einfach zu cool, um nicht neu verfilmt zu werden. Zum Glück nahm sich nicht irgend jemand, sondern Steven Soderbergh dieser Sache an. Mit George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon und einigen weiteren männlichen Stars und der durch ein schmunzelndes „introducing“ vorgestellten Julia Roberts und einem guten bis sehr guten Drehbuch ist „Ocean’s Eleven“ der Inbegriff gut gemachter Hollywood-Unterhaltung. Der Stoff ist leicht und locker, die Dialoge witzig, die Story irgendwie bekannt aber keineswegs langweilig und schlicht und einfach hervorragend inszeniert. Wegschalten sehr unwahrscheinlich…

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3. John-Grisham-Verfilmungen aus den 90ern (Die Firma, Die Akte, Der Klient, Die Jury, Die Kammer, Gingerbread Man, Der Regenmacher)
John Grisham war wohl DER Bestseller-Autor im Thrillergenre der 90er Jahre, und Hollywood hat sich nicht lumpen lassen seine Romane mit großen Stars ins Kino zu bringen. Sandra Bullock, Tom Cruise, Julia Roberts, Denzel Washington, Sam L. Jackson oder Gene Hackman, sie alle haben mal mitgespielt. Sogar Francis Ford Coppola und Robert Altman haben je einen Film gedreht. Man kann oder sollte sie nicht alle so über einen Kamm scheeren, aber Fakt ist, dass ich sie alle schon x-mal gesehen habe – und wohl wieder hängen bleiben würde, wenn ich sie am Sonntagabend erwische. Sie sind weitestgehend flott und spannend inszeniert (Altman und Coppola sind etwas andere Wege gegangen), und haben jeweils eine gute Story parat – Grishams Stories sind zwar nicht IMMER logisch, aber locker stringenter als das, was die meisten Drehbuchschreiber abliefern.

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4. Vanilla Sky
Zugegeben, das spanische Original „Abre los Ojos“ ist fast noch besser als das Remake. Aber das läuft nun mal nicht Sonntags zur Primetime. Der Film mischt Drama, Romanze, Thriller und Science-Fiction mit einer verschachtelten Erzählweise und mehreren Deutungsmöglichkeiten. Das darf einem zuweilen etwas überkonstruiert erscheinen, nett anzusehen und unterhaltsam ist es aber immer. Penelope Cruz, Tom Cruise, Cameron Diaz und Jason Scott sind eine gute Besetzung für die „menage a quatre“, die im Zentrum der Story steht – und sogar für Kurt Russell ist noch eine gute Rolle dabei. Ich kenne viele Leute, die den Film gar nicht mögen, für mich ist er ein guter Beweis, dass Hollywood noch gutes Starkino machen kann. Auch wenn es dafür Filme aus anderen Ländern recyclen muss…

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5. Gefährliche Brandung
Keanu Reeves und Patrick Swayze sind beide nicht wirklcih als Charakterdarsteller bekannt (gewesen). In Kathryn Bigelows „Point Break“ aka „Gefährliche Brandung“ sind die beiden in ihren vielleicht besten Rollen zu sehen. Reeves als ehrgeiziger FBI-Agent Johnny Utah, Swayze als Surfer/Bankräuber Bodhi, der mit letzter Konsequenz die perfekte Welle sucht. Der Stoff könnte leicht auf B-Movie-Niveau sinken, tatsächlich aber ist Bigelow ein spannender Thriller mit interessanten Subtexten gelungen. Der Kampf des FBI gegen eine anarchische Surfer-Truppe, die in Robin Hood-Manier und mit Masken von US-Präsidenten verkleidet Banken ausräumt macht mächtig Spaß. Reeves überzeugt als überehrgeiziger Schüler zweier Lehrer (Bodhi und Gary Busey als FBI-Haudegen), Swayze ist sympathisch, nachdenklich, albern und böse zugleich. Eine krude Mischung, die einen immer wieder sehenswerten Film ergibt.

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6. From Hell
Die Geschichte von Jack the Ripper, basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel, schenkt uns Johnny Depp als Opium-süchtigen Ermittler von Scotland Yard. Die Spur führt bis ins Königshaus, was die Suche jedoch nicht wirklich einfacher macht. Heather Graham spielt Depps ‚Love Interest‘, eine schöne Dirne, die der Ripper allen Anzeichen nach bald auf dem Kieker haben wird. Die Stars des Films sind eindeutig die wunderbare Atmossphäre und die großartige Inszenierung durch die Gebrüder Hughes („The Book of Eli“), wobei Depp und die restliche Besetzung ebenfalls groß aufspielen. Selten bis nie hat mich die Location London in einem Film so überzeugt, und selten bis sehr selten traut sich ein Film ein so schönes Ende zu finden – die Studiobosse werden sich nicht begeistert gewesen sein. Wie schön für uns…

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7. Auf der Flucht
Harrison Ford ist Richard Kimble, ein Arzt der zu Unrecht des Mordes an seiner Frau bezichtig wird. Kimble muss nicht nur flüchten, sondern auch noch den echten Möder finden. Dabei ist ihm ein mit allen Wassern gewaschener US-Marshall (gespielt von Tommy Lee Jones) auf den Fersen. Von Anfang an schafft es „Auf der Flucht“ seiner rastlosen Hetzjagd genug Glaubwürdigkeit und den Charakteren genügend Tiefe zu verleihen. So wird aus der Flucht nicht ein langweiliges Wegrennen, sondern eine richtig spannende Angelegenheit, die das Publikum fesselt und bestens unterhält. Eine Paraderolle für Harrison Ford, und auch für Tommy Lee Jones als sein Wiedersacher. Eine im Kern sehr simple Idee, die handwerklich und dramaturgisch fehlerlos und sorgfältig einen kurzweiligen, fesselnden Film ergibt, den mal locker alle ein, zwei Jahre noch mal ‚mitnehmen‘ kann.

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8. Grosse Point Black
Auftragskiller haben es nicht leicht im Leben. Diese Weisheit haben schon viele Kinofilme mitzuteilen gehabt (etwa „The Matador“ mit Pierce Brosnan), aber „Grosse Point Blank“ geht die Sache am besten an. Killer Martin bekommt einen Auftrag, pikanterweise in jener Kleinstadt in der er groß geworden ist. Und nicht nur das: die „20 Jahre später“-Highschool-Party findet statt. Grund genug, den armen Kerl in eine Midlife-Crisis zu stürzen, eine alte Flamme zu treffen und dabei den Auftrag (fast) aus den Augen zu verlieren. Dan Akroyd spielt Cusacks Widersacher, Minnie Driver die einstige Liebe. Der Film nimmt sich selbst ebenso wenig ernst wie er politisch korrekt ist. Nicht jedermans Sache sicher, so eine muntere Killer-Farce. Aber wer beim ersten mal Spaß hatte dürfte einer sonntäglichen Wiederholung nicht abgeneigt sein.

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9. Im Auftrag des Teufels
Und noch ein Film mit Keanu Reeves, hier an der Seite von Al Pacino und Charlize Theron. Die Grenze zum Trash wird zuweilen überschritten, trotzdem hält der Film sein Publikum bestens bei Laune. Reeves spielt einen Anwalt (jung und ehrgeizig, siehe „Gefährliche Brandung“), der vom charismatischen Chef einer großen Kanzlei in einen komplizierten Fall verwickelt wird. Während er den Kontakt zu seiner Frau (Theron) verliert trifft er Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen – bis er doch noch versucht, sich aus dem Katz-und-Maus-Spiel seines Chefs zu befreien. Man könnte „Im Auftrag des Teufels“ einen übernatürlichen Thriller nennen, oder auch wahlweise einfach feinste, leicht bekloppte Unterhaltung für den gepflegten Sonntagabend…

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10. Das Mercury-Puzzle
Bruce Willis hat eine Menge Filme gemacht, die auf dieser Liste landen könnten. Ich finde aber, dass dieser hier am besten passt, er hat die Qualitäten, die ein Sonntagabend-Film braucht. Die Story ist recht einfach, bietet aber einen Haufen guter Szenen, es gibt genug Action, aber kein stumpfes Testosteron-Gebolze, und das Timing ist bestens. Ein kleiner autistischer Junge entschlüsselt quasi versehentlich einen streng geheimen Code eines US-Geheimdienstes (ich glaube die NSA ist es), zwischen dem Kind und einem Haufen ballernder Regierungs-Schergen steht bald nur noch einer: Bruce Willis! Gut für den Kleinen, schließlich ist Willis für solche Rollen geboren und ist mit Lust bei der Sache. Seine Gegenspieler werden von Alecc Baldwin und Peter Stormare gespielt, was passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Sicher kein großartiger Film (nach welchen Maßstäben auch immer), aber wie gemacht für Beine hoch und einen entspannten ‚Endspurt‘ richtig Montagmorgen.

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