„The Next Three Days“: Trailer online

In Paul Haggis‘ („L.A. Crash“) neuem Film spielt Russell Crowe einen Ehemann, dessen Frau wegen Mordes im Gefängnis landet. Sein Leben liegt plötzlich in Trümmern, doch er glaubt an die Unschuld seiner Frau und macht sich – mit allen Mitteln – daran, die Situation in den Griff zu bekommen. So richtig Lust auf mehr macht der Trailer irgendwie nicht, in die Kategorie „verrät den ganzen Film“ gehört er auf den ersten Blick auch. Einen Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht, was in diesem Fall gut zu verschmerzen ist…

Hot Tub – Der Whirlpool…

Der Originaltitel des Films sagt eigentlich schon alles – „Hot Tub Time Machine“ ist absoluter Quatsch. Vier Kerle, drei davon langjährige Kumpel, landen in der Vergangenheit, weil ein Whirlpool eine Art Fehlfunktion oder Kurzschluss hat. Sie durchleben Szenen noch einmal, die prägenden Einfluß auf ihr späteres Leben haben – diesmal allerdings als reife Männer. Nur dass alle anderen Bewohner des schrillen 80er-Jahre Festes, auf dem das alles spielt, sie als ihre jungen „Vorgänger“ sehen.

Die Schlüsselszene zeigt die vier vor dem Spiegel – sie blicken als etwa 45-jährige hinein, sehen aber ihr knapp 20-jähriges selbst. Das klingt nicht nur bescheuert, sondern ist es auch. Weil ihnen ein „Mechaniker“ (Chevy Chase) Andeutungen macht, ist es nun die Mission der Buddies (gespielt von John Cusack, Craig Robinson, Rob Gorddry und Clark Duke), die Vergangenheit noch einmal genau so nachzuspielen, wie sie es damals erlebt haben. Prügeleien, das Ende einer Beziehung, Sex mit einem Groupie – alles nochmal von vorn. Nur so glauben die armen Kerle in die Gegenwart zurückkehren zu können.

„Hot Tub Time Machine“ bietet dabei humormäßig – falls man davon sprechen will – eine Mischung aus „The Hangover“  und No-Brainern wie „Dude, where’s my car?!“. Die ‚Story‘ dagegen ist zu großen Teilen bei „Zurück in die Zukunft“ geklaut. Fäkal- und Genitalhumor, Running Gags und derbe Sprüche reihen sich aneinander, nur leider zünden viele Jokes einfach nicht. Ein ordentlicher Strahl Kotze ist nun mal nichts neues, ebenso wenig wie pseudo-bissige Dialoge. Und nerviges Palaver von der Bedeutung wahrer Freundschaft passt auch nicht in das bekloppte Szenario. Lediglich das „Drama“ (oder besser die Farce) um der Arm einer Nebenfigur ist so bisher nicht da gewesen. Mein Lieblingsdialog des Films ging etwa so:

„These guys could be, like, russian secret agents!“
– „Or maybe not at all. There’s also that …“

Klingt nicht komisch? Sorry.

Wie oft ich gedacht habe „DAS können die nicht ERNSTHAFT anbieten!“ weiss ich nicht. Es ist auch egal. „Hot Tub Time Machine“ macht von Beginn an wenig Anstalten seine nicht vorhandenen Ansprüche zu verbergen (mit einem Autoschlüssel im Arsch eines Hundes geht es los). Wer nach 10 Minuten noch nicht die Notbremse gezogen hat kann sich den Streifen auch gleich bis zuende angucken, mit etwa 90 Minuten ist er wenigstens nicht sonderlich lang. Letzten Endes ist der Film der absolut mißratene Versuch, „The Hangover“ mit „Zurück in die Zukunft“ zu vermählen. Doch zumindest in dieser Form ist diese Ehe ganz eindeutig zum Scheitern verurteilt…

1/5

The Town

Nach Ben Afflecks guter erster Regiearbeit „Gone, Baby, Gone“ waren die Erwartungen an „The Town“ schon recht hoch. Wieder in Boston spielend, wieder basierend auf einem Roman (Chuck Hogans „Prince of Thieves“) versammelt der Film ein hochkarätiges Schauspieler-Ensemble. Affleck selbst und Jeremy Renner („The Hurt Locker“) sind als Bankräuber dabei, Jon Hamm („Mad Men“) ist ihnen als FBI-Agent auf den Fersen, Rebecca Hall („Vicky Cristina Barcelona“) und Blake Lively („Gossip Girl“) vertreten die holde Weiblichkeit, Chris Cooper und Pete Postlethwaithe spielen alternde Gangstergrößen dies- und jenseits der Knastmauern.

Es geht gleich mit einem Banküberfall los, bei der die Bande um Doug (Affleck) und Jim (Renner) zur Sicherheit auf der Flucht eine Geisel nimmt. Als sie wider erwarten problemlos entkommen können lassen sie die Bankangestellte Claire (Hall) wieder laufen. Während sie schon den nächsten Coup planen wollen sie sicher gehen, dass ihre Geisel dem FBI keine entscheidenden Tipps geben konnte – Start für eine etwas problematische Romanze zwischen Doug und der nichtsahnenden Claire.

„The Town“ spielt zumeist in Charlestown, einem Stadtteil im nördlichen Boston, in dem überwiegend Nachfahren irischer Einwanderer wohnen, und der – wie der Film zu Beginn einblendet – eine extrem hohe Zahl von Bankräubern hervorbringt. Doug, Jim und auch dessen Schwester Krista (Lively) sind in dem kriminellen Milieu groß geworden, doch zumindest Doug möchte diesem Umfeld auf Dauer entkommen. Doch wie das (im Kino) eben so ist, gestaltet sich das nicht ganz so leicht. FBI-Mann Frawley (Hamm) ist hinter ihm her, und der alte Obergangster der Nachbarschaft (Postlethwaite) hat auch andere Pläne mit ihm…

Getragen wird „The Town“ in erster Linie von den guten Darstellern, insbesondere Jeremy Renner, aber auch Jon Hamm und mit leichten Abstrichen Ben Affleck spielen äußerst überzeugend. Das spricht auch für das Drehbuch bzw. der Romanvorlage, die diese Figuren entwickelt haben. Weitere Pluspunkte sammelt der Film mit den hervorragenden Action- und Ballerszenen, die spannend und sorgfältig inszeniert sind. Sie sind nicht Selbstzweck der Unterhaltung wegen, sondern essentiell für den Verlauf der Story. Unterstützt werden sie vom durchweg starken Soundtrack, der sich vor allem dann „einschaltet“, wenn die Luft brennt.

Auch bei den Dialogen gibt es wenig zu meckern, die besten davon spricht Jon Hamm als FBI-Agent (Beispiel: „.. and we can forget about 24 hour surveillance unless one of the fuckers converts to Islam …“). Holprig wird es dennoch hin und wieder, denn mit der Thriller-Handlung, der Milieustudie UND der Romanze zwischen Täter und Opfer kämpft die Story an (zu) vielen Fronten. Der Schaden ist zum Glück überschaubar, insgesamt ist es der romantische Teil der – trotz ein paar guten Ideeen – im Vergleich ein wenig abfällt.

Ich weiss, ich stehe unter dem Verdacht, Thriller immer zu gutmütig zu bewerten, aber ich mag auch hier das Genre, mit dem Tempo und der Großstadt-Thematik, den Gejagten und ihren Jägern, die nicht ohne einander können. Auch wenn das Ganze am Ende nicht die Klasse von „Heat“ hat macht „The Town“ eine Menge Spaß.

4/5

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Filmmagazin „Empire“ startet in Deutschland

Ich weiss nicht, wie ich das übersehen konnte, aber wie Kress schon vor über einer Woche berichtet hat wird der Bauer-Verlag das britische „Empire“-Magazin diesen Monat auch in Deutschland auf den Markt werfen. Offenbar sollen viele Inhalte einfach übernommen (sprich: übersetzt) werden, was eine gute Nachricht wäre, denn das Original macht viel Spaß. Die ohnehin kriselnde „Cinema“ wird das mit Sorge sehen, aber wenn man über Jahre so ein langweiliges, biederes Blatt rausbringt (und sich damit dann noch als DAS Filmmagazin verkauft) hat man es auch nicht anders verdient…

Eine Homepage gibt es allerdings noch nicht, jedenfalls keine, die Google kennen würde.

Coen-Brüder: „True Grit“-Trailer online

Und hier ist er also, der erste Trailer des „True Grit“-Remakes der Coen-Brüder, mit Jeff Bridges, Josh Brolin, Matt Damon und Barry Pepper. Sieht gut aus (und verrät nicht zuviel), ich musste ein bißchen an „O Brother Where Art Thou“ denken, wohl wegen der Musik. Nun werden wir uns also gedulden müssen, bis der erste Western aus dem Hause Coen im Januar 2011 anläuft. Vielleicht gucke ich zur Einstimmung mal das Original mit John Wayne – aber vielleicht auch nicht…

Prince of Persia – Der Sand der Zeit (DVD)

Hier haben wir einen klassischen Blockbuster, von dem ich mich im Kino fern halte. Die Eckdaten: Jerry Bruckheimer produziert ein Spektakel, das auf einem alten Computerspiel basiert, im Trailer fliegen einem stark CGI-lastige Bilder um die Ohren, die Story kreist um einen jungen Prinzen, eine schöne Prinzessin und einen magischen Dolch. Jake Gyllenhaal („Donnie Darko“, „Brokeback Mountain“) bekommt seine erste große Action-Hauptrolle, Bond-Girl Gemma Arterton steht ihm zur Seite, außerdem wurden mit Ben Kingsley und Alfred Molina noch zwei verdiente Charakterdarsteller verpflichtet.

Das Ergebnis entspricht dann ziemlich genau dem, was man angesichts dieser Faktenlage erwarten kann. Der Film ist bunt, actionreich und ganz auf Teens und Tweens zugeschnitten. Es geht weniger brutal zu als in vielen anderen Popcorn-Filmen, die zentrale Romanze ist eine Variation des „was sich liebt das neckt sich“-Schemas, der Plot hat ein paar durchschaubare „Kniffe“ im Gepäck. Das ist alles nicht schlecht gemacht, und sogar weniger Pixel-lastig als es im Trailer aussah. Das Niveau allerdings ist insgesamt recht bescheiden, und es fehlt ein belebendes Element – wie etwa Johnny Depps Captain Sparrow aus den „Pirates“-Filmen.

Der harmlose Spaß ist nach knapp zwei Stunde wieder vorbei, die Schauspieler halten sich dabei weitgehend schadlos. Jake Gyllenhaal – mit Extra-Portion Muskelmasse – spielt Prinz Dastan als einen mutigen und loyalen Krieger, der abseits des Schlachtfeldes jedoch eher wie ein Highschool-Nerd daher kommt. Gemma Arterton („Quantum of Solace“) ist wohl nicht zuletzt wegen ihres britischen Akzents angeheuert worden, würde ich angesichts der vielen „very british“ klingenden verbalen Giftpfeile annehmen, die sie im Film verschießen darf. Ben Kingsley als mächtiger Onkel im Hintergrund schlafwandelt durch seine Rolle, Alfred Molina trägt zwar eine Menge Make-Up, storytechnisch aber nicht viel Gewicht. „Prince of Persia – The Sands of Time“ lässt sich mit einer Tasse labbrigen Kaffees vergleichen – besser als nichts, aber auch nicht ganz das wahre…

2/5

Links, Links, Links – Die Oscars, Woody Allen und der Facebook-Film

Das Filmfestival von Toronto ist zunehmend ein Schaulaufen für die Oscars geworden. Von den letzten drei Gewinnern für den „Besten Film“ liefen zwei auf dem Festival („No Country For Old Men“ und „Slumdog Millionaire“), und auch dieses Jahr werden einige Filme schon wieder hoch gehandelt. Bei IndieWire kann man nun nachlesen, was für Filme dabei sind, und welche Schauspieler sich (vielleicht) Hoffnung auf einen Oscar machen dürfen…

Den Trailer kennt man wohl schon aus dem Kino, und von der Firma, um die es geht, haben auch schon alle gehört. Die Rede ist von David Finchers Facebook-Film „The Social Network“, zu dem bei Wired.com ein interessanter Artikel zu finden ist.

Zu guter letzt hat die Los Angeles Times mit Woody Allen über seinen neuen Film „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ gesprochen, der ebenfalls in Toronto lief. Der Erkenntnisgewinn ist überschaubar, aber obwohl der Film hier erst im Dezember anläuft kann ein Blick darauf ja nicht schaden…

Matlock-Alarm! Robert Redford mit neuem Gerichtsdrama

Dass Präsident Abraham „Abe“ Lincoln ermordet wurde – am Ende des US-Bürgerkriegs – haben wohl die meisten noch auf dem Schirm. Den Namen John Wilkes Booth hatte ich in dem Zusammenhang auch schon gehört. Aber dass eine Frau namens Mary Surratt infolge des Attentats zum Tode verurteilt wurde, weil sie den Attentätern geholfen haben soll ist mir neu. Die ganze Geschichte können wir 2011 in Robert Redfords Drama „The Conspirator“ erfahren, das Mary Surratts Gerichtsverhandlung nachzeichnet. Mitwirken werden u. a. Alexis Bledel, Justin Long, Evan Rachel Wood, James McAvoy und Tom Wilkinson.

The American

Der Anfang von „The American“ erinnert ein wenig an die Bondfilme der 60er und 70er. In einer Blockhütte im Schnee, irgendwo in Schweden, relaxt ein Mann mittleren Alters (gespielt von George Clooney) mit einer schönen halbnackten Frau vor dem Kamin. Doch was dann folgt ist nicht so ganz Bond-konform, obwohl der Bodycount durchaus passen würde. Der Mann – der sich im Laufe der Handlung Jack oder Edward genennt – ist offenbar ein Auftragskiller, und irgendwer will ihm ans Leder.

Er sucht seinen Kontaktmann/Auftraggeber in Rom auf, einen drahtigen, faltigen Mann namens Pavel. Der verspricht, sich der Sache anzunehmen und rät Jack/Edward, in der Provinz unterzutauchen. Hier, in einem beschaulichen Ort in den Abruzzen, beginnt die eigentliche Handlung, die sich sehr gemächlich entfaltet.

„The American“ ist kein typischer Hollywood-Thriller, eher eine Mischung aus Independent-Kino wie Jim Jarmuschs stoischem „The Limits of Control“ und europäischem Gangsterkino wie „Der Eiskalte Engel“. Landschaftsaufnahmen und lange Einstellungen bestimmen über weite Strecken die Inszenierung, es wird wenig gesprochen, wenig erklärt, und es gibt auch keine großen Actionszenen.

Die Geschichte wird komplett aus Jack/Edwards Perspektive erzählt, ohne parallele Erzählstränge, allein sein Aufenthalt und sein Schicksal sind zentrales Thema. Die Nebenfiguren – darunter ein alter Priester und eine Prostituierte – spielen nur in ihrer Beziehung zur Hauptfigur eine Rolle. Die anderen für den Plot relevanten Personen und Kräfte sind meist unsichtbar und kommen erst sehr spät aus der Deckung.

An das fast meditative, langsame Erzähltempo gewöhnt man sich recht schnell, die schönen Bilder helfen dabei ebenso wie die sich unterschwellig immer wieder aufdrängenden Fragen nach dem „Was?“ und „Wieso?“ der Handlung. Es geht zwar nur langsam voran, aber wegen der guten Darsteller (abgesehen von Clooney allesamt Europäer) und des effektiven Szenarios möchte man einfach wissen, wie es weiter geht.

4/5

PS: Für die Musik des Films zeichnet übrigens Herbert Grönemeyer verantwortlich, der einen pointierten Soundtrack liefert. Einige Anspielungen auf bekannte Filmmelodien unterstreichen, dass „The American“ sich ganz bewusst auf andere Filme bezieht und (auch) als Stilübung zu verstehen ist.

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Männertrip (Get Him To The Greek)

Regisseur Nicholas Stoller und Comedy-Produzent Judd Apatow haben gemeinsam mit „Forgetting Sarah Marshall“ einen Erfolg gelandet, und planen dies nun zu wiederholen. Vielleicht ist es nur konsequent, dass sich der deutsche Verleih auch wieder für eine beknackte Übersetzung des Titels entschieden hat – wobei „Männertrip“ nicht ganz so mies ist wie „Nie wieder Sex mit der Ex“…

Die Handlung spielt im selben „Universum“ wie der Vorgänger, im Mittelpunkt steht Rockstar Aldous Snow (im vorigen Film neuer Freund der besagten Sarah Marshall), wieder spektakulär verkörpert von Russell Brand. Vor Jahren hat der sich mit einem fürchterlich kitschig-rassistischem Album namens „African Child“ (das Musikvideo dazu eröffnet den Film) ins Karrieretief verabschiedet. Auftritt Aaron Green (Jonah Hill), Angestellter einer Plattenfirma, der seinen Boss (lustige Cameo von Puff Daddy) davon überzeugt, eine Revival-Show anlässlich des 10-jährigen Jubiläums von Snows legendärem Auftritt im ‚Greek Theater‘ von L.A. brächte ihnen fette Umsätze…

Etwas überraschend willigt Snow in die Idee ein. Nun muss Aaron es nur noch schaffen, den ständig unter diversen Drogen stehenden Rocker innerhalb von 72 Stunden von London – über New York – nach Los Angeles zu schaffen. In seinen guten Momenten inszeniert „Get Him To The Greek“ diesen Trip mit großartigem Humor und Spaß an seinen Figuren – allen voran dem monströs-egomanen, dann wieder nachdenklich-sentimalen Aldous Snow. Es blitzt hier und da echte, bissige Showbiz-Satire auf, u.a. in der Person von Pop-Sängerin Jackie Q. (Rose Byrne), die noch weniger als ihre realen „Konkurrentinnen“ Aguilera, Spears und Co ein Blatt vor den Mund nimmt.

Die Konstellation der Hauptfiguren wiederum bringt auch recht herkömmliche Buddy-Drama-Szenen mit sich, in denen Aaron – frisch von seiner Freundin verlassen – von Aldous was übers Leben lernt und andersrum. Das macht deutlich weniger Spaß, schon weil man es oft genug in Filmen gesehen hat. Die witzigen Nebenfiguren, gute Dialoge, der passende Soundtrack und das flotte Tempo reichen aber aus, um „Get Him To The Greek“ insgesamt zu einer gelungenen Komödie zu machen – die ja bekanntlich zum Schwersten gehört, was man von Regisseuren und Schauspielern verlangen kann. Ein bisschen schade ist es um das verschenkte Potential, aber man soll ja nicht immer nur nörgeln, deshalb

4/5

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Unthinkable (DVD-Import)

Filme über den „Krieg gegen Terror“ sind in den USA viele gedreht worden. Auch das Thema Folter wurde nicht ausgespart, vor allem die Fernsehserie „24“ lotete da ständig die Grenzen aus. Um die Frage, ob und wie Folter durch den Staat gerechtfertigt sein kann geht es auch in „Unthinkable“. Das Szenario ist recht simpel: ein islamistischer Terrorist hat nach eigenen Angaben drei Atombomben in den USA platziert. Sie werden gezündet, wenn man seine Bedingungen nicht erfüllt – der Präsident soll den Rückzug aller Streitkräfte aus islamischen Ländern verkünden.

Es beginnt ein Kammerspiel mit einem halben Dutzend Beteiligten. In einem geheimen Versteck hält man den Terroristen Steven (Michael Sheen), einen ehemaligen Sprengstoff-Experten des US-Militärs, gefangen. FBI-Agentin Helen (Carrie-Ann Moss), Folterspezialist Humphries (Samuel L. Jackson) sowie einige Geheimdienstler und Militärs versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen. Doch ihr Gefangener erweist sich als widerständig und nicht kompromissbereit. Auf Befehl von oben beginnt Humphries sein finsteres Werk.

Das Geschehen ist auf wenige Tage verdichtet, und „Unthinkable“ dreht die Handlungsschraube beständig fester. Es scheint, als könne das Team mit einer Mischung aus Humphries‘ Grausamkeit und Helens Verhandlungsgeschick etwas erreichen – doch als die Ergebnisse ausbleiben greift man zu immer brutaleren Methoden – bis am Ende auch „das Undenkbare“ nicht mehr undenkbar scheint. Die Folterszenen sind zuweilen schwer zu ertragen, weil sie realistisch inszeniert und gut gespielt sind. Die Stärke des Films liegt – vor allem am Anfang – in der konsequenten Entwicklung des Szenarios und der daraus resultierenden großen Spannung.

Eine wirkliche Position zu seinem zentralen Thema nimmt der Film allerdings nicht ein, und das ist die große Schwäche. Er funktioniert als filmischer Essay über das Pro und Contra des Folterns, aber er blendet Konsequenzen und den politischen Rahmen weitgehend aus. Humphries äußert sich immer wieder als Anwalt der Folter-Fraktion, und verweist dabei auf die Schuld des Terroristen. Helen wiederum ist grundsätzlich dagegen, doch ihre Worte sind wegen mangelnder Alternativen wirkungslos.

Das moralische Dilemma wird gut heraus gearbeitet, doch der Debatte etwas hinzufügen kann „Unthinkable“ nicht. Der Plot und das Szenario an sich geben sowohl Gegnern als auch Befürwortern Argumente in die Hand – doch praktisch gesehen stellt er Folter als notwendiges Übel dar. Ein Justizdrama um die nachträgliche Klärung der Verantwortlichkeiten unter Einbeziehung der relevanten politischen Größen wäre vielleicht eher in der Lage, das Thema neu auszuleuchten. Als Thriller funktioniert der Film über weite Strecken ganz gut, es bleibt jedoch zweifelhaft, ob  das Thema Folter in dieser Form für den simplen Zweck der Spannung genutzt werden sollte.

3/5

Zweiohrküken (DVD)

Ich kann mich erinnern, dass ich mir an einem ähnlichen Tag wie heute (mäßige Laune, mieses Wetter) den Vorgänger „Keinohrhasen“ angeguckt habe. Und dass ich zwar nicht begeistert war, aber auch nicht sonderlich genervt. Letzteres gilt für „Zweiohrküken“ nicht, der Film nervt richtig und sollte – egal bei welchen äußeren Umständen – dringend gemieden werden. Warum? Hier mal ein paar Stichpunkte:

  • Schweiger ist als Märchenonkel im Kindergarten nicht witzig, sondern peinlich
  • viele Szenen sind wie nachgestellte Mario-Barth-Witzchen
  • es gibt (noch mehr) derben Humor unterhalb der Gürtellinie, allerdings selten komisch
  • wenn man nur ein Adjektiv benutzen darf: der Film ist plump (knapp dahinter: niveaulos)
  • Tschirners Figur ist noch unsympathischer als im ersten Teil, und die beiden passen auch wieder kein bißchen zusammen
  • viele Dialoge auf folgendem Niveau: „Sie hat in Dein Handy geguckt? Das ist ja doof.“
  • Die immergleiche „Elefant-im-Porzellanladen“-Nummer von Schweigers dümmlicher Proll-Figur zieht nicht mehr
  • Der Nebenplot mit Matthias Schweighöfer ist konkret willenlos hingeklatscht, und verdient sich nicht mal ein Ende…
  • Wenn kurz vor dem Ende dann alles traurig ist, sind es dann wieder die Kids, die Flunsch ziehen – und dann haben sich alle wieder lieb
  • Die Figuren sind weit über das genretypische Maß hinaus nicht nur unglaubwürdig, sondern geradezu schizophren.

Nee, das ist nix, ist das nicht!

1/5

Trailer, Trailer, Trailer

Fragt mich nicht warum, aber gestern war großer Trailer-Release-Tag. Am ehesten mit Spannung erwartet wurde der zu „The Tourist„, dem Thriller von „Das Leben der Anderen“-Regisseur Donnersmarck, mit Angelina Jolie und Johnny Depp in den Hauptrollen. Der Film basiert von der Idee her auf dem französischen Streifen „Anthony Zimmer“ und sieht interessant aus – ob man den Trailer wirklich bis zum Ende sehen muss ist eine andere Frage. Würde ich nicht durch die Vorlage wissen worum es geht, es wäre mir die ein oder andere Information zuviel.

Casino Jack“ wiederum erzählt die Geschichte des (realen) US-Lobbyisten Jack Abramoff, der mit allerlei fadenscheinigen Polit-Deals irgendwann doch auffliegt. Der Film hatte gerade Premiere beim Flimfestival von Toronto, insbesondere Hauptdarsteller Kevin Spacey soll großes leisten darin – das lässt der Trailer in der Tat auch erahnen. Einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht.

Wie hier schon vor einigen Wochen erwähnt hat Tony Scott mit „Unstoppable“ einen weiteren Film mit einem Zug und Denzel Washington in der Hauptrolle gedreht. An dessen Seite agiert zudem Chris Pine (der neuen Kirk aus „Star Trek“), die beiden haben es mit einem unbemannten Zug zu tun, der durch einen Ballungsraum rast und gestoppt werden soll. Irgendwie eine krude Geschichte für einen Actionfilm, ich bin gespannt wie (oder ob) Scott aus der Nummer einen echten Thriller macht. Der Trailer sieht okay aus, verspricht aber eine ordentliche Portion Pathos…

Und zu guter letzt können wir einen ersten (und in vielen Fällen auch gleich abschließenden) Blick auf „The Fighter“ werfen, ein Drama mit Mark Wahlberg als Boxer auf der Suche nach dem großen Erfolg. Christian Bale spielt seinen Bruder, das ganze erinnert an „Rocky“ und andere Film aus der Welt ds Boxens. Ich würde das Projekt gleich wieder vergessen, doch mit David O. Russell („Three Kings“) führt kein Unbekannter die Regie, und auch der erste Trailer verleitet nicht zum davon laufen…

Neue Starttermine für den Herbst – Kinofahrplan II

Neben den hier bereits erwähnten interessanten Filmstarts haben nun ein paar weitere Filme feste Starttermine.

Regisseur Neil Jordans („Interview mit einem Vampir“) neuer Film „Ondine“ handelt von einer unbekannten schönen Frau, die eines Tages vor der Küste Irlands auftaucht. Colin Farrell spielt einen Fischer, der sie für eine Meerjungfrau hält, der Film soll eine Mischung aus Märchen und Mystery-Krimi sein. Ich werde mir das im Kino wohl sparen, sofern ich nicht aus verlässlicher Quelle großes Lob hören sollte… Start: 21.10

In „Buried“ spielt Ryan Reynolds einen US-Amerikaner, der sich im Irak nach einem Angriff aus dem Hinterhalt in einem Sarg unter der Erde wieder findet. Lebendig begraben, aber noch mit Taschenlampe und Handy ausgestattet versucht er alles, um zu überleben. Der Low-Budget-Film ist gemischt aufgenommen worden von der Kritik, könnte aber – zumal im Kino – zumindest formal sehenswert sein. Für Klaustrophobiker allerdings gänzlich ungeeignet, wurde ich mal tippen. Start: 4.11.

Die Komödie „Cyrus – Meine Frau, ihr Sohn und ich“ mit Marisa Tomei, Jonah Hill, John C. Reilly und Catherine Keener soll gut sein, wie man hört und liest. Den beknackten Untertitel kann man sich ja weg denken, der Verleih möchte wohl einfach von der Popularität der „Meine Frau, … und ich“-Reihe mit Ben Stiller profitieren. Start: 25.11.

The Tourist“ mit Angelina Jolie und Johnny Depp wird zu Weihnachten laufen (23.12.), worum es geht kann hier nachgelesen werden.

Clint Eastwoods „Hereafter“ – Trailer online

Nachdem ich mit „Invictus“ zum ersten mal seit langer Zeit einen Film von Eastwood ignoriert habe (Sportfilme sind ja mal gar nicht meins, ein absolut überflüssiges Genre!) bin ich gespannt, wie das nächste Werk des Altmeisters ausfallen wird. Den Trailer von „Hereafter“ gibt es hier zu sehen, meine Eindrücke sind gemischt.

Einerseits sieht es nach großem Drama aus – und mit Matt Damon, Cecile De France und anderen stimmt auch die Besetzung -, andererseits ist das Thema (der Tod und das mögliche Leben danach) durchaus ein Kandidat für mächtig rührseliges, schlimmstenfalls gar übertrieben sentimentales Kino. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Eastwood schon weiss, was er da macht. Bei uns soll der Film übrigens im Januar 2011 anlaufen.

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