Inception

Von Christopher Nolans neuem Film „Inception“ habe ich genau genommen nichts anderes erwartet als dass er diesen Kino-Sommer rettet. Die Trailer und Teaser waren vielversprechend, die Kritiken und Ratings vom allerfeinsten, das Ganze schien fast zu schön um wahr zu sein. Und tatsächlich ist „Inception“ ein absolutes Highlight geworden – ein Film, der im Gedächtnis bleibt. Und an den sich die „Oscar“-Academy sicher erinnern wird, wenn es darum geht, das beste Original-Drehbuch des Jahres auszuzeichnen.

Worum es geht lässt sich schwer zusammenfassen (ohne zu viel zu verraten), die Grundzüge der Handlung  sind in etwa diese: ein Team vom Traum-Dieben bekommt den Auftrag, einem Milliarden-Erben einen folgenschweren Gedanken ins Hirn zu pflanzen. Damit das gelingt, müssen sie tief in sein Unterbewusstsein eindringen – sprich in seine Träume. Dass es gar nicht seine Träume sind, sondern speziell für ihn entworfene Traumwelten, die vom Team kontrolliert werden, ist einer der zahlreichen Kniffe des Films.

Leonardo DiCaprio spielt Cobb, den Anführer des Teams, der in den Träumen häufiger seiner verstorbenen Frau Mal (Marion Cotillard) begegnet. Außerdem mit dabei sind Cobbs langjähriger Partner Arthur (Joseph Gordon-Levitt), die neu ins Boot geholte Ariadne (Ellen Page), der begabte Fälscher und Dieb Eames (Tom Hardy), der Chemiker Yusuf (Dileep Rao) und Saito (Ken Watanabe). Michael Caine als Cobbs Mentor und Stiefvater, Cilian Murphy als schwerreicher Erbe und Tom Berenger als dessen Vertrauter komplettieren die All-Star-Besetzung.

Nolan erfindet mit „Inception“ das Rad nicht neu, und auch nicht den modernen Action-Thriller. Was er tut ist viele bekannte und einige weniger bekannte Story-Versatzstücke mit beeindruckenden, zum Teil nie da gewesenen Spezial-Effekten zu vermischen, und dabei den Überblick nicht (oder nur selten) zu verlieren. Die Story hat viele Facetten und vereint Elemente aus Filmen wie „Dark City“, „Matrix“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ oder „Letztes Jahr in Marienbad“ (den der Regisseur nach eigener Aussage erst hinterher gesehen hat). Es geht um Träume, ihre Beziehung zur Realität und letztlich darum, woran man die Realität eigentlich genau erkennen kann.

Zu Beginn des Films ist so häufig von Träumen, Extraktion, Traum-Architekten und ähnlichem Fach-Jargon die Rede, dass man sich ein wenig an die unseligen „Matrix“-Sequels erinnert fühlt. Doch wahrscheinlich ist es einfach notwendig, dem Publikum das nicht ganz einfache Handwerk zu erklären, auf dem die Story aufbaut. Die „Inception“ des Titels (engl. Anfang oder Gründung) wird ebenso angesprochen wie die verschiedenen Traum-Ebenen und der unterschiedliche Verlauf der Zeit darin. Das Thema ist dabei nicht unbedingt neu, wohl aber die Art und Weise, in der sich der Film diesem annimmt.

Das Spiel mit den diversen Handlungsebenen beherrscht der Film virtuos. Gegen Ende geht es auf vier Traumebenen zur Sache, ein echtes Highlight des Kinojahres. Als Zuschauer ist man beschäftigt, aber nicht überfordert, den Überblick zu behalten, hat dabei genug Zeit die atemberaubenden Bilder auch zu genießen. Zu den visuellen Höhepunkten gehört definitiv ein auf den Kopf gestelltes Paris, ein Hotelflur in Schwerelosigkeit und ein Van im freien Fall. Der Look von „Inception“ ist dabei erstaunlich frei von CGI, die meisten Tricks und Effekte sind „altmodisch“ gemacht. Was doch am Computer entstanden ist sieht nicht oder nur leicht danach aus – kein Vergleich mit dem lahmen Pixelbrei, der in so vielen Filmen zu sehen ist.

Den Hut ziehen muss man insgesamt sicher als erstes vor Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan. Sowohl die Dramaturgie als auch die Inszenierung sind absolut auf den Punkt gebracht. Action, Drama und sogar ein wenig Humor ergänzen sich prächtig. Wäre Nolan durch die immensen Einnahmen von „The Dark Knight“ nicht zum Liebling von Warner Bros. geworden hätte er sein Drehbuch wohl niemals verfilmen können. Das Studio wiederum hat Mut bewiesen, einen derartig verkopften Film mit riesigem Budget (ca. $ 200 Mio.) auf den Mainstream loszulassen – und wird gerade weltweit mit klingelnden Kassen belohnt.

Das starke Schauspieler-Ensemble trägt ebenfalls zum Gelingen bei. Sie bevölkern die realen und surrealen Filmwelten, als hätten sie nie etwas anderes getan, ohne nerviges Over-Acting oder den Hang zur übertriebenen Pose. Die Figur von DiCaprio hat – wie schon zuletzt in „Shutter Island“ – am meisten emotionales Gepäck dabei, und auch hier gelingt ihm eine beachtliche Darstellung. Auch wenn „Inception“ nicht ohne kleinere Schwächen – nicht jeder Kniff kann überzeugen – ist: einen besseren, aufregenderen Film habe ich dieses Jahr im Kino noch nicht gesehen.

5/5

PS: Dass „Inception“ weltweit richtig Kasse macht (es dürften jenseits von 500 Mio. $ werden) ist insgesamt eine gute Sache. Es wird den Fortsetzungswahn nicht stoppen, setzt ihm aber eine deutliche Duftmarke entgegen.

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