Edzards Filmriss

DER Filmblog. Alles andere is Quatsch!

Monthly Archives: März 2010

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Neues von David Fincher

“Sieben”-Regisseur David Finchers nächster Film – nach der Facebook-Verfilmung “The Social Network”, hierzulande für Herbst geplant – wird laut Variety.com “Pawn Sacrifice” (Bauernopfer) heissen und sich mit Schach beschäftigen.

Der Film handelt vom legendären WM-Duell zwischen dem US-Amerikaner Bobby Fischer und dem Russen Boris Spassky von 1972, das vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zum Kampf der System hochgejubelt wurde. Fällt also tendentiell  in die bei mir weniger beliebte Kategorie “Bio-Pic”, könnte aber angesichts des Stoffes doch interessant werden…

Neue DVDs im März

Neu in der Videothek im März gibts u. a. diese Filme:

(500) Days of Summer (4/5)
2012 (3/5)
Away We Go (4/5)
District 9 (4/5)
I Love You, Beth Cooper (3/5)
Jennifer’s Body (3/5)
The Informant! (4/5)

Interessant könnten auch “Das Weisse Band” (Festival-Gewinner in Cannes) und “Tropa de Elite” (Festival-Gewinner in Berlin) sein, die habe ich jedenfalls noch auf dem (erweiterten) Zettel stehen…

500 Days of Summer (DVD)

Dass “500 Day of Summer” ein besonderer Film sein möchte wird gleich zu Beginn klar. Ein Off-Kommentar (vom Ton her irgendwo zwischen “Amelie” und den “Royal Tenenbaums”) und einige kurze Schnipsel aus dem Leben der Hauptfiguren machen das Publikum mit der Materie vertraut und geben den humorvoll-nachdenklichen Ton vor. Die Story handelt von Tom (Joseph Gordon-Levitt, “Brick”) und Summer (Zooey Deschanel, “Yes Man”), oder genauer gesagt von ihrer 500-tägigen Beziehung.

Der Film blättert in der Zeit hin und her, immer mit einer Einblendung versehen, an welchem Tag sich die Dinge ereignet haben. Das könnte verwirrend sein, macht aber tatsächlich Spaß und hindert auch den Erzählfluß nicht wirklich. Tom ist ein netter, etwas schüchterner Kerl, der sein Geld mit dem Erstellen von allen möglichen Grußkarten verdient. Er verliebt sich sofort in Summer, die neue Assistentin seines Chefs. Das Problem: Summer glaubt nicht an die Liebe, oder wenigstens an beständige Zweisamkeit.

Allerdings mag sie Tom auch sehr gerne, und so beginnen die beiden eine Art Beziehung unter Vorbehalt, ohne sich so recht einig zu sein, wohin der Weg eigentlich gehen kann und soll. Es sind weniger die großen Dramen unserer Zeit, die die beiden auf die Probe stellen, sondern eher die kleinen, unausgesprochenen. eine von Toms und Summers Gemeinsamkeiten ist der Musikgeschmack, und tatsächlich hat der Film auch einen – für Indiefilme beinahe obligatorischen – guten Soundtrack zu bieten.

Weil Tom als Erzähler fungiert dominiert seine Sichtweise der Dinge den Film. Summer bleibt keineswegs eine flache Figur, aber von ihrem Innenleben erfährt man vergleichsweise wenig. “500 Days of Summer” ist ein unabhängig produzierter Film, was auch nicht verwundert. So etwas wie eine romantische Komödie, bei der man weiss, dass es kein Happy End gibt würde bei keinem großen Studio grünes Licht bekommen. Die Geschichte funktioniert trotzdem, nur eben auf einem anderen Level als bei klassischem Rom-Com-Kino.

Die beiden relativ unbekannten Hauptdarsteller sind ein Pluspunkt des Films. Sie spielen unbekümmert auf, passen gut zusammen, und werden von vielen guten Nebendarstellern und -rollen unterstützt. Ins Auge sticht dabei Toms 12-jährige Schwester, die sich mit den Tücken des Beziehungslebens besser auszukennen scheint als er selbst. Was ebenfalls für “500 Days of Summer” spricht sind die vielen kleinen Einfälle, die die Story ergänzen oder ironisch kommentieren. Es gibt unter anderem ein überraschendes Tanz-Ensemble, Tagträumereien bei Ikea, einige Filme im Film und Split Screens.

Die Story des Films erfindet das Rad nicht neu, und einige Wendungen hat man in ähnlicher Form schon häufiger in kleineren und mittelgroßen Filmen gesehen. Auch das muss gesagt werden. Trotzdem ist “500 Days of Summer” sehenswert. Er ist clever, aber nicht abgezockt. Die Geschichte ist ernst zu nehmen, aber sie verliert nie den Humor. Und – ganz wichtig – es gibt kaum eine Szene im Film die langweilig oder zu lang wäre. Eine viel bessere Mischung aus Anspruch und Unterhaltung sollte man in diesem Genre eher so schnell nicht erwarten.

4/5

PS: Laut Variety wir Regisseur Mark Webb den Neustart des “Spiderman”-Franchises inszenieren. Man darf gespannt sein, wie viel ‘Indie-Spirit’ da mit einfließen wird. Auch wenn ich generell skeptisch bin, ob ich mich für die Peter-Parker-Story noch mal erwärmen kann…

Armored

Tagtäglich fahren Mike (Matt Dillon) und seine Kollegen von ‘Eagle Security’ in ihren gepanzerten Transportern Millionen von Dollars durch die Stadt. Doch von ihrem Gehalt können sie gerade so ein einfaches Arbeiter-Leben führen. Oder noch nicht mal das, wie im Falle von Neuling Ty, der seinen kleinen Bruder versorgen und eine Hypothek seiner verstorbenen Eltern bedienen muss. Die Routiniers um Mike, Baines (Laurence Fishburn) und Quinn (Jean Reno) haben daher einen Plan ausgeheckt.

Sie täuschen einen Überfall vor, verstecken die Kohle für eine Weile, und fertig. Das Geld ist versichert, die angeblichen Täter werden nie gefunden. Angesichts des knappen Zeitplans, der die Fahrer zu ständigem Kontakt mit der Zentrale zwingt, kein leichtes Unterfangen, aber doch machbar. Als kurz darauf das Jugendamt Ty damit droht seinen Bruder in eine Pflegefamilie zu stecken ist auch der mit dem Plan einverstanden – unter der Vorraussetzung, dass niemand bei der Sache verletzt wird. Und das geht natürlich schief, kaum dass die Gruppe mit ihren zwei Transportern in einem verlassenen Industriegebiet ihre Beute verstecken will.

“Armored” ist ein klassisches B-Movie im besseren Sinne. Spannung, Unterhaltung und Action stehen im Vordergrund, die Figuren sind recht einfach gezeichnet. In der Tradition (wenn auch nicht mit der Klasse) von “Reservoir Dogs” oder “Killing Zoe” eskaliert ein Überfall, die Gangster liegen überquer, müssen fliehen oder werden belagert. Einige der eigentlich friedlichen Arbeiter werden hier durch die Ausnahmesituation zu berechnenden Bösewichtern. Die prominente Besetzung spielt auf anständigem Niveau, ohne größere Überraschungen oder Übertreibungen. Die Story beschränkt sich auf die Thriller-Elemente und vermeidet unnötige Nebenschauplätze, der Hip-Hop-lastige Soundtrack passt zum urbanen Setting.

Ein paar Logikfehler und arge Vereinfachungen hat “Armored” dabei auch im Gepäck. Ebenso kann die Handlung als recht vorhersehbar bezeichnet werden. Großes Drama oder ganz neue Ideen darf man von dem Film nicht verlangen. Er beschränkt sich darauf, dem Szenario zu Beginn ausreichend Glaubwürdigkeit zu verleihen, und findet dann in der Ausnahmesituation des gefälschten Überfalls zu seinem wahren Thema. Das ergibt im ganzen kein filmisches Erlebnis, das man unbedingt machen müsste, aber für einen soliden, kurzweiligen Feierabend-Thriller reicht es locker.

3/5

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Jennifer's Body (DVD)

“Hell is a teenage girl.”

So beginnt Needy (Amanda Seyfried, “Veronica Mars”) ihre Erzählung am Anfang von “Jennifer’s Body”. Und sie weiss, wovon sie spricht, schließlich ist sie selbst Teenager. An einer typischen Highschool irgendwo in der Provinz der USA verbringt sie ihre Zeit vor allem mit zwei Menschen. Mit ihrem Freund Chip oder mit ihrer besten Freundin Jennifer (Megan Fox). Mit letzterer besucht sie das Konzert der unbekannten Emo-Band ‘Low Shoulder’, weil Jennifer ein Auge auf den Sänger geworfen hat.

Die Sache läuft aber nicht ganz nach Plan. Der Club fängt Feuer und brennt bald lichterloh, Jennifer steigt in dem Chaos in den Wagen der Band, um sich “retten” zu lassen. Die Jungs von ‘Low Shoulder’ haben jedoch finstere Pläne mit ihr.  Nach diesem Abend ist Jennifer keine schöne, etwas verdorbene Schülerin mehr, sondern eine eiskalte Killerin, die sich als Opfer vor allem männliche Schulkameraden sucht und die dann buchstäblich zerfetzt.

Der gesamte Film ist eine heitere, äußerst trashige Mischung aus Teenie-Horror (mit abgewandelten Rollen, die Cheerleaderin ist hier ja nicht Opfer des Terrors), Drama und Satire. “Jennifer’s Body” ist nicht wirklich lustig, auch nicht beängstigend, dramatisch oder sonstwie überzeugend. Die nicht ganz ernst gemeinte Handlung geht einen ziemlich vorraussehbaren Weg, wird aber trotzdem selten langweilig.

Megan Fox, seit “Transformers” zum Superstar geworden, spielt mit ihrem Image als junge Sexbombe, ihre Figur bleibt dabei aber trotz ihrer Kurven flach und blutleer. Als Jennifers beste Freundin, die von ihr immer ein wenig wie ein Hund behandelt wird, macht Amanda Seyfried einen guten Job. Der eigentlich immer großartige JK Simmons wird in einer viel zu kleinen Nebenrolle als Lehrer leider verschenkt.

Von dem Indie-Band-Jungfrauenopfer-für-Satan-Ritual (dessen Anleitung der Sänger nach eigenen Angaben im Internet gefunden hat) über Jennifers Morde bis zum großen Finale (Es kann nur eine geben!) ergibt nichts so richtig einen Sinn, macht aber meist Spaß und ist auch schnell wieder vorbei. Drehbuchautorin Cody Diablo hat nach ihrem Riesenhit “Juno” offenbar Gefallen am gepflegten Unsinn gefunden.

3/5

Nobel Son (DVD)

Thriller, in denen nichts so ist wie es anfangs scheint, sind wahrlich keine Seltenheit. “Nobel Son” führt quasi die Tradition von “Wild Things” oder “Die üblichen Verdächtigen” fort. Der frisch ausgezeichnete Nobelpreisträger und Chemie-Professor Eli Michaelson (Alan Rickman) und seine Frau Sarah (Mary Steenburgen) weilen für die Preisverleihung in Stockholm. Zuhause in Santa Barbara wird derweil ihr Sohn Barkley (Bryan Greenberg) entführt, der wegen den Flieger nach Europa wegen einer jungen Frau verpasst hat. Bald liegt die Lösegeldforderung vor – um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen legt der Kidnapper Barkleys Daumen hinzu.

Doch so einfach ist die Sache natürlich doch nicht. Der Entführer ist Barkleys Halbbruder Thaddeus (Shawn Hatosy), der offenbar noch ganz andere Ziele hat als nur Geld zu erpressen. Barkleys One-Night-Stand mit dem Künstlernamen City Hall (Eliza Dushku) gerät auch langsam unter Verdacht, und dem zuständigen Cop Max Mariner (Bill Pullman) fallen zunehmend mehr Ungereimtheiten ins Auge, was den Tathergang der Entführung angeht.

Die Story beginnt zunächst ganz interessant und spielt geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers, dreht aber im Laufe des Films locker zwei Haken zuviel. Je länger der Film dauert, desto weniger mag man den ganzen Schmu glauben. Die Story ist schon am Anfang nicht unbedingt wasserdicht, gegen Ende erleidet sie dann endgültig Schiffbruch. Die Inszenierung ist hektisch und etwas verwirrend, unterlegt von einem nervigen Score, der aus einer Art Medley von Alarmsirenen besteht. Zudem nervt sie mit pseudo-philosophischen Zwischentönen eines wiederkehrenden und unnötigen Kannibalismus-Motives.

Wirklich sehenswert ist in “Nobel Son” nur Alan Rickman. Er spielt den griesgrämigen, egomanischen Professor so überzeugend, dass der schon fast wieder charmant wirkt. Um Rickman herum geben sich alle anderen Darsteller Mühe, aber ihre Figuren sind zu sehr für ein Verwirrspiel konstruiert, als dass sie in sich stimmig sein könnten. Danny DeVito ist in einer lustigen Nebenrolle zu sehen, Ted Danson in einer weniger lustigen. Der Star des Films sollte wohl die Story sein, aber diese Fingerübung in Sachen “Nichts ist wie es scheint”-Thriller kann einfach zu selten und unter dem Strich überhaupt nicht überzeugen.

2/5

Oscar-Nachbetrachtung

Das Spektakel ist vorbei, der Rauch verzieht sich so langsam. Aber waren sie denn jetzt gut, die Oscars anno 2010? Über die große Show kann ich dieses Jahr nichts berichten, ich habe sie friedlich verschlafen. Über die Hosts Steve Martin und Alec Badwin heisst es in den Zeitungen recht übereinstimmend, sie hätten nicht viel falsch gemacht. Ben Stiller hat sich als blaues “Avatar”-Alien verkleidet und damit die Lacher auf seiner Seite gehabt. Ja, ach.

Die Preise waren dann aber doch mit Überraschungen versehen, denn dass “Avatar” ohne Hauptpreis und mit nur drei “kleinen” Preisen wieder abreisen musste war so nicht zu erwarten. Die Academy hat sich für “The Hurt Locker” und Kathryn Bigelow entschieden, und damit zum ersten mal einer Frau den Preis für die beste Regie überreicht. Das würde ich prinzipiell gut finden, wenn mich “The Hurt Locker” überzeugt hätte. Das war aber nicht der Fall, und damit hat 2010 aus meiner Sicht einen der schwächsten Gewinnerfilme der letzten 10 Jahre – neben “LA Crash” vor vier Jahren.

Die Darsteller-Kategorien hatten hingegen keine Überraschungen zu bieten. Alle vier Gewinner waren so erwartet worden. Bei den Herren freuen mich die Auszeichungen von Jeff Bridges (“Crazy Heart”) und Christoph Waltz (“Inglourious Basterds”), eine gute Wahl! Bei den Damen kann ich das nicht beurteilen, weil ich weder “Precious” (mit Mo’Nique) noch “The Blind Side” (mit Sandra Bullock) gesehen habe. Und ich bin mir auch nicht mal sicher, ob ich mir die beiden Filme überhaupt – geschweige denn im Kino – ansehen werde.

“Das Weiße Band” ist leer ausgegangen, obwohl der Film von Michael Haneke international einige Preise einheimsen konnte und als Favorit galt. Über den argentinischen Gewinnerfilm weiss ich überhaupt nichts, mal sehen ob sich das noch ändern wird. Wenn ja, wird darüber hier zu lesen sein. Zu den übrigen Kategorien fällt mir nur ein, dass “Up” gemeinhin überschätzt wird und Quentin Tarantinos Drehbuch zu “Inglourious Basterds” auf jeden Fall einen Oscar verdient hätte.

Aber um ehrlich zu sein hätte ich auch in den meisten anderen Kategorien anders entschieden. Der große Sieger des Abends, “The Hurt Locker”, ist bei uns letzten Spätsommer quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen, man wird sich nicht mehr lange an den Film erinnern. Aber so ist das eben mit den Oscars – oder weiss jemand auf die schnelle, wer letztes Jahr gewonnen hat?

Die Oscars…

…werde ich mir heute nacht nicht live ansehen. Interessieren tut mich die Zeremonie schon, aber von zwei bis fünf Uhr morgens ist eben kein günstiger Termin. Das traditionelle Oscar-Tippspiel “Outguess Edzehard” findet natürlich trotzdem statt, wohl wie üblich mit einem Teilnehmer!

Das Spiel ist simpel: ich tippe die Oscargewinner, meine Tipps sind also bekannt. Wer selbst tippt und mehr Treffer hat als ich bekommt einen Preis, z.B. ein leckeres Eis!

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Unverhofftes Remake?

Kennt noch irgendwer den Film “Midnight Run” mit Robert DeNiro und Charles Grodin? Der Streifen von 1988 handelt von einem Kopfgeldjäger (DeNiro), der einen windigen Mafia-Buchhalter ausfindig macht und zum Gericht bringen soll. Ich habe den früher immer gerne gesehen, der Film lief eine Zeitlang mindestens einmal im Jahr bei Pro7 oder RTL oder so.

Kein großes Kino, aber ein solider und äußerst unterhaltsamer Film – sofern mich meine Erinnerung nicht trügt. Bei EmpireOnline heisst es nun in dieser Meldung, dass es 22 Jahre später eine Fortsetzung geben soll. Finde ich keine schlechte Idee, wenn gute, altmodische Unterhaltung dabei rauskommen sollte…

Crazy Heart

Country-Musik ist eine ur-amerikanische Angelegenheit, die hierzulande eher eine Randerscheinung ist. Für “Crazy Heart” bedeutet das überschaubare Erfolgsaussichten, trotz der Oscar-Nominierung für Jeff Bridges als bester Hauptdarsteller [Update: Bridges hat gewonnen. The Dude abides!]. Bridges spielt die (fiktive) Country-Legende ‘Bad Blake’, die rein äußerlich durchaus dem “Dude” aus “Big Lebowski” ähnelt. Blakes erfolgreiche Tage liegen lange zurück, um sich über Wasser zu halten tingelt er durch Kneipen und Bowlingbahnen in Texas, Arizona und New Mexico.

Mehr schlecht als recht absolviert Blake den Spätherbst seiner Karriere, als ständiger Begleiter ist lediglich eine Buddel Whiskey dabei. Ein wenig Licht tritt in Gestalt von Jean (Maggie Gyllenhaal) in sein Leben. Die junge alleinerziehende Mutter macht ein Interview für die Lokalzeitung von Santa Fe, ist aber zunehmend auch an dem Menschen hinter dem kauzigen Musiker interessiert.

Essentiell ist “Crazy Heart” ein Road-Movie und Musikfilm. Die vielen Live-Auftritte und natürlich auch der Soundtrack sorgen für echtes Country-Feeling, was für europäische Ohren gewöhnungsbedürftig ist[*]. Jeff Bridges scheint die Rolle als charismatischer, aber abgewrackter Musiker mit Stetson-Hut und Gitarre auf den Leib geschrieben, auch sein Gesang kann überzeugen. Mitverantwortlich für einige richtig gute Songs ist T Bone Burnett, der schon den herrlichen Soundtrack von “O Brother Where Art Thou” produzierte. Das Milieu der kleinen (weißen) Leute, das mit der Musik untrennbar verbunden ist portraitiert “Crazy Heart” wohlwollend, aber dennoch realistisch.

Einen Plot im klassischen Sinne hat der Film wohlweisslich nicht im Gepäck. Er konzentriert sich auf seine Hauptfigur, die zwischen kleinen Momenten des Ruhms, vagen Hoffnungen auf zukünftigen Erfolg und ständigem Alkoholnebel hin und her taumelt. Man kann fast ahnen, wohin die Reise von Bad Blake geht, doch der Weg dahin ist trotzdem sehenswert. Blakes früherer Ziehsohn Tommy Sweet (gespielt von Colin Farrell), inzwischen Star der Countryszene, und Maggie Gyllenhaal als Jean sind die einzigen nennenswerten Nebenfiguren.

Ein bisschen erinnert Scott Coopers Regiedebut an Darren Arronofskys “The Wrestler”, in dem ebenfalls ein abgehalfterter ehemaliger Star mit der harschen Gegenwart kämpfen muss. Doch ist die Country Musik kein so gnadenloses Geschäft wie Wrestling, und “Crazy Heart” dementsprechend kein derart schonungsloser Trip in den Abgrund. Bei allen Rückschlägen, die Bad Blake verkraften muss, fängt ihn doch seine Leidenschaft für die Musik immer wieder auf – ein versöhnlicher Gedanke….

4/5

* Wer “Nebraska” und “The Ghost of Tom Joad” vom Boss was abgewinnen kann wird die Musik zu schätzen wissen…

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Männer, die auf Ziegen starren

Es gab Anzeichen dafür, dass “The Men Who Stare At Goats” (Originaltitel) ein gelungener Film sein würde. Da ist die namhafte Besetzung mit George Clooney, Jeff Bridges, Kevin Spacey und Ewan McGregor. Und der lustige Trailer, in dem einige gute Lacher drin sind. Jetzt kommt der Film auch hierzulande ins Kino, ist aber leider die erste größere Enttäuschung dieses Kinojahres.

Der Film handelt von einer geheimen Einheit des US-Militärs, die in den 80er Jahren gegründet wurde und psychologische Kriegsführung auf einen neues Niveau bringen sollte. Gründer und Leiter der Einheit ist Bill Django (Jeff Bridges), der seine Ideen aus der Hippiekultur und fernöstlich-esoterischen Weisheiten für seine Soldaten nutzen will. Mit der Kraft ihres Geistes und durch absolute innere Ruhe und Zufriedenheit (oder so) sollen die Männer zu unbesiegbaren Elite-Kämpfern gemacht werden, der “New Earth Army”.

Die Geschichte dieser Einheit wird in Rückblenden erzählt, die Rahmenhandlung ist eine andere. Journalist Bob Wilton (McGregor) wartet in Kuwait auf spannende Einsätze im Irak. Stattdessen trifft er den Geschäftsmann Lyn Cassady (Clooney), der wie sich herausstellt ein Veteran aus besagter para-psychologischer “New Earth Army” ist. Gemeinsam fahren die beiden in den Irak, doch wird ihre Reise bald unsanft unterbrochen. Dabei erfährt Bob von seinem neuen Freund die ganze Wahrheit über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Einheit.

Das wirre Geschehen hat angeblich deutliche Anleihen bei der Realität (laut Vorspann “mehr als Sie glauben”), was mich auch nicht wundern würde. Leider funktioniert “Männer, die auf Ziegen starren” trotzdem nicht so recht. Als Satire ist der Film nicht ätzend genug, für eine Komödie fehlen die Lacher. Übrig bleibt eine leidlich unterhaltsame Hippie-Soldaten-Groteske, die ohne ihre vielen Stars nie das Licht der Welt erblickt hätte (Clooney hat mit produziert und sicher auch Überzeugungsarbeit bei seinen Kollegen geleistet).

Über die gesamte Laufzeit findet der Film keinen stimmigen Ton, der die Story ins rechte Licht rücken könnte. Was als Rahmenhandlung und recht ernst beginnt (Bob plagen persönliche Sorgen, die ihn ins Krisengebiet führen) wird bald zum mit Rückblenden überfrachteten Roadmovie, welches sich dann in einer “überraschenden” Wendung mit den Rückblenden vereint. Als Zuschauer sitzt man da und denkt sich häufiger mal: “Was zur Hölle?!”. Da helfen auch die durchaus lustigen “Star Wars”-Anspielungen nicht weiter.

Ein paar gelungene Szenen sind schon dabei, allerdings sind die besten davon bereits im Trailer verwurstet worden. Wohl, weil man nicht wusste wie man den Film sonst verkaufen soll. George Clooney gibt sich alle Mühe seine Figur interessant zu machen, war allerdings als Everett in “O Brother, Where Art Thou” schon ein besserer Kauz. Jeff Bridges zuzusehen macht bekanntlich immer Spaß, so auch hier, nur leider ohne überzeugende Story. McGregor hat die undankbarste Rolle erwischt, er stellt in erster Linie (berechtigte) Fragen. Kevin Spaceys Figur hat keine rechte Verbindung zu den anderen Akteuren und bleibt deshalb blass.

Wer einfach nur für gut 90 Minuten Unterhaltung sucht, der liegt mit “Männer die auf Ziegen starren” nicht sonderlich falsch. Trotz aller Mängel – vor allem am Drehbuch – gibt es noch genug zu sehen, um sich vom Film bespaßen zu lassen. Vom Potential her hätte aber eine herrliche Komödie draus werden können, so ist das Ganze eher für einen regnerischen Sonntag geeignet denn für den Gang ins Kino.

3/5

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Es spricht: His Dudeness..

..will sagen Jeff Bridges. Und zwar im Interview bei SpiegelOnline, über seine neuen Filme “Crazy Heart” und “The Men Who Stare At Goats” (laufen beide Do. an), seine Liebe zur Musik und seine “ewige Rolle” als der Dude in “The Big Lebowski”. Lohnt sich durchaus…

39,90 (DVD)

Über einen Umweg namens “Tesn” landete der Tipp bei mir, dass sich der französische Film “39,90″ lohnen würde. Also habe ich mal einen Blick gewagt. Der Film zeichnet das Leben des Werbe-Gurus Octave (Jean Dujardin) nach. Die Story erzählt Octave selbst, von seiner Jugend bis zum Jet-Set-Leben als Star der Werbe-Branche. Koks, schöne Frauen, seelenlose, aber effektive Werbekampagnen und eine 70er-Jahre Rockstar-Attitude bestimmen sein Leben in der Metropole Paris.

“99 Franc” (Originatitel) verbindet Satire, Komödie und Drama zu einem wenig erbaulichen Portrait der heutigen Konsumgesellschaft. Was fehlt, ist ein roter Faden, der dem Film darüber hinaus Bedeutung geben könnte. Octave selbst hat – zurecht – keine hohe Meinung von sich, auch nicht von seinen Kunden und erst recht nicht von seinen Vorgesetzten. Er ist selbst ein Produkt der allgegenwärtigen Massenhysterie um gutes Aussehen, schnelle Autos und andere (scheinbare) Oberflächlichkeiten.

Der Film möchte ihn zum tragischen Helden stilisieren, doch das gelingt nicht so recht, weil Octave selbst eine leere Hülle ist, die nur gelegentlich mal Besuch vom eigenen Gewissen bekommt. Die Inszenierung ist durchaus gelungen, visuell fährt “39,90″ sehenswerte Tricks auf, und ist manchmal gar auf Augenhöhe mit Terry Gilliams “Fear and Loathing in Las Vegas”, was die Eindringlichkeit von (unappetitlichen) Drogen-Erfahrungen angeht.

So richtig zünden tut der Film jedoch nie. Ein paar coole und zynische Dialoge verlieren in der Synchronfassung wahrscheinlich an Witz. Die stilistischen Übertreibungen und gesellschaftskritischen Ober- und Untertöne sind selten überzeugend, weil “39,90″ erst gar keine Figuren ins Rennen schickt, die dem Publikum am Herzen liegen könnten. Das überspitzte Szenario und die temporeiche Story, die durchaus gute Ideen hat, halten den Film am Leben. Mitreißen und bewegen können sie das Publikum aber nicht, und so rauscht das Geschehen am Zuschauer ungefähr so schnell (und ultimativ belanglos) vorbei wie Octaves Leben an ihm selbst.

3/5

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