Oscar-Nachbetrachtung

Das Spektakel ist vorbei, der Rauch verzieht sich so langsam. Aber waren sie denn jetzt gut, die Oscars anno 2010? Über die große Show kann ich dieses Jahr nichts berichten, ich habe sie friedlich verschlafen. Über die Hosts Steve Martin und Alec Badwin heisst es in den Zeitungen recht übereinstimmend, sie hätten nicht viel falsch gemacht. Ben Stiller hat sich als blaues „Avatar“-Alien verkleidet und damit die Lacher auf seiner Seite gehabt. Ja, ach.

Die Preise waren dann aber doch mit Überraschungen versehen, denn dass „Avatar“ ohne Hauptpreis und mit nur drei „kleinen“ Preisen wieder abreisen musste war so nicht zu erwarten. Die Academy hat sich für „The Hurt Locker“ und Kathryn Bigelow entschieden, und damit zum ersten mal einer Frau den Preis für die beste Regie überreicht. Das würde ich prinzipiell gut finden, wenn mich „The Hurt Locker“ überzeugt hätte. Das war aber nicht der Fall, und damit hat 2010 aus meiner Sicht einen der schwächsten Gewinnerfilme der letzten 10 Jahre – neben „LA Crash“ vor vier Jahren.

Die Darsteller-Kategorien hatten hingegen keine Überraschungen zu bieten. Alle vier Gewinner waren so erwartet worden. Bei den Herren freuen mich die Auszeichungen von Jeff Bridges („Crazy Heart“) und Christoph Waltz („Inglourious Basterds“), eine gute Wahl! Bei den Damen kann ich das nicht beurteilen, weil ich weder „Precious“ (mit Mo’Nique) noch „The Blind Side“ (mit Sandra Bullock) gesehen habe. Und ich bin mir auch nicht mal sicher, ob ich mir die beiden Filme überhaupt – geschweige denn im Kino – ansehen werde.

„Das Weiße Band“ ist leer ausgegangen, obwohl der Film von Michael Haneke international einige Preise einheimsen konnte und als Favorit galt. Über den argentinischen Gewinnerfilm weiss ich überhaupt nichts, mal sehen ob sich das noch ändern wird. Wenn ja, wird darüber hier zu lesen sein. Zu den übrigen Kategorien fällt mir nur ein, dass „Up“ gemeinhin überschätzt wird und Quentin Tarantinos Drehbuch zu „Inglourious Basterds“ auf jeden Fall einen Oscar verdient hätte.

Aber um ehrlich zu sein hätte ich auch in den meisten anderen Kategorien anders entschieden. Der große Sieger des Abends, „The Hurt Locker“, ist bei uns letzten Spätsommer quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen, man wird sich nicht mehr lange an den Film erinnern. Aber so ist das eben mit den Oscars – oder weiss jemand auf die schnelle, wer letztes Jahr gewonnen hat?

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