Noch ein Trailer: „Wall Street 2 – Money Never Sleeps“

Oliver Stones „Wall Street“ ist einer der wichtigsten Filme der 80er. Er passte wunderbar in seine Zeit, und das war der Schlüssel zum künstlerischen und finanziellen Erfolg. Nun hat sich Stone – wohl angesichts der globalen Finanzkrise – entschieden, Michael Douglas noch einmal als Gordon Gekko auftreten zu lassen. Ob das gut geht ist eine spannende Frage, erste Antworten gibt der Trailer zum Film. Ich muss gestehen ich bin (noch) interessiert, aber nicht begeistert. Und Shia LaBeouf als zweiter Hauptdarsteller hätte auch nicht sein müssen…

Shutter Island

Zwei US-Marshalls werden anno 1954 auf den Plan gerufen als auf „Shutter Island“ scheinbar spurlos eine Frau verschwindet. Die einsame kleine Insel vor Boston dient nur einem Zweck – sie beherbergt eine Irrenanstalt für Kriminelle. Eine Flucht von der Insel ist so gut wie unmöglich, um so rätselhafter ist also das Verschwinden der Patientin Rachel. Marshall Teddy Daniels und sein Kollege Chuck Aule beginnen ihre Ermittlungen in dem Fall, und bekommen schnell den Eindruck, dass an der ganzen Sache etwas faul ist…

Schon die Ankunft auf der streng bewachten Insel wirft für Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und Chuck Aule (Mark Ruffalo) Fragen auf. Warum werden sie von den Wärtern und Pflegern so mißtrauisch beäugt? Wieso wundert sich keiner so recht über das unmögliche Verschwinden von Rachel? Welche Rolle spielt Chefarzt Dr. Crawley (Ben Kingsley)? Und was geschieht mit den  Patienten in der abgeschotteten Station C? Die Befragung der Patienten, Ärzte und Pfleger bringt keine Ergebnisse. Daniels wird von zunehmend heftigeren Migräneanfällen geplagt, und er hat wie sich rausstellt eine eigene Agenda, die ihn auf die Insel gebracht hat.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass „Shutter Island“ ein Verwirr- und Versteckspiel ist, bei dem niemandem wirklich zu trauen ist. Rückblenden und Traumsequenzen sorgen für weitere Verstörung, jedem Dialog und jeder Szene haftet etwas Unwirkliches an. Die Inszenierung verstärkt bewusst das Unbehagen des Publikums, immer mehr wird der Film zum alptraumhaften Kammerspiel. Das Drehbuch legt falsche (sowie auch richtige) Fährten und greift generell tief in die Trickkiste. Als wäre die Situation nicht schon zerfahren genug fegt bald noch ein Hurrikan über die Insel, der alle Kommunikation mit dem Festland unmöglich macht und für einen Stromausfall sorgt, der das gesamte Sicherheitssystem der Insel lahm legt…

Regisseur Martin Scorsese philosophiert dabei mit dem cineastischen Hammer. Schon zu Beginn unterlegt er die Ankunft der beiden Marshalls mit mächtig anschwellender Musik mit deutlichen Horrofilm-Anleihen. Visuell gibt er „Shutter Island“ einen expressionistischen Noir-Stil, der bestens zu den alten Gemäuern und der ambivalenten Story passt. Die Ausstattung steht dem in nichts nach, das Interieur und auch die Kleidung der Figuren machen die Zeitreise komplett. Für die Geschichte ist das immens wichtig, denn sie ist fest in der Ära von Kommunisten-Hatz und Kriegsparanoia verwurzelt.

Für die Schauspieler ist die Story aufgrund ihres komplexen Spiels mit der Realität eine echte Herausforderung. Wie echt lässt sich falsch spielen, das ist in etwa die Frage dabei. DiCaprios Part ist sicher am schwierigsten, und er meistert die Sache gut. Ben Kingsley kann sich auf seine Ausstrahlung und Präsenz verlassen, Mark Ruffalo ist wie so häufig die vielleicht sympathischste Figur im Film – und so ziemlich die einzige, die auch mal für einen Lacher sorgt.

Weil ich den Roman von Dennis Lehane (auf dem der Film basiert) gelesen habe kann ich schwer beurteilen inwiefern die große Überraschung des Films gelingt. Aufgrund der vielen komplizierten Entwicklungen, der Traumsequenzen und den manchmal seltsam Aktionen und Reaktionen der Figuren wird jedem schnell klar sein, dass da was im Busch ist. Und tatsächlich gibt es im Film viele Hinweise auf die Auflösung – die ich hier aber natürlich nicht verrate. Der Film bleibt der Romanvorlage weitestgehend treu, soviel darf gesagt werden. Die Story kann und muss man definitiv – im Buch wie im Film – als überkonstruiert bezeichnen.

Aber sie ist grandios überkonstruiert und auch als Film hervorragend in Szene gesetzt. Vielleicht sollte man „Shutter Island“ als (viel) zu groß geratenes B-Movie betrachten. Regisseur Scorsese ist mit den B-Filmen der 40er und 50er-Jahre aufgewachsen (auf der sehenswerten DVD „A Personal Journey with Martin Scorsese Through American Movies“ kann man sich davon überzeugen). Mit „Shutter Island“ hat er „Shock Corridor“ und anderen Filmen somit ein modernes Denkmal gesetzt. Der Film ist kein tiefgründiges Meisterwerk, er versprüht einfach pure Begeisterung für das Erzählen von Geschichten.

5/5

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The Book of Eli

„The Book of Eli“ zeichnet ein düsteres Bild unseres Planeten. Bei einem fatalen Krieg sind vor Jahrzehnten alle Städte dieser Welt zerstört worden. Die verbliebenen Menschen leben in Ruinenlandschaften und Ruinenstädten. Wer Trinkwasser hat darf sich glücklich schätzen. Lesen kann fast keiner mehr, nur ein paar ältere Überlebende haben noch Erinnerungen an die Welt davor, an eine Zivilisation, an Wissenschaft oder Demokratie.

Der einsame Wanderer Eli (Denzel Washington) ist einer dieser Dinosaurier. Er durchquert die völlig zerstörte USA westwärts, im Gepäck hat er dabei ein kostbares Stück: sein Buch. Nicht irgendein Buch, sondern eines von dem sich böse Anführer der versprengten Menschheit Macht versprechen. Ein Buch, das Kraft gibt in schweren Zeiten, und Hoffnung im Angesicht der Katastrophe. Eli verteidigt sein Buch mit allem, was er hat (vor allem einer fiesen Machete).

Bei seiner Reise nach Westen kommt er durch eine Trümmerstadt, in der er eigentlich nur eine Batterie aufladen lassen will. Bald liegt er jedoch mit den Schergen von Carnegie (Gary Oldman) über Kreuz. Carnegie ist beeindruckt von Elis Kampfkünsten, doch der lehnt die Einladung zum Bleiben ab. Als Carnegie, sadistischer, selbsternannter Sheriff der Stadt, von Elis mysteriösem Buch erfährt eskaliert die Situation. Die Jagd auf das Buch der Bücher hat begonnen.

Rein optisch haben die Allen und Albert Hughes einen beeindruckenden Film geschaffen. Blasse Farben und endlose Ödnis bestimmen die Szenerie. So bleich und ausgewaschen wie die Klamotten der Menschen kommt auch der Film daher, mit wenigen Farbtupfern zwischendurch. Der opulente Score sorgt für grimmige Endzeit-Stimmung. Denzel Washington überzeugt als bärtiger und bulliger Einzelgänger, und verleiht der Figur – in mitten eines doch sehr weit her geholten Szenarios – die Glaubwürdigkeit, die die Story braucht. Gary Oldman ist wie üblich ein verlässlicher Bösewicht, Mila Kunis („Forgetting Sarah Marshall“) spielt die schöne Solara, die zwischen die Fronten gerät.

„The Book of Eli“ bietet explosive Actionszenen der alten Schule (fast ohne CGI), der Zuschauer verliert wegen der schnellen Schnitte und schiefen Einstellungen trotzdem manchmal den Überblick. Die Story ist ein solides Gerüst für die Mischung aus Endzeit-Drama, Road-Movie, Spät-Western und Erweckungsfilm. Nicht alles passt so richtig (oder ergibt viel Sinn), aber der Film bleibt seinem Szenario weit genug treu und – soviel sei verraten – kommt auch nicht mit einem „Planet der Affen“-artigen Ende daher, das alles auf den Kopf stellt.

Besonders tiefsinnig oder aufregend ist „The Book of Eli“ nicht geworden, die Hughes-Brüder haben inhaltlich („Menace to Society“) und stilistisch („From Hell“) schon bessere Filme gemacht. Zwischen Action-Mainstream und düsterem Sci-Fi-Drama schafft sich ihr neuer Film seine eigene Nische, streut in dem trostlosen Szenario witzige Dialoge ein und widmet sich recht ausgiebig der Thematik des „heiligen“ Buches…

4/5

[Nochmal gesehen jetzt auf DVD. Ich mag den Film!]

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Neues von Edward Norton

Edward Norton macht ja nicht mehr so richtig viele Filme. „The Illusionist“ war großes Kino, nur leider genau da hierzulande gar nicht erst zu finden, „The Painted Veil“ ging ebenfalls gleich auf DVD raus. „Das Gesetz der Ehre“ schaffte es in die Kinos, aber nicht über das Mittelmaß hinaus, sein Auftritt im zweiten „Hulk“ innerhalb von 4 Jahren darf auch vergessen werden.

Nun spielt Norton gleich eine Doppelrolle in der Independent-Komödie „Leaves of Grass“, der Trailer sieht ganz lustig aus. Roger Ebert, dem alten Mann der US-Filmkritik, hat der Streifen auch gefallen („sweet, wacky masterpiece“). Ob sich ein deutscher Verleih fürs Kino findet ist aber noch offen. Same old, same old…

"Repo Men"-Trailer online / Kinofahrplan

Jude Law und Forest Whitaker gehen im futuristischen Actionthriller „Repo Men“ aufeinander los, dem Trailer nach zu urteilen könnte das unterhaltsam werden. Wobei für Jude Law die Rolle als klassischer Action-Held Neuland bedeutet, mal sehen ob er das überzeugend auf die Leinwand bringen kann. Im Juni werden wir schlauer sein, gesetzt den Fall man wagt den Gang ins Kino. Der Film hat soweit ich ersehen kann übrigens nichts mit dem 80er-Jahre-Streifen „Repo Man“ zu tun….

Hier geht es morgen mit der Rezension zu „Book of Eli“ weiter. Der wäre eigentlich letzte Woche dran gewesen, aber da war mein Stammkino von der Berlinale besetzt. Donnerstag gibts dann „Shutter Island“, auch Polanskis „The Ghost Writer“ und Herzogs „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ will ich im Kino sehen. Hoffentlich klappts. „Wolfman“ wird hingegen erst auf DVD genauer betrachtet, ebenso „Invictus“. Letzterer ist zwar von Clint Eastwood, und daher sicher nicht ganz verkehrt, aber ich habe eine Aversion gegen Film-Biographien und Sportfilme. „Invictus“ vereint beide Genres – und ich spare mir den Eintritt…

Den Animationsfilm „#9“ werde ich vielleicht auch noch einschieben können, das Musical „Nine“ werde ich möglicherweise mal antesten, könnte da aber – nächste Aversion – gegebenenfalls wegen zu viel Geträller doch die Stoptaste drücken. Wir werden sehen. Sehen werden wir.

The Box (DVD-Premiere)

Nach dem großen Erfolg von „Donnie Darko“ und dem ebenso großen Mißerfolg von „Southland Tales“ bringt Regisseur Richard Kelly mit „The Box“ nun seinen dritten Film heraus. Die Grundidee ist relativ simpel, wie auch schon im Trailer zu sehen war: ein geheimnisvoller alter Mann (Frank Langella) macht dem jungen Ehepaar Norma und Arthur Lewis (Cameron Diaz und James Marsden) ein mysteriöses Angebot. Er gibt ihnen eine Box mit einem Knopf drauf. Drücken sie auf den Knopf, bekommen sie eine Million Dollar; aber irgendwo stirbt ein ihnen unbekannter Mensch. Drücken sie nicht, holt er die Box wieder ab und macht das Angebot jemand anderem.

Nun wäre „The Box“ natürlich nicht der Mysterythriller, der er sein möchte, wenn besagter Knopf nicht auch gedrückt würde. Die Umstände sind dabei auch gleich verdächtig. Norma erfährt am selben Tag, dass die Kosten für die Schule ihres Sohnes kräftig steigen werden, Arthur bekommt eine Absage vom NASA-Astronauten-Programm. Und gerade dann bringt jemand eine Million Dollar ins Spiel?

Kaum haben die beiden die Million zuhause passieren merkwürdige Dinge. Kollegen, Nachbarn und Bekannte kriegen plötzlich Nasenbluten, in der Nachbarschaft wird ein Mord gemeldet. „The Box“ baut hier eine geheimnisvolle und packende Spannung auf, die das Unbehagen der Hauptdarsteller überzeugend auf das Publikum überträgt. Zuweilen erinnert das Geschehen an David Lynchs Filme, auch klassische Hitchcock-Momente sind zu finden. Die Ereignisse überschlagen sich bald, ohne dass die verzweifelten Eltern das Rätsel der Box lüften könnten.

So weit, so gut. Die ersten 60 Minuten des Films vergehen schnell und machen Lust auf mehr. Doch wenn dann langsam ersichtlich wird, was sich Kelly (bzw. Richard Matheson, Autor der zugrunde liegenden Kurzgeschichte) da eigentlich ausgedacht hat, ist es bald vorbei mit der Herrlichkeit. Ohne zuviel zu verraten: der wirre Schabernack, mit dem „The Box“ zuende geht, ist wenig ansehnlich und arm an Ideen. Egal, ob man für Sci-Fi-Mistery-Spektakel was übrig hat oder nicht, die Lösung des Films wird den wenigsten Zuschauern gefallen.

Erinnert hat mich der Film letztlich eher an die erzählerischen Nullnummern von M. Night Shyamalan (mit einem Hauch von „Saw“) als an Kellys brillanten „Donnie Darko“. Immer wieder werden wissenschaftliche Theorien oder gar Zitate von Arthur C. Clarke („2001 – A Space Odyssey“) und Jean Paul Sartre in die Story eingebaut, und es macht auch durchaus Spaß, den abenteuerlichen Entwicklungen des Films zu folgen. Auf eigenen Füßen aber kann die Story nicht stehen, zuviele Wendungen wirken übermäßig konstruiert. Hier wird ein wichtiger Unterschied zu „Donnie Darko“ deutlich. Da hatte sich das Übernatürliche langsam und glaubwürdig einen Platz in der Realität des Films erarbeitet. In „The Box“ wird es der Geschichte und vor allem den Charakteren mit aller Macht ungefragt aufgedrängt. Es ist nicht in der Story, es ist die Story…

3/5

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New York, I love You

Episodenfilme sind eine zwiespältige Angelegenheit. Im besten Fall, wie etwa bei Robert Altmans „Short Cuts“, ergeben sie ein vielschichtiges, sogar spannendes Gesellschaftsportrait. Läuft es weniger gut, kommt etwa „L.A. Crash“ dabei raus, bei dem zwar die Episoden gut verzahnt sind, aber der erhobene moralische Zeigefinger dem Drama in den Rücken fällt – wie es dafür einen Oscar als „Besten Film“ geben konnte ist mir immer noch schleierhaft. Weniger ernst kommt nun (nach „Paris, je t’aime“, den ich nicht gesehen habe) „New York, I Love You“ daher. Mehrere Regisseure erzählen kleine Geschichten, deren gemeinsamer Nenner der Big Apple ist.

Das Darstellerensemble besteht aus großen und kleineren, dem Filmfan zumeist bekannten Namen. Natalie Portman, Ethan Hawke, James Caan und Orlando Bloom sind (u.a.) die bekannteren Namen, aber auch Olivia Thirlby, Chris Cooper und Justin Bartha sind eifrigen Kinogängern ein Begriff. Auf den Regiestühlen haben etwa Allen Hughes (dessen „The Book of Eli“ mein nächster Pflichttermin im Kino ist), Brett Ratner, Mira Nair und Fatih Akin gesessen, ebenfalls keine Unbekannten.

Der Funke will aber trotzdem nicht so recht überspringen. Zu groß sind die qualitativen Unterschiede der Episoden, zu groß die Schwankungen von Ton und Inhalt. Da sind heiter-sarkastische Episoden dabei (Prom Night mit einer Rolstuhlfahrerin), dialoglastige Beziehungsdramen im Kleinformat (die Episoden mit Bradley Cooper und Ethan Hawke etwa), sowie recht ambitionierte Kunstkurzfilme (ein Diamantenkauf, der Hotelaufenthalt einer älteren Dame).

Es ist alles schön anzuschauen, denn der moderne und stilvolle Look, im dem der Film New York präsentiert, verbindet fast alle Episoden. Trotzdem ist „New York, I love You“ kein Pflichtprogramm, weder im Kino nach für Zuhause. Die vielen bekannten Gesichter können nicht verhindern, dass die Figuren aufgrund ihrer knapp bemessenen Zeit auf der Leinwand wenig Tiefe gewinnen. Erzählerisch geht es auf und ab, aber trotz der Schnittpunkte der Stories ist der dramaturgische Flickenteppich nicht zu übersehen. Als stilvolle und – nicht böse gemeint – gefällige Unterhaltung funktioniert „New York, I love You“, doch mehr als beschwingtes Erzählen und ein flottes Tempo kann er nicht liefern. Fazit: nicht belanglos, aber auch nicht wirklich ergreifend oder sonstwie relevant.

3/5

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Immer wieder schön: "The MacGuffin"

Eine der schönsten Erfindungen der Filmgeschichte ist ohne Zweifel der MacGuffin. Er wurde von Sir Alfred Hitchcock berühmt gemacht, von dem soweit ich weiss auch der Name stammt. Bei The Quietus.com sind einige der schönsten und wichtigsten MacGuffins aufgelistet und kurz erklärt, darunter „The Maltese Falcon“, „Raiders of the Lost Ark“ und auch „Avatar“ (erinnert sich irgendwer an den bescheuerten Namen des Minerals, dass die Menschheit dem Planeten Pandora so dringend abringen will? Eben.).

Up in the Air

Es passiert mir äußerst selten, dass ich mit einer Kritik, die ich schreibe am Ende überhaupt nicht zufrieden bin. „Up in the Air“ ist so ein seltener Fall, und meine ursprünglich gestern veröffentlichte Rezension ist gelöscht. Vielleicht findet sie sich noch im Google Cache. [Gerade gecheckt: nein.] Ich werde mir den Film demnächst in Ruhe noch einmal vornehmen, und – mein Lieblingswort – gegebenenfalls nochmal von vorne beginnen…

Solange kann ich den Film trotzdem (fast) uneingeschränkt empfehlen. Darsteller, Story und Inszenierung sind gut, zuweilen gar großartig. Es gibt herrliche Szenen, in denen George Clooney, Vera Fermiga und Anna Kendrick ihre Oscar-Nominierungen rechtfertigen (die Chemie zwischen Clooney und Fermiga ist besonders bemerkenswert – mehr davon in romantischen Komödien, und sie könnten tatsächlich Spaß machen…) Und nur wenige Momente, in denen „Juno“-Regisseur Jason Reitman nicht genau weiss, was er da macht.

Wer also dieser Tage ins Kino gehen möchte, der schaue sich „Up in the Air“ an. Über den Inhalt zu schreiben ist schwierig, ohne zuviel zu verraten. Deshalb hier nur soviel: Clooney spielt einen ledigen Geschäftsmann, der quer durch die USA jettet um im Auftrag feiger Firmenbosse höchstpersönlich (und mit Clooney-typischer Coolness) Kündigungen auszusprechen. Er liebt das Reisen und die Heimatlosigkeit und fühlt sich ohne familiäre oder anderweitige Verpflichtungen pudelwohl.

Bis ihn die Bekanntschaft zweier Damen – einer anscheinend seelenverwandten Geschäftsfrau und einer ambitionierten jungen Kollegin –  dazu zwingt, seine Lebensphilosophie einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. „Up in the Air“ meidet die meisten Klischees, die man mit der Story verbinden könnte und überzeugt als tragikomische Mischung aus Road-Movie, Satire und Coming-of-Age-Movie, für das die Hauptfigur eigentlich locker 20 Jahre zu alt ist….

4/5

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Irgendwann ist eben Schluss..

James Camerons „Avatar“ hat einige Rekorde gebrochen. Mehr Geld hat kein Film jemals eingespielt – an zweiter Stelle liegt jetzt die „ewige“ Nr. 1 „Titanic“ – und doch ist es irgendwann soweit: „Avatar“ ist nach seinem Start Mitte Dezember in den US-Kinocharts nicht mehr Spitzenreiter, kann das aber mit einem Einspielergebnis weit jenseits von $ 600 Mio. auch verkraften…

Auch wenn er nur als Fußnote der Charts in die Filmgeschichte eingeht, „Dear John“ (deutscher Titel „Das Leuchten der Stille“) gebührt die Ehre, „Avatar“ vom Platz an der Sonne verdrängt zu haben. Wen es interessiert, hier der Trailer des Films, der bei uns erst im September rauskommen wird…

Die 50 schlechtesten Filme…

..aller Zeiten haben die Leser des von mir sehr geschätzten Empire-Magazines gewählt. Und sie haben Geschmack bewiesen. „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Matrix 3“, „Showgirls“ und „Tranformers 2“ geben sich die Ehre – bevor es überhaupt in die Top-10 geht. Mit dem für die Zeitschrift typischen und erbarmungslosen Witz widmet sich Empire hier 50 wahrlich miesen Filmen…bring it on!

Tödliches Kommando – The Hurt Locker (DVD)

Die Oscars stehen demnächst an, und „Tödliches Kommando“ wird häufiger in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Ich habe den Film letzten Sommer in einer Sneak-Preview gesehen, aber keine Rezension geschrieben. Warum? Weiss ich auch nicht mehr genau. Der Film von Kathryn Bigelow („Strange Days“) ist ein Kriegsfilm, der den Alltag eines Bombeneinsatzkommandos im zweiten Irakkrieg zum Thema hat.

Das Team besteht aus drei Soldaten, hauptverantwortlich für die Einschätzung der Lage und das Entschärfen von Sprengsätzen ist Sergeant First Class William James (Jeremy Renner). James ist neu in der Gruppe, und seine unkonventionelle Art stösst bei seinen Kollegen auf wenig Verständnis. Zudem nähert sich das Datum, an dem ihre einjährige Einsatzzeit vorbei ist.

Die einzig nennenswerte Nebenhandlung zwischen den Einsätzen thematisiert James und einen kleinen irakischen Jungen, der mit gefälschten DVDs und anderen Schwarzmarktprodukten handelt. Hier geht es um die Frage des Verhältnisses zwischen Besatzern und Besetzten, um die Einstellung der Iraker zu den US-Soldaten, die allerdings kein aufschlussreiches Ende findet.

„The Hurt Locker“ (Originaltitel) ist kein schlechter Film. Die grausame Realität eines so unpersönlichen, modernen Krieges wie der „Operation Enduring Freedom“ (W. Bush-Talk für „endlose Besatzung unter heftigster Gegenwehr aus dem Untergrund“) wird detailliert und spannend rübergebracht, insbesondere die fehlende Verbindung der Soldaten zu ihrem Einsatzgebiet. Die Hitze, der Sand, die Sprach- und Kulturbarrieren sind immer spürbar, ebenso wie die permanente Gefahr – oder besser, die permanente Angst vor potentiellen Gefahren.

Rein inszenatorisch macht der Film nichts falsch. Er ist realistisch, dreckig und überzeugend, verheddert sich nicht in zu schnellen Schnitten, sondern vermittelt einen klaren Blick auf die Situation. „The Hurt Locker“ hat mich trotzdem nicht sehr beeindruckt, weil er seine quasi-dokumentarische Perspektive nie verlässt und keine Stellung bezieht. Einige Soldaten – so ungefähr die Message – verändern sich durch die Extremsituationen, in denen sie sich ständig befinden. Sie verlieren den Kontakt zu ihrem früheren Leben, zu Konsumrausch, netten Abenden mit ihrer Familie und dem stinknormalen Alltag. Andere versuchen einfach nur die Zeit zu überleben, um sie dann vergessen zu können.

Das alles ist sicher nah dran an der Wahrheit, ignoriert aber die politische Dimension eines Krieges. Die Bevölkerung der USA steht traditionell hinter den eigenen Truppen, auch dann, wenn der Krieg selbst nicht oder nicht mehr populär ist (ein Ausnahme war Vietnam). „The Hurt Locker“ passt wunderbar zu dieser Geisteshaltung, weswegen er auch keine Kritik aus den beiden großen politischen Lagern der USA einstecken musste. Die Inszenierung und die technische Perfektion des Films sind bemerkenswert. Der Geschichte aber fehlt es an Tiefe, an einer Dimension die über das rein Beschreibende hinaus geht. Deshalb würde ich Oscars für das „Beste Drehbuch“ oder gar den „Besten Film“ für Fehl am Platze halten.

3/5

Die Frau des Zeitreisenden (DVD)

Zeitreisen sind ein gerne gesehenes Thema von Hollywoodfilmen. Meist allerdings im Sci-Fi-Genre, und nicht, wie im Falle von „The Time Traveler’s Wife“ (Originaltitel), in einem romantischen Drama. Eric Bana („Hulk“) spielt Henry, einen Mann, der immer und immer wieder in der Zeit herumreist. Er tut das nicht absichtlich, es passiert einfach. Bei einer seiner Reisen in die Vergangenheit lernt er das kleine Mädchen Clare (Rachel McAdams, „Sherlock Holmes“) kennen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, „Die Frau des Zeitreisenden“ ist kein schlechter Film, aber er ergibt schlichtweg keinen Sinn. Henrys Reisen durch die Zeit, seine Treffen mit Clare als junges Mädchen, in denen er ihr Dinge über die Zukunft erzählt, die dann (nur deshalb?) wahr werden, all das entbehrt jeder logischen Grundlage. Den Machern des Films wird das bewusst gewesen sein. Ihre Lösung ist, dass sie es schlicht ignorieren. Die Dinge sind, wie sie sind, weiter geht es mit der Story. „Benjamin Button“ ging da zuletzt recht ähnlich vor.

Das ist eine legitime Vorgehensweise, denn die Story kreist in erster Linie um die komplizierte Beziehung (und später Ehe), die Clare und Henry führen. Denn wie lebt man zusammen, wenn der Partner sich ständig – und wortwörtlich – in Luft auflöst? Zwischen Liebesdrama und Fantasy inszeniert der deutsche Regisseur Robert Schwendtke („Flightplan“) die Story in satten Farben, vornehmlich grün und blau.Die Ausstattung ist opulent, die Bilder stets durchkomponiert und sehr nett anzuschauen.

Inwiefern er der Romanvorlage treu bleibt vermag ich nicht zu sagen, im Film jedenfalls funktionieren die ständigen Zeitsprünge des Helden gut. Die zentrale Lovestory zwischen Henry und Clare kann einigermaßen überzeugen, zwischen Bana und McAdams stimmt die Chemie – doch in einigen Szenen können sie die Überkonstruiertheit der Story nicht mehr überspielen. Am besten funktioniert der Film, wenn er Henrys „Problem“ mit etwas Humor nimmt und ihn etwa erst als jungen, dann als deutlich älteren Bräutigam auf seine eigene Hochzeit schickt. Oder Henry mit den Worten „Did I miss Christmas?“ durch die Hintertür reinkommt.

Wer an romantischem Kino seine Freude hat, dem wird „Die Frau des Zeitreisenden“ sicher gefallen. Die märchenhafte Story des Films erinnert in vielen Momenten an den bereits erwähnten „Benjamin Button“. Damit einher geht, dass das Geschehen immer ein wenig künstlich wirkt. Wer sich darauf nicht einlassen kann oder will, sollte sich zweimal überlegen, ob er die Reise(n) mitmachen möchte…

3/5

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