Lieber Verliebt

Dass Männer im reifen Alten auf der Leinwand junge Frauen erobern ist nie etwas besonderes gewesen. Keiner denkt sich was dabei, wenn etwa in Howard Hawks Klassiker „The Big Sleep“ der 47-jährige Humphrey Bogart mit der 22-jährigen Lauren Bacall anbandelt. Warum auch, schließlich waren die beiden bis zu Bogarts Tod auch verheiratet. Andersrum ist die Kiste in Hollywood weniger selbstverständlich. Auch wenn in der Realität Stars wie Madonna oder Demi Moore seit Jahren mit deutlich jüngeren Männern an ihrer Seite unterwegs sind, wird der ‚umgedrehte‘ Altersunterschied in Hollywoodfilmen immer als Problem betrachtet.

Wie schon in „Couchgeflüster“ mit Uma Thurman geht es auch in „The Rebound“ (Originaltitel) um eine Frau um die 40, die eine Beziehung mit einem Mittzwangiger führt. Catherine Zeta-Jones spielt Sandy, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern in den Suburbs von New York. Als sie spitz kriegt, dass ihr Mann sie betrügt, reicht sie sofort die Scheidung ein, packt ihre Sachen und zieht mit den Kids nach Manhattan.

Dort wiederum fristet College-Absolvent Aram (Justin Bartha) ein unglückliches Dasein als Bedienung in einem Coffeeshop. Nach schlechten Erfahrungen mit seiner letzten Freundin hat er das Thema Frauen für sich erstmal abgehakt und driftet etwas ziellos durch sein Leben. Bis er sich, über einige Umwege, plötzlich als Sandys Kindermädchen wiederfindet, und sich in seine Arbeitgeberin verliebt.

Obwohl dem Publikum die ganze Zeit klar ist, dass sich zwischen Sandy und Aram etwas anbahnt macht es doch Spaß, ihnen auf dem Weg dahin zuzusehen. Die Mischung aus Ernst, Humor und kleinen Storykniffen, die beide zusammenführt, geht gut auf. Zwischen Zeta-Jones und Bartha stimmt die Chemie, auch weil beide Charaktere spielen, die in erster Linie liebenswert und nett sind.

Der ‚echte‘ Altersunterschied der beiden ist weniger groß als im Film, Bartha ist ’nur‘ zehn Jahre jünger als Zeta-Jones. Tatsächlich bekommt man bei ihren Figuren – trotz doch sehr unterschiedlicher Lebensumstände – nie das Gefühl, dass sie nicht zusammen passen könnten. Auch wenn Bartha ein paar Mal zu häufig den treudoofen Hundeblick aufsetzt…

Für Unterhaltung sorgen zusätzlich Arams besorgte Eltern, die dessen neuen Job als Kindermädchen eher kritisch sehen („You are not from Trinidad, you are from Manhattan!“). Die ersten knapp 90 Minuten des Films gehören definitiv zu den besseren im Genre der romantischen Komödien. Dann jedoch wird es ernst, denn die Zeit ist gekommen für die über allem schwebende Frage „Kann das auf Dauer gutgehen?“.

Leider kann sich „The Rebound“ da nicht schadlos halten. Was der Film in den letzten 15 Minuten auspackt ist schon sehr weit hergeholt und bemüht einige Klischees. Immerhin vermeidet er ein typisches Rom-Com-Finale mit großen Reden und noch größeren Emotionen, am besten auf einer Hochzeitsfeier. Eher beiläufig geht es hier zuende, und dieses Ende hätte sogar stimmig sein können, wenn man sich ein paar Dinge gespart hätte. Genauer will ich das hier nicht ausführen, es soll ja nicht alles verraten werden.

3/5

PS: Den Preis für den (vorläufig) besten Film zum Thema geht knapp an „Couchgeflüster“, wegen der besseren inneren Logik der Geschichte. Unterhaltsamer und niveauvoller als 80% aller sonstigen romantischen Komödien sind aber beide Filme…

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