Neue Optik der FSK-Freigaben

Bei Zigaretten sehe ich die übergroßen Warnhinweise auf den Schachteln ja ein. Aber warum die Bundesregierung zum 01.04.2010 nun für Filme und Spiele riesige Hinweise zur Altersfreigabe auf dem Cover beschlossen hat ist mir nicht begreiflich. Sicher, die Freigaben sind nun deutlicher sichtbar, und sie verschandeln jedes schicke Cover – aber wem soll das nützen? [Den Teil der Argumentation, in dem die Games und Filme aus dem Netz geladen werden spar ich mir hier lieber gleich…]

Familienministerin von der Leyen begründet die Maßnahmen unter anderem so:

„Für alle Eltern, die ihre Kinder schützen, und Kontrollbehörden, die verantwortungslose Verkäufer überführen wollen, ist das ist ein gewaltiger Fortschritt.“ [http://www.direktzu.de/vonderleyen]

Wenn Kontrollbehörden Verkäufer kontrollieren würden, wäre es doch egal, wo die FSK-Freigabe steht. Man findet sie auch da wo sie jetzt ist – auf der Rückseite unten links. An ihren Kindern interessierte Eltern wissen das. Verkäufer wissen das. Ob sie in strittigen Fällen nach dem Alter fragen oder lieber Umsatz machen hat mit der Platzierung der Logos nichts zu tun. Weiterhin: Es wäre kein Problem, Geschäften vorzuschreiben, dass ihre Filme nach Altersfreigaben geordnet werden müssen, so wie es auch jetzt schon Pflicht ist, FSK-18-Titel gesondert auszustellen. Da blieben auch nicht mehr viele Fragen offen…

Noch ein Argument gegen dieses Vorgehen: Videotheken sind zumeist nur für Volljährige zugängig. Wer soll da geschützt werden? Die Option verschiedene Cover zu drucken ist aber ausdrücklich untersagt. Warum? Und mal ganz praktisch gefragt: Filme mit FSK 12 dürfen im Fernsehen z. T. schon nachmittags, Filme ab 16 um 22:00 Uhr gezeigt werden. Davor kommt jeweils ein Hinweis auf die Freigabe, im Film ist davon aber nichts mehr zu sehen. Warum blendet man da nicht permanent die Altersfreigabe ein? Große Aufkleber lässt der Gesetzgeber übrigens auch nicht zu – die könnten ja entfernt werden. Sicher könnten sie das – nach dem Kauf, wo es dann auch egal ist.

Ein Blick ins Ausland: In England ist ein Freigabe-Logo auf dem Cover längst Pflicht. Ein kleines Rechteck bei den unteren Stufen, ein kleiner roter Kreis bei den höheren. Nicht sehr störend, aber auch nicht zu übersehen. Anyone?

Es gibt wahrlich andere Probleme im Lande, aber bei Ansicht der riesigen FSK-Freigaben muss man sich schon fragen wie so ein Gesetz zustande kommen kann, dass ganz offensichtlich von Menschen ohne viel Verständnis von der Praxis geschrieben wurde. Der Schutz von Kindern ist eine ernste Sache, mit solcher Augenwischerei wird er aber nicht verbessert. Und das ist nun wirklich traurig. Ein bißchen erinnert das an all die Politiker, die nach mehr Zivilcourage in der Öffentlichkeit rufen, ohne je eine U-Bahn betreten zu haben. In der ersten Klasse im ICE von Berlin in den Wahlbezirk zu pendeln ist jedenfalls nicht so ganz das gleiche…

Elegy (DVD)

Eine Story über einen einsamen alten Professor, der eine Beziehung mit einer hübschen Studentin eingeht, könnte locker nach hinten losgehen. In „Elegy“ fügt sich das Ganze aber zu einem ansehnlichen Drama, was nicht zuletzt den herausragenden Hauptdarstellern Ben Kingsley und Penelope Cruz zu verdanken ist. Der Film der Spanierin Isabel Coixet zeichnet glaubwürdige und interessante Figuren, denen der Zuschauer gerne folgt.

Literaturprofessor David (Kingsley) trifft auf die schöne kubanische Studentin Consuela (Cruz). Aus einer kurzen Affäre wird bald mehr, oder es könnte mehr werden – wenn David sich drüber klar wäre, was er von dieser Liason eigentlich erwartet. Interessante Nebenfiguren (u.a. Peter Sarsgaard als Davids Sohn und Dennis Hopper als alter Weggefährte) runden das Geschehen ab. Die Geschichte folgt keinen ausgetrampelten Pfaden, sondern weiß an entscheidenden Stellen auch mal zu überraschen.

Ohne die glaubwürdige Darstellung von Kingsley und Cruz wäre „Elegy“ wohl nur eine gutgemeinte cineastische Versuchsanordnung. Mit den beiden ist ein Film mit Charakteren herausgekommen, für deren Geschicke sich das Publikum wirklich zu interessieren vermag – für ein Melodram ja nicht ganz unwichtig. Der Film ging letzten Sommer hier im Kino einigermaßen unter und ist nun auf DVD erhältlich.

4/5

"The Rum Diary": Tatsächlich Drehstart…

Habe soeben den Top 100-Eintrag zu „Fear and Loathing“ geschrieben, und dabei kam mir die seit Jahren angekündigte Adaption von Hunter S. Thompsons großartigem „Rum Diary“ in den Sinn. Und siehe da, am 25. März dieses Jahres haben tatsächlich die Dreharbeiten begonnen. Johnny Depp spielt Thompsons alter ego Paul Kemp, außerdem dabei sind Aaron Eckhart („Two-Face“) und Richard Jenkins. Hooray! Ich habe schon geglaubt, Depp hat den Film über all die Piraten- und Tim Burton-Filme der letzten Jahre vergessen. Eine kurze Zusammenfassung der turbulenten Produktionsgeschichte des Films findet sich unter diesem Link…

Eine Top 100 der besten Bücher habe ich ja nicht geplant, aber „The Rum Diary“ wäre sicher mit drin. Wer sich gerade keinen Urlaub in der Karibik erlauben kann sollte ersatzweise ruhig mal einen Blick rein werfen… Seit 2008 gibt es das Buch unter dem gleichen Titel auch in einer deutschen Übersetzung.

News und Gedöns

So, habe vergessen am Wochenende das Standbild hier anzumachen, war auf einer kleinen Exkursion in Frankfurt-Bockenheim. Nun gehts hier weiter, z. B. mit einem längst überfälligen Artikel zu den letzten Filmen mit Nicolas Cage von Voynaristic.com. Der Autor rät Cage, mal den Agenten zu wechseln, was ich gerne unterschreibe. Auch wenn sein nächster Film „Knowing“ mal wieder die Ausnahme der Regel sein sollte…

Harold Ramis hat gegenüber MTV.com bestätigt, dass es einen neuen „Ghostbusters“-Film geben soll, wie Cinema.de berichtet. Man könnte natürlich Fragen, ob das wirklich Not tut…aber geschenkt. Der Mann braucht schließlich auch eine Rente.

Das Kinoprogramm ist ja nicht eben ein Anlass zur Freude in diesen Tagen. „Kaufhaus Cop“, „Männersache“ und „Prinzessin Lilifee“ sind die Top 3 des Wochenendes (laut SpiegelOnline). Allesamt Filme, die mich dazu bringen, mal wieder ein Buch zu lesen („The Three Stigmata of Palmer Aldritch“). Die Rap-Saga „Notorious“ ist da schon interessanter, allerdings hört man wenig Gutes drüber – da warten wir mal auf die DVD…

Ab Donnerstag wirds dann wieder besser. Über „Rachels Hochzeit“ wird hier was zu lesen sein, und auch über „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“. Letzterer wird wohl vom Anspruch her überschaubar sein, aber wenn schon der katholische „Filmdienst“ schreibt, der Film sei „in seiner wortkargen Gradlinigkeit…ebenso konsequent wie überraschend unterhaltsam“, dann bin ich dabei. Wenn es schon mal kracht, dann doch bitte im Kino.

Steve McQueen – The Movie und mehr…

Wie die FAZ online in ihren Kinonews meldet wird das Leben von Hollywoodstar Steve McQueen verfilmt. Man darf gespannt sein, in erster Linie natürlich darauf wer die Hauptrolle spielen soll. Wer hält sich für cool genug?

Noch ein Bio-Picture: Anne Hathaway wird in der Verfilmung des Lebens von Judy Garland („The Wizard of Oz“) die Hauptrolle übernehmen.

Gut zu wissen auch, dass Woody Allen weiter fleißig ist. Neben dem bereits abgedrehten „Whatever Works“ füllt sich schon die Besetzungsliste für den nächsten Film. Naomi Watts, Anthony Hopkins, Antonio Banderas und nun auch Nicole Kidmann werden dabei sein. Eine recht ungewöhnliche Mischung. Mal sehen was Woody damit anzufangen weiss…

Der Baader Meinhof Komplex (DVD)

Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist in Deutschland ein größeres Thema als anderswo. Bevorzugtes Objekt der Aufarbeitung ist immer noch das dritte Reich, doch auch das Treiben der ‚Rote Armee Fraktion‘ (RAF) und der Linksterrorismus der 70er werden gerne genommen. Mit der Verfilmung des Standardwerks zum Thema, dem „Baader Meinhof Komplex“ von Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust, hat Produzent Bernd Eichinger wohl nichts geringeres im Sinn als den ultimativen Film über den Linksterrorismus in Deutschland zu drehen. Dazu hat er unter der Regie von Uli Edel („Christiane F.“) fast alle bekannten deutschen Schauspieler zu einem großen Ensemblefilm versammelt, der von der Ermordung Benno Ohnesorgs über die Gründung und den Terror der RAF, Stammheim und die Schleyer-Entführung nichts ausläßt.

Da hat sich der Film recht viel vorgenommen, zumal ein Buch von 670 Seiten sich nicht in 150 Minuten erzählen lässt. In den starken ersten 30 Minuten zeichnet der „Baader Meinhof Komplex“ ein gelungenes Portrait der Ausgangsituation Ende der 60er Jahre. Die Proteste gegen den Vietnamkrieg, der Tod von Benno Ohnesorg, den Kampf gegen die Springer-Presse, dazu die Nachrichten von der Ermordung Robert Kennedys und Martin Luther Kings sowie das Attentat auf Rudi Dutschke. In dieser anti-bürgerlichen Stimmung gründet sich die RAF,  und so stehen die Terroristen Ulrike Meinhof (Martina Gedeck), Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) von nun an im Mittelpunkt.

Der Film verfolgt die Gruppe von ihrer Gründung bis zum Ende, alle bekannten Stationen und Aktionen, doch er bekommt sie trotzdem nicht richtig zu packen. Die Wortgefechte zwischen den Mitgliedern, der Kampf um die richtige Haltung, das alles liefert kaum schlüssige Erklärungen – vielleicht kann es die für den Terror der RAF aber auch nicht so einfach geben. Die Geschichte des Films (nicht der RAF) endet im Gefängnis von Stammheim und mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

Die einzig nennenswerte Nebenhandlung thematisiert die Bemühungen des BKA (in der Person des damaligen Präsidenten Horst Herold, gespielt von Bruno Ganz) dem Terror Einhalt zu gebieten. Diese Szenen sind gut gemacht, auch wenn sie zuweilen etwas belehrend und ans Publikum gewandt daher kommen. Das sonstige politische Geschehen der Zeit ist lediglich im Hintergrund präsent.

Als Thriller zeigt der Film manche guten Ansätze, entwickelt aber aufgrund der weitgehend bekannten Tatsachen keine sehr große Spannung. Von der Produktion und Ausstattung her haben Eichinger und sein Team ganze Arbeit geleistet. Die Schauplätze sind immer realistisch, ebenso die recht zahlreichen Feuergefechte und Explosionen. Insgesamt hält der Film in dieser Hinsicht ein – gerade für deutsche Verhältnisse – sehr hohes Niveau.

Auf hohem Niveau pendelt sich auch das Schauspieler-Ensemble ein, allen voran die drei Hauptdarsteller. Das aus dem Trailer bekannte Gefühl, dass alle hippen deutschen Schauspieler demnächst als RAF um die Häuser ziehen, ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen. Da die Personen, die sie verkörpern, jedoch rein äußerlich nicht sehr bekannt sind, fällt es mit zunehmender Speildauer leichter, die Figuren hinter den Schauspielern zu sehen.

Der „Baader Meinhof Komplex“ kann seinem Publikum den Terror der RAF nicht vollständig begreiflich machen. Anschaulich hingegen werden die Geschehnisse dagegen sehr wohl. Über die Darstellung der Terroristen läßt sich sicher streiten. Werden sie zu sehr als Idealisten und antibürgerliche Rock-Stars, und zu wenig als kaltblütige Mörder portraitiert? Fehlt eine tiefere Auseinandersetzung mit der „Bonner Republik“ und dem westdeutschen ‚System‘? Ein Film, der eine derart komplexe Geschichte erzählt, lässt zwangsläufig Fragen offen und mehrere Interpretationen zu.

Wer damals alt genug war, um das Thema zu verfolgen, der mag hierzu eine andere Meinung haben als ich. Mir fällt auf, dass die Studentenbewegung und der Kampf gegen das Establishment, ganz zu schweigen vom Selbstverständnis der RAF, sehr weit weg erscheinen. Wirklich verwundern tut das aber auch nicht, immerhin ist der kalte Krieg seit 20 Jahren vorbei, die DDR abgewickelt und der Traum vom „guten Spzialismus“ ausgeträumt. Man muss sich die Welt von BRD und RAF wohl wirklich als eine andere vorstellen.

4/5

Inside Hollywood (What Just Happened)

Komödien oder Satiren über das Showgeschäft sind keine einfache Sache. Mir fallen spontan nur zwei gute Filme ein, Robert Altmans „The Player“ und Barry Levinsons „Wag the Dog“. Wobei letzterer eher eine Polit-Farce war. Nun denn, Barry Levinson ist auch der Regisseur von „Inside Hollywood“, der das Leben von Produzenten, Autoren und Darstellerns in Hollywood auf die Schippe nimmt. Oder auch nicht, denn der Film kann sich nie so richtig entscheiden, ob er gemein und lustig sein will, oder doch nett und dramatisch. Das Ergebnis ist dem entsprechend kein sehr gelungener Film.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Produzent Ben (Robert De Niro), der an einigen Fronten zu kämpfen hat. Geschäftlich wäre das ein Film, dessen Ende umgeschnitten werden soll, was der Regisseur vehement ablehnt. Der Star des nächsten Films (Bruce Willis spielt sich selbst) weigert sich, seinen Vollbart abzurasieren. Sein Privatleben ist ebenfalls kompliziert, zwei Ex-Frauen und drei Kids wollen umsorgt werden – dabei hängt Ben eigentlich den ganzen Tag immer und überall nur am Telefon, meist per Headset, wie auch die Kollegen.

„Inside Hollywood“ geht recht vielversprechend los, mit einem richtig mies laufenden Test-Screening. Doch es wird schnell deutlich, dass der Film sich all die möglichen bösen Spitzen gegen die Gepflogenheiten in Hollywood entweder ganz spart oder im Nachhinein wohlwollend rehabilitiert. Und so kommt ein unterhaltsamer, gefälliger Film über das Drehen von Hollywoodfilmen hinaus. Interessante Einsichten in die Branche sind ebenso Fehlanzeige wie richtige Lacher. Diesem Portrait Hollywoods aus dem Blickwinkel Hollywoods geht jede Tiefenschärfe ab, die Kämpfe um Story und Schauspieler hat man so oder ähnlich schon ein Dutzend mal gesehen.

Fazit: Der Gang ins Kino lohnt sich nicht. Wer sich für Hollywood und seine Filme begeistert wird ausreichend unterhalten, aber weder können die dramatischen Elemente wirklich mitreißen, noch bringen die komischen Elemente einen ausreichend zum Lachen.

5/10

The Parallax View (DVD)

Die in den 70er Jahren infolge der Attentate auf die Kennedys und die Watergate-Affäre populären Verschwörungsthriller mag ich ja recht gerne. Da wäre aus Frankreich der vielleicht beste Vertreter des Genres, „I, wie Ikarus“, oder Francis Ford Coppolas hierzulande eher unbekannter „The Conversation“ mit Gene Hackman. Ebenfalls in diese Reihe passt Alan J. Pakulas „Zeuge einer Verschwörung“ (deutscher Titel) mit Warren Beatty in der Hauptrolle. Der Film beginnt mit dem Attentat auf einen Senator, welches von einer Regierungskommission bald als „Werk eines Einzeltäters“ eingestuft wird. Beatty spielt Joeseph Frady, einen Journalisten, der das nicht so richtig glauben will.

Drei Jahre später hat Frady die Sache eigentlich vergessen. Eine ehemalige Kollegin bringt plötzlich neue Spuren zur Sprache – wenig später ist sie tot. Frady beginnt ihren Spuren nachzugehen und begibt sich damit schnell in große Gefahr. Die Anzeichen verdichten sich, dass eine ominöse Geheimgesellschaft am Werk ist, die auf politische Auftragsmorde und Vertuschung der wahren Drahtzieher spezialisiert ist.

„The Parallax View“ ist wie die meisten Verschwörungsthriller dieser Zeit ein zutiefst pessimistischer Film. Er erlaubt es seinem Helden, dem bösen Treiben auf den Grund zu gehen, aber lässt ihm nie eine Chance das Spiel zu gewinnen. Warren Beatty überzeugt dabei als draufgängerischer Journalist, und der Film hat einige großartige Szenen zu bieten – von dem Attentat auf dem Fernsehturm von Seattle über eine wilde Szene audiovisueller Gehirnwäsche bis zum perfekt choreographierten Finale. Das alles reicht zwar nicht, um als Klassiker durchzugehen, ist aber für Thrillerfans locker interessant genug (und mit 5 Euro bei Amazon.de gerade auch nicht zu teuer).

7/10

Box Office-Brechreiz

Dass sich nicht immer die besten Filme die meisten Zuschauer angeln ist ja geschenkt. Irgendwie musste ich trotzdem würgen, als ich bei SpiegelOnline las, dass „Männersache“ mit Mario Barth das Kino erobert hat. Oder besser den größten Teil des Publikums. 600 000 Zuschauer haben sich seine „Komödie“ reingezogen. Obwohl ich ungern vorschnell urteile kann ich mir angesichts der bisherigen Flachwitz-Parade aus dem Hause Barth nichts anderes unter dem Film vorstellen als eine miesere Variante von „Ballermann 5“ ohne die zwei lustigen Szenen.

Watchmen

Die Vorlage dieser Comic-, entschuldigung, Graphic Novel-Verfilmung gilt unter Fans als vielleicht beste ihrer Art. Wie das mit Comics, entschuldigung, Graphic Novels nun mal so ist, habe ich sie nicht gelesen, und kann also nicht beurteilen ob der Film seiner Vorlage gerecht wird. Eins jedoch ist ganz sicher, der Film schlägt einen völlig anderen Ton an als die übrigen Superhero-Filme der letzten Jahre und hat Ambitionen, das Genre über die gängigen Heldengeschichten hinaus (mit zweiflerischen Untertönen a la „Batman“ oder „Spiderman“) auf ein neues Level zu hieven.

Herausgekommen ist ein wahres Monster von einem Film, zweieinhalb Stunden düstere Paranoia in einem Szenario anno 1985 mit Richard Nixon in seiner 4. Amtszeit, einem beinahe eskalierenden Kalten Krieg, heruntergekommenen Städten, und einer stimmungsvollen, rätselhaften Story um die Morde an einigen ehemaligen Superhelden der „Watchmen“. Nach einem furiosen Vorspann setzt die Story mit dem Mord am „Comedian“ ein, der unsanft aus seiner Wohnung geworfen wird und dessen plötzliches Ableben seinen ehemaligen Kollegen zu denken gibt. Vor allem der maskierte Rorschach versucht Licht in die Angelegenheit zu bringen, doch es soll einige Zeit dauern, bis er gemeinsam mit seinen Ex-Kollegen auf des Rätsels Lösung kommt.

Die Story entfaltet sich dabei gemächlich, nimmt sich Zeit für Hintergründe und Eigenheiten der Charaktere, ohne dabei jemals zäh oder gar langweilig zu werden. Es gibt immer etwas spannendes zu sehen oder hören auf der Leinwand. Die Special-Effects sind richtig gut umgesetzt und eingebaut, jede Szene und jedes Set genau durchgeplant. Und ebenfalls ein Novum im Genre – es gibt eine (recht explizite) Sexszene, die man sich bei „Spiderman“ oder auch den „X-Men“ so nicht vorstellen könnte. Unter anderem dafür musste „Watchmen“ ein „R“-Rating (ab 16) in Kauf nehmen, was dem Umsatz meist nicht förderlich ist.

„Watchmen“ setzt auf starke Schauspieler, aber nicht auf große Stars, was der Eigenständigkeit der Figuren zugute kommt. Aus dem starken Ensemble ragen Jackie Earle Haley als Rorschach („I’m not locked in here with you. You’re locked in here with me!“), Billy Crudup als „blue man“ Dr. Manhattan und Jeffrey Dean Morgan als Comedian heraus. Der Soundtrack enthält einige der ganz großen Klassiker der 60er Jahre („All Along the Watchtower“, „Sounds of Silence“), wobei vor allem „The Times are a-changing“ im Vorspann perfekt eingesetzt ist.

Weniger gelungen finde ich dagegen die Szenen auf dem Mars, die extrem künstliche CGI-Ästhetik will nicht so richtig zur ansonsten finsteren Bildsprache passen. Der scharfe Kontrast ist zwar eindeutig gewollt, erzielt aber nur bedingt den gewünschten Effekt. Auch das Finale im ewigen Eis ist nicht mein Favorit, es erinnert einfach überdeutlich an viele andere Comic-Endszenen und ist daher visuell etwas beliebig – auch wenn es storymäßig gut passt.

Ob man aus der Vorlage noch mehr hätte rausholen können kann ich – wie oben bereits gesagt – nicht beurteilen. Regisseur Zack Snyder gelang vor zwei Jahren mit „300“ ein riesiger Hit, ich wage mal zu bezweifeln, dass er kommerziell mit den „Watchmen“ daran anknüpfen kann. Bemerkenswert ist jedoch wie Snyder nach dem überladenen, zum Teil höchst albernen Kämpfer-Pathos von „300“ beweist, dass er auch ernsthafteren Stoff beherrscht. Ein Meisterwerk ist ihm dabei zwar nicht gelungen, aber sicherlich einer der interessantesten und trotz der sperrigen Story unterhaltsamsten Filme des Jahres. Der Gang ins Kino lohnt sich.

4/5

Edit: Der Film ist auch beim zweiten Mal noch die Reise wert. Da tauchen noch ein paar nette Details auf, und auch das politische Hintergrundszenario wird etwas deutlicher. Das Ende ist leider, aber wenig überraschend, immer noch zu lang. Was mir außerdem auffiel: mit der FSK-Freigabe ab 16 ist der Film noch gut bedient, da hätte vor einiger Zeit geschnitten werden müssen.

Slumdog Millionaire

Einer der großen Erfolge bei Publikum und Kritikern auf zahlreichen Festivals des letzten Jahres ist nun auch hier angekommen. Ist natürlich reiner Zufall, dass das NACH den vielen Oscars passiert, die der Film jüngst einheimsen konnte. Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“) beschert dem Publikum eine ungewöhnliche Mischung. Der Film spielt in Mumbai, wurde auf englisch und hindi mit unbekannten Darstellern gedreht. Den dramaturgischen Rahmen gibt eine Folge der indischen Version von „Wer wird Millionär?“ vor.

„Slumdog Millionaire“ ist aber vor allem eine packende und temporeiche, in teils drastischen Bildern erzählte Geschichte, die das Heranwachsen dreier armer muslimischer Kinder in Indien erzählt. Zu Beginn des Films sitzt Jamal auf dem bekannten Stuhl im Fernsehstudio und beginnt mit der 1000-Rupien-Frage. In Rückblenden wird dann Schritt für Schritt der ungewöhnliche Weg geschildert, der Jamal auf diesen Stuhl geführt hat. Dabei lässt der Film nichts aus, bittere Armut, religiöse Gewalt, brutale Gangster, Flucht von zuhause, Betteln und Betrügen, bitterer Zwist unter Geschwistern – und eine Lovestory, die all das immer begleitet. „Slumdog Millionaire“ besticht in erster Linie durch die ergreifende Geschichte und die wunderbar mitreißenden Schauspieler.

Die drei Hauptfiguren werden dabei von jeweils drei verschiedenen Darstellern verkörpert, im Alter von ca. 6, 11 und 18 Jahren – und die Kids spielen ganz groß auf. Dazu kommt, dass Regisseur Boyle sich wirklich auf die fremde Kultur Indiens einläßt, was sich an den übrigen Beteiligten (Co-Regisseur, Score) ebenso ablesen lässt wie an dem (wie ich vermute) typisch indischen Ende der Story. Dass der Film dabei den Spagat schafft, sowohl als kritische Betrachtung einer Gesellschaft als auch als Gute-Laune-Märchen zu funktionieren ist ebenfalls eine bemerkenswerte Leistung. Es gibt ja Filme, die einfach jeder mag, etwa „Amelie“ oder „American Beauty“. Dieses Jahr werden alle „Slumdog Millionaire“ mögen, und das völlig zurecht.

5/5

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RocknRolla

Guy Ritchie erschien Ende der 90er als eine Art britischer Tarantino auf der Bildfläche und lieferte mit „Bube, Dame, König, GrAS“ und „Snatch“ zwei erfolgreiche, witzig-unterhaltsame Gangsterfilme. Dann hat er Madonna geheiratet, drehte mit ihr „Swept Away“, einen schlechten Film und kommerziellen Flop, schließlich mit „Revolver“ einen sinnfreien over-the-top-Brecher von einem Film, der hierzulande gar nicht erst in die Kinos kam.

Bevor Ritchie Ende des Jahres mit seiner Verfilmung von „Sherlock Holmes“ (Robert Downey Jr. und Jude Law als Holmes und Watson) ein großes Comeback feiern will hat er mit „RocknRolla“ noch einmal ganz auf seine bewährten Rezepte zurückgegriffen. Mehrere Gruppen von kleinen und großen Ganoven jagen denselben Geldkoffern hinterher, und der Zufall/die Story sorgt dabei für haarsträubende Szenen, in denen dann alle aufeinandertreffen. Das Milieu ist wie gewohnt eher proletarisch, neben dem obligatorischen Big Boss gibts dazu einen Abramowitsch-Verschnitt inklusive Fußballstadion, einen drogensüchtigen (Ex-)Rockstar und eine zuckersüße „Buchhalterin“.

Die Gesichter sind weitgehend bekannt, neben Tom Wilkinson und Gerard Butler sind auch Thandie Newton und Ludacris dabei. „RocknRolla“ macht durchaus Spaß, bietet er doch die bekannte Mixtur aus schrägen Überfällen, explosionsartigem Soundtrack und hohem Erzähltempo. Es fällt aber auch auf, dass Ritchie hier wirklich gar nichts neues eingefallen ist, und so gerät der Film mit zunehmender Spieldauer (von insgesamt fast zwei Stunden) zum Langweiler. Die Figuren haben nicht genug Profil, um echtes Interesse beim Publikum zu wecken, und die Story ist letzten Endes zu beliebig um für Spannung zu sorgen. Nette Kost also für einen Videoabend, auf dem auch geredet werden darf, der Gang ins Kino dürfte sich (ausser für eingefleischte Fans) eher nicht lohnen.

3/5

96 Hours (Taken)

Liam Neeson ist ja nicht unbedingt als Actionheld bekannt, sondern eher als guter Charakterdarsteller. Am bekanntesten ist sicherlich seine Rolle als Schindler in Spielbergs „Schindlers Liste“. Nun verleiht er diesem Actionreißer mit seiner seriösen Star-Power ein wenig Glaubwürdigkeit, und die hat der von Luc Besson geschriebene und produzierte Film auch nötig. Die Story ist schnell erzählt: Neeson spielt einen amerikanischen Ex-Agenten, dessen Tochter in Paris entführt wird. Nix wie hin also, die Fährte aufnehmen, die Schuldigen niederschießen oder mindestens vermöbeln – dann geht es zurück zum Happy-End in den USA.

So einfach die Mittel, so effektiv wird die Story erzählt. Durch den guten Hauptdarsteller umschifft „96 Hours“ geschickt das Prädikat „ganz stumpfer Mist“, kann aber nicht ganz verhehlen, dass das Geschehen schon im Drehbuch mit recht grobem Pinselstrich entwickelt wurde. Hin und wieder ist gar was aus der Rubrik „unfreiwillig komisch“ dabei („I have a very particular set of skills.“ – das dient wohl eher der Information des Zuschauers als den Entführern), aber handwerklich kann sich der Film schon sehen lassen. Für Menschen, die Brutalität im Kino gern umfahren, ist der Film sicher nichts, an den Stumpfsinn von „Far Cry“ oder die Ultra-Brutalität von „Punisher – War Zone“ kommt er aber bei Weitem nicht heran.

Mit französischem Geld in Frankreich von einem französischen Regisseur mit englischsprachigen Hauptdarstellern gedreht konnte „96 Hours“ in den USA richtig abräumen, über 120 Mio. $ hat der Film dort eingespielt. Der geschickt gesetzte Start (zur „Unsaison“ des Jahres) hat dazu sicher seinen Teil beigetragen. In Deutschland hat sich dieser Erfolg nicht wiederholt, hierzulande gab es mit zahlreichen Oscar-Filmen aber auch mehr Konkurrenz. Luc Besson, der schon mit der „Transporter“-Reihe in Übersee Kasse zu machen wusste, wird sicher freuen, dass sein Plan aufgegangen ist. Nur ein Film, der ernsthaft zu empfehlen wäre, ist leider wieder nicht dabei rausgekommen.

3/5

Far Cry (DVD)

Wenn man schon mal bei schlechten Actionfilmen gelandet ist, dann doch bitte richtig. So folgt auf „Punisher – War Zone“ nun die deutsch-kanadische Verfilmung des Computerspiels „Far Cry“. Regie führt Uwe Boll, der in den USA als einer der schlechtesten Regisseure ALLER Zeiten gilt, und sich diesen Ruf mit Filmen wie „House of the Dead“, „Alone in the Dark“ und „Bloodrayne“ erarbeitet hat. Die Durchschnittswertung dieser Streifen bei IMDB.com liegt in etwa bei 2,1 – nur zum Vergleich: der Kevin Costner-Langweiler „Postman“ kommt immerhin auf 5,4…

Genug der Vorschusslorbeeren, mehr zum Film. Udo Kier gibt den „Mad Scientist“, der auf einer Insel menschliche Killermaschinen züchtet. Unter seinen „Opfern“ ist Soldat Max (unglaublich aber wahr: Ralf Möller), was dessen Nichte (natürlich eine Journalistin) dazu bringt, ihn auf der Insel aufzuspüren. Hier kommt Ex-Elite-Soldat Jack (Til Schweiger) ins Spiel, denn der hat das passende Boot zum rübermachen. Kaum angekommen geht dann die Action los, es wird geballert und geprügelt, auch an Verfolgungsjagden und sogar einer richtig miesen Bettszene mangelt es nicht.

Ist der Film also schlecht? Ja und nein. Angesichts der unterirdischen Dialoge, der sinnlosen Story, des omnipräsenten C-Movie-Feelings und der miesen Schauspielerleistungen ließe sich schon sagen, dass der Film zu den grottigsten überhaupt gehört. Andererseits scheint mir niemand der Beteiligten das Geschehen bzw. den Film an sich richtig ernst zu nehmen, weshalb man ihn – am besten in Gesellschaft – auch richtig genießen kann, sofern man Spaß an schlechten Filmen hat. Und schlechte Szenen bietet „Far Cry“ wahrlich am Fließband. Fraglich ist eigentlich nur, wer die geschätzten (IMDB) 30 Mio. Dollar für den Mist zur Verfügung gestellt hat – denn ein Publikum jenseits sich beömmelnder junger Männer (die bestenfalls EINMAL die DVD ausleihen) dürfte es auf dieser Erde nicht geben..

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