Sundance 2009

Das Sundance-Festival ist in Europa nicht so sehr bekannt, in den USA aber umso mehr. Von Robert Redford 1978 ins Leben gerufen als ein Festival des Indepenedent-Kinos lockt es heute viele Besucher und Produzenten/Regisseure/Agenten an, die dort Filme vorstellen, kaufen, weiterverkaufen. Auch Workshops für angehende Regisseure gitb es, ein gewissen Quentin Tarantino schaute Anfang der 90er mal vorbei. Wikipedia-Eintrag zu Sundance: Deutsch / Englisch

Wie dem auch sei, was der Jahrgang 2009 so zu bieten hatte fasst Salon.com in einem interessanten Artikel hier zusammen…

The Wrestler

the_wrestler_poster_klein1Darren Aronofskys („Requiem For A Dream“, „The Fountain“) neuer Film wäre ohne seinen Hauptdarsteller nicht vorstellbar. Mickey Rourke – einst ein Star der späten 80er, inzwischen ein von Exzessen und Skandalen verzehrter Outsider der Filmszene – spielt den namensgebenden Wrestler Randy „The Ram“ Robinson mit einer Intensität und schonungslosen Offenheit, die zuweilen weh tut. Robinson war (wie Rourke) vor 20 Jahren ein Star, nun ist er physisch und mental am Ende. Mit über 50 steigt er unter immensen Schmerzen in den schäbigen Ring brutaler Amateur-Wettkämpfe, angetrieben durch die Schlachtrufe der Menge und die eigene Ausweglosigkeit. Rourke gelingt es, diese Figur bei aller Monströsität als echten, greufbaren Menschen zu spielen, und er beschwört dabei einige Momente herauf, die traurig und mitreißend sind wie wenige zuvor.

Robinsons Kontakte zur Außenwelt sind dünn gesät. Das Verhältnis zu seiner Tochter ist zerrüttet, seine „Beziehung“ zu einer Stripperin (wie immer großartig: Marisa Tomei) ein Aufeinandertreffen von zwei seelenverwandten Losern, und die Kameradschaft zwischen den Kämpfern erschöpft sich in gegenseitigem Schulterklopfen und der Weitergabe von Steroiden. Was „The Wrestler“ dabei auszeichnet, ist die geradlinige und realistische Inszenierung der Geschichte. Wer hier an „Rocky Balboa“ denkt liegt vollkommen falsch, denn mit der Wiedererweckung alter Helden hat der Film nichts am Hut. Regisseur Aronofosky beweist mit „The Wrestler“, dass er sein Gespür für fesselndes, unbequemes Independent-Kino alles andere als verloren hat.

Das von vielen Seiten herbeigeschriebene Comeback von Mickey Rourke, vergleichbar mit dem von Robert Downey, Jr., wird wohl trotzdem ausbleiben. Ein Blick in sein Gesicht reicht aus um zu wissen, dass es für Rourke nur mehr darum gehen kann, noch ein paar „Monster“ zu spielen, wie etwa die Rolle des Marv in „Sin City“. Erst der reale Verfall seines Hauptdarstellers konnte „The Wrestler“ zu einem außergewöhnlich authentischen Film machen. Darin liegt die Tragik dieser Geschichte, aber auch die Größe – die ihm zurecht schon einige Auszeichnungen eingebracht hat. Für den Oscar hat es leider nicht gereicht, aber das passt eigentlich ganz gut ins Gesamtbild…

4/5

[Zum Trailer…]

Top-10 2008 (alphabetische Reihenfolge, Work in Progress)

Für eine richtige Top-10 Liste hat es nicht gereicht bis jetzt – daher hier erstmal 8 Filme, die ich den werten Lesern definitiv ans Herz legen kann. Die zwei fehlenden werde ich hoffentlich bald ergänzen können, da liegen noch einige Kandidaten auf Halde…

[Edit: Habe soeben „Charlie Wilson’s War“ ergänzt. Der war gut. Hätte nicht gedacht, dass nochmal ein Tom Hanks-Film in einer meiner Best-Of-Listen auftauchen würde… ]

[Edit 2: And then there were 10 – „Tödliche Entscheidung“ macht die Top-10 nun komplett.]

Wen es interessiert: „The Dark Knight“ hat es nicht ganz geschafft. Es mag der beste Blockbuster des Jahres gewesen sein, aber die ganz große Begeisterung sieht anders aus. Vielleicht waren auch einfach die Erwartungen zu hoch. „Iron Man“ ist auch knapp draußen geblieben, über Bond oder Indy muss ich wohl nix sagen.

I am Legend“ hätte durchaus Chancen gehabt, wenn der Film nur den Mut gehabt hätte, das Ende der Vorlage aufzunehmen und dadurch quasi über sein „Blockbuster-Selbst“ hinauszuwachsen. Hasnt’s, leider…

Mir dünkt trotz allem, ich habe einige feine Filme dieses Jahr übersehen, es sollte aber machbar sein, die noch auf den Schirm zu kriegen. Tips gerne hier in den Comments…

Zu den Top-10 2007

Transporter 3

Tage an denen man so richtig durchhängt kann man gut nutzen, um Wissenslücken zu schließen. Auch wenn es sich um Lücken handelt, die auch ruhig hätten bleiben können. Der dritte Teil der Actionreihe „Transporter“ ist so eine Lücke. Wieder einmal gibt Jason Statham den smarten, wortkargen und prügelfreudigen Audi-Fahrer Frank Martin, die Story kreist um fadenscheinige Polit-Deals in der Ukraine und eine Entführung. Es gibt die üblichen Zutaten, also Verfolgungsjagden und äußerst alberne Prügelszenen.

An der überzogenen Action ist soweit nichts auszusetzen, und die eher bekloppte Story ist auch geschenkt – schließlich guckt man sich so einen Actionreißer eh nicht an, um was fürs Leben zu lernen. Was ernsthaft unangenehm auffällt ist eine gewisse Lieblosigkeit, mit der das alles zusammengeschustert wurde. Frank Martin gehört sicherlich nicht zu den glaubwürdigsten oder interessantesten Actionhelden, aber man hätte ja wenigstens versuchen können, noch was aus der Figur herauszukitzeln.

Dann eben nicht, kann man nur sagen. Den Kids, für die das ganze Tamtam gemacht ist, wird es möglicherweise recht egal sein. Und alle anderen bewahren sich bitte ihre „Wissenslücke“, mmkay?

2/5

The Day the Earth Stood Still (Remake von 2008)

The Day The Earth Stood StillKeanu Reeves ist mal nicht der „Auserwählte“, sondern der Außerirdische – und landet mit seinem UFO mitten in New York. Die skeptischen US-Politiker und Militärs wittern große Gefahr und blasen zum Angriff, doch die überlegene Technologie der Aliens degradiert alle High-Tech-Waffen zu unnützem Altmetall. In menschlicher Form wandelt Klaatu (Reeves) über unseren grünen Planeten, wo er neben folterwütigen Geheimdienstlern auch der aufgeschlossenen und freundlichen Wissenschaftlerin  Helen über den Weg läuft. Deren „Menschlichkeit“ – und die ihres Stiefsohns Jacob – überrascht den kühlen Außerirdischen, hält ihn aber nicht davon ab, den Masterplan seiner Spezies für den Planeten Erde in die Tat umzusetzen.

Remakes werden ja gerne am Original gemessen, in diesem Fall immerhin ein Film aus den IMDB Top 250. Die Story ist in Grundzügen noch die gleiche – mit dem entscheidenden Unterschied, dass in den 50ern der Kalte Krieg eine (mehr oder minder) heimliche Hauptrolle spielte. Der ist ja nun vorbei, an seine Stelle ist nun amerikanischer Militarismus und an Paranoia grenzendes Sicherheitsdenken getreten. Doch überzeugen können diese Szenen nur bedingt, weshalb in der Story ein dramaturgisches und inhaltliches Loch entsteht, dass auch die bemühten Schauspieler (Keanu Reeves, Jennifer Connelly, Kathy Bates) mit den wenig einfallsreichen Figuren nicht stopfen können.

Überspitzt formuliert passiert in „The Day the Earth Stood Still“ eigentlich gar nichts. Gemessen am vergleichsweise starken Beginn geht die Reise nur noch abwärts. und hätte schon atmosphärisch stimmiger und mit kosequentem Konzept inszeniert sein müssen, um dem Film richtig Leben einzuhauchen.

2/5

Oscars – Nachbetrachtung

Nu isses vorbei. Eigentlich auch schon seit 5:47 MEZ, aber irgendwann muss man ja auch mal schlafen. Die Oscarverleihung hat durchaus Spaß gemacht dieses Jahr. Es gab einige sinnvolle Neuerungen (z. B. die Stakkato-Vergabe der Kostüm/Make-Up/Art Direction-Preise, oder die Verleihung der Darstellerpreise durch fünf vorige Gewinner), einen anständigen Host (Hugh Jackman kann definitiv eine Show abziehen) und altbekannte Probleme – die Chose ist immer noch zu lang.

Der Start mit Jackmans Comedy-Vorstellung zu den Best-Picture-Nominierungen war gelungen, nach einer Stunde waren schon 7 Preise vergeben, es schien alles zu passen. Im gesamten Mittelteil der Show passierte dann leider so gut wie gar nichts. Oscar für irgendwas – Werbung, Musical-Einlage – Werbung. Laaaaangweilig! Lichtblicke waren die Präsentation der Screenplay-Oscars („And I am Steve Martin..“) und Judd Apatows kleiner Kiffer-Film, in dem James Franco und Seth Rogen alle nominierten Filme abfeiern durften. Als dann am Ende die wichtigsten Oscars vergeben wurden kam insgesamt nochmal ein bißchen Bewegung in die Sache. Sean Penns Dankesrede war die beste des Abends, alle anderen werden bald vergessen sein.

Zu den Preisen: Die Academy hat fast alles richtig gemacht, die Preise wurden hübsch verteilt. [Mit meinen Oscar-Predictions in den Hauptkategorien lag ich in 10 von 13 Fällen richtig..] „Benjamin Button“ hat ein paar Oscars abgeräumt, wurde aber wie erwartet in den wichtigen Kategorien übergangen – hier kam „Slumdog Millionaire“ zum Zuge. Heath Ledger gewann als Nebendarsteller und verschaffte seiner Familie einen kleinen großen Auftritt, Kate Winslet gewann zurecht und redete zu lange. Mickey Rourke ging dagegen leer aus, was schade ist, denn wenn nicht für den „Wrestler“ wird er nie einen Oscar gewinnen. Der Academy war das sicherlich auch klar, sie hat sich trotzdem für Sean Penn entschieden.

Insgesamt zeigte die Show also gute Ansätze und hat nicht sooo viel falsch gemacht. Andererseits ist da immer noch sehr viel Luft nach oben. Vielleicht kommt es einem ja nur in Deutschland so vor, weil man irgendwann zwischen 2:30 Uhr und kurz vor 6 einfach einknicken MUSS, aber mit wiederum fast 210 Minuten ist die Gala immernoch zu lang. Und auch wenn die Werbung eben dazugehört – es kommt nicht so richtig Gala-Stimmung auf, wenn man ständig unsanft aus der Zeremonie rausgeschmissen wird und sich zum 56. mal Pro7 -Programmtipps angucken muss. Mögen die Produzenten den Mut haben, das ganze kürzer zu halten – dann bin ich vielleicht auch nächstes Jahr wieder dabei….

Oscars 2009 – Live and Direct!

Tja, der große Tag ist nun gekommen. Leider reicht das noch nicht, denn die Oscars finden hierzulande ja nicht tagsüber oder abends statt. Sie starten um 2 Uhr morgens am Montag. Das ist noch ein bisschen hin. Als erfahrener Oscar-Gucker hat man im Laufe der Jahre ein paar Dinge gelernt. Man denkt z. B. nicht vor 22 Uhr daran, das es mal losgehen könnte. Man macht auch nicht um 21 Uhr schon mal ein Bier auf – dann ist man wenn es losgeht entweder zu müde/eingeschlafen, zu betrunken oder hat kein Bier mehr da und rennt während des pompösen Beginns zur Tanke. Haben wir ALLES schon gehabt.

Zur Übertragung: Soweit ich das geschnallt habe überträgt Pro7 die Gala live und OHNE Simultanübersetzung. Da sag ich schon mal danke! Los geht es laut TVMovie.de um eins mit einem „Warmup mit Annemarie Warnkross“. WTF? Nie gehört den Namen (Rechercheergebnis: Moderatorin von „taff“), läuft aber auf die übliche Gleich-gehts-los-Panikmache hinaus, vielleicht garniert mit ein paar Einspielfilmchen zu den wichtigsten nominierten Filmen und Stars. Nun gut. Schlimmstenfalls muss halt der Ton ausgemacht werden.

Dann kommt die Nummer mit dem roten Teppich – auch hier wird Frau Warnkross das Zepter schwingen und den Promis geistreiche Sätze entlocken. Oder auch nicht, je nachdem wie die Prominenz das deutsche Fußvolk zu behandeln gedenkt. Peinlicher als Anke Engelkes Versuch, derselben Nummer komische Seiten abzugewinnen wird es schon nicht werden.

Wenn der ganze Ringelpietz vorbei ist darf es endlich losgehen – aber was darf man eigentlich erwarten? Nun ja, WENN Mickey Rourke einen Oscar für den „Wrestler“ bekommt, werden sich sicher bemerkenswerte Szenen abspielen. Schon weil Rourke im Smoking aussehen muss wie eine overdresste Mülltonne. Heath Ledger ist ja wie man hört selbst im Falle eines Sieges verhindert, aber im Ernst: gewinnt er posthum, wer nimmt das Ding entgegen, und gibt es dann noch eine Grabrede? Wenn „Slumdog Millionaire“ abräumt wäre das sicher was feines, aber nicht sonderlich spannend – überraschte Preisträger sind ja meist die unterhaltsameren. Bleibt die Frage, ob Kate Winslet im Falle eines Triumphs EINIGERMAßEN die Fassung behält, oder mit ewig langem Rumgestammel und Geheule das Orchester zum Äußersten treibt.

Das ist also der Stand der Dinge. Ich überleg mir jetzt, was ich bis Mitternacht noch tun will, dreieinhalb Stunden sind ja eine lange Zeit…

Oscars 2009 – The winners according to Edzehard…

Ich muss jetzt schon gähnen, wenn ich an die Oscars denke. Es ist Mitternacht, noch eine Stunde bis die PRE-Show losgeht, also das Gedöns mit dem roten Teppich und den schicken Kleidern. Nicht zu vergessen die bescheuerten Klatschreporter mit ihrem Dauergrinsen…Yikes!

Aber wenn man sich die Zeremonie schon in voller Länge reinfährt (und große Hoffnungen in Hugh Jackman als Host sowie in den erklärten Willen der Produzenten, die Chose abzukürzen, setzt) muss man natürlich auch drauf tippen, wer welchen Preis mit nach Hause nimmt. Und das will ich dann hier auch mal tun:

Bester Film: „Slumdog Millionaire“ wird es machen, und das auch völlig verdient.

Beste Regie: Danny Boyle für „Slumdog..“, es sei denn die Academy findet „Benjamin Button“ hat einen „Trostpreis“ verdient, dann wäre David Fincher an der Reihe. Das wiederum würde in die Oscar-Tradition passen, die richtigen Leuten für die falschen Filme auszuzeichnen.

Bester Hauptdarsteller: Mickey Rourke für den „Wrestler“. Seine Leistung ist beeindruckend, der Film gut. Figur und Schauspieler verschmelzen zu einem – auf beiden Ebenen – beängstigenden Ganzen. Natürlich ist auch Sean Penn eine Möglichkeit (habe „Milk“ noch nicht gesehen), aber der hat grad erst gewonnen und wird fast jedes Jahr nominiert (zumindest gefühlt, und ja auch meist zurecht).

Beste Hauptdarstellerin: Kate Winslet für den „Reader“. Nach 5 Nominierungen ist sie einfach mal dran. Andere Möglichkeit: die Academy zeichnet aus Reflex Meryl Streep aus, was aber in diesem Fall („Doubt“) schlichtweg Quatsch wäre. Jolie hat einen Oscar, Anne Hathaway ist noch keine 30, Melissa Leo („Frozen River“) ist froh dabei zu sein – ganz wie Richard Jenkins („The Visitor“) bei den Herren…

Bester Nebendarsteller: Heath Ledger für den Joker in „The Dark Knight„. Der Mann hat in diesem megaerfolgreichen Film großes geleistet UND ist jüngst verstorben. Und Fans auf der ganzen Welt wollen sehen, wie jemand diesen Oscar in seinem Namen entgegen nimmt. Wenn das nicht stattfindet gehen die Ratings derbe runter – und der Nebendarsteller-Preis ist traditionell der Opener des ganzen Zirkus…. Michael Shannon hätte den Preis für „Revolutionary Road“ auch verdient.

Beste Nebendarstellerin: Penelope Cruz für „Vicky Cristina Barcelona“ oder Marisa Tomei für den „Wrestler“, beide hätten es verdient. Wobei Tomei schon einen Oscar hat…

Original Screenplay: „Milk“, weil der sonst leer ausgeht und alle anderen „Best Picture“-Kandidaten in der Kategorie „adaptiertes Drehbuch“ antreten.Vielleicht auch „Wall-E“, weil den irgendwie jeder mochte…

Adapted Screenplay:  Da weeß ick och nich. Tippe mal auf „Slumdog Millionaire“, denn das Script IST richtig gut. Könnte aber auch Richtung „Benjamin Button“ oder „Reader“ gehen…

Cinematography: „The Dark Knight„. Wally Pfister war 2006 und 2007 nominiert, und bei „technischen“ Preisen haben Blockbuster eh bessere Chancen.

Editing: „Slumdog Millionaire“, weil JEDER hier merkt, wie der Schnitt einen Film prägen kann. Alternativ „The Dark Knight„, weil „technischer“ Preis…

Art Direction: Keine Ahnung. Also sag ich mal… „Benjamin Button„. Von mir aus aber auch gerne „Revolutionary Road„.

Costume: Auch keine Ahnung. Also nochmal „Benjamin Button„…

Makeup: Nochmal keine Ahnung, nochmal „Benjamin Button„, obgleich „The Dark Knight“ allein wegen Ledgers Joker Chancen hat..

Von den übrigen Kategorien nehm ich hier mal Abstand. Animated Feature wird sowieso „Wall-E“ gewinnen, Sound- und Effect-Gedöns und auch Dokumentationen und Kurzfilme sind mir eher egal, die „Foreign Language“-Movies kenne ich alle (noch) nicht.

Criminal Lovers (DVD)

Der französische Regisseur Francois Ozon hat sich mit Filmen wie „8 Frauen“, „Swimming Pool“ oder „Die Zeit die bleibt“ in Europa etabliert. Aus seinem Frühwerk in grauer Vorzeit (anno 1999) stammt „Criminal Lovers“, der nun auch als deutsche DVD auf dem Markt ist. Im Klappentext wird er als „Natural Born Killers auf französisch“ angepriesen, praktischerweise wird dieses „Zitat“ aber niemandem zugeschrieben…

Die Story kreist um ein jugendliches Paar (Natacha Regnier und Jeremie Renier), dass einen Mord begeht, die Leiche im Wald verscharren will – und sich dann dummerweise verläuft. Parallel zeigt der Film dann, was vorher genau geschah (der Mord ist bereits nach wenigen Minuten Film passiert) und wie es mit den beiden im Wald weitergeht (sie geraten an einen Irren in einer einsamen Hütte).

Mit minimalen Mitteln produziert erzählt Ozon eine Geschichte, die sich immer wieder um das Thema sexuelle Orientierung dreht – in zum Teil drastischen und potentiell verstörenden Bildern. Ein Skandalfilm ist „Criminal Lovers“ nicht (die Grenze zur Pornografie wird nie überschritten), und doch geht er sehr viel weiter als die späteren Filme von Ozon, in denen zum Teil ähnliche Themen und Motive vorkommen. Die Eleganz und den dramaturgischen Feinschliff seiner späteren Filme lässt der Regisseur hier noch vermissen. Wirklich zu empfehlen ist der Film daher auch nur für all jene, die sich ein Bild seinem Gesamtwerk machen möchten – oder auf dreckige kleine Thriller abfahren..

3/5

Yes Man

yes_manCarl Allen (gespielt von Spaßvogel Jim Carrey) führt ein recht ereignisloses Leben. Als Angestellter einer Bank vergibt er nur die allersichersten Kredite und wird nie befördert, privat vermeidet er nach der schon lange zurückliegenden Scheidung von seiner Frau jeden unnötigen Kontakt mit seinen Mitmenschen. Das Szenario ist aus vielen guten und auch schlechten Filmen bekannt, siehe etwa „Stranger than Fiction“ oder „Click“.

In diese Trostlosigkeit platzt ein alter Bekannter von Carl, der ihn zu einem Seminar namens „Yes Man“ mitschleppt. Dort predigt ein charismatischer Hosentaschen-Guru (gespielt vom eher für ernste Stoffe bekannten Terence Stamp) seinen Jüngern, immer zu allem „Ja“ zu sagen – denn an Nein-Sagern geht das ganze Leben vorbei! Widerwillig lässt sich Carl auf die Sache ein, lernt Koreanisch, bewilligt zweifelhafte Kredite, nennt seinen nerdigen Vorgesetzten beim Vornamen und macht auch sonst alles, was man von ihm verlangt. Und den Gesetzen eines Hollywoodfilms folgend lernt er auch eine interessante junge Frau kennen (Zooey Deschanel, zuletzt mit „The Happening“ im Kino).

Die Story ist ihrem Hauptdarsteller natürlich wie auf den Leib geschrieben, und so hat der Film auch einige starke Momente bieten – sowohl von der lustigen als auch von der ernsthaften Art. Das Erzähltempo ist flott, in den besten Momenten überträgt sich die neugewonnene Energie von Carl/Carrey auch auf das Publikum. Insgesamt aber kommt keine rechte Freude auf, zu vorhersehbar und teils auch albern ist das Geschehen, es fehlt an echten Überraschungen oder Aha-Momenten. Die zugrundeliegende Idee des lebensfrohen Ja-Sagens wird angemessen zelebriert, hat ihr Pulver allerdings auch recht bald verschossen. Was danach kommt ist handelsübliche Dutzendware des Geschichtenerzählen, was schade ist  – aber auch nicht wirklich verwundert.

Im Trailer sieht „Yes Man“ nach mehr aus, als er letztlich ist. Wem die Laune nach Unterhaltung und Zerstreuung mit überschaubarem Tiefgang steht dürfte trotzdem auf seine Kosten kommen. Ob Jim Carrey in naher Zukunft noch einmal so glänzen kann wie in „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ muss dagegen wohl bezweifelt werden.

3/5

Die Filme von David Cronenberg…

..sind nicht gerade massentauglich. Mit Filmen wie „Videodrom“ oder „Naked Lunch“ hat sich der Regisseur trotzdem eine treue Fans-Basis geschaffen. Wer mal einen Überblick über das Werk des Regisseurs bekommen möchte, kann hier bei der NY Times fündig werden. Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass ich „Spider“ verpasst habe, und mir „eXistenZ“ auf jeden Fall nochmal ansehen muss…

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