James Bond – Quantum of Solace

Es ist schlappe zwei Jahre her, da haben die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson Bond neu erfunden – mit einem kantigen blonden Anti-Star in der Hauptrolle, dem Verzicht auf Q, den gewohnten Vorspann und Wodka Martinis. „Casino Royale“ war ein großartiger Start in eine neue Bond-Ära und vielleicht der radikalste Bruch in der 46-jährigen Geschichte der 007-Reihe. Unter der Regie von Marc Forster („Monster’s Ball“, „Finding Neverland“) geht die Story nun nahezu nahtlos weiter, und der Film ist eine fast noch radikalere Abkehr von vielen Traditionen als der Vorgänger – auch wenn der altbewährte Vorspann wieder da ist.

In „Quantum of Solace“ hat Bond es eilig. Er will den Tod von Vesper Lynd rächen und dabei die Identität jener ominösen Organisation herausfinden, die dafür verantwortlich zeichnet. Wie so oft in den letzen 10 Filmen werden dabei (vordergründig) Zweifel an seiner Loyalität zur Krone geweckt, die nicht so leicht zu entkräften sind – dann aber von 007 ausgelöscht werden, weil die Figur in ihrer Essenz einfach unkorrumpierbar ist. Vom Tempo und der Machart her macht der Film eindeutig Anleihen beim „Bourne Ultimatum“, rasant geschnitten, verwackelt und ohne eine klare Linie zwischen Gut und Böse. Ein paar klassische Bond-Zutaten sorgen für ein Minimum an Heimatgefühl (Judy Dench als M, der Aston Martin, einige trockene Einzeiler und zwei äußerst hübsche Gespielinnen), doch die augenzwinkernde Leichtigkeit der früheren Tage ist endgültig dahin.

Zugegeben, die Schwächen des Films sind nicht von der Hand zu weisen. Er wirkt zuweilen gehetzt und bietet keine ausführlichen, liebevoll gestalteten Szenen wie die große Pokerrunde in „Casino Royale“ – die Szenen an der Bregenzer Seebühne sind zwar großartig inszeniert, bieten aber kein vergleichbares dramaturgisches Zentrum. Dass das Finale in einer kargen Wüste spielt sagt dabei schon einiges über Bonds innere Verfassung aus. Was jedoch Hoffnung macht: James Bond ist nun endgültig neu erfunden, Daniel Craigs Figur hat eigenes Innenleben, das eine Menge Potential für die kommenden Filme bietet. Nach dieser Radikalkur kann die Reihe nun wieder ein paar Schritte Richtung „Guns, Girls and Gadgets“ gehen, ohne die neu gewonnene Ernsthaftigkeit gleich wieder herzuschenken.

7/10

PS I: Die Arbeiten am Script waren offenbar vom Streik der Autoren in Hollywood betroffen. Just sayin…
PS II: Nein, Bond-Girl Olga Kurylenko ist kein Vergleich zu Eva Greens Vesper Lynd, aber als Charakter auch gänzlich anders angelegt (vgl. „Melina Havelock“ aus „For your Eyes Only“). Schick aussehen tut sie trotzdem, aber das ist ja Ehrensache…

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