Clerks II

Um es kurz zu machen: Ich habe den ersten Teil von „Clerks“ nie gesehen. Macht aber nichts, denn soweit ich das überblicke ist das für das Verständnis von Teil 2 auch nicht unbedingt erforderlich. Im Mittelpunkt der Handlung (wenn man sie so nennen will) stehen Randal und Dante, beide Anfang 30 und Angestellte eines Fast-Food-Lokals. Die beiden sind alte Freunde, die eines verbindet: Sie haben sich einst ihr Leben mal völlig anders vorgestellt. Die gute Nachricht ist, dass Dante kurz vor seiner Hochzeit steht. Er will mit seiner Verlobten nach Florida ziehen, wo sich deren reiche Eltern um das Paar kümmern sollen. Das wiederum bringt Randal dazu, am letzten Arbeitstag seines Freundes für ein denkwürdiges Abschiedsgeschenk zu sorgen.

Regisseur Kevin Smith ist in seiner schon häufiger portraitierten Rolle als Silent Bob auch wieder dabei, ebenso wie Partner Jay. Hinzu kommt ein junger Jesus-Freak namens Elias und Becky (Rosario Dawson), die hübsche Chefin des Lokals. „Clerks II“ schaut diesen Losern mit großer Sympathie bei ihrem Tagwerk über die Schulter. Der schlagfertige Möchtegern-Komiker Randal reisst seine Witzchen über Fans der „Herr der Ringe“-Trilogie, Dante hat seine Chefin einen Tick zu gern, Jay und Silent Bob verticken Pot wie eh und je.

Der Film lebt komplett von seinen Dialogen sowie der Tatsache, dass sie – abgesehn von Rosario Dawson – ausschließlich von Laiendarstellern gesprochen werden. Da sind keine ehrgeizigen Jungschauspieler dabei, die zu Übertreibungen neigen könnten, sondern die alte Riege von Smiths Buddies, die schon im Vorgänger mehr oder weniger sich selbst gespielt hat. Fast ohne jegliche Dramaturgie zeigt der Film einen Tag im Leben seiner Charaktere, allerdings einen äußerst bedeutsamen, denn Dantes nahender Abschied hat sehr viel weitreichendere Folgen, als der arme Kerl zunächst glaubt.

Die Grenzen des guten Geschmacks sind seit jeher Verhandlungssache, trotzdem sollte man sich auf eine Vielzahl unanständiger bis absolut widerlicher Jokes einstellen, oder aber gleich wegbleiben. „Clerks II“ zielt eindeutig auf ein junges Publikum, das mit derben Späßen kein Problem hat. Darüber hinaus bietet der Film eine seltene Art witziger Unterhaltung, die sich selbst nur bedingt ernst nimmt. Die Figuren wirken echt genug um zu interessieren, gleichzeitig ist die Abwesenheit von Tiefgang und Dramatik eine Art Daseinsberechtigung dieser grenzdebilen Darstellung vom Leben im Niemandsland der USA. Auch diese mies bezahlten Burger-Brater müssen mal im Kino Erwähnung finden, und sie halten sich zumeist an die treffende Tagline des Films: „With No Power Comes No Responsibility“.
7/10

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