Das Spiel der Macht

Louisiana, tief im Süden der USA, in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die weißen Eliten haben seit jeher alle Schlüsselpositionen der Macht inne, die Vorstandsposten der Ölkonzerne ebenso wie die Posten als Richter oder Staatsanwälte, und sie bestimmen auch, wer als Gouverneuer dem Staate offiziell vorsteht. Um ihrem Kandidaten für das höchste Amt zu helfen, bringen sie den kleinen Vertreter Willie Stark (Sean Penn) dazu ebenfalls anzutreten – um dessen Gegner ein paar wichtige Stimmen zu klauen. Stark ist zunächst ahnungslos, daß er nur benutzt wird. Doch als davon erfährt, schwingt er sich auf, die Bürger seines Staates von derlei Intrigen zu befreien, verspricht ihnen Strassen, Schulen und Job. Und tatsächlich wird Willie Stark zum Gouverneur seines Heimatstaates.

„All the King’s Men“, basierend auf dem Roman von Robert Penn Warren, erzählt parallel zu Starks Geschichte noch die eines anderen Mannes. Jack Burden (Jude Law) besitzt seit frühester Kindheit Verbindungen in die höheren Gesellschaftsschichten, fristet sein Dasein jedoch freiwillig als Reporter einer Lokalzeitung. Er sympathisiert mit dem Populisten Stark, was ihn zwar seinen Job kostet, aber auch gleich einen neuen bringt. Burden gehört nun zum Team des Gouverneurs, seine Cleverness und Wortgewandtheit kann Stark vorzüglich gebrauchen. Schon bald droht dem im Volk äußerst beliebten Politiker ein Amtsenthebungsverfahren, angestrengt von seinen alten Widersachern. Ausgerechnet Burdens Taufpate, Richer Irwin (Anthony Hopkins) kommt dabei eine entscheidene Rolle zu. Burden sieht sich gezwungen, sich seiner Kindheit und Jugend zu erinnern. Dabei spielen in Vergangenheit und Gegenwart vor allem Irwins Kinder Adam (Mark Ruffalo) und Anne (Kate Winslet) eine entscheidende Rolle. Von Anfang an dominieren in Stevne Zaillians Film dunkle Farben, das Braun nicht asphaltierter Strassen, grün-blaue Sumpflandschaften und pechschwarze Autos. In diesen dunklen Bildern spiegelt sich die sich langsam entfaltene Tragik des Geschehens, die von den Schwächen und Stärken der Hauptfiguren bestimmt wird. Stark ist keineswegs ein moderner Robin Hood im Gewand eines Politikers, und Burdens Auseinandersetzung mit seiner Herkunft ist geprägt von (zu) späten Einsichten mit weitreichenden Folgen.

Etwas überraschend finden sich leider auch bei den prominenten Schauspielern einge schwächere Leistungen. Sean Penn etwa tendiert zuweilen arg zum „Overacting“, James „Tony Soprano“ Gandolfinis Popularität als TV-Mafiaboss steht der Glaubwürdigkeit seiner Figur hier sichtlich im Weg. Jude Law hingegen hat zwar hin und wieder Probleme mit dem Südstaaten-Dialekt, füllt seine Rolle aber ansonsten überzeugend aus. Mark Ruffalo hat schlicht zu wenige Szenen, um einen glaubwürdigen Charakter aus Adam zu machen. Kate Winslet, mit vollem blonden Haar auf den ersten Blick kaum wiederzuerkennen, spielt eine gelungene Version der „Southern Belle“.

Trotz einer Spielzeit von über zwei Stunden wirkt die Handlung des Films reichlich komprimiert und verlangt von seinen Zuschauern einige Aufmerksamkeit. Einige wichtige Entwicklungen kommen bis zuletzt nur in Andeutungen an die Oberfläche. Sowohl der Anfang wie auch das Ende finden geradezu im Zeitraffer statt, während einige scheinbar unwichtigere Szenen sich doch etwas hinziehen. In den USA ist der Film bei der Kritik weitgehend baden gegangen, zumeist mit dem Verweis auf das ungleich bessere Buch. Ohne die Vorlage zu kennen fällt jedoch lediglich das etwas zerfahrene Drehbuch auf. „All the King’s Men“ hat zweifellos große Ambitionen, die er leider nicht alle erfüllen kann. Trotz seiner Schwächen ist der Film sehenswert und bietet niveauvolle, durchaus spannende Unterhaltung. Wer sich für gehobene Hollywood-Dramen wie etwa „Capote“ begeistern konnte, der sollte ruhig zugreifen.

7/10

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