Couchgeflüster

Allein dem Trailer nach zu Urteilen wäre „Couchgeflüster“ eine recht alberne romantische Komödie. So richtig gelungen sah das alles nicht aus, und das Gefühl, die besten Jokes bereits gesehen zu haben, ist ja auch nicht so der Hit. Der ganze Film jedoch ist nicht nur anders als erwartet, sondern zum Glück auch sehr viel besser.Dreh- und Angelpunkt des Geschehens sind die Sitzungen der frisch geschiedenen Rafi (Uma Thurman) bei ihrer Therapeutin Lisa (Meryl Streep). Nach neun Jahren frustrierender Ehe ist Rafi reif für ein paar neue Erfahrungen, da kommen ihr die Avancen des deutlich jüngeren David sehr gelegen. Die beiden beginnen sich ernsthaft zu treffen, was Lisa ausdrücklich gutheißt. Nun aber eröffnet ihr der eigene Sohn, dass er sich seit kurzem mit einer älteren Frau trifft. Auch New York kann so klein sein, denn natürlich ist Rafi diese Frau, worüber die jüdisch-konservative Lisa jedoch überhaupt nicht lachen kann.

Auf dem Weg zu dieser Enthüllung gibt es bereits einige richtig komische Szenen zu sehen. Die meisten Lacher kann dabei locker Meryl Streep für sich verbuchen, die sich mitunter dem reinen Klamauk hingibt. „Couchgeflüster“ variiert zwischen heiterer Beschwingtheit der zwei Verliebten und etwas ernsteren Tönen, wenn die Probleme der beiden in den Vordergrund rücken. Immerhin ist er gerade 23, sie bereits 37. Die beiden harmonieren scheinbar prächtig, können aber Themen wie Familienplanung nicht auf alle Zeit ausklammern. Hinzu kommt noch, dass Davids werte Mutter Lisa von einer ernsthaften Beziehung ihres Sohnes zu einer älteren, geschiedenen Frau unterschiedlicher Religion genau gar nichts wissen will.

In welche Richtung sich die Story weiter entwickelt mag mancher bereits erahnen. Trotzdem bleibt das Geschehen weiter interessant und bietet solide Unterhaltung. Uma Thurmans Rollenauswahl in den letzten Jahren war mit Ausnahme von „Kill Bill“ bestenfalls ausbaufähig, in diese Rolle passt sie jedoch wunderbar rein. Zwischen frischer Lebensfreude und leisen Zweifeln an der Zukunftsfähigkeit ihrer Beziehung pendelnd bringt sie die Gefühlslage von Rafi glaubwürdig zum Ausdruck. Dass sie als äußerst attraktive Mitdreißigerin durchgeht versteht sich quasi von selbst. Ihr zur Seite steht mit Bryan Greenberg ein Newcomer, der sich als attraktiven, netten Kerl mit kleinen Macken verkauft. Zum Charaktermimen wird er wahrscheinlich nicht mehr, aber ähnliches wurde bestimmt auch über Johnny Depp geschrieben, als der noch in der Highschool ermittelte. Vorsicht ist also geboten.

Ein wenig vertan haben sich die Produzenten beim Casting dennoch. Greenberg ist ein unverbrauchter Typ, sieht allerdings ziemlich genau nach den 27 Jahren aus, die er alt ist. Warum er unbedingt noch vier Jahre jünger werden musste für den Film ist ein Rätsel. Es gibt noch weitere Schwächen des Films zu entdecken, die den positiven Eindruck aber nicht weiter beeinträchtigen. Letztlich fehlt ein wenig der Focus, denn bei allen guten Szenen, die zu sehen sind, bleibt doch immer irgendwie ein Fragezeichen. Will uns Regisseur Ben Younger die Geschichte nun als harmlose Komödie verkaufen? Oder ist es ihm doch ernst mit der (Un)Möglichkeit einer Liebe zwischen zwei Menschen mit deutlichem Altersunterschied? Wenn man es auch am Ende nicht genau sagen kann, der Weg zur Ratlosigkeit ist flott und mit Herz inszeniert. Und dabei nicht im Ansatz so platt wie der miese Trailer oder der wenig passende deutsche Titel.

7/10

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