Miami Vice

Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass mit „Miami Vice“ eine weitere US-Fernsehserie zu Kino-Ehren kommen sollte, war ich nicht gerade begeistert. Mit der Serie konnte ich nie viel anfangen, und gerade erst hatte „SWAT“ gezeigt, wie man eine solche Adaption zum seelenlosen Möchtegern-Blockbuster werden lassen kann. Immerhin, als Regisseur und Produzent war Michael Mann angegeben, und der hat nicht nur die Serie erfunden, sondern auch viele gute Filme gemacht, darunter „The Insider“,“Heat“ und zuletzt „Collateral“. Bis zum ersten Trailer habe ich trotzdem fest mit einem Gute-Laune-Retro-Streifen im lustigen 80er-Look geglaubt. Weit gefehlt, der Film ist ein beinharter Thriller, der sich von der Vorlage nur die Namen der Hauptfiguren, die Location, und (natürlich) den Ferrari geliehen hat.Ohne Credits und Vorspann geht es gleich in den Alltag der Undercover-Cops Crockett (Colin Farrell) und Tubbs (Jamie Foxx). In einem Nachtclub lauern sie Gangstern auf, doch die Story geht schnell in eine ganz andere Richtung. Ein Informant meldet sich vom Autotelefon, eine Undercover-Operation ist aufgeflogen. Viel können die beiden nicht mehr retten, aber immerhin bekommt der Ferrari seinen ersten Einsatz. Der ist jetzt nicht mehr weiss wie einst, sondern von dezentem Dunkelgrau. Diese Metamorphose haben auch die Klamotten von Tubbs und Crockett durchgemacht, statt fliederfarbenen Hemden und Sakkos mit aufgerollten Ärmeln sind gesetzte Töne angesagt. Ihre coolen Sonnenbrillen durften sie behalten. Wo ein Einsatz in die Hose geht, muss irgendwo ein Leck sein, und genau das sollen Crockett und Tubbs in einem Geflecht von Informanten und Mittelsmännern finden. Im Visier haben sie südamerikanische Drogenbosse, denen sie ihre Dienste als Drogenkuriere im großen Stil anbieten. Um zu vermeiden, lediglich ein paar Mittelsmänner hoch gehen lassen zu können, müssen sie tiefer graben und sich – auch das ist Teil des Jobs – in größtmögliche Gefahr begeben.

Wie schon in „Collateral“ setzt Michael Mann auf den Einsatz von Digitalkameras, die auch bei Dunkelheit problemlos scharfe, dabei sehr grobkörnige Bilder liefern können. Soweit ich mich erinnern kann fand in der Serie noch ein Großteil der Handlung tagsüber statt, damit ist es nun vorbei. Die Nacht regiert in Miami und an den anderen Schauplätzen, nachts werden die Drogenladungen übergeben, nachts werden Deals geschlossen, und nachts wird gestorben. Geblieben ist der materialistische Charakter mit seinen Statussymbolen. Modernste Mobilfunkgeräte und die teuersten Sport- und Luxuskarossen beherrschen die Leinwand. Fast möchte man meinen, dass unsere beiden Helden ihrem Job nachgehen, um im Ferrari/Bentley durch die Gegend fahren zu dürfen. Es dauert eine ganze Zeit, bis die moralischen Grenzen zwischen den Gangstern und ihren Jägern deutlich werden.

Schon rein optisch ist „Miami Vice“ den Gang ins Kino wehrt, sofern man mit brutaler Gewalt umzugehen weiß. Es wird scharf geschossen, und es fließt eine Menge Blut. Seit „Heat“ und „Collateral“ ist Michael Mann bekannt für seine ausgiebigen Shootouts, und (nicht nur) am Ende seines Films lässt er es derart krachen, dass die Soundkulisse eher dem Gemetzel von Spielbergs „Saving Private Ryan“ ähnelt als dem albernen „Piff-Paff-Peng“ aus dem Fernsehen. In einem Interview mit der Sueddeutschen Zeitung erklärte der Regisseur dazu, man habe sich bei der Darstellung sowohl der Gangster als auch der Ermittler eng an die Beschreibungen ehemaliger Drogenfahnder gehalten.

Ein Problem des Films ist (siehe „Superman Returns„) seine Überlänge. Die 132 Minuten die es braucht um zum Ende zu kommen, sind locker eine Viertelstunde zu viel. „Miami Vice“ erlaubt sich leider einige Szenen, die entweder gänzlich hätten gestrichen werden können, oder mindestens kürzer ausfallen sollten. Es fällt auf, wie wenig normale Menschen eine Rolle spielen in diesem Film. Es gibt Gangster, und es gibt Cops, anders als in „Heat“ interessiert sich Mann diesmal kaum für ziviles Personal. Tubbs ist mit einer hübschen Kollegin liiert, Crockett dagegen lässt sich mit Isabella (Gong Li), einer hübschen Handlangerin der kolumbianischen Unterwelt, ein. Ehefrauen und Kinder? Fehlanzeige.

Etwa in der Mitte des Films fahren Crockett und Isabella mit einem Speedboat nach Kuba, um sich einige Mojitos und ein Zimmer für die Nacht zu gönnen. Die Szene gehört zu den besten, weist aber dieselben Schwächen auf wie der Film als Ganzes: Sie ist ein wenig zu lang, führt die Handlung nur bedingt weiter, sieht aber umwerfend gut aus. „Miami Vice“ ist ganz sicher ein überdurchschnittlicher Copthriller, der seine Längen und die wenig originelle Story mit seiner intensiven, düsteren Stimmung und seiner gekonnten, rastlosen Inszenierung locker auffangen kann.

7/10

Kino-Vorschau Römisch Drölf

Vor einigen Wochen habe ich bereits ein paar Filme kurz vorgestellt, die uns im Herbst im Kino beehren werden. Wer sich daran nicht mehr erinnern kann, der folge diesem Link. Eine vollständige Liste aller Starts in den kommenden Monaten kann und will ich nicht anbieten. Trotzdem sind mir weitere Filme aufgefallen, deren Namen man sich vielleicht merken sollte. Es folgt also der nächste Teil von Neustarts, mit dabei Filme von Clint Eastwood, Steven Soderbergh, Ridley Scott und Alejandro Gonzales Inarritu. Die Angaben zum Starttermin stammen von www.kinoseiten.de, und sind hoffentlich überwiegend korrekt.

Snakes on a Plane
Seit Monaten mit Spannung erwartet wird ein Film namens „Snakes on a Plane“. Die Prämisse ist derartig B-Film-mäßig, dass es das Publikum – zumindest in den USA – kaum noch erwarten kann. Samuel L. Jackson führt einen Gefangenen an Bord eines Flugzeugs. Der Mann ist Kronzeuge in einem Mafiaprozess (oder so ähnlich), und der beschuldigte Don hat den Flieger kurzerhand mit mehreren Dutzend gefährlichen Schlangen bestückt. Na, dann kann es ja losgehen! Als zweiter Film eines „Cinestar-Double-Features“ ist der Film meine erste Wahl. Will sagen, mitnehmen kann man den Streifen bestimmt, ob man dafür bezahlen sollte, ist eine ganz andere Frage.
Kinostart 07.09.06

Flags of our Fathers
Nach seinem Riesenerfolg mit „Million Dollar Baby“ ist es Eastwood bestimmt nicht schwer gefallen, das Budget für seinen nächsten Film aufzutreiben. Das Drehbuch stammt, wie schon bei seinem Boxdrama, von Paul Haggis, der letztes Jahr den Oscar für den besten Film („LA Crash“) abgeräumt hat. Erzählt wird die Geschichte der Schlacht um Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg, was da genau passiert ist, erfahrt ihr hier. Interessant ist, dass Eastwood die Geschichte zunächst aus amerikanischer Sicht schildern will, aber bereits einen zweiten Film, diesmal aus der Sicht der Japaner, geplant hat. Ob die Welt noch ein weiteres Drama über den Zweiten Weltkrieg braucht, mag mancher bestreiten wollen. Doch so wie der alte Mann zuletzt in Form war, könnte ein wirklich guter Film daraus werden.
Kinostart: 09.11.06

Southland Tales
Richard Kelly, Regisseur von „Donnie Darko“, hat seinen zweiten Film „Southland Tales“ bereits in Cannes vorgestellt. Dort ging er kräftig baden, die Kritiker zeigten sich von dem 160 Minuten-Werk wenig beeindruckt. Nun ja, vielleicht hat Kelly ja im Schneideraum nachgebessert, oder aber die Kritiker haben sich allesamt geirrt. Die InternetMovieDataBase gibt als Genre „Comedy/Musical/Sci-Fi/Thriller“ an, scheint also ein wildes Gebräu zu sein, was einen da erwartet…
Kinostart 09.11.06

A Good Year
Auch Ridley Scott gibt sich mal wieder die Ehre. In „A Good Year“ spielt Russell Crowe einen Engländer, der ein französisches Weingut erbt. Kurz darauf erhebt eine Frau Ansprüche darauf, wohin die Reise dann geht ist mir nicht bekannt. Um ehrlich zu sein, hört sich das für mich nicht besonders spannend an. Crowe ist eigentlich immer in Top-Form, aber ich habe es schon nicht übers Herz gebracht mir seinen letzten Film „Das Comeback“ anzusehen. Mir klang das alles zu sehr nach „Seabiscuit“ im Boxermilieu, falls jemand diese Befürchtung entkräften kann, bitteschön. Ob mich „A Good Year“ ins Kino treibt, bleibt erstmal offen, ein guter Trailer würde sicherlich helfen. Noch hab ich keinen gesehen.
Kinostart 16.11.06

The Good German
Steven Soderbergh hat zuletzt mit seinem Low-Budget-Streifen „Bubble“ den Versuch unternommen, die traditionelle Art der Filmverwertung zu revolutionieren. Sein Film erschien in den USA zeitgleich auf DVD, im Pay-TV und auf der Kinoleinwand. Sehr gut war er auch, in Deutschland hat er dennoch bis jetzt in keiner Weise stattgefunden. Mit „The Good German“ wird er sicher mehr Erfolg haben, immerhin ist sein Kumpel George Clooney mal wieder mit dabei, ebenso wie Cate Blanchett und Tobey Maguire. Über die Story ist mir wenig mehr bekannt, als dass der Film im Berlin der Nachkriegszeit spielt, und ein Amerikaner auf der Suche nach (s)einer Frau in einen komplizierten Plot gerät. Klingt ein wenig nach „Der Dritte Mann“. Wie auch immer, Soderbergh ist ein fähiger Regisseur, und ich denke man kann mindestens einen soliden, spannenden Thriller erwarten, vielleicht mehr.
Kinostart 07.12.06, andere Quellen: 01.03.07

Babel
Alejandro Gonzales Inarritu hat nicht nur einen komplizierten Namen, er dreht auch komplizierte Filme. Bei seinen beiden letzten, „Amores Perros“ und „21 Gramm“, bediente er sich einer verschachtelten Erzählweise, und auch in seinem neuesten Film „Babel“ verknüpft er wie man hört wieder drei verschiedene Geschichten. Mit Brad Pitt, Cate Blanchett und Gael Garcia Bernal hat er prominente und fähige Leute auf der Besetzungsliste stehen, und angesichts der Qualität seiner vorigen Filme bin ich auf diesen sehr gespannt.
Kinostart 21.12.06

Das Mädchen aus dem Wasser

Zu einer ausführlichen Kritik fehlt mir im Falle von „Lady in the Water“ (Originaltitel) die Muße, wenn es auch viel zu kritisieren gäbe. Der Film stellt den bisherigen Tiefpunkt im Schaffen von M. Night Shyamalan dar und löst damit den Vorgänger „The Village“ ab. Der wird zwar den meisten vor allem ob des beknackten Endes in Erinnerung sein (wenn überhaupt), bewies aber in der ersten Stunde eindrucksvoll, dass Shyamalan ein handwerklich begnadeter Regisseur ist. In seinem neuen Film verstrickt er sich nun vollends in naiv-schauerlichem Humbug. Gedacht als modernes Märchen bietet sein Film vor allem Langeweile und eine Story, die schon zu Beginn zu wünschen übrig lässt – vom weiteren Verlauf ganz zu schweigen. Derlei seichte Gewässer sollte man in der Videothek unbedingt umfahren.

M. Night Shymalan ist erst Mitte 30 und trotzdem schon einer der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Regisseure Hollywoods. Mit „The 6th Sense“ landete er Ende der 90er einen Riesenerfolg, und auch die Nachfolger „Unbreakable“ und „Signs“ waren äußerst erfolgreich. Shyamalans Filme sind allesamt stimmungsvoll und handwerklich erstklassig inszeniert. Seine Geschichten sind meist von spirituellen Themen bestimmt, Untote, Aliens und merkwürdige Superhelden bevölkern die Szenerie. Mit „The Village“ erlitt er dann jedoch zuletzt Schiffbruch, nicht zuletzt weil die Geschichte getrost als Mogelpackung bezeichnet werden kann. Auch „Lady in the Water“ (Originaltitel) passt thematisch durchaus in sein bisheriges Schaffen hinein, kann aber in keiner Weise überzeugen.

„Sideways“-Star Paul Giamatti spielt Cleveland, den stotternden Hausmeister eines heruntergekommen Apartement-Komplex in Philadelphia. Als netter Kerl versteht er sich gut mit dem bunten Volk, das dort Quartier bezogen hat, unter ihnen eine chinesische Studentin, eine Gruppe Kiffer, ein Meister des Kreuzworträtsels und ein junger, vom Regisseur selbst gespielter Autor mit seiner Schwester. Eines Tages entsteigt dem Swimming Pool des Hauses eine makelose junge Frau namens Story (Bryce Dallas Howard), die nach eigener Auskunft aus der „blauen Welt“ stammt. Cleveland hat nun alle Hände voll zu tun, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen, ihre Mission zu verstehen und ihr eine sichere Rückkehr zu ermöglichen.

Auch an diesem Film werden sich, wohl mehr als je zuvor, die Geister scheiden. Wohlwollende Betrachter sehen vielleicht ein unterhaltsames modernes Märchen. Die Mehrheit jedoch wird sich an den Kopf fassen ob der fast schon dreisten, grenzenlosen Naivität der Geschichte, die niemals Fahrt aufnimmt und auch keinerlei Überraschungen zu bieten hat. Schleppend und ohne Höhepunkte enträtseln Cleveland und die Bewohner Storys wahre Berufung, doch nicht mal die aus ihrer Heimat mitgereisten Urviecher sorgen für echte Spannung.

SPOILERS
Unter diesem Link hat sich jemand die Mühe gemacht, den Film gänzlich zu enträtseln, was mir persönlich nie eingefallen wäre. Und tatsächlich gibt es einiges zu entdecken, sollte der Autor des Artikels recht haben. Leider ändert das nix daran, daß der Film keinen Spaß macht. Und um ehrlich zu sein, hat mich sogar der Artikel, der alles „aufklären“ soll, sehr bald nur noch gelangweilt. Wenn Shyamalan einen cleveren Film über innere Dämonen drehen will, sollte er das nächste mal nicht vergessen, dem Publikum etwas davon zu erzählen. Nur zum Vergleich: „Identity“ hatte einen durchaus vergleichbaren Plot, schaffte es dabei aber locker, das Publikum bei der Stange zu halten…

2/10

Superman Returns

Seit „Kill Bill Vol. 2“ wissen wir ja, dass Quentin Tarantino Superman für die coolste Sau am Comic-Helden-Strand hält. Weil er nicht wie die ganzen anderen ein gewöhnlicher Mensch ist, der zum Superhelden mutiert ist, sondern weil er immer ein Superheld war. Während Peter Parker zu Spiderman wird, und Bruce Wayne als Batman losflattert, wird Superman zu Clark Kent, und nicht anders herum. Gut beobachtet auf jeden Fall, doch bringt so natürliches Heldendasein auch Probleme mit sich. Denn in den Verfilmungen mit Christopher Reeve in der Titelrolle war Superman z. B. im Vergleich zum dekadenten, reichen Mr. Wayne doch vergleichsweise, sagen wir mal, spießig. Ein böses Wort für Superhelden…Nun hat es also den Produzenten von Warner Brothers in den Fingern gejuckt, es noch einmal mit frischem Blut zu versuchen. Der vorher weitgehend unbekannte Brandon Routh hat sich den Strampelanzug mit dem S vorne drauf übergezogen, und er steht ihm gar nicht schlecht. Der Kerl sieht seinem Vorgänger Reeve sehr ähnlich, und bringt die trotteligen Seiten von Clark Kent eben so rüber wie den stahlharten Superhelden. Da ich die vorigen „Superman“-Filme zwar gesehen habe, mich aber nur undeutlich an Storydetails erinnere, hier nur ein kurzer Ausblick auf die Dinge, wie sie in diesem Neustart des Franchises liegen: Superman war vier Jahre verschwunden. Er hat sich weder bei Lois Lane (Kate Bosworth) noch sonst irgendwem abgemeldet, und es so auch verpasst vor Gericht gegen seinen Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) auszusagen. Ohne Kronzeuge kommt der mit einer kurzen Haftstrafe davon. Als Superman zurückkehrt hat sich Luthor bereits wieder ein immenses Vermögen erschlichen und finstere Pläne ausgearbeitet.

Und so geht eigentlich alles einfach wieder von vorne los, als wäre nichts gewesen. Das hätte auch funktionieren können, wenn Regisseur Bryan Singer und seinem Team mehr eingefallen wäre als ein allzu stumpfer Plot wie dieser. Trotz einiger Jokes kommt „Superman Returns“ auch noch frei von Ironie daher. Er lässt seinen Helden auch mal leiden und die Charaktere um ihr Leben fürchten, um am Ende aber versöhnlich alles ins Lot zu bringen. Dabei ist die Action zumeist wirklich gut. Superman muss schon recht früh ein ausgewachsenes Flugzeug heil vom Himmel holen, eine Aktion, die ihm seine Helden-Kollegen bestimmt neiden werden (Neo aus „Matrix“ könnte zwar Ähnliches leisten, aber er würde ja letztlich nur Nullen und Einsen retten, und das schafft ja nun mal nichts).

Die Romanze zwischen Clark und Lois – die inzwischen einen Sohn hat – kommt schleppend bis gar nicht in Gang, doch auch dies ist kein wirkliches Problem. Wäre auch noch schöner, wenn die zwei nach all den Jahren plötzlich das private Glück finden würden. Außerdem ist Superman ja nicht mal menschlich, und mit Clark Kent möchte wirklich niemand verheiratet sein. Der Film liefert alles, was man realistisch betrachtet erwarten durfte, aber auch keinen Jota mehr. Kate Bosworth als Lois halte ich für die einzige Fehlbesetzung des Films, Kevin Spacey gibt sich Mühe, spielt aber auch nur einen von Trillionen Comic-Bösewichtern mit dem originellen Plan, die Welt zu beherrschen. Seiner involviert Kristalle, die vor der Ostküste der USA neues Land entstehen lassen, was für bereits vorhandene Landmassen eine Art Problem darstellt. Im Vergleich zu Sam Raimis „Spiderman“-Filmen gibt es zu wenig interessante, oder auch einfach nur witzige Nebenfiguren. Zwar tauchen neue Gestalten auf, aber deren Halbwertzeit scheint begrenzt, selbst wenn diesem Neustart noch Sequels folgen sollten. Auch der große Held selbst ist, wie eingangs erwähnt, keine besonders interessante Erscheinung. Superman ist ein guter Junge, wohlerzogen und bescheiden. Am besten hat mir sein Schmalzlöckchen gefallen, das ihm offensichtlich auch in schwierigen Zeiten die Treue hält.

Ein weiteres Problem des Films ist seine Überlänge von 150 Minuten, die dann auch noch eine Pause im Kino mit sich bringt. Für letzteres kann der Regisseur herzlich wenig, aber angesichts der dünnen Story hätte er auch problemlos in 130 Minuten fertig werden können. Sei es drum. „Superman Returns“ ist ein aufwändig produzierter Actionfilm, der einem Großteil seines Publikums (Altersfreigabe FSK 12) problemlos die Zeit vertreiben wird. Was Unterhaltungs- und Schauwerte betrifft ist also alles in bester Ordnung. Nur die Erwartungen nach mehr als eben jenen, die hebt man sich besser für andere Filme auf.

6/10

Where The Buffalo Roam

Hunter S. Thompson, unter anderem Autor von „Fear and Loathing in Las Vegas“, hat sich bekanntlich im Februar 2005 das Leben genommen. Eines der prominenteren Opfer der Bush-Regierung könnte man sagen. Sein Leben lang hat der Kerl gegen verbohrte und korrupte Politiker und Institutionen angeschrieben, heraus gekommen sind dabei zwar gute Bücher, das Wählerverhalten der USA zeigte sich jedoch weitestgehend unbeeindruckt. Im Kino hat Johnny Depp Thompsons alter ego Raoul Duke bekannt gemacht, mit seiner grandiosen Darstellung des ewig bedröhnten Gonzo-Journalisten auf der Suche nach seinem persönlichen amerikanischen Traum in Terry Gilliams Filmversion von „Fear and Loathing“.Seit einigen Jahren hält sich das Gerücht, dass Depp noch einmal in die Rolle des exzentrischen Schriftstellers schlüpfen wolle. Thompsons früher Roman „The Rum Diary“ soll verfilmt werden. Genau genommen ist der Protagonist gar nicht Thompson selber, allerdings ist viel Autobiographisches dabei, und ich bin mir sicher, dass auch diesmal der Zigarettenhalter wieder mit von der Partie sein wird. Zunächst hieß es, Depps ehemaliger Co-Star Benicio Del Toro wolle Regie führen, dann sollte es losgehen, aber nichts passierte. Inzwischen gibt die InternetMovieDataBase einen neuen Regisseur an, der Status aber bleibt weiterhin „pre-production“. Auch Nick Nolte und Josh Hartnett wurden bereits in Besetzungslisten aufgeführt, geblieben ist bis heute allerdings nur noch Depp. Letzter Stand: Nach dem Dreh von „Pirates 3“ geht es los…

Wer sich die Zeit bis zum (möglichen) Start dieses Films vertreiben möchte, dem sei gesagt, dass es noch einen weiteren, recht unbekannten Film gibt, der auf Schriften und Leben von Thompson beruht. „Where the Buffalo Roam“ stammt aus dem Jahre 1980, in der Hauptrolle ist ein sehr junger Bill Murray zu sehen. Die Handlung besteht aus verschiedenen Episoden, in den meisten ist auch „Dr. Gonzo“ wieder dabei, diesmal unter dem Namen Carl Lazlo, gespielt von Peter Boyle. Für Fans ist das alles genug, um einen Blick zu riskieren, wer jedoch auf wildes, abgefahrenes Kino a la „Fear and Loathing“ hofft, der wird enttäuscht sein.

Murray gibt sich Mühe, die eigentümlichen Gesten, die unkontrollierte Energie und das markante Genuschel Thompsons nachzuahmen, findet dabei aber nie wirklich in die Rolle hinein. Der Film hat keine richtige Handlung, und leider auch keinen Ersatz dafür. Zu wenige Gags zünden wirklich, gepaart mit der – im Vergleich zu Depp – bescheidenen Verkörperung des schrägen Vogels Thompson bleibt der Film weit unter seinen Möglichkeiten. Nur selten kommt der subversive, bisweilen anarchische Charme der Vorlage(n) zum Vorschein. Die meisten Szenen pendeln zwischen krudem Humor und überzogenen Hampeleien. Wer sich mit Thompsons Schriften nie beschäftigt hat, der wird sich häufiger fragen was um Himmels Willen das Ganze eigentlich soll. Das größte Problem, zumindest aus heutiger Sicht, ist aber schlichtweg die Tatsache, dass Terry Gilliam mit seiner kongenialen Verfilmung eines Thompson-Buches die Latte sehr hoch gelegt hat, und „Where the Buffalo Roam“ umso enttäuschender daherkommt. Zu bekommen ist er hierzulande bisher nur in wenigen Videotheken und als DVD-Import z. B. aus England.

6/10

Rounders (DVD)

Die Besetzung dieses Films von 1998 ist schon beeindruckend. Edward Norton, Matt Damon, die Johns Malkovich und Turturro, Famke Janssen, Martin Landau. Dazu auf dem Regiestuhl John Dahl, der mit „Red Rock West“ und „The Last Seduction“ zwei herrliche Neo-Noirs gedreht hat. „Rounders“ ist vor einiger Zeit in den Videotheken aufgetaucht, um acht Jahre nach seiner Entstehung vielleicht doch noch ein Publikum zu finden. Keine schlechte Sache, obschon mir scheint, daß es großen Teilen des Publikums ähnlich gehen wird wie mir. Kein schlechter Film, aber bei der Besetzung wäre doch mehr dringewesen, oder?Die Handlung weist Parallelen zu Martin Scorseses „Mean Streets“ auf, in dem Harvey Keitel irgendwann damit überfordert ist, auf seinen Gaunerkollegen Robert DeNiro aufzupassen. Nur geht es hier nicht um Gangster, sondern um Zocker. Matt Damon spielt den Jurastudenten und leidenschaftlichen Pokerspieler Mike McDermott. Als er eines Tages seine gesamte Kohle verzockt zieht er sich aus der Szene zurück und konzentriert sich auf sein Studium und seine Freundin. Doch eines nicht so fernen Tages wird sein alter Kumpel Lester, genannt „Worm“ und dargestellt von Edward Norton, aus dem Knast entlassen. Und der hat nichts anderes vor, als sich durch Pokerspiele eine Zukunft aufzubauen. Zu allem Überfluss steht er bei ein paar üblen Schergen aber noch mit zehn großen Scheinen in der Kreide.

Die Geschichte ist altbekannt. Lester zieht in der Folge seinen alten Freund mit in einen immer größer werdenden Schlamassel, und Mike ist zu gutmütig, um ihm schleunigst die Freundschaft zu kündigen. Das hätte trotzdem eine sehr gute Geschichte werden können, leider erlaubt sich „Rounders“ einen geschwätzigen Off-Kommentar, eine umständliche Erzählweise und bietet keine wirklich großen Szenen. Die Story ist solider Durchschnitt, großartig besetzt und gespielt, entfacht aber keine Begeisterung. Von John Dahl hätte ich – angesichts seiner vorigen Filme – auch eher eine düstere Geschichte erwartet. Mit all den Gestalten aus der Halb- und Unterwelt wäre die Bühne dafür frei, doch bleibt „Rounders“ eher brav.

Eine Lichtgestalt ist John Turturro, der einen vorsichtig agierenden Pokerspieler mimt, der seinen „Job“ äußerst ernst nimmt und für großmäulige Zocker, die Haus und Hof aufs Spiel setzen, nichts übrig hat. Überhaupt gibt es eine Menge zu lernen über die verschiedenen Varianten des Spiels, seine Eigenheiten und die Menschen, die es so leidenschaftlich spielen. Ein wenig Interesse weckt das allemal, aber es braucht schon eine Leidenschaft für Poker, um den Film richtig genießen zu können. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass reale Zocker für viele Szenen eher Gelächter über haben. Bei aller Kritik ist der Film dennoch den meisten anderen Neuerscheinungen vorzuziehen. So ein bißchen ist es wie mit einem mäßigen Woody-Allen-Film. Es geht schon bedeutend besser, aber deshalb ist es ja noch kein schlechter Film.

7/10

Es ist bitte Folgendes:

Hin und wieder gucke ich mir Filme an, von denen ich relativ wenig weiß, ausser daß sie bei IMDB.com ein überdurchschnittlich gutes User-Rating habe. In der letzten Woche fanden so „Maria voll der Gnade“(7,7/10) und „The Notebook“(8,0/10) den Weg in meinen DVD-Player. Meistens sind solche hohen Werte in der Tat ein gutes Zeichen für Qualität. Natürlich sollte man sich kurz das Genre angucken, denn z. B. bei Horrorfilmen sind mir selbst Höchstwertungen eher egal. Wie dem auch sei, „Maria voll der Gnade“ ist auch wirklich ein guter Film, der das Leben einer Kolumbianerin zeigt, die sich mit einem Haufen Kokain im Magen nach New York aufmacht. Da sind einige wirklich bittere Szenen nicht zu vermeiden, aber der Film setzt nicht platt auf die Tränendrüse, sondern erzählt sachlich und mitfühlend zugleich. Ein guter Film. Anders leider „The Notebook“, der seine epische Romanze einfach zu zuckrig und langwidrig vor dem Zuschauer ausbreitet. Die Schauspieler sind weniger das Problem als die schwülstige Inszenierung und eine Rahmenhandlung, die sehr konstruiert rüberkommt. Wer da wem welche Geschichte erzählt wird doch zu schnell klar. Und die Frage „Entscheidet sich die weibliche Hauptfigur für den sympathischen, armen Schlucker vom Land oder für den smarten, reichen Nobelschröder aus der Großstadt“, die stellt sich bei dem Material sowieso nicht ernsthaft. AchtKommaNull? Nicht bei mir!

The Assassination of Richard Nixon (DVD)

Attentate auf den Präsidenten haben durchaus Tradition im US-Kino. Vom „Manchurian Candidate“ von 1962 über „In the Line of Fire“ in den Neunzigern, zuletzt dann ein Remake des ersteren. Kein Wunder, immerhin wurden in der Geschichte der USA immer wieder Anschläge auf das Staatsoberhaupt durchgeführt, mit unterschiedlichem Erfolg. Der Versuch eines Einzeltäters im Jahre 1974 Richard Nixon umzubringen gehört zu den weniger bekannten. Basierend auf der wahren Geschichte des Vorfalls erzählt „The Assassination of Richard Nixon“ von den letzten zwei Wochen, bevor sich Sam Bicke (Sean Penn) aufmachte, mit einem großen Knall die Welt zu verändern. Mehr…
7/10

The Assassination of Richard Nixon

Attentate auf den Präsidenten haben durchaus Tradition im US-Kino. Vom „Manchurian Candidate“ von 1962 über „In the Line of Fire“ in den Neunzigern, zuletzt dann ein Remake des ersteren. Kein Wunder, immerhin wurden in der Geschichte der USA immer wieder Anschläge auf das Staatsoberhaupt durchgeführt, mit unterschiedlichem Erfolg. Der Versuch eines Einzeltäters im Jahre 1974 Richard Nixon umzubringen gehört zu den weniger bekannten. Basierend auf der wahren Geschichte des Vorfalls erzählt „The Assassination of Richard Nixon“ von den letzten zwei Wochen, bevor sich Sam Bicke (Sean Penn) aufmachte, mit einem großen Knall die Welt zu verändern.Bicke ist ein Verlierertyp, der in seinem Umfeld zunehmend die Orientierung verliert. Sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit wird fatal ergänzt durch einen immensen Minderwertigkeitskomplex und die Unfähigkeit zu sozialem Verhalten. Seine Frau Marie (Naomi Watts) hat ihn mit samt den Kindern bereits verlassen, mit seinem geschäftstüchtigen Bruder hat er sich überworfen. Bicke verdient sein Geld als Verkäufer in einem Geschäft für Büromöbel, eine Anstellung die seine Isolierung nur noch vergrößert. Seine ganze Hoffnung liegt in der Bewilligung eines Kredits, mit dem er gemeinsam mit seinem Partner Bonny (Don Cheadle) eine mobile Reifenhandlung eröffnen will.

Getragen wird der Film in erster Linie durch die starke Leistung seines Hauptdarstellers. Penn versteht es, die Zerrissenheit seiner Figur sichtbar zu machen. Seine – teilweise – guten Absichten führt er mit seinen jämmerlichen Auftritten ad absurdum, seine Einsamkeit ist eine logische Folge davon. Seine Unterhaltung mit einem Mitglied der „Black Panther“-Bewegung ist der traurige Höhepunkt. Szenen, in denen Bicke dem Publikum Mitleid abtrotzt wechseln sich ab mit solchen, in denen er sich durch eigenes Unvermögen ins Unrecht setzt. Während sich im Fernsehen der Präsident mit immer neuen Lügen und Beteuerungen gegen den Niedergang stemmt, sieht Bicke irgendwann nur noch eine riesige Verschwörung gegen den „kleinen Mann“ der amerikanischen Gesellschaft, mit anderen Worten: gegen sich selbst.

Regisseur Niels Mueller gelingt ein gelungenes Portrait eines Außenseiters, dessen private Nöte ihn zum fanatischen, verstörten Aktivisten machen. Sein Protest gegen die „ungerechte Gesellschaft“ ist dabei jedoch nur Ausdruck seines eigenen Scheiterns. Der Zuschauer ist in der Lage, die Figur zu verstehen, entwickelt aber keine großen Sympathien. Spannend bleibt die Geschichte trotzdem bis zum Schluss, über den ich nicht zu viel verraten will. Es ist bekannt, daß Richard Nixon nicht vor seinem erzwungenen Rücktritt ermordet wurde. Aber dass jemand genau so etwas vorgehabt hat, und dies auf eine beängstigend moderne Weise hallt noch nach Ende des Films im Gedächtnis nach.


7/10

Neue Links

Es gibt drei neue Links zu bestaunen, auf der rechten Seite unterhalb der „About Me“-Sektion. Als großer Freund von neuen und alten Film Noirs habe ich mich mal ein wenig im Netz umgesehen, was es denn Spannendes zu lesen gibt. Gelandet bin ich, wie so häufig, bei der Wikipedia. Die Texte sind verständlich und gut geschrieben, wenngleich einige Filmwissenschaftler das noch ein bißchen besser können. Macht aber nichts, denn dafür gibt es, vor allem auf der englischsprachigen Seite, noch tonnenweise Links zu Filmen und Essays. Wie ich dazu komme, das gerade jetzt zu posten, weiss ich nicht genau. Vielleicht brauchte ich nur einen Vorwand um Bogey auf die Seite zu locken…

And Again: Neue DVDs

Langsam aber sicher finden sich die zumeist recht guten Filme aus den ersten Monaten des Kinojahres in den Videotheken bzw. bei Amazon und Konsorten ein. Da wären die drei Dramen „The Weather Man„, „Capote“ und „The New World“ zu nennen, die allesamt einen Blick lohnen. Und drei richtig gute Thriller-ähnliche Streifen sind mit „München„, „Lord of War“ und „Der Ewige Gärtner“ auch zu haben. Isn`t it herrlich!?